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Neuzugänge #26 – März bis Mai 2016

k-2016-06-20 15.58.56Der zweite Affe – Micha J. Alzt

Ein weiteres Rezensionsexemplar und auch das einzige, das zurzeit noch offen ist. Es handelt sich um ein autobiographisches Buch, ein Sachbuch, in dem beschrieben wird, wie bizarre Fälle von Steuerverschwendung funktionieren, wie mit Subventionen umgegangen wird – und der Autor erzählt aus seiner Vergangenheit. Ich war etwas überrumpelt, als mich der Autor anschrieb, ob ich Lust hätte, es zu lesen und ich fand, es klang unglaublich spannend. Das Buch ist recht umfangreich, ich habe mich noch nicht herangetraut, aber es steht auf meiner Leseliste für die nächsten Monate. Bleibt gespannt!

Momo – Michael Ende

Momo ist ein Buch meiner Kindheit. Ich habe den Film wohl dutzende Male gesehen, habe damals auch mehrmals das Buch gelesen und es war eines meiner Lieblingsbücher – kaum verwunderlich, bin ich doch mit Michael Ende großgeworden; die Unendliche Geschichte war ja sogar das erste Buch, das ich hier rezensierte. Doch scheinbar habe ich das Buch nicht mehr, zumindest konnte ich es nirgendwo finden. Ich möchte nicht ausschließen, dass es noch irgendwo in einer Kiste mit Kindersachen liegt, aber ich habe dann einfach mal bei einer Rebuy-Bestellung für kaum einen Euro eine Ausgabe bestellt – auch weil ich mal wieder Lust auf dieses Buch hatte.

Drawing Conclusions – Donna Leon

Manchmal bestellt man bei Rebuy und findet dann ein Buch, von dem man denkst, dass man es zwar ganz gerne mal lesen würde, aber nie bereit war, dafür viel Geld auszugeben. So geht es mir bei den Donna-Leon Büchern. Neu sind sie mir einfach nicht das Geld wert, aber für ein paar Cent oder Euro gebraucht lese ich sie ganz gerne mal zwischendurch – und diesen Band fand ich bei Rebuy für nicht mal 50cent. Und da ich keinen Donna Leon mehr auf dem SuB liegen hatte, habe ich ihn spontan mitbestellt.


Absurda Comica – Andreas Gryphius
Dantons Tod – Georg Büchner
Buddenbrooks – Thomas Mann

Zu diesen Büchern gibt es verhältnismäßig wenig zu sagen, weil ich diese nicht unbedingt freiwillig gekauft habe – sie sind Gegenstand meines Lektürekurses, den ich dieses Semester besuche. Absurda Comica ist ein herrlich komisches Theaterstück aus dem Zeitalter des Barock, Dantons Tod ist ein Vormärz-Drama, das sich mit Akteuren der französischen Revolution auseinandersetzt und die Buddenbrooks – den wir nur in Auszügen im Kurs lesen, über 800 Seiten sinnvoll zu sprechen würde mehrere Semester dauern – ist ein generationenübergreifender Familienroman des 20. Jahrhunderts. Ich denke, im Blog ist schon zu erkennen, dass ich diesen Kurs im Moment besuche und das sind dann auch die Bücher, die ich dafür neu gekauft habe. Einige weitere hatte ich schon zuhause oder habe ich sogar schon gelesen – und teilweise damals noch zu Abizeiten auf diesem Blog rezensiert. Wie doch die Zeit vergeht!

 

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Die Taube – Patrick Süskind

k-2016-06-16 22.47.36Patrick Süskind ist ein Phänomen. Sein größter Erfolg, Das Parfum, ist auch sein einziger; er wird in Schulen gelesen, enorm erfolgreich verfilmt und allein der Verkauf der Filmrechte hat wohl dafür gesorgt, dass sich Süskind ein ruhiges Leben machen kann – Das Parfum ist bis heute sein einziger Roman und das letzte Mal, dass er sich meldete, war mit einem Essay 2006. Die Taube ist eine Novelle, die zwei Jahre nach dem Parfum veröffentlicht wurde. Das kaum 100 Seiten schmale und überdies noch in großer Schrift gedruckte Bändchen thematisiert einen außergewöhnlichen Tag im Leben eines gewöhnlichen Mannes.

Jonathan Noel hat in seinem frühen Leben einige drastische Sachen erlebt und zieht sich seit über 30 Jahren aus der Gesellschaft zurück. Er ist Wachmann vor einer Bank und sich der Sinnlosigkeit seines Tuns bewusst, er bewohnt ein kleines Zimmer mit Toilette auf dem Gang und hat dies auch schon fast abgezahlt, sodass er es bald sein Eigentum nennen kann. Doch eines Morgens, als er sich gerade auf dem Weg zum Bad macht, sieht er eine Taube – eine Taube, die dort sitzt, ihn stumm anschaut und schließlich den ganzen Flur mit hässlichen Flecken versieht. Das bringt ihn völlig aus dem Konzept, er hetzt mit gepacktem Koffer zur Arbeit, ist aber den ganzen Tag unkonzentriert, traut sich in der Mittagspause nicht nach Hause, zerreißt sich seine Hose und verbringt die Nacht aus Angst vor der Taube, der Unregelmäßigkeit in einem billigen Hostel, er plant, sich umzubringen. Doch im Gewitter der Nacht kommt seine Orientierung wieder zurück, er geht nach Hause – Die Taube ist verschwunden.

Was mir zuerst an der Novelle auffiel, ist, dass sie innerhalb von 24 Stunden spielt und hinsichtlich ihrer Ortswahl sehr begrenzt ist. Eine Handlung ohne Nebenstränge, die wenigen Schauplätze sind alle in derselben Stadt verteilt, alle an einem Ort – das erinnert an die Aristotelischen Drameneinheiten. So klassisch das wirkt, habe ich enorme Schwierigkeiten, die Geschichte einzuordnen – und das liegt nicht nur daran, dass ich momentan nicht besonders fit in Novellentheorie bin, sondern auch, weil die Geschichte so absurd und gleichzeitig faszinierend ist. Letzten Endes passiert nicht viel. Ein soziophober Mensch ist von einer Taube so verunsichert, dass er an seine Grenzen kommt. Und trotzdem ist die Geschichte unglaublich faszinierend geschrieben, dieser direkte Schreibstil erzeugt einfach einen Drive, sodass man förmlich in die Geschichte hineingerissen ist und geneigt ist, sie einfach am Stück zu lesen.

Irgendwie kam mir beim Lesen so das Gefühl, dass Süskind den Charakter von Jonathan Noel ein bisschen autobiographisch gestaltet hat. Süskind selbst tritt kaum in die Öffentlichkeit, es gibt quasi keine Fotos und Interviews mit ihm, man wird das Gefühl nicht los, dass er selbst sich vielleicht nach der Regelmäßigkeit eines Jonathan Noel sehnt – oder er kann sich zumindest gut in ihn hineinzuversetzen. Ich jedenfalls konnte mich sehr schnell dort hineinversetzen – auch wenn Noels Job für mich die persönliche Hölle wäre, ist so eine gewisse Regelmäßigkeit im Leben sicherlich nicht falsch. Wirklich gestoßen habe ich mich daran, dass die Novelle teilweise ziemlich vulgär war und das irgendwie für mich aus dem Text herausgestoßen ist – ich weiß gar nicht, wieso mir das so aufstieß, aber irgendwie brachte mich das ein- oder zweimal aus dem Takt.

Insgesamt fand ich die Novelle unglaublich faszinierend. Ich finde es ja immer ganz schön, von bekannten Autoren auch mal ein- oder zwei unbekannte Werke zu lesen, um ein besseres Gefühl für die Autoren zu bekommen. Insofern war dieses Buch, das ich in einem öffentlichen Bücherschrank fand, ein echter Glücksfund, den ich gerne gelesen habe. An das Parfum kommt die Geschichte bei weitem nicht heran, aber dennoch ist sie absolut lesenswert und ich gebe gerne 4/5 Sterne dafür. Wenn ihr mal darüber stolpert, nehmt sie zur Hand – es lohnt sich.

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Montagsfrage vom 27.06.2016

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Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Wie ist bei dir das Verhältnis zwischen Fiktion und Non-Fiktion, wenn du dein Leseverhalten betrachtest?

Ich muss sagen, das wird auf diesem Blog relativ verfälscht dargestellt. Während ich seit April keine 2000 Seiten fiktionale Literatur gelesen habe, habe ich in der gleichen Zeit fast 3000 Seiten wissenschaftliche Texte gelesen, natürlich universitätsbedingt. MIt non-fiction sind aber vermutlich eher Sachbücher gemeint – und da liegt die Quote in diesem Blog und auch in meiner normalen Leseauswahl bei gerademal ein paar Prozent. Einige habe ich in den letzten Jahren gelesen, aber generell lese ich überwiegend wissenschaftliche Texte oder eben Romane – und letztere stelle ich hier auf diesem Blog auch vor. Mein Blog ist also zu einem ganz überwiegenden Teil rein fiktional.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche -. ich habe wieder einiges für euch vorbereitet und hoffe, ihr habt beim Lesen genau so viel Spaß, wie ich beim schreiben.

Bis dahin!

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Mondnacht – Joseph von Eichendorff

Nachdem wir letzte Woche ein so bedrückendes Gedicht hatten, dachte ich mir, ich nehme gleich noch mal wieder ein romantisches Gedicht hinein, damit wir ein bisschen süß träumen können. Mondnacht heißt es, 1837 ist es erschienen und könnte auf den ersten Blick nicht schöner sein. Sternklare Nacht, leises Rauschen, welch unbeschreiblich schöne Szenerie. Doch was Eichendorff daraus macht, könnt ihr erstmal selbst nachlesen: https://de.wikisource.org/wiki/Mondnacht

Ja, welch wundervolle Naturlyrik. Alles wirkt sehr idyllisch, eine wundervolle Mondnacht, wie man sie so im Park liegend, den leichten Wind der Sommernacht spürend, gerne verbringt, man beginnt zu träumen und romantisiert die eigene Situation, man lässt die Seele baumeln oder eben ihre Flügel ausbreiten. So geht das im Gedicht 11 Verse lang. Und dann kommt der zwölfte Vers. Der abschließende Halbsatz. Mit dem alles zerstört wird. Aber dazu gleich mehr.

Formal ist das Gedicht in drei Strophen zu je vier Versen gegliedert, auch hier ist das Versmaß enorm regelmäßig, es liegen dreihebige Jamben (unbetont – betont) vor, die zusammen eine Strophenform bilden, die der des Hildebrandtliedes ähnelt, es sind ziemlich regelmäßige Kreuzreime, lediglich für spannte – Lande muss man ein bisschen nuscheln, damit der Reim rein wird.

Wir befinden uns schon in der ausklingenden Romantik, die ja von Naturlyrik geprägt ist, das Naturidyll wird gnadenlos verherrlicht und die Sehnsucht nach der Ferne dominiert häufig das Gedicht. Hier aber ist es noch eine ganz andere Sehnsucht, die sich im letzten Vers andeutet. Die Seele fliegt durch die stillen Lande, so als ob sie nach Hause flöge. Und mit dem nach Hause fliegen ist wohl kaum der Schoß der Angebeteten gemeint, sondern der Tod. Das Loslösen der Seele vom Körper und die Heimkehr ins Paradies ist das urchristlichste Motiv, das wir wohl kennen. Und wenn man es ganz düster deuten möchte, könnte man auch das Küssen von Himmel und Erde nicht als paradiesische Verklärung der Natur sehen, sondern aus Vorbote der Apokalypse, wo sich die Schleusen des Himmels öffnen und somit Himmel und Erde sich berühren, damit die Erde in ihm aufgeht. Die sternklare Nacht passt da nicht unbedingt mit hinein, aber wenn man dies als bekannte Ruhe vor dem Sturm sehen möchte, könnte man das auch deuten.

Okay, das ist jetzt etwas weit hergeholt, aber dennoch bleibt die Frage, wieso diese eigentlich so wahnsinnig romantische Situation auf einmal mit dem Tod überschattet wird – und hier kommen wir zum Sehnsuchtsmotiv. Die Sehnsucht ist das Bedeutende für Romantik, für August Schlegel war sie sogar das, was die Romantik von der Poesie des Alten unterschied. Und Ziel der Sehnsucht ist das Unerreichbare und hier in diesem Fall – der gar nicht so untypisch ist – die Erlösung, der Tod. Vielleicht ist das auch auf die zeitlichen Umstände bezogen. Die Romantik ist bekannt dafür, sich zum restaurativen Zeitgeschehen nicht zu äußern, die gesellschaftlichen Unruhen der bürgerlichen Revolutionsbestrebungen nicht in die Poetik zu tragen – vielleicht ist diese Todessehnsucht genau der Aufhänger, an dem das Zeitgeschehen anknüpft. Eine Welt, die so unerträglich ist, bei der man sich zunächst in die Natur zurückflüchtet – mittlerweise setzt zumindest die Urbanisierung und die frühe Industrialisierung ein – und schließlich sieht man keinen Ausweg mehr als den Tod, nach dem man sich sehnt.

Auch hier könnte man sicherlich noch weiter interpretieren, sich mit den einzelnen poetischen Bildern beschäftigen, aber insgesamt lässt sich an dieser Stelle schon festhalten, dass das träumerische Naturidyll hier erst im letzten Vers gebrochen wird und in ein geradezu schauerromantisches Finale mündet. Ganz so unbeschwert wie erwartet, ist dieses Gedicht dann doch nicht.

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Wer suchet der findet #3: März/April 2016

Es wird mal wieder Zeit für eine scherzhafte Kommentierung der Suchbegriffe, welche andere Leute bei Google eingegeben haben und auf mich gestoßen sind

romanfresser.de

Jep, das bin ich. Willkommen hier im Blog, schön, dass du ihn gefunden hast!

blog bücher roman märz 2016

Bitte was? Das ist eine Suchanfrage, die ich nicht verstehe. Das ist ein Blog, hier bespreche ich Bücher und Romane und das habe ich auch im März 2016 gemacht. Warum auch immer man so etwas sucht.

leseprojekt ideen

Puh, gute Frage. Ich habe schon einige Leseprojekte gemacht, meistens ging es darum, eine Serie oder ein umfangreiches Buch in einzelnen Kapiteln zu lesen oder auch mal andere Formen auszuprobieren

neue heftromanserie

Das wurde letztes Mal schon gefragt… Irgendwie scheint es auch um Freimaurer zu gehen, aber ich habe keine Ahnung, mir hat niemand etwas erzählt – bitte klärt mich auf!

wolfgang hohlbein der hammer der götter bewertung

Ich bin ja auch ein Serviceblog, oder? 4/5 Sternen, ziemlich hübscher Kurzroman innerhalb der Asgard-Saga, aber kein wirkliches Must-Have – aber zusammen mit dem Orkling ein paar nette Lesestunden. Details hier.

Irondead

Irondead heißen inzwischen zwei Romane von Hohlbein. Was genau möchtest du über Irondead wissen? Ich fand die beiden Bände ziemlich cool, du kannst ja mal in meine Rezensionen reinschauen

der ruf der tiefen hohlbein

Man merkt meinen Suchbegriffen schon ganz gut an, was ich gerne lese, oder? Den Roman fand ich nicht so überragend, man könnte ihn durchaus überspringen und lieber Irondead lesen. Aber andererseits war auch der eine schöne Abendunterhaltung.

bill bryson schreibstil

Ich weiß es nicht so wirklich, ich habe nur die Übersetzungen gelesen – aber die waren durchweg sehr unterhaltsam geschrieben. Bryson hat es bei mir geschafft, gleichzeitig die Schönheit des Reiseziels rüberzubringen und mich gleichzeitig bestens zu unterhalten – und seine Sachbücher sind ebenfalls spannend geschrieben; sie sind eher eine Reise in der Zeit und nicht minder spannend. Ich habe eine ganze Menge Bücher von ihm gelesen und auch rezensiert – hier sind sie zu finden.

denken ist wichtig
marc uwe kling denken ist wichtig

Das wird ein Evergreen, oder? „Dass die kognitiven Potenzen extraordinäre Relevanz für die Dialektik haben“. Marc-Uwe Kling, Die Känguru Chroniken. S. 97.

goodkind konfessor

Letzter Band der ewig langen Schwert-der-Wahrheit Saga. Aber keine Sorge, es gibt noch eine abschließende Trilogie danach. Und einen grandiosen Reihenabschluss bietet schon dieser Band. Hier meine Rezension dazu.

Antarktisball

Der Suchbegriff hat mich wirklich überrascht. Wahrscheinlich wollte der Suchende etwas darüber wissen, ob es diesen Ball aus der Myers-Holt Reihe wirklich gibt – aber nein, leider nicht. Das ist bloße Fiktion, wenngleich er wirklich schön beschrieben ist

gesellychaftskritusche aspekte marquise von o

Seit wann gebe ich hier Hausaufgabenhilfe? Hast du die Novelle gelesen – sie ist wirklich nicht lang. Klar, es ist nicht der einfachste Text, aber ich denke, im zeitlichen Kontext wird das doch ganz gut deutlich. Und auch, wenn ich den Text nicht so berauschend fand, habe ich in meiner Rezension doch etwas dazu geschrieben

nachtopf wintermärchen
kölner dom dombauverein ein wintermärchen

Oh, das Wintermärchen von Heine, das wurde ziemlich ordentlich gesucht. Der Dombauverein kommt nicht gut weg und der Nachttopf von Karl dem Großen ist der Zauberkessel, der den Duft der deutschen Zukunft ausstößt – und das ist natürlich eine ziemlich bissige Gesellschaftskritik.

expressionistische werke hugo hofmannsthal

Öhm. Ist Hoffmansthal wirklich expressionistisch? Ich habe mal den Chandos-Brief rezensiert und ja, der nimmt schon einige expressionistische Züge vorweg – aber ich würde nicht so weit gehen, dass man Hoffmansthal als Expressionisten bezeichnet?

ballett das fräulein von scuderi

Ich habe das Ballett nicht gesehen. Es gibt ein Ballett, aber ich weiß nicht, wer es aufführt und wo es herkommt, es tut mir leid. Ich könnte dir, lieber Suchendera, höchstens meine kurze Besprechung zu der Geschichte selbst anbieten – denn die solltest du vor dem Ballettbesuch sicherlich mal gelesen haben.

moderne bücher die man gelesen haben muss

Das ist wohl die schwierigste Frage der Welt. Geht es um deutsche Bücher? Um internationale? Ich muss sagen, ich mag den Kanon der BBC, den BBC Big Read, da ist sicherlich viel Trivialliteratur dabei, aber auch wirklich einige schöne Empfehlungen Ansonsten hat wohl jeder Literaturkritiker seinen eigenen Kanon aufgestellt

salem verkaufte seele

Ich habe offiziell keine Ahnung, was mit diesem Suchbegriff gemeint ist, es gab ein Hexer-Heftchen, das sich ‚Der Seelenfresser‘ nannte, aber ich glaube, es geht hier eher um die Schule Schloss Salem? Aber was ist denn damit?

carl friedrich gauß vermessung der welt wirklichkeit postmodern
die vermessung der welt postmoderner roman

Ja, die Vermessung der Welt ist ein postmoderner Roman. Die Kriterien für den postmodernen Roman sind ziemlich uneindeutig und es ist zu komplex, um das hier in einem kurzen Kommentar zu illustrieren – aber ich habe das in meiner Rezension durchaus mal angesprochen

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Dantons Tod – Georg Büchner

k-2016-06-03 23.58.24Georg Büchner ist ein beeindruckender Schriftsteller. Mit 23 Jahren ist er bereits gestorben, bis dahin hat er zweieinhalb Theaterstücke selbst verfasst, eine Novelle geschrieben und zwei Dramen übersetzt, er war Doktor der Philosophie und bereits im Zuge, eigene Vorlesungen zu halten. Nebenbei war er gesuchter Revolutionär, der nach einem Flugblatt ins Ausland fliehen konnte. Um eines der Dramen soll es heute gehen. Büchner schrieb es nach eigenen Angaben innerhalb weniger Wochen und es ist das einzige Werk von ihm, das zu Lebzeiten veröffentlicht wurde: Dantons Tod.

Dantons Tod thematisiert einen Konflikt innerhalb der Revolution. Danton und seine Anhänger befürworten das Privateigentum und den Liberalismus, er selbst geht in Freudenhäusern ein und aus und wollen eine friedliche Lösung, um die Guillotine möglichst in Ruhe zu lassen; sein Gegenspieler Robespierre und seine Anhänger verlangen, dass alle Gegner der Revolution von der Guillotine vernichtet werden sollen, Privateigentum und insbesondere alles, was Danton befürwortet, lehnt er radikal ab. Ein Treffen der Beiden wird schnell zum Eklat, Danton wird verhaftet und verliert die Kraft, weiter für die Ziele der Revolution zu kämpfen, er sieht sie als gescheitert an. Vor dem Tribunal verteidigt er sich noch und das Volk jubelt ihm zu, doch Robespierre und der korrupte Tribunalausschuss bringen ihn endlich vor den Henker; mit ihm stirbt das Ideal eines liberalen Staates und die Freiheit von der Terrorherrschaft.

Das Drama ist ein höchst ungewöhnliches Stück, das zwar formal aus fünf Akten besteht und auch auf den ersten Blick durchaus wie ein geschlossenes Drama anmutet, doch bereits der Blick ins Personenverzeichnis offenbart, warum das Stück über Jahrzehnte als unaufführbar galt. Nicht nur agieren dutzende von Personen, es gibt Massenszenen, noch dazu ändert sich der Ort der Handlung ständig und sie geht oder Tage und Wochen hinweg. Es thematisiert einen real existenten Konflikt, der aber natürlich im Kontext von Büchners Zeit zu sehen ist. Büchner, der ja selbst Revolutionär war und die Ideale der französischen Revolution auch in Deutschland propagierte („Friede den Hütten, Krieg den Palästen“), spricht in diesem Stück nicht nur – wenn auch mit Hinblick auf die damalige Zensur etwas verschleiert, seine politischen Ideale an, sondern übt an einigen Stellen auch Kunstkritik und entwirft den Prototyp der von ihm mitbegründeten Vormärzliteratur, einer Strömung, die sich gegen den Idealismus der Kunst richtet und der Kunst die Aufgabe des politischen Wirkens unterstellt.

Bemerkenswert an diesem Werk ist auch die Entstehungsgeschichte. Das Stück wurde in einigen Wochen heruntergeschrieben, er bat seinen Verleger sogar um baldige Veröffentlichung, weil er Geld für die anstehende Flucht ins Ausland brauchte. Ich fühle mich, wenn ich solche Bemerkungen in den Apparaten der Ausgaben lese, immer ein bisschen geerdet, auch ein heute kanonischer Autor schreibt nicht nur für seinen Idealismus und seine Kunst, sondern auch zum bloßen Broterwerb. Immer wieder beeindruckt es mich, dass wir heute Werke als kanonisch ansehen, die unter scheinbar so trivialen Umständen entstanden sind – und dass sich die kanonischen Titel eben nicht aus einem Selbstanspruch ergeben.

Dennoch muss ich sagen, dass Dantons Tod mich persönlich nicht vom Hocker hauen konnte. Sicherlich ist es ein lesenswertes Theaterstück, aber weder die Szenerie, noch die Geschichte, noch die Figuren konnten mich wirklich packen. Es ist in Prosa verfasst und somit sehr angenehm zu lesen, als nicht-frankophoner Leser hatte ich zunächst etwas Probleme, die zahlreichen Namen auseinanderzuhalten, aber das klärte sich innerhalb der ersten Akte. Ich würde das Stück gerne mal aufgeführt sehen, würde mal miterleben wollen, wie diese komplexe Szenierie auf die Bühne gebracht wird – aber das bloße Lesen hat mich nicht wirklich begeistern können. Leider kann ich es nicht viel genauer fassen, denn an sich kann man an dem Stück gar nicht so besonders viel kritisieren – aber es kommt für mich bei weitem nicht an die Meisterwerke von Dramen heran, die ich hier mit Fünf Sternen bewertet habe. Ich würde also von daher mal 3/5 Sternen vergeben – für ein sicherlich wichtiges und zeitgenössisch hoch spannendes Theaterstück vergeben, das aber keineswegs ein unangefochtenes Meisterwerk darstellt.

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Montagsfrage vom 20.06.2016

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Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Magst und liest du Gedichte/Gedichtbände?

Haha. Nein. Ich bin nicht unbedingt ein großer Freund von Gedichten. Deswegen habe ich vor einigen Wochen ein Leseprojekt gestartet, in dem ich mich mal etwas auf Gedichte einlasse und mal in diesem Blog ein bisschen über klassische Gedichte spreche und versuche, mich für diese Form von Literatur zu begeistern. Ob das gelingt, werden wir in einigen Monaten sehen, dann werde ich die Frage möglicherweise etwas anders beantworten.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und darf an dieser Stelle freudig verkünden, dass es wieder bergauf geht mit meinem Lesen und diesem Blog. Es könnte tatsächlich ab dieser Woche wieder mit den vier Beiträgen pro Woche, die wir zu Beginn des Jahres hatten, weitergehen, Montags kommt die Montagsfrage, mittwochs eine Rezension, freitags ein weiterer Beitrag zu allen möglichen Themen rund ums Lesen und Sonntag das aktuelle Blogprojekt.

Bis dahin!

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Menschliches Elende – Andreas Gryphius

Gryphius hatten wir erst vor kurzer Zeit im Blog, damals mit einer Komödie. Desto passender ist es nun, wenn wir uns mal eine ganz andere Seite von Gryphius anschauen. Denn mit einer komischen Geschichte hat dieses Gedicht gar nichts zu tun – Menschliches Elende ist nämlich der Titel und der spricht – gerade bei Gedichten – Bände.

Das Gedicht könnt ihr hier lesen: https://de.wikisource.org/wiki/Menschliches_Elende

Es geht, wie schon der Titel erwarten lässt um Vergänglichkeit, Bedeutungslosigkeit. Wir Menschen sind allesamt nur vergänglich, nicht einmal unsere Nachfahren werden sich an uns erinnern, generell: Unser Name, unser Ruhm ist doch nur Schall und Rauch – vergänglich. Und wenn ich so oft in diesem Kapitel vergänglich schreibe, dann sind wir auch schon mitten in der Einordnung des Gedichts in das Barocke. Aber schauen wir uns die Form an.

Es handelt sich hierbei um ein klassisches Sonett, man erkennt das gut an den 2×4 Versen, auf die 2×3 Verse folgen, meistens mit einer Art inhaltlichem Bruch zwischen den Quartetten und Terzetten. Die Verse sind enorm regelmäßig, sie bilden einen Alexandriner, ein ganz typischer Vers für deutsche Dichtung – gerade im Barock, aber auch noch bei Goethe findet er sich. Er besteht aus sechs Hebungen, beginnt mit einer unbetonten Silbe, es sind also sechs Jamben; (für den ersten Vers sind die Hebungen exemplarisch: sind, Men-, doch, Wohn-, grim-, Schmer-), nach dem dritten Versfuß gibt es einen kleinen Einschnitt, eine Zäsur (im ersten Vers ganz deutlich durch das Ausrufezeichen makiert). Die Reime sind sogenannte Schweifreime in Form abba, cddc, eef, ggf und alle Reime sind perfekt. Es ist schon bemerkenswert, wie streng und regelmäßig dieses Gedicht ist – solche Verskunst finde ich immer total bewundernswert.

Ich hatte es eben schon angedeutet, wir sind im Zeitalter des Barock, welches wesentlich durch den dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 geprägt ist. Elend, Tod und Sterben bestimmten damals den Alltag vieler Menschen, sie sehen schon in jungen Jahren viel Leid und über allem steht das christliche Dogma von der Endlichkeit des irdischen Seins. So verwundert es dann auch wenig, dass in dieser Epoche besonders häufig Motive von Vergänglichkeit (auch in christlich-jüdischer Tradition als Vanitas bezeichnet), dem Nutzen des Tages, denn morgen schon könnte man tot sein (Carpe Diem!) und des Gedenkens an die Toten (Memento Mori) auftauchen.

Gryphius selbst ist 1616 geboren, das Gedicht wurde 1637 veröffentlicht – das ist nicht nur über 20 Jahre vor der Komödie, die wir hier zuletzt gelesen hatten, sondern vor allem auch mitten in dieser Phase des dreißigjährigen Krieges und es ist vor allem das Vanitas-Motiv, das hier auftaucht. Der Mensch ist nur ein ‚bald verschmeltzer Schnee‘, das ‚Leben fleucht darvon‘ – es ist schon etwas deprimierend, das Gedicht zu lesen. In sehr vielen Vergleichen und Bildern wird dargestellt, was letzten Endes jeden von uns befällt: Der Tod – und den Übergang in das Leben nach dem Tod. Die einzige Hoffnung, die Gryphius und Zeitgenossen umgetrieben hat.

Spannend wäre es auch, das ganze mal psychoanalytisch aufzurollen. Was muss in einem 21-jährigen vorgehen, der solche Gedichte schreibt? Ist das der Weltschmerz, sind das die Kriegstraumata, die zur Resignation führen? Oder will Gryphius nur zeigen, wie gut er Verse setzen kann und bedient sich der zeitgenössischen Motive? In jedem Falle ein sehr formvollendetes Gedicht, das überdies sehr bedrückend ist. Wer tiefer einsteigen möchte, kann sich mal mit der Funktion des ‚Ichs‘ in diesem Gedicht und im Barock beschäftigen oder sich intensiver mit den letzten beiden Strophen auseinandersetzen, die noch einiges an Interpretationspotenzial bergen, welches aber unseren Rahmen hier sprengen würde.

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Lillian – Straße der Sünde – Christopher Crane

k-2016-06-16 22.38.44Per Mail kam schon vor einiger Zeit die Frage, ob ich gerne mal einen schönen Horrorroman lesen wollen würde, was ich dann auch bejahte. Ich bekam also Lillian – Straße der Sünde zugeschickt und habe mich auf viel Blut und Spannung gefreut – und wurde nicht enttäuscht.

Lillian und Frank sind ein Paar, eine Architektin und ein studierter Florist und halten sich mehr schlecht als Recht über Wasser – bis dann eine Erbschaft kommt, die die beiden in das Dorf Shuus verschlägt. Neben einem Blumenladen, den sie dort übernehmen und einer besonderen Blume, die ihnen Reichtum bringen soll, passieren Lillian merkwürdige Dinge, sie sieht Gestalten – und schließlich kommt eskaliert die Situation. Lillian gerät in eine Art Blutrausch und tötet in wilder Hatz alle Hunde im Dorf. Vor Gericht wird sie enorm schnell verurteilt und gerät in eine Irrenanstalt, in der grausame Experimente durchgeführt werden. Und die Gestalt, die sie sieht, lässt sie nicht mehr los. Natürlich unternimmt Frank alles, um Lillian aus diesem verrückten Haus zu befreien, aber was daraufhin geschieht, gleicht einer Apokalypse – inklusive gefallener Engel und wilder Russen mit Maschinengewehren.

Ich muss sagen, mich hat das Buch zunächst etwas verwirrt. Ich konnte es am Anfang nicht einordnen, denn über die ersten hundert Seiten passiert zunächst nicht viel, Frank und Lillian haben sehr viel Sex und richten sich in Shuus ein, bauen den Blumenladen auf, haben noch mehr Sex und freuen sich, dass das Leben es so gut mit ihnen meint. Im Prinzip ist das Buch in drei Teile geteilt. Die Geschichte von Frank und Lillian, die Geschichte der Irrenanstalt und die Engelsgeschichte. Das sind im Wesentlichen drei Geschichten, die nur durch die Figur Lillian und ihren, fast schon biblisch anmutenden (einige Geistliche treten auch auf) Kampf gegen den Dämon, der sie verflucht hat. Und ich muss leider sagen, dass ich finde, dass dieser dreifache Kursus nicht völlig durchdacht ist.

Die erste Geschichte über Lillian und Frank ist schön zu lesen und es tut gut, über einige Seiten einem Pärchen einfach mal beim Leben zuzuschauen. Mir persönlich war es etwas viel Sex, aber das ist sicherlich auch Geschmackssache. Aber im Kontext des Romans, der ja kaum 500 Seiten umfasst, ist es einfach zu umfangreich geraten, vor allem, weil einige Stränge und Personen nicht zu Ende geführt werden. Es dient dazu, Shuus als Handlungsort zu etablieren und das passiert auch gut, man kann sich gut in das Leben der beiden hineindenken. Dann passiert das beschriebene Ereignis und Geschichte zwei beginnt. Und hier beginnen einige Logiklücken, das Irrenhaus selbst ist so grausam wie unvorstellbar, aber was passiert mit dem Heim danach? Die Polizei muss doch noch ermitteln, was kommt dabei heraus, wie wird der Missbrauch dort bestraft? Hier wären mehr Hintergründe und mehr Details schön gewesen – und auch etwas mehr Horror wäre nicht zu viel gewesen. Die dritte Geschichte um die Engel fand ich ziemlich verworren, es geht alles enorm schnell und Hintergründe und Details werden kaum noch genannt. Insgesamt hätte es mir gefallen, wenn diesem Teil, der in rund 100 Seiten abgehandelt wird und eigentlich der Kern des Buches ist – die anderen beiden Teile sind eigentlich nur Exposition und erregendes Moment – etwas mehr Raum zugestanden worden wäre.

Das klang jetzt erstmal alles recht negativ und auch die Charaktere sind nur teilweise schön ausdifferenziert, Frank und Lillian sind noch recht lebendige und sich entwickelnde Charaktere, aber die zahlreichen Nebenfiguren bleiben mitunter sehr blass. Dennoch heißt das nicht, dass Straße der Sünde kein lesenswertes Buch ist. Die Geschichte selbst ist nämlich ziemlich spannend angelegt, diese biblisch inspirierte Dämonengeschichte gefällt mir ungeheuer gut und Lillian und Frank sind zwei sehr sympathetische Charaktere, denen man gerne zuhört. Ich hatte auch durchaus Spaß beim Lesen und konnte mir damit zwei eher unangenehme Bahnfahrten versüßen. Trotz der oben aufgeführten Schwächen würde ich dem Roman durchaus 3/5 Sternen geben – eine tolle Idee, deren Umsetzung nicht so ganz optimal war, aber dennoch sehr lesenswert ist.

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Montagsfrage vom 13.06.2016

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Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Machen Lesespuren im Buch (Annotationen, Unterstreichungen, Besitzvermerke) ein Buch für Dich wertvoller oder mindern sie den Wert?

Ich muss sagen, ich bin nicht so begeistert davon, wenn ich im Bücherschrank irgendwelche vollgeschmierten Reclam-Hefte finde. Ich finde es nicht so schlimm, wenn vorne ein Besitzstempel ist und bei Fachbüchern verzeihe ich auch mal ein paar Anstreichungen, aber ich brauche das nicht unbedingt. Spannender ist es dann aber, wenn wir über annotierte Ausgaben von großen Wissenschaftler verfügen, oft findet man in deren Nachlass wertvolle Annotationen – von Lichtenberg gibt es beispielweise sogar eine historisch-kritische Ausgabe seiner annotierten Fassung eines damals geläufigen Fachbuches – solche Annotationen sind sicherlich von Interesse – aber ich denke, um so etwas ging es in der Frage nicht.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche – wenn ich das Hochladen endlich mal schaffe, gibt es auch einiges hier auf diesem Blog zu lesen.

Bis dahin!