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Der Mord an Roger Ackroyd (Alibi) – Agatha Christie

Ein weiterer Christie, ein weiterer Krimi mit Hercule Poirot, wieder als ungekürztes Hörbuch. Diesmal aber mit einem anderen Sprecher, der dem sympathischen Ermittler leider einen französischen Akzent aufdrückte. Ich mag das ja nicht so besonders gerne, aber es war noch zu ertragen. Doch kommen wir erstmal zum Krimi an sich.

In einem kleinen Dorf treffen sich der Arzt und ein Anwesensbesitzer auf ein Essen nach dem Dinner. Seine Verlobte hat sich kürzlich selbst getötet, nachdem sie durch die Ermordung ihres ersten Mannes in Ungnade fiel und seit einem Jahr erpresst wird. Schließlich kommt ein Brief, in dem sie ihren Erpresser nennt. Roger Ackroyd bittet den Doktor, zu gehen, um den Brief alleine zu lesen. Keine Stunde später empfängt der Doktor einen Anruf: Ackroyd sei ermordet worden. Unklar ist jedoch alles. Wo kommt dieser Anruf her? Tatsächlich finden sie Ackroyd ermordet mit einem Dolch. Und die Umstände bleiben rätselhaft. Ein Verdächtiger ist verschwunden, obwohl viele von seiner Unschuld überzeugt sind. Gut, dass kürzlich Hercule Poirot ins Dorf gezogen ist. Eigentlich wollte sich der Detektiv hier zur Ruhe setzen und Kürbisse züchten, doch jetzt wird er gebeten, die Wahrheit über diesen Mordfall herauszufinden.

Ich will an dieser Stelle nichts weiteres erzählen, weil vermutlich alles weitere euch zu viel der Spannung nimmt – das ist ja immer das zentrale Element bei Agatha Christie. Während es bei einigen Krimis eigentlich nicht so interessant ist, wer der Mörder letzten Endes war, weil der Kommissar die interessante Figur ist oder weil der Weg zum Mörder hin das Spannende ist – ich bin ja auch ein großer Freund davon, wenn der Mörder schon am Anfang bekannt ist und dann „nur“ noch die Beweise oder wahlweise der Mörder selbst fehlen – ist bei Agatha Christie die Lösung am Ende das zentrale des Krimis. Und es läuft wieder alles in klassischer Whodunit-Manier. Der geschlossene Personenkreis in Form der Bewohner und Besucher des Anwesens ist nicht ganz so verschlossen, wie im Orientexpress, aber schnell geht es nur noch um einen kleinen Kreis von Verdächtigen. Insgesamt treten in diesem Buch inklusive der Verstorbenen gerademal 14 Personen auf, was wirklich nicht viel ist. Allerdings gibt es hier tatsächlich eine parallel ermittelnde Polizei, die sich aber dann in den entscheidenden Stellen so weit im Hintergrund hält, dass es nur noch um Poirot gilt. Und schließlich leistet er hier auch wieder gute Arbeit und kann den Fall vollständig aufklären. Witzigerweise gibt es noch ein weiteres Buch von einem französischen Literaturwissenschafter und Psychoanalytiker, wo ein alternatives Ende vorschlägt und nachzuweisen sucht, dass der gefundene Mörder unschuldig ist. Ich glaube, wenn ich mal Zeit und Lust habe, lese ich dieses Buch gleich auch noch.

Was an diesem Buch besonders ist, ist, dass Christie einen Ich-Erzähler einsetzt. Das ist der Doktor, der an Poirots Seite ermittelt und hier sozusagen die Position des Sidekicks einnimmt, der immer etwas später auf die Wahrheit kommt, als Poirot. Insgesamt ist das erzählerisch ein recht gelungener Kniff, wobei ich wirklich Probleme hatte, mich damit anzufreunden. Generell lief das Anfreunden nicht ganz so reibungslos und fließend ab, wie beim Mord im Orientexpress, ich brauchte mehr Zeit, um in das (Hör-)Buch hineinzukommen – aber spätestens ab der Mitte war ich wieder vollends gefangen und konnte es kaum abwarten, endlich weiterzuhören. Denn es ist wieder wahnsinnig gut und systematisch erzählt, es wird viel Spannung aufgebaut, es geschehen jede Menge schöne Zufälle – eine Rezensentin kritisierte, dass es etwas zu konstruiert wirkt – die die Geschichte stützen und schließlich endet alles in einem ziemlich gelungenen Ende. Ich werde jetzt in Zukunft nochmal ein paar weitere Agatha-Christie Bände lesen bzw. hören und dann mal schauen, ob es auch einen Band von ihr gibt, wo das Ende nicht derartig unerwartet ist. Ich werde berichten! Bis dahin bekommt der Band 4/5 Sternen für einen großartigen Krimi. Und ich habe gerade das Gefühl, ich könnte noch zwanzig weitere Krimis dieser Art lesen und hören und mir würde nicht langweilig werden. Stellt euch also darauf ein.

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Montagsfrage vom 20.02.2017

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Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen in einer neuen Woche zur neuen Montagsfrage – irgendwie fliegen mir im Moment die Tage ein wenig zu schnell vorbei, geht euch das auch so?

Gibt es ein Zitat aus einem Buch, dass dir in letzter Zeit (oder überhaupt) im Gedächtnis geblieben ist?

Das ist tatsächlich eine schwierige Frage, die ich spontan mit „Nein“ beantworten müsste. Ich erinnere mich zwar an einige schöne Stellen, aber wörtliche Zitate habe ich im Moment keine auf Lager. Traurigerweise (oder interessanterweise?) habe ich aber noch ein Zitat aus dem letzten Semester im Kopf, als ich eine Seminararbeit im Themenfeld „Internationale Beziehungen“ schreiben musste und dann in einem Text von Duncan Bell das Zitat „They [gemeint sind Nationen] meet under an empty sky from which the gods have departed“ las, welches mir offensichtlich bis heute im Kopf blieb.

Aber gut, ich wünsche euch an dieser Stelle eine gute Woche und hoffe, ihr habt da ein bisschen mehr Gefühl für gute Zitate.

Bis dahin!

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Heftromane Heute: Mark Tate #9: Trau keinem Geist um Mitternacht

Eine weitere kleine Reihe aus dem Kelterverlag. Mal wieder habe ich gnadenlos recherchiert: Die Serie erschien wohl zuerst als Subserie einer Geister-Krimi-Reihe aus dem Kelter-Verlag, dann in eine andere Subserie umgeschichtet und dann schließlich als eigene Serie in zwanzig Bänden ausgekoppelt und schnell wieder eingestellt. Das war dem Autor aber scheinbar egal, den der veröffentlicht fleißig weiter – und zwar ohne dass ich jetzt spontan herausfinden konnte, in welcher Reihenfolge und nach welchem System, aber scheinbar gibt es inzwischen 150 Bände dieser Serie – die dann im Eigenverlag erscheint und über die gängigen eBook-Plattformen erhältlich ist. Diese chaotische Struktur habe ich bisher nur im Kelter-Verlag und beim Hexer von Salem erlebt, bei letzterem aber durch größere Verlage, viele Kelter-Autoren nutzen scheinbar den Selbstverlag für eine Zweitverwertung ihrer Texte.

Doch kommen wir zum Heftchen. Mark Tate, laut Titel ein Teufelsjäger (wenn das nicht von John Sinclair inspiriert ist, fress ich einen Dämonenaustreiber!), verschwindet spurlos aus der Wohnung seiner Freundin. Die ruft schnell die beiden Geisterjägerkollegen, doch die wissen auch nicht weiter, während er sich schon in einer Geschichte des Buches der Weisheiten wiederfindet. Er trifft dort einen Magier, der ebenfalls in das Buch hineingelockt wurde und der nun von Mark befreit werden möchte. Seine Freunde aus der echten Welt stehen mit ihm in Verbindung und stören so den Ablauf der Geschichte, was dazu führt, dass er immer wieder in der Realität auftaucht – an den unmöglichsten Stellen – und dort insgesamt dreimal stirbt. Schließlich gelingt es den Freunden, ihn aus dem Buch befreien und am Ende sogar das Buch zu zerstören.

Ich muss sagen, ich fand dieses Heftchen schwierig. Es ist mit zum ersten Mal, dass ich mich wirklich dazu zwingen musste, das Heft fertigzulesen, denn ich fand überhaupt keinen Zugang zum Heftchen. Die Figur erinnert so vage an Professor Zamorra, aber irgendwie ohne die coolen Eigenschaften von ihm. Ich fand es schwer, mich mit ihm zu identifizieren und die Geschichte überhaupt zu durchdringen. Irgendwie wird er also in eine Geschichte gesogen, dann immer mal wieder in der normalen Welt umgebracht und schließlich von seinen Freunden herausgeholt, ein bestimmtes Amulett spielt dabei eine wichtige Rolle. Warum jetzt Mark Tate dreimal sterben musste und dann immer wieder an anderen Stellen wiederbelebt werden muss, habe ich auch nicht verstanden, beim ersten Mal ist es bizarr, beim zweiten Mal witzig, beim dritten Mal aber dann auch etwas ermüdend. Generell habe ich das Gefühl, es passiert nicht viel und das wenige, was passiert, steht luftleer im Raum. Ja, da ist eine Geldfälscherbande, aber was mit der passiert, bleibt unklar. Wo kommt dieses seltsame Buch her und wo geht es hin? Es ist alles etwas durcheinander, geht drunter und drüber und mir fiel es schwer, die Orientierung zu behalten und durchzublicken, worum es im Roman geht.

Der Schreibstil ist relativ unauffällig. Ich hatte schon in den letzten Romanen wenig dazu gesagt, weil es wenig dazu zu sagen gibt. Es ist ein Schreiben, um eine Geschichte zu erzählen, nicht unbedingt ein Schreiben, um besonders schön zu schreiben. Besonders auffällige Stilmittel oder ein besonderes Register wird dabei nicht gewählt, es lässt sich gut lesen, aber man wird sich vermutlich niemals an besondere Formulierungen erinnern. Leider finde ich es auch nicht unbedingt besonders spannend geschrieben, Grusel oder Horror kam bei mir leider gar nicht auf.

Ich muss leider an dieser Stelle das gleiche sagen, wie beim letzten Mal, als wir ein Heftchen dieser Art hatten. Die Heftchen des Kelter-Verlags sind – zumindest in meiner Stichprobe – immer ein Ticken schlechter, als ihre Vorbilder bei Lübbe. Es ist immer nicht so ganz so gut durchdacht, nicht ganz so spannend, nicht ganz so angenehm zu lesen. Und da stelle ich mir dann die Frage, warum ich zu Kelter und nicht zu Lübbe greifen sollte. Und daher bekommt ein solches Heftchen dort, wo ein beliebiger John Sinclair Roman noch 3/5 Sternen bekam, nur 2/5 Sternen.

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Das Marmorbild – Joseph von Eichendorff

Habe ich schon mal darüber gesprochen, wie nach sich die romantischen Autoren standen? Die Erzählung von Eichendorff ‚Das Marmorbild‘ erschien zuerst im Frauentaschenbuch für das Jahr 1819. Herausgegeben wurde dieses Buch von einem befreundeten Ehepaar mit dem Namen de la Motte-Fouqué, dessen männliche Hälfte Autor der Undine war, die wir bereits besprochen haben. Und eigentlich kann man das bei jedem Autor, den wir hier besprechen, behaupten, dass er irgendwie mit anderen Autoren vernetzt war – muss ich den Kreis der Serapionsbrüder noch erwähnen?

Egal, kommen wir zu Eichendorff. Das Marmorbild ist eine schöne kleine Liebesgeschichte. Der Dichter Florio ist auf dem Weg in einer Stadt, als er einem Mann begegnet, mit dem er sich angeregt unterhält. In der Stadt entpuppt sich dieser dann als der Sänger Fortunato, einem großen Vorbild vom ihm. Sie lernen ein junges Mädchen kennen, das Florio beim anschließenden Dinner auch besingt. Doch er lernt auch einen anderen Mann kennen, der ihm etwas seltsam vorkommt, der ihn aber dazu bringt, eine Frau zu sehen, wie sie schöner und anmutiger kaum sein könnte. Sie ähnelt der Marmorstatue der Venus, die er zuvor sah – und der fremde Mann, der Ritter Donati verspricht ein Treffen. Auf einem Maskenball trifft er eine Griechin, die ihn anzieht – sie ist ebenjene Statuenfigur. Er kommt in ihr Schloss, ist jedoch so verschreckt von den lebendigen Statuen, dass er die Stadt verlassen will – zufällig mir seinem Freund Fortunato, der ihm dann von einem Zauber der heidnischen Venus berichtet, woraufhin Florio realisiert, dass er Opfer eines Spuks wurde. Er kommt dann mit dem Mädchen des Dinners zusammen.

Ich muss sagen, ich kam relativ schwierig in die Geschichte hinein, weil mir der Stil nicht so wahnsinnig zugänglich erschien. Eichendorff schreibt zwar gut verständlich und sprachlich sehr sauber, aber auch sehr sehr dicht. Die ganze Geschichte, bei der ich oben zahlreiche Details weggelassen habe, umfasst kaum 50 Seiten und es passiert eine ganze Menge, es gibt relativ viele Figuren und nicht immer ist transparent, wen der junge Florio gerade trifft. Aber diese Verwirrung ist ja auch Programm, denn er selbst weiß es oft genug nicht und erfährt erst auf der letzten Seite, dass er von einem Spuk heimgesucht wurde. Unklar bleibt für mich das Ausmaß des Spuks. War nur die lebendige Venus eine Illusion oder auch der Ritter Donati? Wer war die Griechin? All diese Fragen werden im Buch nicht beantwortet.

Mit dem Spukmotiv und dem idealisierten Künstlerdasein mit hohem Stellenwert des Künstlertums ist diese Erzählung eine typisch romantische. Einige Gedichte und Gesänge lockern den Prosatext auf – und die fügen sich auch wirklich schön in den Text ein. Andere Elemente fehlen hier, komplexe Erzählstrukturen gibt es nicht, aber wir könnten darüber diskutieren, wie auktorial, wie allwissend dieser Erzähler hier wirklich ist, denn er wirkt schon sehr nah an Florio. Wieder mal kann man von einer subjektiven Realität, die wir schon einmal hatten, ausgehen.

Auch jetzt in der Nachbetrachtung werde ich mit der Geschichte nicht vollständig warm. Eigentlich mag ich es sehr gerne, wenn romantische Dichter mit Künstlerfiguren spielen – schaut euch dazu nochmal mein Projekt zu den Serapionsbrüdern an – aber hier konnte ich nicht wirklich den Zugang dazu finden. Ich will die Geschichte nicht schlecht reden, sie ist schon sehr dicht und kunstvoll geschrieben und bietet viele Anknüpfungspunkt, um sie sich mal genauer anzuschauen – aber mein persönlicher Favorit wird sie wohl nicht. Ich bin jetzt sehr gespannt, ob ich zur Prosa Eichendorff vielleicht in einer anderen Geschichte noch Zugang finde. Bis dahin bleibe ich mal bei unentschlossenen 3/5 Sternen.

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Montagsfrage vom 13.02.2017

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Guten Abend zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Welche Neuerscheinung auf die du dich freust, erscheint als nächstes?

Diese Frage ist tatsächlich für mich im Moment ziemlich schwierig zu beantworten. Ich bin im Moment relativ wenig am Durchschauen von Verlagsvorschauen und Ähnlichem. Ich weiß, dass im Oktober zwei John Sinclair Romane (von Mark Benecke und Wolfgang Hohlbein) erscheinen, auf die ich mich freue. Aber ansonsten weiß ich von keinen Neuerscheinungen, auf die ich schon hoffe. Ich werde wohl wieder den Buchpreis-Gewinner lesen und ansonsten bediene ich mich die nächsten Monate wohl eher meines reichhaltigen SuBs.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Woche und viel Spaß auf diesem Blog!

Bis dahin!

 

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Ein Skandal in Böhmen – Arthur Conan Doyle

Heute geht es dann endlich los mit der ersten Sherlock-Holmes Geschichte. Es ist nicht die erste, die je geschrieben wurde, das Fundament dieser Serie wurde mit zwei Romanen gelegt, die dem ersten Kurzgeschichtenband vorausgingen. Doch in diesem Band ist das die erste Geschichte, die auch als eine gelungene gilt.

Watson besucht seinen Freund Holmes kurz nachdem er wieder angefangen hat, als Arzt zu praktizieren. Holmes hat ein seltsames Schreiben bekommen. Bald kommt er darauf, dass es vom König von Böhmen kommt und als dieser dann kommt, wird klar, was er wünscht. Er ist durch eine unschickliche Fotografie erpressbar und die junge Frau droht, diese Fotografie an seine Verlobte zu senden. Holmes begibt sich zu dieser Frau hin und verkleidet sich wahlweise als Geistlicher und als Stallbursche, um hinter das Geheimnis zu kommen, wo diese Fotografie verborgen ist. Als er dann die Fotografie holen will, geschieht jedoch noch eine überraschende Wende.

Auch hier in dieser Serie will ich nicht übermäßig viel spoilern, wobei es natürlich witzlos ist, wenn ich nur den Anfang erzähle. Ich hoffe, ich bekomme es hin, hier die Balance zu finden. Diese Geschichte unterscheidet sich in jedem Fall ein wenig von dem, was ich an Krimis gewöhnt bin, denn hier fehlt völlig die Leiche oder gar das große Verbrechen, das es aufzuklären gibt. Nun, ein Privatdetektiv wird eben nicht immer zur zu Verbrechen bestellt. Und es fehlen auch eigentlich alle anderen Elemente eines Whodunit-Krimis. Die entsprechende Person ist bekannt, entsprechend gibt es auch nicht die großartige Auflösung. Sherlock Holmes besondere Fähigkeit, vieles zu beobachten, wird aber schon hier deutlich.

Ich muss sagen, ich muss mich an diesen Stil wirklich noch gewöhnen. Kaum 22 Seiten lang ist diese Geschichte, entsprechend kurz ist der Spannungsbogen, entsprechend kompakt der Fall. Da kann ich noch gar nicht so viel dazu sagen, auch wenn ich sagen muss, dass mir das Setting mal wieder außerordentlich gefällt. Das Ende des vergangenen Jahrhunderts ist eine großartige Zeit. Eine Zeit, in der die Industrialisierung schon voll da ist, aber noch nicht so omnipräsent ist, in der große Erfindungen ihre Schatten voraus werfen, dem technischen Fortschritt aber immer noch etwas magisches anhaftet. Und schon in den paar Seiten konnte ich mich ziemlich gut in diese Atmosphäre hineinversetzen. Sherlock scheint mir spontan ziemlich sympathisch und ich freue mich schon darauf, die nächsten Geschichten zu lesen.

Für heute lasse ich mal 3,5/5 Sternen da. Ich kann noch nicht so wirklich sagen, wie typisch diese Geschichte ist, sie war sehr hübsch zu lesen und ich hatte ihren Spaß daran, bin aber noch nicht so wirklich begeistert. Bleiben wir also gespannt. Ich denke, diese Rezensionen werden immer ein wenig kürzer, vor allem, weil ich diese ganzen Kleinigkeiten, die ich immer noch so dazu erzähle, hier auf eine ganze Menge Geschichten verteilen muss.

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Lesefutter (5): Mängelexemplare und modernes Antiquariat

Nachdem es in den letzten Folgen darum ging, wie man möglichst sinnvoll Bücher kauft, geht es in den nächsten Folgen darum, wie man möglichst günstig Bücher kaufen kann. Heute geht es um das moderne Antiquariat und damit verbunden auch um Mängelexemplare – um die es aber dezidierter noch in der übernächsten Folge gehen wird.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, neue bzw. fast neue Bücher unter dem normalen Ladenpreis zu bekommen: Mängelexemplare und Restauflagen. Mängelexemplare haben wie der Name schon sagt Mängel und sind daher von der Preisbindung ausgenommen, müssen aber als solche gekennzeichnet werden. Restauflagen sind die letzten Exemplare einer Auflage, bei denen die Preisbindung nach einer gewissen Zeit aufgehoben wird. Typischerweise sind das dann Hardcoverausgaben, bei denen das Taschenbuch bereits erschienen ist und das Hardcover dadurch nahezu unverkäuflich wird. Jetzt wisst ihr auch, warum ein Taschenbuch gerne mal 18 Monate nach dem Hardcover erscheint – denn erst nach 18 Monaten hat der Verlag die Möglichkeit, diese Preisbindung aufzuheben – und gerade bei B-Titeln ergibt es keinen Sinn, dann noch länger auf das Hardcover zu setzen, weil durch das Taschenbuch nochmal einigen Umsatz einbringen kann, das Hardcover aber inzwischen als Ladenhüter gilt.

Es gibt auch noch sogenannte Sonderausgaben oder Lizenzausgaben, die man häufig im modernen Antiquariat findet, aber um die soll es beim nächsten Mal nochmal ausführlicher gehen. Typischerweise ist so ein modernes Antiquariat etwas spartanischer eingerichtet als eine normale Buchhandlung und steht mit Bücherkästen voll, die Regale sind häufig unsortiert, manchmal gibt es ein schmales Bestsellersortiment zum Vollpreis, aber ansonsten gibt es dort überwiegend Bücher aus den oben genannten Kategorien zu Sonderpreisen – manchmal schon ab einem Euro, oft genug gibt es da 1-2 Jahre alte Hardcover-Titel für Preise von 5-10 Euro.

Die bekannteste Kette des modernen Antiquariats ist Jokers. Jokers ist eine Marke von Weltbild – und dass Weltbild einst zu 100% der katholischen Kirche gehörte und heutzutage zu Droege gehört, werde ich nächstes Mal noch etwas ausführen. Jokers hatte bis vor einigen Jahren noch einige Filialen mehr und ich war dort häufiger zu Gast und habe einige spannende Schnäppchen erstanden. Leider ist im Moment keine Filiale mehr in meiner Nähe, sodass ich da zum aktuellen Stand nicht viel sagen kann, aber grundsätzlich kann man dort einige Schnäppchen finden.

Die großen Ketten besitzen meistens auch irgendwo eine Filiale, bei der es die gesammelten Ausschüsse aus vielen Filialen zu kaufen gibt, die dort präsentiert werden. Beispielsweise gab es mal im Weiterstädter Loop5 eine Thalia-Outlet Filiale (ich weiß gar nicht, ob die noch existiert) oder – das ist mein persönlicher Geheimtipp – die Bahnhofsbuchhandlungskette Schmitt und Hahn hat im Frankfurter Hauptbahnhof eine etwas versteckte Filiale, in der sie ihre gesammelten Remittenden Mängelexemplare und Ladenhüter verkauft – sogar reduzierte Reclam-Hefte findet man dort, ebenso jede Menge englische Bücher zum Einheitspreis von derzeit vier Euro. Sie ist rechter Hand, wenn man sich in die Einkaufspassge auf dem Weg zur U-Bahn bewegt zwischen einem Pralinenladen und einer Drogeriekette – falls ihr mal in Frankfurt Lesestoff brauchen solltet.

Aber auch die unabhängigen modernen Antiquariate, die es in größeren Städten häufig gibt, sind einen Besuch wert. Ich erinnere mich an einen Laden, den ich zufällig in Marburg fand dort mehr Bücher als mir gut tat, kaufte die Bücher fast im Wahn und sortierte sie dann einige Jahre später auf. Ich kaufte also nur, weil es so günstig war. Nun, inzwischen bin ich da etwas abgehärteter.

Was ist nun das Problem an diesen Büchern? Nun, zunächst einmal spricht gar nicht so viel dagegen, dort zuzuschlagen. Ich mache das auch regelmäßig und habe dort schon einige Bücher gekauft. Man neigt natürlich dazu, auch etwas mehr und etwas schneller zu kaufen, wenn die Preise niedriger sind. Man kauft dann gerne auch mal Bücher, die man eigentlich gar nicht lesen möchte – siehe oben – und vor allem: Sieht der Autor irgendwas von dem Geld, das man dort ausgibt? Im besten Fall trägt der Buchhandel den Verlust zum Originalpreis, im schlechtesten Fall gelten die Bücher aber als remittiert und der Autor sieht keinen Cent. In Amerika besonders verbreitet ist die Cover-Remission, bei der man zur Senkung der Transportkosten nur das Cover remittiert und dann den ganzen Einkaufspreis vom Verlag zurückbekommt, die Bücher selbst sollen vom Händler vernichtet werden. Deshalb steht in amerikanischen Büchern häufig, dass man das Buch nicht kaufen soll, wenn das Cover fehlt, weil der Verlag dafür nichts bekommt. So scheint das im deutschen Buchhandel glücklicherweise nicht zu laufen. Ich weiß nicht genau, wie die Autorenverträge hier aussehen und ob die Autoren nach ausgelieferten, verkauften oder gedruckten Büchern bezahlt werden, hoffe aber, dass das Geschäft am Ende für alle halbwegs fair abläuft. Dieses leichte Grummeln muss man bei solchen Büchern leider in Kauf nehmen. Was es sonst noch für Möglichkeiten gibt, Bücher unter den offiziellen Preisen zu bekommen, dazu auch beim nächsten Mal mehr. Denn dreißig Euro für ein Buch, wie sie manchmal bei etwas dickeren Toptiteln aufgerufen werden, sind auch für mich als Student nicht unbedingt erschwinglich.

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Mord im Orientexpress – Agatha Christie

Nachdem ich vor einigen Jahren mal And then there were none von Agatha Christie gelesen hatte, ihren bestverkauften Roman, der jedoch ohne einen ihrer beiden klassischen Detektive auskommt, habe ich kürzlich durch ein Probeabo bei Audible das Hörbuch zu Mord im Orientexpress als ungekürzte Lesung erworben. Es ist einer der beliebtesten Krimis von ihr, mehrmals verfilmt und unter verschiedensten Titeln erschienen.

Der Detektiv Hercule Poirot möchte gerne im Orient-Express nach London fahren, allerdings sind – ungewöhnlicherweise – alle Abteile belegt. Da er den mitreisenden Direktor der Gesellschaft gut kennt, schafft er es, noch ein Abteil zu ergattern. Zunächst nur ein Bett im Doppelabteil, später dann, als der nächste Kurswagen andockt, ein Einzelabteil der ersten Klasse. Doch in Jugoslawien muss der Zug dann wegen Schneeverwehungen ungeplant halten. In derselben Nacht jedoch kommt es zu einem Mord. Ein Amerikaner wird mit 12 Messerstichen getötet, niemand hat den Mörder gesehen und doch gibt es einige Hinweise – vor allem auf die Identität des Amerikaners, einen Kindesentführer, dessen Fall medial sehr stark begleitet wurde Ein Arzt stellt fest, dass es zumindest zwei Mörder gewesen sein müssen. Die Befragung und das Durchsuchen des Gepäcks bringt weitere Hinweise zutage. Als sich Poirot, der Direktor und der Arzt dann zurückziehen und die Hinwiese auswerten, scheint alles keinen Sinn zu ergeben.  Doch schließlich kann Poirot diesen Fall auf eine geradezu ungeheuerliche Art und Weise lösen.

Ich mag auch hier nicht zu viel verraten, weil ich euch den Spaß an dem Krimi nicht nehmen möchte, ich habe jedenfalls bis zum Ende mitgerätselt und auch für mich ergab das alles keinen Sinn, ich hatte niemanden im Verdacht, hätte vielleicht noch am ehesten an jemand völlig unbeteiligten gedacht, aber insgesamt war ich trotz der zahlreichen Informationen und der Flut an hinweisen völlig ahnungslos – wobei ich auch im Mitraten bei Krimis nie besonders gut bin. Besonders gut gefiel mir hier wieder dieser geschlossene Personenkreis, bei dem eigentlich nur ein gutes Dutzend Personen überhaupt infrage kommt und Personen von außerhalb durch die Schneeverweihungen praktisch ausgeschlossen sind. Es handelt sich hierbei um die klassische Form eines Whodunit-Krimis. Der Schauplatz ist abgegrenzt, es gibt nur begrenzt viele Verdächtige und der Fall wird vollständig gelöst. Dabei fungiert hier der Direktor der Eisenbahngesellschaft als der naive Sidekick des Detektivs.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch noch der Fall um die kleine Daisy Armstrong. Daisy, Tochter eines bekannten Bürgers wurde entführt, es wurde viel Lösegeld gefordert und schließlich wurde das Mädchen tot aufgefunden. Der Fall erinnerte mich schon beim Lesen an einen klassischen Mordfall – und tatsächlich ist diese Hintergrundgeschichte von dem Fall um das Baby von Charles Lindbergh, dem ersten Piloten, der allein den Atlantis überquerte und dadurch enorm berühmt wurde. Sein Sohn wurde mit zwei Jahren entführt, die Täter erpressten Geld und das Kind wurde später tot aufgefunden. Der zur Schaffenszeit des Romans noch ungelöste Kriminalfall darf gerne als Vorlage für den fiktiven Armstrong-Fall gesehen werden.

Nur ein kurzes Wort zum Hörbuch: Für mich kommen ja nur ungekürzte Lesungen infrage und ich mag es auch nicht, wenn das Hörbuch dann als Hörspiel inszeniert ist, ich wünsche mir einfach, dass mir jemand das Buch vorliest, damit ich in Situationen, in denen ich nicht lesen kann, trotzdem lesen kann. Das gelingt Friedhelm Ptok ausgezeichnet, seine Stimme war sehr angenehm und das knapp 7,5-stündige Hörbuch sehr kurzweilig.

Insgesamt war ich von diesem Agatha-Christie-Krimi sehr angetan. Irgendwie war bei mir konsequent ein gewisses Maß an Spannung vorhanden, ich war immer neugierig, wie es weitergeht, was noch alles herauskommt und wie es dann schließlich gelöst werden kann. Dafür gebe ich gerne 4,5/5 Sternen für einen großartigen Krimi. Und ich denke, es wird nicht der letzte Krimi von Agatha Christie sein, den ich lesen werde.

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Montagsfrage vom 06.02.2017

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Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur pünktlichen Montagsfrage!

Welche ist deine längste Buchreihe im Regal und was gefällt dir so gut daran?

Das dürfte, ohne jetzt nachzuschauen, das Schwert der Wahrheit sein. Ich glaube, das Rad der Zeit ist länger, aber ich besitze weniger Seiten und habe deutlich weniger davon gelesen, weil einige Bände davon noch auf meinem SuB hängen, also ist es definitiv das Schwert der Wahrheit. Mehr als 9.000 Seiten in 11 Bänden, zwei weitere Bände liegen auf meinem SuB, zwei weitere Bände sind derzeit schon auf dem Markt. Ich habe die Serie vor einigen Jahren gelesen und es war damals für mich etwas völlig Neues, in eine derart lange, umfangreiche und komplexe Welt einzutauchen – und genau das, diese große, aufwendige, abwechslungsreiche Welt war das, was mich damals begeistert hat. Inzwischen habe ich leider kaum noch die Zeit, einzelne Bände einer solchen Reihe zu lesen, aber ich hoffe, ich komme in diesem Jahr mal wieder dazu, etwas mehr komplexere Fantasy zu lesen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, hier im Blog geht es diese Woche etwas krimilastig weiter, ich wünsche euch viel Spaß dabei und wir lesen uns dann kommende Woche hier an dieser Stelle wieder.

Bis dahin!

 

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Heftromane Heute: Das Magische Amulett #8: Verflucht von der Feuerhexe

Nachdem wir letztes Mal etwas über Al Capone gelesen hatten, machen wir heute im Kelter-Verlag weiter mit der Serie „Das magische Amulett“. Wie schon bei den anderen Heftromanen aus dem Kelter-Verlag, ist die Chronologie der Veröffentlichungen nicht ganz einfach. Klar ist. Das Heftchen gibt es auch als .epub für – meiner Meinung nach ziemlich überzogene – 2,99€ mit anderem Cover und aus einem anderen Verlag. Der Autor, der das Heftchen unter dem Pseudonym Ira Korona schrieb, heißt Jan Gardemann und das vorliegende Heftchen ist das achte in der Reihe. Laut romanhefte-info (diese Seite hat mir bei diesem Projekt schon häufiger geholfen) sind diese Heftchen im Jahr 2010 erschienen, zumindest deckt sich die dortige Ausgabe mit meiner. Die Plattform Gruselromane nennt jedoch den 27.07.2004 als Veröffentlichungstermin. Die Veröffentlichung ist etwas undurchsichtig, weil Romane dieser Serie in den Serien „Spuklicht“, „Gaslicht“ und „Irrlicht“, den Phantastik-Serien des Kelter-Verlags veröffentlicht werden – diese Erscheinungsform entspricht der der ersten Hexer-Heftchen in der Bastei-Serie Gespenster-Krimi.

Aber kommen wir schließlich zum Heftchen. Brenda Logan arbeitet in einem Museum zu einer Ausstellung zur Hexenverfolgung. Sie wird schwer angeschlagen, als ein seltsamer Kranz in ihrer Kellerwerkstatt auf einmal Feuer fängt. Doch ihr Freund, der im Krankenhaus arbeitet, lässt sie gehen, als er sie bittet, zu einem besonderen Einsatz geschickt zu werden: In einer Burg hat ein Erbe einen Geheimgang gefunden, in dem er wichtige Unterlagen vermutet. Brenda reist an und findet dort einen weiteren Kranz, der sofort Feuer fängt, sie kann ihn jedoch aus dem Fenster katapultieren. Im Geheimgang findet sie interessante Fundstücke, die über die Familiengeschichte als Hexenverfolger Aufschluss geben, alles deutet auf einen eingesperrten Geist einer Hexe hin. Und tatsächlich sterben in der kommenden Nacht einige Leute an diesen Feuerkränzen. Schließlich kommt es zum Showdown mit der Feuerhexe, die Streitigkeiten in der Familie werden dadurch beigelegt und die Ausstellung kann stattfinden.

Das erste, was mir an diesem Heftchen auffällt, ist die – im Verhältnis beispielweise zu den Perry Rhodan Heftchen enorm große Schriftart, sodass ich durch die 65 Seiten schneller als jemals zuvor durchkam. Dementsprechend dünn ist auch hier die Handlung. Man erfährt die notwendigsten Sachen, mit den ständigen Feuern wird man bei Laune gehalten – und zugegeben, es ist schon ziemlich spannend, was da aufgebaut wird. Allerdings wird es dann bis rund 10 Seiten vor dem Ende aufgebaut, dann in drei Seiten gelöst und dann ist auch schon alles dahin. Und irgendwie bleibt diese Geschichte total folgenlos, sie reiht sich in keinen Zusammenhang ein und die Handlung hat nicht wirklich eine besondere Relevanz.

Das an sich ist auch gar nicht so schlimm, denn die Geschichte kann gut unterhalten. Es ist ohne Zweifel spannend und es macht auch Spaß, das zu lesen. Vielleicht bin ich von den anderen Heftchen einfach zu sehr verwöhnt, denn wirklich schlecht ist die Geschichte nicht. Sie ist etwas belanglos, aber immerhin spannend. Natürlich haben die Charaktere keine wirkliche Tiefe, nicht mal die Hauptfigur scheint wirklich detailliert und liebevoll ausgearbeitet zu sein und irgendwie reizt mich gar nichts, diese Serie irgendwie weiter zu verfolgen. Deswegen fällt es mir schwer, hier mehr als 2,5/5 Sternen zu geben. Dieses Heftchen ist tatsächlich ganz genau das, was man so gemeinhin als Groschenheftchen bezeichnen wurde. Relativ anspruchslos geschriebene Geschichten zum einmaligen Lesen ohne dass man irgendwelche Vorkenntnisse braucht (wie ich sie mir bei Perry Rhodan zum Beispiel gewünscht hätte) und ohne dass irgendetwas von dieser Geschichte hängen bleibt. Für die schnelle Unterhaltung zwischendurch sicherlich okay, aber warum sollte man das magische Amulett lesen, wenn man auch andere, etwas liebevoller geschriebenen Serien lesen kann?