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Aufziehmädchen Emma – Stefan Steinmetz

k-2016-05-16 16.08.10‚Hättest du nicht Lust, einen Steampunkroman zu lesen‘, fragte mich der Autor per Mail. ‚Klar gerne‘, antwortete ich und dachte erst nach Erhalt des Buches ‚Was ist eigentlich Steampunk?‘. Inzwischen, nach der Lektüre dieses Buches, weiß ich es und keine Sorge, wenn ihr weiterlest, werde ich es euch auch verraten.

Alles dreht sich um Emma. Emma ist die Tochter eines Professoren Heisenberg, der sich ein Luftschiff mietet, um einen neuen Kontinent zu ent- und sich mit Silber von dort einzudecken. Emma assistiert ihrem Vater, spricht zahlreiche Sprachen, zeichnet exzellent und ist generell stets an der Seite ihres Vaters. Und, was man auch recht schnell merkt, sie ist halb mechanisch. Nach einem Attentat auf sie hat ihr Vater ihr ein mechanisches Herz, eine mechanische Lunge und ein künstliches Auge eingebaut. Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass ihr Vater diese Mechaniken nutzt, um sie zu konditionieren, um sie gefügig zu machen – denn er hat die Kontrolle über ihren Aufziehschlüssel. Auch die Luftschiffbesatzung wird darauf aufmerksam und so nutzt sie die Situation auf dem Luftschiff auf, um Emma im Rahmen ihres Möglichen einige Freiheiten zu gewähren. Immer mehr Ungereimtheiten treten auf und es wird klar, dass der Professor nur ein herrschsüchtiger Jäger nach Silber ist, er keine wissenschaftlichen, sondern nur kommerzielle Motive hat. Nach der Entdeckung des Kontinents dort wird die Besatzung von den Einheimischen festgenommen, Emma kann durch ihre Mechanizität ihre Befreiung veranlassen; die Einheimischen sehen sie als Göttin an und sorgt dafür, dass ihr Vater mit seinem Assistenten gefangen gehalten bleibt. Nach einem Aufenthalt dort und einem Showdown auf der Rückreise ist der Vater besiegt, doch Emma wurde getroffen und muss operiert werden – Christian, der Bordkapitän, der auch in sie verliebt ist – hatte schon unterwegs ein neues Uhrwerk angefertigt. Doch nach der Operation ist Emma wie nach einem Schlaganfall kaum ansprechbar. Nach der Rückkehr nach Bayern kehren sie bei einem Bergvolk an einer heilenden Quelle ein, wo Emma geheilt werden soll – doch das Wasser der Quelle allein reicht noch nicht. Und auch nach dieser Episode vergeht noch einige Zeit, bis sich schließlich alles zum Guten wenden kann.

Mit fast 300 Wörtern ist das eine unfassbar lange Zusammenfassung gewesen – und doch habe ich das Gefühl, kaum einen Eindruck vom Buch wiedergeben zu können, weil das Buch einfach enorm umfangreich ist. Meine Ausgabe hat 450 Seiten, die Schrift ist winzig und die Seiten groß. Inzwischen gibt es eine Ausgabe mit 700 Seiten, die eine etwas größere Schrift hat, aber auch an dieser wurde noch die kleine Schriftart bemängelt. Der Roman ist einfach irre umfangreich und es passiert jede Menge – was aber nicht unbedingt negativ zu verstehen ist. Ich finde, an einigen Stellen hätte man kürzen können, hätte man gut und gerne etwas weglassen können, einige Situationen neigen auch dazu, sich zu wiederholen. Andererseits ist es durchaus nachvollziehbar, dass Steinmetz sich in Details verstrickt, weil es in einer Parallelwelt spielt, in der alles erklärungsbedürftig ist. So war das auch gar nicht störend, lediglich Kleinigkeiten sind eben irgendwann redundant. Ganz persönlich hätte ich noch anzumerken, dass ich Verschriftlichungen von Dialekt nicht mag. Das ist so eine Eigenheit von mir, die mir im Buch aber das ein- oder andere Mal aufgefallen ist.

Insgesamt aber fand ich das Buch mehr als gelungen. Es fühlt sich an, als befänden wir uns im frühen 19. Jahrhundert, Dampfmaschine und Elektrizität sind die Neuerungen der Stunde, Mechanik und Elektrik die dominierenden Motive des Buches. Und ziemlich genau dieser Geist der Weltausstellung von Chicago, der Eisenbahnen und Luftschiffe ist es, der das ganze Steampunk-Genre ausmacht. Es ist eine wahrhaft faszinierende Zeit, auch mein Lieblingsautor Hohlbein siedelt seine phantastischen Geschichten oft in dieser Zeit an.

Die Charaktere sind klar definiert und machen im Prinzip nur wenig an Entwicklung durch. Heisenberg als zunächst versteckter Antagonist, Emma als die Hauptfigur, die auch tatsächlich eine emanzipative Wandlung durchmacht, viele weitere Charaktere bleiben allerdings eher unverändert – und das ist auch gut so, weil sie einen festen Bezugsrahmen für die ohnehin schon sehr dynamische Handlung mit häufigen Orts- und Besetzungswechseln bieten. So ist es dann auch in der Natur der Sache, dass trotz eines umfangreichen Epilogs und vieler abgeschlossener Enden einige Handlungsstränge unvollendet bleiben. Aber wirklich dramatisch ist auch das nicht, denn die enorm starke Handlung und die vielen guten Ideen des Romans trösten über diese kleinen Schwachstellen bei weitem hinweg.

Wer also gerne Steampunkromane, also quasi die industrialisierte Form von Fantasyromanen, die ja gerne in einem stilisierten Mittelalter angesiedelt sind, liest, findet im Aufziehmädchen Emma einen wirklich gelungenen Vertreter seiner Art, bei dem man sich auf eine lange Reise einlässt, aber mit einer wahnsinnig starken Geschichte belohnt wird. Für das Buch vergebe ich so gut und gerne 4/5 Sternen. Überflüssig zu erwähnen, dass man dem Buch höchstens am Satz ansieht, dass es ‚nur‘ von einem Indie-Autor stammt, oder?

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Montagsfrage vom 23.05.2016

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Guten Abend zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Hast du schon einmal von einem Buch oder dessen Inhalt geträumt?

Tatsächlich in den letzten Jahren weniger, seit sich meine Träume generell etwas entspannt haben, aber früher war das schon öfter der Fall. Beispielsweise erinnere ich mich, dass ich früher mal von der unendlichen Geschichte geträumt habe, auch aus den ersten Harry-Potter-Bänden hatte ich mal den ein- oder anderen Traum.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Woche, diesen Sonntag habe ich eine ganz besondere Überraschung für euch, also seid gespannt!

Bis dahin!

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Serapionsbrüder #28: Die Königsbraut

k-WP_20151112_003Mit der letzten Geschichte der Serapionsbrüder kommt nochmal ein Märchen aufs Papier, das von Serapionsbruder Vinzenz geschrieben wurde. Tatsächlich handelt es sich damit auch um die einzige Geschichte, die Vinzenz vorträgt und gleichzeitig um eine Geschichte, die mir sogar vage bekannt vorkam, irgendwo hatte ich diese Geschichte schon mal gehört, aber ich weiß überhaupt nicht mehr, wo.

Es geht um eine junges Fräulein, die einem Studenten, dem Sohn des benachbarten Gutsbesitzers versprochen ist. Sie ist bis über beide Ohren in ihn verliebt, auch wenn sie mit seinen bildungsbürgerlichen Gewohnheiten nicht so viel anfangen kann. Sie kümmert sich viel um ihren Gemüsegarten und um ihren Vater, der sich die Zeit mit Astrologie vertreibt. Sie sind irgendwie adlig, aber nicht so wirklich einflussreich, es wirkt alles ein bisschen kleinbürgerlich. Auf einmal kommt ein Herr Baron vorbei und will das Fräulein heiraten – und es lässt sich tatsächlich dazu überreden. Doch es stellt sich heraus, dass der Baron in Wahrheit ein gnomischer Gemüsekönig ist, der das Fräulein nur manipuliert hat, was sie erst spät hinausfindet, als ihr Geliebter, in Sorge angereist, wieder vor ihr steht und sie ihn gemeinsam demaskieren. Tatsächlich schaffen sie es, den Gnom zu vertreiben und der Student kommt fortan zur Besinnung und merkt, dass sein lyrisches Schaffen ziemlich unterirdisch gewesen ist.

Ich habe die Handlung ein wenig gerafft, es ist mal wieder eine recht ausführliche Geschichte, insbesondere das Entlarven des Gemüsekönigs und das Nahrungsmittelmotiv habe ich etwas gekürzt, wenngleich letzteres in meinen Augen ein unglaublich spannendes ist. Nahrungsmittel haben ja beispielsweise in den Kinder- und Hausmärchen öfters mal eine gewisse Bedeutung, aber ansonsten ist ihre literarische Rezeption meinem Erachten nach eher gering, sieht man möglicherweise mal von Walter Moers kulinarischem Märchen ab.

Interessant ist hier, wie ganz viele Motive noch einmal aufgegriffen werden. Die Dreiecksbeziehung, die wir schon so oft hatten, ist auch hier zu finden, es geht noch einmal um Kunst und Poesie (und um das kleinbürgerliche Verständnis davon, dem der Student erlegen ist), generell noch einmal um das romantische Idyll mit Gemüsegärtchen und mit der Astrologie des Vaters ist auch nochmal eine seltsam-esoterische Pseudowissenschaft (vergleiche hierzu die Ausführungen über den Magnetismus oder die Mechanisierung der Figuren) vorhanden. Der Gemüsekönig bringt natürlich noch in phantastisches Element hinzu, insgesamt steckt in diesem abschließenden Märchen eine ganze Menge drin und entsprechend positiv ist das ganze rezipiert. Es gibt gleich mehrere Opernadaptionen, der Wikipediaartikel zitiert Gerhard Kaiser, der behauptet, das Groteske dieses Textes hätte unter Anderem Kafka und Dürrenmatt beeinflusst – und das klingt auch einleuchtend.

Denn grotesk ist dieses Märchen allemal. Ich weiß nicht, ob ich es jetzt meinen Kindern vorlesen würde, denn es ist an einigen Stellen sehr beängstigend, dann wieder von sehr feinem Humor und manchmal einfach völlig rätselhaft. Am Abschluss dieser serapiontischen Erzählung steht also eine, in der alles mal angerissen wird, die geradezu typisch für diese Sammlung ist und dennoch in ihrer Groteske und ihrer Phantastik eine der extremsten der Sammlung.

Nach der Geschichte spricht Theodor, dass ihn eine Ahnung ereile, dass man in dieser Konstellation vermutlich nie wieder zusammentreten würde – womit er wenig überraschend auch recht behält – und man solle aber stets das Andenken und den Geist des Serapions in sich tragen, in allem, was man schaffe.

Und damit ist es auch in der Zeit, dass wir uns verabschieden, wir haben uns jetzt in 28 Wochen einen ordentlichen Anteil von Hoffmanns Werk angeschaut und ich hoffe, es hat euch auch nur annähernd so viel Spaß gemacht, wie mir das Lesen. Meine Ausgabe ist übrigens für gerademal 20€ erhältlich und enthält einen wirklich umfangreichen Anhang, aber man kann die Geschichten auch alle im Internet nachlesen oder für einen symbolischen Euro als eBook kaufen, wenn euch einzelne Geschichten interessieren.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Leseprojekt. Nächsten Sonntag verrate ich euch, worum es geht und in zwei Wochen geht es damit dann auch los. Bis dahin!

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Momo – Michael Ende

k-2016-05-16 16.07.55Dieses Buch stammt aus meiner Kindheit. Ich hatte Momo damals sicherlich noch zu Grundschulzeiten gelesen und das Buch und der Film waren wichtiger Begleiter meiner Kindheit. Man könnte sagen, dass dieses Buch seit Ewigkeiten zu meinen Lieblingsbüchern zählt. Irgendwann war das Buch dann in meinem Bücherregal nicht mehr zu finden. Ich habe absolut keine Ahnung, wo meine Ausgabe von Momo hingekommen ist. Also habe ich kurzerhand bei der letzten Rebuy-Bestellung ganze 0,59€ investiert, um mir wieder eine Ausgabe von Momo ins Regal zu stellen. Und dann habe ich es kurz darauf auch mal wieder gelesen. Ich hatte ja ein bisschen Angst, dass meine Erinnerung an das Buch nur romantisch verklärt ist und das Buch in Wahrheit großer Unfug ist, aber wer würde das bei Michael Ende schon erwarten?

Die Geschichte ist denke ich – nach über 7 Millionen verkauften Exemplaren – nicht unbekannt. Wer sie noch nicht kennt, möge jedoch diesen Absatz überspringen. Das kleine Mädchen Momo wohnt im alten Amphietheater in einer Stadt und hat dort jede Menge Zeit. Die Stadt kümmert sich um sie und sie hört den Leuten zu und hilft den Leuten durch ihre ganz eigene Art zuzuhören. Doch auf einmal verdunkelt sich der Himmel, als die grauen Herren aufziehen und der Menschheit einimpfen, sie müssten Zeit sparen, um mehr davon zu haben. Und da steht Momo natürlich im Weg, doch Versuche, auch sie zu beschäftigen, schlagen fehl und so kommt sie schließlich hinter das Geheimnis der grauen Herren, die ansonsten unsichtbar für die Menschen bleiben. Weil ihr dadurch eine Gefahr droht, ruft Meister Hora sie mittels seiner Schildkröte zu sich und erzählt ihr das Geheimnis der Zeit und schickt sie in einen einjährigen Schlaf, damit die Worte, um die Menschheit wieder auf den rechten Weg zu bringen, in ihr reifen können. Doch nach diesem Jahr ist alles noch schlimmer, ihre Freunde und die Kinder, mit denen sie immer gespielt hat, sind verschwunden, vom System aufgesaugt worden, sie vereinsamt und ist dann kurz davor, einen Pakt mit den grauen Herren einzugehen, sie zu Meister Hora zu führen. Und die kleine Schildkröte macht unglücklicherweise genau das. Zwar können die Herren nicht zu Hora direkt, aber sie belagern nun das Haus am Ende der Zeit. Und nun wird Momo auf ihr wahres Abenteuer, auf die Befreiung der Menschheit von den Grauen Herren geschickt und rettet mithilfe einer Stundenblume und der kleinen Schildkröte, die stets genau 30 Minuten in die Zukunft sehen kann, die Welt vor der Rationalisierung der Zeit.

Ich habe das Buch in kaum zwei Stunden durchgelesen und war spontan wieder verzaubert von dieser unglaublichen Welt, die das Buch entwirft. Klar, auch die Bilder des Films, den ich vor Jahren sah, kamen in mir hoch und ich konnte wieder völlig befreit in diese magische Welt eintauchen. Der Film ist übrigens – nebenher gesagt – ziemlich gelungen.  Und so ist auch das Buch. Ich mag die Welt von Momo einfach. Die Botschaft ist so einfach wie eindrücklich. Hört euch zu, nehmt euch Zeit füreinander, seid füreinander da und lasst euch eure Zeit nicht wegnehmen von Leuten, die euch sagen, ihr müsstet euren Tagesablauf auf die Minute genau durchstrukturieren. Zumindest ist das die Botschaft, die ich immer aus Momo herauslese. Ende selbst sagte einst dazu, dass er das Konzept der Freiwirtschaft in Momo thematisiert hätte. Sicherlich wäre es spannend, mal eine Analyse von Momo mit diesem Hintergrund zu schreiben, aber irgendwie widerstrebt es mir, ein solches Kinderbuch auf solche Gedanken zu reduzieren.

Ihr merkt schon, ich werde bei diesem Buch ziemlich nostalgisch, also besinnen wir uns mal ein bisschen auf Sachlichkeit. Momo als Charakter taucht aus dem nichts auf, ihr Ende ist offen, man könnte jetzt nicht sagen, dass Momo eine unglaublich vielschichtige Figur ist, aber Momo ist einfach liebenswert. So geht es mit den meisten Figuren, sie sind nicht wahnsinnig vielschichtig, sie tragen keine eigenen Konflikte, es ist alles etwas einfacher gehalten, auch die grauen Herren sind nicht wirklich tiefergehend ausgestaltet, sondern immer nur so weit ausgeführt, wie es für die Geschichte notwendig ist. Das ist aber keineswegs störend, sondern liegt einfach in der Natur der Geschichte. Es ist und bleibt ein relativ schmales Kinderbuch, das sich schnell lesen lässt. Im Vordergrund steht ohnehin die starke Geschichte von den grauen Herren und Momos Weg, sie zu besiegen. Und die ist einfach wunderschön – nicht nur in der Anlage der Handlung, sondern auch in der Ausführung. Wenige Autoren schaffen es, so klar, unaufgeregt und ruhig die wunderschönsten Geschichten zu erzählen – und Michael Ende war definitiv einer von ihnen. Ich glaube wirklich, ich sollte mir noch mal einige andere Bücher von ihm zu Gemüte führen.

Ich denke, es ist klar, dass ich 5/5 Sternen vergebe. Zwar auch aufgrund meiner eigenen Erinnerungen und meiner subjektiven Prägung, die ich mit diesem Buch verbinde, aber auch wegen der tollen Sprache und Erzählweise Endes, die ich ja schon in anderen Büchern sehr gelobt hatte. Momo sollte man gelesen haben!

 

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Montagsfrage vom 16.05.2016

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Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Welches Buch ist euch nur durch Zufall in die Hand gefallen und entpuppte sich als großartig?

Oh, wirklichen Zufall gibt es relativ selten, weil ich viel von Bekannten empfohlen bekomme oder mal irgendwo gelesen habe. Die Rezensionsexemplare von Indie-Autoren fallen mir mitunter einfach so zu, wobei ich da natürlich auch schon die Anfragen auswähle. Ein völliger Zufallsfund – wenn auch in der Bibliothek – war The Little Book von Selden Edwards, welches mir bei einer Aufräumaktion in die Hände fiel und welches ich total mochte. Ansonsten sind aber völlige Zufallsfunde ziemlich selten, weil ich recht genau weiß, was ich lesen möchte und tatsächlich relativ selten enorm positiv (oder auch negativ) überrascht werde.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche! Diesmal geht es dann auch wirklich mit den Rezensionen weiter und ich wünsche euch ganz viel Spaß damit und dem abschließenden Post des Blogprojekts der Serapionsbrüder am kommenden Sonntag.

Bis dahin!

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Serapionsbrüder #27: Vampirismus

k-WP_20151112_003Die letzte kurze Geschichte, die Cyprian erzählt, beschäftigt sich noch einmal mit sehr düsteren Gestalten, namentlich den Vampiren. Und so düster wie die Gestalten sind, ist auch das Setting der Geschichte.

Ein Graf kommt von einer Reise zurück und möchte so langsam auch mal heiraten. Eine alte Baronesse, die der Vater nie leiden konnte, kündigt sich an und, der Gastfreundschaft willen, empfängt er sie und macht ihm Komplimente, sodass er sie für aufrichtig hält – gerade auch, weil sie eine wundervolle Tochter mitbringt. Natürlich verlieben sich die beiden und auch die nächtlichen Anfälle der Mutter, die in Starrkrämpfen gefangen und nachts das Schloss verlässt, verunsichern ihn zunächst nicht – doch auch die Tochter verbirgt ein Geheimnis, das sie ihm erst nach dem überraschenden Tod der Mutter erzählen kann: Ein bleicher Mann kam einst in das Leben der Frauen und ermöglichte ihnen den Aufstieg, belegte die Mutter mit einem furchtbaren Fluch und verschwand. Die Tochter wird nun auch immer seltsamer, sie verschmäht das Fleisch und ernährt sich von Leichen, die sich nachts ausgräbt. Damit konfrontiert wird nun auch der Graf gebissen und verfällt dem Wahnsinn.

Ich denke, dieser Text nimmt nochmal eine Sonderstellung in den Serapionsbrüdern ein. Generell scheint dieser letzte Abend immer wieder von Extremen geprägt zu sein. Keine andere Geschichte in den Serapionsbrüdern fand ich derart gruselig, derart düster und so furchtbar und grauenvoll wie die von den beiden verfluchten Frauen. Dies ist übrigens eine der Geschichte, die nicht zuvor veröffentlicht wurden, sie ist zuerst in diesem vierten Band der Serapionsbrüder erschienen. Zeitgenössisch wurde sie nicht besonders hochgeschätzt, vor allem heißt es über sie, sie habe eine Grenze überschnitten, die einfach dem guten Geschmack wiederspricht. Es sei eine einfach grässliche Geschichte.

Für mich ist diese Geschichte eine der phantastischsten, die es in den Serapionsbrüder gibt. Das Motiv des Leichenfraßes ist noch heute eins, das selbst in der Horrorliteratur immer sehr grenzwertig ist, die Stimmung der Geschichte erinnert an Zombiefilme, das Setting an Vampirgeschichten wie Dracula, es ist enorm düster, während ich diese Geschichte las, spielte sich in mir so eine Art düsterer Schwarz-Weiß-Film ab. Und gerade ihre Unbestimmtheit ist das grauenvolle. Es passiert so völlig beliebig, ohne Hintergründe, ohne, dass man etwas über Zeit und Raum weiß, es gibt nur die Burg, je nach Zählung drei bis fünf Figuren, in kleiner Arena passieren grauliche Sachen, über die selbst der Graf, der typische Unwissende erst spät in Kenntnis gesetzt wird und dann am Ende scheitert.

Die Serapionsbrüder finden die Geschichte grauenvoll, das würde ich aber mal als Kompliment für die Geschichte auffassen, auch wenn keiner der Brüder von ihr angetan ist. Für mich allerdings ist die Geschichte eine ganz wichtige, fügt sie sich doch in eine literaturgeschichtliche Reihe ein, in der das Grauenhafte, das Abstoßende entdeckt und literarisch verarbeitet wird. Nicht zufällig reihen sich im 19. Jahrhundert die Schauergeschichten, die Horrorrgeschichten und all diese Motive, aus denen sich noch heute in konkretisierter Form belletristische Phantastik zusammensetzt. Auch wenn es sich nicht um den klassischen Vampir handelt – und Hoffmann sie auch gar nicht als ‚Vampirismus‘ betitelt hat, sondern schlicht ohne Titel lässt – diese Bezeichnung hat sich im Lauf der Zeit durchgesetzt.

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Montagsfrage vom 09.05.2016

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Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur Montagsfrage!

Zu welchem Buch hast du deine erste Rezension verfasst?

Oh, das ist eine ziemlich gute Frage. Das dürfe im April 2010 in einem Schülerpraktikum gewesen sein, bei dem es Teil war, ein Buch zu lesen und dieses dann auch zu besprechen. Das Buch hieß Heldentod und war ein Star Trek Roman von Peter David, was mir ganz enorm lag. Ich glaube, das war so eines der ersten Bücher nach einer langen Phase mit weniger Büchern, die ich innerhalb kürzester Zeit gelesen hatte. Ich mochte das Buch damals schon, leider kam ich nie dazu, mal die Fortsetzungen zu lesen; erst vor kurzem habe ich die Star Trek Literatur wieder ein bisschen für mich entdeckt.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, ich habe diese Woche wieder eine Rezension für euch vorbereitet und ich bin gerade dabei, ein neues Blogprojekt zu erarbeiten. Es passiert also etwas hier!

Bis dann!

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Serapionsbrüder #26: Der Zusammenhang der Dinge

k-WP_20151112_003Der letzte Abend der Serapionsbrüder hat begonnen. Drei Geschichten bekommen wir noch zu hören, bevor der Kreis der Serapionsbrüder endgültig auseinandertritt – kurz gesagt geht es nun so langsam auf das Ende dieses Blogprojekts zu – und der Zusammenhang der Dinge ist noch einmal eine etwas längere Geschichte, die knapp 50 Seiten umfasst.

Die Geschichte dreht sich im Wesentlichen um zwei junge Adlige, die unterschiedlicher nicht sein können. Der extrovertierte von ihnen bewirbt sich um eine junge Frau, verwechselt sie aber auf dem Ball und hält alles für eine Form des Schicksals, den ‚Zusammenhang der Dinge‘. Der Introvertierte von ihnen erzählt eine lange Geschichte über einen jungen Mann im Krieg, wie er ihn überlebt, als Verräter angeklagt war und fliehen konnte und schließlich seiner Seite zum Sieg verholfen hat. Man bittet ihn, noch das Ende zu erzählen, doch dazu kommt es erst zwei Jahre später.

Später hat der Extrovertierte seine Angebetete geheiratet, doch nie bemerkt, dass sie ihn gar nicht zu lieben scheint. Der Introvertierte kehrt nach zwei Jahren wieder heim, um das Ende seiner Geschichte zu erzählen: Er gibt sich als der Protagonist seiner Geschichte zu erkennen und erzählt, dass er schließlich sein Glück in einer Frau gefunden hat, die er vor den Augen der Zuhörer heiratet.

Ich muss sagen, auch diese Geschichte ließ mich ein bisschen ratlos zurück. Auf den ersten Blick fielen mir die typischen Motive Hoffmanns ein. Ich denke an die verschachtelten Erzählstrukturen, indem hier jemand in der Geschichte in der Geschichte erzählt und diese Geschichte dann mit der ersten Erzählwelt wechselwirkt. Auch die unerfüllte Ehe ist etwas, das wir ja schon aus vielen Geschichten kennen. Interessant fand ich auch die Entwicklung der beiden jungen Adligen, die sich scheinbar parallel entwickeln und doch so unterschiedlich sind.

Diese Geschichte führt innerhalb der Rezeption ein bisschen ein Schattendasein. Es gibt wenig Arbeiten zu der Geschichte, obwohl ich das nicht so ganz nachvollziehen kann. Die Rezeption fällt auch in den Serapionsbrüdern schon ziemlich kurz aus, nach kaum einer halben Seite, auf der sinngemäß gesagt wird ‚Das war doch ganz schön‘ geht es schon wieder mit der nächsten Geschichte weiter. Auffällig ist auch, dass diese Geschichte als einzige unter den längeren Geschichten keinen Wikipediaartikel hat. Gut, das ist nicht so wirklich aussagekräftig, aber die Korrelation ist ganz schön zu sehen.

Das spannendste an diesem Text fand ich den namensgebenden Ausspruch, der sich schon in der Einleitung ganz direkt auf Goethe bezieht, die beiden – und insbesondere der Extrovertierte – glauben an eine Art von Schicksal und zwar so in Form eines Übersinnlichen, das ‚die Welt im innersten zusammenhält‘, eben einen Zusammenhang der Dinge. Interessant wäre es, mal zu betrachten, wie dieses Glaubenskonstrukt im zeitgenössischen Kontext existiert, wie das tatsächlich geglaubt wurde und was es damit wirklich auf sich hat. Aber auch die Erzählebenen und die verschiedenen Facetten des Introvertierten wären sicherlich mal einen genaueren Blick wert.

Insgesamt würde ich diese Geschichte mal als eine der übersehenen Perlen in Hoffmanns Gesamtwerk ansehen wollen. Mir gefiel die Geschichte wirklich gut – sie passt gut zu Hoffmann, sie ist definitiv nicht ‚nur‘ so ein wenig spannender Werbetext und greift einen spannenden Gedanken auf. Ich mochte sie sehr gerne und ich denke, sie ist sicherlich mal ein guter Geheimtipp für alle Hoffmann-Fans.

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Statistik für April 2016

Ein weiterer Monat und ein weiterer Tiefschlag. Schon letzten Monat war die Seitenzahl unterirdisch, diesen Monat sind es nochmal einige Seiten weniger – und dass in dieser Liste überhaupt etwas steht, ist auch nur dem letzten Wochenende zu verdanken, an dem ich tatsächlich mal ein Buch in die Hand genommen habe. Das habe ich dann aber wieder ziemlich flott gelesen. Ich muss sagen, diesen Monat kamen wieder zwei Aspekte zusammen, die ziemlich kontraproduktiv für mein Lesen waren. Zunächst war ich ohnehin noch in einer Leseflaute und kam dort nicht so wirklich heraus, zum Zweiten ist die Lesebelastung meines Studiums in diesem Semester enorm hoch. Ich denke, ich habe diesen Monat rund doppelt so viel an Fachtexten (zu großen Teilen auch auf Englisch) wie an Belletristik gelesen. Inzwischen ist ein bisschen Land in Sicht und ich versuche, regelmäßiger mal zumindest ein paar Seiten abends zu lesen, sodass ich diesmal wirklich optimistisch bin, dass es im Mai wieder ein paar Seiten mehr auf der Uhr gibt.

Immerhin hält sich der SuB-Aufbau auch in Grenzen, denn trotz einer Rebuy-Bestellung gab es nur zwei Neuzugänge – und den einen davon habe ich inzwischen auch schon weggelesen. Und im nächsten Monat will ich wirklich mal die ganzen Rezensionsexemplare verbloggen und mich an einige kürzere Bücher wagen. Mal schauen, was da alles zusammenkommt. Ich bin seit vergangenem Wochenende ziemlich motiviert. Ihr könnt gespannt sein. Bis dahin aber erstmal viel Spaß mit den ziemlich mauen Zahlen.

Anfangs-SuB-Stand: 103

Gelesen:
Momo – Michael Ende (coming soon, 260 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 260 Seiten, 8,66 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0,0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 260 Seiten, 8,66 Seiten pro Tag

Gekauft:
Momo – Michael Ende
Drawing Conclusions – Donna Leon

End-SuB-Stand:104

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Montagsfrage vom 02.05.2016

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Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Welcher Buchtitel erschloss sich dir erst nach genauem Lesen des Buches?

Ich muss sagen, da fällt mir spontan nur Will Grayson, Will Grayson ein, aber da wird auch recht schnell klar, dass es um zwei Personen mit dem gleichen Namen geht. Der Titel vom „Satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch“ erschließt sich erst nach genauem Lesen des Titels oder der Seite im Buch. Aber ansonsten muss ich zugeben, dass ich mir nie so wirklich Gedanken über den Titel eines Buches mache – auch wenn das sicherlich der Knackpunkt in der Entstehung ist…

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und gelobe diesmal, dass es auch im Laufe der Woche noch einen Beitrag geben wird. Der ist diesmal auch schon fertig und kommt mit Sicherheit. Und auch für die nächsten Wochen sollte es dann mit zumindest einem Beitrag pro Woche neben Montagsfrage und Sonntagsprojekt weitergehen können.

Bis dahin!