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The Forever Man – Eoin Colfer

Mai 2014 – November 2016 – April 2018. Insgesamt habe ich also fast vier Jahre gebraucht, um diese Trilogie abzuschließen. Es ist sozusagen der Nachfolger der Artemis-Fowl Reihe, die Colfer zwischen 2001 und 2012 schrieb. Die drei Bände erschienen im Original zwischen 2013 und 2015 und in drei Bänden wird eine mehr oder weniger zusammenhängende Geschichte rund um FBI Agent Chevie und Riley, einen Jungen aus dem Zeitalter der Jahrhundertwende, in der eine wilde Zeitreisegeschichte erzählt wird.

Der dritte Band setzt wieder im viktorianischen London an. Chevie und Riley versuchen, Rileys lang verschollenen Bruder zu finden. Sie verabreden sich mit einer seltsamen Frau, die es zu schaffen scheint, Gefangene gegen eine ordentliche Bestechung freizukaufen. Doch im Gefängnis bei seinem Bruder angekommen, stellen sie fest, dass sie den falschen freigekauft haben: Garrick, den Forever Man! Jeder Mann, der Riley in seinem Theater gefangen hielt, der nun das Wurmloch zu beherrschen scheint. Apropos Wurmloch: Noch bevor sich die Handlung aufklären kann, werden alle eingesogen und finden sich in einem kleinen Ort im 17. Jahrhundert zur Zeit der Inquisition wieder. Der Forever-Man inszeniert sich als Inquisitor und Chevie, die durch den Zeitriss die Augen einer Katze bekommen hat, wird auf einmal als Hexe angezeigt. Doch glücklicherweise sind sie nicht allein: Ein anderer Agent und sein treuer Kamerad, der leider in der Gestalt eines Hundes aus dem Zeittunn zurückkehrte, haben eine kleine Basis in dieser Zeit und sind mit dem Professor, der diese Idee von Zeittunneln ursprünglich hatte, in Kontakt, um den Forever-Man (oder: Den Quantenzauberer, wie er im Deutschen heißt) zu stoppen. Doch das stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Zwar kann sich Riley zunächst befreien – er will ihn wieder unter seine Gewalt bringen – doch der endgültige Befreiungsschlag droht dann doch zum Fehlschlag zu werden. Denn die Henker bringen schon das flüssige Silber, das Chevie eingefüllt werden soll, um den Zeitriss ein für alle Mal zu schließen.

Ich will es relativ kurz machen – denn zu Colfers Schreibstil, seiner Figurenzeichnung und der Welt habe ich schon viel gesagt: Ich mochte das Buch sehr gerne. Colfer führt hier im dritten Band noch eine zusätzliche Zeitebene ein, die zuvor noch keine Rolle spielte und das ist dann auch der Aufhänger für das große Finale. Zwar mag ich das viktorianische London sehr gerne – es ist für mich einfach der perfekte Schauplatz für phantastische Geschichten – aber ich konnte mich auch mit dieser Zeit zu Beginn der frühen Neuzeit anfreunden. Vor allem gefielen mir auch die neuen Figuren, der FBI-Agent und sein Partner in Hundegestalt ziemlich gut. Für meinen Geschmack war die gute Chevie etwas zu häufig kurz vor dem Tod und das Buch etwas zu atemlos geschrieben, ich hätte mich noch über 50 Seiten mehr über ein paar Hintergründe gefreut, aber das sind Details. Ich mag Colfers Schreibstil sehr gerne, er schreibt gut verständlich und trotzdem sehr ästhetisch, sodass ich das Buch auch für Leser, die noch nicht so viele Bücher auf Englisch gelesen haben, empfehlen würde. (Wobei ihr dann beim ersten Band anfangen solltet)

Insgesamt habe ich nur den einen Grund, Colfer hier ‚nur‘ 4,5/5 Sternen zu geben: Der erste Band war noch ein wenig besser. Es ist ein sehr gelungener Abschluss der Trilogie und es gibt überhaupt keinen Grund, diese kurze Reihe (zusammen ja gerademal knapp 1000 Seiten) nicht zu beenden. Ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen.

 

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Neuzugänge #30: Winter 2016/17


 
Es ist schon wieder fast ein Dreivierteljahr her, dass ich das letzte Mal meine Neuzugänge vorgestellt habe. Witzigerweise war ich damals noch nicht fertig damit, den Rückstand von damals aufzuholen und inzwischen ist noch ein Jahr vergangen. Nun geht es also weiter mit den Neuzugängen, heute stelle ich euch diejenigen vor, die ich im Winter 2016/2017 auf meinen SuB bekommen hatte. Wie ihr feststellen werdet, war 2017 ein recht unspektakuläres Jahr. Planmäßig könnt ihr euch auf eine neue Folge dieser kleinen Serie pro Monat freuen – zumindest bis ich den Rückstand wieder aufgeholt habe, anschließend hoffentlich immer dann, wenn sich die Vorstellung lohnt – also alle 5 bis 6 Neuzugänge. Achtet auch mal darauf, wie viele dieser Bücher ich bis heute noch nicht gelesen habe. Aber gut, legen wir los:

Antigone – Sophokles
Klassiker, anyone? Es kann ja eigentlich nicht schaden, mal ein paar Texte der Attiker gelesen zu haben, Sophokles ist ohnehin ein Klassiker, die Antigone wohl sein bekanntestes Stück also dachte ich mir, als ich mal wieder am Bücherschrank stand, wäre es eine gute Idee, dieses kleine Heftchen mal mitzunehmen. Leider habe ich es bis dato noch nicht geschafft, es mal zu lesen.

Der Inquisitor – Hohlbein
Ich habe ja immer ein Interesse daran, den ganzen Backkatalog von Hohlbein zu lesen. Die Neuerscheinungen lese ich häufig recht zügig weg, aber es sind ja noch mehrere Dutzend Bücher, die er in den letzten Jahrzehnten geschrieben hat, übrig. Dieses ist eines davon, ebenfalls ein Geschenk, aus dem Jahr 1992. Ich habe eine sehr hübsche Hardcover-Ausgabe aus dem Ueberreuter Verlag von diesem Jugendbuch, bei dem es sich im Gegensatz zu vielen anderen Hohlbeins um einen historischen Roman ohne Phantastik handelt. Ich bin sehr gespannt darauf – aber bis auf weiteres noch mit den Neuerscheinungen beschäftigt

Der Schut – Karl May
Ein geschenkter Karl May. Ich hatte vor einiger Zeit mal angefangen, den ersten Band der Gesammelten Reiseerzählungen zu lesen und würde da mittelfristig auch gerne noch den ein oder anderen Band lesen. Der Schut ist der letzte Band des Orientzyklus, bis ich diesen lesen werde, dauert es wohl noch etwas, aber auf meinem SuB liegt dieses Buch jetzt schonmal.

Reckless: Steinernes Fleisch – Cornelia Funke
Von den heutigen fünf Büchern ist Reckless das Einzige, das ich bereits gelesen hatte. Ursprünglich wollte ich diese Reihe schon vor einigen Jahren mal lesen, unmittelbar nachdem ich die Tintenwelt-Trilogie abgeschlossen hatte, hatte ich Lust darauf, habe mir sogar mal den ersten Band aus der Stadtbibliothek ausgeliehen, aber kam aus irgendeinem Grund nicht dazu. Als ich das Buch dann einige Zeit später in einem Bücherschrank auf ein gut erhaltenes Exemplar stieß, nahm ich es mir mit und las es schon wenig später – hier meine Rezension dazu.

Die Jagd – Stanislaw Lem
Im letzten Semester gab es bei uns an der Uni eine Vorlesungsreihe, in der Stanislaw Lems Theorien und Ideen das Thema waren. Mich hat das ziemlich überrascht, denn ich hatte diesen Namen zuvor noch nie gehört. Erst im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass Lem ein ziemlich renommierter Autor mit Tiefgang ist. Als ich dann nur wenige Wochen später dieses Büchlein in einem Karton mit der Aufschrift ‚Zu Verschenken‘ fand, konnte ich nicht widerstehen und nahm das Buch einfach mal mit. Bis dato kam ich jedoch leider noch nicht dazu.

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Montagsfrage vom 14.05.2018

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Magst du lieber dicke oder dünne Bücher, oder ist es dir egal? Warum?

Marcel Reich-Ranicki sagte einmal, es gebe in Deutschland keinen Autor mehr, der einen Roman über 300 Seiten schreiben könnte – dementsprechend schlechte Karten hatte ein solches Buch bei ihm. Bei mir ist das – zumindest bei Unterhaltungsliteratur – nicht so. Klar, 1400 Seiten Krieg und Frieden schrecken schon ziemlich ab, aber ein guter Fantasy-Roman unter 300 Seiten kann eigentilch gar nicht existieren – zu erklärungsbedürftig ist die neue Welt, die dort präsentiert wird. Nun, da ich eben gerne Fantasy lese, ist mir die Neigung zu etwas längeren Büchern durchaus gegeben. Klar ist es auch mal angenehm, etwas kürzere Bücher zu lesen, aber grundsätzlich mag ich längere Bücher sehr gerne. Mein SuB, der mit aktuell 112 Titeln einen ganz guten Querschnitt meiner Leseinteressen darstellt hat eine durchschnittliche Buchlänge von ~550 Seiten, es ist also auch dort sicherlich eine Tendenz zu längeren Titeln erkennbar.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, ich habe schon zwei Posts für diese Woche in der Pipeline, also schaut gerne im Laufe der Woche nochmal vorbei

Bis dahin!

 

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Monatsliste vom April 2018

Mist. Mal wieder habe ich keinen SuB-Abbau hinbekommen. Da war einfach die hübsche Ausgabe von Doktor Schiwago im Bücherschrank zu verführerisch, als dass ich da hätte wiederstehen können. Also muss ich einfach mehr lesen. Zwar habe ich noch einen Heftroman von Gestern und noch eine Novelle gelesen, die waren aber allesamt nicht auf meinem SuB zu finden. Die Seitenzahl geht aber in Richtung der 800 und ist insofern auch durchaus wieder ein kleiner Fortschritt – bedenkt man, dass ich Monate hatte, in denen ich kaum auf 300 Seiten kam. Dennoch kann das natürlich nicht mein Ziel bleiben, vierstellig hätte ich es eigentlich schon gerne. Mal schauen, ob ich das vielleicht wieder im Mai, einem Monat, der einerseits sehr turbulent, andererseits aber auch etwas lesezeitreicher sein könnte, schaffe. Das ‚große‘ Buch, das ich in diesem Monat gelesen habe, war aber insofern etwas besonderes, als dass es über 5 (!) Jahre auf meinem SuB lag. Ich hatte die zugehörige Serie um 2013 herum beendet und dann zunächst mal etwas anderes gelesen, bevor ich mich der Nachfolgerserie mit einer neuen Geschichte aber denselben Figuren zuwenden wollte – und als ich dann das Buch diesen Monat mal zur Hand nahm, war es schon ein sehr schönes Gefühl, wieder zu den Charakteren zurückzukehren. Auf den nächsten Band werde ich keine 5 Jahre warten. Genug geschwelgt, hier sind die Zahlen:

Gelesen:

Morgellon – Jan Wehn (5/5 Sternen, 80 Seiten)
Dunkles Omen – Terry Goodkind (coming soon, 607 Seiten)
Rolf Torring #2: Chinesische Ränke (coming soon, 53 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 740 Seiten, 24,66 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 740 Seiten, 24,66 Seiten pro Tag

Aus dem Bücherschrank:
Doktor Schiwago – Boris Pasternak

End-Sub-Stand: 109 (+-0)

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Montagsfrage vom 07.05.2018

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Welche Bücher sind aktuell die Top 5 auf eurer Leseliste?

Oh, das kann ich sogar relativ gut beantworten, weil ich Anfang des Jahres mal einen Stapel gemacht habe, den ich eigentlich im ersten Halbjahr lesen wollte. Da hat sich natürlich inzwischen einiges verändert, aber dennoch ist das recht gut zu beantworten. Hier also meine Liste:

  1. Wolfgang Hohlbein – Killer City
  2. Dan Brown – Inferno
  3. Boris Pasternak – Doktor Schiwago
  4. Glen Wright – Academia Obscura
  5. Suzanne Collings – Mockingjay

Also eine ausgwogene Mischung aus leichter und schwerer, deutscher und englischer Literatur. Was davon ich als nächstes lese, weiß ich zwar noch nicht genau, aber ihr werdet es in den nächsten Monaten hier lesen.

Bis dahin!

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Der rote Badeanzug – Agatha Christie

Jetzt ist Joyce Lempiere mit dem Erzählen dran. Die Künstlerin erzählt ebenfalls eine Geschichte, die sie so erlebt hat, als sie eigentlich nur in einem Fischerdorf etwas malen wollte. Das alte Gasthaus dort hatte es ihr angetan, weshalb sie es abmalen wollte. Dabei hörte sie einen recht trivialen Dialog. Ein Mann und seine Frau trafen eine alte Bekannte, die den Plan hatten, nach dem überraschenden Wiedersehen gemeinsamen schwimmen zu gehen. Das taten sie auch, wobei die neu Dazugestoßene erst später kam, sie wollte noch ein wenig spazieren gehen. Währenddessen, in ihre Malereien versunken, stellt Joyce fest, dass sie scheinbar Blutstropfen auf ihr Bild gemalt hat. Sie erzählt das dem Fischer am Ort, dass sie diese Blutstropfen gemalt und auch gesehen hat und dieser erzählt ihr, dass es im Ort eine Legende gibt, die besagt, dass wenn jemand Blutstropfen sieht, innerhalb der nächsten 24 Stunden jemand anderes tot aufgefunden wird.

Mit diesen schrecklichen Bildern allein gelassen, reist Joyce kurze Zeit später ab. Erst im Nachgang erfährt sie, dass tatsächlich jemand tot aufgefunden wurde – die Frau des oben beschriebenen Mannes ist beim Schwimmen umgekommen, mutmaßlich mit dem Kopf gegen eine Klippe gestürzt, nachdem sie zuvor abrutschte.

Nach dieser Geschichte ist die Stimmung etwas gedrückt, Sir Henry meint gar, es sei gar kein Problem, sondern eine Geistergeschichte und Joyce sei ein Medium. Die Männer rätseln noch ein wenig – die Vermutungen reichen von Zufall bis Verbrechen – bevor Miss Marple sagt, dass das doch unfair sei, weil Männer für so etwas keinen Blick hätten. Joyce gibt das zu und löst die Geschichte auf.

Ich muss zugeben, auch ich hatte bei dieser Geschichte Schwierigkeiten, eine Erklärung zu finden. Meine Vermutungen gingen schon irgendwie vage in diese Richtung, aber ich wäre vermutlich auch nach einem Rätseln nicht darauf gekommen – was ich eigentlich immer ganz schön finde, ich bin auch nicht so der begnadete Rätsellöser. Als ich dann die Auflösung erfuhr, war ich von der Geschichte jedoch sehr angetan und mochte auch hier die Grundidee, die der Geschichte zugrunde lag. Leider kann ich, ohne diese zu verraten, euch nicht mehr erzählen, aber es ist eine sehr clevere Geschichte. Mal wieder kommt Miss Marple kaum zum Tragen – sie hat dieses mal auch nur wenige Zeilen Text, dafür passt die Geschichte ziemlich gut zu Joyce. Sie als Künstlerin erlebt etwas, was zunächst etwas übersinnlich angehaucht scheint – das ist schon eine ziemlich gelungene Idee, bei der sich mir die Frage stellt, ob wohl zuerst die Geschichte oder zuerst die Figur da waren. Ein Krimi mit geschlossener Personenanzahl in einem beschränkten Raum ist es jedoch nicht, theoretisch sind auch viele andere Lösungen denkbar. Von der klassischen Whodunit-Konstruktion die Agatha Christie so berühmt gemacht hat, ist hier nichts zu sehen. Dennoch gebe ich auch dieser Geschichte, die ich erneut sehr gelungen fand, wieder gerne 4/5 Sternen.

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Morgellon – Jan Wehn

Man liest es heutzutage nicht mehr so häufig, das ein Buch dem Leser als Novelle angepriesen wird, bezeichnet diese Genrebezeichnung doch eine ‚unerhörte Begebenheit‘, die besonders im 18. und 19. Jahrhundert sehr verbreitet war. Doch dieses Buch tut es. Der Titel, unter dem die Novelle bei der DNB registriert ist, ist so endlos lang, dass ich mich hier nur auf den Covertitel Morgellon beschränke. Es ist in einem kleinen Berliner Verlag erschienen, ich habe es durch Zufall entdeckt und dann sofort meine örtliche Bibliothek mit der Anschaffung beauftragt. Einige Monate (!) später hielt ich die 75 Seiten starke Novelle in den Händen.

Noah ist Student. Er ist vor kurzem in die Wohnung seines Großvaters gezogen, der einige Zeit zuvor verstorben ist. Es sind Semesterferien und so probiert er nur zum Spaß mal die starken Schmerztabletten, die sein Großvater hinterlassen hat aus und stellt fest, dass er einen ordentlichen Rausch dadurch bekommt. So besorgt er sich über einen Freund, der Blankorezepte aus der Praxis seines Vaters entwendet, weitere Benzodiazepine (Benzos), starke Schlafmittel, die häufig missbraucht werden. Er ist es auch, der ihn auf etwas aufmerksam macht: Die Regierung versprüht Giftstoffe mit Flugzeugen über der Stadt, sogenannte Chemtrails. Er ignoriert diesen verschwörungstheoretischen Schwachsinn solange, bis er an seltsamen Kopfschmerzen und Flecken vor den Augen leidet, die er sich nicht erklären kann. Er recherchiert nach diesen Symptomen und wieder stößt er auf die Chemtrails und wie man Origoniten baut. Wenige Stunden, nachdem er das als Schwachsinn abgetan hat, beginnt er schon mit dem Bau dieser Chemtrailabwehrstäbe. Er lernt übers Internet Lea kennen, die das Videotutorial zum Origonitenbau aufgenommen hat und trifft sich mit ihr. Seine Symptome werden immer schlimmer, Lea führt das auf eine Infektion mit Morgellonen zurück, kleine Fadenwürmer, die aus den Chemtrails und durch das Impfen in seinen Körper kommen. Zwischenzeitlich wird sein Bruder mit einer heftigen Migräne ins Krankenhaus eingeliefert. Noah ist jedoch für seine Familie nicht zu erreichen. Er ruft schließlich noch einmal seinen Bruder an, als dieser gerade nach Neuseeland will. Noah erzählt ihm von den Morgellonen und will ihn aufhalten, doch wird nur ausgelacht. Er beobachtet wie wild das Wetter und die Chemtrails, wird sogar zu einem Treffen von Reichsbürgern eingeladen, um einen Vortrag zu halten und schließt sich schließlich einer Widerstandsgruppe gegen die BRD GmbH an.

Es passt gut in diese Zeit, eine Novelle über dieses Thema zu schreiben. Verschwörungstheorien sind im Aufwind und die von Jan Wehn ausgedachte Geschichte ist keineswegs unrealistisch. Es gibt Erfahrungsberichte von ehemaligen Verschwörungsgläubigen, die diesem Weg durchaus ähneln; die Berliner Chemtrail-Szene ist so groß, dass sie Demonstrationen dagegen organisiert und mit Xavier Naidoo hat die Szene einen prominenten Fürsprecher. Auch der Rapper Kollegah äußerte sich wiederholt als Verschwörungstheoretiker. Gläubige wie Noah leben in einer Welt, die keine andere Deutung zulässt und die für ihre Überzeugung bis zum Äußersten gehen, sie leben wie im Wahn, sodass er nie auf die Idee kommt, dass sein Tablettenmissbrauch für einige seiner Symptome verantwortlich sein könnte. Es ist auch durchaus typisch, dass es mit einer noch relativ niederschwelligen Verschwörungstheorie anfängt und sich dann immer weiter steigert.

Diesen Wahn hat Jan Wehn meiner Ansicht nach großartig eingefangen. In alter Novellentradition gibt es keine Nebenschauplätze, der Fokus liegt immer auf Noah, untypischerweise ist er jedoch ein Ich-Erzähler. Man ist aber damit sehr nah am Protagonisten und bekommt auch den Wandel seiner Innenwelt von der ablehnenden Haltung bis hin zum völligen Wahn mit. Das Ende sei an dieser Stelle nicht verraten, rundet aber die kurze Erzählung schön ab. Für mich war das ein sehr eindrucksvolles Lesen, da in vielen kurzen Kapiteln ein enorm hohes Tempo vorgelegt wurde, die Handlung entwickelt sich sehr schnell und ebenso intensiv.

Jedoch setzt die Novelle einiges Vorwissen voraus. Man sollte zumindest ein bisschen was über diese Verschwörungstheorie wissen, ansonsten ist man vom Inhalt wohl kolossal verstört bis überfordert. Aber wenn man sich mit diesen Netzwerken auch ein wenig auskennt, erkennt man einige Anspielungen sehr direkt wieder und dann ist das bedrohliche an dieser Novelle, dass sie eigentlich gar nicht so fiktiv ist. Noah ist es, Lea vielleicht auch. Der Zirkel, in dem Noah den Vortrag hält, existierte jedoch in ziemlich genau dieser Form, all diese Videos und Artikel sind real, es wurden sogar schon Morde für diese Überzeugung begangen. So wird das Buch doch sehr beängstigend, weil es so furchtbar einfach zu sein scheint, in solche Kreise abzudriften.

Ich fand Morgellon sehr beeindruckend. Es scheint nicht so leicht zu beschaffen zu sein (Tip: Die ULB Darmstadt besitzt jetzt ein Exemplar), weil es nur in einer Auflage von 750 Exemplaren gedruckt wurde, aber wenn es euch mal in die Hand fällt, kann ich die Lektüre nur empfehlen und gebe volle 5/5 Sternen.

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Montagsfrage vom 30.04.2018

Hallo zusammen und Herzlich WIllkommen zur heutigen Montagsfrage:

Wie viel Raum nimmt das Lesen in deinem Leben/Alltag ein?

Im Moment leider sehr wenig. Die letzten Monate habe ich praktisch nur noch auf längeren Zugfahrten gelesen. Früher war das so, dass ich immer ein Buch dabei hatte und fast in jeder freien Minute gelesen habe, heute habe ich gefühlt so viel Kleinkram nebenher zu tun, dass ich diese Zeit eher für soetwas nutze, als dass ich mein Buch zücke. Was auch dazukommt, ist, dass ich in letzter Zeit viel seltener unterwegs bin und entsprechend auch weniger ‚Lücken‘ habe, die ich gut mit einem Buch füllen könnte.

Das könnte ich im Laufe des Jahres auch wieder ein bisschen verschieben oder noch weiter verschlimmern, das ist noch etwas offen, ich hoffe eigentlich, dass ich da demnächst wieder etwas mehr dazu komme und ich die Frage in einem Jahr wieder anders beantworten kann.

In diesem Sinne, euch eine gute Woche! Ich habe inzwischen auch wieder Internetzugang und kann euch wieder zwei hübsche Blogposts präsentieren. Bleibt gespannt!

 

 

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Montagsfrage vom 23.04.2018

Hallo zusammen,

Gibt’s ein Buch, das du gerne verfilmt sehen möchtest?

Eigentlich nicht. Ich könnte mir einiges vorstellen, was ich mir mal ansehen würde, ein Hohlbein-Buch wäre ganz witzig, allein weil mich das CGI für die Tentakelmonster interessieren würde, aber ansonsten bin ich kein große Freund von LIteraturverfilmungen. Mir fallen aktuell genau zwei ein, die besser als ‚ganz okay‘ sind: Per Anhalter durch die Galaxis und Momo. Ansonsten bin ich ohnehin nicht der größe Filmfreund und brauche eigentlich keine Literaturverfilmungen.

In der letzten Woche war es ruhig auf diesem Blog, was vor allem daran liegt, dass ich derzeit zuhause nahezu kein Internet habe, seit vergangenem Freitag überhaupt keins mehr. Diesen Post schicke ich gerade aus der Uni ab und hoffe eigentlich, dass ich, wenn ich nachher heimkomme, wieder ins Internet komme und würde mich dann mit neuen Posts wieder melden. Bis dahin, stay tuned!

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Die verschwundenen Goldbarren – Agatha Christie

Heute ist Miss Marples Neffe, Raymond West mit dem Erzählen dran. Er verbrachte seine Pfingsttage bei einem Bekannten den er kürzlich kennengelernt hat. Dieser John Newman hat das Bergungsrecht eines gesunkenen Schiffes erworben und plant nun endlich, nach vielen vergeblichen Versuchen, den Schatz, den das Schiff geladen hatte, zu bergen. Im Zug dahin begegnet ihm ein Inspektor, der dasselbe Ziel hat, jedoch sucht dieser nach den verschwundenen Goldbarren eines jüngeren Schiffes, die wohl von einer Diebesbande entwendet wurden. Als die beiden am kommenden Abend im Pub sind, sagt man ihnen, ortsfremde halten sich lieber aus den Angelegenheiten der Dörfer heraus.

Ein Sturm zieht auf und während Raymond früh zu Bett geht, macht sein Bekannter noch einen Spaziergang, von dem er aber – wie Raymond erst am folgenden Abend erfährt, nicht zurückkehrt. Gemeinsam mit dem Inspektor finden sie ihn auf seinem Grundstück, er erzählt, dass ihn zwei Männer überwältigt haben, die er auf den Klippen beobachtet hat, die etwas Schweres in eine Höhle brachten. Zwar kann der Inspektor nachweisen, das kürzlich dort Gold gestapelt wurde und auch die Reifenspuren existieren – sie stammen vom Wagen des Wirtes – doch eine Zeugin sagt unter Eid aus dass der Wagen in der Nacht nicht bewegt worden sei.

Wieder gibt es eine vergnügte Raterunde, die sich darauf einschließt, dass irgendetwas mit der Zeugin nicht stimmt – Miss Marple jedoch hat eine ganz andere Theorie und wird von Sir Henry, der den Fall bereits kannte und daher nicht mitgeraten hat, in ihrer Annahme bestätigt. So kann auch dieser Fall von Miss Marple gelöst werden.

Es gibt zu diesen Geschichten jeweils nicht so wahnsinnig viel zu sagen, weil sie immer demselben Schema folgen. Nach der Erzählung einer Geschichte weiß Miss Marple die Lösung. Das ist auch immer sehr schön umgesetzt, man erfährt jedoch leider nicht wirklich viel über Miss Marple und die Figuren – und es würde auch etwas mehr Spannung erzeugen, wenn die Geschichte dann nicht sofort gelöst werden würde. Es sind aber nun mal Kurzgeschichten. Was daran jedoch typisch für Miss Marple sein soll, erschließt sich mir nicht. Sicherlich, sie ist immer in der Lage, sie zu lösen, aber irgendwie hatte ich bei den Sherlock Holmes Geschichten häufiger das Gefühl, es sei eine typische Sherlock-Holmes Geschichte, während es hier einfach weniger von Marples Persönlichkeit getragen wird.

Der Fokus liegt also auf der Geschichte und die ist ziemlich gut konstruiert und wird vom Erzähler spannend, Hinweise gebend, aber auch schon viel ausschließend gegeben. Stets sind mehrere Lösungen zumindest denkbar, nur eine löst jedoch alles widerspruchsfrei. Insofern ist die Geschichte durchaus gelungen, auch die Thematik und die Wendungen innerhalb der Geschichte gefielen mir sehr gut und soweit ich das beurteilen kann, war die Geschichte auch sauber und widerspruchsfrei erzählt. Es ist einfach eine hübsche Idee für eine Geschichte, die Agatha Christie hatte und hier Miss Marple zugeschrieben hat und dafür gebe ich gerne weiterhin 4/5 Sternen.