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Montagsfrage vom 21.09.2020

Guten Abend zusammen und Herzlich Willkommen zur Montagsfrage:

Wie wichtig sind euch Book Awards?

Buchpreise. Also nicht das Geld, dass einem die Verlage aus den Taschen ziehen, sondern Auszeichnungen. Nur, um das klarzustellen.

Ich verfolge eigentlich nur den Deutschen Buchpreis, der vom Börsenverein ausgelobt wird, sozusagen das Frankfurter Gegenstück zum Preis der Leipziger Buchmesse. Den Sieger kaufe ich mir regelmäßig, lese ihn ein halbes Jahr später und finde ihn meistens ziemlich gut. Das geht jetzt seit einigen Jahren und so wirklich schlechte Bücher sind mir da noch nicht untergekommen. Aber natürlich ist ein Großteil meiner Literatur eher Unterhaltungsliteratur während der Buchpreis ja eher mit hoher Kunst assoziiert ist. Für mich ist der Buchpreisgewinner meine Dosis Hochkultur im Jahr. Nobelpreis oder die amerikanischen und englischen Buchpreise gehen meistens mit einem ‚Och joa, könnte man ja auch mal Lesen‘ an mir vorbei (wenn nicht gerade Peter Handke prämiert wird…).

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und wir lesen uns sicherlich zeitnah wieder.

Bis dahin!

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Montagsfrage vom 14.09.2020

Guten Abend zusammen und Herzlich Willkommen zur Montagsfrage:

Nehmt ihr dieses Jahr an der Frankfurter Buchmesse teil?

Gute Frage. Zählt das Schauen des Buchpreis-Verleihungs-Livestreams? Ich werde nicht nach Frankfurt fahren, wenngleich das tatsächlich im Verhältnis zu den meisten anderen Bloggern nur ein Katzensprung von mir entfernt ist. Ob ich an irgendwelchen Online-Angeboten teilnehmen will oder werde, weiß ich derzeit noch nicht, ich werde sicherlich mal einen Blick hineinwerfen, ein paar Sachen interessieren mich doch immer auf der Buchmesse.

In diesem Sinne noch eine schöne Woche.

Bis dahin!

 

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Fletcher Moon – Eoin Colfer

Fletcher Moon – Eoin Colfer

Wer diesen Blog verfolgt, hat sicherlich mitbekommen, dass ich Eoin Colfer ganz gerne lese. Das ist übrigens keine ganz neue Angewohnheit von mir, sondern ist seit ungefähr 15 Jahren der Fall. Und wie ich es auch bei Hohlbein versuche, will ich auch von Colfer nach und nach mehr Bücher lesen, auch solche, die ich nicht schon aus meiner Kindheit kenne. Also heute: Fletcher Moon.

Fletcher Moon ist Detektiv. Zumindest hat er unter dem Namen seines Vaters, der praktischerweise auch sein Name ist, einen Online-Lehrgang bestanden und hat ein Detektiv-Abzeichen erhalten. Sherlock Holmes ist sein großes Vorbild und er löst seine Fälle am liebsten in aller Ruhe, zurückgezogen. In der Schule wird er häufig als Außenseiter abgestempelt. Dann wird er plötzlich von einer Klassenkameradin für einen Diebstahl arrangiert und er muss erkennen, dass der Detektivalltag weitaus weniger entspannt ist. Irrtümlich verdächtigt er den jungen Sharky, der aus einer schlechten Familie kommt, doch der Fall, der sich dann aufspannt, bringt ihn nicht nur ins Krankenhaus und um ein Haar ins Gefängnis, sondern auch noch zu einer ganz anderen Verschwörung in seiner Schule. Einen kleinen Perspektivwechsel inklusive ermittelt Fletcher und kann die Verschwörung aufdecken und seinen zwischenzeitlich angeschlagenen Ruf rehabilitieren.

Fletcher Moon ist Krimi, der an der Schwelle zwischen Kinder- und Jugendbuch steht, aber auch mir, der ich dem Jugendalter entwachsen bin, Spaß gemacht hat. Die Handlung ist für ein Jugendbuch verhältnismäßig komplex, es gibt doch mehr als eine interessante Wendung und vieles ist anders, als es im ersten Augenblick scheint. Dabei ist das Tempo insgesamt ziemlich hoch, am Anfang dauert es ein wenig, bis es wirklich spannend wird – die Charaktere müssen ja zunächst noch eingeführt werden – am Ende geht es dann aber wirklich Schlag auf Schlag. Es ist ein Krimi, der an einer britischen Schule angesiedelt ist, die Schule ist der Ausgangspunkt für das Abenteuer und die typischen Schülerfiguren sind auch Handlungsträger. Wie es aber bei Eoin Colfer häufiger vorkommt – man denke an den genialen Verbrecher Artemis Fowl – sind die allermeisten Figuren vielschichtiger als zunächst gedacht; fast jede Figur hat noch irgendeine andere Seite, sei es der böse Sharky, der am Ende doch gar nicht so böse ist oder es Fletcher, der auf einmal nicht mehr nur mit seinem Kopf fälle lösen kann. Etwas schade ist es, dass es keinen zweiten Teil gibt, das Ende des ersten Teils impliziert eigentlich eine Fortsetzung, die es aber leider nur als Serie gibt, nicht als Buch. Ich hätte eine Fortsetzung in jedem Fall gerne gelesen.

Fletcher Moon ist vermutlich kein Triple-A-Titel und wurde auch nie so vermarket. Dabei hat der Roman alles, was ein guter Krimi – oder eine gute Krimiserie – für Kinder braucht. Identifikationsfiguren für junge Krimifans, eine Message, die angenehm unaufdringlich im Hintergrund bleibt, genug Humor um zu unterhalten und natürlich einen spannenden Plot mit spannenden Wendungen. Dass Eoin Colfer schreiben kann, braucht auch nicht diskutiert zu werden. Vermutlich ist Fletcher Moon damals einfach untergegangen und der Verzicht auf die übersinnlichen Elemente kam im Laden nicht so gut an. Ich kann Fletcher Moon daher, gerade in Deutschland, als Geheimtipp absolut empfehlen und vergebe 4,5/5 Sternen. Beachtet aber, dass ihr euch den Titel antiquarisch besorgen müsst, denn nach ein paar Neuauflagen ist der Titel schon seit Jahren außer Handel – auch ein eBook gibt es nicht.

 

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Montagsfrage vom 07.09.2020

Guten Abend zusammen,

nach einiger Zeit ist die Montagsfrage zurück und das heißt, ich kann wieder zumindest halbwegs regelmäßig einen Post am Montag liefern – heute mit folgender Frage:

Macht ihr Gebrauch von Lese-/Bücherboxen oder könntet ihr es euch vorstellen?

Ich nehme an, es sind sowas wie diese Deluxe-Boxen in der Musik die Rede? Buch plus Merchandise-Gedöhns für viel Geld, um mehr Umsatz zu generieren und höher zu charten. Ist das bei den Bestsellerlisten auch so, dass es nicht nach Einheiten, sondern nach Umsatz geht? Oder einfach nur eine Idee, um mehr Geld zu verdienen? Ich weiß es nicht und bekomme davon (offensichtlich…) auch nicht so viel mit.

Würde ich sowas kaufen? Von meinen Lieblingsautoren vielleicht schon. Aber eigentlich eher nicht. Kommt auch immer auf den Inhalt an – für ein signiertes Exemplar würde ich ein paar Euro mehr ausgeben, irgendwelche billigen Textilien aus Bangladesh oder Ähnliches muss ich nicht haben.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Zeit und bis spätestens nächsten Montag!

 

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Lyrikfresser: Himalaya von Dschinghis Khan

Ich hatte neulich einen seltsamen Ohrwurm, der mich dazu gebracht hat, mein eigenes Blog-Imprint ‚lyrikfresser‘ wiederzubeleben. Meine Eltern hatten eine Best of Dschinghis-Khan CD und wie es bei einer Band mit zirka drei erfolgreichen Liedern ist, wurde diese CD mit allen nicht gecharteten Singlen aufgefüllt, darunter auch ‚Himalaja‘, 1983 erschienen, rotierte kurz in den Airplay-Charts, konnte sich aber nicht in den Single-Charts platzieren – das zugehörige Album übrigens auch nicht. Der Zenit war überschritten, Ralph Siegel und Bernd Meinunger haben sich für dieses Lied, das übrigens so ähnlich wie Nicols „Ich hab dich doch lieb“ aus dem selben Jahr klingt, auch nicht wirklich ins Zeug gelegt. Ich nutze jetzt mal für die Besprechung ein Format, dass ich mir vom lieben Bodenski abgeschaut habe – ich hoffe, er nimmt es mir nicht übel.

Über die Musik will ich hier gar nicht viel erzählen verlieren – es ist Schlager-Pop, das ist und bleibt Geschmackssache.

Basislager, morgens um vier
Kalter Atem, der zu Eis gefriert.
Himalaja – die Sonne geht auf
Und zwei Männer wollen hoch hinauf
Dorthin wo noch niemand war – der Gipfel ist nah.

Nach Moskau und Rom nehmen sich die Pseudo-Mongolen also mal wieder ein geographisches Thema vor. Gerademal 32 Wörter reichen hier für eine Strophe. Bernd Meinunger schafft es aber mit den ersten zwei Zeilen eine Stimmung aufzubauen, die die Situation des Songs rahmen. Wir sind oben an einem der legendären 8000er, zwei Männer auf dem Weg nach oben, um das ultimative Freiheitsgefühl zu erfahren. Diese Sehnsucht treibt sie kompromisslos an. Die Reime sind nicht wirklich kunstvoll. Vier auf gefrier(t) ist noch ganz nett, auf und hinauf sowie wa(r) und nah sind aber so banal, dass wir lieber schnell weiterschauen.

Himalaja ist der alte Traum
Dort oben völlig frei zu sein.
Himalaja ist der wilde Rausch
Der Kampf mit Sturm und Dunkelheit.
Himalaja ist die Einsamkeit (Himalaja)
Der Frieden dort wo niemand war (Himalaja)
Himalaja, wer die Angst besiegt (Himalaja)
Der ist dem Himmel nah.

Der Refrain ist länger als die Strophe! Davon zwar siebenmal Himalaja, das konsequent falsch ausgesprochen wird. Vor allem prügelt aber der Refrain die tolle erste Strophe nieder. War da noch eine ganz bestimmte Stimmung mit einer ganzen Geschichte, die in zwei Dutzend Worten erzeugt wird, ist es hier Geprügel. Alle Deutungsideen der ersten Strophe werden hier schonungslos offengelegt. Traum von Freiheit, Adrenalinrausch, gegen alle Gefahren, Sieg gegen die Angst. Und das auch noch schlecht gereimt. Dass das ziemlich auf Mitsing- und -klatschbarkeit getrimmt ist, muss nicht erwähnt werden.

Gipfelstürmer – was ist der Preis
Für die Sehnsucht, die dein Herz zerreißt?
Immer höher gegen den Wind
Und vom grellen Schnee die Augen blind.
Plötzlich schlägt das Wetter um
Und dann kommt der Sturm.

Preis auf zerreiß(t) ist der beste Reim bisher! Wind und blind gehen auch in Ordnung und die letzten beiden Verse hätte ich erst gar nicht gereimt, um ihre besondere Stellung auszudrücken. Hier haben wir es eigentlich mit der Klimax der Geschichte zu tun. Die beiden Männer sind aufgebrochen, kämpfen gegen den Schneefall und auf einmal zieht ein Sturm auf. Auf dieser Höhe sind die Gewitter nicht mehr vorhersagbar und jeder, der aufbricht, ist sich dieser Gefahr bewusst. Hier ist es nun passiert.

Einer kehrt um Einer bleibt zurück
Aber der Berg bleibt ungerührt und unbesiegt.

In der Bridge dann die Auflösung. Einer ‚survived to tell the tale’, die Mythenbildung über den Berg wird weitergehen, er ist ungeschlagen, einer ist dem Berg zum Opfer gefallen. Ich verstehe den Reim wohlwollen als ‚zurück‘ auf ‚ungerührt‘, dann steht der Nachsatz ‚und unbesiegt‘ sozusagen als grande finale am Ende des Textes.

Bernd Meinunger sagte mal über seine Texte, dass der Text außer der Titelzeile nur Füllmaterial und gleichzeitig, wie viel Spaß es mache, für Dschinghis Khan zu schreiben, da man dort nie eine Botschaft transportieren musste. Dieser Song hat in meinen Augen einen wirklich schwachen Refrain, aber starke Strophen. Er erzählt eine gute Geschichte – ohne Message aber in den Strophen durchaus mit Atmosphäre. Wenn das 4/4 Hintergrundgegrummel vom Schlagzeug nicht wäre, kämen fast Emotionen auf. Aber leider ist die Bridge musikalisch so furchtbar, dass sie den schönen Text ziemlich kaputt macht. Schade, aber ein interessantes Studienobjekt für uns.

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Monatsliste von Juni und Juli 2020

Es sind schon wieder zwei Monate vergangen, seit ich das letzte Mal von meinen Lesestatistiken erzählt habe. Damals habe ich es schon zusammengelegt, weil es mir doch etwas viel vorkam, für diese kurzen Listen jeweils einen Beitrag zu verfassen und so ist es leider in diesen Monaten auch. Wenn mal wieder etwas mehr zusammenkommt, gibt es vielleicht auch wieder einzelne Beiträge, bis dahin beibe ich vorerst bei diesem Format. Ich habe meinen Artemis-Fowl Re-Read weiter geführt und noch ein neues Buch von Eoin Colfer entdeckt, sowie ein Kinderbuch von Hohlbein, das mir zugeflogen ist, gelesen. Letzteres war zwar ganz süß, ersteres war aber sicherlich ein Highlight. Hier also die mal wieder etwas ernüchternden Zahlen:

Gelesen (im Juni):
Artemis Fowl: Die verlorene Kolonie – Eoin Colfer (Re-Read, 352 Seiten)

Gelesen (im Juli):
Fletcher Moon – Eoin Colfer (coming soon, 317 Seiten)
Norg: Im Tal des Ungeheuers – Wolfgang Hohlbein (coming soon, 171 Seiten)
Gesamt im Juli: 488 Seiten

Neuzugänge: keine

 

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The Standard of Living – Dorothy Parker

Der Name Dorothy Parker kam mir durchaus bekannt vor, wenngleich ich kein konkretes Werk mit ihm verbunden habe. Sie ist eine recht bekannte amerikanische Schriftstellerin, die überwiegend Lyrik und Kurzgeschichten veröffentlicht und Drehbücher geschrieben hat, einen Roman hat sie nie vollendet. Die hier vorliegende Kurzgeschichte wurde tatsächlich übersetzt, ihr deutscher Titel lautet „Der Lebensstandard“. Das ist insofern bemerkenswert, als dass es gar nicht einfach ist, deutschsprachige Informationen über diese Geschichte zu finden, obwohl die Geschichte im amerikanischen Raum offenbar häufig als Schullektüre herhalten muss.

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt. Zwei Stenotypistinnen gehen durch die Stadt und spielen das „Was würdest du mit einer Million Dollar machen“-Spiel. Sie müssen allerdings jeden Cent für sich selbst ausgeben. In einem Schaufenster entdecken sie eine Perlenkette und denken darüber nach, diese zu damit zu kaufen – beim Schätzen des Wertes liegen sie allerdings weit daneben, denn wie der Ladeninhaber ihnen erklärt, liegt der Preis nicht bei angenommenen 1000 Dollar, sondern bei einer Viertelmillion. Etwas davon überwältigt beginnen sie eine neue Runde des „Was würdest du mit zehn Millionen Dollar machen“-Spiels.

Ich habe ja ein wenig recherchiert und man findet in den englischsprachigen Hausaufgabenhilfeseiten einige Interpretationsansätze, die sich teilweise sehr detailliert mit dem Verhältnis der Figuren, ihrem Materialismus und Hedonismus auseinandersetzen und den Kontrast zwischen den fleißigen, korrekten Stenotypistinnen, die mit ihrem Einkommen ihre Familie unterstützen und dem träumerischen Materialistinnen darstellen. Dem Gedankenspiel, was man mit einer hohen Geldsumme machen würde, hat sich aber wahrscheinlich fast jeder schon mal hingegeben.

Interessant finde ich besonders das Verhältnis der Frauen zur Großstadt. Sie sind sich bewusst, dass echte Perlen sehr teuer sind und 1000 Dollar sind scheinbar das Höchste, was für sie greifbar ist. Bei ihrem Wochenlohn müssten sie dafür über ein Jahr arbeiten.  Die Million Dollar übersteigt ihre Vorstellungen so ungemein – sie liegt bei dem Tausendfachen dessen, was für die zwei schon nicht mehr greifbar ist, weshalb es auch kein Problem ist, den Betrag an die Realität des doch viel teureren Großstadtluxus anzupassen. Die extremen sozialen Unterschiede werden hier, ohne dass es explizit Thema ist, wie ich finde sehr fein und artistisch herausgearbeitet.

Dabei leben die beiden scheinbar gar nicht in Armut. Sie leben zuhause, geben die Hälfte ihres Lohns zuhause ab, aber Lippenstift und Nagellack sind für sie keine Fremdwörter; trotzdem ist die Situation, in der sie sich befinden, prekär. Sie arbeiten ungebührlich viel, können sich davon keine Wohnung leisten, geschweige denn eine Familie ernähren und das Leben in der Großstadt ist maximal weit von ihnen entfernt.

Ich weiß nicht so genau, was ich von der Geschichte halten soll. Sie ist großartig geschrieben, und in ihrer Alltagsbeobachtung präzise und überraschend konkret. Ob ich sie jetzt unbedingt als deutsche Schullektüre empfehlen würde, weiß ich nicht, zumal man sicherlich zum tiefen Verständnis etwas mehr Hintergrundwissen aus dem Leben in New York im 20. Jahrhundert braucht – Hintergrundwissen, das ich leider auch nur in Ansätzen habe, sodass ich die eigene Lektüre der Geschichte empfehle. Je nach Ausgabe sind es auch nur drei Seiten.

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Montagsfrage vom 27.07.2020

Hallo zusammen und herzlich Willkommen zur Montagsfrage:

Welches Buch aus einem Genre, das du eigentlich nicht magst, magst du?

Darf ich für Genre auch Epoche einsetzen? Ja? Okay, dann kommen wir mal zur (deutschen) Barockliteratur. Überwiegend nicht so meins. Die Lyrik ist zwar irgendwie relevant aber auch irgendwie schwer und obwohl der Simplicissimus noch eine gewisse Leichtigkeit transportiert, wurde ich mit ihm nie warm. Absurda Comica von Andreas Gryphius hingegen fand ich sehr amüsant. Ein faszinierendes Stück rund um eine mittelmäßige Schauspieltruppe und eine ziemlich frühe Shakespeare-Hommage. Absolut lesenswert (und ziemlich gut verständlich für Barockliteratur).

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und bis dahin!

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Brandmal – Florian Hilleberg und Mark Benecke

Im Rahmen des John Sinclair Jubiläums vor einigen Jahren erschienen im Lübbe-Verlag eine Reihe von Romanen, die John Sinclair als Protagonisten haben, aber auf voller Romanlänge einen komplexeren Fall darstellen. Zwei dieser Romane, einen Doppelband von Wolfgang Hohlbein habe ich bereits hier auf diesem Blog besprochen. Ich bin kein ausgewiesener John Sinclair Fan und wenn ich den vierten Band noch lesen sollte, dann vermutlich nur aus dem Anspruch der Vollständigkeit heraus.

Dennoch, den dritten Band musste ich allein aus dem Grund lesen, dass der von und mit Mark Benecke ist. Benecke ist Kriminalbiologe und eine durchaus prominente Figur, der sich auch häufig mit scheinbar übersinnlichen Ereignissen auseinandersetzt. Und so auch in diesem Buch:

Gleichzeitig passieren in London und in Berlin seltsame Todesfälle. Menschen beginnen scheinbar aus dem Nichts in Flammen aufzugehen. Manchmal ist nachvollziehbar, dass sie einem hellen Licht ausgesetzt waren. John Sinclair in London und Harry Stahl in Berlin sind verhältnismäßig ratlos. Auch der in Deutschland dazugerufene Mark Benecke kann sich noch keinen wirklichen Reim auf die Verhältnisse machen. Er kennt das Phänomen der spontanen menschlichen Selbstentzündung zwar, aber meistens lässt sich das durch irgendwelche Feuerquellen im Raum erklären. Nachdem sich Stahl und Sinclair vernetzt haben, wird klar, dass die Opfer sämtlich Urlaub in der Slowakei gemacht haben und zwar an einem See in der Nähe der ungarischen Grenze. Ich will an dieser Stelle gar nicht so viel spoilern, wie die Geschichte weitergeht, aber ich lasse mal den Namen Bathory fallen, der im Verlauf des Romans noch eine Rolle spielt.

Bleiben wir am Boden: John Sinclair ist Trivialliteratur. Und auch der Roman ist trotz historischer Anleihen sicherlich kein Titel für das Feuilleton. Aber es macht Spaß, ihn zu lesen. Mark Benecke ist als Romanfigur unglaublich sympathisch umgesetzt und die Idee, sich selbst in eine Geschichte hineinzuschreiben, fand ich sehr amüsant. Da nervt Sinclair mit seinem übersinnlichen Silberkreuzgependel fast ein wenig, ich will mehr über Mark lesen! Es ist durch und durch ein spannender Roman, es gibt alle paar Seiten spannende Szenen und wenn in der Haupthandlung gerade wenig passiert, gibt es Zwischenblenden, die auf die Lösung des Falls hinweisen. Das Motiv des Vampirismus passt natürlich zu Mark, der sich damit hobbymäßig beschäftigt und ist auch für John Sinclair ein guter Fall. Ein bisschen blass bleiben die Frauenfiguren in dem Roman, die über weite Strecken nur als Sidekick fungieren – gerade Ines‘ Rolle hätte man sicher noch über den gesamten Verlauf ausbauen können.

Eine Sache am Roman fand ich etwas schwierig: John Sinclair ist der Ich-Erzähler des Romans. Alle anderen Szenen, in denen er nicht auftaucht, sind auktorial erzählt – so etwa der ganze Beginn des Romans, bis sich beide Teams in der Slowakei treffen und auch später sind meistens zwei Teams unterwegs, in denen ständig die Erzählinstanz wechselt. Es wäre meines Erachtens für den Lesefluss angenehmer gewesen, hätte man durchgängig die auktoriale Erzählinstanz gewählt.

Insgesamt kann ich aber die Lektüre auf jeden Fall empfehlen. Mit knapp 450 Seiten hat die Geschichte genug Zeit, sich auszubreiten und obwohl man vielleicht im hinteren Teil die Kampfszenen etwas überzogen dargestellt hat, sind mir keine wesentlichen Längen aufgefallen. Vielleicht könnte man argumentieren, dass sich der Anfang etwas zieht, aber es ist sicherlich nötig, die Konstellation in der Slowakei schlüssig zu erklären – es gibt ja schon etwas räumliche und… sagen wir… wissenschaftstheoretische Distanz zwischen John und Mark. Diese verschiedenen Überzeugungen machen den Roman aber zu einer nicht nur spannenden, sondern auch sehr amüsanten Lektüre, die vielleicht nicht zu meinen Lieblingsbüchern zählt, aber nicht nur für Sinclair- oder Benecke-Fans empfehlenswert ist, sondern grundsätzlich jedem, der Spaß an etwas übersinnlichen Geschichten, Vampiren und guter Unterhaltung hat, zu empfehlen ist. Dafür gebe ich 4/5 Sternen.

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Montagsfrage vom 13.07.2020

Guten Abend zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage,

Welche Tipps würdet ihr jungen (Literatur/Buch-)Bloggern geben?

Habe nur ich das Gefühl oder nennt mich die Montagsfrage gerade alt? Also, etwas aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz eines 8-jährigen Veteranen der Blogosphäre? (*ja, ich habe davor auch schon mehr oder weniger regelmäßig gebloggt, also insgesamt sind es wohl so 11 Jahre)

Haha. Hahaha. Ich habe doch keine Ahnung davon! Zu meiner wirklich aktiven Zeit war Influencer noch eine Viruserkrankung und der erfolgreichste Blog im deutschen Internet der vom Niggemeier. Unser Impressum hatte noch die Phrase zur Haftung von Links drinne und Cookies waren für uns brit-o-philen eher Biscuits. Okay, stop. Alter Mann erzählt vom Krieg.

Also, zweieinhalb Sachen: Erstens: Wenn ihr Sachen ins Internet schreiben wollt, tut es. Wenn ihr das ernsthaft machen wollt, beschäftigt euch mit dem Medium in technischer und rechtlicher Hinsicht. Wenn ihr nur ab und zu ein Tagebuch schreibt, sucht euch einen Gratis-Anbieter und lest da die FAQ, wenn ihr mehr draus machen wollt, besorgt euch Webspace, Domain und lernt, was die DSGVO von euch verlangt.

Zweitens: Übertreibt es optisch nicht. Blinkende Schrift und Glitzerelemente waren schon damals, als ich angefangen habe, uncool. Custom-Mauszeiger-Gedöhnt und verschnörkelte Schriftarten nerven ebenfalls. Klares, hübsches Design, Fokus auf den Inhalt. Der ist eh wichtiger.

Und übrigens: Wenn ihr die Nummer nur wegen des Geldes macht – lasst es bleiben. Die goldenen Zeiten, als Blogger Geld zu verdienen sind vorbei. Vielleicht gab es sie auch nie und die Influencer-Zeit hat oldschool-Blogger einfach übersprungen.

In diesem Sinne, noch eine schöne Woche. Und lernt das Bloggen im Zweifelsfall nicht von mir 🙂

Bis dahin!