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Montagsfrage vom 16.01.2017

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Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Fühlst du dich hin und wieder von deinem SUB gestresst oder gefällt es dir immer viel Auswahl da zu haben?

Es gibt natürlich Moment, da verflucht man seinen SuB und diese Auswahl und den Druck, sich beim Kaufen zurückzuhalten (wobei mein Kontostand da anderer Meinung ist), sicherlich. Aber das war früher schlimmer. Heutzutage komme ich die meiste Zeit ziemlich gut zurecht mit meinem SuB. Klar, er steht da herum und schaut drohend auf mich herab und ja, vielleicht würde ich heute nicht jedes Buch nochmal kaufen. Aber grundsätzlich? Eigentlich lasse ich mich davon nicht unter Druck setzen. Bücher schimmeln nicht so schnell und das, was in ihnen steht, wird auch noch in einigen Jahren spannend und interessant sein. Es besteht also keine Notwendigkeit, ihn schnell wegzulesen. Außer vielleicht das leidige Platzproblem. Es ist immerhin ein volles Regal, das hier herumsteht.

Aber oft genug freue ich mich auch auf diese riesige Auswahl, auf die vielen schönen Stunden, die mir da noch bevorstehen – und selbst, wenn ich meinen SuB reduzieren wollen würde (was ich ja durchaus will, 110 Bücher sind eben doch enorm viel), unter vielleicht 20 verschiedene Bücher als Auswahl möchte ich eigentlich nicht kommen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Woche, in der endlich mal wieder alle Beiträge pünktlich kommen werden – sie sind nämlich schon alle vorbereitet. Bleibt also gespannt.

Bis dahin!

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Weltende – Jakob van Hoddis

Nachdem wir es im vergangenen Monat mit jeder Menge weihnachtlicher Gedichte zu tun hatten, geht es heute mit einem echten Klassiker weiter, der gar nichts mit Weihnachten zu tun hat. Den kurzen Achtzeiler von Hoddis habe ich zum ersten Mal in der Schule gelesen und ich finde das Gedicht bis heute ziemlich gelungen. Der dazugehörige Autor, Jakob van Hoddis ist jedoch weitgehend unbekannt. Hoddis litt unter Psychosen und wurde dann im dritten Reich ermordet. Sein literarisches Schaffen beschränkt sich auf rund 70 Gedichte und sein Name ist ein Pseudonym das aus einem Anagramm seines bürgerlichen Namens Hans Davidssohn besteht. Van Hoddis wurde nach dem zweiten Weltkrieg vergessen, bis heute wird Hoddis jedoch in wissenschaftlichen Kreisen kaum rezipiert, gilt aber gemeinhin als Vordenker des Expressionismus. Sein bekanntestes Gedicht „Weltende“ – schon zu Lebzeiten das Einzige seiner Gedichte, das wirklich Verbreitung fand – stammt aus dem Jahr 1911, könnt ihr hier lesen und werden wir uns jetzt mal anschauen:

Die Formalia des Gedichts sind fast schon uninteressant, verglichen mit dem, was dahinter steht. Das Gedicht ist jambisch, fünfhebig, in zwei Strophen zu je vier Versen unterteilt. Das Reimschema ist etwas ungewöhnlich, während in der ersten Strophe ein umschließender Reim steht (abba), ist in der zweiten Strophe ein Kreuzreim (abab) verwendet. Die erste Strophe endet auf einer Hebung (männliche Kadenz), die zweite auf einer Senkung (weibliche Kadenz). Das ist etwas ungewöhnlich, aber noch nichts wirklich Dramatisches. Aber Vers 6 bietet mir die Chance, endlich mal den Stabreim zu erklären. Bevor hierzulande immer auf die Endsilben gereimt wurde, war es üblich – in den altnordischen Texten bis zum beginnenden Mittelalter findet sich diese Reimform – den Anfangsbuchstaben zu reimen. Diese Stilmittel kennen wir heute als Alliteration, früher gab es dazu aber richtige Versmuster, die vorgaben, nach wie vielen Silben wieder ein Wort mit dem selben Buchstaben folgen muss. Hier heißt es also „um dicke Dämme zu zerdrücken“ – drei Stäbe also.

Doch eigentlich interessant ist dieses Gedicht inhaltlich. Es gibt – gerade in der expressionistischen Lyrik – etwas, das man als Reihungsstil bezeichnet. Einzelbilder werden also Collagenartig zusammengefügt, woraus sich dann ein geschlossenes Bild ergibt. Meistens zumindest. Die Überschrift gibt uns Aufschluss darüber, dass wir es hier mit einem Weltende zu tun haben. Dieser Gedanke war um 1910 herum durchaus verbreitet, die Angst vor dem Halleyschen Kometen, der 1910 zurückkehrte, die angespannte Stimmung in den Städten und in ganz Europa, der drohende Krieg lag bereits in der Luft, da waren Gedanken an einen Weltuntergang naheliegend. Doch was in diesem Gedicht passiert, ist völlig unverständlich. Zunächst fliegt dem Bürger der Hut von dem Kopf, dann liegt das Geschrei der apokalyptischen Reiter in der Luft (Vers 2 spielt auf die biblische Offenbarung des Johannes an), Dachdecker gehen enzwei, die Flut kommt, der Sturm lässt die Meere „hupfen“ – welch Verniedlichung – die Dämme werden zerdrückt, ein Schnupfen befasst die Menschheit, die Eisenbahnen fallen herunter. Was sind das denn bitte für Bilder und welche Reihung ist das? Das Herabstürzen der Eisenbahnen klingt geradezu trivial, was bitte hat der Schnupfen damit zu tun und wieso sind die Meere zu verniedlicht? Diese ganze Reihung wirkt maximal grotesk und völlig unpassend. Dackdecker, also Menschen mit Gefühlen, gehen schlicht entzwei, das Meer jedoch, eine unbelebte Wasseransammlung, entscheidet sich geradezu menschlich zum Hupfen, der Einschub „liest man“ marginalisiert den Weltuntergang wie etwas, wovon man beiläufig mitbekommt.

Was ist also von diesem Gedicht zu halten? Ist es eine ironische Verarbeitung der ganzen Weltuntergangsprophezeiungen des Bürgertums, wird hier diese Untergangsstimmung lächerlich gemacht? Zumindest scheint es, entgegen anderer expressionistischer Gedichte, hier nicht primär um die Untergangsstimmung an sich zu sehen. Zwar wirkt das gesamte Gedicht wie eine Karikatur von Untergangsszenarien, aber in seiner eigentümlichen Form schafft das Gedicht es dennoch, einen gewissen Untergang zu visualisieren, indem es die Unberechenbarkeit des Alltags und der Zukunft erlebbar macht. Der Leser wird von dem Gedicht maximal verwirrt und immer wieder, in jedem Vers aufs neue, überrumpelt. Man muss von vorne durchgehen. Mit Weltende wird das Sujet (das Thema) etabliert, drei Verse lang halbwegs durchgehalten, doch durch Vers vier wieder weggerückt. Zwei Verse lang wird diese Stimmung dann wieder aufgebaut, dann wieder völlig zerstört, sodass man dann ratlos vor dem letzten Vers steht und sich dort völlig von neuem bewusst werden muss, dass ja hier gerade wirklich die Welt untergeht.

Mich persönlich fasziniert dieses Gedicht auch noch nach dem zehnten Lesen. Ich kann mich dieses komischen, irritierenden Eindrucks einfach nicht entziehen und es ist eines dieser Gedichte, bei denen ich bei jedem Lesen ein neues Detail finde. Ihr merkt schon, ich habe die normale Beitragslänge ordentlich überstrapaziert und könnte dennoch noch einiges mehr erzählen. Doch ich entlasse euch heute mit dem Hinweis, dass Hoddis Spätwerk noch um einiges dadaistische und experimenteller sein soll. Mal schauen, ob ich das irgendwo auftreiben kann.

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Hanni und Nanni gründen einen Club (#14)

Heute geht es zum vorletzten Band der originalen Reihe der ersten 15 Bände – und wir sind auch immerhin schon in der letzten Klasse und auch schon nach den Weihnachtsferien. Zwei Bücher bleiben also noch, um Lindenhof einen würdigen Abschluss zu bereiten, bevor… nun, dazu später mehr.

Hanni hat in den Weihnachtsferien eine Idee: Die Zwillinge gründen einen Club mit ihren engsten Freunden. Was der Club machen soll und wie er heißen soll und überhaupt bleibt noch offen, aber die Idee ist in der Welt. In Lindenhof zurück sind alle verwundert, dass noch eine neue Schülerin kommt – deren Mutter kurzzeitig nach Italien musste und die sozusagen in Lindenhof aufgehoben wird. Der Club konstituiert sich als Club der Spatzen, schafft sich auch ein Tagebuch an – und die erste Mission ist es ein Auto wieder auf die Straße zu wuchten und Gina, der neuen, die dabei half, zu helfen, ein Kleid für einen Konzert zu besorgen. Nach einem Streich gegen die Großen, damit sie ihren Lerneifer etwas überwinden, wird es aber ernst. Das Tagebuch des Clubs verschwindet und die Verunglimpfungen häufen sich. Zunächst wird Andrea verdächtigt – und als nun in der ganzen Schule das Clubfieber losgeht, wird klar, dass Andrea damit gar nichts zu tun hatte. Schließlich gibt es dann so langsam Osterferien, Jenny wird noch wegen Betrugs verdächtigt und ein Fest, das diesmal die Schüler für ihre Lehrerinnen veranstalten. Und ab geht es in die Osterferien.

In diesem Band gibt es nur eine neue Schülerin, dafür aber immerhin ein völlig neues Motiv – einen Klub. Ich habe keine Ahnung, wie die Autor(in?) auf das Clubmotiv kam. Ich nehme an, so etwas war damals mal relativ angesagt – aber ich kann es aus der heutigen Perspektive nicht nachvollziehen. Und ein Problem des Bandes ist, dass ich das Gefühl hatte, niemand weiß, wo dieses Clubthema hinwill, denn gegen Ende des Bandes ist das gar nicht mehr von Bedeutung und es gibt nicht irgendwie wirklich etwas Großes, was der Klub gemacht hat – es gäbe doch so viele spannende Sachen, die man als Club erleben könnte. Einbrecher jagen, Geheimnisse lüften – Lindenhof mal genauer erkunden und auf seltsame Artefakte finden, Indiana Jones im Schulalltag – ich sollte Autor für Egmont werden. Ich weiß nicht, aus dieser Idee hätte man noch einiges mehr machen können. Und irgendwie wurde dann die Phase der Abschlussprüfungen auch nur recht kurz präsentiert? Oder sind die erst nach den Osterferien? Nun, wir warten mal den nächsten Band ab, aber so wirklich nach einem baldigen Ende klingt der Band noch nicht. Ich glaube, das größte Problem ist, dass der Band nicht wirklich weiß, wo er hinwill, worum es gehen soll und dass irgendein großes neues Motiv fehlt, das über 150 Seiten trägt, weshalb der Band so vor sich hin plätschert.

Und es gibt absolut keine Entschuldigung, warum dieser Band wieder so viele Inkonsistenzen zu den vorigen Bänden aufweist. Klar ist es ein schwieriger Spagat, ob jetzt Fräulein Roberts auftauchen darf, die ja vor einigen Bänden schon eine Pension übernommen hat, dann aber im Enid-Blyton Band wieder auftauchte – aber warum muss sie denn erwähnt werden? Es hätte jede andere sein können! Es gab dafür keine Notwendigkeit! Und mal wieder spielen Hanni und Nanni in weiten Teile gar keine so große Rolle. Klar, sie haben die Idee zur Klubgründung und am Anfang spielen sie tatsächlich eine wichtige Rolle, aber später sind sie nicht mehr so relevant.

Wieso lese ich die Reihe immer noch? Nun, ich habe das Paket der ersten 22 Bände bei Ebay erstanden. Und es ist auch noch immer ganz spaßig zu lesen – und auch das Finden von Inkonsistenzen ist eine schöne Detektivarbeit. Vor allem aber bin ich noch gespannt, was nach dem fünfzehnten Band passiert, was man sich da alles ausdenkt – eigentlich müsste man sich mal ausführliche Notizen machen und genau analysieren, wo die Inkonsistenzen zu finden sind. Bis dahin erzähle ich also weiter anekdotische Auffälligkeiten. Dieser Band bekommt erstmal nur eine durchschnittliche Wertung von 2,5/5 Sternen. Nichts Besonderes, es ist einfach ein Zwischenband zwischen dreizehn und fünfzehn. Und der fünfzehnte wird wirklich spannend, denn dort ist der Abschied von Lindenhof.

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Märchenmond – Wolfgang Hohlbein

Ich habe ja schon gefühlt die Hälfte aller jemals erschienenen Hohlbein-Bücher gelesen, aber irgendwie fehlte mir immer noch dieser eine Klassiker, dieses erste große Buch, – Hohlbein schrieb schon vorher einige Heftromane – das ihm den Durchbruch brachte: Märchenmond. Er gewann damit 1982 einen Preis des Ueberreuter-Verlags, zwei Jahre später den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar. Inzwischen hat sich das Buch mehrere Millionen Mal verkauft. Und 2010 entstand dann sogar ein Musical auf der Grundlage des Buches.

Kims Schwester ist nach einer Blinddarmoperation ins Koma gefallen, niemand weiß, wieso. Ein alter Mann erzählt Kim, dass sie in Märchenmond gefangen sei und dort vom bösen Herrscher gefangengenommen wurde, Kim solle ihm nach Märchenmond folgen, um sie zu befreien. Kim tut dies dann auch über seinen Weg und landet direkt beim dunklen Herrscher, wo er sofort gefangengenommen wird – er schafft es jedoch zu fliehen, löst jedoch damit den großen Krieg zwischen Gut und Böse aus, der auch mit seinen Helfern und allen Truppen der Guten nicht zu gewinnen ist. Einer alten Prophezeiung eines Drachen, der nun sein Begleiter wird, folgend, sucht er den König der Regenbogen, um seine Hilfe zu erbeten. Nach einem langen Weg dorthin kommt Kim schließlich – unter Verlusten seiner Begleiter – dort an und der König erklärt sich schließlich bereit, ihm zu helfen. Doch die beiden Anführer der dunklen Seite sind niemand anderes, als die bösen Eigenschaften Kims und des Herren der weißen Seite. Als die beiden im Kampf unterliegen, ist das Böse gebannt und Kim findet sich unter totgeglaubten Freunden wieder – und auch seine Schwester liegt bei ihm. Kurze Zeit darauf erwacht er und wird von seinen Eltern gerufen, seine Schwester sei erwacht.

Der Roman spielt ein bisschen mit zwei Ebenen, erstmal die echte Welt und schließlich die Welt Märchenmond, die – und das ist auch erzähltheoretisch ganz interessant, weil es hier eine Interaktion zwischen den Erzählebenen gibt. Ansonsten ist dieses Buch geradezu prototypisch für junge Phantastik. Die jugendlichen Protagonisten erleben etwas in unserer Welt, was irgendwie nicht passt und kommen dann in eine andere Welt, in der sie Abenteuer erleben und somit das Schicksal der diesseitigen Welt selbst beeinflussen können.

Was heutzutage schon ein bisschen gewöhnlich erscheinen mag, war damals noch relativ neu. Phantastik für Kinder erschöpfte sich damals in Michael Ende, während heutzutage die Bücherregale voll davon sind. Auch die Idee, man könnte Kindern einen 400-Seiten starken Band zumuten – was heute durchaus häufiger ist, man schaue nur beispielsweise auf Eragon oder die späteren Harry-Potter-Bände, war zu dieser Zeit noch etwas völlig Ungewöhnliches. Aber dass dieser Roman jetzt schon über 30 Jahre alt ist, ist ihm gar nicht wirklich anzumerken, klar wirkt die Einrichtung von Kims Zimmer etwas antiquiert, aber das stört den Lesefluss überhaupt nicht. Ich würde das Buch genauso noch meinen Kindern umgehen – zumindest, sobald sie es schaffen, mit phantastischen Welten und entsprechender Gewalt darin umzugehen. Die USK sagt, dass das zwölfjährigen Kindern zuzumuten ist (in vergleichbaren Filmen und Computerspielen) – und das ist denke ich auch ein geeignetes Alter für dieses Buch. Für Erstleser ist das aber natürlich noch nichts, das ist logisch.

Ich mochte Märchenmond ziemlich gerne. Für mich persönlich ist es nicht der beste Roman von Hohlbein, aber dennoch ein wunderschöner. Wäre das damals mein erster Hohlbein gewesen (um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht mehr, was mein erstes Hohlbein-Buch war), hätte ich ohne Zweifel ebenso alles gefressen, was er veröffentlicht hat. Es ist nicht so ganz typisch für sein späteres Werk, der Einfluss seiner Frau, die eher die märchenhaften, amüsanten Ideen mit einbringt, sind deutlich zu spüren, seine eigenen Bücher sind oft noch viel dunkler und grausamer, aber gerade für Kinder und Jugendliche ist das in dieser Form vielleicht auch geeigneter – vor allem, da es hier ein Happy End gibt – und das Ende ist auch noch gut ausgearbeitet. Großartig! Märchenmond ist auch für alle, die mit Hohlbein oder den Büchern, die er alleine schreibt, nicht so viel anfangen können, ein gelungenes Buch. Es trifft nicht zu 100% meinen Geschmack, aber ist dennoch ein tolles Buch. Vielleicht als Einstiegsdroge in die Phantastik, die dann vielleicht auch mal zu komplexerer Fantasy (als die von Hohlbein) leiten kann; vielleicht als Erweiterung des eigenen Horizontes, aber in jedem Fall etwas, was man gut und leicht lesen kann. Dafür gebe ich gerne 4,5/5 Sternen und freue mich, endlich mal wieder etwas von Hohlbein gelesen zu haben.

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Montagsfrage vom 09.01.2017

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Guten Morgen zusammen!

Es ist wieder Montagsfragenzeit, das neue Jahr hat also jetzt wirklich und unwiderruflich angefangen. Und die heutige Montagsfrage ist ziemlich passend:

Hast du dir schonmal vorgenommen (und es geschafft) länger kein Buch zu kaufen?

Jep. Das ist seit Jahren mein ständiger Vorsatz, weniger Bücher zu kaufen – und ich habe das auch schon alles erfolgreich absolviert, Buchkauffasten oder auch einfach mal so über Monate kein Buch zu kaufen. Manchmal kommt dann ein einzelnes Buch dazwischen, aber das ist selten das Problem. Viel schlimmer ist es eigentlich, dass ich es trotzdem irgendwie immer schaffe, mir zahlreiche Neuzugänge einzuhandeln. Sei es durch Bücherschränke, Geschenke oder Bibliotheken, trotz Zurückhaltung beim Kauf – würde ich zusammenrechnen, wie viel Geld ich letztes Jahr für Bücher ausgegeben habe, wäre der Betrag im mittleren zweistelligen Bereich – wird der SuB immer größer. Wie auch immer er das schafft.

In diesem Sinne wünsche ich euch auch an dieser Stelle einen guten Start ins neue Jahr und eine gute Woche – für einige von euch sicherlich die erste Schul- oder Uniwoche nach den Ferien, für andere vielleicht schon die zweite Arbeitswoche. Bleibt auf jeden Fall gespannt, denn hier im Blog geht es natürlich wie gewohnt mit drei weiteren Posts pro Woche weiter.

Bis dahin!

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Heftromane Heute: Al Capone #16: Glut im Blut

Heute gibt es nochmal ein Heftchen aus der Al-Capone-Reihe. Ich hatte ja schon Band 13 davon rezensiert und nun also den letzten, den sechzehnten Band. Ebenfalls letztes Mal hatte ich davon erzählt, dass es eine Serie des Kelter-Verlags ist, es ist eine Neuveröffentlichung der Heftchen, die unter dem Label Mr. Chicago zwischen 1968 und 1974 sind und die hier einfach nur umgelabelt wurden. Sechzehn Hefte sind es in der Neuveröffentlichung insgesamt, die eine abgeschlossene Reihe darstellen. Und genau diese Reihenzugehörigkeit wollen wir in diesem zweiten Heft mal untersuchen.

Alles beginnt mit einem ganz normalen Lehrer. Er findet eine Schülerin zwar attraktiv, aber macht sich keine Sorgen, er hat schon anderes überstanden. Doch seiner Zahnärztin kann er scheinbar nicht widerstehen und beginnt ein Verhältnis mit ihr. Doch die Schülerin erpresst ihn mit diesem Verhältnis. Sie begehrt ihn und zwingt ihn täglich zum Verkehr. Schließlich wird die Zahnärztin tot aufgefunden, das Verhältnis wurde enttarnt und der Lehrer gerät unter Verdacht – und das spätestens als dann auch die Schülerin stirbt. Eliot Ness ermittelt und lässt dabei fast schon nebenbei einen Kreis um Al Capone hochgehen – denn der Mörder war niemand anderes als der Kollege des Lehrers, der eifersüchtig war, weil er selbst ein Verhältnis mit der Schülerin wollte.

Ich muss sagen, dieser Reihenbezug, den ich angesprochen hatte, war ziemlich schwach. Ja klar, es ist derselbe Ermittler. Eliot Ness, ja klar, dieser Al-Capone-Bezug spielt eine kleine Rolle – aber dass das hier jetzt der Reihenabschluss einer Serie sein soll, wird absolut nicht klar. Woher auch? Im Original erschienen unter dem Label Mr. Chicago auch nicht sechzehn sondern mehrere Hundert Hefte, allerdings unter verschiedenen Namen und mit immer anderen Charakteren – aber zumindest rund 100 Hefte um Eliot Ness. Dass da in den ersten sechszehn Heften erstmal der Stil und die Form dieser Heftchen etabliert werden muss, kann man sich durchaus vorstellen. Und dass da jetzt auch keine große Lösung ist, ebenfalls. Aber wieso wurde diese Neuauflage dann nach Band 16 beendet? Wieso heißt es, die Abenteuer enden hier? Für mich erschließt sich das erst nach einer ausführlichen Recherche. Und wenn man diesen Reihenbezug wegnimmt, bleibt gar nicht so viel von diesem Band übrig.

Was mich schon im letzten Band gestört hat, ist, dass es scheinbar immer um Sex ging. Alles ist davon getrieben, die ganze Handlung basiert nur darauf, dass irgendwer mit irgendjemandem ins Bett möchte. Und das ist mir einfach zu plump. Während im letzten Band das noch etwas kunstvoller verwoben war, finde ich es hier leider noch recht plump. Ich weiß schon, warum das im Englischen auch Pulp-Fiction genannt wird. Bisher fand ich die ganzen gelesenen Heftromanen eigentlich immer ziemlich schön gemacht und hatte viel Spaß daran, sie zu lesen – auch hier fühlte ich mich gut unterhalten, der Ermittler ist ein cooler Charakter, mit dem man sich gut identifizieren kann, auch wenn man nicht so wahnsinnige Facts & Figures über ihn erfährt.

Insgesamt finde ich dieses Heftchen fast noch etwas schwächer als den letzten Band und daher habe ich leider auch nur noch 2/5 Sternen dafür übrig. Auch die dritte Neuauflage macht das Heftchen leider nicht besser. Als Erfahrung für diese Artikelserie war dieses Heftchen außerordentlich wertvoll, aber während ich bei Perry Rhodan sogar mal überlegt hatte, ob ich nicht sogar mal ein Halbjahresabo abschließen möchte weiß ich, dass ich solche Heftchen nicht großartig weiterlesen möchte. Aber dennoch sollte ich mich in dieser Richtung nochmal weiter umschauen. Ich bin gespannt, welche Abgründe da noch warten. Denn ganz gut unterhalten wurde ich hier auch noch.

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Der tolle Invalide – Achim von Armin

Wir sprachen ja schon über Clemens Brentanos Geschichte vom braven Kasperl, der zuerst in einem kleinen Almanach erschien, der zugunsten Kriegsinvalider verlost wurde. Gaben der Milde hieß diese Serie von vier kleinen Bändchen (die heute gebraucht für zusammen über 1000€ gehandelt werden!), viele namhafte Autoren dieser Zeit verfassten hierfür eigene Geschichten, die oft erst Jahre später an anderer Stelle veröffentlich wurden. So auch diese Geschichte über einen Kriegsinvaliden von Achim von Armin. Das Thema ist für eine solche Sammlung ja auch denkbar passend.

Rosalie pflegt einen Offizier gegen den Willen ihrer Mutter, dafür kehrt dieser nach dem Krieg zu ihr zurück und nimmt sie zur Frau. Doch durch den Krieg ist er in den Wahnsinn verfallen und nur dank Rosalies (heimlichen) Engagement bekommt er ein Fort, das er bewachen soll. Als er jedoch erfährt, dass Rosalie dafür verantwortlich war, wird er richtig sauer und sie mit ihrem Säugling fort. In seinem Wahn erklärt er der Stadt den Krieg und blockiert den Seeweg nach Marseille. Für den Kopf seiner Frau werde er das Fort übergeben. Seine Frau hingegen nähert sich dem Fort und schließlich provoziert sie einen Wutausbruch, bei dem sich seine Kopfwunde öffnet und der Wahnsinn dadurch verschwindet. Schließlich wird ihm vergeben.

In dieser Erzählung sind wieder einige typische Motive der Romantik zu finden. Das Motiv des Wahnsinns, das wir ja gerade während wir uns mit E.T.A. Hoffmann beschäftigt hatten, häufiger sahen (übrigens wurde auch ‚Erscheinungen‘ von ihm zuerst in dieser Sammlung Gaben der Milde veröffentlicht), tritt hier wieder auf, hier ist es aber nicht so sehr übersinnlich, sondern fast schon biologistisch durch eine Kopfwunde bedingt und verschwindet damit auch wieder. Ein bisschen phantastisch wird im letzten Satz „Liebe treibt den Teufel aus“, der aber jetzt auch nicht wirklich auf übersinnliche Phänomene verweist. Der Wahnsinn ist auch hier nicht mit einem Aspekt des Künstlertums verknüpft und funktioniert auch nicht so sehr generativ, wie er manchmal bei Hoffmann ist, sondern ist einfach ein typischer Wahnsinn, bei dem ein Verrückter eine ganze Stadt zum Narren hält und die liebende Frau dann die Rettung bringen kann.

Es ist wohl auch diskutiert worden, was damit gemeint ist, dass eine deutsche Frau einen französischen Soldaten zur Besinnung bringt, in unruhigen Zeiten sicherlich auch eine Art Friedenssignal oder, je nach Auffassung eine Provokation gegen Frankreich. Was genau jetzt damit ausgesagt wird, hat sich mich nicht erschlossen, aber ich weiß auch, dass sich in dieser Zeit die beiden Nationen sehr kritisch beäugten. Soweit zu gehen, das als politische Erzählung zu sehen, würde ich allerdings nicht. Es wurde weiterhin diskutiert, ob es sich hier mehr um ein Märchen, eine Novelle oder wasauchimmer handelt. Und das ist tatsächlich ganz spannend, denn ein Märchen ist es eher weniger, aber auch zu einer Novelle mag die Erzählung nicht so ganz passen. Also bleiben wir doch einfach bei ‚Erzählung‘.

Leider muss ich jedoch sagen, dass mich diese – zugegeben ziemlich kurze, kaum 25 Seiten starke – Erzählung nicht so wirklich begeistern konnte. Es wurde relativ flott und zügig erzählt und über die Erzählweise gibt es auch nicht so wahnsinnig viel zu klagen – und genau das fand ich etwas schade, denn so besonders und spannend wie bei den anderen Erzählungen war der Erzählstil hier leider auch nicht. Es war nichts, was mich wirklich gefesselt hat, es kommen zwar romantische Motive vor, aber es ist meiner Meinung nach definitiv kein Must-Read. Ich würde jetzt mal 3/5 Sternen geben und allen, die sich nicht so intensiv mit dem Thema auseinandersetzen wollen, können sich diese Erzählung gerne sparen.

 

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Monatsliste für Dezember 2016

Das Jahr 2016 ist vorbei und bevor wir uns voller Elan in neue Jahr stürzen, wollen wir nochmal einen Blick zurück in den vergangenen Lesemonat wagen. Insgesamt stehen mal wieder sechs Titel dort, aber wirklich viele Seiten sind es nicht geworden. Ich weiß auch gar nicht genau, woran das lag, denn eigentlich bot der Monat relativ viele Lesegelegenheiten – allerdings gab es auch viel zu tun und einige Sachen, die noch vor Weihnachten fertig werden sollten, sorgten dann dafür, dass es dann doch nicht so viel Lesezeit wurde, wie eigentlich erhofft. Und dank eines ziemlich dicken Buches, dass ich dann in der letzten Dezemberwoche angefangen hatte, wurde es auch nicht mehr – denn an diesem Buch lese ich noch immer. Und wenn ich mein Lesetempo so durchhalte, gibt es in einem Monat eine ziemlich maue Leseliste, weil ich mir nicht sicher sein kann, bis dahin mit diesem Buch durch zu sein. Ihr merkt, ein dickes Buch.

Dass durch Weihnachten der SuB-Aufbau sich immerhin in Grenzen hält, ist aber eine grundsätzlich sehr positive Nachricht – dennoch bleibt aber ein Aufbau von eins stehen. Und im Moment fehlt durch das dicke Buch (sprach ich schon davon, dass es dick ist?`) auch die Perspektive, dass es demnächst wieder mal deutlich bergab gehen könnte. Aber okay, damit kann ich leben. Insgesamt war es aber durchaus kein so desaströser Lesemonat wie in einigen Monaten zuvor, er war eben nur etwas schäwcher.

In diesem Sinne, hier sind die Zahlen:

Anfangs-SuB-Stand: 111

Gelesen:
Die Majoratsherren – Achim von Arnim (coming soon, 40 Seiten)
Das Majorat – E.T.A. Hoffmann (coming soon, 85 Seiten)
Hanni und Nanni im Landschulheim (#15) – Enid Blyton (coming soon, 155 Seiten)
Mord im Orientexpress – Agatha Christie (coming soon, 256 Seiten)
Streifzüge durch das Abendland – Bill Bryson (coming soon, 313 Seiten)
Das magische Amulett #08: Verflucht von der Feuerhexe (coming soon, 65 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 914 Seiten, 29,4 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): Seiten, Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 914 Seiten, 29,4 Seiten pro Tag

Geschenkt:

Antigone – Sophokles
Der Inquisitor – Wolfgang Hohlbein

End-SuB-Stand: 112

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In eigener Sache: Romanfresser 2016 & 2017

Es ist der letzte Abend des Jahres und es wird mal wieder Zeit, ein bisschen zurückzuschauen und sich zu überlegen, wie das vergangene Jahr lief und was im kommenden Jahr passieren wird. Seit ich diesen Blog hier betreibe geht es auch im Blog am Ende eines jeden Jahres um einem Blick zurück und einem Blick nach vorne. Fangen wir dazu also mal wieder bei den Zahlen an.

Januar 2016: 1053 Seiten gelesen, SuB von 97 auf 99 (+2)
Februar 2016: 945 Seiten gelesen, SuB von 99 auf 103 (+4)
März 2016: 348 Seiten gelesen, SuB von 103 auf 103 (+0)
April 2016: 260 Seiten gelesen, SuB von 103 auf 104 (+1)
Mai 2016: 554 Seiten gelesen, SuB von 104 auf 108 (+4)
Juni 2016: 1059 Seiten gelesen, SuB von 104 auf 104 (+0)
Juli 2016: 974 Seiten gelesen, SuB von 104 auf 104 (+0)
August 2016: 1425 Seiten gelesen, SuB von 108 auf 110 (+2)
September 2016: 1711 Seiten gelesen, SuB von 110 auf 109 (-1)
Oktober 2016: 1679 Seiten gelesen, SuB von 109 auf 109 (+0)
November 2016: 1530 Seiten gelesen, SuB von 109 auf 111 (+2)
Dezember 2016: rd. 900 Seiten gelesen, SuB von 111 auf 112 (+1)

Insgesamt: c.a. 12438 Seiten gelesen, SuB von 97 auf 112 (+14)

Diese Zahlen sind – wie schon im vorigen Jahr – die niedrigsten Zahlen seit Anbeginn meiner Lesegeschichte. Kaum noch 1000 Seiten im Monat als Durchschnitt. Das hängt sicherlich damit zu tun, dass mich die Uni stärker als noch im vorigen Jahr in Anspruch nimmt, hängt mit einem Job zusammen, dem ich seit März nachgehe, hängt aber auch damit zusammen, dass ich Anfang des Jahres eine massive Leseflaute hatte und teilweise wochenlang kein Buch in die Hand genommen habe. Gegen Ende des Jahres hat sich das wieder etwas gegeben und die wieder niedrigen Dezemberzahlen hängen auch vor allem damit zusammen, dass ich im Moment an einem ziemlich dicken Buch sitze. Ich hoffe also fürs nächste Jahr, dass die 1000 Seiten im Monat mein Minimum und die 1500 Seiten das monatliche Ziel werden. Und vielleicht schaffe ich auch mal wieder einen Monat, in dem es dann sogar 2000 Seiten werden, denn das habe ich in diesem Jahr nicht geschafft. Über meinen SuB spreche ich inzwischen gar nicht mehr. Kämpfte ich Ende des letzten Jahres noch um die Dreistelligkeit, sind es in diesem Monat inzwischen sehr solide drei Stellen. Fürs nächste Jahr gilt aber weiterhin: Möglichst kein Aufbau wäre angenehm.

Blogprojekte 2016 und 2017

Nachdem wir in dieses Jahr mit den Geschichten aus E.T.A. Hoffmanns Zyklus „Die Serapionsbrüder“ eingestiegen sind und uns dann auch bis Mitte Mai mit diesen Geschichten den Sonntag versüßt haben, ging es anschließend mit den Gedichten los. Unter Lyrikfresser.de sind bis heute kurze Analysen und Rezensionen zu bisher 18 Gedichten entstanden – das war dann auch mein diesjähriger Adventskalender, in dem ich mich mit einigen Weihnachtsgedichten beschäftigt habe.

Parallel dazu startete die Serie „Heftromane Heute“, in denen ich mich dann alle zwei Wochen mit aktuellen oder nicht mehr ganz taufrischen, aber recht frisch erworbenen Heftromanen beschäftigt habe. Derzeit ist das aufgrund des Adventskalenders pausiert.

Im kommenden Jahr geht es natürlich mit dem Lyrikfresser weiter, allerdings werde ich da vermutlich den Rhythmus auf einmal im Monat reduzieren. Noch ein paar Folgen weiter geht es allerdings mit den Heftromanen von heute, da habe ich noch einige hier liegen und auch noch ein paar Serien, die ich mir gerne noch anschauen würde. Anschließend würde ich einen Blick genau in die Gegenrichtung wagen und mich mal mit Heftromanen von vorgestern beschäftigen. Damit meine ich jetzt nicht zwingend die 60er und 70er, also das goldene Zeitalter der Heftromane in Westdeutschland, in denen die heute noch laufenden Reihen entstanden und in denen das Genre zu dem wurde, was es heute ist, sondern was dafür und jenseits der Mauer. Heftromane vor dem zweiten Weltkrieg und Heftromane aus der DDR möchte ich mich hier einmal anschauen – vermutlich aber auch nur für einige Wochen.

Ansonsten gibt es noch immer die Hohlbein Classics, Heftromane von Wolfgang Hohlbein aus den frühen 80ern, die ich mir auch gerne einmal anschauen würde. Aber ob dafür im neuen Jahr noch Zeit bleibt? Das wird sich dann zeigen. Ansonsten bleibt natürlich immer noch etwas Raum für spontane Ideen – wenn ich beispielsweise nochmal dank meines Studiums einige Sachen lesen darf und sich daraus ein Blogprojekt stricken lassen würde, bleibe ich da flexibel – klar ist allerdings, dass der Sonntag bis auf weiteres für diese ganzen Blogprojekte reserviert bleibt.

Auch mit der Lesefutter-Reihe wird es am Freitag weitergehen, allerdings vielleicht eher alle drei Wochen als alle zwei Wochen, weil ich im Moment wenig dazu komme, mich damit auseinanderzusetzen – die Beiträge aus dieser Reihe bringen immer ein wenig Rechercheaufwand mit sich.

Sonstiges

In den ersten Monaten des neuen Jahres – so viel ist bisher absehbar – könnt ihr euch weiterhin auf etwas Hanni und Nanni und weitere Romantische Erzählungen freuen. Ich würde gerne im nächsten Jahr mal wieder etwas längere Bücher lesen – und aus einem Audible-Probeabo habe ich noch einige Hörbücher, also könnte es in Zukunft durchaus zu mehr Hörbuch-Rezensionen und insgesamt etwas weniger Rezensionen kommen.

Technisch gibt es wenig Neues. Ich bin seit über einem Jahr bei meinem neuen Hoster, der netcup GmbH glücklich und habe, da es keinen Grund zu klagen gab, den Vertrag dort bis November kommenden Jahres verlängert. Und derzeit sehe ich auch keinen Grund, dann einen Umzug in Angriff zu nehmen. Die Seite läuft schnell, zuverlässig und stabil und dass ich seit dem Umzug keine Arbeit mehr mit dem eigenen Server habe, sorgt dafür, dass ich mehr Zeit in den Blog selber stecken kann – was mich natürlich sehr freut und sich auch darin zeigt, dass es trotz der gelegentlichen Leseflauten hier im Blog eigentlich immer etwas zu lesen gab. Klar läuft nicht immer alles nach Plan, ein Beitrag verspätet sich um eine Woche, aber insgesamt sind 173 Beiträge in diesem Jahr erschienen, das ist fast jeden zweiten Tag einer – und ich denke, genau damit geht es im Jahr 2017 auch weiter.

Euch allein wünsche ich jetzt erstmal einen guten Start ins neue Jahr. Dieser Blog ist jetzt ein paar Tage im Silversterurlaub und es geht dann am 04.01. mit der Monatsliste vom Dezember weiter. Bis dahin!

 

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Nova Atlantis – Francis Bacon

Das heutige Buch ist eines der ältesten, die wir jemals auf diesem Blog hatten. Erschienen 1627 und geschrieben um 1614 herum hat das Buch inzwischen fast 400 Jahre hinter sich – und es ist neben Thomas Morus Utopia eines der ersten utopischen Werke. Stets als Fragment geblieben wurde es im Jahr nach seinem Tod veröffentlicht.

Bensalem ist eine fiktive Insel in der Südsee, auf der ein Schiff strandet. Zunächst dürfen die Matrosen nicht an Land kommen, schließlich werden sie von den Inselbewohnern, die ihre Sprache sprechen, aber freundlich empfangen, sind aber zunächst in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. In Gesprächen mit den Bewohnern der Insel finden sie einiges über die Gesellschaftsstruktur heraus. Die Menschen leben dort unter einem König mit starkem Parlament, der jedoch nur formale Macht hat. Die eigentliche Steuerung passiert jedoch durch ein Gremium, ein Haus Salomon. Diese Vertreter werden fast schon kultisch verehrt, die Organisation selbst ist jedoch streng arbeitsteilend aufgebaut und betätigt sich in allen Wissenschaften. Sie bereist die ganze Welt und nehmen die Technologien und kulturellen Errungenschaften mit auf die Insel, geben aber nur ausgewählte Informationen der Öffentlichkeit und sogar dem König preis, sie lenken also den Fortschritt dieser Insel, was dazu führt, dass auf der Insel alle Menschen in Frieden und im Überfluss leben können. Und so bietet man den Gestrandeten schließlich an, sich dauerhaft auf der Insel niederzulassen, damit sie das Geheimnis nicht weitererzählen.

An dieser Stelle endet das Fragment, es gibt Vermutungen, dass es intendiert war, weitere Teile beispielsweise über das politische System oder über Details des gesellschaftlichen Alltagslebens zu schreiben und schließlich eine Entscheidung der Gestrandeten herbeizuführen, davon ist aber nichts überliefert – wohl auch, weil Bacon sich dann seinem Hauptwerk zuwendete. Doch auch schon in dieser fragmentarischen Form ist die Nova Atlantis bereits sehr interessant, bedarf aber einer Interpretation. Der Titel und auch der Text nehmen – wenn auch nicht so in der Tiefe – Bezug auf Platons Atlantis-Mythos, die grundlegende Gesellschaftsstruktur ist mit der englischen Monarchie zu dieser Zeit vergleichbar – natürlich ohne das Haus Salomon. Diese parallel existierende Struktur ist an die Stelle einer Kirche getreten und arbeitet aber völlig anders als diese – mal von dem unterdrückten Wissen abgesehen.

Interessant ist auch der Wissenschaftsbegriff. Ich bin ja ein großer Freund von Grundlagenforschung – was hier allerdings passiert gleicht mehr einer Wissenschaftsmanufaktur in der strengen Aufteilung, dem Monopol auf internationale Beziehungen, das das Haus hat und der strengen Praxisorientierung. Wichtig ist nur, was praktischen Interessen gehorcht. Ich habe eine Ausgabe der Nova Atlantis vom Verlag der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Das war eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen der DDR und somit ist auch das umfangreiche Vorwort sehr marxistisch geprägt – tatsächlich ist aber die marxistische Denkweise in dieser Utopie gar nicht so fehl am Platz, denn tatsächlich besitzt das Haus Salomon alle Produktionsmittel und gibt nur die Endprodukte weiter an die gewöhnlichen Einwohner – auch wenn ich glaube, dass dieser marxistsche Ansatz zu kurz greift, um die Nova Atlantis zu verstehen.

Insgesamt ist die Nova Atlantis eben nicht mehr als ein Fragment, an dem man einige interessante Sachen herausarbeiten kann – auch der Wissenschaftsbegriff damals war ein zeitgenössischer. Für mich bietet sich am ehesten noch die Kritik an einer Gesellschaft des rückständigen Glaubens und ein Propagieren einer ‚Revolution des Wissens‘ als Essenz des Werkes an – der Glaube, dass die Wissenschaft für Frieden und Wohlstand sorgen kann, ist einer, der im 17. Jahrhundert, in dem gerade die ersten Schritte auf dem Weg zu einer Technikgesellschaft gelegt wurden, sehr stark war.

Ich fand die Nova Atlantis durchaus bereichernd. Ich mag ja Dystopien – gleich auch wie Utopien – ziemlich gerne – wenn mich auch dieses Bändchen etwas ratlos zurückgelassen hat. Ich würde euch allerdings eine Ausgabe ohne marxistisches Vorwort empfehlen, aber es hilft, sich mal zu den kaum 50 Seiten Text irgendeine Art einführenden Kommentar zu lesen. Es ist zwar alles gut verständlich ge- und beschrieben, aber gerade ohne den zeitlichen Kontext dazu, wirkt das Werk doch ziemlich befremdlich. Es ist auch kein absolutes Must-Read, die oben angesprochene Utopia ist vielleicht noch etwas bedeutsamer, aber es schadet nicht, sich mit dieser doch etwas unterbewerteten Epoche der Geschichte etwas zu beschäftigen – daher bekommt die Nova-Atlantis von mir auch 4/5 Sternen.