Permalink

0

Montagsfrage vom 10.02.2020

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Welche Autoren-Kollaboration wäre euer Traum?

Das ist eine sehr interessante Frage. Kollaborationen zwischen verschiedenen Autoren sind ja auch immer etwas gefährlich. Wenn es nicht darauf hinausläuft, das die Geschichte gemeinsam besprochen wird und das Niederschreiben einer der Autoren übernimmt (so arbeiten die Hohlbeins übrigens zusammen), läuft man schnell Gefahr, dass der Stil etwas holprig wird – gerade wenn bekannte Autoren dabei sind, deren Stil relativ markant ist. Bei Will Grayson Will Grayson hat das gut funktioniert, weil beide Autoren unterschiedliche POVs beschrieben haben und so im Prinzip zwei getrennte Geschichten entstanden sind, die sich dann verweben. Ich weiß nicht, ob ich mir Kollaborationen von meinen Lieblingsautoren wünschen würde, aber was ich mir sehr interessant vorstellen könnte, wäre eine Zusammenarbeit von Eoin Colfer und Bill Bryson. Ein witziger Reiseroman im Artemis-Fowl Universum, das wäre es doch mal. Zumindest theoretisch ist das möglich, beide Autoren leben noch und sprechen dieselbe Sprache…

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und bis dahin!

Permalink

0

Montagsfrage vom 03.02.2020

Hallo zusammen,

es ist mal wieder spät geworden, schon Mittwoch, aber ich möchte euch dennoch die Montagsfrage nicht vorenthalten:

Kann ein Autor über etwas außerhalb der eigenen Erfahrung schreiben?

Ja, kann er. Muss er vielleicht sogar. Die Implikatur der Frage legt ja nahe, dass es ein Problem sein könnte, dass Autoren über Dinge schreiben, die sie nicht selbst erlebt haben. Aber wieso sollte das überhaupt problematisch sein? Selbstverständlich kann ich über etwas schreiben, was ich nicht erlebt habe. Ich kann recherchieren, ich kann mich mit Menschen, die das erlebt haben, unterhalten und natürlich kann ich mich als empathiefähiges Wesen in andere Situationen hineinversetzen. Und als Fantasyautor ist es höchst problematisch, wenn man über Drachenkämpfe zu schreiben, erst selbst einen zu töten. Nicht jeder heißt Siegfried. Natürlich kann das gegebenenfalls schiefgehen, selten genug haben weibliche Hauptfiguren von männlichen Autoren Menstruationsprobleme, aber grundsätzlich ist das möglich. Vielleicht ist es sogar ein Merkmal, wie sich gute von schlechten Autoren abgrenzen können.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine gute Restwoche und bis dahin!

Permalink

0

Das Geheimnis des blauen Kruges – Agatha Christie

Kommen wir zu einer weiteren Geschichte ohne Ermittler. Ich finde ja die Geschichten mit Poirot meistens die angenehmsten, weil sie insgesamt relativ glatt und hübsch lesbar sind. Die Geschichten ohne Ermittler sind typischerweise die etwas abgehobenern. So auch diese.

Ein junger Mann geht morgens vor der Arbeit in den Golfclub, golfen. Eines Morgens hört er einen Schrei, „Mord, Hilfe Mord!“. Es ist 7:25 Uhr morgens. Er ist tief verstört, fragt eine junge Frau in der Nähe, die jedoch nichts gehört hat. Am nächsten Morgen hört er erneut den Schrei. Selbe Zeit, selber Ort. Und daraufhin erneut. Er trifft einen ‚Mediziner des Geistes‘, der ihm helfen will, diese Schreie loszuwerden. Sie besuchen gemeinsam den Ort des Geschehens, lernen die junge Frau kennen und schließlich scheint es wohl am Haus zu liegen. Und an einem seltsamen blauen Krug, der sich im Besitz seines Onkels befindet, der wohl mal im Besitz des Hauses war und der die Erinnerungen des Mordes, der dort geschehen ist, wohl beseitigen könne. Der junge Mann wird also gebeten, diesen Krug kurz auszuleihen.

Wir haben hier – zumindest im beschriebenen Teil – kein Verbrechen. Vielmehr eine seltsame Begebenheit, beim dem die Aufklärung dieser Begebenheit den großen Überraschungseffekt ausmacht, den ich hier nicht verraten möchte. Aber dass der Fall ziemlich seltsam ist und irgendwie auch eine übersinnliche Komponente impliziert, gefällt mir ziemlich gut. Ich kann noch immer nicht so viel verraten, aber ich mochte diese Geschichte und fand ihre Auflösung toll. Sie kommt sehr plötzlich gegen Ende und man fühlt sich ein bisschen gegen die Wand gefahren, wenn man mit der Geschichte fertig ist, aber insgesamt ist die Geschichte sehr lesenswert. Mit weniger als 20 Seiten ist sie ziemlich kurz, aber sie hat für diese Länge genau die richtige Komplexität.

Ich kann nicht mehr erzählen, weil ich mit einer ausführlicheren Rezension zu viel verraten würde, aber ich denke, wenn ich euch versichere, dass 4/5 Sterne, damit eine gute Steigerung, durchaus angemessen sind, könnt ihr mir vertrauen und euch diese Geschichte besorgen.

Permalink

0

Montagsfrage vom 27.01.2020

Hallo zusammen und Willkommen zur heutigen Montagsfrage,

aufgrund von Störungen im Betriebsablauf (hehe, als Pendler ist das immer eine valide Ausrede) erscheint die Montagsfrage heute erst am Dienstag – aber immerhin ist sie jetzt hier:

Liest du Bücher parallel oder nacheinander?

Normalerweise lese ich Bücher eher nacheinander. Das heißt nicht unbedingt, dass ich immer nur ein Buch lese, aber ich versuche, meine angefangenen Bücher auf zwei bis drei zu beschränken. Ich komme im Moment ohnehin nicht so wahnsinnig viel zum lesen, da ist es mir dann lieber, ich schaffe es auch mal, eins meiner Bücher fertigzulesen, als dass ich dann sieben Bücher angefangen habe. Tatsächlich passiert es mir aber in letzter Zeit häufiger mal, dass ich zwei Bücher parallel lese, weil eines davon so schwer oder so hübsch ist, dass ich es nicht beim Pendeln (siehe oben) immer dabei haben möchte, um es nicht zu beschädigen. Klar, Bücher sollen gebraucht werden, aber ich muss es nicht riskieren, das schöne neue Hardcover zu beschädigen, wenn es für unterwegs auch ein gebrauchtes Taschenbuch tut.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und bis zum Romanfresser-Donnerstag!

 

Permalink

0

Charity 03: Die Königin der Rebellen – Wolfgang Hohlbein

Im Unterschied zum zweiten Band der Charity-Reihe, der ja einige Zeit nach den Ereignissen des ersten Bandes spielt, setzt Band 3 unmittelbar dort an, wo Band 2 aufhörte. Charity macht sich mit Skudder, Net und Bart und dem ständig nervigen Winzling Gurk auf die Suche nach den Rebellen, von denen sie nur Gerüchte gehört haben. Dabei lernen sie eine junge Frau kennen, die ihr Baby beschützt, weil es von den Moroni, namentlich Stone dem Palast überstellt werden soll. Auf dem Weg sie zu beschützen, erhalten sie wertvolle Informationen über diesen Palast und den Sitz von Stone. Doch der hat schon reagiert und einen sogenannten Megakrieger, eine kybernetisch verstärke Lebensform geschickt, um Charity und ihr kleines Team zu vernichten – was ihm auch um ein Haar gelingt. Doch scheinbar ist sich der Megakrieger über seine Ziele nicht mehr so sicher, denn als Charity ihn austricksen kann und sie ihn als Vehikel nehmen, um in den Palast zu kommen, scheinen seine Schaltkreise durchzubrennen. Doch der Kampf im Palast ist für Charity nicht zu gewinnen. Ein Sprung in einen Materietransmitter – so eine Art Transporter – ist der einzige Ausweg, der zudem noch den nächsten Band vorbereitet.

Ich muss sagen, ich bin immer wieder überrascht, wie kurzlebig die Welt von Charity ist. Alles, was im ersten Band aufgebaut wurde, ist im zweiten Band ohnehin wieder weg und nun spielen auch die Fraktionen aus dem zweiten Band schon keine Rolle mehr. Und so wie sich das anhört, spielt der vierte Band in einer völlig anderen Welt, spielt also auch schon wieder keine Rolle. Das ist natürlich etwas schwierig, weil die Welten entsprechend nur sehr oberflächlich ausgestaltet sind. Das hängt aber damit zusammen, dass Hohlbein nicht besonders gut darin ist, Welten komplex auszugestalten – so weisen ihm einige Rezensenten schon auf den 180 Seiten dieses Bändchens die ein- oder andere kleinere Inkonsistenz nach. Das ist gar nichts dramatisches, immer nur Details, aber es begründet natürlich die häufigen Ortswechsel.

Spannungstechnisch macht Hohlbein niemandem etwas vor. Es ist fast schon etwas nervig, wie es gefühlt alle 10 Seiten zu einer spannungsgeladenen Szene kommt, die das Leben der Hauptfiguren bedroht. Natürlich können sie die Bedrohung abwenden, wie sollte es denn sonst zu vielen weiteren Bänden kommen? Aber es sorgt natürlich schon dafür, dass man immer weiterlesen will und die Auflösung der Szene braucht. Beim dritten Band bin ich mir jetzt unsicher, ob wir immer noch in der Exposition der Reihe sind oder ob das Stammpersonal inzwischen etabliert ist – immerhin sind sie auch erst seit einem guten Band zusammen unterwegs – und welchen Stellung der Band in der Reihe hat. Das wird sich wohl erst später zeigen.

Die Frage ist natürlich, warum man Charity heute noch lesen sollte. Es gibt zahlreiche andere SciFi Romane, die handwerklich sicherlich besser und anspruchsvoller geschrieben sind, es gibt mit Perry Rhodan NEO auch eine Serie, die in vergleichbarem Umfang ordentliche Qualität abliefert. Charity ist nur antiquarisch erhältlich, ein eBook Re-Release lässt noch auf sich warten. Versteht mich nicht falsch, Charity ist eine schöne SciFi Serie, die zumindest mir viel Spaß macht und mit einer TitelheldIN aufwartet. Dennoch ist es vermutlich eine auf Hohlbeinfans beschränke Empfehlung. Doch wenn euch die Serie irgendwo über den Weg läuft, greift zu! Ich gebe – zugegebenermaßen mit eingerechnetem kleinen Fanbonus – doch gerne 4/5 Sternen. Im Vergleich zum zweiten Band gefiel mir dieser hier besser und außer den Schwächen, die ich gerne als ‚stiltypisch‘ für Hohlbein bezeichne, ist die Story durchaus stark.

 

Permalink

0

Montagsfrage vom 20.01.2020

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Braucht man eigentlich Kochbücher?

Interessante Frage. Jetzt bin ich nicht so derjenige, der Bücher erstmal aufwendig kocht, bevor er sie verschlingt, also nein, mir reichen Rohkostbücher.

Spaß beiseite. Kochbücher gibt es wie Sand am Meer. Mal sehr themenspezifisch, mal ganz allgemein gehalten. Ich habe auch einige von meinen Verwandten ererbt und habe zu Studienzeiten mal ein Studentenkochbuch geschenkt bekommen. Tatsächlich stammen auch einige meiner Lieblingsrezepte aus verschiedenen Kochbüchern. Natürlich gibt es aber viel zu viele. Aber so ist das überall im (Sach-)Buchmarkt. Tatsächlich hätte ich gerne ein bestimmtes Kochbuch, das mir aber mit 40€ zu teuer ist. Es ist eines dieser allumfassenden Kochbücher, in dem alle Grundlagen, die man so in der Küche braucht, erklärt werden. Denn ich mache zwar dank meiner Kochbücher einen astreinen Schokokuchen und auch meine Lasagne ist nicht von schlechten Eltern, aber viele andere Grundlagen, sei es der klassische Brandteig oder die Gartemperatur von Kurzgebratenem habe ich mir so mehr schlecht als recht herangegoogelt. Für solche Sachen ist vielleicht ein gutes Allgemeinkochbuch, sei es das Dr. Oetker Schulkochbuch oder das, das ich gerne hätte (Kochen von Stevan Paul) eine gute Idee – vor allem mit der Perspektive, dass man dann mit den Grundlagen auch selbst Gerichte entwickeln kann und sich dann von Foodbloggern oder diversen Internetseiten zwar noch etwas inspirieren lassen kann, aber sich nicht auf deren Rezepte verlassen muss, sondern das Rezept mit zwei Blicken („ah, so wirds gemacht“) quasi blind nachkochen kann.

In diesem Sinne: Euch eine schöne Woche!

Permalink

0

Die spanische Truhe – Agatha Christie

Weiter geht es mit dieser Kurzgeschichtensammlung „Der Unfall und andere Fälle“ und in der heutigen Geschichte taucht mal wieder meine Lieblingsfigur, der gute alte Hercule Poirot auf.

Auf einer Abendgesellschaft sind fünf Menschen, ein sechster musste kurzfristig beruflich verreisen und konnte nicht kommen. Dabei war er tatsächlich dort. Ermordet in einer spanischen Truhe. Eigentlich kommt nur der Veranstalter in Frage, aber wieso sollte er jemanden ermorden und dann seelenruhig schlafen gehen, während die Leiche in seiner Truhe liegt? Das denkt sich auch Hercule Poirot, der deswegen seine Ermittlungen aufnimmt. Scheinbar wurde war die Reise nur eine Finte, damit niemand das Opfer vermisst. Und dann findet der Dienstbote die Leiche, womit man auch rechnen musste. Also wie ist das passiert?

Dieses Mal verrate ich nicht so viel, aber es wird schon aus der Beschreibung deutlich, dass wir es mit einer relativ geschlossenen Situation, einem überschaubaren Kreis an Verdächtigen und einem recht gut lösbaren Fall zu tun haben, wenngleich sich die Widersprüche schon offenbaren. Also geht Hercule Poirot, beauftragt von einer Bekannten des Hauptverdächtigen, los und ermittelt in alle Richtungen. Er redet mit allen, die in Frage kommen und schafft es dann recht zügig, eine Lösung herauszuarbeiten, die zumindest für mich nicht besonders einfach zu erraten war.

Ich fand die Geschichte insgesamt gelungen. Ich habe die Geschichte gerne gelesen und fand es wirklich nett, eine kurze Geschichte von und mit Poirot zu lesen. Es ist ein klassischer Krimi mit gelungener Lösung, aber tatsächlich ist es nichts Besonderes. Es ist zwar in dieser Sammlung von Kurzgeschichten die umfangreichste – gute 40 Seiten umfasst die Geschichte.

Ich bin auch ein wenig verwirrt von dieser Zusammenstellung. Es ist keine ‚offizielle‘ Sammlung, sondern eine spezifisch deutsche Zusammenstellung einiger Fälle, die wohl mal vom Scherz-Verlag hergestellt wurde, inzwischen gibt es das Ganze bei Fischer auch als eBook zu kaufen. Ich habe die Sammlung in einem Bücherschrank gefunden und der ‚Selling Point‘ dieser Sammlung war für mich, dass dort die letzte, mir noch fehlende Kurzgeschichte von Miss Marple enthalten ist. Aber ansonsten ist die Zusammenstellung etwas abenteuerlich, wenngleich das Wortspiel des Titels „Der Unfall und andere Fälle“ schon recht gelungen ist.

Bleiben wir bei dieser Geschichte. Klassischer Whodunit, netter Fall, nichts Besonderes. 3,5/5 Sternen, gerne mal mitnehmen, aber sicherlich kein Highlight.

Permalink

0

Montagsfrage vom 13.01.2020

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Können Autoren in mehreren Genres brillieren?

Die Frage ist klar, kann ein Fantasy-Autor einen guten Krimi schreiben? Die Antwort? Ich würde sagen, ja. Es gibt natürlich Autoren, die ihre Nische gut können und sich nicht dort heraustrauen, es gibt sicherlich auch Autoren, bei denen ein solcher Ausflug schiefgeht, aber ich habe schon einige Autoren gelesen, die mehrere Genres gut bedient haben. Sei es Bill Bryson, der Reiseliteratur und populärwissenschaftliche Romane schreibt, sei es Eoin Colfer, der sowohl großartige Krimis, als auch sehr gute Jugendbücher schreibt (und jetzt in Kürze seinen ersten Fantasyroman für Erwachsene veröffentlicht – ich bin gespannt) oder auch eine J.K. Rowling, die neben der doch recht bekannten Jugendbuchreihe auch sehr gute Krimis geschrieben hat.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und

bis dahin!

Permalink

0

Die Fowl-Zwillinge und der geheimnisvolle Jäger – Eoin Colfer

Die Artemis-Fowl Reihe war eigentlich mit dem achten Band abgeschlossen. Das magische Tor ist verschlossen, Artemis (Klon) am Leben und zwischen ihm und der Unterwelt ist alles in bester Ordnung. Das geschah vor sieben Jahren. Im August 2012 habe ich den letzten Band rezensiert und seitdem geschah in der Fowl-Welt außer einem ständig verschobenen, inzwischen aber scheinbar wirklich fertig gedrehten Film sehr wenig. Bis in den letzten Wochen des vergangenen Jahres ein neuer Band erschien. Myles und Beckett Fowl, Artemis‘ Zwillinge sollten die Hauptfiguren sein, wie der Titel schon verriet. Ihr könnt euch vorstellen, wie gespannt ich darauf war in diese Serie, die mich durch meine Kindheit und Jugend begleitet hat, erneut einzutauchen – zumal die Protagonisten mit ihren elf Jahren in einem ähnlichen Alter sind wie Artemis im ersten Band.

Ich habe ein Rezensionsexemplar dieses Buches bei vorablesen.de gewonnen, die mich vermutlich aufgrund meiner viel zu späten Rezension teeren und federn (oder einfach von weiteren Rezensionsexemplaren ausschließen) werden, danke dafür.

Myles und Beckett Fowl leben ziemlich glücklich in einer neuen Version von Fowl Manor, Artemis ist im Weltraum unterwegs und die beiden werden von einer künstlichen Intelligenz namens NANNY betreut. Myles ist ein Genie und steht seinem großen Bruder in nichts nach, Beckett ist eher das Gegenteil davon, körperlich ziemlich kräftig, aber – so wird er am Anfang dargestellt – nichts in der Birne. Dann passieren zwei Sachen: Ein Tröllchen buddelt sich an die Oberfläche und lernt Beckett kennen und ein verrückter Methusalem will diesen Troll haben, um unsterblich zu werden. Eine Unterirdische auf einer Trainingsmission bekommt das mit und eine geheime Organisation will auch noch mitspielen. Und so ist das Setting für eine wilde Jagd der beiden Zwillinge mit den Unterirdischen gegen die oberirdischen Feinde gelegt.

Ich habe direkt im Anschluss an dieses Buch wieder Lust auf Artemis bekommen und nochmal den ersten Band der Reihe herausgekramt und erneut gelesen. Ich war nämlich mit einigen Aspekten dieses Buches nicht so ganz glücklich und wollte herausfinden, ob das in der Originalreihe auch der Fall war. Vergleichbar sind die Bücher durch das ähnliche Alter ihrer Protagonisten allemal.

Zum einen ist der Band um die Fowl-Zwillinge deutlich actionreicher und schneller. Während der erste Band sich Zeit lässt, um Welten zu erklären und längere Spannungsbögen aufzubauen und im Wesentlichen nur in Fowl Manor spielt, passieren hier Schlag auf Schlag Ereignisse und die Zwillinge jagen um die halbe Welt. Das kann man kritisieren, hat mich aber nicht gestört – wobei etwas längere Spannungsbögen als ein paar Seiten durchaus ihren Reiz haben. Es ist aber nur ein Teilaspekt dessen, was mich an diesem Spin-Off am meisten stört: Es ist zu sehr ein Kinderbuch.

Ich lese gerne ‚junge‘ Literatur, auf meinem Blog habe ich schon zahlreiche Kinder- und Jugendbücher besprochen und viele Titel kann man auch als Erwachsener noch mit Genuss und Gewinn lesen. Die Artemis-Fowl Reihe wächst ein bisschen mit dem Leser mit, nicht so stark wie die Harry-Potter Reihe, aber dennoch spürbar. Aber – und deshalb wollte ich gerne nochmal diesen ersten Band lesen – auch den ersten Band kann ich mit viel Spaß lesen und merke nur an wenigen Stellen, dass ich eigentlich ein Kinderbuch vor mir habe.

Hier fällt das auf. Das liegt zum einen an Beckett, eine Figur, die bis kurz vor dem Ende des Buches so schrecklich überzeichnet ist, dass er teilweise wirklich nervt und sich erst am Ende zu entwickeln beginnt. Aber auch Myles ist in seiner Genialität ins Absurde überzeichnet, viel extremer als das damals bei Artemis der Fall war. Zum anderen liegt das an den häufigen Erzählerinterventionen. Der Erzähler mischt sich in die Handlung ein und erzählt etwas darüber, offenbar zum besseren Verständnis, was aber überhaupt nicht nötig ist und auch keinen Sinn ergibt. Im ersten Band gibt es diese Interventionen auch, sie sind aber sehr dezent eingesetzt und ergeben Sinn, da die Erzählung in eine Berichtsfiktion eingebunden ist. Hier sind die Interventionen sehr dominant und geben dem ganzen einen „So liebe Kinder, ich erzähle euch jetzt mal was“-Charme. Hätte man das weggelassen, damit auch die Distanz des Lesers zum Erzählten reduziert, hätte man das Buch vielleicht erst ab 10 Jahren empfohlen, aber mir hätte es besser gefallen.

Die Geschichte, um die es geht, ist nämlich gar nicht verkehrt. Die Fowls sind inzwischen keine Verbrecher mehr, auch wenn sie mit vergleichbaren Methoden agieren. Sie sind mit der Unterwelt zusammen auf der Seite der Guten und schaffen es als Team ziemlich gut, gegen Bedrohungen zu bestehen. Auch spannend zu beobachten ist, wie im Vergleich zu den ersten Büchern moderne Technik Einzug gehalten hat. War der erste Band der Realität technisch einige Jahre voraus, ist das auch bei diesem Band wieder der Fall – man merkt Colfer hier durchaus eine Affinität für moderne Technik – in diesem Band vor allem künstliche Intelligenzen – an.

Ich habe eine Schwäche für Eoin Colfer. Nicht umsonst habe ich einen Großteil seiner Bücher gelesen und nicht umsonst zählen die Geschichten um Artemis zu meinen Lieblingsbüchern. Vielleicht war deshalb die Fallhöhe für mich auch so hoch, vielleicht ist dieser für mich erzwungen kinderfreundlich wirkende Stil inzwischen einfach der Standard – so viele Kinderbücher lese ich in den letzten Jahren nicht. Aber weil die Geschichte gelungen ist und weil ich einfach hoffe, dass die Charaktere durch dieses Ereignis an Tiefe gewonnen haben und in den nächsten Bänden etwas differenzierter sind, bekommt „Die Fowl-Zwillinge und der geheimnisvolle Jäger“ von mir doch 4/5 Sternen. Und wehe, lieber Eoin, du schreibst jetzt nicht an neuen Geschichten! Wir brauchen mehr Fowl!

Permalink

0

Montagsfrage vom 06.01.2020

Guten Morgen und Herzlich Willkommen zur ersten Montagsfrage im Jahr 2020!

Was sind deine Lesevorsätze für 2020?

Nun, ich habe dazu ja vor einigen Tagen schon etwas geschrieben, insofern kann das jetzt etwas redundant werden, aber nachdem ich mir in den letzten Jahren immer wieder 12.000 Seiten im Jahr, also 1000 Seiten im Monat vorgenommen habe und es seit drei Jahren immer weiter verfehlt habe, will ich mir dieses Jahr nicht mehr vornehmen, als aktiver zu bloggen und hoffe, dabei regelmäßig zum lesen zu kommen, damit ich auch etwas zu verbloggen habe. Und bevor ich jetzt hier irgendwelche Zahlen, über die ich mir schon gelegentlich Gedanken mache, schreiben, möchte ich gerne einfach mehr als im letzten Jahr lesen und endlich meinen SuB etwas verkleinern. Das ist auch schon alles.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und freut euch auf eine brandneue Rezension am Donnerstag

Bis dahin!