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Montagsfrage vom 24.04.2017

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Einen wunderschönen Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage nach einem Ostermontag Pause. Kommen wir direkt zur heutigen Frage:

Das erste Quartal des Jahres ist fast vorüber, wie viel hast du schon gelesen und welche Bücher sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Nun, das erste Quartal des Jahres ist in der Tat schon seit einiger Zeit vorüber, mein Lesepensum hält sich dennoch in Grenzen. Der endlos lange und grandiose Sci-Fi Roman „Der unsichtbare Killer“ hat mein erstes Quartal natürlich geprägt und auch an dem Hörbuch „Sommer 1927“ habe ich viel Zeit verbracht, außerdem erinnere ich mich noch gut an die letzten Klassiker aus dem Bereich der romantischen Erzählungen und an einige Agatha-Christie Hörbücher.

Zählt man nur die reinen Bücher und Hörbücher, stehe ich bei zwölf, dazu kommen Sherlock-Holmes Geschichten, zwei klassische Erzählungen und einige Heftromane für mein Leseprojekt. Das hätte gerne insgesamt deutlich mehr sein können, ist aber in der Summe schon völlig in Ordnung – dass ich im Studium nicht mehr so viel Lesezeit habe, wie zu Schulzeiten, war ja abzusehen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, ich gebe mir Mühe, diesen Blog weiterhin gut zu bestücken und freue mich darauf, euch am Mittwoch eine weitere Rezi präsentieren zu können.

Bis dahin!

 

 

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Ein Fall geschickter Täuschung – Arthur Conan Doyle

Die heutige Sherlock-Holmes Geschichte ist unter verschiedenen Namen bekannt, so findet man diese Geschichte beispielsweise auch unter dem Namen „Eine Frage der Identität“ oder „Der rätselhafte Bräutigam“ – der englische Titel ist mit dem Titel A Case of Identity einheitlicher. Es ist folgerichtig der dritte Band aus der Erzählungssammlung „Die Abenteuer des Sherlock Holms“ – und um euch schon mal zu spoilern: Auch hier tritt nicht eine Leiche auf. Also, es kommt auch keine vor.

Sherlock und Watson sitzen wieder zusammen, als plötzlich eine junge Frau hereinkommt, um sich ihren Rat von Sherlock zu holen. Sie verfügt über ein kleines Einkommen, das derzeit ihr (Stief-) Vater verwaltet, der sie zugleich von gesellschaftlichen Aktivitäten fernhält. Gegen den Willen ihres Vaters zu einem Ball gegangen, lernt sie prompt einen Mann kennen, der sich in sie verliebt und schließlich nach einigen Tagen – der Stiefvater verkehrt derzeit in Frankreich – um ihre Hand anhält. Die Hochzeit soll noch möglichst schnell vollzogen werden, die junge Dame willigt ein und so wird die Hochzeit schnell und heimlich geplant. Doch am Tag der Hochzeit taucht der Bräutigam einfach nicht auf und sie sorgt sich, wo er wohl sein könnte. Holmes sieht recht schnell eine Lösung – die er bereits zwei Briefe später und am Folgetag Watson – und damit dem Leser präsentiert.

Ich verrate die Lösung an dieser Stelle mal wieder nicht, möchte aber dennoch erwähnen, dass die Lösung nicht völlig offensichtlich, aber ahnbar ist. Ich hatte so ungefähr nach der Hälfte der Geschichte, die ja mit weniger als 20 Seiten nochmal kürzer ist als die ersten beiden, eine Ahnung, wer es gewesen sein könnte, dachte mir aber dann bei mir ‚das wird doch wohl nicht…?‘ – es war dann trotzdem so. Es gibt über diese Art von Krimi kaum noch etwas zu sagen, was mir aber bei diesem Titel stark aufgefallen ist, dass die Perspektive ausschließlich die von Watson ist. Das ist natürlich erzählerisch absolut sinnvoll, führt aber dazu, dass man als Leser nicht in der Lage ist, irgendwelche Hinweise auf die Lösung zu bekommen, die Sherlock sieht. Seine zahlreichen Hinweise, die er wahrnimmt, bleiben für uns als Leser nicht nachvollziehbar und dennoch beeindruckend – Sherlock hat dabei auch kein Problem, unseren Erzähler etwas freundschaftlich-herablassend zu behandeln, warum ihm das denn alles nicht auffalle.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Anspielungen auf andere Fälle, die mehr sehr gut gefallen – so wird beispielsweise auf unseren ersten Fall, Ein Skandal in Böhmen, verwiesen, die dem Detektiv eine goldene Tabaksdose einbrachte. Außergewöhnlich finde ich in diesem Fall das Ende des Bandes, das eben nicht die klassische Form von Aufklärung ist, die man erwarten würde, dennoch ist es ein eigentlich ziemlich deduktiv gelöster Whodunit. Und über das in der Erzählung geschilderte Frauenbild möchte ich lieber den Mantel des Schweigens hüllen – denn das macht die Figuren direkt etwas unsympathisch.

Davon abgesehen ist es eine weitere kurze, aber dennoch interessante Geschichte. Ich brauche jetzt nochmal einen Fundus von drei bis vier weiteren Geschichten, dann bin ich bestimmt auch besser in der Lage, die einzelnen Aspekte besser zu beleuchten und Unterschiede darzustellen. In der Zwischenzeit belasse ich es mal bei guten 3,5/5 Sternen – und hoffe eigentlich auch auf etwas längere Geschichten. 17 Seiten sind doch schon sehr wenig.

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Hanni und Nanni – Die besten Freundinnen (#18)

Es gibt ja neben den zahlreichen Hanni und Nanni Bänden, die in Lindenhof spielen, auch immer wieder Bände, die ihren Schwerpunkt in den Ferien haben. Hanni und Nanni waren schon als Aushilfen in einer Pension, hatten Ferien in einem Schloss und waren Aushilfen in einer Pferdeburg. Aber auf Malle im Urlaub in Mallorca waren die Zwillinge noch nie. Und so passt es ja gut, dass wir das in diesem Band nachholen.

Eine neue Praktikantin ist in Lindenhof und kümmert sich gleich um viele Arbeitsgemeinschaften und ist bei den Mädchen beliebt. Eines Tages kommt die Nachricht, dass sich Fräulein Martin um eine Finca einer Freundin kümmern soll und sie schlägt vor, mit einigen Mädchen dort drei Wochen Urlaub zu machen. Klar, dass Hanni und Nanni – und die Praktikantin, die von dort stammt – mitfahren! Kaum in Mallorca angekommen, wollen die Beiden Frühstück holen und treffen dabei auf zwei junge Kätzchen, die dort auf der Straße liegen, von der Mutter ist nichts zu sehen. Klar, dass sie sie mitnehmen müssen und sich um sie kümmern. Doch die Suche nach einem dauerhaften Besitzer gestaltet sich als ziemlich schwierig. Auf einmal kommt auch noch Mamsell zu Besuch, die sich nach kurzem Aufenthalt auf der Finca zunächst zum Entsetzen, später zum Vergnügen der Mädchen, bei ihnen einquartiert. Nachdem sich die Praktikantin bei der Suche nach Kräutern ein Bein brach und von den Zwillingen gesucht und gefunden wurde, lernt sie den Besitzer des nahegelegenen Restaurants besser kennen – kurz, sie verliebt sich in ihn, will ihn heiraten und ihr Lehramtsstudium zugunsten der Ehe nicht antreten.

Dieser Band ist mal wieder einer dieser Bände, bei denen man sich fragt, was sich der Verlag dabei gedacht hat. Nicht mal ein vernünftiges Lektorat hat man sich geleistet, die Praktikantin hat beispielsweise verschiedene Augenfarben im Laufe des Bandes; Anne, die eigentlich mal ihre Faulheit überwunden hatte und wieder eine Klasse über den Zwillingen war, taucht wieder auf und schließlich ist die Sprache einfach unpassend, es wird geflucht, sehr flapsig gesprochen und passt in jedem Fall nicht zu den Originalbänden. Und es gefällt mir auch einfach nicht, wenn die Zwillinge plötzlich irgendetwas zum Kotzen finden.

Mal von der flachen Geschichte abgesehen. Gefühlt die Hälfte des Bandes geht es um die Beschaffung oder Zubereitung von Essen, von der anderen Hälfte beschäftigt sich die Hälfte mit den Kätzchen und das einzige Stück tiefgehender Handlung beschäftigt sich damit, wie die Mädchen mit einem Diebstahlverdacht unter ihnen umgehen. Das klärt sich dann jedoch auch recht schnell auf und dann setzt auch schon die Liebelei zwischen Maria, der Praktikantin und dem Restaurantbetreiber ein. Die fand ich ja auch ziemlich unschön. Da ist eine durchaus sympathische Figur, die einen Traum, eine Karriere vor Augen hat – gut, Lehrerin ist jetzt nicht unbedingt das Symbolbild der Emanzipation, aber dennoch eine solide Basis. Diesen Traum, für den sie auch absolut geeignet ist, wie der erste Teil in Lindenhof zeigt, lässt sie nun für eine Urlaubsliebe sterben? Warum kommt ihr Freund nicht mit nach Deutschland? Warum will sie nicht ihr Studium in Mallorca absolvieren und den Mallorquins Deutschkurse anbieten? Wieso lässt die Autorin sie sich dann für die Küche begeistern? Man hätte da wirklich einiges draus machen können, man hätte starke Frauenbilder zeigen können, man hätte noch viel mehr aus dem Inselurlaub machen können, stattdessen geht es ums kochen und um Kätzchen. Das ist zwar ganz süß, aber irgendwie trägt das nicht über 150 Seiten.

Ich weiß leider wirklich wenig Positives zu sagen. Ich fand die Grundidee eines Klassenausfluges ganz schön, allerdings hätte mich da das Motiv einer echten Klassenfahrt mehr gereizt – das hatten wir noch gar nicht. Auch Maria ist grundsätzlich sympathisch und ich mochte es, dass die Charaktere zumindest im Groben ihre Charakteristika hatten – wobei sie leider oft erschreckend farblos bleiben, gerade Anne ist eine unglaublich stereotype Figur. Meine Empfehlung: Wenn ihr Hanni und Nanni lesen wollt, beschränkt euch maximal auf die ersten 15 Bände. Eigentlich reichen die sechs Originale. Am besten auf Englisch. Ich verbleibe hier mit einem Gnadenstern. Mehr ist leider nicht drin. Schwaches Lektorat, schwache Handlung und einfach eine Methode, um den Leuten, die die Zwillinge mögen, noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen.

 

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Sommer 1927 – Bill Bryson

Bill Bryson schreibt viele verschiedene Bücher. Populärwissenschaftliche Titel habe ich schon gelesen, jede Menge Reiseromane und gerüchteweise gibt es auch noch Bücher über Sprache und Literatur von ihm. Ich lese ja grundsätzlich alles, was ich von Bryson in die Finger bekomme – gut, dieses Mal habe ich das Buch gehört, was aber der Tatsache, dass ich die Bücher Brysons stets mit Genuss lese, keinen Abbruch tut. Ich muss zugeben, ich wusste jedoch bei diesem Buch nicht so wirklich, in welche Kategorie ich es einordnen sollte. Es ist eine Art Reise, jedoch in der Zeit zurück. Populärwissenschaft ist es auch nicht, am ehesten so eine Art Sammelbiografie oder Geschichtsbuch.

Also, worum geht es? Um den Sommer 1927 eben. Doofe Frage. Dieser Sommer wird chronologisch erzählt, setzt aber immer wieder thematische Schwerpunkte. Wir befinden uns in den USA in einem historischen Sommer, in dem einige Ereignisse passieren, die die spätere Entwicklung in den USA und weltweit prägen – dabei ist das Geschehen nicht streng auf den Sommer beschränkt, Handlungsstränge werden schon abgeschlossen, aber sie beziehen sich alle auf den Sommer. Thematisch geht es schwerpunktmäßig um den Atlantikflug von Charles Lindbergh, die große Flut um den Mississippi, die Baseball-Saison mit Babe Ruth und dem Erfolg der New York Yankees, es geht um die Präsidentschaft Coolidges, das neue Model A von Ford und dessen Versuche, Kautschukdörfer in Südamerika zu errichten, die Wirtschaftskrise, die Prohibition, um Anarchisten und deren Exekution, um die Erfindung des Fernsehens und um große Kinos, die dann auf die Entwicklung des Tonfilms reagierten. Weitere Themen wie Charles Ponzis seltsames Gewerbe und die Geschicke der Van Sweringen Brüder werden angerissen, die Hitzewelle in diesem Sommer ist ein Thema und zu allen diesen Ereignissen werden auch noch Hintergründe geliefert.

Dabei sind die Ereignisse alle lose miteinander verbunden, das Buch ist verschiedene Abschnitte gruppiert, die jeweils einen Monat umfassen – und alles, was dann in diesem Monat besonders relevant wird, ist dort ausführlicher beschrieben. Der Stil ist ziemlich schwierig zu beschreiben und auch nicht ganz einfach zu erfassen, aber nach einigen Kapiteln hat man den Dreh raus und kann der Geschichte ganz gut folgen – denn irgendwie hängen dann doch ziemlich viele Ereignisse in irgendeiner Form zusammen, auch wenn dieser Zusammenhang sich nicht sofort erschließt.

Ich muss sagen, ich hatte viel Spaß bei der Lektüre dieses Buches. Das liegt vor allem daran, dass ich mich mit den USA in kultureller Hinsicht nahezu gar nicht auskannte, die angesprochenen Personen waren mir zwar teilweise vage bekannt, aber es fühlte sich für mich an wie eine neue Welt, in die ich durch dieses Buch eintauche. Selten liest man solche Berichte über die Zwanziger, zumindest in meiner Wahrnehmung habe ich die Zwanziger nie so voller kultureller Revolutionen gesehen. Bryson schafft es mal wieder – auch wenn hier natürlich wie in den populärwissenschaftlichen Büchern schon die Selbstironie, die Bryson in seinen Reiseberichten an den Tag legt, etwas zu kurz kommt – gut zu unterhalten und dabei vor allem auch so viel Informatives zu erzählen, das über das normale Wikipedia-Wissen hinausgeht. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich die amerikanische Gesellschaft nach der Lektüre verstehe, aber es hat mir auf jeden Fall eine neue Perspektive eröffnet und mich dennoch eigentlich nie gelangweilt. Obwohl ich mit Baseball nichts anfangen kann – was auch daran liegt, dass ich das Spiel nicht verstehe – war ich von den Geschichten über Babe Ruth niemals gelangweilt. Und das ist für ein über 600 Seiten Buch ohne echte Handlung schon eine gewaltige Leistung. Noch mehr auch – ich kann mir nach der Lektüre des Buches auch vorstellen, noch mal ähnliche Bücher über Kulturgeschichte zu lesen, obwohl ich nicht unbedingt als großer Sachbuchfan bekannt bin. Vielleicht sollte ich mir Sachbuchfresser.de auch noch registrieren?

Ich verbleibe für dieses Buch jetzt aber mal mit 4,5/5 Sternen, einen kleinen Abzug dafür, dass es mir als nicht-Amerikaner doch öfters mal schwer fiel, alles richtig einzuordnen, gerade geographische und sportliche Begriffe hätten für meine Begriffe noch etwas mehr erklärt werden können – wobei es durchaus auch für Nichtkenner gut zu lesen ist. In jedem Fall ein interessantes Buch – das zudem noch so nett ist, im Anhang ausführlich zu erklären, wie die ganzen angefangenen Handlungsstränge dann nach dem Sommer 1927 weitergingen.

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Aus dem Leben eines Taugenichts – Joseph von Eichendorff

Nachdem ich ja von dem letzten Werk Eichendorffs nicht so wahnsinnig überzeugt war, schauen wir uns heute eines seiner Hauptwerke an – der Taugenichts ist ein viel rezipiertes und bekanntes Werk und gilt als eines der wichtigsten Werke der Spätromantik. Witzigerweise erschien das Werk zuerst in einem Band mit dem zuvor gelesenen Marmorbild im Jahr 1826 – ein schönes Beispiel für die Zweitverwertung von Geschichten, die bei den Romantikern häufig geschieht, das Marmorbild war ja schon einige Jahre zuvor veröffentlicht worden.

Der junge Taugenichts läuft eines Tages von zuhause weg, um auf Wanderschaft zu gehen. Er landet recht schnell an einem Schloss als Gärtner und steigt dann schnell zum Pförtner auf. Er pflanzt schöne Pflanzen in seinem Garten, spielt mit seiner Geige und nähert sich einer Dame bei Hofe. Doch als sie sie treffen soll, taucht sie in Begleitung eines anderen Mannes auf – was dazu führt, dass sich der Taugenichts weiter auf Wanderschaft begibt. Er trifft auf zwei Maler, die er zunächst für Banditen hält, denen er sich dann aber auf dem Weg nach Italien anschließt. Doch in einem Gasthaus sind die beiden auf einmal weg, lassen ihm einen Beutel mit Geld da und der bereits bestellte Postkarren, der genau weiß, wo er hin soll – und so gelangt er zu einem weiteren Schlösschen in Italien, wo man sich reizend um ihn kümmert. Er erhält eines Tages jedoch den Brief, dass er von seiner Geliebten vermisst wird – was ihn dazu bringt, erst in Rom nach ihr zu suchen, schließlich dann aber mit einer Gruppe Studenten nach Hause zu kommen. Dort klären sich dann einige Missverständnisse: Er wurde für eine verkleidete Dame gehalten, weil diese verfolgt wurde, seine Geliebte war niemals mit jemand anderem zusammen, ist aber auch keine Gräfin, sondern ein Waisenkind, das adoptiert wurde. Am Ende jedoch wird die doppelte Hochzeit gefeiert.

Mit gut 100 Seiten Umfang in meiner Ausgabe zählt diese Geschichte schon zu den längeren Erzählungen der Romantik – und es passiert auch jede Menge. Verzeiht mir, wenn ich die Geschichte oben etwas verkürzt wiedergegeben habe, aber es ist ziemlich dicht und bleibt auch lange sehr intransparent. Das wird durch den Ich-Erzähler bedingt, der Erzähler weiß damit natürlich nicht mehr als die Figur selbst und die weiß eigentlich gar nicht, wie ihr geschieht. Sie lässt sich vom Leben treiben und zieht durch die Lande und landet hier und dort, schläft manchmal vor den Haustüren oder in den Wäldern und macht alle Stadien der Wanderschaft durch. Man könnte darin jetzt natürlich einen Bildungsroman sehen, wenn denn ein Bildungsprozess ablaufen würde – aber eigentlich bildet er sich nicht wirklich weiter. Er wandert sehr viel und es hält ihn nie viel an einem Ort, er ist immer auf der Suche nach – was auch immer? Die Sehnsucht, ein typisch romantisches Motiv packt ihn immer wieder und auch am Ende will er sofort wieder mit seiner Gattin nach Rom ziehen.

Auch wenn diese Geschichte wesentlich weniger phantastisch ist und keine übersinnlichen Motive aufweist, fand ich sie deutlich zugänglicher und angenehmer zu lesen. Da wird von einem „märchenhaften“ Erzählstil gesprochen und tatsächlich lässt sich diese Novelle, so sie sich selbst bezeichnet – ich wäre da auch wieder etwas skeptisch – sehr leicht lesen, es ist ein lockerer, sorgenfreier Erzählstil und es ist wirklich sehr angenehm zu lesen. Im Gegensatz zum Marmorbild ist die Erzählung auch fröhlicher und lebensfroher. Ein gewisser Unterschied zu den anderen romantischen Erzählungen ist sicherlich zu spüren, viele romantische Motive bleiben hier völlig unangetastet, dafür werden andere Motive – gerade das Sehnsuchtsmotiv, das Wandermotiv und das Naturmotiv, das in der romantischen Lyrik eine große Rolle spielt – aufgegriffen, auch über Künstlerfiguren und Geniekult wird erzählt – da hatten wir bei Hoffmann noch einiges drüber stehen – insofern ist es ganz eindeutig eine romantische Erzählung, die sich aber auch durch die eingebetteten Gedichte und durch die Motivik an die Lyrik annähert.

Ich finde die Geschichte wirklich lesenswert und hatte viel Spaß mit diesem Werk von Eichendorff. Nach der letzten Geschichte hatte ich schon Angst davor, dass ich auch mit dem Taugenichts anfangen könnte, allerdings war das absolut nicht der Fall, ich hatte eine wunderschöne Geschichte vor mir. Dafür gebe ich gerne 4/5 Sternen – für eine lesenswerte romantische Erzählung der Spätromantik.

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Heftromane heute Spuklicht #4: Die schwarze Leonarda

Ich versuche ja bei diesen Rezensionen immer ein bisschen was über die Reihe und den Kontext der Veröffentlichung herauszufinden. Und leider macht mir gerade der Kelter-Verlag das nicht immer einfach. Beim heutigen Heft zum Beispiel: Es heißt „Die schwarze Leonarda“ und ist von Maja Merling – und es ist mindestens dreimal veröffentlich worden. Einmal im Bastei-Verlag in der Reihe Spuk-Roman als Heft 121 – mutmaßlich ist das auch die Erstveröffentlichung, zumindest deutet der Zusatz „Neuer Roman“ darauf hin. Weiterhin ist es Band 1154 in der Kelter-Reihe Irrlicht und die mir vorliegende Reihe heißt einfach nur Spuklicht, es scheint aber eine zweite Auflage oder ein zweiter Start dieser Reihe zu sein, hier ist das Heft die Nummer 4. Und ist das Heft jetzt wirklich so großartig, dass man es dreimal abdrucken muss?

Beatrice ist eine junge Frau, ihr Vater ist gerade dramatisch verstorben und er bat sie im Sterben, zum Schloß Fontana zu gehen, um dort ihren Großvater zu finden. Nach einiger Eingewöhnungszeit erkennt dieser sie auch als die rechtmäßige Herrin von Fontana an. Doch die schwarze Leonarda scheint etwas dagegen zu haben, denn seit ihrer Ankunft wird Beatrice mit Geistererscheinungen konfrontiert, die ihr nach und nach diverse Tode zeigen – und nach dem Gespräch mit einer Bediensteten und dem Sohn des Anwalts des Schlosses, stellt sich heraus, dass seit einiger Zeit ein Fluch über den Herrinnen des Hauses liegt. Sie hat weitere Visionen, auch nachdem sie von einem Arzt untersucht wurde. Nach eingehender Beratung, wie man den Geist unschädlich machen könnte, schafft sie es in einer ihrer Visionen tatsächlich, das wahre Geschehen um den Tod der Leonarda, die von einem Dienstmädchen vergiftet wurde, nachdem sie selbiges mit ihrem Mann tat, herauszufinden. Nicht nur das, sie schafft es auch, den Geist zu besiegen und verliebt sich in den Sohn des Anwaltes.

Zusammenfassend: Die Geschichte ist ganz hübsch, sie scheint mir ein bisschen mehr für Frauen konzipiert worden zu sein als die klassischen Bastei-Reihen (John Sinclair, Professor Zamorra, Jerry Cotton), lässt sich aber auch so schön lesen, ohne dass die Liebesgeschichte zu einnehmend wird. So richtig vom Hocker hauen konnte mich die Geschichte aber nicht. Es ist eine ganz solide Heftromanstory, aber sie wirkt dann doch arg konstruiert, es ist klar, dass immer irgendwas passieren muss und spätestens, als der Anwalt das erste Mal auftritt, ist auch das Ende schon klar – es kann einfach nicht mehr anders als gut ausgehen. Das ist natürlich ein wenig schade, weil so ziemlich viel Spannung genommen wird. Ansonsten fällt mir inzwischen immer weniger ein, was ich schreiben soll. Auch dieser Band ist ganz akzeptabel geschrieben, aber auch für diesen Schreibstil kann man keinen Preis gewinnen. Es ist eben Literatur, die für den einmaligen und unmittelbaren Konsum geschrieben ist. Ich glaube niemand käme auf die Idee, so ein Heft mehrere Male zu lesen.

Es könnte ganz vielversprechend sein, mal verschiedene Muster von Handlungssträngen herauszuarbeiten, aber insgesamt scheint mit dieses Projekt inzwischen ein wenig überstrapaziert. Ich habe hier noch einige Jerry-Cotton Hefte herumliegen, die als „Classics“ verkauft werden, also scheinbar aus den 70ern stammen. Vielleicht nehme ich mich dieser Epoche noch ein wenig ausführlicher an, aber für die heute auf dem Markt existierenden Hefte werde ich demnächst mal ein Fazit ziehen.

Für dieses Heft bleibe ich allerdings mal bei 3/5 Sternen stehen. Kein besonders tolles Heft, wenn ich die Wahl hätte, würde ich dennoch lieber Heftchen vom Bastei-Verlag lesen, die sind auch nur ein paar Groschen teurer.

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Statistik für März 2017

Der März war in jeder Hinsicht ein außerordentlicher Monat. Ich habe erstaunlich wenig verbloggt, insbesondere in den letzten Wochen war dieser Blog so tot, wie schon lange nicht mehr – weniger Beiträge gab es zuletzt im Dezember 2014! Andererseits sieht die Lesestatistik, wie ihr gleich sehen werdet, unglaublich gut aus und ich habe laut der Liste so viel gelesen wie seit Oktober 2015 nicht mehr. Doch so ganz stimmt das nicht, denn ich habe zwei der Bücher – beziehungsweise ein Buch und ein Hörbuch – nur fertiggelesen, nicht komplett in diesem Monat gelesen. Das trübt die tollen Zahlen zwar ein wenig, wird sich in der Jahresbilanz dann aber dennoch sehr positiv auswirken. Woran es lag, dass ich in dem Monat wenig gelesen und noch weniger gebloggt habe, ist ganz einfach. Der März und der September sind, was meinen Unistress angeht, oft die anstrengendsten Monate. Wo andere Leute ihre Klausuren lange hinter sich haben und sich über die Semesterferien freuen, in denen sie schlafen, arbeiten oder die Welt erkunden können, sitze ich wahlweise in der Bibliothek, im Büro oder zuhause und schreibe an meinen Hausarbeiten. So ist die Lesezeit entsprechend begrenzt und so gibt es auch wenig zu erzählen.

Wie es im nächsten Semester aussieht, kann ich natürlich nicht vorhersagen, aber ich hoffe sehr, dass ich zumindest einen Schnitt von 1000 Seiten im Monat halten kann. Versprechen kann ich leider nichts – und auch Literaturseminare sind im nächsten Semester eher rar gesäht. Aber dennoch wünsche ich mir, dass ich mal wieder ein paar Bücher lese – denn es liegen so tolle Titel auf meinem SuB. Genug der Worte, hier die Zahlen:

Gelesen:

Gelesen:
Sommer 1927 – Bill Bryson (coming soon, 640 Seiten)
Hanni und Nanni – Die besten Freundinnen (coming soon, 152 Seiten)
Die schwarze Leonarda – Maja Merling (coming soon, 65 Seiten)
Der unsichtbare Killer – Peter F. Hamilton (coming soon, 1133 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 1990 Seiten, 64,1 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): Seiten, Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 1990 Seiten, 64,1 Seiten pro Tag

Geschenkt/Aus dem Bücherschrank:
Reckless: Steinernes Fleisch – Cornelia Funke
Die Jagd – Stanislaw Lem
Die Elixiere des Teufels – E.T.A. Hoffmann

End-SuB-Stand: 110

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Die letzten ihrer Art – Douglas Adams / Mark Carwardine

Douglas Adams kennt man hier in Deutschland eigentlich nur als Autor der erfolgreichen Buchserie „Per Anhalter durch die Galaxis“. In England weiß man vielleicht noch von einer Dirk Gentley Serie und man weiß vielleicht auch, dass er einige Folgen der Serie Doctor Who schrieb. Ein völlig anderes Buch, das er gemeinsam mit Mark Carwardine, einem Fotografen schrieb, ist „Die letzten ihrer Art“.

Es ist ein Reiseroman – dabei geht es aber nicht darum, die Reise an sich zu beschreiben, denn die beiden sind unterwegs, um seltene Tiere zu finden und zu fotografieren und sie reisen dazu in entlegene Gebiete dieser Welt. Zunächst fahren sie nach Madagaskar, wo sie auf einer vorgelagerten Insel einen besonderen Lemuren finden und einige Schwierigkeiten haben, bis dorthin vorzudringen. Auf dem weiteren Weg suchen sie den Komodowaran, bei dem sie zunächst mit einigen Hühnern auf die Insel fahren – die aber dann für die Touristen gedacht sind, statt für den Waran – und erleben dort, dass das Tier zwar wahnsinnig bedroht ist, aber auf dieser Insel trotz Tourismus gut leben kann. Weiter geht es zu Berggorilla und Rhinozeros in Zaire, zum Kakapo, einem flugunfähigen Vogel, der völlig unfähig ist, sich gegen Feinde zu verteidigen und daher unter den Ratten leidet, die die Seefahrer eingeschleppt haben. In China finden sie dann einen seltenen Delfin und beenden ihre Reise auf Mauritius, wo sie einen Flughund suchen, von den Ortsangehörigen aber überredet werden, sich doch die Vögel anzuschauen. Vom Flughund gibt es doch noch hunderte, von den Vögeln mitunter nur einzelne Exemplare. Adams resümiert schließlich über Fluch und Segen des Tourismus, der die Erhaltung dieser Tiere erst finanziert und legitimiert, aber gleichzeitig ihren Lebensraum zerstören könnte.

Adams bezeichnet dieses Buch als das Buch, das ihm selbst am meisten mitgegeben hat – und es ist auch ein wahnsinnig faszinierendes Buch. In einigen Teilen erinnert es an den Schreibstil von Bill Bryson, gerade, wenn es um Unterkunft und die mit einigem bürokratischen und organisatorischem Aufwand verbundenen Reisen geht – man bedenke, dass solche netten Erfindungen wie Smartphones noch nicht erfunden sind – und so kommen sie nach China mit einem Namen und einer Adresse, ohne zu wissen, ob derjenige überhaupt existiert oder ihnen gar hilft. Doch es klappt alles und sie finden den seltenen Delfin. Die Reisen sind dabei enorm abwechslungsreich und es wird offensichtlich, dass es kein weltweites Konzept gibt, die Tiere zu schützen. Manche Tiere werden dank des Engagements von einzelnen geschützt, manchmal gibt es nationale Aktionspläne und beim Delfin in China scheint es überhaupt kein Bewusstsein zu geben, die Tiere überhaupt zu schützen.

Eigentlich war es geplant, noch eine Neuausgabe diese Buches zwanzig Jahre später zu schreiben, doch Adams früher Tod hat diesen Plan leider zunichte gemacht. Mark Carwardine zog dann 2009 in Form einer Fernsehserie mit Stephen Fry nochmal durch die gleichen Stätten und sie konnten die Bilanz ziehen, dass es den Tieren stellenweise besser geht – der intensive Schutz scheint sich ausgezahlt zu haben.

Das Buch ist wundervoll. Es ist witzig geschrieben und macht gleichzeitig nachdenklich. Und Adams reflektiert auch sein eigenes Verhalten und seine eigene Reise als Hoffnung, etwas für die Tiere zu tun, aber auch als zusätzliche Störung der Flora und Fauna. Warum schützen wir die Tiere eigentlich, sie werden ja ohnehin durch natürliche Selektion sterben. Doch nur wir sind dafür verantwortlich, dass es keine natürliche Selektion mehr ist, sondern wir geben der Evolution keine Zeit, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Doch nur davon, dass wir diese Tiere besichtigen wollen, gibt es überhaupt einen Antrieb, sich um sie zu kümmern. Für Bakteriensorten oder Einzeller interessiert sich niemand – und einen Artenschutzplan gibt es dafür bestimmt auch nicht.

Mich hat das Buch enorm fasziniert und ich würde es jederzeit wieder lesen. Zu seiner Entstehungszeit war es bei weitem kein kommerzieller Erfolg, doch heute ist es immerhin noch immer lieferbar, was dafürspricht, dass es sich doch zu einer Art Longseller etabliert hat. Ganz ohne moralischen Zeigefinger und sehr unterhaltsam geschrieben – und auch mit einigen Fotos von den Reisen versehen – kann ich nicht anders, als volle 5/5 Sternen dafür zu vergeben. Auch in der heutigen Zeit ist das Buch noch wichtig, auch heute gibt es jede Menge Arten, die unsere volle Aufmerksamkeit brauchen.

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Montagsfrage vom 03.04.2017

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Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur Montagsfrage! Nachdem dieser Blog ja schon langsam etwas Staub angesetzt hat, bin ich gerade erstmal mit dem Feudel durch und hoffe, ich weiß noch, wie das mit dem Bloggen funktioniert. Fangen wir erstmal mit der Montagsfrage an:

Habt ihr besondere Vorlieben bei den Themen in euren Büchern (Prinzen, Reisen, Märchen etc.) oder achtet ihr da gar nicht drauf?

Oh, die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich mag grundsätzlich, wenn Realitäten gebrochen werden, wenn also die eigentliche Welt durch eine andere, in der andere Gesetze gelten, verändert wird – ganz typisch ist das beispiel in den Narnia-Chroniken, wo ja der Kleiderschrank diesen Übergang markiert – aber das ist wahrscheinlich schon ein bisschen zu abstrakt gedacht für diese Frage. Ich habe nichts dagegen, wenn es Orks, Zwerge, Elfen und Trolle gibt, aber es ist jetzt nicht so, das ich das gezielt aussuche – obwohl Fantasy natürlich eines meiner Lieblingsthemen ist, versuche ich mich doch immer auch recht breit aufzustellen und mich immer von neuen Umsetzungen des Genres überraschen zu lassen. Wobei, wenn ich dann mal wieder einen Hohlbein in die Finger bekomme und weiß, gleich taucht ein Tentakelmonster aus der Tiefsee auf, ist das schon ein bisschen wie heimkommen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche! Ich versuche, in dieser Woche den Blog wieder richtig anlaufen zu lassen – wenn aber noch nicht alles wieder so rund läuft, wie vor der mehr oder weniger freiwilligen Pause – die letzten Wochen waren einfach, was die Uni angeht, enorm herausfordernd und zeitintensiv – dann seid mir bitte noch nicht böse.

Bis dahin!

 

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Montagsfrage vom 20.03.2017

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Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Was war dein letzter Re-Read, bzw. welches gelesen Buch hast du zuletzt erneut gelesen?

Oh, das würde ich gerne viel häufiger schaffen. Leider ist es relativ selten, dass ich ein Buch ein zweites Mal in die Hand nehme – einfach weil noch so viele andere Bücher auf mich warten. Für die Uni habe ich kürzlich Hoffmanns Sandmann erneut gelesen, den hatte ich zu Schulzeiten schon mal in der Hand, habe ihn jetzt aber für die Uni erneut gelesen. Außerdem habe ich vor einiger Zeit mal Kinderbücher, die ich vor vielen Jahren gelesen hatte, nochmal zur Hand genommen, darunter die Jim Knopf Bücher und Momo – allesamt auch im letzten Jahr rezensiert, denn an einen Blog war damals noch nichts zu denken.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche! Ich bin diese Woche wieder ziemlich viel unterwegs und am arbeiten, kann euch also nicht versprechen, dass die Postversorgung vollständig funktioniert, gebe aber mein Bestes, dass das gut klappt. Spätestens ab kommender Woche sollte das aber auch wieder einfacher werden.

Bis dahin also eine gute Zeit euch!