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Ankündigung: Sommertage: 44 Geschichten für die schönste Zeit des Jahres

Ich finde, Anthologien sind eine ganz spezielle Art von Büchern. Bis heute erscheinen solche Bücher in den verschiedensten Verlagen. Ich kenne die Lesebücher von Fischer aus den Buchhandlungen meiner Wahl, aber bin auch an anderen Stellen schon auf solche Bücher gestoßen. Dort sind dann, von einem Herausgeber sorgsam zusammengestellt, kurze Texte ausgewählt, die zu einem bestimmten Thema, einem Autor, einer Epoche oder einfach einem ‚Gefühl‘ passen sollen. Versammelt sind dort Gedichte (im Bereich der Lyrik sind Anthologien recht gängig), Kurzgeschichten oder vom Lektor selbst kompilierte Romanauszüge.

Ohne den Buchmarkt genau zu kennen, vermute ich, dass die Verkaufszahlen für solche Bände eher mäßig sind und die Lizensierung dieser Texte ein verlegerischer Alptraum sein muss – Fischer Klassik umgeht das sehr elegant mit der Verwendung gemeinfreier Texte. Nun fiel mir spontan eine Anthologie in die Hände. „Sommertage: 44 Geschichten für die schönste Zeit des Jahres“. Es war noch nicht ganz Sommer, ich machte mir Gedanken, wie ich meinen Blog füttern soll und so gab ich dem Bändchen kurzerhand ein neues Zuhause, noch nicht ahnend, worauf ich mich einließ. In Vorbereitung dieser Ankündigung versuchte ich dann, etwas über diesen Band herauszufinden – aber Fehlanzeige. Abgesehen von einigen Antiquariaten, die versuchen, ihre Ausgaben loszuwerden, gab es nichts herauszufinden. Die Herausgeberin Ilse Walter ist ähnlich unbeschrieben, immerhin gibt es von ihr die Info, dass sie eine studierte Germanistin ist, Lektorin in Wien war und dort auch zahlreiche Anthologien herausgegeben hat. 2010 ist sie verstorben.

Erschienen ist das Buch tatsächlich bei einem Wiener Verlag, Kreymar & Schierau, der das Buch für die Buchgemeinschaft Donauland lizensierte. Die Buchgemeinschaft Donauland ist vergleichbar mit dem Bertelsmann Club und wurde folgerichtig auch von Bertelsmann übernommen. Meine Ausgabe ist lizensiert für die RM Buch und Medien GmbH, also für Bertelsmann (direkt?). Die gesamte Erscheinungsgeschichte des Buches aufzuarbeiten ist wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit, daher hier nur noch die kurze Info, dass eine zumindest äußerlich sehr ähnliche Ausgabe des Buches mit gleicher Seitenzahl bereits 1977 bei Donauland erschien – meine Ausgabe ist von 2000.

Nach diesem Vorgeplänkel freue ich mich jetzt, euch mitzuteilen, dass in den nächsten Monaten immer mal wieder kurze Besprechungen der Geschichten hier auf diesem Blog erscheinen werden. Ich hoffe, ihr habt daran so viel Spaß wie ich – gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit können ein paar Sommergeschichten vielleicht ganz heilsam sein.

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Die Wolf-Gäng 2: Ein finsteres Geheimnis

Es ist auch erstaunlich, wie leergefegt das Internet zu diesen Bändchen ist. Man müsste meinen, jetzt, wo der Film herausgekommen ist, sollten alle möglichen Buchblogger sich mal dieses Büchleins annehmen, aber man findet lediglich ein paar vereinzelte und nicht wirklich aussagekräftige Rezensionen zu diesem Buch. Also obliegt es wohl mir, dazu etwas zu sagen.

Der zweite Band der Wolf-Gäng schließt nahtlos an Band 1 an. Es sind Sommerferien, eigentlich sollte die Schweinebande unter ‚verschärftem Hausarrest‘ stehen, aber scheinbar ist irgendetwas kaputt mit der Welt. Auch der Eisbecher, den die drei im ‚eiskalten Händchen‘ essen wollten, ist irgendwie anders. Überlebensgroß und kostet einen seltsamen Preis, auf den sich Wolf keinen Reim machen kann. Und schwupps, hat er seine Seele verkauft. Überhaupt ist diese Eisdiele seltsam. Dunkle Gänge, die keinen Sinn ergeben. Schnell dort raus. Wolf allerdings wird gekidnappt. Kompliment an dieser Stelle an das ziemlich passende Cover, denn er wird mit einer Kutsche von offensichtlich bösen Jungs entführt, in ein verlassenes Fernsehstudio gebracht und soll dort ein für alle Mal unschädlich gemacht werden. Wäre da nicht ein kleines Problem: Eigentlich wollten sie Vlad fangen. Dieser hat unterdessen seltsame Visionen von Wolf, der gekidnappt wurde und scheinbar sind die beiden Figuren irgendwie miteinander verwoben. Schließlich sieht Vlad sich an jeder Ecke Anschuldigungen ausgesetzt: Wäre er nicht nach Crailsfelden gekommen, wäre das alles nicht passiert!

Den eigentlichen Clou der Handlung will ich jetzt mal nicht verraten, er erklärt nämlich auch einiges aus dem ersten Band, aber tatsächlich muss ich Hohlbein hier mal ein Kompliment machen: Die Handlung wird doch ziemlich gut aufgelöst, vieles, was anfangs merkwürdig ist, wird erklärt. Man muss sich so durch das erste Drittel des Buches etwas quälen, weil es sehr kurios ist – es ergibt alles einfach überhaupt keinen Sinn. Danach wird es besser, geht nach vorne mit der Handlung und macht dann sogar ziemlich viel Spaß. Es ist und bleibt ein Kinderbuch und es ist auch nicht ein Kinderbuch der Kategorie „literarisches Werk, an dem auch Erwachsene sicher ihren Spaß haben“, aber im Vergleich zum ersten Band ist das hier sicherlich der stärkere Band.

Ich möchte aber nochmal kurz darauf herumreiten, wie unglaublich verantwortungslos die Eltern der Kinder hier handeln. Das geht nicht nur an Vlads Eltern – die finden zumindest im Roman statt – aber auch: Wenn eine Gefahr für eure Kinder besteht, wenn sie das Haus verlassen, dann teilt es ihnen mit. Ihr wusstet das alles! Oder ihr hättet es ahnen können, schließlich habt ihr ja Maßnahmen unternommen. Da wäre es doch zumindest mal angebracht, ein paar ehrliche und warnende Worte loszuwerden. Genauso wie sie Vlad nichts von seinem Vampirdasein im ersten Band erzählt haben, ist es jetzt wieder. Natürlich ist das notwendig für die Handlung, aber doch für mich ziemlich irritierend, dass sie ihren Sohn so unvorbereitet in die Gefahr ziehen lassen.

Anzumerken ist vielleicht noch, dass die Charakterentwicklung abseits der drei Hauptfiguren – die zumindest als Gruppe zusammenwachsen und sich ein bisschen weiterentwickeln – praktisch nicht stattfindet. Die Schweinebande ist das Klischee der dummen Tölpel und auch bei den anderen Erwachsenen hat man nicht das Gefühl, dass viel Charakterbildung stattfindet. Fairerweise muss man sagen, dass der Fokus der guten 200 Seiten auch stark auf den Kindern liegt.

Insgesamt wird das Buch vermutlich nie zu meinen Lieblingsbüchern gehören, aber nach dem ersten Band fand ich hier dann doch eine gute Steigerung – und wenn mir nochmal weitere Bücher der Reihe unterkommen sollten, denke ich, kann ich damit auch ein paar nette Stunden verbringen. Ich vergebe also 3,5/5 Sternen.

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Mein SuB kommt zu Wort: September 2021

Hallo zusammen,

ich hatte ja kürzlich an einem Leseabend teilgenommen und wurde damals herzlich dazu eingeladen, an der Aktion „Mein SuB kommt zu Wort“, deren Organisatorinnen Vanessa und Melli den Leseabend veranstaltet hatten, teilzunehmen. Nun, diese Aktion findet jeden Monat statt, da mein SuB in den letzten Jahren allerdings sehr statisch ist, werde ich ihn wohl nicht jeden Monat zu Wort kommen lassen, sondern eher etwas unregelmäßiger teilnehmen.

Es werden jeden Monat vier Fragen gestellt, die vierte Frage ist dabei die ‚Aktionsfrage‘. Eines der dort vorgestellten Bücher soll dann bis zur nächsten Ausgabe gelesen werden. Mal sehen, ob mich das motiviert. Hier also die Fragen (samt Antworten, sonst wäre es wohl witzlos…)

1. Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?

Da fängt es schon an. Meine SuB-Daten sind schon ein paar Monate alt, einige Bücher sind noch nicht einsortiert und in meiner allmächtigen Tabelle eingetragen. Daher – unter der Einschränkung, dass es etwas höher sein dürfte – liegen wir aktuell bei 129 Büchern.

2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig uns deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!

Auch hier muss ich leider auf etwas ältere Daten zurückgreifen, bis der faule Blogger hinter diesem Beitrag sich mal die Mühe gemacht hat, alles zu aktualisieren. Die drei neusten Bücher hier sind Vor dem Fest von Saša Stanišić, der Doppelband mit den ersten beiden Bänden der Wolf-Gäng von Wolfgang Hohlbein (von dem ich zumindest schon einen gelesen und rezensiert habe) und schließlich Was wir scheinen von Hildegard E. Keller.

3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es ein SuB-Senior, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem(r) Besitzer:in gefallen (gerne mit Rezensionslink)?

Das war Dracula von Bram Stoker. Mit bald 120 Jahren zählt es wohl nicht mehr als neu, und es als Sub-Senior zu bezeichnen, nur weil es seit 7,5 Jahren auf meinem SuB lag, ist doch wirklich übertrieben. *hust*

4. Liebe:r SuB, im September wollen wir unseren Fokus auf die Hardcover in Deinen Stapeln legen. Welche Hardcover soll Dein:e Besitzer:in bis zum nächsten Monat  Mal lesen?

Oh, da fällt mir etwas ein. Passend zur Bekanntgabe der Shortlist liegt hier noch der Buchpreis-Gewinner vom letzten Jahr herum: Annette. Ein Heldinnenepos von Anne Weber. Das oben erwähnte Was wir scheinen wäre auch noch eine Idee, das ist aber doch recht umfangreich, mal schauen, ob ich das bis zum nächsten Mal schaffe. Ansonsten sind Hardcover hier wirklich rar gesäht, aber ich schlage dennoch mal die englische Ausgabe von Mr. Mercedes von Stephen King vor.

Mal schauen, ob ich in der nächsten Zeit etwas davon schaffe oder ob es dann doch wieder ganz andere Bücher werden. Ich lasse es euch jedenfalls wissen und meinen SuB (der sich lieber als RuB bezeichnen würde, in Stapelform wäre er doch arg instabil) demnächst wieder zu Wort kommen.

Bis dahin!

Florian (und ein Regal ungelesener Bücher)

 

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Charity 05: Die schlafende Armee – Wolfgang Hohlbein

Nach dem vierten Band von Charity geht es nahtlos mit Band 5 weiter. Natürlich sind unsere Freunde noch immer im Kampf gegen die Moroni. Und nachdem wir im letzten Band die Sehenswürdigkeiten des schönen Paris erkunden haben, wird es Zeit für einen Besuch beim Kölner Karneval. Na dann mal Helau!

In Paris ist ja Ende des letzten Bandes der alte NATO-Bunker in die Luft geflogen ist, machen sich unsere Freunde erneut auf die Flucht. Sie fliehen in einem geklauten Gleiter und obwohl Kyle, der Megamann alles gibt, wird der Gleiter abgeschlossen und sie müssten zu Fuß weiter. Sie treffen auf eine ziemlich verstörende Zahl von mutierten Riesenratten, die sich an ihnen gütlich tun möchte, bevor sie beschossen werden – mit seltsamen Strahlenwaffen, die aber eine eher lähmende Wirkung haben, vor allem auf die Ratten. Ein gewisser Leutnant Hartmann stellt sich ihnen vor und nimmt sie mit in ihren Außenposten, den sie aber nach kurzer Zeit aufgeben müssen, da die Moroni mit ziemlich viel Gewalt nach Charity zu suchen scheint. Also ab in den nächsten Bunker. Hier ist die Rede von einer schlafenden Armee und einer Chance, den Moroni beizukommen. Auch Stone scheint nicht der Verräter zu sein, für den ihn alle halten, denn er verrät Charity einen Weg, die Moroni zu besiegen.

Schließlich die Jared. Es ist von einem seltsamen Sprung die Rede, die Jared, eine Art Naturvolkkollektiv oder so in der Art schaffen es, die Moroni kurzzeitig zurückzuschlagen und stellen eine ernste Bedrohung dar. Kyle und Gurk bleiben bei ihnen zurück, während sie Charity mit einem Trupp um Hartmann aufmacht, Stones Anweisungen zur Vernichtung der Moroni zu befolgen.

Nunja, es ist ein weiterer Band in einer Reihe. Und er hat alles, was Hohlbein braucht. Ein paar neue Aspekte in der Geschichte, jede Menge Kampfszenen, Action, fast tote Helden und schwere Verletzungen, Wunderheilungen, ‚die letzten Kräfte mobilisieren‘ und neue Freunde. Es nimmt aber tatsächlich in diesem Band etwas Fahrt auf. Stone spielt mal wieder eine Rolle und entwickelt sich – auch im Laufe der nächsten Bände noch – zu einer sehr differenzierten Figur. Ja, der Band spielt in Deutschland, aber da es auch schon im letzten Band keinen großen Unterschied gemacht hat, ob der Band jetzt in Paris oder New York spielt (man ersetze einfach nur Manhattan durch Eiffelturm oder eben hier durch Kölner Dom), ist auch hier der Schauplatz der Handlung eigentlich zweitrangig.

Mit den Jared wird aber wirklich ein rätselhaftes Element in die Handlung eingeführt. Ich habe tatsächlich nicht wirklich eine Ahnung, was das sein soll, es erinnert so ein bisschen an elfenartige Naturwesen, die irgendwie eine Bedrohung für die Moroni darstellen und etwas mit einem Sprung zu tun haben? Jedenfalls kann ein Soldat dadurch gerettet werden, dass er ein Moroni wird und so etwas ähnliches scheint auch mit unserem Freund Gurk zu passieren.

Was ich von diesem Bändchen halten kann, habe ich schon zu den anderen Charity-Romanen geschrieben. Es sind eben nur etwas bessere Heftromane, keine Story mit Tiefgang, kein Charakterbuilding, keine anspruchsvollen technischen Erklärungen, also nicht wirklich _Science_Fiction. Es ist ein Bändchen für zwei, drei vergnügliche Stunden mit viel Action – wenn man also das sucht, wird man, wie so oft bei Hohlbein, hier gut fündig. Man könnte ihm sogar eine gewisse Message andichten wie den Kampf des Individuums und der Menschlichkeit gegen die obrigkeitshörigen und ameisenartigen Moroni, die blindlings ihren Befehlen folgen. Auch hier bleibt mir für die Bewertung nur der Vergleich mit den Vorgängerbänden und ich gehe um einen halben Stern auf 3,5/5 Sternen hinunter – vor allem weil hier so viele Fragen ungelöst bleiben und alles noch eine Stufe absurder wirkt.

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Leseabend am 04.09.2021

Guten Abend in die Runde!

Spontan habe ich mir überlegt, noch schnell beim Leseabend von Vanessa und Melli einzusteigen. Ich mache zwar (zumindest bisher) weder bei ihrer Leseaktion „Mein SuB kommt zu Wort“ mit, noch werde ich den ganzen Abend lesen können, aber zumindest ein paar Seiten lesen und ein paar Fragen zu beantworten habe ich mir vorgenommen. Es ist übrigens auch seit Dezember 2013 der erste Leseabend an dem ich teilnehme. Ist doch gerademal 7,5 Jahre her!

Also fangen wir mal mit der ersten Frage an:

18:00: Gleich drei Fragen auf einmal. Wow.

Was liest Du heute Abend? Ist es ein Buch aus Frage 4. der Aktion „Mein SuB kommt zu Wort“ oder hast Du Dir etwas anderes herausgesucht?

Heute Abend lese ich „Frühstück mit Kängurus“ von Bill Bryson weiter. Ich fange um Seite 250 an. Da ich nicht an der Aktion teilnehme, hat es damit auch nichts zu tun – ehrlich gesagt stammt das Buch nicht einmal von meinem SuB, es ist ein Re-Read. Die Rezi ist mit knapp 9 Jahren übrigens noch etwas älter, als meine letzte Lesenachtteilnahme.

Würdest Du der Einladung Deiner Protagonist:innen zu einer Einstandsparty folgen und was liefe dabei wohl für Musik?

Nun, es ist kein Roman. Bill Bryson spielt die Hauptrolle des Reisenden und vermutlich würden, weil er sich irgendwie beim Einstellen des Radios vertan hat, den ganzen Abend die schönsten Country-Hits der 50er, 60er und frühen 70er laufen. Was eine Freude.

Bei einer Einstandsparty dürfen Snacks und Getränke natürlich nicht fehlen. Was steht bei Dir heute bereit?

Hier steht außer einem Glas Wasser noch gar nichts bereit. Vielleicht folgt im Laufe des Abends noch etwas.

 

19:30

Wie gefällt Dir Dein Buch bisher? Ist es von Deinen Lieblingsautor:innen oder hast Du zuvor noch nichts von diesem Autor/dieser Autorin gelesen?

Bill Bryson ist einer meiner Lieblingsautoren. Neue Bücher landen fast zwangsläufig zeitnah auf meinem SuB – von daher konnte ich mir bei der Auswahl meiner Lektüre sehr sicher sein. Viele seiner Bücher habe ich schon mehrmals gelesen – das mache ich generell nicht so häufig. Für Frühstück mit Kängurus ist das das erste Re-Read seit meiner damaligen Rezi und deshalb kann ich das Buch mit immerhin 9 Jahren Abstand nochmal fast von vorne erleben. Ich finde das Buch noch immer ziemlich eindrucksvoll und spannend, frage mich fast 9 Jahre nach meinem ersten Lesen und gut 20 Jahre nach dem Erscheinen, wie es denn heute an den Orten aussehen möge und sehe es sehr skeptisch, dass das Buch in gut 100 Seiten schon wieder zuende ist. Also ja, es gefällt mir. Immernoch.

21:00

Meteorologisch hat bereits der Herbst begonnen. Freust Du Dich schon auf die gemütliche Jahreszeit mit Tee, Kuscheldecke und einem guten Buch?

„Herbst, das ist Sitzen auf dem Sofa  || Mit Ingwer-Tee statt Cola und der Strickjacke von Oma“

Ja, Herbst ist in Ordnung, aber irgendwie darf der gerne noch ein paar Wochen draußen bleiben. Hier ist es gerade dieser Tage nochmal richtig warm und da der Sommer ja stellenweise (also immer dann, wenn ich Zeit hätte, um ihn zu genießen) kühl und regnerisch war, wäre es doch ein guter Deal, wenn sich der Herbst nochmal einen Monat zurückhält und wir einstweilen noch etwas Sommer genießen.

22:00

Nach einem Update aus dem Maschinenraum werden mir eure Kommentare inzwischen auch angezeigt. Danke für die zahlreichen Kommentare bis hierher und auf zur vorletzen Frage:

Wir befinden uns schon in der zweiten Jahreshälfte! Welche Reihe möchtest Du in diesem Jahr gerne noch beenden?

Ohje, Reihen beenden? Das klingt nach Abschied. Ich müsste mich endlich mal aufraffen, den dritten Teil von Apocalypsis zu hören, der liegt hier noch als Hörbuch in der Audible-App herum. Ansonsten könnte ich mit der lockeren Zamonien-Reihe von Walter Moers mal auf den neusten Stand kommen, dazu muss ich mir aber erst noch den Bücherdrachen besorgen, der ist nämlich noch nicht hier eingezogen. Aber eigentlich habe ich keine großartigen Reihenabschlüsse eingeplant.

23:00

Und damit ist es schon wieder vorbei. Es ist ja auch nur ein Leseabend und keine Lesenacht. Dann also auf zur letzten Frage:

Fazit – Irgendwann ist leider auch die schönste Party zu Ende. Wie viel hast Du heute Abend gelesen?

Hast Du Anmerkungen zu unserem ersten gemeinsamen Leseabend? Was hat Dir gefallen, was würdest Du Dir für den nächsten Leseabend wünschen?

Schon wieder drei Fragen! Also, gelesen habe ich heute gute 80 Seiten – was okay ist, wenn man bedenkt, dass ich zwischenzeitlich noch einige andere Sachen erledigt habe. Vom Ende meines Buches trennen mich jetzt nur noch rund 70 Seiten, also scheint die Reise durch Australien sich jetzt wirklich dem Ende zuzuneigen.

Was den Leseabend angeht, fand ich ihn schön organisiert. Ich erinnere mich noch an früher, als bei Anka dutzende Blogs mitgemacht haben und man nur noch dabei war, bei anderen zu störbern – das war einfach durch die kleine Gruppe hier viel besser möglich. Auch dass die Fragen am Vorabend nicht stündlich kamen, hat mir gefallen – ich wäre sonst heute kaum hinterher gekommen. Danke an euch für die Organisation!

In diesem Sinne, einen Gute Nacht euch allen!

 

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Die Wolf-Gäng: Das Haus der Geister – Wolfgang Hohlbein

Now a Major Motion Picture. So steht es immer auf den frisch verfilmten englischen Büchern, die in neuem Gewand („Movie-Tie-In“) herausgebracht werden. Eine Tradition, die inzwischen auch in Deutschland um sich greift. Hier ist es aber etwas anders. Die Wolf-Gäng ist eine Buchreihe, die Hohlbein vor inzwischen knapp 15 Jahren geschrieben hat. Anfang 2020 erschien dann ein Film, der auf dieser Buchreihe basiert, aber offenbar eine eigene Geschichte erzählt – zumindest habe ich das so verstanden – und Ende 2020 stolperte ich zufällig über einen Doppelband mit den Originalbüchern. Okay, ich mag Hohlbein, los geht’s.

Das Buch beginnt mit einem Umzug. Der junge Vlad zieht mit seiner Familie in ein verlassenes Gemäuer in einem kleinen Ort. Von heute auf Morgen muss er sein altes Umfeld aufgeben und sich in einer neuen Umgebung eingewöhnen. Und diese Gegen, Crailsfelden, hat es in sich. Irgendwie sind alle Leute hier sehr seltsam. Der Umzug ging verdächtig schnell, Heinzelmännchen verunstalten sein Zimmer, er träumt von Gespenstern und anderen Wesen und sollte besser nicht alleine durch das laufen. Auch in der Schule, der Penner-Akademie wirkt alles sehr merkwürdig. Vor allem gestrig, wenn ich mir diesen pädagogischen Einwurf erlauben darf. Nun, Vlad findet ein paar Freunde – das sind so ungefähr die Außenseiter der Schule – und legt sich mit den stärksten Jungs, der ‚Schweinebande‘ an. Gibt Stress mit dem örtlichen Wachtmeister, dem freundlichen Schuldirektor Penner und irgendwie versteht Vlad die Welt nicht mehr. Es dauert dann wirklich noch eine ganze Erkundung durch die Burg – inklusive dramatischem Kampf gegen die bösen Schlossgespenster – bis Vlad endlich darauf kommt: Er ist ein Vampir! Er kann zwar kein Blut sehen, aber damit passt er ziemlich gut zu seinem Freund Wolf, einem Werwolf mit Tierhaarallergie und Faye, eine Fee mit Höhenangst.

Ich gebe zu, ich habe es etwas flapsig zusammengefasst, aber es entspricht ein wenig dem Leseergebnis. Ich wusste über das Buch ungefähr so viel wie den letzten Satz meiner Inhaltsangabe, aber das genügte eigentlich, damit ich wusste, worum es in diesem Buch geht. Und wenn ich das nicht hinbekommen hätte, sind die Namen (Vlad, Wolf und Faye) so plump, dass selbst derjenige, der die zahlreichen Anspielungen auf diese Fabelwesen nicht versteht, vor Vlad auf die Idee kommt, was mit ihm los ist. Generell ist die Handlung ziemlich flach, vieles bleibt erstmal nur vage erklärt und wird auch nicht final aufgelöst. Das liegt daran, dass dieser Band eigentlich nur eine ziemlich lange Exposition ist. Typischerweise wird ja zu Beginn einer Reihe erst einmal der Charakter und die zugehörige Welt etabliert, meistens in Verbindung mit der ersten Probe des Protagonisten, häufig endet die Exposition dann mit der Auslösung der Haupthandlung, also der großen Quest, die der Protagonist bestehen muss. Und das ist hier im Prinzip ähnlich, aber auch irgendwie nicht. Die große Quest wird nicht ersichtlich, das Protagonisten-Trio bildet sich allerdings wirklich und findet zusammen. Es folgen jetzt noch drei Bände, die jeweils scheinbar einzelne Geschichten rund um die drei erzählen und so gut ich die Geschichte des zweiten Bandes finde, so unspannend ist leider die Geschichte des ersten Bandes. Ich habe Band 2 zwischenzeitlich schon gelesen und glaube, es ist das erste Mal, dass mir in einer Reihe Band 2 besser gefällt als Band 1 – einfach weil man dem Protagonisten nicht 200 Seiten lang zubrüllen will, was es mit ihm auf sich hat und wieso er das einfach nicht verstehen will. Verständlich, dass man hier für den Film einige Veränderungen vorgenommen hat, denn die Grundidee der Buchreihe ist ja durchaus ziemlich spannend.

Insofern würde ich den ersten Band nur empfehlen, wenn ihr vorhabt, die ganze Reihe zu lesen – oder zumindest noch den zweiten Band zur Hand habt. Es sind auch wieder ein paar typische Hohlbeinismen drinne – komische Wesen aus dem Dunkeln, die ständig Kampfszenen initiieren; kleinere Logiklücken bzw. Handlungsaspekte, die für immer unaufgelöst bleiben, aber auch der ständig spannungsgeladene Schreibstil und die flüssige Erzählweise. Alles in allem denke ich, sind 3/5 Sternen angebracht.

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Infinitum: Die Ewigkeit der Sterne – Christopher Paolini

Ich habe noch nie ein Buch von Christopher Paolini gelesen. Ich weiß, dass er der Autor der erfolgreichen Eragon-Reihe ist, ich würde diese Reihe auch ganz gerne noch lesen, aber bis dato kam ich noch nicht dazu. Ich mag allerdings Sci-Fi. Und so war ich durchaus gespannt, als ich die Chance bekam, diesen Roman zu lesen, der in vielen Rezensionen häufig mit Eragon verglichen wird.

Wir werden direkt in die Welt hineingeworfen, in die Abschiedsparty einer Mission, in der Kira sich verlobt. Die beiden wollen sesshaft werden, nachdem sie seit einiger Zeit Planeten zur Kolonisierung vorbereiten. Unmittelbar vor dem Abflug, nachdem der Planet als geeignet befunden wurde, muss Kira nochmal los und eine Anomalie untersuchen. Dort findet sie eine seltsame Kammer, die eindeutig nicht natürlichen Ursprungs ist. Sie fällt ihn Ohnmacht und wacht erst auf dem Raumschiff wieder auf, wo sie einen Fremdkörper an ihrem Körper feststellt, einen biotechnischen Anzug, der sie wie eine Rüstung umgibt. Kurzum, ohne hier zu viel verraten: Ihre Entdeckung steht im Zusammenhang mit einem Krieg, der ausbricht und in dem Kira eine entscheidende Rolle spielt.

Ich bin mir insgesamt nicht so ganz sicher, was ich von diesem Buch halten soll. Ich mag grundsätzlich lange Romane, mag Science-Fiction recht gerne, habe auch nichts gegen Space Operas, finde aber auch Weltraumjagd ganz reizvoll. Dieses Buch will nirgendwo so recht passen. Stilistisch hat Paolini das Genre ganz gut getroffen, es liest sich wie ein normaler Science-Fiction Roman, auch die Motive sind zunächst wenig überraschend. Außerirdische Lebensformen, Jagd durchs Weltall, Xenobiologie, Kyroschlaf, Raumschlachten, Action auf fremden Schiffen – alles da. Und tatsächlich zündet die Grundidee ganz gut. Der erste Teil, bis der Krieg mit den Jellys beginnt, ist ziemlich spannend – allerdings deutet sich da mit dem starken Fokus auf dem personalen Erzähler und der sehr ausführlichen Einführung in die Welt schon ein Problem an: Das Universum bleibt ziemlich leer und farblos. Alles, was nicht für Kira relevant ist, wird nicht weiter beschrieben. Technologisch hat Paolini seine Hausaufgaben gemacht, da passieren keine aberwitzigen Begebenheiten, aber irgendwie bleibt die Geschichte etwas leer.

Es gibt zu diesem Buch drei Arten von Rezensionen. Eragon-Fans, die den neuen Roman super finden, Eragon-Fans, denen Infinitum zu viel Science-Fiction ist, aber Paolinis Stil mögen und Sci-Fi Fans, die sich über die fehlende Komplexität der Welt beklagen. Ohne mich hier zuordnen zu wollen, tendiere ich eher zur letzten Sichtweise. Eine große Stärke von Fantasy und Sci-Fi-Geschichten ist es in meinen Augen, wenn ‚die Bösen‘ nicht so eindeutig als böse gezeichnet werden. Wenn ihnen eine komplexe Gesellschaftsstruktur zugeschrieben wird und sie nicht das klischeehaft Schlechte sind. Orks sind nicht einfach nur böse Wesen, sondern verfügen über gesellschaftliche und kulturelle Strukturen. Natürlich ist es im Krieg nötig, sie zu bekämpfen, sie sind aber keine stumpfen Tiere, wie sie häufig gezeichnet werden. Ähnlich ist es mit Außerirdischen im Allgemeinen und den Jellys im Spezifischen. Sie wirken ein wenig wie eine farblose Kopie von Lovecrafts Kreaturen und bleiben eindeutig zu farblos. Mir drängte sich ein wenig der Vergleich mit Hohlbein auf, häufige Kampfszenen, eine nicht zu Ende erklärte Welt und eine weibliche Hauptfigur, die Dreh- und Angelpunkt der Welt ist – das kennt man aus einigen Hohlbein-Romanen. Paolini schreibt zwar insgesamt etwas anspruchsvoller, die Motive sind aber vergleichbar.

Was Paolini allerdings gelungen ist, ist der Comic Relief. Niemand möchte 900 Seiten trübsinnige Kriegsliteratur lesen, da bieten die Tiere auf dem Raumschiff und der etwas renitente Schiffscomputer gelegentlich eine willkommene Abwechslung. Auch dass das Militär, das eigentlich auf Seite Kiras sein müsste, eher als Gegner auftritt, hat mir recht gut gegangen, verleiht es dem ganzen Unterfangen noch etwas Anarchistisches. Dass der Held allerdings seine Heldentaten gegen die Autorität vollbringt, ist zwar spätestens seit Captain Kirk kein neues Motiv mehr, gefiel mir aber in diesem Kontext recht gut.

Ehrlich gesagt tue ich mir etwas schwer mit der Rezension, was nicht nur daran liegt, dass ich einige Zeit gebraucht hatte, bis ich die über 900 Seiten eng bedrucktes Bibelpapier gelesen hatte. Mir ist die Zielgruppe des Buches völlig unklar. Gestandene Sci-Fi-Fans wird das hübsche Cover nicht hinter dem Ofen hervorlocken, Paolini-Fans bekommen hier schon ein Sci-Fi Niveau zubereitet, das für Einsteiger des Genres rein technisch etwas herausfordernd sein könnte – wer bleibt da als Zielgruppe? Kurzum, wer einen netten Science-Fiction Roman mit wirklich hübscher Aufmachung sucht, wird mit Inifnitum nichts falsch machen. Eine uneingeschränkte Empfehlung kann ich aber auch nicht vergeben. Wenn euch das Buch in die Hände fällt, kann man damit durchaus einige Stunden Spaß haben, aber es ist, meiner Ansicht nach, kein Highlight. Es soll allerdings in diesem Universum noch mit anderen Geschichten weitergehen. Schauen wir mal, ob Paolini noch etwas mehr in das Genre reinwächst. Einstweilen bleibe ich bei 3,5/5 Sternen.

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Montagsfrage vom 02.11.2020

Guten Abend zusammen und Herzlich Willkommen zur – zugegebenermaßen – etwas verspäteten Montagsfrage:

Kann ein Autor auch ein guter Rezensent sein?

Wieso denn nicht? Das muss nicht immer gut gehen – ich finde Maxim Biller irgendwie schwierig – aber viele große Literaturkritiker:innen sind auch selbst schriftstellerisch tätig. Elke Heidenreich und Thea Dorn sind hier nur zwei Beispiele; im literarischen Quartett sitzen aber als Gäste regelmäßig bekannte Autoren, die dort auch als Kritiker auftreten. Klar, einen klassischen Literaturblog betreiben die wenigsten, aber gleichzeitig Autor und Kritiker sein, ist nicht unüblich. Auch in der Wissenschaft ist es ja so, dass man zugleich selbst schreibt und auch ‚Rezensent‘ ist, gerade weil man eben eine Expertise auf seinem Gebiet hat – warum sollte das in der ’normalen‘ Welt anders sein?

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute (Rest-)Woche und

Bis dahin!

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Metro 2034 – Dmitri Glukhovsky

Den ersten Band der Metro-Reihe habe ich vor inzwischen über 6 Jahren gelesen. Vor einiger Zeit fand ich dann in einem Bücherschrank eine recht hübsche Ausgabe des zweiten Metro-Bandes und dachte mir, es sei an der Zeit, in den Moskauer Untergrund zurückzukehren.

Glücklicherweise hat der zweite Band nicht so wahnsinnig viel mit Metro 2033 zu tun, vom Schauplatz abgesehen. Wir begegnen zwar Hunter wieder, aber das war es im Wesentlichen auch schon. Alles dreht sich zunächst um eine verschwundene Karawane, die der Sewastopolskaja verloren gegangen ist. Sie liefern Strom für die Hanse, sind aber auf einmal komplett von ihr abgeschnitten. Hunter, der erst seit Kurzem dort ist, macht sich zusammen mit dem alten Soldaten Homer auf den Weg, um herauszufinden, was los ist: Irgendwas an der Tulskaja, die abgeriegelt wurde. Über einen Umweg, bei dem die beiden das Mädchen Sascha aufgabeln, wollen sie die Tulskaja zerstören, aus einem Tagebuch erfährt Homer von einem Virusausbruch. Angekommen in der Hanse spielt noch der Musiker Leonid eine Rolle, der Sascha von einem Heilmittel gegen das Virus erzählt.

Viel mehr möchte ich an der Stelle nicht verraten, das Setting dürfte aber den Leser:innen des ersten Bandes bekannt sein. Ein ganz interessanter Zufall ist, dass es in diesem Buch um ein Virus geht und ich genau in diesem Jahr auf die Idee kam, es zu lesen – ich hoffe jedoch sehr, dass in unseren Straßenzügen keine Flammenwerfer benötigt werden.

Was ich von Metro 2034 halten soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Dass mich keine freundliche Welt erwartet, war mir durchaus bewusst und ich finde auch das Setting nach wie vor gelungen. Ein verstrahltes Europa mit Mutanten und anderen Wesen; die Menschheit versucht sich in der Metro am Leben zu erhalten; es entsteht eine gesamte Weltgesellschaft auf kleinstem Raum – diese Idee wird hier weiter ausgeführt. Die interessanteste Figur der Geschichte scheint mir Homer zu sein, der so genannt wird, weil er versucht, eine Chronik des unterirdischen Lebens zu verfassen, alles aufzuschreiben und Geschichten zu erzählen. Mit ihm und dem Musiker Leonid spielt die Kultur eine tragende Rolle in diesem Roman. Das Motiv der Universität, in der es ein Gegenmittel geben soll, die aber unerreichbar ist, spielt auch auf diese Kultiviertheit an. Es ist letztlich der Gegensatz zwischen der selbsterhaltenden Natur des Menschen und der nicht nur der Erbauung dienenden Kultur, die den Menschen erst zum Menschen macht. Gerade weil Kultur in unserem Leben omnipräsent ist und sie in der Metro trotz vollständig künstlich geschaffener Lebenswelt die Ausnahme ist, könnte man diese Welt und dieses Buch im Speziellen als Konflikt zwischen der Natur (Hunter) und Kultur (Homer) sehen, die sich zusammentun, um den Menschen zu erhalten.

Die Geschichte selbst ist nicht ganz einfach zugänglich. Mir fällt es schwer, die Stationsnamen immer richtig zuzuordnen und ich blättere gefühlt alle drei Seiten zum Stationsplan zurück, um nachzuvollziehen, wo wir gerade sind – die vielen Parallelgeschichten machen es auch nicht einfacher. Irgendwie fehlte mir zwischendrin auch die Motivation, weiterzulesen, die Spannungsmomente des ersten Teils kamen nicht so wirklich auf. Auch die Geschichte selbst riss mich nicht so vom Hocker, wie ich es vom ersten Teil in Erinnerung hatte. Der Plot selbst ist zwar ziemlich gut, aber richtig zünden wollte es bei mir nicht. Auch andere Rezensenten hatten dieses Gefühl, der Band gilt als schwächster der Trilogie. Das weckt in mir zwar die Lust, auch den dritten Band zu lesen, eine Garantie, dass das innerhalb der nächsten sechs Jahre passiert, gibt es aber dennoch nicht.

Ich vergebe an dieser Stelle mal 3/5 Sternen. Glukhovsky schreibt gut, die Innenwelten der Charaktere sind gut dargestellt und der Plot gibt einiges her – bei mir konnte es aber leider nicht zünden, obwohl ich den ersten Band sehr mochte.

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Herkunft – Saša Stanišić

Den Deutschen Buchpreis im Jahr 2019 gewann Saša Stanišić mit seinem Roman Herkunft. Ich habe mir das Buch – wie in jedem Jahr – sofort bestellt und es – wie in jedem Jahr – neun Monate später gelesen, sodass ich pünktlich zur Bekanntgabe des Gewinners 2020 hier vermelden kann, dass der Preis 2019 an ein gutes Buch vergeben wurde. So läuft das hier schon seit einigen Jahren und so geht es auch in diesem Jahr weiter.

Üblicherweise fange ich hier mit einer kurzen Darstellung des Inhalts an. Hier möchte ich aber kurz mit Roland Barthes beginnen, der 1967 postulierte, dass der Autor für die Literatur keine Bedeutung hat und der Sinn nur vom Leser konstruiert wird. Barthes kritisierte dabei den Fokus auf die biographische Deutung eines Romans. Traditionelles Beispiel aus dem Deutschunterricht ist die Deutung von Kafkas ‚Urteil‘, die viel zu oft einzig auf die Beziehung Kafkas zu seinem Vater hin verengt wird.

Was hat das mit Herkunft zu tun? In Herkunft geht es um einen jungen Mann der auf den Spuren seiner Großmutter ist und dabei seine Geschichte erzählt. Er erzählt von seiner Jugend in Jugoslawien, dem beginnenden Krieg, der Flucht nach Deutschland, seinem Weg, in Deutschland Fuß zu fassen und schließlich seinem Erwachsensein, seiner Karriere als Schriftsteller und wie er versucht, mit seiner im Sterben liegenden Großmutter seine Herkunft zu erkunden. Diese zwei Handlungsstränge – Ankommen in Deutschland und Erkunden der Herkunft – sind miteinander verwoben und kulminieren in einem „Choose your own Adventure“-Finale, ‚Der Drachenhort‘.

Um ehrlich zu sein, der Plot der Geschichte wäre eigentlich eher mittelmäßig: Kriegsflüchtling ist in Deutschland gut angekommen und macht sich auf die Suche nach seinen Vorfahren. Und es ist jetzt auch nicht so, dass in der Geschichte wahnsinnige Spannung aufkommt und man darauf wartet, dass endlich die Auflösung kommt. Der Roman lebt von seiner Authentizität, davon, dass der Autor nicht tot ist. Davon, dass Saša in seiner Rede beim Gewinn des Buchpreises Tränen in den Augen hat und davon spricht, dass er „Glück hatte, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt“.  Davon, dass er bei einer Lesung in Heidelberg denjenigen Sachbearbeiter auf die Bühne holt, der ihm das Studium in Deutschland ermöglicht hat – was er in Herkunft beschreibt.

Herkunft ist autobiographisch durch und durch und erzählt eigentlich keine Geschichte aus einer anderen Wirklichkeit, sondern eine wahre Geschichte. Und das ist es, was das Buch so besonders macht: Das naive Erzählen und Spielen mit Sprache, wie es nur jemandem gelingt, der aus irgendeinem Grund Sprache mehr als nur als Werkzeug begreift. Ich hatte einige Jahre einen Bürokollegen, der eigentlich nichts mit Saša gemein hat, abgesehen davon, dass Deutsch nicht seine Muttersprache war und er in Deutschland Deutsch studiert hat. An ihn musste ich denken, wenn  Saša Stanišić in seinem Buch über Sprache reflektiert und mit ihr spielt.

Letzten Endes ist aber auch die Geschichte des Buchs sehr bewegend. Sei es das Unverständnis, warum es wichtig ist, ob man sich als Moslem oder Serbe versteht, sei es die Beschreibung des Lebens in Višegrad damals und heute oder sei es das Ankommen in Deutschland. Zwar ist der Bosnienkrieg seit über 25 Jahren passé; er wirkt in den Köpfen der Betroffenen bis heute nach. Und sei es nur deswegen, weil es das Land, in dem man seine Kindheit verbracht hat und den Fußballverein, mit dem man mitgefiebert hat, heute schlichtweg nicht mehr gibt.

Wie angekündigt, kann ich also nur sagen, dass Herkunft ein großartiger Roman ist und ich ihn schon hätte viel früher lesen müssen. Praktischerweise kann ich euch aber jetzt direkt das neu erschienene Taschenbuch empfehlen, das immerhin zehn Euro günstiger ist. Ich mache mich dann mal auf die Suche nach weiteren Romanen von Saša Stanišić und verbleibe hier mit 5/5 Sternen.