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Montagsfrage vom 24.06.2019

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Hardcover oder Taschenbuch?

Das ist eine gute Frage. Überwiegend findet man in meinem Bücherschrank Taschenbücher, doch lasst mich dazu kurz ausholen: Zur Frage nach Hardcover oder Taschenbuch spielen verschiedene Aspekte eine Rolle. Früher waren bei Taschenbüchern der Preis der wichtigste Faktor, billiges Papier, billiger Satz aus alten Bleilettern und teilweise (so entstand rororo) sogar Romane im Zeitungs-Offset-Druck, um die Bevölkerung nach dem Krieg mit Lesematerial zu versorgen. Inzwischen in Seiten der aufwendig gestalteten Klappenbroschur im Paperback ist das nicht mehr der Fall. Ein Taschenbuch kann auch mal gut und gerne 14 oder 15€ kosten, gerade wenn es eine Erstveröffentlichung und nicht eine TB-Ausgabe eines Hardcovers ist. Das Papier ist hochwertiger und langlebiger und da es immer weniger Lesebändchen in HCs gibt, ist die Ausstattung auch vergleichbar. Der Bibliotheksmensch in mir weiß zwar, dass ein Hardcover deutlich mehr Ausleihen aushält, bis es zerlesen ist, aber für den Heimgebrauch spielt das eigentlich keine Rolle.

Die Frage ist doch eher eine Einstellungssache: Ist ein Buch ein Schmuckgegenstand, für sich selbst genommen also schon ein Objekt der Begierde oder geht es mir nur um den Text darinne. Die englischen Verlage unterscheiden nicht umsonst zwischen einem Trade-Paperback (hochwertiges Papier, aufwendigerer Einband, großformatig) und dem Mass-Market-Paperback (das heute noch UVPs von 6$ und weniger hat, billiges Papier, nach einmaligem Lesen sieht es deutlich ramponiert aus).

Nach dieser langen Hinführung, was sind meine Präferenzen? Es gibt Bücher, die kleine Kunstwerke für sich sind. Zweifelsohne ist das bei Walter Moers der Fall. Auch von meinen Lieblingsautoren kaufe ich dann gerne ein Hardcover, weil ich die Bücher direkt nach dem Erscheinen lesen möchte. Und natürlich gibt es wirklich schöne bibliophile Ausgaben von Klassikern, bei denen sich dann mein Reclam-Heft schon etwas billig vorkommt. Andererseits: Ich lese Bücher primär des Textes wegen, der Geschichte wegen. Ich liebe Buchkunst und ich bin großer Fan von antiquarischen Ausgaben mit hübscher Einbandgestaltung, aber wenn ich einen Roman kaufe, möchte ich den Roman lesen und nicht das Buch anstarren. Daher sind für mich auch eBooks kein Problem. Wären sie deutlich günstiger als ein Taschenbuch, würde ich häufiger zu ihnen greifen. Insofern: Außer in Ausnahmefällen gerne pro Taschenbuch. Günstige Preise führen zu mehr Lesern und wenn mehr gelesen wird, ist das immer gut. Und liebe Verlage – bleibt unter der 10€-Marke für ein TB. Die ist psychologisch ziemlich wichtig.

In diesem Sinne, euch eine gute Woche und bis dahin!

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Neuzugänge #34: Ende 2018

Es ist mal wieder Zeit für eine neue Folge der Neuzugänge. Zum vierunddreißigsten Mal stelle ich euch vor, welche Bücher ich auf meinen SuB aufnehme, die mir aus den unterschiedlichsten Gelegenheiten zufliegen. Nimmt man als Durchschnitt 5 Bücher pro Folge sind das inzwischen schon über 150 Bücher, die ich euch vorgestellt habe. Teilweise waren es aber deutlich mehr, sodass es inzwischen durchaus an die 200 Bücher gewesen sein könnte. Und fünf weitere folgen dann heute:

Cry Baby – Gillian Flynn:
Ich habe ja schon Gone Girl auf meinem SuB liegen, den größten Erfolg von Gillian Flynn. In einem Bücherschrank fand ich noch eine recht hübsche Ausgabe von Cry Baby und hielt es für eine gute Idee, das Buch mitzunehmen, zumal es ein recht kompaktes Werk ist und ich Thriller durchaus recht gerne lese. Ob das angesichts meines SuBs so eine gute Idee war, wird sich wohl erst zeigen, wenn ich das Buch gelesen habe. Mal schauen, wann ich dazu komme.

Brandmal – Mark Benecke / Florian Hilleberg
Das Ende des Jahres bringt traditionell Weihnachtsgeschenke mit sich und Weihnachtsgeschenke heißen in vielen Fällen auch Bücher. Dieses Buch gehört zur Reihe der John-Sinclair-Romane, die insgesamt vier Romane umfasst. Die Bände 2 und 3 habe ich schon gelesen, das war ein kleiner Zweiteiler von Wolfgang Hohlbein, Band 4 ist von Jason Dark himself, aber gerade dieser erste Band ist für mich interessant, weil er von und mit Mark Benecke ist – und von ihm höre ich nicht nur regelmäßige Podcasts, sondern habe auch schon ein Buch gelesen. Ich bin sehr gespannt darauf, wie er hier als Romanfigur auftaucht!

Illegal – Eoin Colfer / Andew Donkin
Von Eoin Colfer lese ich ja fast alles. Die acht Artemis Fowl Bände, die drei WARP-Romane und die beiden Erwachsenenromane habe ich inzwischen alle gelesen. Es gibt noch ein paar Romane, die ich von ihm nicht gelesen habe, das neuste ist jedoch eine Graphic Novel, zu der er die Texte verfasst hat. Illegal heißt es und beschäftigt sich mit der Flucht aus Nordafrika nach Europa aus der Perspektive eines Kindes. Ich bin sehr gespannt darauf, da es nicht nur ein schwieriges Thema, sondern auch meine erste Graphic Novel ist.

50 Great Short Stories – Milton Crane
Seit einigen Jahren schleiche ich um dieses Buch rum. Es liegt in fast allen Bahnhofsbuchhandlungen herum, viele Buchabteilungen haben es auf Lager auch in vielen anderen Buchhandlungen ist es im Regal. Es ist so ein typischer Longseller, die erste Auflage liegt über 60 Jahre zurück und es ist noch immer im Druck. Es sind 50 schon etwas ältere Kurzgeschichten und ich habe es mit dem Ziel gekauft, mal die englische/amerikanische Kurzgeschichte kennen zu lernen. Und dafür scheint mir dieser Band ziemlich gut geeignet zu sein, die ersten Ergebnisse könnt ihr auf diesem Blog schon lesen.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste – Walter Moers
Ich liebe Walter Moers. Es ist schon fast eine Schande, dass ich die Prinzessin Insomnia noch nicht fertig gelesen habe. Der Grund ist ganz einfach, ich mag meine hübsche Ausgabe nicht im Rucksack unterwegs beschädigen lassen und meine Lesezeit zuhause ist ein wenig beschränkt. Aber ich bin dran und so habe ich mir auch schon den neusten Moers geschenkt, eine recht kurze Geschichte über Weihnachten. Mal sehen, wann ich die Lesen werde, ich freue mich aber auf jeden Fall sehr darüber.

Das war es auch schon wieder für heute. Wir sind mit Weihnachten noch nicht ganz durch, aber wie 2018 neuzugangsmäßig endet und das neue Jahr beginnt, lest ihr dann in der nächsten Ausgabe der Neuzugänge im kommenden Monat!

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Haus Nachtigall – Agatha Christie

Die nächste Geschichte der kleinen Sammlung „Der Unfall und andere Fälle“ hat mich ziemlich verwirrt. Ich versuche mal, ein bisschen die Handlung nachzuzeichnen. Alix ist glücklich verheiratet. Jedoch nicht mit ihrer Jugendliebe, sondern mit einem Mann, den sie erst vor kurzem kennengelernt hat. Eines Tages stellt sie fest, dass sie die Vergangenheit ihres Mannes nicht kennt und wird neugierig. Ein verdächtiger Kalendereintrag bringt sie auf diese Fährte und sie beginnt, die persönlichen Gegenstände ihres Mannes zu durchsuchen und sie kommt auf die Fährte, dass er möglicherweise ein Serienmörder in Amerika gewesen ist. Sie ist dann davon überzeugt, dass er sie heute Abend umbringen wird, so, wie er es immer gemacht hat, zumal sie auch Geld in die Ehe eingebracht hat. Doch sie hat einen Plan. Sie ist auch nicht zum ersten Mal verheiratet und ist auch schon einige Männer losgeworden.

Ich weiß, ich habe dieses Mal einiges verraten, aber das ist leider notwendig, weil ich diese Geschichte nicht verstehe. Wollte er sie überhaupt umbringen? Sind das alles nur Hirngespinste der Frau? Ist die Vergangenheit der Frau echt oder ist das nur ein Traum? Ich kann das alles nicht wirklich zuordnen. Der Mann ist auch seltsam. Hat er wirklich etwas zu verbergen oder regt er sich nur darüber auf, dass seine Frau zweifelt. Und was ist eigentlich mit dem alten Jugendfreund, der dann am Ende als Rettung gerufen werden soll und sich zwischenzeitlich mit ihr treffen will?

Fragen über Fragen. Die Geschichte lässt mich verhältnismäßig ratlos zurück, weil ich die Erzählperspektive nicht so ganz nachvollziehen kann. Wie allwissend ist denn eigentlich der Erzähler hier ist wohl die Leitfrage dieser Geschichte. Eigentlich ist die Grundidee der Geschichte ziemlich gut angelegt, aber ich bin nicht sicher, ob ich die Grundidee richtig verstanden habe. Vielleicht muss ich die Geschichte nochmal lesen, um sie zu verstehen oder vielleicht ist die Geschichte einfach so angelegt, dass sie verwirren und eben nicht die wahren Absichten der Progatonisten offenlegen soll. Es war jedenfalls fast schon ein wenig gruselig und ich würde die Geschichte daher auch gerne weiterempfehlen! Drücke ich es in einer Wertung aus, würde ich wohl so bei 3,5/5 Sternen landen und bleibe etwas verwirrt.

 

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The Three-Day Blow – Ernest Hemmingway

Es ist mein erster Kontakt mit Hemmingway. Es ist mir fast etwas unangenehm, aber ich habe bis dato noch nichts von ihm gelesen – wenngleich sein bekanntestes Werk seit einiger Zeit auf meinem SuB liegt. Aber in meiner Kurzgeschichtensammlung – mit diesem angekündigten Projekt soll es jetzt endlich mal richtig los gehen – ist er mit einer rund 10 Seiten langen Geschichte vertreten.

In einem kleinen Landhaus wohnt Bill mit seinem Vater. Nick, sein Freund kommt vorbei, nimmt sich einen Apfel aus dem Garten und wird von Bill eingeladen. Sein Vater sei auf der Jagd und ein Wind zieht auf. Drei Tage lang wird er wehen. Sie gehen rein und fangen an zu trinken. Sprechen über Bücher, Baseball und ihre Eltern. Der Ofen wird weiter eingeheizt und der Alkoholpegel beginnt zu steigen. Sie sprechen auch über Nicks zerbrochene Beziehung. Alles ist abgeschlossen, er wird sie nie wieder sehen und das ist gut so. Bill zweifelt daran und nach ein paar weiteren Drinks beschließt Nick, bald in die Stadt zu gehen, denn es gebe ja immer noch eine Chance.

Ich muss sagen, diese Geschichte hat mich ziemlich verwirrt und ratlos zurückgelassen. Ich habe sie auf einer Busfahrt gelesen und mir fehlten noch knapp drei Seiten. Mein erster Schritt an meinem Zielort war also, diese Geschichte noch schnell fertigzulesen, so sehr hat sie mich in ihren Sog gerissen. Lest sie also unbedingt am Stück, gute 20 Minuten habe ich mit ihr verbracht. Der Inhalt der Geschichte scheint ziemlich trivial. Zwei Jungs betrinken sich und der eine möchte wieder mit seiner Freundin zusammenkommen. So weit so simpel. Aber die Atmosphäre dieser Kurzgeschichte ist atemberaubend.

Man stelle sich einen windigen Herbstabend vor, etwas ländliche Gegend und die zwei Jungs, die um den Ofen herumsitzen, um über Gott und die Welt zu sprechen. Mit jugendlichem Ernst und gleichzeitiger Naivität wird man zum Beobachter der Szenierie, die einem hier in einer Perfektion dargeboten wird, wie ich sie selten erlebt habe. Es ist wirklich eine großartige Erzählweise, die mich tief bewegt hat.

Es ist mal wieder also nicht der Inhalt, der so herausragend ist, sondern die Art des Erzählens. Ich kann das nicht ohne Weiteres in Worte fassen; sicherlich kann man herausarbeiten, was genau diese Erzählung so perfekt erscheinend macht, aber es ist dieser Detailreichtum der Situation und das sehr flüssig und absolut realistisch wirkende Gespräch führen dazu, dass diese Geschichte einfach eine sehr gute Stimmung erzeugt – allein das sind mir erneut 5/5 Sternen wert. Bisher also nur Highlights in dieser Sammlung.

Übrigens: Sie gehört zu einer kleinen Serie von Geschichten, in denen Hemmingway über Nick Adams erzählt, einer Figur, die teilweise auf seinen Erinnerungen basiert. Sie wurde zuerst in der Anthologie „In Out Time“, genauer in der 1925er Edition veröffentlicht, taucht aber inzwischen in einigen Hemmingway-Antologien auf.

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Charity 02: Dunkel ist die Zukunft – Wolfgang Hohlbein

Charity wacht auf. Sie befindet sich in der Kältekammer und findet einen Weg nach draußen, der offenbar von Stone schon vorbereitet wurde. Sie kommt in einer hügeligen Region heraus. Sofort stolpert sie in den ersten Konflikt zwischen einer jungen Frau und einer Gruppe Motorradfahrer, die scheinbar entgegengesetzten Fraktionen angehören. Sie rettet die junge Frau, schnappt sich ein Motorrad und geht ihrer Wege. In einem Dorf trifft sie die junge Frau wieder, ein seltsamer umherziehender Überlebenskünstler, Gurk, kraut ihren Weg dabei und rettet sie vor dem Zorn der Familie. Sie gilt als eine der Sharks, da sie ihr Motorrad fährt und wird von den Wastelanders nicht besonders freundlich empfangen. Vor allem nicht mehr, nachdem die Sharks sie gefunden haben und, um sie zum Mitkommen zu überreden, ihre Gastgeber töten. Sie kann fliehen und findet den Weg zurück zu ihrem Bunker, denn sie hat gehört, dass dort in der Tiefe noch andere Menschen leben. Sie findet den Weg und erfährt ein wenig über diese Welt, hört von dem Schlag der Aliens und das sie das wohl auf vielen Planeten machen und gemacht haben. Doch Skudder, Anführer der Sharks hat sie verfolgt und entfacht nun ein Scharmützel zwischen Sharks und Tiefen. Charity kann vermitteln, sie legt ihr Leben in Skudders Hände, alle werden gefangen genommen und zu den Sharks gebracht. Doch Daniel, der für die Aliens arbeitet und den Sharks Befehlen erteilt, verlangt den Tod aller und die Auslieferung Charitys. Aber Skudder zögert. Erst recht, als sich sein bester Gefährte inzwischen als Alien entpuppt hat. Und so legt er mit seinem Zögern die Grundlage für den dritten Band.

Wie es bei Reihen nunmal so ist, ergibt es keinen Sinn, den ersten Band vom zweiten losgelöst zu lesen. Das ist aber auch völlig normal und richtig so – warum es in den 80ern aber notwendig gewesen zu sein scheint, eine eigentlich ja längere Geschichte in Abschnitte unter 200 Seiten einzuteilen, erschließt sich mir nicht. Ich habe ja einen Sammelband mit den ersten drei Bänden und selbst dieser ist mit rund 550 Seiten auch noch nicht als besonders dick zu bezeichnen. Was aber für Hohlbein sehr angenehm ist, ist, dass einiges passiert. Es gibt ja gerade in den längeren Büchern Hohlbeins immer mal wieder sehr langatmige Passagen der Wanderung und des Umherziehens, die aber hier fast alle sehr gekürzt wurden. Es bleiben natürlich die klassischen Kritikpunkte an Hohlbein. Reißerisch, actionreich, zu wenig Gewicht auf differenzierte Figurendarstellung und -entwicklung.

Aber wenn man sich dessen bewusst ist, kann man mit Charity viel Spaß haben. Ja, im Vergleich mit neuerer Science-Ficition und anspruchsvolleren Titeln ist Hohlbein sicherlich kein Literat, aber der Referenzpunkt für Charity sollte auch eher der Heftroman und weniger das Sci-Fi-Epos á la Frank Hebert sein. Die Geschichte ist plausibel erzählt, vier Fraktionen ist natürlich für ein 150 Seiten Werk ziemlich dicht und so ist man weniger vom komplexen Worldbuilding als von den Action-Elementen in den Bann gezogen. Es macht einfach Spaß zu lesen und ist eine nicht zu anspruchsvolle Lektüre, mit der man kaum ein paar Stunden zubringt.

Aber irgendwie schafft es Hohlbein, mich immer wieder zu fesseln. Im Vergleich zum ersten Band gelang ihm das hier nicht ganz so gut, insbesondere die wenigen Hintergründe, die er insgesamt liefert und das doch zu hohe Tempo sorgten dafür, dass ich mich hier eher von Schauplatz zu Schauplatz gehetzt fühlte, als wirklich etwas über die Welt zu erfahren. Das lief im ersten Band – auch von der Erzählstruktur her – deutlich gelungener ab. Dennoch bin ich natürlich sehr gespannt auf den dritten Band. Ich bin mir aber über den Status dieses Bandes nicht sicher. Wenn man Band 1 als Vorgeschichte betrachtet, könnte dieser Band die Exposition der neuen Welt sein und würde mit Gurk, Shudder und Daniel die zentralen Figuren und Fraktionen der Welt vorstellen, in der die Hauptfigur nun ihre Abenteuer zu bestehen hat. Etwas unklar bleibt noch ihre ‚große Aufgabe‘, so es die denn überhaupt gibt (bei Hohlbein-Reihen ist das ja nicht selbstverständlich).

Insgesamt hatte ich zwei vergnügliche Stunden mit diesem zweiten Band. Und wenn ihr mit Hohlbein an sich Spaß habt, denke ich, ist auch dieser Band, wie auch die Serie zu empfehlen. Hohlbein-Neulinge sollten sich über die Schwächen bewusst sein, ich kann jedoch – vielleicht mit etwas eingerechnetem Hohlbein-Bonus hierfür durchaus 3,5/5 Sternen vergeben.

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Montagsfrage vom 10.06.2019

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Welches Buch liegt schon ewig auf dem SuB und wird einfach nicht gelesen?

Dank meiner ninjagleichen Excel-Spielereien kann ich diese Frage völlig problemlos beantworten. Ich habe tatsächlich Bücher auf meinem SuB liegen, die älter sind als dieses Blog: Die ersten vier Bände der Song of Ice and Fire-Reihe von George R.R. Martin. Ich hatte mir den Schubel für ein paar Euro geschossen und hatte auch mal mit den ersten 50 Seiten angefangen, fand es aber relativ undurchdringlich und hatte es dann aufgegeben. Dann kam der große Hype mit der Serie und ich verhalte mich zu Hypes eher antizyklisch. Insofern kann es gut sein, jetzt wo die Serie durch ist, dass ich mich nochmal daran wage. Vermutlich nicht heute oder morgen, aber irgendwann einmal.

Ein weiterer Langzeitbesucher ist Krieg und Frieden, Oktober 2012 – einschüchternde Länge. Ich möchte es gerne mal lesen, aber auch hieran habe ich mich bis dato noch nicht getraut. Schließlich noch 1Q84 vom November 2012. Den ersten Band hatte ich mal in einem Leseprojekt vorgestellt, weiter bin ich aber bis dato nicht gekommen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Wochenstart und bis dahin!

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Der Traum – Agatha Christie

Auch diese Geschichte stammt aus dem schon beschriebenen Sammelband mit verschiedenen Geschichten mit Miss Marple und Hercure Poirot. Und entgegen der Ankündigung war ja die letzte Geschichte ohne einen Ermittler. Doch dieses Mal kommt Hercule Poirot zum Einsatz.

Ein recht reicher Firmenbesitzer ruft Hercule Poirot zu sich. Er erzählt ihm von einem seltsamen Traum, in dem er sich jedes Mal zu einer bestimmten Uhrzeit erschießt. Er war schon bei verschiedenen Ärzten, die verschiedene Diagnosen stellten und bittet nun Poirot um Rat. Leider ist dieser völlig ratlos und als er bittet, das Büro selbst zu sehen, wird er abgewiesen und damit ist sein Einsatz beendet. Weil aber der Brief gefunden wird, wird er einige Zeit später, als er sich tatsächlich erschossen hat, gerufen und um Rat gebeten. Tatsächlich ermittelt Poirot dann in diesem Fall und sieht sich den Tatort noch einmal genauer an. Vor allem die Angestellten des Hauses erregen sein Interesse. Und tatsächlich kommt er nach einigem Ermitteln zu einem überraschenden Ergebnis – nämlich, dass es sich keineswegs um einen im Traum angeküdigten Suizid handelt.

Das genaue Ende verrate ich hier wie immer nicht, kann aber erzählen, dass ich Poriots Scharfsinn – wie immer – bewundere. Diese Geschichte war die erste Kurzgeschichte mit Poirot, die ich gelesen habe, aber schon in den Romanen mochte ich Poirots ruhige und distanzierte und dennoch stets aufmerksame Art. Er verrät bis zum Ende nichts über seine Schlossfolgerungen und löst dann die Fälle im Kreise aller Verdächtigen. Diese Geschichte ist also ein klassischer Whodunit. Ein kleiner Kreis von Verdächtigen, ein klar umrissener Fall und eine Lösung aufgrund von klaren Beweisen in einer eindeutigen Situation, die dann allen Beteiligten aufgelöst wird. Diese sehr klassische Form von Krimis gefällt mit ausgesprochen gut.

Die Geschichte selbst fand ich auch ziemlich innovativ. Im Prinzip war der Hintergrund des Mordes gar nichts besonderes, aber die Art, wie der Mord vorbereit und durchgeführt wurde, hat etwas sehr Kunstvolles und fand ich durchaus ansprechend. Insgesamt ist es also eine durchaus gelungene Geschichte, die ich durchaus weiterempfehlen würde. Ich freue mich also schon auf die weiteren Geschichten mit Poirot und hoffe, davon sind noch einige in diesem Band drinne. Poirot funktioniert also offensichtlich auch auf kürzerer Distanz. Dafür gebe ich also gerne 4,5/5 Sternen und freue mich schon auf das Folgende.

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Monatsliste vom Mai 2019

Alles neu macht der Mai! Tatsächlich würde ich nicht behaupten, dass meine Monatsliste des Monats Mai eine radikale Revolution darstellt, aber immerhin geht es mal wieder bergauf. Von den angepeilten 1000 Seiten im Monat bin ich noch ein Stück entfernt, aber tatsächlich auch nur noch ein Stück und keine Meilen mehr.

Die Zahlen sind ein bisschen aufpoliert, weil ich in den letzten Monaten noch eine Kurzgeschichte gelesen habe, diese aber bisher nie in der Monatsliste verzeichnet war. Ich habe mich dafür entschieden, sie jetzt einfach nachzuzählen – mit 15 Seiten verfälscht sie die Statistik nur unwesentlich. Ansonsten sind es sogar mal wieder zwei ganze Bücher geworden. Mit dem Grisham ein recht umfangreicher, englischer Band und ein Charity-Romänchen ergeben zusammen mit einigen Sherlock-Holmes Geschichten rund 700 Seiten. Mir ist aufgefallen, dass ich schon in den letzten Monaten meinem Titel ‚Romanfresser‘ immer weniger gerecht werde und nun schon fast ein ‚Kurzgeschichtenfresser‘ bin – es werden vermutlich auch wieder andere Phasen kommen, aber ich freue mich, dass ich zumindest auf diese Art im Moment etwas zum lesen komme.

Für den Juni habe ich mir viel vorgenommen. Es sollen endlich mal wieder 1000 Seiten werden! Ob das funktionieren wird, werdet ihr in einem knappen Monat an dieser Stelle lesen, kommen wir jetzt aber erstmal zu den Zahlen:

Gelesen:

The Reckoning – John Grisham (4/5 Sternen, 432 Seiten) [EN]
The Garten Party – Katherine Mansfield (5/5 Sternen, 15 Seiten) [EN; Nachtrag]
Der Doktor und sein Patient – Arthur Conan Doyle (coming soon, 19 Seiten)
Der griechische Dolmetscher – Arthur Conan Doyle (coming soon, 19 Seiten)
Der Marinevertrag – Arthur Conan Doyle (coming soon, 32 Seiten)
Charity 03: Die Königin der Rebellen – Wolfgang Hohlbein (coming soon, 172 Seiten)
Das letzte Problem – Arthur Conan Doyle (coming soon, 19 Seiten)

Keine Neuzugänge!

Gelesen (Deutsch): 261 Seiten, 8,42 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 448 Seiten, 14,45 Seiten pro Tag
Gelesen (Gesamt): 709 Seiten, 22,87 Seiten proTag

SuB: 116 (-2)

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Montagsfrage vom 03.06.2019

Guten Abend zusammen,

am spätesten Dienstagabend wird es dann endlich mal Zeit für die Montagsfrage:

Wie bist du zum Lesen gekommen?

Ich glaube, die Geschichte habe ich hier schon ein oder zweimal erzählt. Kurzum: Ich war als ziemlich kleines Kind schon ein ziemlich früher und ziemlich begeisterter Leser, in meiner Familie geht die Anekdote herum, dass ich schon früh Bücher mit „zu wenig Text“ abgelehnt habe. Diese Lesebegeisterung hielt sich dann über meine Grundschulzeit und flaute dann aber ab. Erst in der Oberstufe habe ich das Lesen wieder für mich entdeckt und habe dann gut 1-2 Jahre nach der ‚Wiederentdeckung‘ des Lesens auch diesen Blog gestartet. Der Rest ist Geschichte. Inzwischen schon fast sieben Jahre Geschichte. Tempus fugit eben doch…

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche!

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The Reckoning – John Grisham

Vor einigen Monaten, noch vor der Veröffentlichung der deutschsprachigen Ausgabe am 04. März 2019, fand ich den neuen Grisham in einem Bücherschrank. Ich hatte bis dato noch keinen gelesen und dachte mir, dass das wohl eine passende Gelegenheit sei. Ich nahm ihn mit und mir vor, ihn noch bis zur Veröffentlichung auf Deutsch zu lesen. Offensichtlich hat das nicht geklappt, aber inzwischen habe ich ihn gelesen und kann jetzt davon erzählen:

Pete Banning ist Grundbesitzer in einem kleinen Örtlichen in den USA. Seine Kinder gehen auf ein College und insgesamt läuft sein Leben in geregelten Bahnen – mit der Ausnahme, dass seine Frau in einer Psychiatrie untergebracht ist. Eines schönen Morgens geht er ins Dorf und erschießt den Pfarrer der örtlichen Gemeinde. Er lässt sich festnehmen, besteht darauf, sich nicht zu verteidigen oder zu erklären und wird schließlich nach einiger Zeit zum Tod durch den elektrischen Stuhl verurteilt. Stoisch lässt er die ganzen Revisionsverfahren über sich ergehen, weigert sich aber beharrlich, eine Erklärung abzugeben, obgleich viele aus der Jury ihn noch als Kriegshelden sehen. Dieser Zeit widmet sich der zweite Teil des Buches, der sein Kriegserlebnis als Rückblende beschreibt. Der dritte Teil widmet sich dann der Familiengeschichte, den Zivilklagen und schließlich gegen Ende auch der Auflösung des Falls.

Ich habe an vielen Stellen gelesen, dass es sich hierbei nicht um einen typischen Grisham handeln würde. Und tatsächlich habe ich das Buch eine Zeitlang mit der Erwartung ‚Justizthriller‘ gelesen und hätte ich nur diese Erwartung gehabt, wäre ich wohl relativ enttäuscht gewesen, ein Justizthriller ist das keineswegs. Im Gegenteil, die Passagen vor Gericht sind eigentlich ziemlich langweilig. Der zweite Teil des Buches hat nichts mit dem Verfahren zu tun, sondern erklärt höchstens die Hintergründe. Viele Rezensenten weisen zu Recht darauf hin, dass man diesen hätte ersatzlos streichen oder radikal kürzen können, ohne dass die Geschichte weniger nachvollziehbar gewesen wäre.

Das sind alles berechtigte Einwände. Und trotzdem mochte ich das Buch sehr. Ich hatte den Vorteil, dass ich, da es mein erster Grisham war, ohne Erwartungen an das Buch ging und es einfach gelesen habe. Es ist sicherlich nicht für jedermann geeignet. Die Passagen im zweiten Teil über die Zeit in japanischer Kriegsgefangenschaft sind schon ziemlich grob. Auch der Ausgang des Verfahrens im ersten Teil ist nicht unbedingt ästhetisch zu lesen. Und fast 400 Seiten quält man sich durch die Frage „Warum zur Hölle?“, die auch alle anderen Protagonisten des Buches quält, denn in der Banning-Familie spricht man nicht viel miteinander.

Ich hatte zwischendurch ernsthaft befürchtet, dass die Wahrheit über den Fall tatsächlich verborgen bleibt, aber tatsächlich gibt es am Ende eine Auflösung, die es wert ist, gelesen zu werden. Und sie deutet sich auch im Laufe des Falls auch schon an. Ich hatte schon eine Idee, wie es gewesen sein könnte, zwar ging es dann minimal anders aus, aber meine Idee war durchaus zutreffend. Wenn es also weder die Spannung noch die besondere Überraschung am Ende war – warum ist das Buch dann einen Blick wert? Zwei Aspekte haben mich besonders gefesselt: Es wirkt absolut authentisch. Es basiert wohl auf einem wahren Kern, über den Grisham stolperte und den er dann literarisch verarbeitete. Die Kriegsgefangenschaft basiert auf realen Ereignissen und genau so könnte es einige Jahre nach dem Krieg jederzeit in den Staaten passiert sein. Weiterhin gefiel mir der Schreibstil. Grisham schreibt lebendig und nachvollziehbar, lässt die Innenwelten weg, wo sie erzählerisch keinen Sinn ergeben und bringt sie ein, wenn sie notwendig sind. Andererseits ist es nicht so derbe, dass man regelrecht abgestoßen wird. Natürlich ist die Kriegsgefangenschaft nicht besonders angenehm beschrieben und empfindlichen Gemütern könnte es schon etwas übel werden, aber er reizt das Potenzial an Ekel, das er erzeugen könnte, nicht aus, sondern belässt es bei relativ nüchternen Beschreibungen. So erzeugt er eine Stimmung, die mich gut in das Szenario hineinversetzt hat – in allen drei Teilen.

Ich würde nochmal einen weiteren Grisham lesen wollen, allein weil mich interessiert, wie er es geschafft hat, mit einem Buch 90 Wochen an der Spitze der Bestsellerliste zu stehen. Aber wenn man sich von der Erwartung Grishams löst, ist The Reckoning ein guter Roman. Es ist kein Thriller und auch wenn ein Mord am Anfang des Geschehens steht, auch nicht so wirklich ein Kriminalroman. Aber ein guter Roman über die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in einer amerikanischen Kleinstadt. Und dafür gebe ich durchaus gerne 4/5 Sternen.