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Zu Lande und in der Luft – Teresa Bloomingdale

Ich glaube, ich muss kurz Teresa Bloomingdale erklären. Sie war Mutter von 10 Kindern, Frau eines Anwalts, hatte 10 Kinder und schrieb autobiographisch-humorvolle Bücher über sich und ihr Leben. In Omaha schrieb sie zudem noch für Zeitungen. Und das ist das Ende der Erklärung. Kurioserweise hat die Dame zwar einen deutschen aber keinen englischen Wikipediaartikel. Ihre Bücher sind allesamt nicht mehr im Druck, weiter auf Deutsch noch auf Englisch, man findet keine Fotos, auf Goodreads gibt es ein paar verstreute Rezensionen aber keine weiteren Informationen. Die Chancen stehen gut, dass diese Autorin in einigen Jahren völlig vergessen sein wird. Möglicherweise ist sie das auch jetzt schon. Der Ausschnitt „Zu Lande und in der Luft“ stammt aus dem Buch „Wie geht es dir? Mir geht es gut das ist die Hauptsache!“, das 1985 bei Paul Zsolnay erschien.

In dem kurzen Buchausschnitt beschriebt sie, was für ein Unterfangen es ist, mit vielen Kindern, die auf die Reise sehr unterschiedlich reagieren, zu reisen, sei es im Zug, wo der arme Schaffner beim Hüten der Kinder mithelfen darf, im Flugzeug, wo auch die Mutter (ohne Telefon!) plötzlich ängstlich wird und schließlich im Überlandbus, wo Menschen eine ganz eigene „Reisepersönlichkeit“ entwickeln – auch die Autorin selbst, wie sie am Ende feststellen muss.

Nun, ist es schade, wenn Teresa Bloomingdale vergessen wird? Ich weiß es nicht und nach einem 10-seitigen Textausschnitt kann ich das nicht wirklich beurteilen – aber wirklich begeistert war ich nicht unbedingt. Es erinnerte mich wirklich an die halbwegs lustigen Familienromane, die in den 80ern typisch waren, in denen Frauen über das Familienidyll und die witzigen und haarsträubenden Episoden aus ihrem Leben als Mutter berichten. Aus heutiger Perspektive schüttelt man den Kopf über die sich aus dem Familienleben konsequent heraushaltenden Männer und die Frauenfiguren, die klischeebeladener nicht sein können – aber vermutlich bildet das erschreckend gut die Realität ihrer Zeit ab und das Schreiben und Lesen solcher Bücher diente der Selbstvergewisserung der Frauen, dass das alles normal war, was sie erlebten. Emanzipatorisch? Bestimmt nicht. Unterhaltsam? Vielleicht. Empfehlenswert? Eher nicht.

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Koffer auspacken – Kurt Tucholsky

Weiter geht es mit den Sommergeschichten – gerade etwas antizyklisch, weil es draußen doch wirklich recht kalt ist. Es handelt sich – wenn ich richtig recherchiert habe – um eine Glosse aus dem Jahr 1927 von Tucholsky, die es immerhin zu solcher Bekanntheit geschafft hat, dass sich Theatergruppen davon inspiriert fühlten, ein Stück über Koffer zu schreiben. Soweit meine Recherchen, die ich auch nicht weiter ausdehnen möchte, da ich sonst akute Gefahr laufe, mit diesem Post umfangreicher als die Glosse selbst zu werden, die nämlich exakt 730 Wörter umfasst.

Die Glosse selbst beschäftigt sich – so es der Titel schon andeutet – mit dem Auspacken des Koffers. Das lyrische Ich ist ein verheirateter Mann, ist alleine unterwegs in einem fremden Hotelzimmer, mutmaßlich in einem fremden Land. Beim Auspacken des von seiner Frau gepackten Koffers räsoniert er über Erinnerungen an die Heimat und wie die in seinem Hotelzimmer durch den gepackten Koffer wieder lebendig wird und er sich mehr zuhause als fremd fühlt und wie schnell dieses Gefühl nach dem Auspacken des Koffers verschwindet. Er betont dabei die besondere Bedeutung der Nase.

So, jetzt sitze ich hier und muss irgendetwas zu einer Glosse sagen. Ich lasse da direkt mal den Autor seine Rezension selbst schreiben: „Ein Mann, der sich lyrisch Hosen in den Schrank hängt!“. Ich glaube, damit ist alles gesagt, die Geschichte gut getroffen und ich kann mir den Rest meiner Besprechung sparen. Nein, im Ernst. Die kleine Glosse zeugt sicherlich von einigem literarischen Talent, einer gewissen Portion Humor und wenn man ein großer Tuchosky-Kenner wäre, würde man bestimmt auch typische Stilmerkmale identifizieren können – das kann ich leider nicht, kann euch aber diese kleine Glosse uneingeschränkt empfehlen. Zumal die Lesezeit dieses Textes, der sich auch gut im Internet finden lässt, wohl kaum das doppelte der Lesezeit dieses Posts betragen dürfte.

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Ein lasterhaftes Hotel – Ephraim Kishon

Ephraim kommt mit seiner Frau in ein Hotel. Leider hat sie sich die Koffer ihrer Mutter ausgeborgt und nun wird den beiden anstandshalber ein Doppelzimmer zugewiesen. Nachdem ihm in der Hotellobby einige Bekannte ihre Begleitung als ‚Schwester‘ oder ‚Tochter‘ vorstellen, fängt auch er an, seine Frau als seine ‚Freundin‘ vorzustellen. Erst ein Journalist, der Ephraim fragt, ob das Hotel hier wirklich so langweilig sei, dass die Leute mit Tochter, Frau oder Schwester hinreisen, kann die Situation aufklären.

Es ist gar nicht so einfach, kleine Satiren mit einem kleinen Absatz zu beschreiben.  Vermutlich wird in meinem Absatz der Witz hinter dieser Geschichte gar nicht wirklich deutlich, aber glaubt mir, er ist da. In einem abgelegenen Hotel wird die Illusion einer heimlichen Abstiege für unverheiratete Paare erzeugt, in die Kishon mit seiner Frau heranzugeraten scheint, die dann aber am Ende aufgelöst wird – so ist es doch nur ein ganz normales langweiliges Hotel.

Ich muss zugeben, dass ich von Kishon bisher noch nichts gelesen habe (vielleicht auch doch und ich habe es nicht als ‚von Kishon‘ wahrgenommen?), aber ich kam mit dem Stil der Geschichte recht gut zurecht. Trotz der Kürze – es sind kaum 6 Seiten) ist die Geschichte hinreichend komplex, viele Personen spielen eine Rolle und werden kurz eingeführt. Bemerkenswert ist noch, dass das alles ein bisschen unterschwellig stattfindet. Nichts wird jemals ausgesprochen, alles nur impliziert – worin natürlich das Missverständnis liegt, was aber auch für erstmalige Leser von Kishon im ersten Augenblick etwas verwirrend sein kann.

Insgesamt ist das eine spaßige kleine Geschichte, die niemandem weh tut, aber einige Minuten gut unterhalten kann. Gerne mehr davon!

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Ankündigung: Sommertage: 44 Geschichten für die schönste Zeit des Jahres

Ich finde, Anthologien sind eine ganz spezielle Art von Büchern. Bis heute erscheinen solche Bücher in den verschiedensten Verlagen. Ich kenne die Lesebücher von Fischer aus den Buchhandlungen meiner Wahl, aber bin auch an anderen Stellen schon auf solche Bücher gestoßen. Dort sind dann, von einem Herausgeber sorgsam zusammengestellt, kurze Texte ausgewählt, die zu einem bestimmten Thema, einem Autor, einer Epoche oder einfach einem ‚Gefühl‘ passen sollen. Versammelt sind dort Gedichte (im Bereich der Lyrik sind Anthologien recht gängig), Kurzgeschichten oder vom Lektor selbst kompilierte Romanauszüge.

Ohne den Buchmarkt genau zu kennen, vermute ich, dass die Verkaufszahlen für solche Bände eher mäßig sind und die Lizensierung dieser Texte ein verlegerischer Alptraum sein muss – Fischer Klassik umgeht das sehr elegant mit der Verwendung gemeinfreier Texte. Nun fiel mir spontan eine Anthologie in die Hände. „Sommertage: 44 Geschichten für die schönste Zeit des Jahres“. Es war noch nicht ganz Sommer, ich machte mir Gedanken, wie ich meinen Blog füttern soll und so gab ich dem Bändchen kurzerhand ein neues Zuhause, noch nicht ahnend, worauf ich mich einließ. In Vorbereitung dieser Ankündigung versuchte ich dann, etwas über diesen Band herauszufinden – aber Fehlanzeige. Abgesehen von einigen Antiquariaten, die versuchen, ihre Ausgaben loszuwerden, gab es nichts herauszufinden. Die Herausgeberin Ilse Walter ist ähnlich unbeschrieben, immerhin gibt es von ihr die Info, dass sie eine studierte Germanistin ist, Lektorin in Wien war und dort auch zahlreiche Anthologien herausgegeben hat. 2010 ist sie verstorben.

Erschienen ist das Buch tatsächlich bei einem Wiener Verlag, Kreymar & Schierau, der das Buch für die Buchgemeinschaft Donauland lizensierte. Die Buchgemeinschaft Donauland ist vergleichbar mit dem Bertelsmann Club und wurde folgerichtig auch von Bertelsmann übernommen. Meine Ausgabe ist lizensiert für die RM Buch und Medien GmbH, also für Bertelsmann (direkt?). Die gesamte Erscheinungsgeschichte des Buches aufzuarbeiten ist wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit, daher hier nur noch die kurze Info, dass eine zumindest äußerlich sehr ähnliche Ausgabe des Buches mit gleicher Seitenzahl bereits 1977 bei Donauland erschien – meine Ausgabe ist von 2000.

Nach diesem Vorgeplänkel freue ich mich jetzt, euch mitzuteilen, dass in den nächsten Monaten immer mal wieder kurze Besprechungen der Geschichten hier auf diesem Blog erscheinen werden. Ich hoffe, ihr habt daran so viel Spaß wie ich – gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit können ein paar Sommergeschichten vielleicht ganz heilsam sein.

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Die Wolf-Gäng 2: Ein finsteres Geheimnis

Es ist auch erstaunlich, wie leergefegt das Internet zu diesen Bändchen ist. Man müsste meinen, jetzt, wo der Film herausgekommen ist, sollten alle möglichen Buchblogger sich mal dieses Büchleins annehmen, aber man findet lediglich ein paar vereinzelte und nicht wirklich aussagekräftige Rezensionen zu diesem Buch. Also obliegt es wohl mir, dazu etwas zu sagen.

Der zweite Band der Wolf-Gäng schließt nahtlos an Band 1 an. Es sind Sommerferien, eigentlich sollte die Schweinebande unter ‚verschärftem Hausarrest‘ stehen, aber scheinbar ist irgendetwas kaputt mit der Welt. Auch der Eisbecher, den die drei im ‚eiskalten Händchen‘ essen wollten, ist irgendwie anders. Überlebensgroß und kostet einen seltsamen Preis, auf den sich Wolf keinen Reim machen kann. Und schwupps, hat er seine Seele verkauft. Überhaupt ist diese Eisdiele seltsam. Dunkle Gänge, die keinen Sinn ergeben. Schnell dort raus. Wolf allerdings wird gekidnappt. Kompliment an dieser Stelle an das ziemlich passende Cover, denn er wird mit einer Kutsche von offensichtlich bösen Jungs entführt, in ein verlassenes Fernsehstudio gebracht und soll dort ein für alle Mal unschädlich gemacht werden. Wäre da nicht ein kleines Problem: Eigentlich wollten sie Vlad fangen. Dieser hat unterdessen seltsame Visionen von Wolf, der gekidnappt wurde und scheinbar sind die beiden Figuren irgendwie miteinander verwoben. Schließlich sieht Vlad sich an jeder Ecke Anschuldigungen ausgesetzt: Wäre er nicht nach Crailsfelden gekommen, wäre das alles nicht passiert!

Den eigentlichen Clou der Handlung will ich jetzt mal nicht verraten, er erklärt nämlich auch einiges aus dem ersten Band, aber tatsächlich muss ich Hohlbein hier mal ein Kompliment machen: Die Handlung wird doch ziemlich gut aufgelöst, vieles, was anfangs merkwürdig ist, wird erklärt. Man muss sich so durch das erste Drittel des Buches etwas quälen, weil es sehr kurios ist – es ergibt alles einfach überhaupt keinen Sinn. Danach wird es besser, geht nach vorne mit der Handlung und macht dann sogar ziemlich viel Spaß. Es ist und bleibt ein Kinderbuch und es ist auch nicht ein Kinderbuch der Kategorie „literarisches Werk, an dem auch Erwachsene sicher ihren Spaß haben“, aber im Vergleich zum ersten Band ist das hier sicherlich der stärkere Band.

Ich möchte aber nochmal kurz darauf herumreiten, wie unglaublich verantwortungslos die Eltern der Kinder hier handeln. Das geht nicht nur an Vlads Eltern – die finden zumindest im Roman statt – aber auch: Wenn eine Gefahr für eure Kinder besteht, wenn sie das Haus verlassen, dann teilt es ihnen mit. Ihr wusstet das alles! Oder ihr hättet es ahnen können, schließlich habt ihr ja Maßnahmen unternommen. Da wäre es doch zumindest mal angebracht, ein paar ehrliche und warnende Worte loszuwerden. Genauso wie sie Vlad nichts von seinem Vampirdasein im ersten Band erzählt haben, ist es jetzt wieder. Natürlich ist das notwendig für die Handlung, aber doch für mich ziemlich irritierend, dass sie ihren Sohn so unvorbereitet in die Gefahr ziehen lassen.

Anzumerken ist vielleicht noch, dass die Charakterentwicklung abseits der drei Hauptfiguren – die zumindest als Gruppe zusammenwachsen und sich ein bisschen weiterentwickeln – praktisch nicht stattfindet. Die Schweinebande ist das Klischee der dummen Tölpel und auch bei den anderen Erwachsenen hat man nicht das Gefühl, dass viel Charakterbildung stattfindet. Fairerweise muss man sagen, dass der Fokus der guten 200 Seiten auch stark auf den Kindern liegt.

Insgesamt wird das Buch vermutlich nie zu meinen Lieblingsbüchern gehören, aber nach dem ersten Band fand ich hier dann doch eine gute Steigerung – und wenn mir nochmal weitere Bücher der Reihe unterkommen sollten, denke ich, kann ich damit auch ein paar nette Stunden verbringen. Ich vergebe also 3,5/5 Sternen.

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Mein SuB kommt zu Wort: September 2021

Hallo zusammen,

ich hatte ja kürzlich an einem Leseabend teilgenommen und wurde damals herzlich dazu eingeladen, an der Aktion “Mein SuB kommt zu Wort”, deren Organisatorinnen Vanessa und Melli den Leseabend veranstaltet hatten, teilzunehmen. Nun, diese Aktion findet jeden Monat statt, da mein SuB in den letzten Jahren allerdings sehr statisch ist, werde ich ihn wohl nicht jeden Monat zu Wort kommen lassen, sondern eher etwas unregelmäßiger teilnehmen.

Es werden jeden Monat vier Fragen gestellt, die vierte Frage ist dabei die ‘Aktionsfrage’. Eines der dort vorgestellten Bücher soll dann bis zur nächsten Ausgabe gelesen werden. Mal sehen, ob mich das motiviert. Hier also die Fragen (samt Antworten, sonst wäre es wohl witzlos…)

1. Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?

Da fängt es schon an. Meine SuB-Daten sind schon ein paar Monate alt, einige Bücher sind noch nicht einsortiert und in meiner allmächtigen Tabelle eingetragen. Daher – unter der Einschränkung, dass es etwas höher sein dürfte – liegen wir aktuell bei 129 Büchern.

2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig uns deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!

Auch hier muss ich leider auf etwas ältere Daten zurückgreifen, bis der faule Blogger hinter diesem Beitrag sich mal die Mühe gemacht hat, alles zu aktualisieren. Die drei neusten Bücher hier sind Vor dem Fest von Saša Stanišić, der Doppelband mit den ersten beiden Bänden der Wolf-Gäng von Wolfgang Hohlbein (von dem ich zumindest schon einen gelesen und rezensiert habe) und schließlich Was wir scheinen von Hildegard E. Keller.

3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es ein SuB-Senior, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem(r) Besitzer:in gefallen (gerne mit Rezensionslink)?

Das war Dracula von Bram Stoker. Mit bald 120 Jahren zählt es wohl nicht mehr als neu, und es als Sub-Senior zu bezeichnen, nur weil es seit 7,5 Jahren auf meinem SuB lag, ist doch wirklich übertrieben. *hust*

4. Liebe:r SuB, im September wollen wir unseren Fokus auf die Hardcover in Deinen Stapeln legen. Welche Hardcover soll Dein:e Besitzer:in bis zum nächsten Monat  Mal lesen?

Oh, da fällt mir etwas ein. Passend zur Bekanntgabe der Shortlist liegt hier noch der Buchpreis-Gewinner vom letzten Jahr herum: Annette. Ein Heldinnenepos von Anne Weber. Das oben erwähnte Was wir scheinen wäre auch noch eine Idee, das ist aber doch recht umfangreich, mal schauen, ob ich das bis zum nächsten Mal schaffe. Ansonsten sind Hardcover hier wirklich rar gesäht, aber ich schlage dennoch mal die englische Ausgabe von Mr. Mercedes von Stephen King vor.

Mal schauen, ob ich in der nächsten Zeit etwas davon schaffe oder ob es dann doch wieder ganz andere Bücher werden. Ich lasse es euch jedenfalls wissen und meinen SuB (der sich lieber als RuB bezeichnen würde, in Stapelform wäre er doch arg instabil) demnächst wieder zu Wort kommen.

Bis dahin!

Florian (und ein Regal ungelesener Bücher)

 

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Charity 05: Die schlafende Armee – Wolfgang Hohlbein

Nach dem vierten Band von Charity geht es nahtlos mit Band 5 weiter. Natürlich sind unsere Freunde noch immer im Kampf gegen die Moroni. Und nachdem wir im letzten Band die Sehenswürdigkeiten des schönen Paris erkunden haben, wird es Zeit für einen Besuch beim Kölner Karneval. Na dann mal Helau!

In Paris ist ja Ende des letzten Bandes der alte NATO-Bunker in die Luft geflogen ist, machen sich unsere Freunde erneut auf die Flucht. Sie fliehen in einem geklauten Gleiter und obwohl Kyle, der Megamann alles gibt, wird der Gleiter abgeschlossen und sie müssten zu Fuß weiter. Sie treffen auf eine ziemlich verstörende Zahl von mutierten Riesenratten, die sich an ihnen gütlich tun möchte, bevor sie beschossen werden – mit seltsamen Strahlenwaffen, die aber eine eher lähmende Wirkung haben, vor allem auf die Ratten. Ein gewisser Leutnant Hartmann stellt sich ihnen vor und nimmt sie mit in ihren Außenposten, den sie aber nach kurzer Zeit aufgeben müssen, da die Moroni mit ziemlich viel Gewalt nach Charity zu suchen scheint. Also ab in den nächsten Bunker. Hier ist die Rede von einer schlafenden Armee und einer Chance, den Moroni beizukommen. Auch Stone scheint nicht der Verräter zu sein, für den ihn alle halten, denn er verrät Charity einen Weg, die Moroni zu besiegen.

Schließlich die Jared. Es ist von einem seltsamen Sprung die Rede, die Jared, eine Art Naturvolkkollektiv oder so in der Art schaffen es, die Moroni kurzzeitig zurückzuschlagen und stellen eine ernste Bedrohung dar. Kyle und Gurk bleiben bei ihnen zurück, während sie Charity mit einem Trupp um Hartmann aufmacht, Stones Anweisungen zur Vernichtung der Moroni zu befolgen.

Nunja, es ist ein weiterer Band in einer Reihe. Und er hat alles, was Hohlbein braucht. Ein paar neue Aspekte in der Geschichte, jede Menge Kampfszenen, Action, fast tote Helden und schwere Verletzungen, Wunderheilungen, ‚die letzten Kräfte mobilisieren‘ und neue Freunde. Es nimmt aber tatsächlich in diesem Band etwas Fahrt auf. Stone spielt mal wieder eine Rolle und entwickelt sich – auch im Laufe der nächsten Bände noch – zu einer sehr differenzierten Figur. Ja, der Band spielt in Deutschland, aber da es auch schon im letzten Band keinen großen Unterschied gemacht hat, ob der Band jetzt in Paris oder New York spielt (man ersetze einfach nur Manhattan durch Eiffelturm oder eben hier durch Kölner Dom), ist auch hier der Schauplatz der Handlung eigentlich zweitrangig.

Mit den Jared wird aber wirklich ein rätselhaftes Element in die Handlung eingeführt. Ich habe tatsächlich nicht wirklich eine Ahnung, was das sein soll, es erinnert so ein bisschen an elfenartige Naturwesen, die irgendwie eine Bedrohung für die Moroni darstellen und etwas mit einem Sprung zu tun haben? Jedenfalls kann ein Soldat dadurch gerettet werden, dass er ein Moroni wird und so etwas ähnliches scheint auch mit unserem Freund Gurk zu passieren.

Was ich von diesem Bändchen halten kann, habe ich schon zu den anderen Charity-Romanen geschrieben. Es sind eben nur etwas bessere Heftromane, keine Story mit Tiefgang, kein Charakterbuilding, keine anspruchsvollen technischen Erklärungen, also nicht wirklich _Science_Fiction. Es ist ein Bändchen für zwei, drei vergnügliche Stunden mit viel Action – wenn man also das sucht, wird man, wie so oft bei Hohlbein, hier gut fündig. Man könnte ihm sogar eine gewisse Message andichten wie den Kampf des Individuums und der Menschlichkeit gegen die obrigkeitshörigen und ameisenartigen Moroni, die blindlings ihren Befehlen folgen. Auch hier bleibt mir für die Bewertung nur der Vergleich mit den Vorgängerbänden und ich gehe um einen halben Stern auf 3,5/5 Sternen hinunter – vor allem weil hier so viele Fragen ungelöst bleiben und alles noch eine Stufe absurder wirkt.

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Leseabend am 04.09.2021

Guten Abend in die Runde!

Spontan habe ich mir überlegt, noch schnell beim Leseabend von Vanessa und Melli einzusteigen. Ich mache zwar (zumindest bisher) weder bei ihrer Leseaktion “Mein SuB kommt zu Wort” mit, noch werde ich den ganzen Abend lesen können, aber zumindest ein paar Seiten lesen und ein paar Fragen zu beantworten habe ich mir vorgenommen. Es ist übrigens auch seit Dezember 2013 der erste Leseabend an dem ich teilnehme. Ist doch gerademal 7,5 Jahre her!

Also fangen wir mal mit der ersten Frage an:

18:00: Gleich drei Fragen auf einmal. Wow.

Was liest Du heute Abend? Ist es ein Buch aus Frage 4. der Aktion „Mein SuB kommt zu Wort“ oder hast Du Dir etwas anderes herausgesucht?

Heute Abend lese ich “Frühstück mit Kängurus” von Bill Bryson weiter. Ich fange um Seite 250 an. Da ich nicht an der Aktion teilnehme, hat es damit auch nichts zu tun – ehrlich gesagt stammt das Buch nicht einmal von meinem SuB, es ist ein Re-Read. Die Rezi ist mit knapp 9 Jahren übrigens noch etwas älter, als meine letzte Lesenachtteilnahme.

Würdest Du der Einladung Deiner Protagonist:innen zu einer Einstandsparty folgen und was liefe dabei wohl für Musik?

Nun, es ist kein Roman. Bill Bryson spielt die Hauptrolle des Reisenden und vermutlich würden, weil er sich irgendwie beim Einstellen des Radios vertan hat, den ganzen Abend die schönsten Country-Hits der 50er, 60er und frühen 70er laufen. Was eine Freude.

Bei einer Einstandsparty dürfen Snacks und Getränke natürlich nicht fehlen. Was steht bei Dir heute bereit?

Hier steht außer einem Glas Wasser noch gar nichts bereit. Vielleicht folgt im Laufe des Abends noch etwas.

 

19:30

Wie gefällt Dir Dein Buch bisher? Ist es von Deinen Lieblingsautor:innen oder hast Du zuvor noch nichts von diesem Autor/dieser Autorin gelesen?

Bill Bryson ist einer meiner Lieblingsautoren. Neue Bücher landen fast zwangsläufig zeitnah auf meinem SuB – von daher konnte ich mir bei der Auswahl meiner Lektüre sehr sicher sein. Viele seiner Bücher habe ich schon mehrmals gelesen – das mache ich generell nicht so häufig. Für Frühstück mit Kängurus ist das das erste Re-Read seit meiner damaligen Rezi und deshalb kann ich das Buch mit immerhin 9 Jahren Abstand nochmal fast von vorne erleben. Ich finde das Buch noch immer ziemlich eindrucksvoll und spannend, frage mich fast 9 Jahre nach meinem ersten Lesen und gut 20 Jahre nach dem Erscheinen, wie es denn heute an den Orten aussehen möge und sehe es sehr skeptisch, dass das Buch in gut 100 Seiten schon wieder zuende ist. Also ja, es gefällt mir. Immernoch.

21:00

Meteorologisch hat bereits der Herbst begonnen. Freust Du Dich schon auf die gemütliche Jahreszeit mit Tee, Kuscheldecke und einem guten Buch?

“Herbst, das ist Sitzen auf dem Sofa  || Mit Ingwer-Tee statt Cola und der Strickjacke von Oma”

Ja, Herbst ist in Ordnung, aber irgendwie darf der gerne noch ein paar Wochen draußen bleiben. Hier ist es gerade dieser Tage nochmal richtig warm und da der Sommer ja stellenweise (also immer dann, wenn ich Zeit hätte, um ihn zu genießen) kühl und regnerisch war, wäre es doch ein guter Deal, wenn sich der Herbst nochmal einen Monat zurückhält und wir einstweilen noch etwas Sommer genießen.

22:00

Nach einem Update aus dem Maschinenraum werden mir eure Kommentare inzwischen auch angezeigt. Danke für die zahlreichen Kommentare bis hierher und auf zur vorletzen Frage:

Wir befinden uns schon in der zweiten Jahreshälfte! Welche Reihe möchtest Du in diesem Jahr gerne noch beenden?

Ohje, Reihen beenden? Das klingt nach Abschied. Ich müsste mich endlich mal aufraffen, den dritten Teil von Apocalypsis zu hören, der liegt hier noch als Hörbuch in der Audible-App herum. Ansonsten könnte ich mit der lockeren Zamonien-Reihe von Walter Moers mal auf den neusten Stand kommen, dazu muss ich mir aber erst noch den Bücherdrachen besorgen, der ist nämlich noch nicht hier eingezogen. Aber eigentlich habe ich keine großartigen Reihenabschlüsse eingeplant.

23:00

Und damit ist es schon wieder vorbei. Es ist ja auch nur ein Leseabend und keine Lesenacht. Dann also auf zur letzten Frage:

Fazit – Irgendwann ist leider auch die schönste Party zu Ende. Wie viel hast Du heute Abend gelesen?

Hast Du Anmerkungen zu unserem ersten gemeinsamen Leseabend? Was hat Dir gefallen, was würdest Du Dir für den nächsten Leseabend wünschen?

Schon wieder drei Fragen! Also, gelesen habe ich heute gute 80 Seiten – was okay ist, wenn man bedenkt, dass ich zwischenzeitlich noch einige andere Sachen erledigt habe. Vom Ende meines Buches trennen mich jetzt nur noch rund 70 Seiten, also scheint die Reise durch Australien sich jetzt wirklich dem Ende zuzuneigen.

Was den Leseabend angeht, fand ich ihn schön organisiert. Ich erinnere mich noch an früher, als bei Anka dutzende Blogs mitgemacht haben und man nur noch dabei war, bei anderen zu störbern – das war einfach durch die kleine Gruppe hier viel besser möglich. Auch dass die Fragen am Vorabend nicht stündlich kamen, hat mir gefallen – ich wäre sonst heute kaum hinterher gekommen. Danke an euch für die Organisation!

In diesem Sinne, einen Gute Nacht euch allen!

 

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Die Wolf-Gäng: Das Haus der Geister – Wolfgang Hohlbein

Now a Major Motion Picture. So steht es immer auf den frisch verfilmten englischen Büchern, die in neuem Gewand („Movie-Tie-In“) herausgebracht werden. Eine Tradition, die inzwischen auch in Deutschland um sich greift. Hier ist es aber etwas anders. Die Wolf-Gäng ist eine Buchreihe, die Hohlbein vor inzwischen knapp 15 Jahren geschrieben hat. Anfang 2020 erschien dann ein Film, der auf dieser Buchreihe basiert, aber offenbar eine eigene Geschichte erzählt – zumindest habe ich das so verstanden – und Ende 2020 stolperte ich zufällig über einen Doppelband mit den Originalbüchern. Okay, ich mag Hohlbein, los geht’s.

Das Buch beginnt mit einem Umzug. Der junge Vlad zieht mit seiner Familie in ein verlassenes Gemäuer in einem kleinen Ort. Von heute auf Morgen muss er sein altes Umfeld aufgeben und sich in einer neuen Umgebung eingewöhnen. Und diese Gegen, Crailsfelden, hat es in sich. Irgendwie sind alle Leute hier sehr seltsam. Der Umzug ging verdächtig schnell, Heinzelmännchen verunstalten sein Zimmer, er träumt von Gespenstern und anderen Wesen und sollte besser nicht alleine durch das laufen. Auch in der Schule, der Penner-Akademie wirkt alles sehr merkwürdig. Vor allem gestrig, wenn ich mir diesen pädagogischen Einwurf erlauben darf. Nun, Vlad findet ein paar Freunde – das sind so ungefähr die Außenseiter der Schule – und legt sich mit den stärksten Jungs, der ‚Schweinebande‘ an. Gibt Stress mit dem örtlichen Wachtmeister, dem freundlichen Schuldirektor Penner und irgendwie versteht Vlad die Welt nicht mehr. Es dauert dann wirklich noch eine ganze Erkundung durch die Burg – inklusive dramatischem Kampf gegen die bösen Schlossgespenster – bis Vlad endlich darauf kommt: Er ist ein Vampir! Er kann zwar kein Blut sehen, aber damit passt er ziemlich gut zu seinem Freund Wolf, einem Werwolf mit Tierhaarallergie und Faye, eine Fee mit Höhenangst.

Ich gebe zu, ich habe es etwas flapsig zusammengefasst, aber es entspricht ein wenig dem Leseergebnis. Ich wusste über das Buch ungefähr so viel wie den letzten Satz meiner Inhaltsangabe, aber das genügte eigentlich, damit ich wusste, worum es in diesem Buch geht. Und wenn ich das nicht hinbekommen hätte, sind die Namen (Vlad, Wolf und Faye) so plump, dass selbst derjenige, der die zahlreichen Anspielungen auf diese Fabelwesen nicht versteht, vor Vlad auf die Idee kommt, was mit ihm los ist. Generell ist die Handlung ziemlich flach, vieles bleibt erstmal nur vage erklärt und wird auch nicht final aufgelöst. Das liegt daran, dass dieser Band eigentlich nur eine ziemlich lange Exposition ist. Typischerweise wird ja zu Beginn einer Reihe erst einmal der Charakter und die zugehörige Welt etabliert, meistens in Verbindung mit der ersten Probe des Protagonisten, häufig endet die Exposition dann mit der Auslösung der Haupthandlung, also der großen Quest, die der Protagonist bestehen muss. Und das ist hier im Prinzip ähnlich, aber auch irgendwie nicht. Die große Quest wird nicht ersichtlich, das Protagonisten-Trio bildet sich allerdings wirklich und findet zusammen. Es folgen jetzt noch drei Bände, die jeweils scheinbar einzelne Geschichten rund um die drei erzählen und so gut ich die Geschichte des zweiten Bandes finde, so unspannend ist leider die Geschichte des ersten Bandes. Ich habe Band 2 zwischenzeitlich schon gelesen und glaube, es ist das erste Mal, dass mir in einer Reihe Band 2 besser gefällt als Band 1 – einfach weil man dem Protagonisten nicht 200 Seiten lang zubrüllen will, was es mit ihm auf sich hat und wieso er das einfach nicht verstehen will. Verständlich, dass man hier für den Film einige Veränderungen vorgenommen hat, denn die Grundidee der Buchreihe ist ja durchaus ziemlich spannend.

Insofern würde ich den ersten Band nur empfehlen, wenn ihr vorhabt, die ganze Reihe zu lesen – oder zumindest noch den zweiten Band zur Hand habt. Es sind auch wieder ein paar typische Hohlbeinismen drinne – komische Wesen aus dem Dunkeln, die ständig Kampfszenen initiieren; kleinere Logiklücken bzw. Handlungsaspekte, die für immer unaufgelöst bleiben, aber auch der ständig spannungsgeladene Schreibstil und die flüssige Erzählweise. Alles in allem denke ich, sind 3/5 Sternen angebracht.

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Infinitum: Die Ewigkeit der Sterne – Christopher Paolini

Ich habe noch nie ein Buch von Christopher Paolini gelesen. Ich weiß, dass er der Autor der erfolgreichen Eragon-Reihe ist, ich würde diese Reihe auch ganz gerne noch lesen, aber bis dato kam ich noch nicht dazu. Ich mag allerdings Sci-Fi. Und so war ich durchaus gespannt, als ich die Chance bekam, diesen Roman zu lesen, der in vielen Rezensionen häufig mit Eragon verglichen wird.

Wir werden direkt in die Welt hineingeworfen, in die Abschiedsparty einer Mission, in der Kira sich verlobt. Die beiden wollen sesshaft werden, nachdem sie seit einiger Zeit Planeten zur Kolonisierung vorbereiten. Unmittelbar vor dem Abflug, nachdem der Planet als geeignet befunden wurde, muss Kira nochmal los und eine Anomalie untersuchen. Dort findet sie eine seltsame Kammer, die eindeutig nicht natürlichen Ursprungs ist. Sie fällt ihn Ohnmacht und wacht erst auf dem Raumschiff wieder auf, wo sie einen Fremdkörper an ihrem Körper feststellt, einen biotechnischen Anzug, der sie wie eine Rüstung umgibt. Kurzum, ohne hier zu viel verraten: Ihre Entdeckung steht im Zusammenhang mit einem Krieg, der ausbricht und in dem Kira eine entscheidende Rolle spielt.

Ich bin mir insgesamt nicht so ganz sicher, was ich von diesem Buch halten soll. Ich mag grundsätzlich lange Romane, mag Science-Fiction recht gerne, habe auch nichts gegen Space Operas, finde aber auch Weltraumjagd ganz reizvoll. Dieses Buch will nirgendwo so recht passen. Stilistisch hat Paolini das Genre ganz gut getroffen, es liest sich wie ein normaler Science-Fiction Roman, auch die Motive sind zunächst wenig überraschend. Außerirdische Lebensformen, Jagd durchs Weltall, Xenobiologie, Kyroschlaf, Raumschlachten, Action auf fremden Schiffen – alles da. Und tatsächlich zündet die Grundidee ganz gut. Der erste Teil, bis der Krieg mit den Jellys beginnt, ist ziemlich spannend – allerdings deutet sich da mit dem starken Fokus auf dem personalen Erzähler und der sehr ausführlichen Einführung in die Welt schon ein Problem an: Das Universum bleibt ziemlich leer und farblos. Alles, was nicht für Kira relevant ist, wird nicht weiter beschrieben. Technologisch hat Paolini seine Hausaufgaben gemacht, da passieren keine aberwitzigen Begebenheiten, aber irgendwie bleibt die Geschichte etwas leer.

Es gibt zu diesem Buch drei Arten von Rezensionen. Eragon-Fans, die den neuen Roman super finden, Eragon-Fans, denen Infinitum zu viel Science-Fiction ist, aber Paolinis Stil mögen und Sci-Fi Fans, die sich über die fehlende Komplexität der Welt beklagen. Ohne mich hier zuordnen zu wollen, tendiere ich eher zur letzten Sichtweise. Eine große Stärke von Fantasy und Sci-Fi-Geschichten ist es in meinen Augen, wenn ‚die Bösen‘ nicht so eindeutig als böse gezeichnet werden. Wenn ihnen eine komplexe Gesellschaftsstruktur zugeschrieben wird und sie nicht das klischeehaft Schlechte sind. Orks sind nicht einfach nur böse Wesen, sondern verfügen über gesellschaftliche und kulturelle Strukturen. Natürlich ist es im Krieg nötig, sie zu bekämpfen, sie sind aber keine stumpfen Tiere, wie sie häufig gezeichnet werden. Ähnlich ist es mit Außerirdischen im Allgemeinen und den Jellys im Spezifischen. Sie wirken ein wenig wie eine farblose Kopie von Lovecrafts Kreaturen und bleiben eindeutig zu farblos. Mir drängte sich ein wenig der Vergleich mit Hohlbein auf, häufige Kampfszenen, eine nicht zu Ende erklärte Welt und eine weibliche Hauptfigur, die Dreh- und Angelpunkt der Welt ist – das kennt man aus einigen Hohlbein-Romanen. Paolini schreibt zwar insgesamt etwas anspruchsvoller, die Motive sind aber vergleichbar.

Was Paolini allerdings gelungen ist, ist der Comic Relief. Niemand möchte 900 Seiten trübsinnige Kriegsliteratur lesen, da bieten die Tiere auf dem Raumschiff und der etwas renitente Schiffscomputer gelegentlich eine willkommene Abwechslung. Auch dass das Militär, das eigentlich auf Seite Kiras sein müsste, eher als Gegner auftritt, hat mir recht gut gegangen, verleiht es dem ganzen Unterfangen noch etwas Anarchistisches. Dass der Held allerdings seine Heldentaten gegen die Autorität vollbringt, ist zwar spätestens seit Captain Kirk kein neues Motiv mehr, gefiel mir aber in diesem Kontext recht gut.

Ehrlich gesagt tue ich mir etwas schwer mit der Rezension, was nicht nur daran liegt, dass ich einige Zeit gebraucht hatte, bis ich die über 900 Seiten eng bedrucktes Bibelpapier gelesen hatte. Mir ist die Zielgruppe des Buches völlig unklar. Gestandene Sci-Fi-Fans wird das hübsche Cover nicht hinter dem Ofen hervorlocken, Paolini-Fans bekommen hier schon ein Sci-Fi Niveau zubereitet, das für Einsteiger des Genres rein technisch etwas herausfordernd sein könnte – wer bleibt da als Zielgruppe? Kurzum, wer einen netten Science-Fiction Roman mit wirklich hübscher Aufmachung sucht, wird mit Inifnitum nichts falsch machen. Eine uneingeschränkte Empfehlung kann ich aber auch nicht vergeben. Wenn euch das Buch in die Hände fällt, kann man damit durchaus einige Stunden Spaß haben, aber es ist, meiner Ansicht nach, kein Highlight. Es soll allerdings in diesem Universum noch mit anderen Geschichten weitergehen. Schauen wir mal, ob Paolini noch etwas mehr in das Genre reinwächst. Einstweilen bleibe ich bei 3,5/5 Sternen.