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Hanni und Nanni sind immer dagegen (#01)

2016-07-05 22.57.40Weiter geht es mit Kinderbüchern auf diesem Blog. Heute mit einer Serie, die zu den ersten Buchreihen zählte, die ich jemals gelesen habe. Klar, normalerweise sind das eher Mädchenbücher, aber damals, mit 7 Jahren war mir das total egal. Und heute stört es mich schon gar nicht mehr, vor allem, weil ich dieses Mal mit einer ganz anderen Brille herangehe.

Die Hanni und Nanni-Serie ist komplex. Eigentlich hat Enid Blyton gerademal 6 Bände geschrieben, aber die deutschen Buchläden sind voll mit dutzenden Büchern. Die englischen Bücher unterscheiden sich auch massiv von den Deutschen, schon die Namen (Pat und Isabel) haben mit den Deutschen nichts gemein. Worin ich mich bei dieser in lockeren Abständen folgenden Blogserie konzentrieren möchte, ist aber nicht der Unterschied zwischen den englischen und den deutschen Bänden, sondern ich will mich ein bisschen auf die Entwicklung zwischen den Bänden konzentrieren, verschiedene Stile herausarbeiten und immer mal wieder einzelne Fakten über die Reihe, sofern sie denn bekannt sind, einstreuen – denn die Reihe ist aus Sicht ihrer Veröffentlichungs- und Bearbeitungsgeschichte (der geneigte Literaturwissenschaftler nennt das die Editionsgeschichte) unglaublich spannend. Weil die Bändchen ziemlich kurz sind, kann es sein, dass auch die Rezensionen etwas kürzer werden – wenn ich aber viel zu sagen habe, kann es auch etwas länger werden, lasst euch einfach überraschen.

Kommen wir also zum ersten Band, eine Übersetzung des Originals aus dem Jahr 1941, zuerst 1965 auf Deutsch übersetzt und mit Christa Kupfer kennen wir sogar die Übersetzerin. Dabei wurde das Geschehen natürlich in die 60er hineinversetzt. Alles dreht sich um die Zwillinge Hanni und Nanni, die in das bescheidene und auf eine Entwicklung zur Bescheidenheit und Selbstständigkeit angelegte Internat Lindenhof sollen, dort aber zunächst gar nicht hinwollen und beschlossen haben, immer dagegen zu sein. Sie legen sich gleich zu Beginn mit ihrer Französischlehrerin an, die aber ein großes Herz hat und sie nach einem Einlauf der Direktorin dann auch gerne fördert. Eine Diebin in der Klasse macht die gute Stimmung zeitweise zunichte, dennoch haben die Mädchen viel Spaß beim Feiern eines Mitternachtsfestes. Für ein zerbrochenes Fenster sollen zunächst alle bestraft werden, was einigen Mädchen nicht passt, weshalb sie sich der Strafe widersetzen – und damit aus der Widergutmachung ausgeschlossen werden, als sich herausstellt, dass niemand aus der Klasse schuldig war. Mit einem Hund auf dem Dachboden und einer Theateraufführung endet dann auch dieses Schulhalbjahr und es wird Zeit für die Ferien – Hanni und Nanni sind inzwischen gut in der Klasse integriert.

In diesem ersten Band soll natürlich erstmal die Internatsstruktur etabliert werden. Es ist ein fürchterliches Internat, denken Hanni und Nanni. Große Schlafsäle, man muss für die älteren Mädchen Schuhe putzen und dann auch noch die ganzen Schularbeiten und die fürchterliche Französischlehrerin. Keine Privatsphäre, sondern ein großer Gemeinschaftsraum für eine ganze Klasse, die Mädchen sollen zur Gemeinschaft erzogen werden – und es ist völlig klar, dass in diesem Band auch jede Menge moralische Bekehrung steckt. Über die aus heutiger Sicht kruden Normen, die das Buch vermittelt, ein anderes Mal mehr, aber natürlich stellt sich heraus, dass ich Fleiß und Ehrlichkeit am Ende auszahlen, auch wenn gelegentlich etwas Spaß nicht schadet. Und daran müssen sich die beiden Mädchen erstmal gewöhnen, aber schließlich werden sie doch Teil der Klasse. Mit der vorlauten und direkten Jenny wird in diesem Band auch schon eine der künftigen Hauptfiguren eingeführt, zum Ende des Bandes wird klar, dass einige Mädchen nach den Ferien nicht mehr zurückkehren – sie machen dann Platz für neue Mädchen, die die Handlung des nächsten Bandes vorantreiben werden. Doch dazu später mehr.

Der erste Band von Hanni und Nanni ist meiner Meinung nach einer der besten. Ich mag für die eigentlich immer recht flachen und moralisierenden Geschichten keine 5 Sterne geben, aber mir gefällt die Atmosphäre des Buches noch heute recht gut und für den Nostalgie-Flash und die gelungenen Charaktere gebe ich für diesen Band doch gut und gerne 4/5 Sternen.

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Das Druidentor – Wolfgang Hohlbein

k-IMAG0900Als ich vor einiger Zeit dieses Buch von meinem SuB nahm, um endlich mal wieder einen Hohlbein zu lesen – immerhin ein halbes Jahr blieb es auf diesem Blog hohlbeinfrei – war mir gar nicht bewusst, dass Anfang Mai eine Neuaufgabe dieses Buches erschien – laut Cover mit einem neuen Nachwort des Autors. Dieses Nachwort habe ich in meiner Ausgabe dann natürlich nicht, diese ist schon ein wenig älter, aber am Text sollte sich ja nicht wirklich etwas getan haben.

Vor einigen Jahren, beim Bau eines neuen ICE-Tunnels, kam es zu einigen Schwierigkeiten und seltsamen Vorfällen, die aber gut verheimlicht werden konnten. Der damals beteiligte Wissenschaftler Warstein ist Opfer dieser Verschleierung geworden, er fristet sein Dasein als arbeitsloser Alkoholiker. Doch dann ereignen sich zwei Sachen: Ein brandneuer ICE hat einen Unfall im mittlerweile eröffneten Tunnel und dabei sind wieder seltsame Sachen. Parallel dazu kommt die Frau eines ehemaligen Kollegen zu Warstein, zusammen mit einem Journalisten, der eine Story wittert; die Frau sucht ihren Mann. Mit einigen Widrigkeiten schaffen sie es in das Bergstädtchen, doch Franke macht ihnen das Leben schwer, entzieht ihnen nahezu jede Möglichkeit, dem Unfallort nahezukommen. Doch nach einer wilden Verfolgungsjagd, sieht es so bald so aus, als würde dort demnächst die Welt untergehen. Eine Gruppe von Schamanen sammelt sich am Strand und geht dort Ritualen nach, Naturgewalten brechen rund um das Berghäuschen aus und nach einiger Zeit gibt Franke die Verfolgungsjagd auf und möchte nun Warsteins Hilfe zur Rettung der Welt. Denn was sich dort im Tunnel verbirgt, hat mit gewöhnlichen Naturgesetzten nichts mehr zu tun.

Ich möchte noch nicht alles verraten, denn obwohl das Ende nach der ersten Hälfte durchaus absehbar ist, ist die Geschichte durchaus spannend und obwohl schon auf den ersten Seiten zu erkennen ist, was da am Werke ist, bleibt die Geschichte dennoch spannend. Zu physikalischer Korrektheit reicht es zwar bei weitem nicht – wohlweißlich lässt Hohlbein auch die genauen Ursachen im Unklaren und rettet sich ins Phantastische – aber dennoch ist das Ende faszinierend und atemberaubend zugleich.

Mit inzwischen fast drei Millionen verkauften Exemplaren ist das Druidentor einer von Hohlbeins erfolgreichsten Romanen und wird immer wieder neu aufgelegt. Ich bin mir nicht ganz sicher, warum gerade dieser Hohlbein so erfolgreich ist, aber scheinbar war es einfach die richtige Geschichte zur richtigen Zeit – spannend fand ich, dass das Buch, das immerhin 1993 zum ersten Mal erschien, gar nicht wirklich veraltet wirkt – klar, das mit dem Autotelefon ist etwas merkwürdig, aber ansonsten wirkt der Roman durchaus zeitgemäß. Das ist ja immer die Gefahr mal solchen neu aufgelegten Büchern, die in der realen Welt spielen und als ‚jetztzeitlich‘ angelegt sind.

Die Geschichte selbst finde ich absolut gelungen. Es ist eine schöne Mischung aus Phantastik und Thriller, es ist alles drin, was ein guter Thriller braucht. Eine wilde Verfolgungsjagd, ein zu neugieriger Journalist, eine gescheiterte Figur, die zum Helden wird, eine Verschwörung gegen die Menschheit, eine Katastrophe und der drohende Weltuntergang. Und immer wieder die phantastischen Elemente, immer wieder diese übersinnlichen Bedrohungen, die wissenschaftlich erklärt werden sollen, es aber nicht werden. Die Charaktere bleiben dabei leider immer etwas flach und farblos, höchstens Franke und Warstein könnte man eine gewisse Entwicklung zusprechen, aber auch da ist nicht wirklich viel an Entwicklung.

Ich persönlich kann mir den Erfolg des Buches nicht erklären. Das Buch ist gut, zweifelsohne. Ich mochte es ziemlich gerne und es tat so gut, nach einiger Zeit mal wieder einen Hohlbein zu lesen, spannend, fesselnd, nicht zu anspruchsvoll und leicht zu lesen. Die Geschichte ist gelungen, sie macht Spaß und gefällt mir gut. Ich würde da spontan gerne mal 4/5 Sternen geben – aber es haut mich eben auch nicht so um. Ich habe schon Hohlbein-Bücher gelesen, die mich mehr mitgerissen, mehr fasziniert und mir besser gefallen haben. Warum jetzt dieses Buch so erfolgreich ist – ich weiß es nicht. Aber es ist sicherlich einen Blick wert – auch wenn ich die 14€ für die Neuausgabe als ziemlich teuer erachte. Auf meinem Taschenbuch steht hinten noch ein Preis von 8.95€.

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Montagsfrage vom 25.07.2016

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Guten Abend zusammen,

heute mal am späten Abend möchte ich es mir dennoch nicht entgehen lassen, mich noch um die heutige Montagsfrage zu kümmern.

Hat sich dein Leseverhalten durch die fortschreitende Digitalisierung verändert?

Bei der Frage ging es darum, dass angeführt wurde, dass die Digitalisierung unser Leseverhalten auf Informationshäppchen reduziert, wir bekommen alles nur noch verkürzt in 140 Zeichen dargestellt und verlernen, längere Texte zu lesen.

Ich kenne das Phänomen und bedaure es sehr. Ich studiere ja eine Geistes- und eine Sozialwissenschaft und habe mal irgendwo gelesen, dass die Philologie die ‚Kunst des langsamen Lesens‘ ist und genau das versuche ich immer wieder ganz bewusst machen. Eben zu einem Thema nicht nur den 15-Minuten TED Talk hören, sondern die ganze Arbeit im Umfang von mehreren hundert Seiten zu lesen, über einen internationalen Konflikt nicht nur die Headlines, sondern auch die Zeit-Reportage und die Fachpublikation mit Hintergründen zu lesen. Ja, es fehlt mir da leider oft an Zeit für und das gelingt mir nicht immer in dem Umfang, den ich mir wünsche – und viel zu oft hänge ich auch vor den Liveblogs der Nation, statt mir in der Woche danach in der Zeit alle Hintergründe anzuschauen. Aber ich versuche, darauf zu achten. Belletristisch gesehen könnte ich noch meinen e-Book Reader ins Feld führen, der aber eher ein Schattendasein fristet.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, in der es dann wieder alles in geregelte Bahnen kommt und ich ganz viel tolles Zeug für diesen Blog vorbereiten kann, denn am Mittwoch schreibe ich die letzte Klausur für dieses Semester!

Bis dahin!

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Neuzugänge #27 – Gebrauchte Bücher

2016-07-23 17.45.06Ich war mal wieder am Bücherschrank und habe auch mal, eher zufällig, einem kleinen Flohmarkt einen Besuch abgestattet. Und dort habe ich – wie könnte es auch anders sein – Bücher gefunden, die ich nachfolgend auch gerne vorstellen möchte. Es sind mal wieder fünf Stück zusammengekommen.

Death of a Salesman – Arthur Miller

Ein echter moderner Klassiker. Ein Drama aus dem Jahr 1949, das noch im selben Jahr mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, am Broadway uraufgeführt wurde und seitdem alle paar Jahre neu verfilmt wird. Es ist ein unglaublich bekanntes Stück und ich wollte es schon immer mal lesen. Nun fand ich diese Reclam-Ausgabe im Bücherschrank und bin mal gespannt, was mich erwartet.

Macbeth – Shakespeare

Und noch ein weiteres Drama aus dem Bücherschrank. Beide Dramen fand ich beim gleichen Besuch und neben dem englischen Drama fand ich mit Macbeth noch ein zweisprachiges Stück. Vor knapp zwei Jahren habe ich die dazugehörige Oper im Staatstheater gesehen und muss zugeben, dass ich nichts verstanden habe, aber von der Oper recht überwältigt war. Jetzt bin ich gespannt auf das Stück, es wird mein erstes Werk von Shakespeare, das ich im Original lese und habe sogar noch die Übersetzung nebendran, falls ich etwas nicht verstehen sollte oder falls mir Nuancen entgehen. Auch hier bin ich gespannt.

Durch die Wüste | Der Schatz im Silbersee | Der Ölprinz – Karl May

Ich muss zugeben, ich habe noch nie Karl May gelesen. Ich weiß, dass Karl May ein Klassiker ist, dass er fast schon Pionier auf dem Bereich der Abenteuerromane war und dass eigentlich jeder Jugendliche mal einen Karl-May-Roman in der Hand hatte – oder es zumindest mal solche Zeiten gab, ich weiß auch, dass viele Fantasy-Autoren von May inspiriert wurden. May war damals jemand, der unbekannte Welten beschrieb. Das waren noch keine Welten voller Orks, sondern Geschichten über den wilden Westen, den Orient oder die Mongolei. Damit holt man heute natürlich in der globalisierten Welt hervor, aber damals war das alles neu und phantastisch – und May war auch selbst nie dort, von daher sind die Geschichten tatsächlich ziemlich phantastisch. Ich wollte die Bücher aber schon immer mal lesen. Und als ich dann kürzlich auf einem Flohmarkt eine Kiste mit Karl-May-Büchern fand, nahm ich einfach mal drei mit. Durch die Wüste als den ersten Abenteuerroman, Der Schatz im Silbersee als einen Wildwestroman und den Ölprinz als weiteren Roman, der im wilden Westen spielt. Dabei habe ich sie gar nicht mal gezielt ausgesucht, sondern mich von den Titeln inspirieren lassen. Ich bin sehr gespannt darauf und würde mir vorbehalten, dass ich mir, wenn mir die Titel gefallen, ich mir noch mehr Karl-May-Romane anschaffen werde.

Nicht für den SuB relevant ist das folgende Büchlein:

Hermann und Dorothea – Goethe

Für einen Euro im örtlichen Oxfam mitgenommen, hat mich der Inhalt, einige Elegien, eigentlich gar nicht interessiert. Viel spannender sind hier die Äußerlichkeiten. Man sieht es auf dem Bild nicht, aber es handelt sich hier um eine Ausgabe einer Schullektüre in einem Kriegseinband, mit Zensurstempel und Druckdatum 1918 – also aus dem letzten Kriegsjahr des ersten Weltkriegs. Entsprechend ist es noch in Fraktur gesetzt und in Pappe eingebunden. Notizen sind dort auch drinne, wobei ich nicht weiß, ob diese authentisch aus dieser Zeit sind. Auf jeden Fall sehr spannend, mal so ein altes Buch mit bewegter Geschichte zu sehen – und auch schön, mal eins davon zu besitzen. Möge es noch weitere Jahrhunderte überleben.

Ich bin eigentlich ganz froh, dass es nicht noch mehr Titel geworden sind, die ich hier vorstellen kann, denn schließlich muss ich das dann alles auch lesen – und damit ist es ja noch immer nicht so wahnsinnig rosig. Insofern hoffe ich eigentlich, dass die nächste Folge dieser lockeren Artikelserie noch einige Zeit auf sich warten lässt

Bis dahin!

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Jim Knopf und die wilde 13 – Michael Ende

k-2016-06-16 22.37.06Unmittelbar nachdem ich den ersten Band las, konnte ich nicht widerstehen, auch den zweiten Band von Jim Knopf zu lesen, den Band, in dem Jim Knopf wirklich erfährt, woher er stammt – denn der erste Band lässt in dieser Richtung ja noch einiges offen und was im zweiten Band noch angelegt wird, ist deutlich komplexer.

Das Postschiff sieht bei Sturm und Dunkelheit nicht, wo es langfährt und stößt deshalb gegen Lummerland. Und weil König Alfons befürchtet, das könnte auch mit dem kaiserlichen Schiff passiert, das ja häufiger mal vorbeikommt, braucht es dringend einen Leuchtturm – der aber gar keinen Platz auf Lummerland hat. Die Idee, Herrn Tur-Tur dafür zu verpflichten, führt unsere beiden Freunde Jim und Lukas auf ihr neues Abenteuer. Als sie von einer Meerjungfrau gebeten werden, das Meeresleuchten zu aktivieren und sie geradezu nebenbei das Perpetuum mobile erfinden, wird klar, dass sie auch hierfür einen Wärter brauchen. Fliegend machen sie sich auf den Weg, um Herrn Tur Tur zu holen, der jedoch von Nepumuk aus seinem Haus vertrieben wurde. Die Freunde sammeln beide ein, um jedoch dann festzustellen, dass Molly verschwunden ist. Sie suchen sie mit Hilfe der Meerjungfrauen unter Wasser, werden jedoch bei der Suche bewusstlos und wachen im Lummerland wieder auf, wo sie ein Brief an Frau Malzahn erwartet, aus dem klar wird, dass diese Molly, Jims kleine Lokomotive, entführt haben. In Mandala erwacht kurz darauf der goldene Drache der Weisheit und gibt Hinweise zu Mollys Rettung. Diese Anweisungen werden befolgt, Prinzessin Li Si schleicht sich mit auf das Abenteuerschiff, alle werden von den Piraten gefangen genommen und sie landen im Land, das nicht sein darf, wo sich die Piraten zu streiten beginnen. Jim nutzt die Verwirrung, um seine Freunde zu befreien und erfährt fast schon nebenher, wer er eigentlich ist. In einem spannenden Finale werden sich die 13 ihrem Irrtum bewusst und stellen sich in den Dienst von Jim, der am Ende nicht mehr der Lokomotivführersohn ist, der er war.

Ich mag an dieser Stelle, an der ich schon viel erzählt habe, das Ende nicht verraten, viele kennen es vielleicht, aber ich persönlich finde es immer wieder überraschend und deshalb mag ich euch diese Überraschung nicht nehmen. Ihr seht es dem langen Absatz schon an, dafür, dass die Geschichte nicht umfangreicher ist als der erste Band, passiert hier jede Menge und ich kann mir vorstellen, dass die relativ komplexe Geschichte für jüngere Kinder noch etwas verwirrend ist. Zwar werden ganz kinderbuchtypisch die Spannungsbögen kurz gehalten und schon nach wenigen Seiten aufgelöst, dennoch sind es immer zahlreiche Handlungsstränge und es passiert auch sehr viel in sehr wenigen Seiten, es ist also eine sehr dichte Geschichte, deutlich dichter als beispielsweise noch im ersten Band.

Und sie ist auch weniger intuitiv. Der erste Band arbeitet mit Fantasiewesen und Vorstellungen, die gut zugänglich sind, der Scheinriese, die Stadt Kummerland, das gruselige Echo – alles recht gut zugänglich. Hier sind die Motive teilweise ähnlich einfach; die Meerjungfrauen, der Magnetfelsen – aber solche Erfindungen wie das Perpetuum mobile oder das relativ komplexe Ende ist doch deutlich anspruchsvoller. Klar, ich kann das gut verstehen, aber in Bibliotheken ist das Buch üblicherweise in der Kategorie 4.1 einsortiert und das ist die Kategorie für Erstleser zwischen 6 und 10 Jahren. Ich muss sagen, das Ende hat mich persönlich auch nicht so wirklich glücklich gemacht, ich hätte mir mehr Platz und mehr Ausgestaltung dafür gewünscht, etwas mehr Details und Erzählungen.

Aber dennoch ist das kein Grund, die Geschichte abzuwerten. Es ist eine tolle Geschichte, sie ist soweit eben in der Kürze möglich schlüssig erzählt und trotz der verschachtelten Geschichten wird die Haupthandlung nie aus den Augen verloren. Viel des Lobes aus dem ersten Band kann ich nur wiederholen. Es ist auf jeden Fall Wohlfühllektüre, die Illustrationen sind auch hier wundervoll und detailreich gestaltet und die Charakterzeichnung aus dem ersten Band wird fortgesetzt – und mal von Jim abgesehen, dem einfach in seiner neuen Rolle etwas mehr Raum für Entwicklung gefehlt hat, ist die Entwicklung auch sehr gut gelungen. Das Ende selbst fand ich, wie gesagt, für sechs bis zehnjährige schon etwas komplex. So eine hohe Wertung wie bei dem ersten Band möchte ich nicht vergeben, es war auch subjektiv ein bisschen schwächer als dieser – aber 4/5 Sternen bekommt dieser zweite Band auf jeden Fall. Und wer einmal den ersten Band gelesen hat, will natürlich auch wissen, wie es weitergeht.

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Montagsfrage vom 18.07.2016

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Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zusammen zur ersten Montagsfrage in den Semesterferien!

Bist du in einem Buchclub?

Ich bin Germanistikstudent. Zählt das? Nein? Nun, dann offensichtlich nicht. Ich weiß auch nicht, ob das etwas für mich wäre, ich bin da mehr so der einsame Wolf auf der Couch, der dort liest – wobei ich solche Initiativen grundsätzlich eine gute Sache finde! Alles, was zu mehr lesen führt, ist doch super. Und ich kann mir auch gut vorstellen, soetwas in der Art in Zukunft mal als AG an einer Schule anzubieten, gerade da wäre sowas sehr gut möglich!

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche. Ich hatte im Einstieg schon erwähnt, für mich beginnen in dieser Woche die sogenannten Semesterferien. Natürlich gibt es auch dort noch einiges zu tun, Hausarbeiten, Arbeit, Praktikum und Klausuren warten auf mich, aber insgesamt sollte ich doch wieder etwas mehr Zeit haben, auf diesem Blog etwas mehr Regelmäßigkeit gewährleisten zu können. Ich habe so viele coole Ideen für diesen Blog, die ich jetzt endlich mal langsam umsetzen könnte. Freut euch also auf mehr Regelmäßigkeit hier – auch wenn ihr die Ergebnisse meiner Brainstorms und Vorbereitungen erst im Laufe des Sommers sehen werdet.

Bis dahin!

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Kleine Aster – Gottfried Benn

Gottfried Benn ist ein Autor des Expressionismus, er ist also einer sehr ausdrucksstarken Generation von Autoren zuzuordnen, deren Werke uns heutzutage oftmals befremden. Ich schrieb darüber beispielsweise schon mal, als ich einen expressionistischen Roman, den Bebuquin von Carl Einstein rezensierte. Ich mag den Expressionismus ziemlich gerne, weshalb es in diesem Projekt noch einige expressionistische Gedichte zu lesen gibt. Problematisch ist, dass die Autoren oft noch nicht 70 Jahre verstorben sind, daher müsst ihr euch den Text leider selbst besorgen, ich möchte mich keiner Urheberrechtsverletzung schuldig machen.

Das Gedicht umfasst 15 Verse, im Internet wird von zwei Strophen gesprochen, in meiner Ausgabe sind aber keine Strophen eingezeichnet, die Verse sind völlig verschieden lang, es ist keine Metrik zu finden und auch die Reime sind nur spärlich gesät. Vers 1 und 3 reimen sich (gestemmt – geklemmt) und Vers 7 und 8 (schnitt – glitt). Spontan fällt mir nicht ein, wie man das in der Analyse verwursten könnte, aber ich finde es dennoch wichtig, es mal zu erwähnen. Diese Formlosigkeit ist übrigens eher untypisch für den Expressionismus, der eine innere Unruhe im Gedicht mit einem strengen Formenkorsett zu bändigen, das ist hier nicht der Fall.

Aber kommen wir mal um Inhalt. Das lyrische Ich sieht zu, wie ein Fernfahrer auf den Seziertisch gelegt wird und entdeckt, dass ihm eine Blume zwischen die Zähne geklemmt wurde. Als sie Richtung Gehirn rutscht, legt er sie behutsam in den Brustkorb, bevor dieser zugenäht wird. „Ruhe sanft, kleine Aster!“ lauten die letzten beiden Verse. Und so wenig die Form zum Expressionismus passte, so gut passt der Inhalt. Der Tod, das Verstorbene, der Leichnam und seine Sektion wird beschrieben, ein typisches Motiv, die Entmenschlichung, der Blume wird im Gedenken der Vorzug gegeben. Die Aster, die dunkelhelllila (welche Wortschöpfung) ist und liebevoll zischen die Zähne geklemmt wurde, steht eindeutig im Mittelpunkt. Der Mensch bleibt völlig unbekannt, nur ein Fernfahrer, der halt ertrunken ist, tatsächlich ist rein quantitativ über seine Organe mehr berichtet als über ihn als Menschen, die Aster wird sogar als „du“ angesprochen, was dem Menschen verwehrt bleibt. Solche Gedichte sind typisch für den Expressionismus, das hier geschriebene ist unter dem Eindruck der Industrialisierung, des massiven Elends in den Städten und der völligen Entmenschlichung unter den dortigen Arbeitsbedingungen verfasst. Warum eine Aster? Ich weiß es nicht sicher, aber ich könnte mir einen Rückbezug auf das romantische Motiv der blauen Blume vorstellen, die ja für Sehnsucht und Flucht steht und ich habe bei expressionistischen Gedichten häufiger mal das Gefühl, dass die Todessehnsucht, die häufig in ihnen steckt, eher in Richtung einer Natursehnsucht geht, der Tod also als Metapher für den Rückzug in die Natur. Etwas krude und vage Annahme, aber ich finde, das klingt, unter dem Eindruck von zwei Jahren in einer noch recht grünen Großstadt durchaus plausibel. Waldspaziergänge haben einfach im Gegensatz zu der Wahl zwischen Industriegebiet oder überfülltem Stadtpark ihren Reiz.

Insgesamt ist das Gedicht mal wieder relativ verstörend. Ich habe bei expressionistischen Gedichten immer so eine gewisse ‚professionelle Distanz‘ und lasse die Gedichte nicht mehr an mich heran, aber für Neulinge in diesem Gebiet – ich erinnere mich an meine Oberstufenzeit und die erste Stunde Expressionismus – mag das ziemlich beklemmend sein. Kein Wohlfühlgedicht, aber dafür umso interessanter – ich habe ja kaum einen einzigen Aspekt behandelt.

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Lenz – Georg Büchner

k-2016-06-16 22.47.43Es kommt nicht oft vor, dass man einen Text liest und danach völlig verwirrt ist. So ging es mir mit Büchners Lenz. Zu Büchner hatte ich schon einiges erzählt, den Lenz fand man posthum in seinem Nachlass, Bücher schrieb ihn wohl im Jahr 1835. Der Text umfasst kaum 20 Seiten und es ist noch immer unklar, ob es sich hierbei um ein Fragment handelt, ob die Erzählung – ich denke, das ist der einzige Begriff, auf den wir uns einigen können – vollständig ist oder ob sie überhaupt hätte veröffentlicht werden sollen.

An dieser Stelle steht jetzt normalerweise die Inhaltsangabe, was mir hierbei ein wenig schwerfällt, denn ich hatte wirkliche Schwierigkeiten zu verstehen, worum es geht. Klar ist, es geht um Lenz, ziemlich sicher eine Anspielung auf den realen Schriftsteller J.M.R. Lenz und seinen Geisteszustand. Auf einer Gebirgswanderung nimmt er die Kälte nicht wahr, abends plagen ihn Angstzustände; er wird von einem Pfarrer aufgenommen, doch in seinem Quartier kommen die Ängste zurück, er verletzt sich selbst und gewinnt aber noch einmal seine Besinnung zurück. Doch sein Zustand wird tendenziell schlechter, lediglich in Gesprächen mit dem Kaufmann über Kunst kommt seine Klarheit zurück, diese findet jäh ein Ende, als der Kaufmann auf eine längere Reise muss und Lenz Zustand völlig eskaliert, er sieht sich selbst als Büßender, der einen Pilgerweg auf sich nehmen muss. Sein Freund, der Pfarrer bringt ihn nach seiner Rückkehr in ein Heim nach Straßburg, wo sich dann eine entsetzliche Leere in ihm breitmacht – und so lebt er dahin.

Mein Literaturprofessor sagte zu Büchner einst, dass man ihm nachsehen müsse, er sei damals kaum zwanzig Jahre alt gewesen und habe sich seine Werke – wie alle jungen Schriftsteller – aus den verschiedensten Quellen zusammengeklaubt und sei nur in der Kombination seiner Quellen etwas revolutionär Neues gewesen. Im Falle von Lenz ist wohl ziemlich gesichert, dass er sich hier den authentischen Briefen des historischen Lenz und den Beobachtungen des ebenfalls auftretenden Pfarrers bedient hat, teilweise wohl sogar ziemlich direkt abgeschrieben hat – man wirft dies Büchner auch gerne vor, wobei ich es immer schwierig finde, jemandem etwas vorzuwerfen, was er nicht veröffentlicht hat – ich möchte auch nicht, dass jemand meinen Giftschrank findet und mir dann ein Plagiat vorwirft.

Es fällt mir wirklich schwer, etwas zu der Erzählung zu sagen. Und wenn man inhaltlich nichts zu sagen hat, schaut man sich das Formale an. Die Form ähnelt einer Novelle, viele indirekte Rede, schnelle Erzählweise, es liest sich wie eine prototypische Novelle, aber inhaltlich fehlt der gesamte Novellenbezug. Es gibt kein ‚unerhörtes Ereignis‘, wie bei der Marquise von O, es gibt keine wirkliche inhaltliche Strukturierung, die sich dem Drama annähert. Es wirkt, wie ja auch das Fragment Woyzeck als Dekonstruktion des Dramas wirkt, wie eine Dekonstruktion der Novelle. Generell fallen mir einige Parallelen zwischen den Werken auf, es geht um einen kranken Geisteszustand, beide Werke lesen sich sehr fragmentarisch (was beim Woyzeck auch kein Wunder ist), beide Werke sind für den an klassische Dramen (Novellen) gewöhnte Leser ein völliger Bruch mit den Genreerwartungen.

Und so muss ich jetzt noch etwas dazu sagen. Was soll ich noch ergänzen? Ich hatte das Büchlein innerhalb einer Stunde oder so durchgelesen und war nach dem Lesen keinen Deut schlauer. Erst mit dem Anhang zusammen und nach einiger Recherche konnte ich etwas mit dem Werk anfangen. Ich denke nicht, dass es ein absolutes Must-Read ist, ich denke, der Woyzeck ist wesentlich leichter zugänglich und inhaltlich klarer, denn diese inhaltliche Unklarheit, die schnellen Szenenwechsel und die nicht wirklich gut abgegrenzten Zustände des Geisteszustandes sind es, die das Werk so unzugänglich machen. Eine interessante Erfahrung, aber wenn man das Werk wirklich verstehen möchte, muss man vermutlich viel mehr Zeit investieren. Vielleicht finde ich diese Zeit einmal, bis dahin möchte ich lieber keine Wertung vergeben.

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Montagsfrage vom 11.07.2016

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Guten Abend zusammen und Herzlich Willkommen zu dieser späten Stunde zur heutigen Montagsfrage.

Wenn du einen Krimi/Thriller o.ä. liest, machst du dir selbst Gedanken darüber, wer der Mörder/Täter ist, oder lässt du dich prinzipiell vom Autor überraschen?

Nein, ich mache mir da in der Regel keine Gedanken darüber. Manchmal hat man Vermutungen, wie es gewesen sein könnte, aber ich suche da jetzt nicht nach Hinweisen, male Figurenkonstellationen auf oder mache irgendetwas derartiges, um den Mörder herauszufinden, dazu ist mein Detektivgen scheinbar nicht ausgeprägt genug – ich hoffe da immer, dass mir der Autor eine spannende Suche nach dem Mörder präsentiert und will da nichts vorwegnehmen – vor allem, weil ich Krimis ja auch meistens so als Balsam für die Seele lese und dann auch mal nicht so viel nachdenken möchte.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, die bei mir persönlich gerade unimäßig enorm turbulent ist, aber hier auf diesem Blog zumindest in halbwegs ruhigen Gefilden fahren sollte.

Bis dahin!

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Statistik für Juni 2016

Es geht weiter aufwärts! Schaut man sich die bloße Liste an, wirkt der Monat extrem spektakulär, schaut man auf die Seitenzahlen sind es am Ende nur rund 1000 Seiten, was aber immer noch doppelt so viel ist wie letzten Monat und so viel wie seit Januar diesen Jahres nicht mehr. Man sieht meinem Leseverhalten an, dass die Uni mich im Moment ziemlich fordert und so spaßig das manchmal ist, so schwierig ist es gelegentlich, dann noch das private Lesen unterzubringen – ihr seht der Liste an, da sind sehr kurze Bücher dabei, überwiegend sogar Kinderbücher; ich bin mal wieder über Hanni und Nanni gestolpert und habe gleich mal die ersten drei Bändchen weggelesen – und einige spannende Sachen über diese Serie herausgefunden, von denen ich noch nicht genau weiß, wie ich es die Bände und die Erkenntnisse in diesem Blog unterbringen möchte.

Dass es dennoch zu keinem SuB-Abbau kam, lag an einem Flohmarkt, auf dem ich günstig einige Bände von Karl May erstand; Karl May wollte ich schon immer mal lesen und bin jetzt ziemlich glücklich, dass ich mal ein paar Bände von ihm habe. Ich hoffe, es geht jetzt im Juli weiterhin bergauf mit den Zahlen – und vor allem würde ich mich freuen, wenn ich es schaffen würde, auch mal wieder etwas umfangreichere Bücher zu lesen. Und nun lasse ich euch mal mit den Zahlen alleine:

Anfangs-SuB-Stand: 108

Gelesen:
Dantons Tod – Georg Büchner (3/5 Sternen, 87 Seiten)
Die Taube – Patrick Süskind (4/5 Sternen, 99 Seiten)
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – Michael Ende (coming soon, 263 Seiten)
Jim Knopf und die Wilde 13 – Michael Ende (coming soon, 254 Seiten)
Die Marquise von O – Heinrich von Kleist (Re-Read, 38 Seiten)
Hanni und Nanni sind immer dagegen (#1) – Enid Blyton (coming soon, 108 Seiten)
Hanni und Nanni schmieden neue Pläne (#2) – Enid Blyton (coming soon, 104 Seiten)
Hanni und Nanni in neuen Abenteuern (#3) – Enid Blyton (coming soon, 106 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 1059 Seiten, 35,3 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0,0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 1059 Seiten, 35,3 Seiten pro Tag

Gekauft:
Durch die Wüste – Karl May
Der Schatz im Silbersee – Karl May
Der Ölprinz – Karl May
End-SuB-Stand:108