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Montagsfrage vom 18.06.2018

Guten Morgen zusammen und Herzlich WIllkommen zur heutigen Montagsfrage

Welche/n Autor/in würdest du gerne mal treffen?

Die Frage fand ich gar nicht so einfach. Was ist mit Treffen gemeint? Eine Lesung besuchen, ein paar Worte wechseln oder mal gemeinsam einen Kaffee trinken? Wenn es nur um Lesungen geht, habe ich schon ein paar Autoren getroffen, von Wolfgang Hohlbein habe ich mir auch schon ein Buch signieren lassen. Aber ob ich mal mit meinen Lieblingsautoren einen Kaffee trinken möchte, weiß ich nicht. Zu groß wäre da die Gefahr, dass der Autor es schafft, sein Werk zu entzaubern. Und was sollte ich ihm erzählen, außer, dass ich seine Bücher sehr gerne lese? Wahrscheinlich hätte ich mich gerne mal mit George Orwell unterhalten, E.T.A. Hoffmann würde ich gerne mal zu seinen Lebensumständen ausfragen und unglaublich spannend fände ich es, mit Tolkien ein wenig über Sprache zu sprechen. Aber das wird alles nicht mehr klappen. Ansonsten? Ich würde es sicherlich nicht ablehnen, wenn ich mal die Chance bekäme, einen meiner Lieblingsautoren zu interviewen, aber ich lege es jetzt auch nicht darauf an – ich rezipiere lieber die Bücher.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche!
Bis dahin.

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Neuzugänge #31 – Sommer 2017

Weiter geht es mit der Vorstellung alter Neuzugänge. Heute sind wir in den Sommermonaten 2017 – es kommt auf ungefähr ein Buch pro Monat hinaus. Als kleine Anmerkung: Von diesen fünf Büchern habe ich zum Zeitpunkt des Postens bisher gerade mal ein einziges – Donna Leon – gelesen. Die anderen liegen noch fröhlich auf meinem recht ansehnlichen SuB. Anzumerken ist auch noch, dass ich von diesen fünf Büchern mal wieder zur zwei gekauft habe, der Rest kam aus Bücherschränken oder als Geschenk zu mir. Aber gut, kommen wir zu den Titeln:

Die Elixiere des Teufels – E.T.A. Hoffmann
Ich hatte ja schonmal in einem Blogprojekt einige Geschichten von E.T.A. Hoffmann vorgestellt, ich bin ein großer Freund seiner Erzählungen. Auch die Nachtstücke habe ich noch zuhause und werde sie bei Gelegenheit allesamt mal besprechen. Die Elixiere des Teufels ist einer der wenigen Romane, die Hoffmann geschrieben hat. Man kann das Buch zu seinem Frühwerk zählen, es handelt sich um eine literarische Aufarbeitung des Doppelgänger-Motivs. Als Hoffmann-Fan konnte ich, als ich dieses Buch im Bücherschrank fand, nicht widerstehen.

Wolfsherz – Wolfgang Hohlbein
Hohlbeins Backkatalog ist riesig! Im Jahr 1997 erschient dieses Buch zunächst bei Lübbe, knapp 600 Seiten stark und behandelt die Geschichte eines kleines Mädchens im auf keiner Karte verzeichneten Wolfsherz, einem kleinen Tal, so sagt zumindest der Klappentext. Ich kannte das Buch zuvor gar nicht, da ich aber mal geäußert habe, dass ich mittelfristig Hohlbein gerne komplett lesen würde, freute ich mich sehr über dieses Buch.

Der Greif – Wolfgang Hohlbein
Auch dieses Buch bekam ich in einer hübschen alten Ueberreuter-Ausgabe im Hardcover geschenkt. Alte Hohlbeins bekommt man generell relativ einfach und teilweise sind das wirklich hübsche Ausgaben. Der Greif ist ein sehr populäres Buch aus dem Jahr 1989, das Hohlbein mit seiner Frau Heike geschrieben hat, insgesamt gibt es davon zahlreiche Neuauflagen und Formate, mit rund 600 Seiten ist auch dieser Roman recht umfangreich und laut Klappentext geht es um ein Abendteuer eines Jungen, der nach seinen verschwundenen Verwandten ein geheimnisvolles Land entdeckt – also scheinbar ist auch als Jugendbuch angelegt. Ich bin gespannt darauf.

Earthly Remains – Donna Leon
Der zum Kaufzeitpunkt aktuelle Donna Leon. Normalerweise lese ich die ja immer etwas zeitversetzt, vor allem schaue ich, dass ich sie irgendwie gebraucht oder geliehen bekomme, ich mag Donna Leon als recht ästhetische Krimis relativ gerne. Und so war ich letztes Jahr im September auf einer Antiquariatsmeile und sah dieses Buch dort für drei Euro im Angebot. Ich merkte es mir geistig und ging zunächst etwas weiter. Als ich einige Minuten später wiederkam, waren alle Bücher in dieser Kiste auf 2€ reduziert, da habe ich dann ohne weitere Überlegung zugeschlagen – zumal das Buch absolut neuwertig war.

Die Hauptstadt – Robert Menasse
Es gibt nur wenige Bücher, die ich als Hardvover kaufe und dann auch noch den Vollpreis zahle – normalerweise sind mir ~25€ für ein Buch zu viel. Doch den Gewinner des deutschen Buchpreises kaufe ich mir normalerweise jedes Jahr. So eben auch dieses Buch, einige Wochen musste ich warten, bis es nach der Preisverleihung wieder lieferbar war. Ich weiß auch nicht so genau, worum es geht, scheinbar geht es um Europa und die ‚europäische Hauptstadt‘ Brüssel. Jedenfalls bin ich auf dieses Buch sehr gespannt.

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Der Daumenabdruck des heiligen Petrus – Agatha Christie

Nun haben alle fünf Gäste in Miss Marples Haus eine Geschichte erzählt und Miss Marple ist selbst dran, eine kleine Geschichte auszupacken. Zwar ziert sie sich ein wenig, aber dann legt sie los und erzählt eine Begebenheit, die ihr passiert ist. Dieses Mal liefert uns der englische Originaltitel „The Thumb Mark of St Peter“ übrigens überhaupt keinen Anhaltspunkt.

Ihre Nichte hatte einen Mann geheiratet. Dieses war ein wenig geisteskrank gewesen und starb nach zehn Jahren Ehe. Die Nichte erbte unter anderem das Haus und scheint zunächst gar nicht traurig über das Ableben zu sein. Nach einiger Zeit schickte sie dann noch nach Miss Marple, es sei alles ganz furchtbar. Warum? Nun, sie wird von dem gesamten Dorf, von ehemaligen Freunden nicht sehr gut behandelt, man ignoriert sie. Wieso? Man habe einen heftigen Streit am Tag des Dahinscheidens ihres Ehemanns vernommen und gehe wohl nun davon aus, dass sie die Mörderin sei – zudem sie am selben Tag Arsenik in der Apotheke kaufte, mit der Absicht, sich selbst zu töten. Das führt nun mal zu einem schlechten Ruf und den loszuwerden, scheint nicht ganz einfach. Miss Marple nimmt sich dieser Aufgabe trotzdem an und versucht, die Umstände des Todes näher zu bestimmen. Sie stolpert dabei darüber, dass der Tote kurz vor seinem Tod die Worte Pille und Fisch von sich gab. Oder ‚Irgendeine Fischart‘, wie das Hausmädchen freimütig zugibt. Ratlos, wie wir Miss Marple sonst kaum kennen, zieht sie durch die Stadt – aber dann hat sie eine, wie sie sagt – göttliche Eingebung und kann den Fall lösen. Natürlich ist ihre Nichte unschuldig.

In dieser Geschichte wurde einfach die Raterunde der Anderen gestrichen! Raymond sagt, sie solle fortfahren, es kommt ohnehin niemand drauf. Das fand ich dann doch etwas schade, aber Miss Marple hatte an dieser Stelle schon viel erzählt und es war tatsächlich keine Geschichte, bei der man besonders viel hätte mitraten können. Also ist das schon in Ordnung so. Aber ich muss sagen, ich fand die zwar recht gelungen, aber nicht überragend.

Die letzte Geschichte fand ich sehr gut konstruiert, die hatte einen klaren Fokus auf ein Problem, das eine ziemlich geschickte Lösung hatte. Auch hier ist die Lösung interessant gehalten, es wird wieder ein kleiner Personenkreis impliziert und man könnte ein Whodunit vermuten – allerdings ist die Prämisse, dass die Nichte unschuldig ist, eigentlich schon gesetzt. Insofern ist aber immerhin die Auflösung ganz gut gelungen und noch Teil der Geschichte. Einige Mal war es bei den letzten Geschichten der Fall, dass die Lösung erst einige Jahre später bekannt wurde, hier ist die Geschichte tatsächlich innerhalb der Geschichte selbst abgeschlossen. Ich gebe der Geschichte nochmal 3/5 Sternen – einfach, weil die letzten Geschichten echt noch eine Ecke schöner waren. Aber wer Agatha Christies Kurzgeschichten mag, wird diese deswegen noch lange nicht überspringen.

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Montagsfrage vom 11.06.2018

Hallo zusammen und Herzlich WIllkommen zur heutigen Montagsfrage,

Gibt es eine Erzählperspektive, die du beim Lesen bevorzugst?

Das hängt von der Geschichte ab. Ich habe ein großes Faible für moderne Erzählstrukturen, wenn beispielsweise in Bewusstseinsströmen erzählt wird, wenn der Fokus des Erzählens in schneller Folge wechselt oder ähnliches. Eine klassische Ich-Erzählergeschichte hat einen gewissen Reiz, bei Fantasy-Romanen wird es mit einem allwissenden Erzähler oft etwas übersichtlicher – insgesamt kann ich keinen klaren Favoriten benennen, nein.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche!

Bis dahin!

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Armageddon – Wolfgang Hohlbein

Im Durchschnitt der letzten Jahre schreibt Hohlbein durchschnittlich 1500 Seiten jedes Jahr. Gönnt man ihm einige Tage Wochenende und Urlaub im Jahr, sind das fünf Seiten, die der inzwischen nicht mehr ganz jugendliche Fantasy-Autor jeden Tag zu Papier bringt. Pünktlich zu den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt erscheinen so mindestens zwei Bücher pro Jahr. Im Oktober 2017 erschien also Armageddon, ein recht umfangreicher Roman (~600 Seiten), beim Piper-Verlag, der mir auch das Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte – vielen Dank dafür!

Alles dreht sich um Beka, eine junge Frau auf dem Weg nach Tel Aviv. Im Flugzeug noch von kleinen Kindern ziemlich genervt, kommt es bei der Landung zu Schwierigkeiten. Schwierigkeiten in Form einer Atombombe, die unmittelbar neben dem Flugzeug explodiert. Warum Beka nicht gestorben ist, erschließt sich ihr nicht, aber sie wacht in einem seltsamen Tempel ihrer Kleider beraubt auf. Sie trifft auf Lukas, den perfekten Mann, der im Flugzeug hinter ihr saß. Doch kaum verlassen sie den Tempel, wird Lukas schon erschossen und Beka festgenommen und soll verbrannt werden. Ein Engel rettet sie und bestraft diejenigen, die sie verbrennen wollten. Sie findet nach kurzer Zeit heraus, dass sie sieben Jahre in der Zukunft und in Jerusalem ist, wo alles, was früher mal war, zerstört ist und nur der Engel seine schützende Hand über einen kleinen Stamm an Kindern hält, die von ihm mit nicht verstrahlter Nahrung versorgt werden. Doch auch diese Welt droht zu zerbrechen, als ein Ausflug von Beka und einem der Kinder aus dem Flugzeug zu ebenjener Absturzstelle zu einer großen Schlacht führt, die in eine Flucht aus dieser Stadt und vor den Engeln mündet. Hier stellt sich dann die Frage nach Freund und Feind noch einmal völlig neu.

Über das Ende des Buches werde ich mal nicht so viel verraten – wer jedoch darauf hofft, dass am Ende mal alles aufgeklärt hat, wird enttäuscht, denn es endet nicht nur mit einem Cliffhanger, sondern es ist bereits ein zweiter Band für Oktober 2018 angekündigt – der mit knapp 700 Seiten sogar nochmal etwas umfangreicher ist. Also wer einfach nur eine abgeschlossene Geschichte lesen möchte, ist mit diesem Buch vermutlich nicht besonders gut bedient.

Was ist von dem Buch hielt? Yeah, keine Tentakel! Hohlbein hat ja eine Affinität zum Cthullu-Mythos, sodass in vielen seiner Werke geheimnisvolle Wesen mit Tentakeln aus der Tiefsee auftauchen und in irgendeiner Form eine ganze Menge Unheil anrichten. Hier ist das nicht der Fall, sondern er bedient sich vage der christlichen Offenbarungsgeschichte, eben dem Armageddon, was ja vom Titel durchaus nahegelegt wird. Das ist nicht das erste Mal, dass sich Hohlbein dieses Motivs bedient, spontan fällt mir da Krieg der Engel ein, aber ich meine, es gäbe noch weitere Titel, in denen das Motiv wieder auftaucht. Das ist jetzt zunächst auch gar nicht verwerflich, aber es ist eben nicht wirklich eine neue Idee.

Neu ist allerdings das Setting. Eigentlich gab es schon so eine Art Apokalypse und nun haben die Engel sozusagen Schutzzonen im heiligen Land eingerichtet. Beka wird in diese Welt hineingeworfen und erkundet diese Welt zunächst. Scheinbar hat sie aber eine Schlüsselrolle inne, weil sie irgendwie seltsam behandelt wird. Und in dieser Welt ist alles erstmal erklärungsbedürftig, die Folgen der Radioaktivität sind omnipräsent und alles ist anders. Insofern ist es auch zu verzeihen, dass in der Handlung verhältnismäßig wenig passiert. Wie es für Hohlbein typisch ist, gibt es im Durchschnitt alle 20-40 Seiten irgendein Spannungsmoment mit potenziell tödlichen Gefahren für zumindest einen Protagonisten. Der Fokus der Handlung liegt auch nahezu ausschließlich auf Beka, es gibt also keine großen Nebenschauplätze, in denen etwas passiert. Beka ist eine recht interessante Figur, wenngleich sie nicht so wirklich eine Entwicklung durchläuft. Leider sind viele Nebenfiguren sehr statisch – allerdings sterben auch einige, sodass sie auch nur als Statisten, die eine Funktion in der Handlung erfüllen, angelegt waren.

Insgesamt fand ich Armageddon durchaus lesenswert. Es ist nicht der beste Hohlbein, den ich je gelesen habe, gerade die etwas lahme Handlung mit manchen Spannungsmomenten, die ziemlich konstruiert wirken und dann eigentlich auch nur die Handlung stören stieß mir ein wenig sauer auf. Ansonsten hat mich das Thema des Romans absolut positiv überrascht, das Setting ist spannend gestaltet, die Welt ist relativ komplex und eigentlich erst am Ende dieses Bandes halbwegs abschätzbar. Ich hatte ob des Klappentextes kurz Angst, dass Hohlbein sich hier an einem politischen Thriller oder ähnlichem versucht – das hat er tatsächlich nicht, es ist ein phantastisches Werk durch und durch. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung und gebe für diesen Band gerne 4/5 Sternen.

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Montagsfrage vom 04.06.2018

Guten Morgen zusammen und Herzlich WIllkommen zur heutigen Montagsfrage!

Wenn du Bücher mit in den Sommerurlaub nimmst, liest du dann typische, leichte Sommerlektüre oder einfach ganz normal Bücher wie sonst auch?

Allein schon das Wort Sommerurlaub wird für mich zum Problem. Ich erinnere mich nicht daran, mal einen normalen Sommerurlaub verbracht haben. Darauf ist mein Studiengang nicht ausgelegt, zu viele Hausarbeiten verhageln mir jegliche Zeit, um mal länger wegzufahren. Aber wenn ich wegfahren würde, würde ich vermutlich aus Gepäckgründen meinen eBook-Reader mitnehmen und ihn vorher mit denjenigen Büchern von meinem SuB füllen, die ich mir aus der örtlichen Onleihe ausleihen konnte – also keine speziellen Bücher, eher ein besonderes Format.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, in der ich eine ganz spezielle Rezension vorbereitet habe – freut euch darauf!

Bis dahin!

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Monatsliste vom Mai 2018

Mein SuB ist wieder bei 111! Das ist insofern verwunderlich, als dass ich zwar netto einen Neuzugang habe – das Rezensionsexemplar zu Armegddon habe ich bereits gelesen – vielen Dank dafür an den Piper-Verlag – aber mein SuB damit zwei Titel höher ist als im letzten Monat. Und das war so: In meiner allmächtigen Excel-Tabelle, die auch die Zählung des SuBs für mich übernimmt, hatte ich ein Buch nicht eingetragen. Daher fehlte dieses und als mir das im Laufe des Monats auffiel, hieß das kurz gesagt, dass mein SuB nicht schlanker werden sollte. Von meinem Ziel, im Laufe des Jahres meinen SuB zweistellig zu bekommen, bin ich also noch immer weit entfernt. Und bei dem mauen Lesepensum von nicht mal 700 im Monat wird das auch so langsam aber sicher eng. Und dass gegen Jahresende noch rund ein halbes Dutzend Neuerscheinungen, die mich interessieren, auf den Markt kommtn, macht es irgendwie nicht einfacher. Nun gut, fürs erste freue ich mich, dass ich zumindest ein recht umfangreiches Buch gelesen habe und hoffe auf das Jahresende, die dunklen Herbstmonate mit hoffentlich viel Lesezeit.

In diesem Sinne – hier sind die Zahlen:

Gelesen:

Die blaue Geranie – Agatha Christie (coming soon, 18 Seiten)
Die Gesellschafterin – Agatha Christie (coming soon, 19 Seiten)
Armageddon – Wolfgang Hohlbein (coming soon, 599 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 636 Seiten, 20,51 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 636 Seiten, 24,51 Seiten pro Tag

Geschenkt / Als Rezensionsexemplar:
Armageddon – Wolfgang Hohlbein
Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr – Walter Moers

End-Sub-Stand: 111 (+2 – dank eines Rechenfehlers)

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Die überlistete Spiritistin – Agatha Christie

Noch immer – oder schon wieder, das Buch gibt darüber keinen Aufschluss – sitzen unsere sechs Freunde zusammen und erzählen sich eine Geschichte. Der Erzähler ist diesmal der Jurist Mr. Petherick, dem zuvor das Versprechen abgenommen wird, es handele sich dabei nicht um eine ‚juristische Spitzfindigkeit‘. Nachdem er dies zugesichert hat, erzählt er eine Geschichte von einem älteren Herrn, der auf seine alten Tage hin einen bösen Aberglauben hat. Eine Spiritistin, die Seancen abhält, schaffte es, ihn enorm von sich zu beeindrucken, er verteidigt sie gegen jede Zweifel, mögen sie auch von seinen Kindern oder einem extra eingesetzten Professor der Grenzwissenschaften gesäht worden sein. Schließlich kann niemand ihr die Scharlatanerie nachweisen, wenngleich alle in seinem Umfeld selbige vermuten. Nachdem einer seiner Söhne ihn mal wieder sehr genervt hat, schickt er nach dem Anwalt, Mr. Petherick, er möge sein neues Testament abnehmen. In diesem Testament lässt er seinen Blutsverwandten nur so viel wie nötig und begünstigt ebenjene Spiritistin. Der Anwalt nimmt dieses Testament ab, spricht dann noch kurz mit der Familie und steckt das Dokument in seinen Safe. Schließlich verstirbt der ältere Herr, doch das Testament besteht lediglich aus einem unbeschriebenen Blatt Papier. Die Ermittler tappen im Dunklen. Die Familie des älteren Herren hatte zwar ein Motiv, das Testament während Mr. Pethericks Aufenthalt auszutauschen, jedoch nicht die Gelegenheit dazu. Diese hatte jedoch nur die Spiritistin und ihre Assistentin – aber diese hatten ja überhaupt kein Motiv. Zwar hat Mrs. Marple schon früh die richtige Lösung parat, die anderen rätseln jedoch sehr lange, was hier passiert sein könnte.

Im englischen Original trägt diese Geschichte den bezeichnenden Titel Motive v. Opportunity – also Motiv vs. Gelegenheit, was den zentralen Clou der Geschichte in ziemlich wenigen Worten zusammenfasst. Ich weiß nicht, ob es ein Krimi-Genre gibt, das diese Bezeichnung trägt, aber falls nicht, würde ich dafür plädieren, ein solches einzuführen und diese Geschichte als Referenz anzunehmen, denn tatsächlich ist die Geschichte sehr geschickt, sehr exakt so gestrickt. Nett fand ich es, dass hier Miss Marple gar nicht selbst aufgelöst hat, sondern sich nur durch ein Kichern und Flüstern bemerkbar machte und so Mr. Petherick selbst zur Auflösung gebeten wurde. Zwar konnte Miss Marple am Ende noch ihre kleine Geschichte erzählen, aber es war mal eine ganz angenehme Variation, denn ansonsten ist ja der Ablauf dieser Geschichten stets der Gleiche.

Ich mochte die Art, wie die Geschichte aufgebaut ist, sehr gerne; ich fand das sehr stimmungsvoll und gut zum Mitraten geeignet. Tatsächlich hätte man auf die Lösung kommen können und ich denke, man kommt relativ schnell auf zumindest eine vage Idee, was passiert sein könnte. Insgesamt wieder eine schöne Geschichte, für die ich gerne wieder 4/5 Sternen vergebe.

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Montagsfrage vom 28.05.2018

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage,

Gibt es Autoren bei denen ihr im Zwiespalt seid sie zu lesen, weil ihr mit ihren Ansichten/Handlungen oder gar Aspekten ihres Werks nicht übereinstimmt?

Das ist eine schwierige Frage. Vor einigen Jahren ging der Fall von Marion Zimmer Bradley, die ihren Nachfahren zufolge in Kindesmissbräuche verwickelt war, durch die Fantasy-Szene. Günter Grass hat ein Gedicht geschrieben, dass zumindest schwierig ist. Und was sich manche Autoren beim Beschreiben ihrer Gewaltszenen in Thriller- und Phantastik denken, möchte ich mir lieber nicht ausmalen.

Ich kann mich dazu nicht richtig positionieren. Einerseits propagiere ich eine strenge Trennung zwischen Autor und Werk, die auch meiner Ansicht nach zur Analyse eines Textes unbedingt nötig ist. Dass Autoren, die menschlich sehr unangenehme Zeitgenossen waren, brilliante Texte abfassen, wissen wir alle. Aber natürlich schwingt das beim Lesen immer irgendwie mit und abschalten kann und will man das auch nicht.

Insgesamt eine schwierige Frage, die ich nicht Pauschal beantworten kann. Wenn der Autor lediglich eine andere politische Meinung hat oder vertritt, dann ist das kein Problem, das ist Pluralismus. Wenn es um Straftaten oder extremistische Haltungen geht, sieht das schon wieder anders aus. Es ist also kompliziert.

In diesem SInne wünsche ich euch trotz des schweren Einstiegs eine gute Woche!

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Heftromane Gestern: Rolf Torring #002: Chinesische Ränke

Chinesische Ränke ist der zweite Band der Rolf Torring-Reihe, einer Heftromanreihe aus den 30ern, geschrieben vermutlich ebenfalls von einem gewissen Wilhelm Reinhard. Ich habe hiervon noch einen zweiten Band gelesen, hauptsächlich um nachzuvollziehen, was von dem letzten Mal genannten nur in dem einen Heft zu finden war und was sich durch die Reihe hindurchzieht.

Das Heftchen setzt dort an, wo das letzte aufhörte. Im Urwald auf Sumatra, noch immer sind Rolf Torring und Hans, sein Begleiter und Ich-Erzähler dieser Serie, auf der Suche nach dem schwarzen Panther, vor allem aber auf der Suche nach dem seltsamen Riesen, den sie im letzten Band gesehen haben. Sie folgen also dem Riesen durch den Urwald und versuchen dabei, dem Chinesen zuvorzukommen. Und scheinbar hält der Riese noch immer seine schützende Hand über die beiden. Anders ist es nicht zu erklären, wie sie einigen Gefahren ausweichen können. Schließlich kommt der ehemalige Diener des Chinesen zu ihnen und warnt sie, Fu Dan wäre jetzt endgültig übergeschnappt. Das merken die beiden kurz danach auch, als sie das Lager der Chinesen entdecken. Nur dank der Hilfe ihres unbekannten Freundes können sie den wütenden Chinesen entkommen.

Ich habe das jetzt mal kursorisch zusammengefasst – dieser Post wird insgesamt verhältnismäßig kurz – denn tatsächlich gibt es gerade im Unterschied zum letzten Band so gut wie gar nichts neues zu berichten. Dass das Heftchen in seiner Sprache latent rassistische Züge trägt, dass Kolonialismus als etwas ziemlich gutes dargestellt wird und dass es aus heutiger Sicht ziemlich befremdlich ist, ist nichts neues. Auch die Karl May Bände, die noch einige Jahre früher erschienen, haben immer dieses latente „Der Europäer ist besser als der Muselmane“ in sich. Das ist zwar aus heutiger Sicht sehr schwierig – und auch keine Lektüre, die ich meinem Kind unreflektiert hinwerfen würde – aber dennoch den Heftchen selbst nicht unbedingt vorzuwerfen. Nicht nur als Zeitzeugnisse, auch als leichte Unterhaltung gefielen mir die Hefte wirklich gut. Dass man diese Heftchen jetzt glorifiziert und als besonders hochwertige Literatur darstellt, heißt das natürlich nicht. Besonders toll ist das nicht, die Handlung ist ziemlich eindimensional, insgesamt auch nichts künstlerisch wertvolles – eben ein typischer Heftroman. Leichte, solide Unterhaltung im Zeitgeist der 1930er Jahre. Dafür vergebe ich – wie schon beim letzten Mal keine Wertung und das möchte ich heute gerne mal erklären.

Ich könnte dem Heftchen eine gute Wertung geben. Das würde bedeuten, dass ich das Heftchen weiterempfehlen kann, dass ich also die präsentierten Inhalte gut finde, zumindest aber, wenn ich wie bei Karl May das Ganze als historischen Gegenstand werten kann, es irgendwie wertvoll finde. Das kann ich hier nicht, ich sehe ein bisschen den historischen Wert, aber sehe keinen großen Reiz, die Hefte heute als spaßige Lektüre weiterzuempfehlen. Würde ich aber eine schlechte Wertung aussprechen, würde ich dem Heft damit auch irgendwie unrecht tun, weil es aus damaliger Sicht ein solider Heftroman war, der genau das, was er versprach, auch halten könnte. Und um mich einfach aus dieser Bredouille herauszuschreiben, vergebe ich einfach keine Wertung.