Permalink

0

Academia Obsura – Glen Wright

Ich bin ja – wie inzwischen jeder hier mitbekommen haben sollte – seit einiger Zeit am Studieren. Und weil ich auch an der Uni einige kleinere Jobs habe, bekommt ich auch ein bisschen was von der akademischen Welt jenseits des Seminarraums mit. Und ich kann kaum in Worte fassen, wie verrückt diese Welt manchmal ist. Glen Wright schon. Er selbst ist Doktorand an einer nichtuniversitären Forschungseinrichtung und durch den intensiven Austausch mit seinen Kollegen und seiner unstillbaren Neugier, die ihn zuverlässig vom Abschließen seiner Doktorarbeit hindert, hat er in diesem Buch einiges zusammengetragen, was man unter akademischem Humor subsumieren könnte.

Und genauso funktioniert das Buch. Es wird keine durchgängige Geschichte erzählt, sondern in den verschiedenen Kapiteln geht es um alles, was irgendwie witzig, kurios oder bizarr im akademischen Raum funktioniert. Das ist manchmal ein bsischen gesellschaftskritisch, gerade wenn es um die Kartelle der großen Verlage und deren seltsames Verwertungsmodell (staatlich finanzierte Forschung wird dort ohne weiteres Lektorat verlegt und staatliche finanzierte Bibliotheken müssen die Zugriffsrechte teuer erwerben; hieraus speist sich der Gewinn) kritisiert, oft aber auch einfach witzig – etwa wenn ein Wissenschaftler in einem Artikel, den er allein geschrieben hat, dauernd „wir haben untersucht“ schreibt und nicht etwa den Text umschreibt, sondern seine Katze als Co-Autor angibt. In diesem Streifzug durch die akademische Welt geht es um alles, was das akademische Leben ausmacht. Forschung, Lehre, Konferenzen, Publizieren, Schreiben, Recherchieren, Daten erheben und auswerten und eine Art Bonuskapitel beschäftigt sich mit der akademischen Karriere verschiedener Tiere.

Ich habe von Academia Obscura zunächat auf Twitter gelesen, fand die Tweets sehr amüsant und als dann das Buch erschienen war, bestellte ich es mir. Zugegeben, die Tweets sind etwas pointierter, aber für mich war das Lesen des Buches oft ein guter Comic Relief des Tages, gerade wenn es mal wieder besonders wild zuging. Es ist sicherlich kein perfektes Buch und hat auch seine Längen, manchmal wirkt es so, als wolle Wright noch eine Anekdote irgendwie hineinbringen, sodass die Struktur etwas leidet, aber betrachtet man das Buch als ein Lesebuch, bei dem man jederzeit irgendwohinblättern kann und mal wieder etwas Lustiges oder bizarres aus der Welt der Wissenschaft lesen kann, hat man viel Freude mit dem Buch.

Etwas unsicher bin ich mir über die Zielgruppe. Denjenigen, die in der Welt der Wissenschaft zuhause sind, können, sofern sie ein bisschen über sich selbst lachen können, sicherlich etwas anfangen, aber schon bei Studierenden bin ich mir nicht sicher, ob sie das Buch verstehen können, denn Wright bemüht sich gelegentlich um Erklärungen, setzt aber ein Grundverständnis vom Wissenschaftsapparat voraus. Der Universität Fremde werden vermutlich einige Schwierigkeiten haben, können vielleicht über einzelne Stellen lachen, aber bekommen weniger tiefe Einblicke. Vermutlich ist das auch der Grund, warum das Buch bei Unbound erschienen ist, einem Verlag, der seine Titel crowdunden lässt. Außerdem ist das Buch nur auf Englisch zu bekommen, eine deutsche Übersetzung ist nicht in Sicht.

Dennoch finde ich es absolut lesenswert. Ein super Geschenk für den Bekannten, der in der Wissenschaft arbeitet oder es mal getan hat und froh ist, es nicht mehr zu tun, vielleicht auch für alle studentischen Hilfskräfte oder Masterstudenten, die vom akademischen Alltag etwas mitbekommen. Ich vergebe auf jeden Fall 4/5 Sternen und hatte viel Freude beim Lesen.

 

Permalink

0

Montagsfrage vom 15.10.2018

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Schreibst du überwiegend Rezensionen über Bücher, die dir gefallen, oder auch über Bücher, die dir nicht gefallen?

Ich schreibe Rezensionen zu allen Büchern, die ich lese. Romanfresser.de ist zuerst mein persönliches Lesearchiv. Antonia verwies in ihrer Frage auf die an Buchbloggern häufig geäußerte Kritik, dass deren Rezensionen nahezu ausschließlich positiv und folglich immer nur Werbung seien. Und tatsächlich, berechnet man den Durchschnitt meiner bis dato rund 360 Rezensionen, kommt man auf 3,94 Sterne, die ein Buch von mir im Durchschnitt bekommt.

Und das hat natürlich zwei Gründe. Bin ich ein professioneller Literaturkritiker, ist Lesen mein Beruf. Ich werde für das Lesen von Büchern bezahlt und möchte dann natürlich möglichst viele relevante Bücher lesen, um einen breiten Querschnitt zu lesen. Ich hingegen mache das als Hobby. Ich habe mit Romanfresser.de noch keinen Cent eingenommen und die selbst wenn man unzulässigerweise die gelegentlichen Rezensionsexemplare gegen die Serverkosten gegenrechnet, kommt eine negative Bilanz heraus. Und das ist in Ordnung, denn Lesen und darüber bloggen ist ein Hobby für mich. Ich lese, was mir gefällt und worauf ich Lust habe. Das mag dann auch manchmal etwas anspruchsvoller sein, auch ich lese generell ein breites Spektrum, aber ich kann inzwischen oftmals im Vorhinein gut abschätzen, ob mir ein Buch gefallen wird – und wenn es das nicht tut, lese ich es erst gar nicht, dafür wäre mir meine Zeit einfach zu schade. Klar, manchmal suche ich auch etwas neues und will mal neue Erfahrungen sammeln – manchmal gebe ich, wenn ich das Gefühl habe, dem Buch nicht gerecht werden zu können auch einfach keine Wertung ab – aber grundsätzlich lese ich, was mir gefällt. Aber ich rezensiere auch Bücher, die mir nicht gefallen. Das kommt zwar eher selten vor, aber dann zögere ich auch nicht, das zu rezensieren.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, die dann auch wieder etwas unaufgeregter wird. Keine Buchmessen und keine Preisverleihungen stehen in dieser Woche an, auch mit einer Rezension des Buchpreisbuchs könnnt ihr leider noch nicht rechnen, sodass es auf diesem Blog – nach fast zwei Monaten – mal wieder ein normales Programm geben wird.

Bis dahin!

Permalink

0

Monatsliste vom September 2018

Der September stand in diesem Blog völlig im Zeichen der Longlist. Das sieht man natürlich auch in der Leseliste. Andererseits habe ich auch mal wieder ein ziemlich langes Buch im September gelesen, mit fast 700 Seiten hat mich Inferno bei meiner noch immer andauernden Leseflaute doch recht lange beschäftigt. Dazu kam noch ein Miss Marple, dann war es das auch schon. Tatsächlich hing an dem ganzen Longlisten-Projekt eine ganze Latte Arbeit, denn es ging ja nicht nur um das Lesen der Leseproben, sondern ich habe mich dann auch noch ein bisschen in die Rezeption und die Autor*in des jeweiligen Titels eingelesen, sodass das quasi meine gesamte Blogzeit im letzten Monat gekostet hat. Aber das war auch okay so, jetzt freue ich mich aber wieder darauf, mit dem normalen Blogprogramm loszulegen. Und wenn ihr diesen Post gerade lest, bereite ich auch schon im Hintergrund den Adventskalender für 2018 vor, in dem ich ja wieder an jedem Wochenende etwas außergewöhnliches anstelle. In den Monatslisten der nächsten Monate werdet ihr darauf schon Hinweise entnehmen können. Bleibt gesannt! Hier also die Zahlen:

Gelesen:

Inferno – Dan Brown (coming soon, 684 Seiten)
Die Longlist 2018. Leseproben – Verschiedene Autoren (coming soon, 127 Seiten)
Der Fall von St. Mary Mead – Agatha Christie (comming soon, 22 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 833 Seiten, 27,8 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 833 Seiten, 27,8 Seiten pro Tag

End-Sub-Stand: 109 (-1)

Permalink

0

Monatsliste vom August 2018

Nachdem jetzt die Buchpreis-Welle abgeklungen ist, in die ich so ziemlich alle Blogenergie der letzten Wochen gesteckt habe, geht es endlich auch wieder mit dem normalen Programm hier weiter. Und jetzt kommt auch endlich die Monatsliste vom August 2018. Der August war kein besonders guter Monat. Ich meine, ich habe zum ersten Mal einen Manga gelesen und zumindest habe ich auch noch ein klein bisschen darüber hinaus gelesen, aber tatsächlich war ich den August über noch mit einem verhältnismäßig dicken Buch beschäftigt, das ich aber erst im September fertigbekommen habe. Also nur ein Manga und etwas Kleinkram. Dass sich dieser Trend noch immer nicht umkehrt, ist zwar langsam etwas schade, aber zumindest bin ich noch am Lesen und komme langsam aber beständig voran. Mal schauen, ob es gegen Ende des Jahres, in der gemütlichen Lesezeit also, nochmal etwas besser wird.

Zumindest war das Lesen eines Mangas mal eine spannende Erfahrung. Ich hatte vor einigen Jahren mal einen Manga in der Hand, kam aber irgendwie nicht rein, bei Detektiv Conan hingegen hatte ich relativ viel Spaß und kann mir auch vorstellen, da in der nächsten Zeit noch ein paar Bände mehr zu lesen – wenngleich vielleicht auch nicht alle 94 am Stück. Nun denn, genug Worte für diesen Monat, hier kommen die Zahlen:

Gelesen:

Detektiv Conan Bd. 1 – Gosho Aoyama (coming soon, 196 Seiten)
Die seltsame Angelegenheit mit dem Bungalow – Agatha Christie (coming soon, 18 Seiten)
Hanni und Nanni 23: Lindenhof in Gefahr (coming soon, 155 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 369 Seiten, 11,9 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 369 Seiten, 11,9 Seiten pro Tag

End-Sub-Stand: 110 (+-0)

Permalink

0

#dbp18: Die Verleihung

Gestern Abend war es dann endlich so weit. Fast zwei Monate nach Bekanntgabe der Longlist wurde gestern im Kaisersaal des Frankfurter Römer vergeben. Die sechs Nominierten Autor*Innen waren anwesend – eine Pflicht dazu scheint es nicht offiziell zu geben, es wird aber doch wohl ein sanfter Druck gemacht. Das Event konnte im Livestream verfolgt werden, der Deutschlandfunk übertrug es auch im Radio. Leider war der Livestream auf der Internetseite des Buchpreises für mich durchgängig nicht verfügbar, sodass ich dann auf den Facebook-Livestream ausgewichen bin. Wie üblich gab es eine kurze Leseprobe und einen Imagefilm zum jeweiligen Buch, bevor dann gegen 18:55 der Vorsitzende des Börsensvereins auf das Podium trat, um den Preisträger zu verkünden.

Im Vorfeld habe ich viel spekuliert, wer den Preis bekommen könnte. Als Favorit wurde in einigen Medien Stephan Thomes Gott der Barbaren kolpotiert. Das hielt sich allerdings schon aus zwei Gründen für unwahrscheinlich: Der Suhrkamp-Verlag wurde erst im letzten Jahr mit dem Preis prämiert und es waren nun drei Jahre infolge Männer, die einen Preis erhielten. Aus demselben Grund hielt ich auch Maxim Biller für unwahrscheinlich. Gleichwohl hätte ich es Stephan Thome sehr gegönnt, er stand nun insgesamt drei Mal auf der Shortlist des Preises, ohne ihn jemals zu gewinnen.

Am meisten gefreut hätte ich mich über das Buch Nachtleuchten von Maria Cecilia Barbetta, weil es mich von allen Leseproben der Shortlist am Meisten angesprochen hat. Die Katze und der General fand ich zwar recht ansprechend, aber mit 750 Seiten auch sehr umfangreich – erst vor drei Jahren wurde ein so langes Buch prämiert (und anschließend, wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, kaum verkauft). Über den Vogelgott und Archipel habe ich mir nur wenig Gedanken gemacht. Beide fand ich zwar ganz reizvoll, aber beide waren nicht meine Favoriten.

Überraschend gewonnen wurde der Preis dann von Inger-Maria Mahlke mit Archipel! Sie war auch sichtlich überrascht und überwältigt von der Verleihung des Preises an sie und richtete einige Worte des Dankes an Barbara Laugwitz – die Verlegerin des Rowohlt-Verlages, die vor wenigen Wochen unter seltsamen Umständen entlassen wurde – sagte, man könne Bücher nicht mit Joghurt vergleichen, obwohl auch letzterem eine außerweltliche Erfahrung zugesprochen werde. Mit diesen Worten endete die Verleihung und hinterließ mich einigermaßen verwirrt und überrascht über das Preisträgerbuch.

Von der Jury besonders gelobt wurde wohl, dass die Autorin im Buch sozusagen rückwarts, also von der Gegenwart ausgehend, erzählt, es ist eine Familiengeschichte auf Teneriffa, die ein bewegtes Jahrhundert in Spanien beschreibt. Wir schon erwähnt war das nicht unbedingt mein Favorit, aber zumindest ist es keiner dieser fast schon etwas beliebigen Kalter-Krieg-im-Ostblock-Romanen geworden. Ich bin jedenfalls ziemlich gespannt darauf und werde mich auf ihre Erzählweise einlassen. Das Buch habe ich jedenfalls bestellt und werde es hoffentlich in wenigen Tagen im Empfang nehmen können, in der Hoffnung, dass der Verlag zügig nachdruckt.

In diesem Sinne endet nun der Buchpreismodus dieses Blogs und nachdem ich in dieser Woche noch die Monatslisten der letzten beiden Monate nachreichen werde, geht es in der kommenden Woche wieder mit dem normalen Blogprogramm weiter. Es folgt dann zwar noch eine Rezension dies Siegertitels, gebt mir dafür aber bitte noch einige Wochen Zeit, das Buch muss es nicht nur zu mir kommen, sondern dann auch gelesen werden.

Was haltet ihr von der Preisverleihung? Habt ihr das Buch vielleicht schon gelesen und könnt einschätzen, ob es den Preis zu Recht erhalten habt? Oder hättet ihr euch einen anderen Titel gewünscht?

Permalink

0

Montagsfrage vom 08.10.2018

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Was ist dein ultimativer Trick, um mehr und regelmäßiger zu lesen?

Das ist eine gute Frage, die ich mir in den letzten Monaten häufiger mal stelle, denn ich schaffe es in stressigen Phasen kaum, mal etwas zu lesen. Ich versuche dann, mir in Pausen mal ein paar Minuten für mein Buch Zeit zu nehmen, morgens ein Kapitel zum Start in den Tag zu lesen und natürlich sind es eher leichte Bücher, die ich lese – mein Klassikerkonsum ist in den letzten Monaten enorm zurückgegangen.

Ansonsten habe ich leider (noch) keine ultimativen Tricks, aber werde mich diese Woche mal besonders intensiv in den anderen Blogs umschauen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, denkt daran, dass heute Abend ab 18 Uhr der Deutsche Buchpreis verliehen wird – dazu dann morgen noch etwas, dann habt ihr erstmal etwas Ruhe und es geht mit dem normalen Blogalltag weiter. Zudem ist ja auch noch die Frankfurter Buchmesse in dieser Woche, auf der ich mich vermutlich auch wieder tummeln werde, zumindest mal an einem Tag. Also viel Book-Related, was diese Woche in der Welt (zumindest in meiner Welt am Südhang des Rhein-Main-Gebiets) los ist.

Bis dahin!

Permalink

0

#dbp18: Eine dieser Nächte – Christina Viragh

Und das ist auch schon der letzte der zwanzig Romane. Nach gut 130 Seiten Leseproben bin ich nun sehr gespannt auf die Preisverleihung und werde natürlich dem Siegertitel noch eine ausführliche Rezension zukommen lassen. Doch kommen wir erstmal zum letzten Roman

Die Autorin: Bekannt ist Christina Viragh vor allem für ihre Übersetzungen aus dem Ungarischen, für die sie schon häufig ausgezeichnet wurde. Seit 25 Jahren schreibt sie aber auch selbst Romane, wenngleich eher unregelmäßig, seit dem letzten eigenen Roman sind immerhin zwölf Jahre vergangen. Mit Eine dieser Nächte ist sie zum ersten Mal für den Buchpreis nominiert.

Das Buch: Zwölf Stunden Flugzeit, Bankok nach Zürich. Bill, Amerikaner, sitzt neben Emma, der er ständig Geschichten erzählt. Geschichten gegen die Flugangst scheinbar, die sich im Laufe der Nacht miteinander immer wieder verknüpfen und obwohl alle Fluggäste von seiner donnernden Stimme genervt sind, werden sie immer wieder in den Sog seiner irgendwie miteinander zusammenhängenden Geschichten gezwungen

Die Sprache: Es gibt keine wörtliche Rede – mal wieder. Die Perspektive liegt auf Emma, sie hört Bill zu, er erzählt in der ersten Person. Die Erzählperspektive ist interessant. Entsprechend ist auch die Sprache der gesprochenen relativ nahe, Interjektionen, Abschweifungen und Ansprache des Publikums von Seiten Bills geben dem Roman eine zweite Erzählebene, die mir als Leser das Gefühl gab, zwei Reihen hinter Emma zu sitzen und Bill erzählen zu hören.

Meine Einschätzung: Eine Art Episodenroman scheint das zu sein und das ist auf jeden Fall mal etwas Interessantes. Auch die Idee, die Lesedauer mit der Handlungsdauer – zumindest für etwas langsamere Leser – zu synchronisieren, ist eine sehr faszinierende. Letzten Endes scheint für die Shortlist dann doch etwas mehr Relevanz gefehlt zu haben, obwohl mich diese Leseprobe sehr fasziniert hat

Permalink

0

#dbp18: Gott der Barbaren – Stephan Thome

Der Autor: Das dritte Mal auf der Shortlist! Bisher hat Stephan Thome vier Romane geschrieben und drei davon erreichten die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Ansonsten ist er Sinologe und Philosoph, hat lange in Taipeh geforscht und schreibt inzwischen seit knapp 10 Jahren Romane

Das Buch: Mit 716 Seiten ist Gott der Barbaren wohl das umfangreichste Werk auf der Longlist (und der Shortlist). In der Leseprobe werden wir mitten in einen Krieg in und um China hineingeworfen, im 19. Jahrhundert sind wir und es scheint dort um den Glauben und irgendwie auch um die Kolonialisierung Chinas zu gehen. In jedem Fall droht das Buch schon nach einigen Seiten monumental zu werden.

Die Sprache: Ich bin unsicher, ob ich wirkilch den Anfang des Buches gelesen habe, aber man wird schon unvermittelt ins Geschehen hineingeworfen. In Medias Res, keine langen Erklärungen und Ausführungen, immer wieder Rück- und Seitenblenden in die Gedankenwelten, schneller Wechsel zwischen Trivialem, wie dem Frühstück nach einem Monat auf See und dem Angriff auf das Festland. Ziemlich rauer Ton.

Meine Einschätzung: Wenn dieses Buch den Buchpreis gewinnt, solltet ihr in diesem Monat nicht mehr mit der Rezension rechnen. Vor einigen Jahren gab es schon mal so ein dickes Buch, das dein Preis gewann und obwohl ich dicke Unterhaltungsliteratur mag, habe ich bei solchen, doch eher anspruchsvollen Büchern gewisse Vorbehalte bezüglich ihrer Dicke. Auf der anderen Seite klingt das Thema, China im 20. Jahrhundert, sehr spannend und ich würde Thome den Preis nach der dritten Nominierung auf jeden Fall gönnen.

Permalink

0

#dbp18: Dunkle Zahlen – Matthias Senkel

Der Autor: Matthias Senkel ist noch verhältnismäßig jung und verhältnismäßig neu im Geschäft, seine ersten Veröffentlichungen sind kaum 15 Jahre alt, dunkle Zahlen ist sein erster Roman. Er bekam für seinen Debütroman einige Preise und auch Dunkle Zahlen war zuvor schon für einen Preis nominiert.

Das Buch: Wir lesen ein Kapitel über die Ankunft einer jungen Frau bei einem wichtigen Programmierwettbewerb in Moskau in den 80ern. Man könnte aber auch woanders anfangen, das Buch ist nicht linear erzählt und schreibt eine Geschichte der Informationstechnologien in der Sowjetunion, halb fiktiv, halb real.

Die Sprache: Klar, relativ unauffällig, etwas gehetzt höchstens noch. An dem Roman ist weniger die Sprache so interessant, als die Möglichkeit, ihn auf verschiedenen Wegen zu lesen, zwei mögliche Wege gibt der Autor gleich vor, die Kapitel bauen also nicht so stark aufeinanander auf, dennoch ergibt sich am Ende eine konsistente Geschichte

Meine Einschätzung: Vermutlich ist dieses Gadet der Grund, warum das Buch auf der Shortlist gelandet ist. Die Geschichte – soweit ich das beurteilen kann, klingt nämlich zwar ganz interessant, aber eigentlich nicht, wie etwas, was normalerweise ausgezeichnet wird. Wobei das Thema Ostblock ja in diesem Jahr ziemlich en vouge ist. Jedenfalls kann ich es nachvollziehen, dass dieser Roman es nicht auf die Shortlist geschafft hat.

Permalink

0

#dbp18: Der Vogelgott – Susanne Röckel

Die Autorin: Susanne Röckel ist schwerpunktmäßig als Übersetzerin tätig, dutzende Werke hat sie aus dem Englischen und Deutschen übersetzt, gerne auch unter Pseudonym. Zudem schreibt sie gelegentlich – das letzte Buch vor dem aktuellen erschien 2012 – auch eigene Werke. Sie ist wohl dem Phantastischen zugetan und erhielt dafür auch schon einige Literaturpreise

Das Buch: In der Leseprobe kommt eine Figur, mutmaßlich der Protagonist, in einem Dorf an und statt der typischen Dorfidylle trifft er auf Verfall, Vögel und Misstrauen. Es ist ein Roman über den Rand der Zivilisation, es geht im Folgenden wohl um einen riesigen Vogel, der von verschiedenen Akteuren im Dorf beschrieben wird

Die Sprache: Die Sprache ist einerseits sehr sinnlich und ästhetisch, gleichzeitig schafft sie es, eine alles andere als ästhetische, eine geradezu abstoßende Welt zu kreieren. Das erinnert ein bisschen an die expressionistische Ästhetik des Hässlichen, aber weitaus weniger konfus, sondern klar und ansprechend

Meine Einschätzung: Dieses Buch ist auf die Shortlist gekommen und ich kann es verstehen. Es geht mal nicht um das Individuum in historischen Ereignissen, sondern die Handlung scheint ein wenig aus der normalen Welt gerissen zu sein, zeitlich sind wir wohl in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Mich hat die Leseprobe sehr fasziniert und auch hier überlege ich, das Buch auch im Falle der Niederlage komplett zu lesen.