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Monatsliste von Februar 2020

Im direkten Gegensatz zum Januar war der Februar etwas weniger erfolgreich – auf der Liste steht letzten Endes nur ein einziges Buch. Das hatte es dafür in sich. Es war mal wieder ein Rezensionsexemplar von vorablesen und tatsächlich habe ich es geschafft, es dieses Mal pünktlich zum Erscheinungstermin rezensieren! Ein weiteres Büchlein habe ich im Februar leider nicht mehr fertig geschafft. Hatte ich schon im Januar gesagt, dass der Monat zu schnell vorbei ging, war das im Februar erst recht der Fall. Gerade gegen Ende des Monats habe ich auch meine Zeit, die ich hatte, eher dazu genutzt, mal wieder ein paar Beiträge für diesen Blog zu schreiben – es könnte euch aufgefallen sein, dass im Februar wieder halbwegs regelmäßig etwas erschienen ist. Das würde ich gerne im März fortsetzen und dafür ist es nötig, mal die Rezis der letzten Monate aufzuschreiben. Da bin ich noch dran, aber immerhin kann ich euch schon jetzt sagen, dass der März spannend wird. Nach dem Tiefpunkt gegen Ende des lezten Jahres bin ich jetzt wieder motiviert, dem Blog auch dauerhaft Leben einzuhauchen – und sei es zunächst nur mit Montagsfrage und einem weiteren Post pro Woche.

In diesem Sinne, hier sind die etwas traurigen Zahlen:

Gelesen:
Marianengraben – Jasmin Schreiber (252 Seiten, 5/5 Sternen)

Gesamt 252 Seiten, 8,68 Seiten pro Tag

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Greenshaws Monstrum – Agatha Christie

Miss Marple war immer ein Liebhaberprojekt von Agatha Christie, reich wurde sie durch die Geschichten mit dem etwas verschrobenen Belgier Herule Poirot. Aber Miss Marple, eine alte Jungfer, die im letzten Roman über 80 Jahre alt sein muss, war Christies Lieblingsfigure. Ihre Kurzgeschichten sind, wie ich schon referiert habe, in zwei Anthologien erschienen – diese letzte, Greenshaws Monstrum jedoch, erschien im Original in der Anthologie The Adventure of the Christmas Pudding and a Selection of Entrées, die 1960 erschien. Die 1967 erschienene Anthologie Ein diplomatischer Zwischenfall enthält jedoch nur die Titelgeschichte, die übrigen Geschichten der Originalanthologie wurden ersetzt. Drei der dort enthaltenen Geschichten, nämlich Die Spanische Truhe, Der Traum und eben Greenshaws Monstrum veröffentlichte der Scherz-Verlag bereits 1964 in der Anthologie Der Unfall und andere Fälle; diese ist es auch, die ich hier gerade bespreche. Eine dem Original gleichende Ausgabe erschien erst 2011 beim Hachette-Verlag. Sie ist inzwischen vergriffen und antiquarisch nicht zu bekommen. So ähnlich lief es übrigens auch mit Miss Marples letzte Fälle, auch hier zog sie die deutsche Erstveröffentlichung bis 2010 hin, auch hier ist die deutsche Ausgabe vergriffen.

Ich kann mir die Frage nicht beantworten, warum diese Geschichten nicht in ihrer Originalgestalt herausgegeben wurden. Im Englischen ist das überhaupt kein Problem. Es gibt die Anthologie „Miss Marples Final Cases“, die alle acht in dieser Anthologie enthaltenen Geschichten enthält und diese letzte Geschichte, Greenshaw Monstrum noch als ‚Bonus‘ dazulegt, damit man sich für die Miss Marple Geschichten eben nur zwei Bände kaufen muss. Die Anthologie The Adventure of the Christmas Pudding […] ist aber parallel dazu in ihrer Originalgestalt erhältlich. Für jeweils unter 10€ pro Band, je nach Bezugsquelle. Warum geht das im Deutschen nicht? Lässt sich mit Agatha Christie in Deutschland so wenig verdienen oder kann sich irgendein Verlag nicht dazu aufraffen, das mal in hübschen Ausgaben herauszugeben? Mein Ratschlag lautet also: Lest es auf Englisch. Ich habe es nicht getan. Immerhin gibt es seit 2015 im Atlantik-Verlag Das große Miss Marple Buch mit allen 20 Kurzgeschichten. Und Ende 2019 kommt dann auch das zugehörige Taschenbuch heraus. Warum auch immer man das hier erneut rekompilieren musste.

Nach über 300 Wörtern Einleitung kommen wir mal zur Geschichte selbst. Ist sie diesen großen Wirbel wert? Das Beschriebene Monstrum ist ein großes Haus, das Mr. Greenshaw, der zu viel Geld hatte, erbauen ließ und das nun von ihrer Enkelin mit wenig Personal irgendwie erhalten wird. Die Nichts von Raymond West, der schon im Dienstagabendklub auftrat, bekommt den Auftrag, die Tagebücher von Mr. Greenshaw aufzubereiten und wird dabei in den Mord von Mrs. Greenshaw verwickelt. Raymond erzählt Miss Marple davon und möchte ihren Rat hören, da er sich nicht erklären kann, wie es dazu kam. Aus einem relativ komplexen Beziehungsgeflecht schafft es Miss Marple dann schließlich, eine Lösung zu erarbeiten, um so den Fall aufzuklären – und damit das Haus seinem rechtmäßigen Erben zuzuführen.

Ich verrate wie immer keine Details zur Lösung, aber dieser Fall ist wieder etwas anders als der vergangene Fall, der ja sehr reduziert war, aber durch seine Atmosphäre punkten konnte. Auch hier ist die Atmosphäre auf jeden Fall ein Höhepunkt. Dieses etwas abseits gelegene, halb verlassene und gar nicht groß genutzte Haus und die junge Frau, die dort alleine arbeitet, wird auf einmal in einen solchen Fall verwickelt – das erzeugt schon ein ordentliches Maß an Spannung. Mal wieder passiert einiges nur durch das Erzählen – ich mag es eigentlich in Krimis auch ganz gerne, wenn nicht jemand alles erzählt und der Ermittler es auf der Couch löst. In Kurzgeschichten ist das aber der übliche Fall und das ist in Ordnung.

Es ist eine ziemlich gute Geschichte. Sie ist lesenswert, der Fall ist spannend und auf jeden Fall nachvollziehbar erklärt, die Grundidee ist recht simpel, aber clever umgesetzt und atmosphärisch stimmt hier vieles. Das Wiedersehen mit dem bekannten Raymond West freut mich sehr und ich freue mich, diese Geschichte gelesen zu haben. Ich gebe gerne – auch weil ich Miss Marple sehr gerne habe gute 4,5/5 Sternen für diese Geschichte. Und insgesamt kann ich auch sagen, dass die Anthologie „Der Unfall und andere Fälle“ ihr Geld absolut wert ist, weil großartige Geschichten darin erschienen sind. Für alle, die nur diese Geschichte lesen wollen: Es gibt sich auch als einzelnes eBook für einen Euro – allerdings nur auf Englisch, mal wieder.

Übrigens, noch ein kleiner Spoiler zum Abschluss: Miss Marples letzte Fälle habe ich tatsächlich mal gelesen. Allerdings habe ich derzeit keine Ausgabe greifbar, um ein hübsches Foto davon zu schießen. Ich muss nochmal schauen, ob ich da irgendwie rankomme, um sie euch hier auf dem Blog zu präsentieren. Ansonsten eben ohne Foto.

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Monatsliste vom Januar 2020

Das neue Jahr ist inzwischen schon nicht mehr so wirklich jung und deshalb wird es jetzt mal Zeit, die Monatslisten der ersten beiden Monate aufzuarbeiten – fangen wir im Januar an. Der Januar war gefühlt sehr schnell vorbei und kaum, dass ich ein Buch fertig gelesen hatte, war der Monat auch schon vorbei. Dazu kommt leider, dass meine Lesezeit noch immer relativ begrenzt ist. Vergleicht man die Zahlen jedoch mit dem vergangenen Jahr, kann ich auf den Januar fast stolz sein. Man merkt sicherlich, dass mich der neue Eoin Colfer aus dem vergangenen Dezember dazu inspiriert hat, die alten Bände noch einmal zu lesen. Ich weiß nicht, ob ich jetzt die komplette Reihe nochmal lesen möchte, aber ich kann zumindest sagen, dass mich die Bücher, die ich ja vor fast 15 Jahren zum ersten Mal gelesen habe, auch heute noch ansprechen. Neben diesen beiden Bänden habe ich auch noch ein weiteres Buch gelesen, was die Zahlen überraschend erfreulich aussehen lässt:

Gelesen:
Artemis Fowl – Eoin Colfer (239 Seiten, Re-Read)
Artemis Fowl Die Verschwörung – Eoin Colfer (304 Seiten, Re-Read)
Douglas Adams‘ Raumschiff Titanic – Terry Jones (252 Seiten, 3,5/5 Sterne)

Gesamt: 795 Seiten, 25,64 Seiten pro Tag

Rezensionsexemplar:
Marianengraben – Jasmin Schreiber

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Marianengraben – Jasmin Schreiber

Scheinbar ist vorablesen nicht allzu nachtragend und hat mich aufgrund meiner viel zu späten Rezension zum neuen Artemis-Fowl Buch nicht lebenslänglich von der Verlosungsliste gekickt, denn schon ein paar Wochen später habe ich wieder einen Titel gewonnen: Marianengraben von Jasmin Schreiber. Das Buch wurde mir über Twitter dutzende Male in die Timeline gespült und so dachte ich, werfe ich meinen Leseeindruck in den Ring. Nun, wenige Tage später kam das entsprechende Buch bei mir an und inzwischen habe ich es auch gelesen. Heute ist der offizielle Erscheinungstag, anscheinend ist es aber schon seit einer Woche in den Läden, weil der Großhandel es zu früh ausgeliefert hat.

Die Geschichte dreht sich um Paula. Paula ist nach dem Tod ihres Bruders in eine ziemlich tiefe Depression gerutscht und soll im Rahmen einer Therapie mal das Grab ihres Bruders besuchen. Da sie dort ungerne gesehen werden möchte, bricht sie nachts auf dem Friedhof ein. Sie trifft dabei Helmut, der gerade die Urne seiner Ex-Frau ausgräbt, um ihre Asche an ihrem Lieblingsort zu vergraben. Paula hilft Helmut spontan bei seinem Unterfangen, sie weiß auch nicht, wie sie auf diese Idee kam, aber jedenfalls stolpern sie bei der Flucht vor dem Friedhofswärter, Paula fängt die Urne, leider ergießt sich ein Teil der Asche auf sie. Weil Helmut natürlich kein Gramm seiner Ex-Frau verlieren möchte, bittet er Paula, mit ihm zu kommen, er würde ihre Kleidung ausklopfen und auswaschen und bittet sie in einer Duschmatte aus Kaffeefiltern zu duschen, damit er alle Asche einfangen kann. Aus dieser kuriosen Begegnung entwickelt sich eine seltsame Freundschaft und ein faszinierender Road-Trip mit Hund und Henne. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Die Kapitel tragen eine absteigende unregelmäßige Nummerierung, die irgendwo über 11000 beginnt und schließlich bei 0 aufhört. Ich denke, es ist nicht zu viel verraten, wenn ich jetzt erzähle, dass es sich beim im Buch beschriebenen Marianengraben um eine Metapher für Depressionen handelt. Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine Lovecraft’sche Gruselgeschichte mit Tentakelmonstern aus der Tiefsee, auch wenn das Cover das suggeriert. Es geht auch in dem Roadtrip witzigerweise in die Berge, was man natürlich auch als fortgesetzte Metapher des Auftauchens verstehen kann, die sich eben auch in der Kapitelbezeichnung niederschlägt.

Viele Rezensenten des Buches beschrieben es als ein zugleich unglaublich trauriges und doch amüsantes Buch, das mit dem Tod zwar respektvoll umgeht, aber ihn dennoch zum Ausgangspunkt von etwas Heiterem macht. Das liegt natürlich zum einen an der Geschichte, die eine gewisse Komik sicherlich in sich trägt, aber auch am Schreibstil der Autorin. Zum einen bietet die Ich-Erzählerin genug Einblicke in ihre Innenwelt, um zu verstehen, was gerade passiert. Zum anderen ergibt sich die Komik und gleichzeitig die Tragik der Geschichte aus den Dialogen von Paula mit Helmut, die dem Wesen von Paulas Depression langsam aber sicher auf den Grund gehen können.

Seit Roland Barthes wissen wir, dass der Autor mit dem Text nicht in Verbindung zu bringen ist. Vielleicht sollten wir diese Position angesichts einer neuen Generation von Literaten revidieren. Saša Stanišić hat im letzten Jahr schon mit dem Roman ‚Herkunft‘ seine Autobiographie literarisch verarbeitet und auch bei Jasmin Schreiber finden sich wohl keine zufälligen Parallelen zur Protagonistin Paula – Schreiber ist wie die Protagonistin Biologin, leidet unter Depressionen und bedankt sich ‚natürlich auch‘ bei ihrem Bruder. Dass sie sich in dem Buch mit dem Tod auseinandersetzt, hängt vielleicht auch mit Schreibers Tätigkeit als Sterbebegleiterin zusammen und das Verhalten von Paula, unter jedes Blatt zu schauen und nach den Insekten Ausschau zu halten, hat sie mit ihrer Autorin, die auf Twitter versucht eine #schneckenbubble zu etablieren, gemein. Viele Worte um zu sagen, dass es einen Trend zu geben scheint, persönliche Erfahrungen in den Protagonist*innen zu spiegeln und die Bücher so zu einer Art autobiographischer Fiktion zu machen.

Mir gefällt das gut. Ich mochte das Buch insgesamt sehr gerne, weil es eben diese schweren Themen, wie den Verlust eines Familienmitgliedes oder auch das Vereinsamen im Alter aufgreift und einen dabei gleichzeitig zum Weinen wie zum Lachen bringt. Das Buch ist dabei gar nicht besonders dick und verzichtet komplett auf Nebenhandlungen – von einigen tierischen Handlungstragenden mal abgesehen. Insofern kann ich Jasmin Schreibers Debütroman vorbehaltlos empfehlen und gebe gerne 5/5 Sternen. Vielleicht ist es noch etwas früh dafür, aber ich halte das Buch schon jetzt für eines meiner Lesehighlights des Jahres.

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Montagsfrage vom 24.02.2020

Guten Abend zusammen und Herzlich Willkommen zur Montagsfrage!

Was ist das älteste Buch, das ihr je gelesen habt?

Ich muss zugeben, die Griechen sind bisher noch nicht an mich gegangen. Ich kenne ein paar Geschichten, ich hätte auch Zugriff auf Homer und einige griechische Tragödien, die im Bücherregal schlummern, aber wirklich drangetraut habe ich mich noch nicht.
Ich habe gerade mal geschaut, die ältesten hier im Blog besprochenen Texte sind von 1658 (Absurda Comica) bzw. 1668 (Der Geizige). Jetzt dokumentiere ich zwar viele meiner Lektüren für meinen Blog, aber tatsächlich nicht alles. Ich habe mich in den letzten Jahren mehr oder weniger vollständig durch diverse Texte des Mittelhochdeutschen und ausschnittsweise auch durch Otfrid von Weißenburg gelesen. Wenn ich mal die Zeit (ha!) finde, ackere ich mich da nochmal systematisch durch und dokumentiere das auch hier für den Blog.
Klar, ein bisschen durch die Bibel habe ich mich auch schon gelesen und im Lateinunterricht in der Schule durch ein bisschen Bello Gallico und Cicero und ich wollte mich eigentlich mal an die ägyptische Totenbuchliteratur wagen, aber die Zeit fehlt auch dafür leider. Eine Lieder-Edda liegt auch im Regal, wurde aber bisher auch nur ausschnittsweise gelesen.
In diesem Sinne muss ich konstatieren, dass die ältesten Texte, die ich hier verbloggt habe, gerade einmal gut 350 Jahre alt sind. Andererseits ist das gerade der Zeitrahmen, den wir gerade noch verstehen können. Wer Gryphius bereits in einer recht originalgetreuen Ausgabe gelesen hat, wird wissen, was ich meine: Der Text ist noch verständlich, aber benötigt schon etwas Konzentration, da sich Sprache und Textgestalt schon deutlich unterscheiden. Ich behaupte hier einfach mal, dass ältere Texte vor 1600 ohne ausführliche Beschäftigung für uns heute nicht mehr zugänglich sind.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, in der am Donnerstag tatsächlich eine Rezi eines Buches erscheinen soll (drückt mir die Daumen), das erst am Freitag erscheint.

Bis dahin!

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Douglas Adams Raumschiff Titanic – Terry Jones

Während ich das oben genannte Buch gelesen habe, ist etwas tragisches passiert. Terry Jones, der Hauptautor dieses Buches verstarb, als ich ungefähr auf Seite 180 war. Ich hoffe, dass das nicht mit Störungen im Raum-Zeit-Kontinuum zusammenhängt, die ich ausgelöst habe…

Raumschiff Titanic ist eigentlich ein Videospiel. Douglas Adams war neuen Technologien grundsätzlich zugetan und fand die Idee, eine interaktive Geschichte mit hübschen Grafiken, die zu dieser Zeit langsam möglich wurden, zu erzählen, viel reizvoller, als ein Buch aus seiner Idee zu machen. Da der Verlag aber gerne zeitgleich ein Buch herausgeben wollte und Adams keine Kapazitäten hatte, dieses parallel zu schreiben, wurde Terry Jones damit beauftragt, die Ideen von Adams in eine Geschichte umzusetzen.

Aber kommen wir erstmal zur Geschichte: Ein genialer blerontinischer Erfinder entwickelt ein neuartiges Raumschiff, dass für Kreuzfahrten eingesetzt werden soll, aber ein Projekt ist, das ein wenig an den neuen Berliner Flughafen erinnert. Es soll also, unbemerkt vom Erfinder, zu einem Versicherungsfall werden. Dummerweise verschwindet es beim Jungfernflug, landet auf der Erde und zerstört dort den Traum der menschlichen Protagonisten: Ein hübsches Gasthaus, das sie gerade renovieren. Als Entschädigung werden Sie auf das Schiff eingeladen und dürfen einige Zeit dritter Klasse fliegen. Allein auf dem Schiff wollen sie eigentlich gerne nach Hause und haben es zudem noch mit einer Bombe zu tun, die sich zwar ständig verzählt, aber daher nicht minder gefährlich ist. Mit einem sexwütigen Journalisten zusammen, versuchen sie einen Weg nach Hause zu finden.

Das klingt alles ziemlich bizarr und auch irgendwie nach Douglas Adams und um ehrlich zu sein: Ich bin nicht ganz sicher, welchen Anteil Adams wirklich an dem Buch hatte. Der Plot mit den Erdlingen und ihrem Gasthaus scheint von Terry Jones dazuerfunden zu sein, die Idee des Raumschiffs und seiner Bürokratie stammt offensichtlich von Adams – und ich muss sagen, dass mir das beim lesen völlig egal war. Es gibt einige Debatten darüber, dass es sich hier um einen Etikettenschwindel halten würde, weil Douglas Adams auf dem Buch steht, obwohl er es nicht selbst geschrieben hat, aber das halte ich für stark überzogen.

Das Buch selbst ist nicht so stark, wie Adams Vorzeigewerke, aber es ist ein sehr gutes Buch. Die Sexszenen sind etwas bizarr überzogen – ich bin nicht firm genug mit dem Werk von Monty Python um einzuschätzen ob das typisch Jones ist oder nicht – die Geschichte selbst ist nicht überkomplex, aber strotzt nur so von kleineren bizarren Ereignissen und die Bürokratie des Schiffs, ausgeführt durch zahlreiche sehr amüsante kleine Roboter ist eine ziemlich nette Idee. Auch das überlisten der Roboter durch die beiden Erdlinge, die aus dem Reisegewerbe kommen, ist klug erzählt und amüsant beschrieben.

Die Frage stellt sich natürlich, für wen das Buch geeignet ist. Mal ehrlich, das Spiel ist über 20 Jahre alt, es ist zwar noch über gog.com für ein paar Dollar erhältlich, aber ich bezweifele, dass es noch eine große Fanbase hat. Für reine Anhalter-Fans ist das Buch nicht unbedingt geeignet, Freunde von Monty Python sind vielleicht auch nicht die perfekte Zielgruppe und auch ich hätte nicht unbedingt den Vollpreis dafür investiert; wenn es mir nicht im Bücherschrank über den Weg gelaufen wäre, hätte ich es wohl nie gelesen. Hardcore-Fans von einem der Autoren müssen das Buch natürlich gelesen haben. Dazu passt, dass das Buch auch wohl seit einigen Jahren nicht mehr gedruckt wird und auch keine eBook-Veröffentlichung stattfand – die Deutsche Ausgabe zumindest.

Sollte ich das Buch lesen, wenn ich kein genannter Hardcore-Fan bin? Nun, warum nicht? Es ist witzig und bizarr, dem Buch liegt eine interessante Idee zugrunde und es ist sicherlich die Zeit wert. Aber um es als Highlight weiterzuempfehlen, fehlte mir doch noch etwas mehr Tiefe. Ich vergebe also gerne und wohlwollende 3,5/5 Sternen.

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Montagsfrage vom 17.02.2020

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint um wenige Tage rückdatiert im Blog

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage,

Welche Bücher mit Illustrationen im Mittelpunkt des Werkes (= Graphic Novels, Comics/Manga, illustrierte Schmuckausgaben etc.) sollten in keinem Buchregal fehlen?

Nun, das ist einfach. Sämtliche Bücher von Walter Moers. Die stärksten Titel sind Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär und Die Stadt der Träumenden Bücher, für Einsteiger würde sich beispielsweise Ensel und Krete anbieten.Vom Autor selbst illustriert – Moers erschafft eine neue Fantasywelt, die durch seine Illustrationen immer sehr lebendig wirkt.

In diesem Sinne eine gute Woche euch!

 

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Das Wespennest – Agatha Christie

Es wird wieder Zeit für Agatha Christie. Wir sind noch immer in der kleinen Sammlung „Der Unfall und andere Fälle“, die es scheinbar in der Form nur im Deutschen gibt. Tatsächlich war der Grund, diese Sammlung zu lesen, dass hier auch die letzte Geschichte von Miss Marple, die nicht in „Der Dienstagabendklub“ und „Miss Marples letzte Fälle“ veröffentlich ist, erschienen ist: Greenshaws Monstrum. Doch bevor wir dazu kommen, hat Hercule Poirot noch einen Auftritt in:

Das Wespennest. Bei dem eher zufällig wirkenden Besuch eines Bekannten, John Harrison erzählt dieser dem Belgier Hercule Poirot von einem Wespennest, das er gedenkt ausräuchern zu lassen. Sein Freund, Claude Langton soll das übernehmen. Hercule Poirot ist aber nicht zufällig dort, sondern er will einen Mord verhindern. So kryptisch, wie das klingt, ist es kaum verwunderlich, das Harrison ihm nicht glaubt. Gegen Abend kehrt Poirot zurück, um seine Ankündigung in die Tat umzusetzen und trifft noch knapp den Freund Langton, der ihm – schon im Gehen begriffen – erzählt, dass er keineswegs das Wespennest ausräuchern wollte, und seinen Freund Harrison, der betrübt wirkt.

Mehr zur Auflösung des Falls möchte ich hier nicht verraten, weil es schon einige Spannung ausmacht. Generell fand ich – gerade im Vergleich zu anderen Geschichten von Agatha Christie, dass dieser Geschichte eine sehr eigentümliche Spannung innewohnt. Es ist ein winziger Kreis, eine absolut überschaubare Figurenkonstellation und ein allzu simpler Fall und doch ist er hier wirklich phantastisch inszeniert. Sehr düster, voller Spannung und doch irgendwie ganz basal, fast schon banal wirkt dieser Fall und man fragt sich, was der Meisterdetektiv Poirot hier zu suchen hat. Auf der anderen Seite konnte nur er dazu in der Lage gewesen sein, diesen Mord vorauszuahnen und so geschickt damit umzugehen.

Viel mehr als das gibt es zu dieser kurzen Geschichte auch nicht zu erzählen. Ich fand sie für Agatha Christie etwas untypischer, eben aufgrund dieser besonderen Atmosphäre, was dazu führt, dass mir diese Geschichte auch ziemlich lange im Gedächtnis geblieben ist – ich schreibe diesen Text gerade zirka vier Monate nach der Lektüre, normalerweise fällt mir dann eine Besprechung sehr schwer, hier klappte das sehr gut. Insofern gebe ich volle 5/5 Sternen für diese Geschichte. Sicherlich keine typische Christie, aber in jedem Fall sehr sehr lesenswert.

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Montagsfrage vom 10.02.2020

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Welche Autoren-Kollaboration wäre euer Traum?

Das ist eine sehr interessante Frage. Kollaborationen zwischen verschiedenen Autoren sind ja auch immer etwas gefährlich. Wenn es nicht darauf hinausläuft, das die Geschichte gemeinsam besprochen wird und das Niederschreiben einer der Autoren übernimmt (so arbeiten die Hohlbeins übrigens zusammen), läuft man schnell Gefahr, dass der Stil etwas holprig wird – gerade wenn bekannte Autoren dabei sind, deren Stil relativ markant ist. Bei Will Grayson Will Grayson hat das gut funktioniert, weil beide Autoren unterschiedliche POVs beschrieben haben und so im Prinzip zwei getrennte Geschichten entstanden sind, die sich dann verweben. Ich weiß nicht, ob ich mir Kollaborationen von meinen Lieblingsautoren wünschen würde, aber was ich mir sehr interessant vorstellen könnte, wäre eine Zusammenarbeit von Eoin Colfer und Bill Bryson. Ein witziger Reiseroman im Artemis-Fowl Universum, das wäre es doch mal. Zumindest theoretisch ist das möglich, beide Autoren leben noch und sprechen dieselbe Sprache…

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und bis dahin!

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Montagsfrage vom 03.02.2020

Hallo zusammen,

es ist mal wieder spät geworden, schon Mittwoch, aber ich möchte euch dennoch die Montagsfrage nicht vorenthalten:

Kann ein Autor über etwas außerhalb der eigenen Erfahrung schreiben?

Ja, kann er. Muss er vielleicht sogar. Die Implikatur der Frage legt ja nahe, dass es ein Problem sein könnte, dass Autoren über Dinge schreiben, die sie nicht selbst erlebt haben. Aber wieso sollte das überhaupt problematisch sein? Selbstverständlich kann ich über etwas schreiben, was ich nicht erlebt habe. Ich kann recherchieren, ich kann mich mit Menschen, die das erlebt haben, unterhalten und natürlich kann ich mich als empathiefähiges Wesen in andere Situationen hineinversetzen. Und als Fantasyautor ist es höchst problematisch, wenn man über Drachenkämpfe zu schreiben, erst selbst einen zu töten. Nicht jeder heißt Siegfried. Natürlich kann das gegebenenfalls schiefgehen, selten genug haben weibliche Hauptfiguren von männlichen Autoren Menstruationsprobleme, aber grundsätzlich ist das möglich. Vielleicht ist es sogar ein Merkmal, wie sich gute von schlechten Autoren abgrenzen können.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine gute Restwoche und bis dahin!