Permalink

0

Montagsfrage vom 26.06.2017

montagsfrage_banner

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage

Das Jahr ist schon zur Hälfte vorbei, welche Bücher sind bislang eure Buchhighlights?

Tatsächlich habe ich bisher nicht so viele Bücher gelesen, als dass ich großartig für die Highlights aussortieren könnte. Mein absolutes Highlight – an dem ich ja auch Monate gelesen habe – war auf jeden Fall „Der unsichtbare Killer“ von Peter Hamilton, das war ein großartiges Buch, das allerdings auch großartig lang und dick war, insofern also in jeder Hinsicht bemerkenswert. Ansonsten hat mich Douglas Adams „Die letzten ihrer Art“ ziemlich beeindruckt und mitgenommen, ein Buch über fast ausgestorbene Tierrassen. Das wären so die Highlights dieses bisherigen halben Lesejahres – aber ich hoffe noch auf einige tolle Sachen in den nächsten Monaten.

Inzwischen habe ich wieder ein bisschen was für diesen Blog vorbereitet und freue mich, euch in dieser Woche wieder zwei weitere Beiträge präsentieren zu können. Neben einer weiteren Rezi kommt nämlich auch mal wieder die aktuelle Monatsliste – und die ist zumindest deutlich besser als die des vergangenen Monats.

Bis dahin!

Permalink

0

Reckless: Steinernes Fleisch – Cornelia Funke

Von Cornelia Funke las ich im Laufe meiner Kindheit den Beginn der Tintenwelt-Reihe, schloss diese aber damals nicht ab, weil ich irgendwann im Laufe des zweiten Bandes die Lust verlor. In meiner Adoleszenz habe ich mir dann mal den dritten Band zugelegt und sie schließlich allesamt nochmal gelesen – wie ihr hier im Blog auch nachvollziehen könnt. Einige Zeit danach war ich immer wieder geneigt, auch mal die nächste Buchreihe von ihr, Reckless, zu lesen, kam aber lange Zeit nicht dazu. Als ich kürzlich den ersten Band in einem Bücherschrank fand, konnte ich dann nicht mehr an mich halten und las.

Ich tauchte ein in eine Welt, die sich ad-hoc von der realen Welt nicht unterschied, bis unser Protagonist schon nach einigen Seiten durch einen Spiegel im Büro seines verstorbenen Vaters eine Parallelwelt, die Spiegelwelt betritt. Eines Tages folgt ihm sein jüngerer Bruder, ohne dass er es mitbekommt und wird in der Parallelwelt von einem Goyle angegriffen, ihm beginnt eine Haut aus Jade zu wachsen. Jacob, der Protagonist, versucht alles, um seinem Bruder zu helfen und muss zu diesem Zweck auf die Hilfe der Feen zurückgreifen, denn die Jade, die ihm wächst, lässt ihn nicht zu einem gewöhnlichen Goyle werden, sondern zu genau jenem Jadekönig, der in den Prophezeiungen angelegt ist. Nachdem also der Versuch, ihn mit einem Hexenstrauch von der Jade zu befreien, gescheitert ist, geht es für ihn weiter zu den Feen – und das während gerade ein Krieg der Goyle gegen die Königstruppen im Gange ist – erstere werden von der dunklen Fee unterstützt. Es gelingt ihm abschließend, mit Hilfe der roten Fee die dunkle Fee zu verwandeln und erpresst dann die Rückverwandlung seines Bruders. Was er allerdings nicht bedacht hast, ist der Fluch der dunklen Fee, den er jetzt auf sich lasten hat.

Dass das Ende des Buches eine Fortsetzung geradezu forciert, kann man diskutieren, tatsächlich ist aber immerhin der erste Handlungsbogen abgeschlossen und Will wieder zurückverwandelt – die zentralen Fragen sind damit zwar abgeschlossen, aber natürlich möchte man wissen, ob Jacob es schafft, dem Fluch zu entkommen. Ich hatte in einer Rezension gelesen, dass das Buch schon auf eine künftige Verfilmung hin geschrieben sei – und diesen Eindruck kann ich bestätigen. Die Sätze sind sehr kurz gehalten, auch die Kapitel sind ziemlich kurz und man gewinnt den Eindruck, sie umfassen genau eine Szene – und so gibt es auch etliche Kapitel, was ganz gut ist, um sich das Buch in Häppchen aufzuteilen, aber dann problematisch wird, wenn man alle drei Seiten mit einer Leerseite und einem neuen Kapitelbild aus dem Lesefluss gerissen wird.

Die Spiegelwelt darf nicht unerwähnt bleiben. Es ist eine Welt, in der die klassischen Märchenfiguren real sind. Magische Gegenstände sind mal mehr, mal weniger elegant aus den Märchen der Brüder Grimm adaptiert (Rapunzelhaar…) und spielen tragende Rollen, werden aber eben als Hilfsgegenstände eingesetzt und nicht näher thematisiert. Man muss einräumen, dass diese intertextuellen Anspielungen gelungen sind und sich auch super dafür eignen, Jugendlichen das Motiv der Intertextualität nahezubringen, insgesamt wirkten die Grimmschen Motive für mich allerdings häufig recht plump eingesetzt. Und für junge Kinder ist das Buch eigentlich etwas zu brutal, zu gewalttätig, als dass ich es bedenkenlos meinem Grundschulkind in die Hand geben wollen würde – wenn ich denn ein solches hätte.

Inzwischen habe ich ziemlich viel Negatives über das Buch geschrieben – und restlos überzeugt hat mich Reckless auch nicht – aber dennoch ist das Buch einfach schön. Die Geschichte ist liebevoll und detailreich ausgestaltet, die Figuren haben Farbe und tragen Leben in sich – zumindest die Hauptfiguren – und es ist ein einfach schönes Jugendbuch. Die Rahmen in der echten Welt spielt kaum eine Rolle, viel zu viel Raum nimmt die Spiegelwelt ein. Fuchs, Jacobs Gefährtin ist eine der coolsten Frauenfiguren, die ich in Jugendbüchern bisher gesehen habe und generell ist Jacobs verschlossene, eigenbrötlerische Art für mich absolut sympathisch. Ich konnte mich gut in die Welt hineinversetzen und habe dann die Seiten förmlich verschlungen – daher ja auch die Kritik, aus dem Lesefluss gerissen zu werden.

Ich mochte Reckless gerne. Die Tintentod-Reihe gefiel mir noch einen Ticken besser, vor allem fand ich den Handlungsverlauf dort nicht so plump und ‚jugendbuchig‘ – Reckless merkt man seinen Jugendbuchcharakter schon recht deutlich an – Mut zu längeren Spannungsbögen, Frau Funke! Dennoch hatte ich einige schöne Stunden mit dem Buch und kann euch, gerade wenn es etwas leichtere Kost sein soll, Reckless durchaus empfehlen – und so vergebe ich 4/5 Sternen dafür. Für Jugendliche im Teenageralter definitiv eine Buchreihe, die sich lohnt – und auch für Erwachsene noch gut lesbar.

 

 

Permalink

1

Montagsfrage vom 19.06.2017

montagsfrage_banner

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Gibt es manchmal Bücher, bei denen du zögerst sie zu lesen, obwohl du sie eigentlich unbedingt lesen willst?

Oh ja, das passiert mir häufig. Manchmal kaufe ich mir diese Bücher dann auch und sie liegen lange in meinem Regal herum, aber irgendwas hält mich dann doch davon ab. Manchmal liegt es am Umfang der Bücher – bei 1000 Seiten zögert man dann doch mal etwas, manchmal will ich das Buch eigentlich lesen, aber spontan spricht es mich einfach nicht an oder ich habe, immer wenn ich gerade ein neues Buch brauche, irgendetwas anderes im Kopf.

Ein Beispiel dafür wäre die Game of Thrones-Reihe, die seit vier Jahren ungelesen in meinem Regal steht. Gut, es gibt auch keine weiteren Fortsetzungen seitdem, ich könnte also gut aufholen, aber dennoch wollte ich es gerne mal lesen und bin bis dato noch nicht dazu gekommen. Hier ist es neben dem Umfang auch die Komplexität, die mich etwas abschreckt – und dann kam diese Serie und seitdem liest gefühlt jeder diese Bücher… und diesem Hype mag ich mich im Moment nicht anschließen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, es geht diese Woche noch etwas reduziert weiter im Blog, ich hoffe aber, euch bald wieder ein bisschen mehr Material präsentieren zu können.

Bis dahin!

Permalink

0

Ein Mord im Tal von Boscombe – Arthur Conan Doyle

Die vierte Geschichte der Abenteuer von Sherlock Holmes – und zum ersten Mal gibt es eine Leiche! Das ist auch kein großer Spoiler, denn das verrät dieses Mal sogar schon der Titel.

In einem kleinen Tal in Boscombe wird eine Leiche gefunden und alle Indizien deuten darauf hin, dass sein 18-jähriger Sohn der Mörder war. Er war am Tatort, er hatte vorher mit seinem Vater gestritten und es finden sich am Tatort auch Spuren, die auf eine Beteiligung von ihm hindeuten. Doch Sherlock Holmes hat Zweifel. Auch wenn Watson zunächst davon nicht überzeugt werden kann, ihm Glauben zu schenken, ist sich Holmes sicher – vor Allem, weil der Sohn doch sehr ehrlich und aufrichtig wirkt. Der Ruf „Cooee“ deutet auf den Kontakt zu seinem Sohn hin, das war ein Geheimruf zwischen den beiden, mysteriös ist aber, dass genau dieser mit „a rat“ seine letzten Worte hörte, die niemand zuordnen kann. Ich denke, es ist schon klar, in welche Richtung der Krimi gehen soll, Sherlock Holmes kann auch diesen Fall aufklären – wenn auch das Ende nicht so wirklich typisch ist.

Ich war ein bisschen überrascht, wie schnell der Krimi zu Ende war. Er war nur wenige Seiten länger als die Geschichte vorher und hier sollte ein kompletter Mordfall aufgeklärt werden. So wurde die Geschichte notwendigerweise ein wenig verkürzt und auf die für die Lösung notwendigen Details reduziert. Und für die Kürze der Geschichte fand ich den Einstieg in die Geschichte ziemlich langwierig.

Insgesamt gibt es aber relativ wenige Überraschungen in dem Krimi. Sherlock Holmes schafft es wie immer, seine Erkenntnisse streng deduktiv zu gewinnen und die Geschichte verrät prinzipiell auch genau diese Details, führt den Leser aber dennoch insofern in die Irre, als dass die Hinweise, die gegeben werden, erstmal nicht zur Lösung führen, man könnte aber tatsächlich im Nachhinein betrachtet darauf kommen – so wie es ja häufiger mal der Fall ist.

Tatsächlich gibt es an dieser Stelle gar nicht so viel mehr zu sagen, es handelt sich um einen interessanten Fall, in dem eine Vergangenheit in Australien eine wichtige Rolle spielt, er wird sinnvoll aufgeklärt und am Ende steht mal wieder Arbeit abseits der Polizei. Watson spielt als Chronist eine wenig aktive Rolle, wird aber von Holmes ständig gebauchpinselt, dass er doch total hilfreich sei und ihm immer zur Seite stehe. Wieso genau das so ist, wieso Sherlock Watson dabeihaben möchte, ist für mich zwar nicht nachvollziehbar, aber wir können ja diesbezüglich froh sein, dass der Chronist bei den Fällen dabei war.

Ich gebe an dieser Stelle mal 3,5/5 Sternen für eine Geschichte, die nicht sonderlich innovativ, nicht so wahnsinnig spannend war, aber dennoch beim Lesen einigen Spaß gemacht hat. Ich bin aber mal auf die nächste Geschichte gespannt – unter derem Titel „Fünf Apfelsinenkerne“ ich mir bisher noch gar nichts vorstellen kann.

Permalink

0

Montagsfrage vom 12.06.2017

montagsfrage_banner

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zu einer – endlich mal wieder pünktlichen – Montagsfrage:

Gibt es ein Buch, das du schon so oft gelesen hast, dass du nicht mehr weißt wie oft genau?

Es gibt so einige Kinder- und Jugendbücher, die ich etliche Male gelesen habe. Den Wunschpunsch, der Anfang von der unendlichen Geschichte (fertiggelesen habe ich das Buch dann nur ein paar mal), Pippi Langstrumpf habe ich einige Male gelesen – und in neuerer Zeit gibt es eigentlich nur Bill Brysons „Streiflicher aus Amerika“, die ich immer wieder mal gerne zur Hand nehme, meistens nur um ein paar Seiten zu lesen – dann bleibe ich aber doch immer hängen und lese das Buch meistens komplett.

Ansonsten habe ich im Moment kaum Zeit um Bücher auch nur einmal zu lesen, es gibt da nämlich noch einige Bücher, die ich gerne noch ein zweites oder drittes Mal lesen würde, dafür fehlt mir aber – wie so oft – die Zeit.

Apropos Zeit, nachdem es letzte Woche gerademal einen Post gab, hoffe, ich, euch diese Woche mal wieder zwei Beiträge veröffentlichen zu können. Es geht im Moment alles etwas drunter und drüber – leider kann ich auch aktuell noch nicht absehen, wann es wieder ruhiger wird, sodass ihr vermutlich noch einige Zeit mit einer gewissen Unregelmäßigkeit leben müsst.

Euch dennoch eine gute Woche, die Montagsfrage sollte ich aber zumindest als Anker der Woche erhalten können.
Bis dahin!

Permalink

0

Die Klavierspielerin – Elfriede Jelinek

Eine Nobelpreisgewinnerin! Es passiert schon selten genug, dass sich ein Gewinner des Literaturnobelpreises in diesen Blog verirrt und dann auch noch eine auf Deutsch schreibende Frau. Sie ist Österreicherin, gewann den Preis im Jahr 2004 – das Buch, über das ich heute sprechen möchte, ist jedoch bereits von 1983: Die Klavierspielerin. Ich muss zugeben, ich lese das Buch nicht ganz aus freien Stücken, sondern besuche ein Didaktikseminar, das sich mit diesem Buch beschäftigt. Dennoch möchte ich natürlich die Gelegenheit nicht auslassen, um über dieses Buch zu schreiben und euch vielleicht mal einige Gedanken vorstellen. Doch zunächst zum Inhalt:

Erika Kohut ist Klavierlehrerin und lebt mit ihrer Mutter zusammen, die Erikas Geld auf eine Eigentumswohnung fürs Alter sparen will. Schnell offenbart sich, dass die Mutter Erika scheinbar völlig dominiert und kontrolliert, sobald Erika zuhause ist, läuft alles nach dem Willen der Mutter, ihre wenigen Freiräume muss sie sich mühsam erkämpfen. So kommt es dann, dass sie ihre Mutter anlügt, um in ein Pornokino zu gehen oder nachts auf den Wiener Prater, um einem Pärchen beim Akt zuzusehen. Ihr Klavierschüler Walter Klemmer zeigt ein Interesse an ihr und nach einer kleinen Szene in einer Toilette, formuliert sie ihre sadomasochistischen Wünsche über den Weitergang in der Beziehung in einem Brief. Als er dann nach langem Protest an die Umsetzung dieser Wünsche geht, erkennt sie, dass ihre Wünsche ein Fehler waren. Er vergewaltigt sie und sie tötet sich anschließend.

Ich habe jetzt mal versucht, das so knapp und reduziert wie möglich zu erzählen, denn tatsächlich ist die Handlung noch ein wenig komplexer, wenn auch nicht allzu undurchdringlich. Auf den fast 300 Seiten geschehen tatsächlich wenig Nebenhandlungen, der Fokus liegt stets auf den Hauptfiguren und deren Geschichte wird ausführlich erzählt.

Das Buch ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Trotz der teilweise sehr expliziten Themen des Textes, handelt es sich keineswegs um einen pornografischen oder erotischen Roman, sondern um einen feministischen. Es werden vielerlei Themen angesprochen, das verkehrte Mutter-Tochter-Verhältnis, die Liebe zwischen Mann und Frau, die der Roman in der klassischen Form gar nicht zu kennen scheint, die Andersartigkeit von Frauen und wie mit diesen Frauen umgegangen wird, schließlich spielt aber auch die Musik eine große Rolle; romantischen Komponisten werden sehr gelobt, die Klavierlehrerin lässt sich darüber aus, dass jeder die Musik erlenen soll und sieht sich selbst – viel mehr sieht die Mutter sie so – als verkanntes Genie – der aber in der Geschichte jegliche Genialität zu fehlen scheint. Natürlich spielt auch weibliche Sexualität eine Rolle, eine nicht zu unterschätzende sogar, ist sie doch der Träger des dem Buch inhärenten Konflikts.

Ich könnte vermutlich einige Seiten vollschreiben, um hier einzelne Passagen aus dem Werk zu interpretieren, um einige Bedeutungsmuster anzureißen, um möglicherweise einige Passagen zu dechiffrieren. Es ist ein Buch über Mann und Frau und deren Zusammenleben. Wie funktioniert eine Beziehung zwischen Partnern, die nicht der gesellschaftlichen Normvorstellung entsprechen? Wie funktioniert für Frauen das Leben, wenn sie nicht dem emanzipierten Ideal entsprechen? Kann es eine Liebe zwischen Mann und Frau geben oder ist diese gar nicht möglich? In der Klavierspielerin darf es zumindest angezweifelt werden. Und dann die Sprache! Das ganze Buch ist von feiner Ironie durchzogen, die Erzählinstanz scheint unglaublich distanziert zu den handelnden Figuren zu stehen, liefert die psychoanalytische Deutung eigentlich fast schon mit, die Sätze klingen manchmal total banal, verglichen mit der Bedeutung, die sie entfalten.

Tatsächlich finde ich das Buch aus wissenschaftlicher oder gerade auch aus didaktischer Perspektive ziemlich interessant; ein Buch an dem man viel Besprechen kann, das die Interpretation und die Analyse geradezu fordert; kein Buch, das man in der Mittagspause ausklappt, um sich zu entspannen. Persönlich hatte ich an der Lektüre nicht so wahnsinnig viel Freude und ich glaube, ohne das Seminar wäre es an mir vorbeigegangen. Damit meine ich nicht, dass das Buch keinen Blick wert ist, ganz im Gegenteil. Trotz seines Alters greift es hochaktuelle Themenfelder auf, positioniert sich in aktuellen Diskursen und insbesondere in der Szene der feministischen Literatur. Ich vergebe einfach mal aus dem Bauch heraus 3,5/5 Sternen. Wer Lesegenuss sucht, ist hier sicherlich falsch, wer aber bereit ist, sich auf eine neue Konzeption von Frauenbildern einzulassen und überdies etwas Mühe beim Lesen nicht scheut, kann sich durchaus an diesem Buch bereichern. Denn, so viel sei ausdrücklich hervorgehoben, Elfriede Jelinek hat den Literaturnobelpreis zwar nicht nur aber auch für dieses Buch gewonnen – und das sicherlich zurecht.

 

Permalink

0

Montagsfrage vom 05.06.2017

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen – mal wieder zu einer Dienstagsfrage. Irgendwie schaffe ich es nicht, mich an diesen Feiertagen an die Montagsfrage zu erinnern, die gehört irgendwie an den Anfang meiner Arbeitswoche. Aber gut, gehen wir in medias res.

Mal ehrlich – liest du dir die Danksagungen der Autoren in den Büchern durch?

Ja, meistens schon. Ich finde das immer ganz spannend, weil das der Punkt ist, bei dem man mal etwas über den Autor erfährt. Ist er verheiratet, hat er Kinder? Wer hat alles dazu beigetragen, das Buch so zu schaffen, wie es ist? Erzählt der Autor vielleicht noch etwas was über die Entstehung des Buches, weitere Hintergründe? Das ist doch ziemlich spannend. Klar, wenn da nur Listen von Namen stehen, ist das etwas dröge, aber wenn dann da ein netter kleiner „Behind the Scenes“-Text steht, ist das noch immer sehr hübsch zu lesen. Und die zwei Seiten – mehr ist es ja selten – kann ich dann auch noch mitlesen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Woche. Nachdem es letzte Woche ja ziemlich wenig zu lesen gab, nur eine unspannende Monatsliste, geht es diese Woche wieder etwas spannender weiter, ich habe eine druckfrische Rezension für euch und wenn alles klappt, kommt noch eine zweite dazu.

Bis dahin!

Permalink

0

Monatsliste vom Mai 2017

Ich schäme mich fast für diese Monatsliste. Ich weiß auch gar nicht, wo dieser Monat hin sein soll, ich habe – ehrlich gesagt – gar keine Ahnung, wie er so schnell vorbeigehen konnte. Es stimmt, ich habe im Mai tatsächlich kaum gelesen – und ich habe ja schon in der letzten Monatsliste angedeutet, dass ich im Moment noch etwas mehr bzw. noch etwas anderes zu tun habe, als in den letzten Semestern. Das ist zwar für mich persönlich etwas unglaublich positives, führt aber leider dazu, dass meine Lesezeit noch weiter leiden muss. Ich versuche, dem im Juni wieder etwas Einhalt zu gebieten, muss aber mal schauen, dass ich mir aktiv ein paar Minuten Lesezeit am Tag freikämpfe – es ist für mich noch immer eine etwas neue Situation.

Insofern habe ich aus dem letzten Monat an Lesestatistiken so gut wie nichts zu präsentieren, habe sogar, im Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, kein Buch, das ich derzeit lese, lediglich ein Hörbuch, das mich aber vermutlich auch noch einige Wochen gefangen halten wird. Ich hoffe inständig, dass ich im Juni wieder etwas mehr präsentieren kann – vermute es aber auch und hoffe, dass ich bereits in den nächsten Tagen wieder dazu komme, ein Buch in die Hand zu nehmen. Bis dahin lasse ich euch mal mit den zugegeben sehr traurigen Zahlen alleine – immerhin gab es auch keinen SuB-Aufbau:

Gelesen:
Arthur Conan Doyle – Der geheimnisvolle Mord im Tal von Boscome (coming soon, 23 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 23 Seiten, 0,74 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 23Seiten, 0,74 Seiten pro Tag

Gekauft:

Geschenkt/Aus dem Bücherschrank:

End-SuB-Stand: 112

Permalink

0

Montagsfrage vom 29.05.2017

montagsfrage_banner

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur Montagsfrage vom… äh… letzten Montag. Ihr merkt schon, ich hänge mal wieder etwas hinterher, deshalb möchte ich auch gar keine langen Worte verlieren und direkt zur Montagsfrage kommen.

Welche Bücherwelten magst du am liebsten und wieso?

Nun, ich mag phantastische Welten sehr gerne. Ich gebe zu, das ist nicht sonderlich innovativ und wer diesen Blog schon einige Zeit verfolgt, hat das bestimmt auch schon mitbekommen, aber tatsächlich ist das Fantasy-Genre eines meiner Lieblingsgenres, entsprechend mag ich auch diese Welt sehr gerne – wobei ich auch gegen ein der realen Welt nachempfundenes Setting absolut nichts habe. Und in letzter Zeit mag ich auch Science-Fiction Welten, die also nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft spielen. Wie dem auch sei, ich mag phantastische Elemente, besonders gerne mag ich es dann, wenn hinsichtlich der Naturgesetze in der Welt eine gewisse Inkonsistenz herrscht, wenn also Sachen möglich sind, die mit unserem Weltbild nicht kompatibel sind.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Restwoche – einen – eher enttäuschenden – Post bekommt ihr noch, ansonsten hoffe ich, in den nächsten Wochen wieder etwas mehr und anspruchsvollere Inhalte für euch zu haben – seht es mir aber bitte nach, wenn es etwas unregelmäßig wird.

Bis dahin!

Permalink

0

Der unsichtbare Killer – Peter F. Hamilton

Ich habe fast vier Monate an diesem Buch gelesen. Das ist eine ziemlich lange Zeit für ein einzelnes Buch – was aber auch damit zusammenhängt, dass ich in diesen Monaten immer nur ziemlich wenig Lesezeit freischaufeln konnte – aber 1130 klein beschriebene Seiten brauchen nun mal ihre Zeit. Es ist damit eines der längsten Bücher, die ich in den längsten Jahren gelesen habe – ob es auch eines der besten war, wird hoffentlich in den nächsten Sätzen deutlich.

In Newcastle, im Jahr 2142 geschieht ein seltsamer Mord. Ein Mitglied einer führenden Klonfamilie wird mit fünf Klingen ermordet und dann in einen See geworfen. Und selbst eine ziemlich aufwendige Fahndung bringt keine wirklichen Ergebnisse. Doch der Fall erinnert an einen seltsamen Fünffachmord von vor 20 Jahren. Angela Tramelo wurde damals verhaftet, doch ihre Erinnerungen zeigen eindeutig ein seltsames Alien mit fünf Klingen am Arm und belegen ihre Unschuld. Es wird nun in den Wäldern eines Kolonieplaneten die Heimat des Monsters vermutet, da auf diesem Planeten die früheren Morde geschahen. Eine unfassbar aufwendige Expedition wird ins Leben gerufen, dazu wird Angela Tramelo mit ins Boot und aus dem Gefängnis geholt. Doch die Operation wie auch die Ermittlung auf der Erde verschlingen nur Unmengen an Kosten und liefern keine Ergebnisse. Es beginnt, klarzuwerden, dass es sich um eine Verschwörung innerhalb der Familie halten muss. Währenddessen gibt es auf dem Kolonieplaneten weitere Morde, die Expedition droht zu scheitern und die Moral der Truppe ist entsprechend auf dem Tiefpunkt. Die Ermittlungen präsentieren den Fahrer der Leiche und verhaften ihn, der wahre Mörder bleibt jedoch unbekannt.

Wie das Buch dann ausgeht und was dann passiert, möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Aber ich muss gleich zu Anfang sagen, dass das Ende natürlich nicht alle Fragen restlos beantwortet, aber dennoch eine gutes, schlüssiges und nachvollziehbare Auflösung der ganzen Geschichte liefert – ein Punkt, bei dem sich viele Autoren langer Bücher gerne mal verzetteln.

Was ist das also für ein Roman? Es ist ein Science-Fiction-Krimi, wenn ich das mal so ausdrücken möchte. Die Geschichte ist nicht per se eine Science-Fiction-Geschichte, aber setzt eine relativ typische Science-Fiction-Welt voraus. Damit hängt natürlich zusammen, dass alles in dieser Welt, was von den Akteuren als normal begriffen wird, erklärungsbedürftig ist, dass die gesamte Funktionsweise einer Ermittlung, einer solchen Expedition für den Leser neu und unbekannt ist. Die Motive sind allesamt keine radikal neuen Erfindungen, auch wenn ich persönlich diesen Mehrweltenansatz und das System von Abschiebung auf neue Welten und den Kolonialgeist ziemlich hübsch fand – ich habe so etwas noch nicht so häufig gelesen und fand es ziemlich gut! In dieses Setting hinein (das auch Klonfamilien und genetische Probleme des Klonens umfasst) kommt dann diese Kriminalgeschichte, die für sich ebenfalls schön angelegt ist. Ein Mord, der auch genau diese Welt erfordert, der auf den ersten Blick zumindest mittelfristig lösbar wirkt, der aber durch sein prominentes Opfer höchste Priorität bekommt. Schließlich noch die Geschichte um Angela Tramelo, die in zahlreichen Rückschauen im Laufe des Buches immer weiter beleuchtet wird.

Mir gefiel diese Darstellung der Welt und der Abläufe dort sehr gut, beeindruckend war ich davon, wie gut die Handlungsstränge verwoben sind – wenngleich ich am Anfang von den verschiedenen komplexen Strängen und ihren jeweils wieder unterschiedlichen Welten etwas überfordert war. Aber man liest sich dort hinein und kann dann ganz in diese Welt abtauchen. Es ist sicherlich kein ganz trivialer Roman, es erfordert schon einige Vorstellungskraft und etwas Konzentration, um dort einzutauchen. Lässt man sich auf die Welt ein, möchte man am liebsten gar nicht mehr heraus, alles wird schlüssig, plastisch und lebendig erklärt – auch die nicht so poetischen Sachen werden adäquat aber nicht abstoßend dargestellt – eine zerfetze Leiche ist eben keine Blumenwiese.

Ich kann den Roman in jedem Fall empfehlen. Er ist ziemlich umfangreich, aber er lohnt sich in jedem Fall, falls ihr Lust auf einen sehr gelungenen Science-Fiction-Krimi habt. Die Kombination eines klassischen Krimis, bei dem an zwei Fronten ermittelt wird im Kontext einer völlig fiktiven Science-Ficiton-Welt gefiel mir ausgesprochen gut und ich zögere daher auch nicht, dem Roman volle 5/5 Sternen zu geben. Inzwischen gibt es für gut 10€ sogar eine günstigere Taschenbuchausgabe des Romans. Also warum zögert ihr noch?