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Der Vampyr – Wolfgang Hohlbein

Das Bild dieser Rezension kam in diesem Blog schon einmal vor. Das liegt daran, dass ich die ersten vier Bände der Chronik der Unsterblichen in zwei kostengünstigen Doppelbänden besitze. Diese werden zwar aktuell nicht mehr gedruckt, ich habe sie aber recht günstig gebraucht bekommen und wollte diese als Chance nehmen, um zu schauen, ob mir diese Reihe zusagt. Und bisher kann ich sagen: Ja, das tut sie!

Im zweiten Band sind unsere beiden Helden auf dem Schiff des Piraten und Sklavenhändlers Abu Dun, aus dessen Gewalt sie die 100 Sklaven befreien wollen, die aus Frederiks Dorf stammen. Doch gerade als es einen Deal zwischen Abu Dun und Andrej gibt, kommt ein Schiff der Inquisition und versenkt den Piratensegler. Andrej und Abu Dun, die sich retten können, schmieden eine Art Frieden, um nun dem Inquisitor und den schwarzen Männern Herr zu werden. Sie stoßen bald auf den grausamen Fürst Tepesch, der sich den Gegnern aus dem Orient stellt, die gerade in das Land einfallen. Es kommt dann zu einigem Hin und Her, zunächst ist Tepesch eine Art Verbündeter, dann wird er zum Feind und schließlich gibt es einen Pakt mit dem Anführer der Türken, nachdem klar ist, dass Tepesch Andrej und Frederik erst gehen lässt, sobald sie ihm das Geheimnis der Vampire verraten haben – was natürlich nicht möglich ist. Schließlich flieht Andrej nach der Hinrichtung des Inquisitors durch Tepesch – als „Vertrauensbeweis“ – und verbündet sich mehr oder weniger ungewollt, weil er Abu Dun wiedertriftt, mit den Türken, um Tepsch zu besiegen. Das gelingt jedoch nur so halb, zwar stirbt Tepesch, der Draculea, durch die Hand Frederiks, allerdings scheint Tepeschs Geist im Todeskampf mit Frederik diesen besessen zu haben.

Durch den Auftritt von Draculea alias Tepsch sind nun Zeit und Ort der Handlung relativ klar. Wir sind im 15. Jahrhundert in der Walachei, im heutigen Rumänien. Auch was Andrej so alles an Vampirfähigkeiten hat, ist so langsam aber sicher ein wenig abgesteckt. Auch die Episodenstruktur ist relativ gut gelungen. Man hätte die Reihe hier durchaus beenden können, aber es ist auch durchaus genug Raum für eine Fortsetzung da, sodass es auch gerne weitergehen kann – ich freue mich jedenfalls darauf.

Es ist ganz spannend, dass die Hohlbein-Bücher von vor zwanzig Jahren ähnliche Schwachstellen wie die heutigen aufweisen, allerdings fallen diese hier noch nicht so sehr ins Gewicht. Es gehört einfach zu Hohlbein, dass alle paar Seiten eine Kampfszene kommen muss, dass die Helden teilweise enorm heftig verletzt werden und dass die Seiten sich häufig und manchmal durchaus nicht völlig nachvollziehbar wechseln. Es gehört aber auch zu Hohlbein, dass die Geschichte spannend und fast schon etwas atemlos erzählt werden. Und auf der kurzen Strecke von knapp 350 Seiten weist das Buch auch meiner Ansicht nach keine Längen auf, man hätte sich sogar gewünscht, dass es noch ein wenig langsamer geht. Ich hätte mir beispielsweise etwas mehr ‚historischen‘ Anteil gewünscht, wir sind in Südrumänien, aber eigentlich könnte der Schauplatz auch überall sein; ich finde, die Besonderheiten genau dieses Ortes und dieser Zeit kommen nicht so richtig durch.

Das trübte aber meinen Lesespaß nur ein wenig, insgesamt fand ich auch diesen zweiten Band sehr gelungen und finde es sehr angenehm, mal wieder etwas länger in eine etwas komplexere Welt einzutauchen. Worldbuilding, wie es andere High-Fantasy-Autoren machen, sucht man in diesem Band eher vergeblich suchen, es geht wirklich nur um die drei protagonisten, der Rest der Charaktere ist im Prinzip austauschbar – das führt aber auch dazu, dass sich zumindest dieser Band recht gut weglesen lässt, ohne dass zu viel Zurückblättern und ‚Wer war denn das jetzt wieder‘ nötig ist. Für weniger anspruchsvolle Fantasyleser also gefundenes Fressen. Dafür vergebe ich gerne 4/5 Sternen.

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Die vier Verdächtigen – Agatha Christie

Weiter geht es mit dem Dienstagabendklub, sozusagen dem Revival dieses Clubs. Dieses Mal ist Sir Henry Clithering, der ehemalige Polizist an der Reihe und erzählt von einem Fall, der sehr lange unaufgeklärt blieb.

Dr. Rosen war ein Spion in Deutschland und half dort, eine Geheimorganisation zu zerschlagen. Er flieht nach England, um dort unterzutauchen und der sicheren Verfolgung zu entgehen. Doch schon bei der Unterredung mit Clithering, der eingeweiht ist, ist er überzeugt, dass sein Tod nur noch eine Sache von einigen Wochen oder Monate ist. Und tatsächlich stirbt er nach einiger Zeit. Er fällt einfach die Treppe hinunter und stirbt, als ob es ein Unfall wäre. Aber das wäre doch wirklich ein großer Zufall. Es gibt nur vier Verdächtige, die in Betracht kommen könnten: Eine ältere Haushälterin, ein Sekretär, ein Gärtner und seine Nichte. Alle vier haben ein gutes und schlüssiges Alibi und gelten als unverdächtig, alle vier haben jedoch auch theoretisch die Chance zum Mord gehabt. Lediglich der Sekretär, der ein Agent der Polizei war, gilt zumindest für Clithering als unverdächtig.

Die Geschichte wurde ausgewählt, um zu illustrieren, dass es häufig ein Problem ist, wenn die Mörder einer Tat nicht gefunden werden. Denn wäre der Mörder hier eindeutig identifiziert worden, wäre die Unschuld der anderen drei zweifelsfrei nachgewiesen worden. So mussten alle vier mit dem latenten Verdachtsmoment leben, was für alle von ihnen sehr unangenehm war. Schließlich kann aber Miss Marple Licht ins Dunkle bringen und so erraten, was Clithering erst lange Zeit später per Zufall erfuhr.

Nach einigen Miss-Marple-Geschichten, die ich zwar durchweg recht gut, aber nicht völlig gelungen fand, hat mich diese Geschichte wieder völlig in den Bann gezogen. Ein kleines, völlig geschlossenes Setting in dem gar nicht mal viel auf einen Mord deutet – insgesamt also eine verzwickte Sache. Kein Wunder, dass hier nicht richtig ermittelt werden konnte. Und obwohl mir eigentlich relativ schnell klar war, dass es einen Mörder geben muss und dass es irgendwas mit der Tagespost zu tun hat – denn mehr Kommunikation zur Außenwelt gab es nicht und warum hätte sonst vom einen auf den anderen Tag ein Mord passieren sollen – hatte ich mal wieder nicht den blassesten Schimmer. Ich wäre wohl auch kein guter Kriminalkommissar, denn obwohl die Geschichten eigentlich genug Hinweise geben, gelingt es mir nie, etwas damit anzufangen. Die Idee des untergetauchten Spions ist für Christie nicht besonders untypisch, gefiel mir aber dennoch ausgesprochen gut. Insgesamt also eine sehr spannende Geschichte, für die ich gerne auch mal wieder 4/5 Sternen gebe. Ich bin nun gespannt auf das letzte Drittel des Dienstagabend-Klubs.

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Monatsliste vom Juli 2018

Reichlich spät kommt diesen Monat die Monatliste. Denn zumindest blogtechnisch war der letzte Monat relativ mau. Das liegt zum einen daran, dass ich die Bücher dieses Monats parallel gelesen habe und somit erst gegen Ende mit ihnen fertig wurde, zum anderen ist zwar im letzten Monat ein wenig Lesezeit angefallen, zum Bloggen kam ich aber leider nur wenig. Das soll sich diesen Monat auf jeden Fall wieder ändern, ich bin gerade dabei, das ganze gelesene des letzten Monats vorzubereiten und werde das dann im Laufe des Monats verbloggen – und ich hoffe, es kommt noch einiges Neues dazu. Leider war dieser Monat zwar lesetechnisch wieder halbwegs im Rahmen – es sind mal wieder über 800 Seiten geworden – aber mein SuB hat leider nicht weiter abgespeckt. Dafür war der Bücherschrank zu verführerisch. Dort fand ich zwei Terry Pratchett Romane. Ich wollte den Autoren ja schon immer mal lesen, kam aber irgendwie nicht dazu. Und obwohl das jetzt nicht der erste Band der Scheibenwelt-Reihe ist, dachte ich, es ist trotzdem ein ganz guter Start, diese beiden Bücher zu lesen. In diesem Sinne, hier die Zahlen:

Gelesen:

Der Vampyr – Wolfgang Hohlbein (coming soon, 348 Seiten)
Academia Obscura – Glen Wright (coming soon, 266 Seiten)
Hanni und Nanni: Das Rätsel um die Neue (#24) (coming soon, 154 Seiten)
Die vier Verdächtigen – Agatha Christie (coming soon, 17 Seiten)
Eine Weihnachtstragödie – Agatha Christie (coming soon, 20 Seiten)
Das Todeskraut – Agatha Christie (coming soon, 15 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 554 Seiten, 17,9 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 266 Seiten, 8,5 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 820 Seiten, 26,4 Seiten pro Tag

Aus dem Bücherschrank:
Lords und Ladies – Terry Pratchett
Ruhig Blut – Terry Pratchett

End-Sub-Stand: 110 (+-0)

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Die Hauptstadt – Robert Menasse

Die Preisverleihung zum deutschen Buchpreis 2017 habe ich live am Bildschirm verfolgt. Noch am selben Abend durfte sich meine örtliche Buchhandlung über eine Bestellung von mir freuen. Es dauerte dann eine gute Woche, denn tatsächlich musste sie auf den Nachdruck warten, dann hielt ich das Buch in den Händen. Stellte es in mein Regal mit den ungelesenen Büchern und ließ es dort eine Weile liegen. Zu Beginn dieses Jahres nahm ich mir vor, es auf jeden Fall noch vor der Verleihung des nächsten Buchpreises zu lesen – und hier ist es nun.

Ein Schwein geht um in Brüssel. Jeder sieht es und doch ist es nicht greifbar. Ein Mord passiert und scheinbar gibt es keine Unterlagen darüber. Mit diesem Intro setzt das Buch ein. Wir erfahren von einem, wie sich herausstellt, dem letzten Auschwitz-Überlebenden, der seine Wohnung aufgeben muss und in ein Pflegeheim zieht. In der EU-Kommission möchte die Leiterin der Kulturabteilung sich durch ein Jubiläumsprojekt profilieren, bei dem die letzten Holocaust-Überlebenden auftreten sollen. Ein nach dem Mord vom Dienst freigestellter Polizist möchte in einem Mord ermitteln und gerät dabei in internationale Nachrichtendienste hinein. Und der Mörder ist auf der Flucht durch Polen und flieht vor seinen Auftraggebern. Ein in die Jahre gekommener Hochschullehrer stellt sein Konzept einer völlig neu geplanten europäischen Hauptstadt vor. Nicht zu vergessen auch die Schweinezüchter, die Schlachtabfälle nach China verkaufen, sich aber nicht auf eine europäische Lösung einigen können. Und die Frage bleibt – gab es jemals ein Schwein?

Ich habe das Buch gelesen und nach ungefähr einem Dritter habe ich verstanden, warum das Buch mit einem Buchpreis geehrt wurde. Es wird in den Medien kolpotiert, es handele sich um den weltweit ersten Roman über die EU – die Behauptung finde ich etwas kühn, aber viele Romane dieser Art gibt es definitiv nicht.

Man sollte vor der Lektüre des Romans wissen, dass Menasse keineswegs ein EU-Skeptiker ist, tatsächlich schrieb er vor einigen Jahren den ‚Europäischen Landboten‘ ein Plädoyer für eine stärkere Union. Dann versteht man den Roman nicht als Kritik an den europäischen Verhältnissen, sondern als eine halb dokumentarisch, halb satirisch und halb bewundernde Dokumentation europäischen Handelns, das sich eigentlich nur aus den Lebensgeschichten der beschriebenen Figuren speist. Die Perspektive wechselt unangekündigt alle paar Seiten, was zunächst verwirrend wirkt, aber schon nach einigen Seiten kein Problem mehr ist, weil die Handlungen tatsächlich alle verbunden sind.

Wie funktioniert diese Kommission? Sie funktioniert nach einer Form von chaotischer Ordnung, voller Bürokratie und mit einem gigantischen Beamtenapparat. Und doch sind diese Beamten die einzigen, die die Europäische Idee – einem Regieren jenseits des Nationalstaates – wirklich ernst nehmen, nur so kann man sich erklären, wieso einer der Protagonistinnen auf ihren Pass angesprochen wirklich fassungslos wird, wieso dieser relevant ist. Der Roman verarbeitet darüber hinaus wahre Ereignisse. Die Flüchtlingsströme sind für einen Autounfall verantwortlich, ein tatsächlich stattgefundener Anschlag reißt jäh eine Lücke in die Protagonistendecke und so abwegig ist es nicht, dass es so ein Jubilee-Project gegeben haben könnte, das mit einem kleinen Fingerzucken völlig entstellt und schließlich eingestellt wurde.

Der Roman ist sehr amüsant zu lesen, trotz seines Preises, der ja häufiger mal an etwas sperrige Titel verliehen wird, hat mich der Roman durch seine klare, einfache und humorvolle Sprache in den Bann gezogen. Klar, einige französische Einschübe habe ich nicht verstanden – diese jahrhundertealte Unsitte kann ich nicht nachvollziehen[1]. Aber ansonsten ist der Roman gut verständlich, mit knapp 450 Seiten ist er auch nicht übermäßig lang und dass er sehr kunstvoll ist, kann man nicht verhehlen. Es schadet nicht, ein bisschen Schulwissen über die europäischen Institutionen mitbringen, es ist aber auch nicht unbedingt notwendig. Ich würde den Roman einfach mal allgemein weiterempfehlen. Wenn ihr schon immer mal Kunst statt Unterhaltung lesen wolltet[2], seid ihr mit diesem Buch gut bedient[3]. Ich gebe hierfür gerne volle 5/5 Sternen. Es lohnt sich wirklich, auch wenn es zugegeben noch etwas teuer ist. Aber im Oktober kommt das Taschenbuch. Und dann gibt es keine Ausrede mehr.

[1] Vielleicht sollte ich einfach mal Französisch lernen?

[2] Ich führe das jetzt nicht weiter aus. Seht es als eine kleine ironische Spitze und lest euch jetzt wieder meine nächsten Heftromanrezensionen durch, okay?

[3] Keine Sorge, es hat keine Fußnoten!

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Montagsfrage vom 16.07.2018

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Von manchen Buchreihen gibt es eine Comic-Version. Ist das etwas, das dich interessiert oder findest du es überflüssig?

Ich habe generell ein etwas seltsames Verhältnis zu Comics und Graphic Novels. Ich finde sie eigentlich ganz spannend, habe aber noch nie eine Graphic Novel gelesen – und auch was Comics angeht, bin ich nie über Asterix hinausgekommen. Ob jetzt ein bestehender Stoff nochmal adaptiert werden muss, kann man diskutieren. Ich denke gerade an die Graphic Novel Umsetzung von Walter Moers Stadt der Träumenden Bücher und kann mir das da durchaus gelungen vorstellen, die Leseproben sehen wirklich hübsch aus. Was mich da aber immer etwas abschreckt, ist der hohe Preis, der natürlich aus dem enormen Aufwand resultiert, das Buch zu zeichnen, zu setzen und vierfarbig zu drucken. Dennoch – und weil ich tatsächlich auch eher ein Text- als ein Bildmensch bin, sind Graphic Novels und Comics nicht mein bevorzugter Lesestoff. Zumal man sich sicherlich die Frage stellen muss, warum man einen bestehenden Stoff nochmal adaptieren muss und nicht neue Stoffe in graphischer Form umsetzt?

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, in der ihr auch wieder etwas auf diesem Blog zu lesen bekommt.

Bis dahin!

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Montagsfrage vom 09.07.2018

Hallo zusammen und herzlich Willkommen zu einer weiteren Montagsfrage. Nachdem Buchfresserchen aus ihrem Urlaub zurück ist,geht es nun weiter:

Inspirieren dich beim Lesen die Handlungen mancher Figuren für dein eigenes Leben oder trennst du Fiktion strikt davon, weil es nicht real ist?

Ich finde die Frage irgendwie kompliziert. Also bei Fantasy-Romanen ist es natürlich schwieriger, sich inspirieren zu lassen. Ich glaube nicht, dass ich besonders viel für mein Leben mitnehme, wenn ich Romane lese, manchmal sieht man natürlich andere Lebensentwürfe und manchmal wünscht man sich die Kräfte, die die Figuren in den Romanen haben. Aber die Bücher, die ich lese, sind da weniger inspirierend.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine gute Woche!

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Monatsliste vom Juni 2018

Auch im Juni hatte ich nicht unbedingt viel Zeit zum Lesen. Wieder war viel zu arbeiten, viel in der Uni zu tun und wieder kam die Lesezeit ein wenig zu kurz. Dafür habe ich tatsächlich endlich mal den Buchpreisgewinner aus dem letzten Jahr gelesen und kann jetzt auch sagen, dass dieses Buch absolut zu Recht einen Preis gewann. Ansonsten gab es immerhin auch keine Zugänge im letzten Monat, sodass ich immerhin einen kleinen SuB-Abbau hinbekomme. Wenn ich jetzt das erste halbe Jahr etwas bilanzieren möche, gelingt es mir leider noch immer nich, mal ein etwas höheres Lesepensum umzusetzen. Ich lese praktisch nur auf Bahnfahren – und da ich im Juni nicht wirklich viel gefahren bin, ist das entsprechend wenig. Für das erste Halbjahr hatte ich mir konkret 12 Bücher mit rund 5.500 Seiten vorgenommen – geschafft habe ich bis dato 6 Bücher davon, ein weiteres habe ich zumindest halb fertig. Also insgesamt leider mal wieder keine besonders angenehme Bilanz. Dennoch kommen hier die Zahlen:

Gelesen:

Die Hauptstadt – Robert Menasse (coming soon, 458 Seiten)
Gefährliches Spiel für Hanni und Nanni (coming soon, 154 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 612 Seiten, 20,4 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 612 Seiten, 20,4 Seiten pro Tag

Geschenkt / Als Rezensionsexemplar:

End-Sub-Stand: 110 (-1)

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Die blaue Geranie – Agatha Christie

Unser alter Klub, in dem die spannenden Geheimnisse der einzelnen Mitglieder besprochen wurden, hat sich vorläufig aufgelöst. Henry Clithering ist auf ein Abendessen bei Familie Bantry und schlägt vor, Miss Marple noch zum Dinner einzuladen, weil er sich an die schöne Zeit im Dienstagabend-Klub erinnert. Und tatsächlich hat Mr. Bantry eine Geschichte zu erzählen.

Es geht um eine Dame mittleren Alters, Mary Pritchard, die einige Leiden mit sich trägt. Sie liegt fast nur in ihrem Bett und muss viel gepflegt werden. Dabei ist sie selten mit einer Pflegerin zufrieden und treibt ihren Mann fast in den Wahnsinn. Nebenher ist sie auch noch etwas esoterisch angehaucht. Schließlich hat die amtierende Schwester eine neue Wahrsagerin ausfindig gemacht, die Mary mal einen Nachmittag beschäftigen soll, dass sowohl der Mann als auch die Schwester eine Weile für sich haben. Die Wahrsagerin beunruhigt die Frau jedoch noch mehr, indem sie sehr düstere Vorahnungen hat. Tags drauf erreicht sie ein Brief voller Prophezeiungen um einige blaue Blumen, die den Tod bedeuten sollen. Tatsächlich findet die Erkrankte an ihrer Blumentapete zum nächsten Vollmond zunächst eine blaue Blume, bis sie zwei Monate später beim Auftauchen einer blauen Geranie über ihrem Bett tot im Bett liegt – scheinbar ohne ersichtlichen Grund.

Alle beginnen zu rätseln, was es mit diesen blauen Blumen und dem Tod der kranken Mary auf sich haben könnte, doch nach kurzer Zeit macht Miss Marple einige kryptische Andeutungen, die nur Mr. Bantry, der die Lösung kennt, versteht und die auf die Lösung des Falls deuten. Sie hat somit den Fall aufdeckt – wie eigentlich ja immer.

Ich mochte diese Geschichte wie schon die vorigen ziemlich gerne. Klar ist es bei diesen erzählten Geschichten immer etwas zu wenig Miss Marple, weil ihr Gesprächsanteil eigentlich nur aus einigen klugen Kommentaren zum Ende hin besteht und die anderen Figuren sich vorher um Kopf und Kragen raten, aber dennoch sind gerade diese Gesprächsteile immer sehr spannend eingewoben. Auch die Geschichte selbst ist spannend erzählt und die zugrundeliegende Idee ist eine durchaus kluge Idee für einen kleinen Krimi. Agatha Christie schafft es hier, eine eigentlich recht simple Idee so geschickt zu verweben, dass es zumindest mir so ging, dass ich keine Anhaltspunkte hatte, was es damit auf sich haben könnte. Aber allein schon für die Idee, die Weissagung von blauen Blumen als eine Veränderung von Blumen auf einer Tapete zu deuten, verdient Agatha Christie gebührenden Respekt. Was ich immer etwas schade finde, ist, dass die Geschichten eigentlich schon gelöst sind und Miss Marple hier nichts wirklich neues herausfindet, sondern nur auf die Lösung kommt, die ein andere schon kennt – und bei denen die Umstände, wie er sie erfahren hat, doch etwas konstruiert wirken.

In diesen Sinne bekommt auch diese Geschichte gute 4,5/5 Sternen darüber. Wer kleine Krimigeschichten, die an einem runden Tisch gelöst werden – bei denen der Ermittler nicht wie Sherlock Holmes häufig – nicht rausgehen und sich die Sachlage vor Ort anschauen, mag, wird hiermit seine Freude haben.

 

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Hanni und Nanni #22: Gefährliches Spiel für Hanni und Nanni

Mit diesem Band endet die Ära der Hanni und Nanni Bände der 1980er Jahre mit anonymer Autorschaft, Band 22 ist der letzte in dieser Reihe. Bis 2003 erschienen dann keine weiteren Bände mehr.

In Lindenhof läuft einiges schief. Fräulein Theobald ist schwer erkrankt. Während Carlotta einer Lehrerin ziemlich auf die Nerven geht, weil sie ständig während des Unterrichts zur Toilette rennt, wird Katrins Herbarium – ein recht wichtiges Halbjahresprojekt – grausam zerstört. Kurz darauf wird den zehn besten Autoren eines Aufsatzes über die Industrialisierung ein Musicalbesuch versprochen, bei dem auch der berühmte Steve Gallagher mitwirkt. Parallel dazu soll noch ein Besuch auf einer Burg stattfinden und ein Handballspiel gegen eine andere Schule ist angesagt. Und wieder läuft einiges bei Katrin schief. Nicht nur verschwinden ihre Turnschuhe spurlos – auch auf der Burg wird sie in ein Wandbett eingesperrt und erst im letzten Moment gefunden – gerade noch rechtzeitig für den Musicalbesuch. Doch auf den Schock will sie sich lieber erholen und so kann eine der Nachrückerinnen doch noch mit ins Musical fahren. Doch als Nanni kurze Zeit später als die Diebin dargestellt wird, treten einige Fakten ans Licht…

Ich muss sagen, die Bände mit dem anonymen Ghostwriter gefallen mir ja allesamt nicht besonders gut. Das hat im Wesentlichen drei Gründe. Zunächst werden die Charaktere nicht passend eingefangen. Jenny ist nicht so gemein, Carlotta spielt keine solchen Streiche und wer zur Hölle soll eigentlich Katrin sein? Wo sind die Auftritte von Hilda, der Klassensprecherin (sie hat wenige, kaum relevante Sätze), wo kommt Bobby heraus und wieso hat auch Elli kaum eine wichtige Rolle? Klar, neue Figuren sind irgendwie spannend, aber könnten nicht bitte die Hauptfiguren neben Hanni und Nanni eingefangen werden?

Das zweite Problem ist die Handlung. Hier gibt es immerhin mehrere Stränge, die parallel laufen und auch relativ spannend arrangiert sind, aber dennoch ergibt es irgendwie keinen Sinn. Warum kann der Ausflug auf die Burg nicht verlegt werden – es war ja scheinbar nichts Termingebundenes gebucht? Und dass man dann, wenn eine Schülerin verschwunden ist, einfach ohne das nochmal anzusprechen, weiterfährt; dass da auch keine der Lehrkräfte einschreitet, ist auch sehr seltsam.

Schließlich das Lektorat. Das Problem ist, dass es inzwischen viele ‚Parallelwelten‘ mit verschiedenen Charakteren, verschiedenen Lehrkräften und unterschiedlichen Internatskonzepten gibt. Und jeder neue Band scheint mir wie ein neuer Gemischtwarenladen aus den verschiedenen Welten. Kein Lektor greift da ein, um das zumindest über verschiedene Bände hinweg zu vereinheitlichen. Zusätzlich gibt es etliche Fehler, teilweise sind Namen und Anreden uneinheitlich und auch sprachlich hätte dieser Band noch mal etwas Liebe vertragen können.

Insgesamt beschreibt das Adjektiv ‚lieblos‘ vermutlich ziemlich genau, was mich stört. Man hätte dem Buch einfach etwas mehr Liebe, etwas mehr Detailverliebtheit gönnen können. Ich habe Fanfictions gelesen, die liebevoller, besser und spannender geschrieben waren. Und auf diesem Status einer eher mittelmäßigen Fanfiction steht dieses Buch. Schade, dass man keine besseren Fanfictions zwischen zwei Buchdeckel gegossen hat. Ich gebe diesem Buch 2/5 Sternen. Es ist durchaus lesbar und hat seine spannenden Momente und seine schönen Stellen. Die übersetzten Bände fand ich jedoch besser und es hat sicherlich einen Grund, dass man nach diesem Band die Serie für zwei Jahrzehnte vergraben hat.

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Dunkles Omen – Terry Goodkind

Vor inzwischen über sieben Jahren habe ich über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg eine Buchreihe gelesen. Den letzten der elf Bände habe ich vor knapp über fünf Jahren beendet und deutete damals an, dass es aus diesem Universum noch etwas mehr Lesestoff geben würde. Neben dem damals schon recht alten Prequel hat Goodkind inzwischen sieben weitere Bände aus diesem Universum geschrieben, ein achter ist für 2018 noch angekündigt. Zwar sind noch nicht alle davon auf Deutsch erschienen, doch zwischenzeitlich lagen zumindest zwei davon bereits auf meinem SuB.

Dunkles Omen ist der erste Band einer neuen kleinen Serie im Schwert der Wahrheit Universum, der in der englischen Wikipedia mit „The Darklands“ überschrieben wird. Er ist bereits 2012 auf Deutsch erschienen. Die Handlung setzt dort an, wo die eigentliche Serie aufhörte: Mit der Hochzeit von Richard und Khalan, ungefähr am Tag nach der Hochzeit, als Richard und Khalan gerade durch die Stadt reiten. Dort werden sie von einem Jungen aufgehalten, der laut seiner Mutter Prophezeiungen erzählt – doch er kratzt Khalan, als sie sich ihm nähern. Auch auf dem Weg zum Palast ist eine alte Frau, die eine Prophezeiung erzählt und schließlich gibt es auch im Palast eine Begabte, die Richard unbedingt eine Prophezeiung zukommen lassen muss. Zusätzlich fühlt sich Khalan im Palast beobachtet, sodass die beiden die Nacht lieber in den Gärten des Himmels verbringen. Doch ein Gewitter bringt den Boden teilweise zum Einsturz und eine sehr alte, mysteriöse Apparatur wird freigelegt, mit der sich niemand auszukennen scheint, die aber gelegentlich merkwürdige Metallplättchen in einer fremden Sprache ausspuckt, die der Prophet Nathan schnell als Hoch D’haran identifiziert. Mehr Prophezeiungen tauchen auf, eine Intrige spannt sich gegen Richard, weil er der Ansicht ist, die Prophezeiungen den Propheten zu überlassen und nicht möchte, dass alle ihre Handlungen nach den Prophezeiungen ausrichten und schließlich fühlt sich Khalan nachts von Hunden verfolgt und verschwindet.

Mehr möchte ich nicht verraten, aber der Weg führt die beiden tatsächlich in die Dunklen Lande im Norden von D’hara und es gibt am Ende zwar noch einen Showdown, der aber gewissermaßen auch als Auftakt zu einer neuen Reihe gesehen werden kann. Tatsächlich weiß ich, dass diese insgesamt vier Bände und ein ‚notwendiges Prequel‘ umspannt.

Für mich war das Lesen dieses Buches ein bisschen wie ein Heimkommen. Obwohl es fünf Jahre her war, dass ich das letzte Buch gelesen habe, hat es keine 20 Seiten gedauert und ich war wieder voll in der Welt, alle Erinnerungen kamen zurück und es war einfach ein gutes Gefühl, die alten Charaktere wiederzusehen, die Entwicklungen nachzuvollziehen und ich schwelgte in Leseerinnerungen. Wie schon bei den vorigen Bänden begeistern mich die Charaktere. Sie machen eine echte Entwicklung durch, welchen mitunter die Seiten und handeln selbst auch aktiv – ohne ihr eigenständiges Handeln wäre die Situation der Hauptfiguren nicht so, wie sie ist. Und das gefällt mir sehr gut. Auch wenn es dann manchmal schon gemein ist, wenn man die nächsten fünf Kapitel nichts mehr von der Hauptfigur erfährt, weil gerade ein Nebenstrang erzählt wird und die Hauptfigur gerade an einer spannenden Stelle steht, finde ich doch diesen Bau der Geschichte sehr ansprechend.

Auch die Handlung selbst ist gut gestaltet. Das Verhalten der Figuren passt zu den vorigen Bänden und die Idee, dass natürlich auch nach dem Sieg noch nicht alles gewonnen ist und neue Bedrohungen aufziehen – nun, das ist wohl so. Welcher Art die Bedrohungen sind, will ich nicht verraten, nur so viel: Es gibt einige Elemente aus früheren Bänden, aber es wird ein Bereich auf der Karte erkundet, den wir bisher noch nicht unter die Lupe genommen haben, dort gibt es neue Völker mit neuen Regeln, wie ihre Welt funktioniert und es gibt in der Welt noch einiges zu entdecken.

Ihr merkt es schon, ich kann hier nicht wirklich objektiv bleiben. Vielleicht hat das Buch auch die ein- oder andere Schwäche, die ich einfach überlesen habe, aber ich hatte ein rundum tolles Leseerlebnis mit dem Buch. Es ist zwar eine Möglichkeit, erst mit diesem Buch in die Reihe einzusteigen, dann ist aber vielleicht zu vieles erklärungsbedürftig. Wer also die ersten elf Bände gelesen hat, findet hier eine gelungene Fortsetzung, alle anderen dürfen gerne mit dem – ebenfalls grandiosen – ersten Band einsteigen. Ich gebe für diesen Band aber in jedem Fall 5/5 Sternen.

[1] https://romanfresser.de/das-schwert-der-wahrheit-nachlese/