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Montagsfrage vom 25.05.2020

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zu einer sehr verspäteten Montagsfrage:

Welches Buch, in dem Geschwister eine zentrale Rolle spielen, kennt ihr eigentlich?

Tatsächlich habe ich erst kürzlich ein solches Buch gelesen: Die Fowl-Zwillinge von Eoin Colfer, die beiden Hauptfiguren sind eben sehr unterschiedliche Zwillinge. Ansonsten fällt mir spontan noch Harry Potter ein, bei dem zumindest die Weasly-Geschwister immer mal wieder wichtige Rollen übernehmen.

Wenn ich solche Fragen gestellt bekomme, scrolle ich gerne meine Liste mit rezensierten Titeln durch, um mich wieder zu erinnern, was ich so gelesen habe. Und da muss ich natürlich noch Betty und ihre Schwestern erwähnen – aus naheliegenden Gründen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Restwoche und hoffe, dass ich die nächste Montagsfrage wieder etwas pünktlicher liefern kann.

Bis dahin!

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Monatsfrage vom 05.05.2020

Guten Abend zusammen und Herzlich Willkommen zur Montagsfrage!

Verschenkt ihr Bücher auch, wenn ihr sie selbst nicht gelesen habt?

Ja. Und zwar unter bestimmten Umständen. Entweder kann ich den Buchgeschmack des Beschenkten oder das Buch, das ich verschenke, entsprechend einschätzen kann oder der Beschenkte hat sich das Buch mehr oder weniger explizit gewünscht. In beiden Fällen kann ich mir relativ sicher sein. Es gibt auch so ein paar Bücher, die man eigentlich immer verschenken kann, solche Bücher habe ich dann aber meistens auch selbst gelesen.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine gute Woche und

Bis dahin.

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Monatsliste vom März 2020

Es ist schon wieder fast der ganze April vergangen, ohne dass ich die Monatsliste vom März mal veröffentlicht habe. Dass der März ein ziemlich ungewöhnlicher Monat war, muss ich vermutlich gar nicht erst erklären. Dass sich das auf meine Lesezeit auswirkt, die eben häufig in Bussen und Bahnen stattfindet, ist auch nicht weiter erwähnenswert. Genausowenig sind die Zahlen erwähnenswert. Einen kurzen Roman habe ich noch geschafft, zwei andere Bücher habe ich angefangen und werde ich hoffentlich im April noch beenden können. Es gab allerdings einige Neuzugänge, auf die ich mich schon sehr freue. Und ja, ich versuche derzeit ein bisschen mehr von meinen Lieblingsautoren zu lesen und ja, mein SuB erreicht immernoch bedrohliche Höhen (und sieht mich gelegentlich vorwurfsvoll an). Kommen wir also zu den Zahlen:

Gelesen:
Charity 05: Die schlafende Armee – Wolfgang Hohlbein (237 Seiten = 7,6 Seiten pro Tag)

Neuzugänge:
Fletcher Moon: Privatdetektiv – Eoin Colfer
Mother Tongue – Bill Bryson

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Der alte Mann und das Meer – Ernest Hemingway

Die amerikanische Literatur trug lange Zeit das Stigma einer unterentwickelten Kultur, die nichts zur Weltliteratur beizutragen habe. Im Vergleich mit den großen europäischen Romanen fehle es an großen literarischen Werken amerikanischer Autoren. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts, aber besonders im 20. Jahrhundert schließt sich diese Lücke, mit Moby Dick oder dem großen Gatsby sind bedeutende Werke der Weltliteratur in Amerika entstanden. Eines dieser Werke, wenngleich kein Roman, ist sicherlich auch ‚Der alte Mann und das Meer‘, das ich in seiner Originalsprache gelesen habe.

Die Handlung dieser knapp 100 Seiten starken Novelle ist so simpel wie vielschichtig. Ein alter Fischer hat schon lange Zeit keinen Fang mehr gemacht. Er fährt alleine weit hinaus und fängt einen besonders großen Marlin, der zu groß für sein Boot ist, weshalb er ihn hinter sich herzieht. Zwei Tage lang zerrt er an ihm, bis er ihn schließlich mit der Harpune erlegt, in dieser Zeit entwickelt er eine Verbundenheit zu seinem Fisch. Er macht sich auf den Heimweg und muss miterleben, wie sein Fisch von Haien aufgefressen wird, die er zunächst bekämpft, schließlich aber nur noch mit dem Skelett des Fisches zurückkehrt.

Als ich die Novelle gelesen habe, fiel mir zunächst die ungewöhnliche Sprache auf. Einfache und klare Sätze, teils elliptisch geben die Gedanken- und Gefühlswelt des alten Mannes deutlich wieder. Er befindet sich im Einklang mit der See und das spiegelt sich auch in der Sprache wieder. Im zweiten Schritt wird deutlich, wie minimal die Besetzung der Novelle ist. Der alte Mann hat einen Gehilfen, den er jedoch zurücklässt, über den er manchmal nachdenkt, ansonsten gibt es nur ihn und den Fisch, die beide einen Kampf um ihre Existenz führen. Die Welt des alten Mannes ist sehr klein und doch unendlich. Es gibt das Hafenlokal, seine Hütte, Joe DiMaggio und die See. Im dritten Blick auf das Buch werden die Anleihen an Moby Dick – Kampf eines Einzelnen mit dem Meerestier und Veröffentlichung ziemlich genau hundert Jahre später – deutlich und ein vierter Blick auf das Buch gibt das Rätsel der allegorischen Bedeutung auf. Der Fisch ist ein typisch christliches Symbol, das Schicksal des alten Mannes erinnert an Hiob. Die Beziehung zwischen Fisch und Mann, gestaltet sich sehr einseitig, aber verändert sich, der Mann entwickelt eine fast religiös-verehrende Beziehung zum Fisch, den er als quasi heilig ansieht, bis die Haie ihn entehren und damit seinen Untergang mit zementieren. Zeitgleich ist der Fisch aber auch Ware, der Fischer freut sich auf den Erlös, der die Monate ohne einen einzigen Fang kompensieren soll.

Was ich nun über das Buch denken soll, weiß ich noch immer nicht. Ich kann die Lektüre auf jeden Fall empfehlen, es ist eine prinzipiell simple und doch beeindruckend geschriebene Geschichte. Gattungstechnisch könnte es sich auch lohnen, die Merkmale der europäischen Novelle auf diese amerikanische ‚short novel‘ anzulegen. Die knapp 100 Seiten sind recht zügig gelesen und es handelt sich bei dem alten Mann und dem Meer sicherlich um eine der großen Erzählungen der Weltliteratur. Nicht umsonst erhielt Hemingway trotz gemischter Kritiken unter anderem für dieses Welt den Literaturnobelpreis – womit er einer der ersten Nobelpreisträger sein dürfte, die in diesem Blog verewigt werden. Ich tue mir sehr schwer damit, hierfür eine Bewertung zu vergeben, denn es wird zwar sicherlich nicht mein Lieblingsbuch werden, ich hatte dennoch eine gute Zeit mit dem Buch und habe seine Lektüre sehr genossen. Ich gebe mal 4,5/5 Sternen, jedoch mit der Maßgabe, diese Bewertung nicht als Literaturkritik, sondern als persönliche Genusswertung aufzufassen.

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Montagsfrage vom 13.04.2020

Hallo zusammen und Willkommen zur Montagsfrage,

diese ist heute kurz und bündig und lautet: Buch mit Huhn (oder Ei)?

Ich weiß nicht, wie häufig ich noch darauf verweisen möchte, aber es scheint regelmäßig zu passen. In Jasmin Schreibers Marianengraben kommt ein Huhn vor. Es spielt sogar eine gewisse Rolle in der Handlung, passt also ziemlich gut auf diese Frage, würde ich sagen. Und damit erkläre ich meinen kleinen Osterurlaub auf dem Blog auch als beendet und wünsche euch noch eine gute Woche.

Bis dahin!

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Eine kurze Geschichte der Zeit – Stephen Hawking

Stephen Hawkings Verdienste um die Wissenschaft sind sicherlich unumstritten. Der Astrophysiker, der bereits mit 20 Jahren mit ALS diagnostiziert wurde und nicht nur durch seinen Sprachcomputer Teil der Populärkultur wurde, war zum einen ein bedeutender Astrophysiker. Was aber vielleicht noch bedeutender ist, ist sein Wirken als populärwissenschaftlicher Sachbuchautor, mit der er es schafft(e), ein Millionenpublikum für Astronomie und Wissenschaft zu begeistern. Und sein bekanntestes Buch liegt hier vor mir: Eine kurze Geschichte der Zeit.

Dieses Buch behandelt die großen Fragen der Kosmologie. Hawking beginnt mit einem Aufriss über die Entstehung des Universums, beschäftigt sich dann mit den Konsequenzen der Heisenbergschen Unschärferelation und weiteren Grundkräften, erläutert dann, was es eigentlich mit den schwarzen Löchern auf sich hat und was eigentlich die Zeit ist, bevor er in einem abschließenden Kapitel einen Blick auf die Zukunft der Physik, insbesondere die Frage nach der einheitlichen Feldtheorie, wirft.

Je nach Ausgabe hat das Buch kaum 200 Seiten und versucht in dieser ‚kurzen Geschichte‘ einen Rundumschlag über die Grundlagen der (Astro-)Physik zu liefern und gleichzeitig deutlich zu machen, welche Fragen der Menschheit von der Physik beantwortet werden können und welchen Beitrag die Physik dazu leistet, zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält[1]. Es ist dabei ein explizit populärwissenschaftliches Buch, das versucht, große Fragen für alle verständlich zu beantworten. Fraglich ist, ob das gelingt.

Festzuhalten ist: Die kurze Geschichte der Zeit ist keine entspannte Strandlektüre. Stellenweise wurde es im Buch für mich als jemanden, der zwar physikalisch nur über Schulbildung verfügt, aber komplexe Texte relativ häufig liest, etwas schwer, mitzukommen. Zudem geht es nicht nur um Physik und Physiker. Hawkings Werk bewegt sich an vielen Stellen an der Schnittstelle zwischen Physik und Philosophie, was einige wissenschaftstheoretische Überlegungen miteinschließt. Es beantwortet also nicht nur die Frage nach der Weltformel, sondern eigentlich eher die Frage, unter welchen Bedingungen eine Weltformel zustande kommen könnte. Das schließt natürlich ein erhebliches Namedropping mit ein. Nahezu jeder bekannte Philosoph oder Physiker der letzten dreitausend Jahre wird in dem Buch erwähnt, häufig nur mit ein paar seiner Gedanken, die zu einem übergeordneten Thema – wie dem Wesen der Zeit beispielsweise – passen. Und nicht ohne Grund erschien Jahre später eine vereinfachte und ‚klarere‘ Ausgabe unter dem Titel ‚Die kürzeste Geschichte der Zeit‘.

Nichtsdestotrotz ist die Kurze Geschichte der Zeit ein enorm spannendes und faszinierendes Buch. Für mich waren nicht alle Inhalte neu, weil ich Kosmologie insgesamt spannend finde und in meinem Podcast-Feed auch regelmäßig kosmologische Themen auftauchen. Aber als Einführung in die Faszination des Universums ist das Buch gut geeignet. Wohlgemerkt nur für Interessierte, vielleicht auch nicht unbedingt für zu junge Kinder, aber das Buch ist zu Recht ein Klassiker der populärwissenschaftlichen Literatur – und so wie ich das überblicken kann, ist es auch noch mit einigen kleineren Ausnahmen nicht völlig veraltet, denn immerhin ist das Buch schon über dreißig Jahre alt. Anscheinend gibt es auch noch eine etwas aktualisierte Version, aber meine Fassung ist – wie am Bild zu erkennen – schon etwas älter. Insgesamt kann ich das Buch absolut empfehlen. Sicherlich kann man sich die Inhalte heutzutage über Podcasts und andere Medien auch auf andere Art aneignen, aber eine so dichte und gleichzeitig umfassende Einführung in Verbindung mit dem Beweis, dass Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften letzten Endes nie allein funktionieren können, kann ich nur mit 5/5 Sternen bewerten.

[1] Ich konnte nicht anders, sorry. Ist ja immerhin ein Literaturblog hier…

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Charity 04 – In den Ruinen von Paris – Wolfgang Hohlbein

Nach dem Sprung in den gewaltigen Materietransmitter als einzigen Ausweg aus dem dritten Band landen unsere Freunde ohne weitere Verzögerungen direkt im vierten Band der Serie. Und wenn man einen genauen Blick auf den Titel des Bandes wirft, kann man erahnen, welcher neue Schauplatz in diesem Band eingeführt wird. Und der etwas geknickt wirkende Eiffelturm auf dem Cover tut sein übriges dazu bei, dass der Übergang, der die Protagonist*Innen ziemlich überrascht, für den Leser nur mäßig unerwartet kam. Ihnen folgt der Megakrieger Kyle aus dem letzten Band, der aber offensichtlich eine Fehlfunktion aufweist und daher nicht mehr darauf aus ist, sie zu töten. In der zerstörten Stadt ergibt sich nicht nur die Antwort auf die Frage nach dem Verbleib der Kinder, die zu Megakriegern ausgebildet werden, sondern auch auf die Frage nach der Ausbildung derselben – Paris ist der Hort der Megakrieger. Doch selbst hier gibt es Widerstandsgruppen. Unsere Helden, inzwischen mit Kyle zusammen, finden einen seltsamen alten Panzer, einen NATO-Bunker und tatsächlich eine Gruppe von Widerstandskämpfern – die aber zunächst etwas skeptisch sind, ob es sich wirklich um Freunde handelt, zumal ja einer der Megakrieger, vor denen sie sich verstecken, unter ihnen ist. Alte NATO-Technik von vor sechzig Jahren in einem reaktivierten Bunker trägt schließlich ihren Teil zur Auflösung des Bandes bei.

Hatte ich eigentlich schonmal erwähnt, dass Charity eine der Hohlbein-Serien ist, denen kein ordentliches Ende vergönnt ist? Es gibt wohl nach Band 10 ein ganz gutes Ende, in Band 11 geht es dann mit einem neuen Handlungsstrang weiter, der auf 5 Bände angelegt war, von dem aber nur zwei Bände realisiert wurden. Es endet also mitten im Nirgendwo.

Aber kommen wir zu diesem Bändchen – es sind ja jeweils kaum 200 Seiten, die hier zwischen zwei Buchdeckel geschrieben wurden. Man merkt den großen Unterschied zwischen Amerika und Europa nicht wirklich. Es geht einfach weiter wie bisher, es gibt alle paar Seiten einen Kampf, es werden neue Verbündete gefunden, schnell wieder verloren, sodass das Thema Paris nach diesen knapp 200 Seiten wieder abgeschlossen ist und es irgendwie weitergehen muss. Wie, ist tatsächlich zu dem Zeitpunkt noch relativ offen, aber es scheint sich in die Richtung alter NATO-Verteidigungsanlagen zu entwickeln, die reaktiviert werden müssen. Die Idee wirkt heutzutage etwas fremd, aber vergegenwärtigt man sich, dass die Bände ziemlich genau zur Wendezeit geschrieben wurden, ist die Idee alter NATO-Anlagen doch irgendwie naheliegend.

Ansonsten gibt es wenig zu erzählen. Die Charaktere handeln weitestgehend nachvollziehbar, es gibt keine großen Logiklücken, gleichzeitig entwickeln die neu eingeführten Figuren keine große Tiefe und es ist davon auszugehen, dass auch dieser Band wieder relativ folgenlos für die inzwischen etablierte Gruppe an Hauptfiguren bleibt, die aber auch aufgrund der ständigen Kampfszenen nicht wirklich charakterlich weiterkommt. Es ist eben ‚more of the same‘, Hohlbein, wie man ihn sich vorstellt, ohne wirkliche Besonderheiten, aber eine ganz vergnügliche Lektüre für zwischendurch. Die Bewertung solcher Bändchen bereitet mir jedoch immer etwas Kummer, sodass ich eigentlich nicht mehr tun kann, als ihn mit dem letzten Band zu vergleichen und da kann ich dieses Mal beim besten Willen keinen Unterschied feststellen, sodass es bei 4/5 Sternen bleibt.

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Montagsfrage vom 23.03.2020

Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Welches Buch hast du zuletzt beendet?

Über den zweiten Teil der Frage will ich mal den Mantel des Schweigens hüllen. Aus Gründen. Vertraut mir.

Nun, auch wenn es schon einige Zeit her ist – ich lese gerade zwei Bücher parallel und deshalb ist noch keines davon fertig – habe ich zuletzt das grandiose Buch Marianengraben von Jasmin Schneider ausgelesen, das ich an dieser Stelle auch gerne nochmal weiterempfehlen möchte. Eine ausgezeichnete Lektüre für fast jede Situation.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und bis dahin.

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It’s Teatime My Dear – Bill Bryson

Bill Bryson ist ja eigentlich ein Reiseschriftsteller. Witzigerweise hat er in den letzten 15 Jahren keinen Reisebericht mehr verfasst. Seine Werke “Picknick mit Bären” und “Frühstück mit Kängurus” sind sehr gute und wundervoll witzige Werke, die Bryson auch bekannt gemacht haben. Und nun hat er es erneut getan. Okay, wenn diese Rezension veröffentlicht wird, ist diese Buch auch schon seit fast 5 Jahren auf dem Markt. Und es ist auch nicht so wirklich ein Bericht über eine Einzelreise, viel mehr geht Bryson über einige Monate hinweg auf die Reise durch sein eigenes Land. Oder eigentlich durch eines seiner Länder, denn der gebürtige Amerikaner lebt inzwischen seit 1973 in England, kehrte jedoch zwischendurch für einige Jahre in die Staaten zurück.

In diesem Buch reist Bryson durch England und er nutzt für seinen Streifzug die selbst gezeichnete Bryson-Linie, bei der er versucht hat, eine möglichst lange Linie durch die Landmassen der Britischen Insel zu ziehen, weshalb er in Cape Wrath beginnt und dann bis Bonor Regis reist. Neben den großen Städten, die recht nah links und rechts dieser Linie liegen bereist er auch viele kleine Orte, sucht sich die etwas kuriosen kleinen Orte und die verschiedensten kleinen Sehenswürdigkeiten aus und lässt die großen Touristenhochburgen bewusst aus. Stationen dieser Reise sind neben Oxford und Cornwall eben auch East Anglia, den Peak District oder Devon, Orte, von denen ich noch nichts gehört habe.

Mein erster Gedanke beim Lesen war: Bryson hat das Reisen nicht verlernt. Und er kann noch immer über witzige Begebenheiten schreiben. Das beginnt mit amüsanten Anekdoten von der Reise, wie er sich auf Bus- und Zugfahrten völlig blamiert oder sich hoffnungslos verfährt, verhält sich völlig unangebracht und erzählt Erlebnisse von seltsamen Hotels und anderen Absteigen. Insofern hat sich an seinem Schreibstil, über den ich schon in vielen anderen Rezensionen von Bryson-Titeln geschrieben habe, wenig verändert. Er erzählt aber in diesem Buch auch viele Hintergrundinformationen über die Orte und, was mir sehr aufgefallen ist, er geht sehr stark auf die Geschichte der Orte ein. Das ist jetzt nicht unbedingt eine 400-Seiten starke ‘Früher-war-alles-besser’-Litanei, allerdings kann man doch solche Züge in dem Werk finden. In vielen Orten berichtet er vom zunehmenden Verfall und wie sie auch durch die britische Regierung heruntergewirtschaftet wurden. Nebenher erfährt man noch einige nette Details über das britische Regierungssystem, was gerade angesichts des Brexits, zu dem Bryson noch ein etwas entsetzt klingendes Nachwort zur Taschenbuchausgabe mitliefert, ein interessantes Licht auf Großbritannien wirft.

Insgesamt merkt man dem Buch auch an, dass Bryson hier über ein Land schreibt, das er als Heimatland bezeichnet – nicht zuletzt beginnt das Buch mit seinen Erfahrungen beim Einbürgerungstest. Er geht ziemlich viel ins Detail, was manche Hintergründe angeht und erzählt von geplanten politischen Projekten, der schwachen Organisation von Gedenkstätten und wie irritierend manchmal eigentlich bedeutsame Erinnerungsorte touristisch kaum genutzt werden, während an anderen, trivialen Kulturdenkmälern riesige Kampagnen Besucherströme erzeugen.

Wer diesen Blog liest, weiß, dass ich von Bill Bryson schon etliche Bücher gelesen habe. Und ich kann selbstverständlich auch dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Allerdings vielleicht mit der Einschränkung, dass man Brysons Schreibstil mögen sollte und ihm verzeihen sollte, dass man ihm anmerkt, dass er nicht mehr so jugendlich wirkt wie in den ersten Büchern. Dennoch gebe ich gerne 4,5/5 Sternen, nicht nur, weil das Buch einem die Chance gibt, die doch etwas seltsamen Nachbarn von der Insel kennenzulernen, sondern auch weil es sehr unterhaltsam ist.

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Montagsfrage vom 16.03.2020

Guten Morgen zusammen,

der Titel ist ziemlich irreführend, denn es die Montagsfrage ist tatsächlich vom 09.03.2020. Da es aber in dieser Woche keine Montagsfrage gab, dachte ich, ich hole die der letzten Woche einfach nach. Wenngleich auch hier die Antwort nicht beonders einfach ist…

Welche Klischees haben für euch wirklich ausgedient?

Dass es kaum männliche Buchblogger gibt. Okay, das ist inzwischen auch nicht mehr so, oder? Ich weiß noch, als ich vor 7 Jahren damit angefangen habe, war ich noch verhältnismäßig allein auf weiter Flur, aber inzwischen hat sich da das Geschlechterverhältnis auch wieder etwas angepasst. Ach, es ging um Klischees in Büchern? Ich lese wenig Liebesgeschichten, insofern erlebe ich diese ganzen Klischees rund um Beziehungen auch nicht als ausgelutsch – vielleicht höchstens solche Sachen wie scheinbar unverletzliche Helden, die sich auch den größten Bedrohungen widersetzten können und aus dem Nichts die besten Kampfkünste haben, ansonsten langweilt mich relativ wenig an Klischees.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche!