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The Garden Party – Katherine Mansfield

Das Gartenfest ist der deutsche Titel dieser Geschichte einer neuseeländischen Autorin. Katherine Mansfields Geschichte, die 1922 in einer Zeitschrift veröffentlicht wurde, war so beliebt, dass aus ihr noch im selben Jahr eine Anthologie entstand. Es ist ein bisschen überraschend: Obwohl es sich um eine Frau handelt, die zudem noch sehr jung gestorben ist und nur rund 70 Kurzgeschichten hinterlassen hat, wird sie ziemlich häufig rezipiert – sie hat sogar einen deutschen Wikipediaartikel!

Die Geschichte ist inhaltlich nicht besonders komplex. Ein Mädchen von höherem Stand soll mit ihren Schwestern eine Gartenparty organisieren. Als jedoch einer der (armen) Nachbarn stirbt, hält sie es für unangebracht, die Party trotzdem stattfinden zu lassen. Gegen ihren Willen findet die Party dann – die Schwestern haben die Wünsche ihrer Mutter umgesetzt – doch statt, doch nach der Party darf sie die Reste zu der inzwischen alleinstehenden Mutter bringen und wird dort erstmals in ihrem Leben mit dem Tod konfrontiert.

Diese relativ überschaubare Handlung stellt dabei nur die Folie für dahinterliegende Konflikte dar. In dieser Geschichte haben wir es gleich mit mehreren Grundkonflikten zu tun. Das offensichtlichste ist der Konflikt zwischen Arm und Reich. Das Mädchen bewundert die Arbeiter auf dem Anwesen, versucht gar ihnen nachzueifern, will zu ihnen gehören. So beginnt sie – auch durch den flüchtigen Konflikt zu den Nachbarn – ihre Rolle als Reiche zu reflektieren. Der Kontakt mit dem Tod, insbesondere der Anblick der Leiche am Ende, führt bei ihr zu einem starken Nachdenken über ihre eigene Sterblichkeit – und sie entdeckt eine gewisse Ästhetik des Todes. Nimmt man die Geschichte noch etwas weiter auseinander, findet man diese Brüche in den einzelnen Gegenständen der Handlung.

Die Literaturkritik lobt die Geschichte in sehr hohen Tönen. Gerade die Darstellung der empfindsamen, weiblichen Gedanken wird hier angesprochen und mit der Prosa von Jane Austen verglichen. Ich fand die Geschichte insgesamt sehr ästhetisch und ansprechend, ich hatte auch mit dem Verständnis keinerlei Probleme. Ich kann die Lektüre dieser inzwischen schon 100 Jahre alten Geschichte ohne Bedenken empfehlen, gerade auch weil das Ende den Leser in einer ganz eigentümlichen Stimmung zurücklässt. Gerade solche stimmungserzeugende Prosa gefällt mir immer besonders gut und deshalb habe ich auch kein Problem damit, volle 5/5 Sternen für diese Geschichte zu geben.

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Monatsliste vom Januar 2019

Es ist mal wieder ein neuer Monat angebrochen und damit wird es also Zeit für die Zusammenfassung des letzten Monats in Zahlen. Und ich muss sagen, es gibt einen leichten Aufwärtstrend. Das Ziel von 12.000 Seiten ist noch ein wenig entfernt, aber zumindest habe ich endlich den Buchpreis-Gewinner fertiggelesen. Das war ein ziemlicher Kraftakt, weil es gegen Ende auch relativ zäh wurde und mir einige Stellen weniger gut gefallen haben. Dazu kommt noch der Auftakt zu einer neuen Reihe von Hohlbein, 12 kurze Bändchen im Science-Fiction Genre angesiedelt, kurzum: Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Für den nächsten Monat steht wieder etwas Englisches an – und 400 englische Seiten halten mich auch immer ein wenig auf. Zumindest schaffe ich es aber, regelmäßig ein bisschen was zu lesen. Nicht so viel, wie ich es mir manchmal wünschen würde, aber zumindest geht es voran mit meinem SuB. Neuzugänge gibt es aber weiterhin, sodass es mit einem Abbau auch wieder etwas schwierig aussieht. Wie dem auch sei, Zeit für die Zahlen:

Gelesen:
Archipel – Inger-Maria Mahlke (coming soon, 432 Seiten)
Die beste Frau der Space Force – Wolfgang Hohlbein (coming soon, 193 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 625 Seiten, 20,1 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 625 Seiten, 20,1 Seiten pro Tag

Neuzugänge:
The Reckoning – John Grisham
It’s Teatime My Dear – Bill Bryson

End-Sub-Stand: 116 (+-0)

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Montagsfrage vom 05.02.2019

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage,

Wer ist dein liebster fiktiver Buchwurm?

Bastian Balthasar Bux aus der unendlichen Geschichte. Keine Diskussion. Ja, Hermine ist schon ganz okay, wenn man Serien noch dazunimmt, hat auch Rory Gilmore etwas für sich, aber niemand hat mir die Liebe zum Buch so nahe gebracht wie ebenjener Junge, der sich mit einem seltsamen Buch auf den Dachboden begiebt und gelinge gesagt von der Geschichte gefesselt wird.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und bis dahin!

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Archipel – Inger-Maria Mahlke

Endlich rezensiere ich hier den Gewinner des deutschen Buchpreises 201. Inger-Maria Mahlke gewann mit ihrem Roman Archipel – entgegen meiner persönlichen Präferenzen. Dennoch habe ich das Buch unmittelbar nach der Preisverleihung gekauft, einige Wochen später war es dann nachgedruckt und ich hatte schließlich ein Exemplar. Ich habe dann im Dezember angefangen, es zu lesen, aber es streckte sich schon bis Mitte Januar hin, bis ich das Buch abgeschlossen habe. Ich glaube, daran wird immer schon deutlich, dass ich nicht so begeistert bin. Aber kommen wir erst zum Inhalt:

Im Zentrum des Romans steht Julio Baute, der inzwischen 95 Jahre alt ist und in einem Altenheim die Eingangstür beaufsichtigt, obwohl er lieber die Tour de France schauen möchte. Wir befinden uns auf Teneriffa und reisen durch die Zeit. Eine Politikerin muss sich verstecken, weil ein Korruptionsskandal aufgedeckt wird. Die Franco-Zeit und ihre Folgen sind omnipräsent für die Protagonisten, auf sie lässt sich alles zurückführen. Wir reisen zurück in der Zeit und verfolgen die Famile der Bautes zurück, die Familie der Bernadottes und ihre Schnittpunkte sowie die Familie der Hausmädchen, die in den Familien arbeiten. Die Lehre dieses Strangs ist klar: Als Tochter eines Hausmädchens geboren, in den Beruf hineingelebt, immer ein Hausmädchen geblieben. Schließlich geht es zurück zur Franco-Diktatur, wie sich durch den Aufstieg die Farben der Insel verändert haben, wir gehen aber ziemlich zügig noch zurück bis zum zweiten Weltkrieg und zur spanischen Revolution und landen schließlich im Jahr 1919, bei der Geburt von Julio Baute.

Ich habe echt Schwierigkeiten, den Inhalt des Romans nachzuerzählen, wie ihr sicherlich merkt. Das liegt einfach daran, dass man immer wieder aus der Zeit gerissen wird. Ich habe mich gerade mit der Gegenwart angefreundet und mich eingefühlt und dann springen wir 20 Jahre zurück und alle Charaktere sind anders. Das fand ich ziemlich schwierig, weil man so zwar irgendwie die Atmosphäre auf der Insel mitbekommen hätte, aber mit den Charakteren konnte ich dann nicht wirklich warmwerden – auch die Famliendynamiken fand ich schwierig, weil es zu häufiges Umgewöhnen war und ich ständig nachschlagen musste, wer jetzt nochmal wer war. Das Personenverzeichnis am Anfang des Buches habe ich auf jeden Fall gebraucht.

Sprachlich war das Buch großartig. Ich verstehe, warum man ein solches Buch mit dem Buchpreis auszeichnet, denn die Sprache des Buches war wirklich beeindruckend. Mit teilweise sehr detaillierten und dann wieder ziemlich gerafften Bildern und klarer Sprache beschreibt sie die eigentümliche Atmosphäre auf dieser Insel und schafft es durchaus, ein gewisses Portrait der Insel zu zeichnen. Das gelingt auch und es ist insgesamt sehr ästhetisch, dieses Buch zu lesen. In Rezensionen wurde vielfach kritisiert, dass das Buch sehr langweilig sei und das liegt einfach am anti-chronologischen Erzählen, das wirkliche Spannungsbögen nicht erlaubt. Was mich aber viel mehr stört: Ich möchte mehr! Ich möchte wissen, wie es weitergeht! Das Buch wirft nur einige Schlaglichter auf die Figuren. Aber wie geht es denn jetzt in den einzelnen Epochen weiter und wie sind die Wege der Figuren dazwischen? Ich wünsche mir in genau diesem Stil geschrieben einen chronologisch erzählten 1000-Seiten Roman über die Familien!

Gut, Literatur ist kein Wunschkonzert, aber ich kann einiges von der Kritik nachvollziehen, die geäußert wurde. Ich habe den Roman ausschließlich gelesen, weil er den Buchpreis bekommen hat – ich kann die Verleihung ästhetisch nachvollziehen, muss aber zugeben, dass mir die Bücher der letzten beiden Jahre deutlich besser gefallen haben, weshalb ich diesem Buch mal nur 3,5/5 Sternen gebe.

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Die Gesellschafterin – Agatha Christie

Es ist nun schon die achte Geschichte aus dem Dienstagabendklub und wieder sind wir nicht mehr im alten Klub, sondern bei dem Dinner, zu dem Miss Marple eingeladen wurde, in Gedenken an den legendären Dienstagabend-Klub. Dieses Mal soll Dr. Llyod eine Geschichte erzählen:

Er traf in einem Urlaub eine Dame und ihre Gesellschafterin. Bei einem Badeunfall kam die Gesellschafterin der Dame ums Leben. Er als Doktor kümmerte sich um die Psyche der Dame, die dramatisch ihre Gesellschafterin verlor und versucht, sie zu beruhigen, als sie beginnt, seltsame Fragen über Gerechtigkeit und Selbstjustiz zu stellen. Sie scheint auch an Gewicht zugenommen zu haben. Einige Zeit später findet Dr. Lloyd zufällig einen Zeitungsartikel über den Selbstmord der Dame, die in einem Abschiedsbrief ein Verbrechen gestanden hat. Über diesen Fall berät die Runde nun. Doch natürlich ist es am Ende wieder Miss Marple, die nicht nur eine Idee hat, sondern den Fall auch noch ziemlich genau beschreiben kann. Dr. Llyod bestätigt ihre Deutung.

Ich kann mal wieder nicht viel mehr schreiben, weil ich ansonsten zu viel von der Lösung verraten müsste. Ich habe im Internet von Leuten gelesen, die sofort die richtige Deutung griffbereit hatten, als der Fall vorgestellt wurde und mir wird langsam klar, dass die Aufklärung von Verbrechen nicht mein Job ist. Denn tatsächlich hatte ich mal wieder keine Ahnung, was hier passiert sein könnte. Klar ist natürlich, dass die Dame irgendwie in das Verbrechen verwickelt ist und dass es ein solches Verbrechen gegeben hat. Viel mehr wusste ich jedoch nicht – auch wenn es scheinbar nicht so schwer herauszufinden ist.

Dennoch fand ich diese Geschichte sehr schön gestaltet. Ich mochte das Arrangement der Figuren, auch die Rolle des Doktors ist keineswegs konstruiert, sondern absolut nachvollziehbar. Klar, dass das Ende zufälligerweise bekannt ist, wirkt schon etwas künstlich hergestellt, aber das ist schon in Ordnung. Ich fände allerdings mal wieder eine Geschichte, in der Miss Marple direkt involviert ist, schöner. Conan Doyle hat immer sehr hübsche Geschichten geschrieben, bei denen Sherlock Holmes direkt raus in die Welt ist und Probleme, die noch real existieren, gelöst – während das hier eben nur eine Fingerübung ist.  Dennoch bekommt diese Geschichte auch gute 3,5/5 Sternen von mir – keine Lieblingsgeschichte aber eine weitere schöne Geschichte über die kombinatorischen Fähigkeiten von Miss Marple.

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Hanni und Nanni: Das Rätsel um die Neue (#24)

Dieser Band gehört – wie schon Band 23 – zu denen, die erst vor rund 10 Jahren geschrieben wurden, im Impressum steht „Deutscher Text: Brigitte Endres“. Brigitte Endres ist eine Kinderbuchautorin, die zu dieser Zeit auch beim Schneider-Verlag eine kleine Kinderbuchreihe schrieb. Wie auch schon Band 23 besuchen Hanni, Nanni und ihre Freundinnen hier eine ‚Oberstufe‘, ein bisher unbekanntes Konzept und die Geschichten spielen irgendwann mitten im Schuljahr. Diese spielt vermutlich irgendwann im Sommer.

Mitten im Schuljahr werden Hanni und Nanni zur Direktorin gebeten, um unliebsame Informationen weiterzutragen. Die Mädchen müssen etwas näher zusammenrücken, denn es kommt nicht nur eine neue Schülerin, sondern auch ein neuer Hausmeistergehilfe, für den die Mädchen ein Zimmer freiräumen müssen. Parallel dazu plant Claudine an ihrer Mondscheinparty. Sie möchte ihren Geburtstag mal draußen im Freien, mit Lagerfeuer und Grillwürstchen feiern. Dabei läuft nicht alles nach Plan, die Würstchen werden irrtümlich nach Lindenhof geliefert und zwei Mädchen aus der Ersten kommen ihr auf die Schliche. Aber auch die Neue ist seltsam. Sie spielt gut Gitarre, erzählt aber nie über ihre Vergangenheit und wird dann sehr schnell wieder stumm, auch wenn sie gerade noch recht offen war. Überdies ist der neue Hausmeister handwerklich völlig unbrauchbar, was sich offenbart, als er ein Regal anbringen soll. Doch alles wird davon in den Schatten gestellt, dass die Klasse beim Schulfest ein Theaterstück aufführen soll: Romeo und Julia!

Was dann noch alles schiefgeht und wie sich das auflöst, will ich an dieser Stelle zwar nicht komplett verraten, aber dass irgendwas mit der neuen – Saskia – nicht stimmt und dass der neue Hausmeister bestimmt kein normaler Hausmeister ist, wird ziemlich schnell klar. Dennoch fehlte mir in der Geschichte eine gewisse Innovation. Wir hatten diese Motive alle schonmal in ähnlicher Form und es sind immer nur kleine Nuancen, die wirklich neu sind. Die drei großen Leitmotive des Bandes sind in ähnlicher Form in den vergangenen 24 Bänden alle schonmal aufgetaucht – und man muss ehrlich sein, dass die überraschende Wende auf den letzten 20 Seiten zwar ganz passabel funktioniert, dass aber die Ankündigung dieser Wende durchaus etwas subtiler hätte sein können.

Was mir wiederum ganz gut gefallen hat, ist, wie die Handlungsstränge miteinander verwoben sind. Der Bogen mit dem Fest wird zwar um die Mitte herum aufgelöst, die beiden anderen Stränge laufen dann am Ende zusammen und bilden eine schöne Lösung. Leider bleibt diese am Ende folgenlos. Das ist ja so eine Eigenschaft dieser Bände, dass durch ein Ereignis eine neue Situation entsteht, die sich innerhalb des Bandes so auflöst, dass am Ende die Ausgangssituation 1:1 wiederhergestellt ist. Alle Spuren des Bandes sind sofort vergessen, es gibt keine relevante Charakterentwicklung. Stichwort Charakterentwicklung: Es ist natürlich mal wieder so, dass Elli das Zuckerpüppchen ist, das heimlich einen Schminkkoffer besitzt, obwohl das in Lindenhof unerwünscht ist. All ihr Wandel aus den ersten Bänden zur verantwortungsvollen jungen Frau sind dahin. Und was soll diese Oberstufe sein? Alles ist so vage und unverbindlich wie möglich gehalten.

Ich will ja gar nicht zu viel meckern. Im Gegensatz zu den desaströsen Bänden in den späten Zehnern ist dieser Band ganz okay. Ein schöner Handlungsbogen wurde entwickelt, es sind nicht einfach nur Ereignisse hintereinander zusammengewürfelt, sondern man sieht, dass hier ein sinnvolles Plotting betrieben wurde. Das ist schön. Dass die Bände dann so unverbindlich sind, ist natürlich den Auftraggebern anzulasten. Dafür kann ich zwar keine wirklich gute Bewertung abgeben, aber mit 3/5 Sternen ist der Band denke ich ganz gut bedient.

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Montagsfrage vom 21.01.2019

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage,

Bist du ein Einmal- oder Mehrmals-Leser?

Überwiegend ein Einmalleser. Zu einem wirklich großen Teil lese ich die meisten Bücher lediglich einmal. Nur sehr wenige Bücher habe ich wirklich mehrere Male gelesen, was einfach daran liegt, dass ich gerne mehr Bücher lese, als einzelne Bücher häufiger. Ich habe auch vor, einige Bücher noch häufiger zu lesen, aber im Moment sieht es eher so aus, dass ich gerne neue Geschichten lesen möchte – wobei ich gelegentlich Lust habe, einige Klassiker aus meiner Kindheit zu lesen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche,

Bis dahin!

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Blogprojekt: 50 Great Short Stories

Über Milton Crane lässt sich wenig sagen. Er hat in Columbia und Havard studiert und war anschließend wohl erst Professor für Sprache und Literatur des Englischen in Chicago und lehrte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1975 in Washington, wo er eine Professur für Englisch innehatte. Crane starb mit 68 Jahren an einer Lugenentzündung Er galt wohl ebenfalls als Literaturkritiker und veröffentlichte laut seinem Verlag „Several Books and Articles“, aber eigentlich kennt man ihn nur wegen eines Werkes: 50 Great Short Stories!

Im Jahr 1952 stellte Milton Crane 50 Kurzgeschichten zu einer Sammlung zusammen. Vermutlich konzentriert sich die Sammlung auf amerikanische Autoren, hat aber den Anspruch, die weltweit besten Geschichten – zumindest ziemlich gute Geschichten – zusammenzustellen. Dieses Büchlein ging durch die Decke. Ich sehe es seit vielen Jahren in fast jeder Buchhandlung, die englische Bücher anbietet, es wurde häufig neu aufgelegt und ist für kleines Geld als Taschenbuch erhältlich. Mehr als 500 Seiten Lesestoff liefert dieses kleine Büchlein und wenn man den Rezensionen Glauben schenken darf, ist von großartiger Prosa bis hin zu völlig unverständlichem Unfug alles dabei. Ich bin gespannt.

Und ich möchte es mit euch zusammen kennenlernen. Ich weiß, dass die Kurzgeschichte eine sehr wichtige Kunstform in der englisch/amerikanischen Literatur ist. Typischerweise ist sie kürzer als die deutsche Novelle und ich bin ja eigentlich eher für längere Geschichten zu haben. Jetzt lese ich ja schon seit einigen Jahren auf diesem Blog diverse Kriminalgeschichten und ich dachte mir, es wäre mal eine gute Idee, diese Geschichten zu lesen, einfach um meinen Horizont zu erweitern.

Und ich möchte euch daran teilhaben lassen. Als Blogprojekt. Das wird sich jetzt natürlich über einen längeren Zeitraum hinziehen, ich vermute, ich werde um die zwei Jahre brauchen – aber ihr seid ja mit diesem Blog etwas Kummer gewöhnt. Also dann, auf geht es. Ich plane derzeit mal alle zwei Wochen einen Beitrag, das macht die Lesemenge für mich ganz gut beherschbar. In diesem Post verlinke ich immer die jeweiligen Geschichten und wünsche euch viel Spaß beim Mitlesen.

~ Platzhalter für die Posts zu den Geschichten ~

Also dann, bis in zwei Wochen!

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Career of Evil – Robert Galbraith

Es handelt sich hierbei bereits um den dritten Krimi, den J.K. Rowling unter Pseudonym schreibt. 2015 ist dieses Buch erschienen und schon nach wenigen Tagen lag es dann auf meinem SuB. Dort lag es einige Jahre, bis ich im vergangenen Jahr die Ankündigung zum vierten Band las und mir dachte, ich müsste jetzt endlich mal den dritten Band lesen. So tat ich es auch.

Es geht wieder um Cormoran Strike, Privatdetektiv mit Beinprothese und seine Assistentin Robin Ellacot, die demnächst ihren Mann heiraten wird. Kurz nach der Lösung des Falls aus Band 2 steht die Detektei gut da und macht ordentliche Umsätze. Dann erhält Robin ein Päckchen im Büro. Hochzeitszubehör, denkt sie. Doch es ist ein Bein. Ein sauber abgetrenntes Frauenbein. Natürlich wird sofort die Polizei informiert und natürlich ermitteln Cormoran und Robin selbst noch intensiv über die Herkunft des Beins. Doch zunächst finden die beiden nicht besonders viel heraus und der Medienrummel um das Bei sorgt dafür, dass die Detektei langsam ihre Auftraggeber verliert.

Schließlich passieren mehrere Dinge recht schnell. Beide dringen in eine Szene ein, von dessen Existenz sie bisher noch nichts wussten. Es geht um Trans-Disability und Menschen, die sich eine Behinderung wünschen. Schließlich um einen Serienmörder, der Teile seiner Leichen aufbewahrt. Und es wird niemanden wundern, dass Strike mit seinen Helfern das Rätsel um das Bein – und den zwischenzeitlich noch geschickten Fuß – lösen kann.

Ich kann es jetzt schon einmal andeuten: Auch diesen Band fand ich ziemlich gelungen. Das Besondere an diesem Buch sind die parallel laufenden Handlungsstränge. Einerseits geht es um die Zukunft der Detektei, die kurz davor ist, pleite zu gehen – Strike geht es finanziell entsprechend schlecht. Zum anderen ist natürlich die Story mit dem zugeschickten Bein im Fokus der Handlung. Es existiert noch eine Parallelhandlung, über die ich hier wenig verraten möchte, die mich aber mehrmals sehr verstört hat. Abschließend gibt es aber noch die Geschichte mit Matthew, Robins Verlobten. Er ist noch immer eifersüchtig auf Robin und schließlich steht die Verlobung kurz davor, zu scheitern, als Robin für einige Tage einfach abhaut. Und auch in dieser Sache gibt es gegen Ende des Buches noch eine überraschende Wende.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von diesem Band, immerhin dem umfangreichsten der ersten drei Bände, halten soll, denn es ist kein normaler Fall, den die beiden lösen müssen und zwischenzeitlich wird auch sehr intensiv über Robins Beziehung und Strikes Liebeseskapaden berichtet. Das nahm zwischenzeitlich schon etwas Überhand, wobei natürlich klar ist, dass es für das Fortgehen der Rahmenhandlung um die beiden notwendig ist, das auszuführen. Trotzdem trat der Fall dann einige Strecken in den Hintergrund – zumal es in der Mitte auch einen ordentlichen Hänger gab, wo die beiden nicht so wirklich gut mit dem Fall weiterkamen und dann erst durch mehrere – ein wenig konstruiert wirkende – Zufallsfunde wieder ein bisschen weiterkamen. Die eigentliche Aufklärung am Ende kam dann auch relativ plötzlich und auch etwas unerwartet, obwohl man ja die Innenansichten des Täters schon über das ganze Buch hinweg mitbekommt.

Erneut muss ich die hübsche Sprache loben. Galbraith schreibt wirklich malerisch und dem jeweiligen Dialekt der besuchten Region angepasst. Slang wird konsequent ausgeschrieben, was das Lesen an einigen Stellen zwar etwas erschwert, aber auch nicht wirklich dramatisch ist. Insgesamt ist die Sprache aber sehr hübsch und wirklich lesenswert.

Insgesamt mochte ich das Buch ziemlich gerne und ich will auf jeden Fall auch den nächsten Band lesen, vor allem möchte ich natürlich wissen, wie es in der Rahmenhandlung weitergeht, aber ich hoffe natürlich auch, dass sich die kleine hübsche Detektei wieder erholt. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt und gebe gerne mal 4,5/5 Sternen – mit nur kleinen Abzügen wegen dem etwas langen Mittelteil.

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Montagsfrage vom 14.01.2019

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Lyrik: ausgedient oder am aufblühen?

Interessante Formulierung der Frage. Fangen wir mal ganz am Anfang an. Lyrik gehört neben der Epik und dem Drama zu den drei Großgattungen der Literatur. Mein Literaturdozent fasste die simpelste Definition für Lyik mal mit „alles, wo viel Weiß auf der Seite ist“ zusammen. Und vermutlich ergibt es Sinn, angesichts der Vielfalt der Lyrik nicht viel mehr als Minimaldefinition anzulegen.

Der Prototyp der Lyik ist natürlich das Gedicht, das im Schulunterricht zu Tode analysiert wird. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick. Klassiker. Steht eigentlich mitten im Faust, kennt trotzdem jeder als Gedicht. Ich stand damit auch lange Zeit ein bisschen auf Kriegsfuß – nicht wegen der ganzen strukturellen Sachen – Versmaße kann ich im Schlaf bestimmen – aber mich hat das ästhetisch einfach nicht angesprochen. Ich habe mal unter dem Schlagwort Lyrikfresser einige Gedichte betrachtet und mich so ein bisschen mit dem Genre ausgesöhnt.Vor allem aber habe ich in den letzten Jahren meinen Blick auf Lyrik erweitert. Ich bin kein regelmäßiger Besucher, aber gelegentlich gehe ich dennoch gerne mal zu einem Poetry Slam. Moderne Lyriker, die ein großes Publikum erreichen wollen, nutzen entweder diese Form oder verpacken ihre Texte gleich in Musik. Im Deutschrap entwickelt sich eine lyrische Parallelkultur, die technisch ausgefeilter dichtet, als Goethe es jemals konnte („Ein Grund, warum an der Waterkant die Beats fetter war’n | Euer Sound hängt am Vaterland wie Kriegsveteran“, Achtfachreim!), andere, Judith Holofernes beispielsweise, schaffen eine unglaubliche Metaphorik („Ich stapel tausend wirre Worte hoch, die dich am Ärmel zieh’n), verpacken aber alles in Musik.

Ich glaube, Lyrik kann nicht sterben. Sowenig wie Erzählungen oder Theaterstücke sterben können, ist auch Lyrik im Menschen verankert. Klar, niemand kauft Gedichtbände, man kann davon nicht leben. Aber Lyrik als Gattung stirbt nicht.

In diesem Sinne eine gute Woche euch und viel Spaß mit einem neuen Blogprojekt, das diese Woche losgeht.