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Eine magische Weltgeschichte: Die acht Zepter – Marco Wagner

k-2016-08-17 22.25.13Mal wieder gibt es ein Rezensionsexemplar auf diesem Blog. Marco Wagner fragte per Mail an, ob nicht sein Roman zu meinem Blog passen könnte und Titel und das wirklich hübsche Cover haben mich angesprochen, auch der Klappentext klang sehr hübsch – etwas skeptisch war ich nur, wie man eine solche Fantasy-Geschichte auf unter 200 Seiten entfalten kann. Ich sagte also zu und las das Büchlein in einigen Tagen weg. Doch fangen wir vorne an:

Unser Protagonist trägt keinen Namen und wacht auf einmal in einer Welt mit zwei Sonnen und zwei Monden auf, bis ihn eine Teufelsbotin, wie sie genannt wird, eigentlich eine Vogelfrau, vor einem wilden Tier nennt. Von dort an, weil er alles in sein Tagebuch schreibt, gilt er als der Schriftträger. In der ersten Stadt erfährt er von den Acht Zeptern und den sieben Trägern des Zepters, davon, dass das achte Zepter verschollen ist und dass er irgendwie eine besondere Bedeutung hat, da eine große Katastrophe über die Welt kommen soll. Er folgt seiner Retterin zu den Vogelmenschen und auf der Suche nach ihr, weil sie zwischenzeitlich entführt wurde, gelangt er in die Stadt der Toten und erhält dort weitere wichtige Hinweise zu seiner Mission. Diese besteht darin, die acht Zepter zu einen und im Auge des Sturms, der nicht besiegt werden kann die Welt vor dem Untergang zu retten.

Ich hatte es schon befürchtet und meine Befürchtungen haben sich leider bestätigt. 200 Seiten sind einfach nicht genug Platz, um eine solche Welt aufzubauen. In neuen Welten ist ja immer erstmal das ganze Leben erklärungsbedürftig – und wenn dann dort dann auch noch eine recht komplexe Handlung mit einer durchaus langen Geschichte untergebracht werden soll, fällt schnell einiges hinten unter. Die Handlung selbst und auch die Charaktere sind tatsächlich ziemlich spannend und irgendwie möchte man gerne hinter die Geheimnisse kommen, die diese Welt umgibt. Doch leider passiert dort relativ wenig. Es wird alles zum Ende gebracht und die wesentliche Handlung wird auch tatsächlich gelöst, aber nur relativ rudimentär. Alles geht immer etwas zu schnell, um sich wirklich schön einzulesen und sich tief in die Welt hineinzudenken. Und es bleibt ein bisschen zu vage, als dass sich die alte Legende der Acht Zepter wirklich entfalten kann.

Ich will das Buch gar nicht schlecht reden. Die Idee ist schön, der Beschreibung nach ist auch das Setting des Planeten, auf dem wir uns befinden, wirklich toll und faszinierend. Es ist eine tolle Welt, in die man eintaucht, es sind auch mehrere faszinierende Charaktere. Gerade der Protagonist, der als Ahnungsloser in diese Geschichte kommt, entwickelt sich noch zum wirklich guten Helden. Aber leider ist auch diese Entwicklung ziemlich gehetzt und passiert in einigen wenigen Seiten. Die Geschichte um die Zepter ist relativ typisch für einen Fantasy-Roman, es gibt ja solche magischen Gegenstände häufiger mal und dass die Besitzer des Zepters nicht so einfach mit ihnen umgehen können, liegt irgendwie nahe.

Insgesamt ist die Geschichte zwar gut durchdacht und ist auch eine wirklich schöne Geschichte, die mir auch gut gefallen hat, aber leider wird ihr nicht die Zeit gegeben, sich völlig zu entfalten. Etwas weniger Hektik, mehr Text, mehr Hintergründe hätten der Geschichte absolut nicht geschadet. Und über das doch relativ abrupte und radikale Ende müssen wir auch nochmal reden. Trotzdem hatte ich einigen Spaß beim Lesen der Geschichte. Ich würde es ein bisschen als Wellness-Fantasy bezeichnen. Es wird nicht zu komplex, bleibt immer gut verständlich und bereitet einfach Lesespaß. Und dass ich mir noch mehr davon gewünscht hätte, ist ja auch nicht unbedingt schlecht? Ich gebe dafür gerne mal 3,5/5 Sternen. Gerade wenn ihr mit ewig langen Zyklen nichts anfangen könnt, ist das Buch absolut einen Blick wert.

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Montagsfrage vom 22.08.2016

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Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Wie kommst du mit einem offenen Ende oder einem Cliffhanger klar?

Ich könnte es mir einfach machen und sagen: Ich lese Hohlbein, ich bin Kummer gewöhnt. Hohlbein hat die nette Angewonheit, dass die Enden oftmals ziemlich verdreht sind, mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten oder einfach mitten in der Handlung enden oder rasch noch eine seltsame Lösung kommt, die zumindest einen Teil der Handlung erklärt – und sei es nur durch den Tod der Protagonisten. Das mag daran liegen, dass er sich vorher keine Gedanken über seine Enden macht. Aber unbefriedigende Enden hatte ich auch beispielsweise schon bei Stephen King. Ich habe da nichts dagegen. Ich lese das Buch doch wegen des Lesens und nicht, weil es ein schönes Ende hat. Klar, in einem Krimi wäre es nett, den Mörder zu erfahren. Aber es wäre doch auch mal witzig, wenn der Mörder offen bleibt? Ich kann mit sowas recht gut umgehen und es ist für mich kein Grund, das Buch abzuwerten. Klar, so ein schönes Ende hat schon was, aber wenn man merkt, dass 100 Seiten vor dem Ende jetzt alle Fäden offensichtlich in Richtung eines bestimmten Endes gelegt werden, ist das doch auch doof?

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, in der ihr wieder einiges auf diesem Blog zu lesen bekommt. Es geht unter anderem mal wieder an ein Rezensionsexemplar und am Sonntag gibt es auch noch eine neue Ankündigung. Bleibt also gespannt.

Bis dahin!

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Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland – Theodor Fontane

Das heutige Gedicht ist im Unterschied zu den vorangehenden Gedichten mal keines, was auf den ersten Blick hübsch wirkt, sich aber dann als ziemlich unbequem entpuppt, sondern eines ohne doppelten Boden. Dafür zerschießt es mir durch den langen Titel komplett das Design meines Blogs. Aber man kann ja nicht alles haben. Hier habt ihr erstmal den Text dieses ziemlich bekannten Gedichts. https://de.wikisource.org/wiki/Herr_von_Ribbeck_auf_Ribbeck_im_Havelland_(Fontane)

Kommen wir kurz zum Formalen, eine der wenigen Sachen, die wir an dem Gedicht ganz gut machen können. Vier Strophen mit je 10 Zeilen, nur die zweite Strophe hat zwölf Verse. Das Gedicht ist in Paarreimen gedichtet und die Verse folgen dem sogenannten Knittelvers. Das heißt, es gibt vier Hebungen pro Vers, die Senkungen sind frei verteilt. Das ist relativ typisch für erzählende Gedichte, weil man so etwas flexibler mit den Wörtern ist und besser erzählen kann. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass die Verse stets mit einer Hebung enden.

Inhaltlich erzählt das Gedicht die Geschichte eines Birnbaums, den die Kinder noch heute besuchen. Er wuchs auf dem Grab des alten Herrn Ribbeck, der den Kindern, die bei ihm herumliefen, stets eine Birne gab – und weil er wusste, dass sein Sohn nicht so freigiebig sein würde, ließ er sich eine Birne mit ins Grab legen und aus dieser Birne eben ist der Birnbaum gewachsen, den es bis heute gibt, an dem sich die Kinder bis heute bedienen.

Das Gedicht bedient sich dabei einem historischen Vorbild. Es gab diesen Herrn von Ribbeck tatsächlich und auch diese Geschichte mit dem Birnbaum in Brandenburg ist tatsächlich bezeugt – der Baum wurde erst vor einigen Jahren mal wieder angepflanzt, nachdem der vorige Versuch eingegangen ist und Fontane war auch nicht der erste, aber sicher der bekannteste, der sich diesem Stoff widmete.

Warum wird dieses Gedicht so häufig gelesen? Nun, es ist gut verständlich. Gut, die Niederdeutschen Passagen könnten vielleicht erklärt werden müssen, sind aber auch gut verständlich, man kann wissen, dass das Havelland in Brandenburg liegt, aber ansonsten kann man das Gedicht super einfach verstehen, es hat eine eingängige Moral (Großzügigkeit setzt sich durch) und ist perfekt für einen Erstkontakt mit erzählender Lyrik. Ich glaube, ich habe das Gedicht in der 7. Klasse zum ersten Mal gehört und hatte schon da keine Probleme, mit ihm umzugehen – was ja bei einigen der anderen Gedichten, die wir hier besprochen haben, nicht unbedingt so funktioniert hätte.

Der Herr von Ribbeck […] ist durch seine Verbreitung natürlich vielfach adaptiert worden, es gibt Versionen als Song, als Rap und diverse Lesungen und Vertonungen dazu. Und auch das ist typisch für eine Ballade – die Gedichtform, in die man das Gedicht stecken könnte. Eine Kunstballade, also ein Erzählgedicht, das manchmal etwas märchenhaft anmutet, aber immer in mehreren Strophen eine Geschichte mit einer gewissen Dramatik erzählt. Man bezeichnet die Ballade da auch gerne als die Mutter der Literatur, weil sie die drei großen Gattungen, die Lyrik, die Epik und die Dramatik in sich vereint. Und auch das ist etwas, was man an diesem Gedicht exemplarisch schön darstellen und in der Schule besprechen kann.

Mich spricht das Gedicht jetzt nicht unbedingt so sehr an, ich verstehe, warum das Gedicht so populär ist und es ist zweifelsohne ein nettes Gedicht, aber es geht jetzt nicht so an mich ran, wie einige der Gedichte aus den letzten Wochen. Aber es ist einfach ein Kultgedicht, in nahezu jeder Anthologie abgedruckt und man kommt einfach nicht umher, sich auch dieses Gedicht einmal vorzunehmen. Was hiermit geschehen sei.

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Kein Spaß ohne Hanni und Nanni (#04)

WhatsApp Image 2016-08-18 at 19.38.11Der heutige Band ist fürs erste der letzte von Enid Blyton geschriebene und auch hier wird Christa Kupfer als Übersetzerin angegeben – und in den neuen Auflagen steht sogar etwas von einer Frauke Heithecker, die die neuere Bearbeitung übernommen hat. Ich kann an dieser Stelle nicht die verschiedenen deutschen Ausgaben miteinander vergleichen, aber ein signifikanter Unterschied ist beispielsweise, dass seit den 90ern nichtmehr von ‚Fräulein‘ Roberts, sondern von ‚Frau‘ Roberts die Rede ist.

Aber kommen wir zum Band. Die Mädchen kommen jetzt in die dritte Klasse (in den neuen Ausgaben: In die achte Klasse!) und wieder gibt es neue Mädchen. Die zwei durchgefallenen Mädchen, Else und Anne. Else ist boshaft und gehässig und Anne ist unendlich faul. Beide werden zusammen zu Klassensprecherinnen ernannt, um einmal zu lernen, Verantwortung zu übernehmen – sie sind ja auch schon ein Jahr älter. Außerdem ist da noch Carla, das Unglücksmädchen, die sehr schweigsam und zurückgezogen ist – und die verbitterte Marianne. Sie kommt mit der Ankündigung, nur einen einzigen Monat zu bleiben – sie wurde quasi von zuhause rausgeworfen, weil man dort nichts mit ihr anfangen konnte. Der Band dreht sich größtenteils um diese vier Neuen. Es geht viel um Else als Klassensprecherin, wie sie von der Klasse abgesetzt wird und wie Anne dann wirklich Verantwortung übernimmt und um Marianne, die die gute Seite an sich entdeckt – und schließlich geht es um Carla, die am Ende ihr schauspielerisches Talent entdeckt. Ihre Lehrerin, die von Else angebetet wird, nutzt Carlas Talent, um sich zu profilieren – und daran schafft es Elli zu reifen, sie erkennt, dass ihr blindes Anbeten anderer Leute alles andere als gut ist.

Wie schon aus der Zusammenfassung zu entnehmen, hat auch dieser Band ein Problem: Hanni und Nanni spielen nur noch Nebenrollen. Es geht viel um Marianne und Carla und die entstehende Freundschaft, Elli ist relativ groß vertreten und erlebt eine persönliche Wandlung und auch das Klassensprecher-Problem wird ziemlich groß ausgebreitet. Am Ende spielt vielleicht noch Carlas Mutter, der Grund für ihre anfängliche Zurückgezogenheit, eine recht wichtige Rolle. Aber Hanni und Nanni? Beim Besuchstag stehen sie mal im Vordergrund, aber wie schon in den letzten Bänden findet bei ihnen keine Entwicklung mehr statt, ihre Charaktere stehen still – während sie die Figuren um sie herum teilweise drastisch verändern. Aber okay, das ist in gewisser Weise auch verständlich, sie haben sich ja in den ersten Bänden recht viel gewandelt, was soll dann jetzt noch passieren?

Ich muss sagen, trotz dieser Schwäche hat mir der Band gut gefallen, die vier neuen Figuren, die nach und nach ins Internatsgeschehen integriert werden, passen gut hinein und vor allem transportiert dieser Band die typische Atmosphäre von Internatsromanen von Enid Blyton, die mir so gut gefällt. Die Figuren erfüllen auch recht typische Funktionen. Eine gehässige Person, eine ablehnende Außenseiterin, ein Mauerblümchen. Und alle blühen auf, alle fügen sich ins Internatsleben, werden zu guten Mädchen. Etwas klischeebeladen, pädagogisch fragwürdig, aber angenehm zu lesen, es macht einfach Spaß und es liest sich recht authentisch, wie vor 50 oder 60 Jahren. Und das ist einfach schön zu lesen. Die Philosophie von Lindenhof, aus jedem Mädchen das herauszuholen, was sie kann, ist einfach – für damalige Verhältnisse – eine gute Idee (die Idee ist noch immer gut, aber die Umsetzung funktioniert heute einfach anders) und ich finde auch recht liebevoll umgesetzt. Ich gebe für die schöne Atmosphäre, den Flair von Lindenhof und die zwar mal wieder recht stereotypen aber doch immer etwas individuellen Charaktere auch bei diesem Band 3,5/5 Sternen.

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Durch die Wüste – Karl May

k-2016-08-17 22.24.58Ich habe noch nie Karl May gelesen. Ich weiß, bei vielen Jugendlichen gehörte Karl May noch vor einigen Jahren zum Standard-Lesesortiment und auch damals in der Bibliothek, in der ich gearbeitet habe, waren die Titel durchaus häufiger mal verliehen – wenn auch nicht so häufig, wie die aktuell angesagten Titel. Vor allem aber gibt es diese Bücher wie Sand am Meer. Bei Ebay gibt es dutzende Auktionen pro Tag, bei der Karl May Sammlungen über den Tisch gehen und auch auf Flohmärkten findet man diese Bücher sehr häufig. Dort erstand ich mal drei der Titel, um mir auch mal ein Bild zu machen über diese Geschichten dieses sehr exzentrischen Autors, der – gerade in den populären Frühwerken – über eine Welt schrieb, die er selbst nur aus Erzählungen kannte und damit mehr oder weniger frei erfunden hat.

In Durch die Wüste, dem ersten Titel von Karl Mays Reiseerzählungen wird die Geschichte des Protagonisten erzählt, der eine Expedition in den nahen Osten unternimmt. Sein Name wird nie genannt, unter den Arabern heißt er Kara Ben Nemsi, sein Gefährte ist Hadschi Halef Omar. Sie finden eine Leiche und nehmen dann die Jagd auf den Mörder auf. Dieser Weg führt sie immer wieder in gefährliche Situationen, sie befreien eine Gefangene aus dem Haren, sie werden gefangen genommen und kommen wieder frei, sie pilgern nach Mekka – inklusive einer spektakulären Jagd nach Kara Ben Nemsi, weil ja Ungläubige in Mekka verboten sind, dieser fährt jedoch immer mehr Ruhm ein und kommt schließlich zu sogenannten Teufelsanbeterinnen, wo sie herausfinden, dass diese gar nicht den Teufel anbeten und Kara Ben Nemsi macht sich zum widerholten Mal als fähiger Heeresführer nützlich, indem er den Angriff der feindlichen Stämme durch geschickte Taktiken abzuwenden weiß. Wiederkehrendes Element dabei ist die versuchte Bekehrung Kara Ben Nemsis zum Islam, obwohl er doch Christ ist. Das gibt sich dann, als er das heilige Wasser aus Mekka mitgebracht hat, denn das könnte ja niemals ein Ungläubiger schaffen.

Ich muss sagen, mein Verhältnis zu diesem Roman ist ganz enorm gespalten. In der heutigen Zeit ist der Dialog, den der Protagonist mit dem Islam führt, unglaublich wichtig und richtig, es gibt Sätze wie „Dein Allah und mein Gott sind dieselben“, die so wahr und richtig sind, gleichzeitig hat das Geschehen auch etwas imperialistisches, wenn der Deutsche dem wilden Türken zeigt, wie man ein Heer aufzustellen hat. Und ich kann mich diesen im weitesten Sinne politischen Lesarten einfach nicht vollkommen verschließen. Ich musste immer wieder daran denken, dass durchaus wesentliche Teile der Gesellschaft mit Karl-May-Büchern großgeworden sind und dass diese Bücher ihr Bild vom Orient, den Türken und Arabern möglicherweise ziemlich geprägt hat und solche Prägungen verschwinden dann sicherlich auch nicht so einfach. Aber ist das wirklich den Büchern anzulasten?

Man darf nicht vergessen, Durch die Wüste ist inzwischen über 120 Jahre alt und zeichnet ein Bild vom Nahen Osten, das mit dem heutigen Verhältnissen nichts mehr zu tun hat. Es ist so ungefähr, als würde man einen Roman über Deutschland zu Zeiten der Jahrhundertwende lesen – man würde ja auch nicht daraus die heutige Gesellschaft erklären. Zudem war May erst viel später selbst im Orient und erlebte wohl auch dort einige Schocks, weil die Welt ganz anders aussah, als er sie sich vorstellte.

Ich hatte durchaus meinen Spaß mit dem Buch. Es war etwas schwierig, hereinzukommen, denn es ist zwar grundsätzlich einfach geschrieben und zählt ja nicht umsonst zur Trivialliteratur, aber immerhin ist der Schreibstil auch schon 120 Jahre alt. Vor allem die Namen haben mir wirklich Schwierigkeiten bereitet. In jedem Kapitel wird ein halbes Dutzend neuer Charaktere eingeführt, die teilweise wiederauftauchen und teilweise nie mehr erwähnt werden. Mehr als einmal musste ich überlegen, wer das jetzt war – vor allem, weil für mich diese Namen auch alle irgendwie ähnlich klangen, wurde das schwierig. Aber es war unterhaltsam und fühlte sich wirklich wie eine frühe Form von Phantastik an. Geschichten, die so unglaublich sind, dass sie sich nach einer Parallelwelt anfühlen, die so weit weg von uns sind, dass sie völlig fremd wirken und alles erklärungsbedürftig wirkt. Ich weiß jetzt, wieso viele Fantasy-Autoren Karl May als Inspirationsquelle angeben und bin durchaus angefixt, noch einige weitere Karl-May-Romane zu lesen – denn davon gibt es ja dutzende. Und mal schauen, wenn mir bei Ebay ein großer Stapel in die Hände fällt, kann es durchaus passieren, dass es noch mehr Karl May auf diesem Blog gibt. Einstweilen verbleibe ich mal mit 4/5 Sternen.

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Montagsfrage vom 15.08.2016

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Welches Buch hat dich zuletzt richtig enttäuscht und warum?

Solche Ereignisse passieren bei mir sehr selten, weil ich viel schon im Vorhinein aussortiere und bei weitem nicht alles lese, was mir unterkommt, sondern nur Bücher, von denen ich mir auch etwas erhoffe. Wirklich etwas erhofft und verhältnismäßíg enttäuscht war ich im letzten Jahr einmal von S.J. Watson, demjenigen Autor, dessen Debüt, Before I Go To Sleep, ich großartig fand und dessen zweites Buch, Second Life, leider überhaupt nicht daran anknüpfen konnte. Ansonsten sind echte Enttäuschungen selten. Manchmal entpuppt sich ein Klassiker als verhältnismäßig unspektakulär, manchmal ist ein Folgeband einer Reihe nicht so besonders gut, aber wirklich enttäuscht wurde ich da selten. Jedenfalls habe ich noch für kein Buch weniger als 2 Sterne vergeben.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche. Auch in dieser Woche gibt es wieder einige schöne Sachen auf diesem Blog zu lesen, es geht im Wesentlichen so weiter, wie bisher – aber ich darf schonmal spoilern, dass es Ende nächster Woche eine kleine Ankündigung geben wird. Bleibt also gespannt.

Bis dahin!

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Die frühen Gräber – Friedrich Gottlieb Klopstock

Sturm und Drang! Kaum eine Epoche hat so einen schönen eingängigen Namen und ist dennoch so unbekannt. Es geht um eine Form von Gegenaufklärung, es geht in die Innenwelten der Autoren, teilweise radikal bis zum Suizid (Werther), es geht vor allem gegen die Arroganz der Aufklärung, hin zur Freiheit des Gefühls. Klopstock kann als Vorreiter dieser Epoche gesehen werden, solche Sachen wie der Geniekult sind noch nicht so stark ausgeprägt, allgemein wird das folgende Gedicht eher der Empfindsamkeit zugeordnet, einer Strömung der Aufklärung, die die oben genannten Charakteristika etwas schwächer ausgeprägt hat, aber im Prinzip dem nicht unähnlich ist – in einigen Texten liest von auch von Klopstock als Autoren des Sturm und Drang. Doch erstmal für euch zum Mitlesen, hier das Gedicht: http://gutenberg.spiegel.de/buch/friedrich-gottlieb-klopstock-gedichte-5224/35

Fangen wir, wie immer mal mit dem formalen an. Man liest überall von den freien Versen des Gedichts – und das ist einfach falsch. Manchmal heißt es „fast freie Rhythmen“ und auch das ist pures Understatement. Aber tatsächlich wird man beim Lesen dieses Gedichts den Eindruck nicht los, dass es so etwas wie einen Rhythmus nicht gibt. Tatsächlich ist dieser einfach nur zu komplex, damit er intuitiv ersichtlich wird. In früheren Drucken des Gedichts ist das Metrum sogar mit abgedruckt, es ist ein strophisches Metrum, probiert es mal aus. Zählt mal Hebungen und Senkungen des ersten Verses jeder Strophe, des zweiten Verses jeder Strophe und so weiter – diese Muster sind identisch! Klopstock war mit diesen komplexen Rhythmen tatsächlich Vorreiter der freien Rhythmen, aber seine sind alles andere als frei, sondern im Gegenteil sehr komplex und kunstvoll – nur leider alles andere als intuitiv ersichtlich. Für uns mag es daher reichen, zu sagen, dass es grundsätzlich etwas daktylisch und sehr festlich wirkt – es handelt sich nämlich bei dem Gedicht um eine Ode, die sich grundsätzlich durch einen hohen, festlichen Tonfall auszeichnet und ein Lobgesang oder eine Preisung von etwas ist.

Doch was wird hier eigentlich besungen? Liest man das Gedicht ohne seinen Titel, und vernachlässigt die letzten beiden Zeilen, wirkt es wie ein Lobgesang auf den Mond und vergangene Tage, fast schon wie eine Form von Naturlyrik. Das ist grundsätzlich auch nicht falsch, aber trifft nicht den Kern des Gedichts, der – wie schon mehrmals – in den letzten Versen steht. Die früheren Freunde, mit denen die Zeit so schön war, mit denen die Nächte lang waren, sind verflossen. Und zwar nicht einfach nur fortgegangen, sondern verstorben. Das lyrische Ich ist also jetzt einsam und allein und singt den Mond an, um den Verlust zu beklagen, wendet sich gen Himmel um der Verstorbenen zu gedenken. Also schon wieder ein Totengedicht, möchte man ausrufen und sich erst danach fragen, warum das in diesem Gedicht schon wieder nicht so wirkt.

Dieses festliche Register, die direkte, feierliche Ansprache des Lesers (‚sehet, er bleibt‘), des Mondes (‚du entfliehst?‘), die schon damals ungewöhnliche Satzstellung (‚röthlich er kömt‘) und die altertümelnden Formen (‚kömt‘, wie-Vergleich) und natürlich das sehr ausgefallene Vokabular (‚Gewölk, träuft‘) lenken davon ab und verleihen diesem Gedicht den hohen Ton, von dem ich bereits sprach. Man könnte auch noch den Komparativ, also die erste Steigerung eines Adjektivs (größer, schöner, höher, weiter), die immer einen Vergleich impliziert, hier aber ohne Verglichenes bleibt (‚Ihr Edleren‘) erwähnen – das Gedicht gibt also sprachlich und stilistisch jede Menge her, denn über die Bilder haben wir noch gar nicht gesprochen. Ganz kurz möchte ich aber noch erwähnen, dass das Gedicht auch autobiografisch gesehen werden kann. Klopstock hatte eine Frau, die einige Jahre vor dem Gesicht bei einer Totgeburt verstarb – lange Jahre danach lebte er als Witwer weiter. Man könnte also leicht auf die Idee kommen, dass das Gefühl, das Klopstock hier zwischen den Zeilen versteckt, aus der eigenen Empfindung geschöpft ist – und so erklärt sich auch der Name Empfindsamkeit für die oben beschriebene Strömung der Aufklärung.

Insgesamt ist also Die frühen Gräber ein ziemlich anspruchsvolles und ergiebiges Gedicht, das auf den ersten Blick eher unzugänglich ist und erst Stück für Stück erschlossen werden kann. Ich hoffe, ich konnte hier zumindest einen kleinen ersten Eindruck und ein paar Ansätze zum weiterdenken liefern.

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Hanni und Nanni in neuen Abenteuern (#03)

2016-07-05 22.57.40Der dritte Band von Hanni und Nanni ist noch einer der Originalbände, die von Enid Blyton geschrieben wurden, der dritte der Originalbände, auch hier wird Christa Kupfer als Übersetzerin ausgewiesen. Soweit also keine Veränderung zum zweiten Band. Noch sind es also authentische Originalbände mit Geschichten aus den Vierzigern – und was für Geschichten das in diesem Band sind.

Es kommen mal wieder einige Neue in die Klasse. Darunter auch Carlotta, die Schwierigkeiten hat, sich zu integrieren, deren wilde Natur immer mal wieder durchkommt; Bobby kommt in die Klasse hinzu und wird sofort zur Königin der Streiche, die immer etwas ausheckt. Helene wird schnell zur unbeliebtesten Schülerin, die einfach nur gemein, arrogant und gleichzeitig feige ist, Petra hingegen ist die schüchterne Streberin. Und dann ist da noch Sadie. Die Amerikanerin, die von Elli angehimmelt wird, als wäre sie die größte und großartigste Person im Leben. Mit den fünf neuen passiert eine ganze Menge in den wenigen Seiten. Doch hauptsächlich geht es um Carlotta, die eine seltsame Vergangenheit haben muss. Helene, die Carlotta nicht leiden kann, will herausfinden, was da los ist. Und so spioniert sie ihr bei jeder Gelegenheit nach, sie instrumentalisiert Petra dazu – beide finden heraus, dass Carlotta früher beim Zirkus war! Ein hässliches Zirkusmädchen auf einem feinen Internat – wie scheußlich, denkt Helene. Doch ihre Enthüllungen führen nur dazu, dass Carlotta noch mehr gemocht wird und Helene noch mehr verachtet – Petra hängt mitten mit drinne.

Und am Ende gibt es noch eine Entführung. Sadie wird von einem Mann, der sich heimlich mit ihr treffen will, entführt. Und natürlich ist es Carlotta, die durch ihre Kontakte zum Zirkus Sadie wieder aus den Fängen der Entführer befreien kann. Helene verlässt zum Schuljahresende die Schule – nachdem sie von Fräulein Theobald noch einen ordentlichen Einlauf verpasst bekommen hat. Und auch Bobby bekommt ihr Fett weg. Im Unterschied zu Helene schafft sie allerdings, sich zu ändern.

Wie schon an dieser umfassenden Zusammenfassung zu lesen, passiert in diesem Band jede Menge. Eine Entführung, viel Spionage, vieles findet außerhalb des normalen Unterrichtsgeschehens statt, das reguläre Internatsleben findet kaum noch Platz in diesem Band. Und so spannend und interessant das auch ist, wenn Lindenhof mit immer neuen Charakteren und Geschichten angereichert wird, ist das auch mein größter Kritikpunkt an diesem Band: Es ist eigentlich kein Hanni und Nanni Buch. Nein, ernsthaft, natürlich kommen Hanni und Nanni in diesem Band vor, aber sie spielen bei weitem keine tragenden Rollen mehr. Ich hatte mir beim Lesen häufiger mal gedacht, dass man die beiden auch einfach weglassen könnte, denn alles spielt sich zwischen Bobby, Carlotta und Helene ab. Hanni und Nanni sind da höchstens noch Statisten oder mal jemand zum Probleme besprechen, aber handlungsrelevant oder handlungstragend sind sie keineswegs mehr.

Die Charaktere sind dabei auch etwas stereotyp gehalten, Helene entwickelt sich überhaupt nicht, aber immerhin haben bleiben die Charaktere nicht vollends steif; sie entwickeln sich in einem positiven Sinne hin zu braven und doch nicht immer konformen Mädchen. Auch wenn dieses Erziehungsideal von Lindenhof ein bisschen fragwürdig sein mag – das mag dem Zeitgeist geschuldet sein. Ich bin auch kein Fan davon, das Ganze zu modernisieren und dem einen modernen Anstrich zu geben – es ist glaube ich besser, das Buch in seiner alten, unmodernen Form zu lassen, damit man erkennt, dass das hier kein Buch in der Jetztzeit ist. Denn das pädagogische Ideal, die Erziehung und das Internatsleben sind nichts, was unbedingt den Kindern von heute als moderne Erziehung vermittelt werden soll.

Das tut der Geschichte keinen Abbruch und das ist auch nichts, was ich den Büchern vorwerfen möchte, aber dem modernisierenden Verlag durchaus. Punktabzug gibt es dafür nicht, dennoch bekommt dieser Band nur noch 3/5 Sternen – es ist einfach ein ziemlich vollgepackter Band, bei dem ich nicht verstehe, wieso man die internatstypischen Szenen aus dem Englischen einfach gekürzt hat. Hanni und Nanni treten in Nebenrollen zurück. Aber es wirkt noch authentisch, es ist noch Enid Blyton. Und es macht Spaß zu lesen, es passt irgendwie alles zusammen.

 

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Montagsfrage vom 08.08.2016

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Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zu einer weiteren Montagsfrage!

Ganz leise, still und heimlich gab es übrigens ein Jubiläum. Am 29.07.2013, also vor etwas mehr als drei Jahren erschien auf diesem Blog die erste Montagsfrage, damals noch veranstaltet von paperthin.de – und seitdem sind in dieser Kategorie auch ganze 140 Artikel erschienen. Und heute dann also der 141. Kommen wir zur Frage!

Ein Blick zurück – wie bist du zum Bücherwurm geworden?

Uih, hier könnte ich vermutlich einen Roman schreiben. Also nur in aller Kürze: Ich konnte schon sehr früh lesen und habe dann auch im Alter von 6 oder 7 Jahren schon recht viel gelesen, es wurde dann auch immer mal etwas weniger oder mehr, aber in der Grundschule habe ich recht viel gelesen. Im Teenageralter wurden dann andere Sachen wichtiger und das Lesen wurde quasi komplett von meiner Agenda gestrichen – und erst mit ungefähr 16, 17 Jahren kam ich dann wieder auf die Idee zu lesen und dann gab es kein Halten mehr. Relativ kurz darauf fing ich dann auch mit dem Bloggen an und nun. So ist es also bis heute.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, hier auf dem Blog gibt es wieder einiges zu lesen, ich habe schöne Sachen vorbereitet und hoffe, ihr habt Spaß daran, auch diesen Blog zu lesen.

Bis dahin!

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Vereinsamt – Friedrich Nietzsche

Wir hatten in dieser Serie schon viele Klassiker, viele namhafte Autoren, viele Gedichte, die in der Form auch in der Schule analysiert werden. Heute kommen wir zu einem Gedicht, das weniger bekannt ist, auch weil es nicht von einem normalen Dichter verfasst wurde, sondern von jemanden, den man weder primär wegen seiner Gedichte, noch wegen seinem Walrossbart kennt – sondern von einem Philosophen: Friedrich Nietzsche.

Ich muss gleich zu Anfang sagen, dass dieses Gedicht nicht wirklich gut zugänglich ist. Ich kenne mich mit dem Werk Nietzsches nicht gut aus und bin auch nie gut darin gewesen, Gedichte zu dechiffrieren. Und dieses Gedicht sollte im Kontext von Nietzsches Biografie und Gesamtwerk betrachtet werden und bedarf einer Dechiffrierung. Beim ersten Lesen kann man dort nämlich nur sehr wenig herauslesen. Hier aber erstmal der Text: http://gutenberg.spiegel.de/buch/friedrich-nietzsche-gedichte-3262/5

Fangen wir am Anfang an. Sechs Strophen, vierundzwanzig Verse. Es wechseln sich immer ein zweihebiger und ein vierhebiger Vers ab, der Rhythmus wirkt dadurch ziemlich flott, wird aber immer wieder von Satzzeichen, Zeilensprügen und langen Wörtern (Wüstenvogel-Ton) unterbrochen. Strophe eins und fünf bilden eine Klammer, die den Prozess des Vereinsamens; erst hat man noch Heimat, dann aber nicht mehr, ansonsten sind die Strophen sogar identisch und auch Strophe 2 und 4 gleichen sich in der Wortwahl und den Reimwörtern sichtbar.

Prägend für das Gedicht sind die zahlreichen Bilder. Die Krähe, als negativ konnotiertes Tier kündet vom Verlust der Heimat, die dann als Wüste bezeichnet wird, die Welt besteht ohnehin nur aus tausend Wüsten. Man könnte die Bilder jetzt einzeln auseinandernehmen oder das Gedicht hermeneutisch analysieren – wer spricht zu wem, wo stehen die Figuren? Aber für uns soll es reichen, wenn wir uns nochmal kurz den zeitlichen und biografischen Kontext anschauen. Wir befinden uns im ausklingenden 19. Jahrhundert und diese Dichte an sprachlichen Bildern ist typisch für eine Strömung, die wir Symbolismus nennen und die auch auf Nietzsches Menschenbild rekurriert. Es ist quasi eine Renaissance dessen, was wir letzte Woche haben: Der aufgeklärten Wissenschaft eine Ästhetik der Bilder, eine Symbolpoesie entgegensetzen. Es geht nicht so sehr um die Gefühle des Individuums, viel mehr um ein lyrisches Bild, dass zur Vollkommenheit beschrieben werden soll. Ist das hier der Fall? Nun, es geht schon etwas mehr ums Individuum aber das Bild der durch die Wüste ziehenden Krähen als Chiffre für die Einsamkeit ist schon relativ vollkommen dargestellt und insgesamt passt das Gefühl finde ich recht gut – ohne jetzt Experte für Symbolismus zu sein.

Aber das Gedicht ist ja eher Nietzsches späterem Werk zuzuordnen und Nietzsche litt in seinen letzten Jahren an psychischen Krankheiten und war generell in einem sehr instabilen Gesundheitszustand. Es ist also naheliegend, diesen Text nicht als Ausdruck äußerem, also faktischem einsam sein zu sehen, sondern als Ausdruck einer inneren Leere zu sehen. Also die Krähen und die Wüste nicht als Sicht auf die Welt, sondern als Ausdruck der Innenwelt zu sehen.

Ich weiß nicht so genau, was man mit dem Gedicht anfangen soll, ich denke, das ist eben klargeworden. Es ist ein anspruchsvolles Gedicht, das man aus einigen Perspektiven betrachten kann. Aber der Blick auf die Innenwelten scheint mir der zu sein, der noch am wenigsten diskutiert wird, denn die Analysen, die ich gelesen habe, fokussieren sich doch sehr stark auf die Chiffre selbst, als auf die Einordnung dieser. Aber aus dieser Perspektive kann man vielleicht am meisten für sich selbst mitnehmen.