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Hanni und Nanni kommen groß raus (#21)

Auch bei diesem Band steht im Impressum „Text: Pamela Cox“. Wie wir aus dem letzten Band wissen, heißt das, dass dieses Buch eine Übersetzung aus dem englischen ist, im Original heißt er „Sixth Form at St. Clare’s“ und stammt von ebenjener Pamela Cox, die in den frühen 2000ern – also immerhin über 60 Jahre nach den Originalbänden von Enid Blyton – diese Bände schrieb, um die Lücken der dritten und sechsten Klasse aufzufüllen. Ein dritter von ihr geschriebener Band ist wohl bis dato unübersetzt. Doch kommen wir zum Buch:

Mal wieder geht es in die sechste Klasse für die Mädels aus Lindenhof und Hanni und Nanni sind Schulsprecherinnen geworden. Im Zug begegnen sie einer ziemlich verpeilten Erstklässlerin, die den Weg zu ihrem Abteil mehrmals nicht findet. In der Schule begegnen sie Fizz, einer neuen Schülerin und Patrizia, die die sechste Klasse wiederholen muss und die niemand leiden kann. Außerdem kommt Maja hinzu, die überhaupt keine Lust auf das Internat hat und so schnell wie möglich wegwill.

Die Schülerinnen der sechsten Klasse sollen in diesem Schuljahr die Lehrerinnen unterstützen und eine Sprechstunde für die Jüngeren anbieten, damit sie diesen mit Rat und Tat zur Seite sehen können. Im Laufe des Bandes machen alle Neuen eine Entwicklung durch. Die verpeilte Erstklässlerin entpuppt sich als zwei Mädchen, Zwillinge, die scheinbar grundlos, weil es Spaß macht, alle hereinlegen wollten. Maja wird mit Carlottas Hilfe geläutert und fügt sich gut in das Internatsleben ein. Der Hauptaspekt der Geschichte ist jedoch die Sprechstunde und die damit verbundenen Sorgen besonders einer Erstklässlerin, Sarah. Sarahs Vater sitzt wegen eines Verdachtes auf Betrug im Gefängnis, das weiß Patrizia, die sie damit erpresst – unter anderem die Geheimnisse der ersten Klasse an sie zu verraten. Weil Patrizia auch in den Sprechstunden schon Geheimnisse ausgeplaudert wird und die Sprechstunde von den Erstklässlern anschließend boykottiert wird, droht die Situation zu eskalieren. Auftritt von Hanni und Nanni, die zuerst den Erstklässlern einen Tipp geben, Patrizia zu überlisten, schließlich auch Sarah wieder den Rückhalt in ihrer Klasse verschaffen und die Kraft, sich von Patrizia zu lösen. Mit einer Abschiedsfeier für Marianne, die mitten im letzten Schuljahr Lindenhof verlässt und der Enthüllung der wahren Natur von Fizz, endet dieser Band.

Hatte ich für den letzten Band noch einige lobende Worte übrig, so ist es bei diesem Band wieder etwas schlechter. Ich finde es nicht so katastrophal wie in den Bänden davor, aber dennoch sind hier einige sehr seltsame Stellen vorhanden. Viele Charakterwandel sind scheinbar noch gar nicht passiert, viele bekannte Gesichter, die Lindenhof nicht wieder verlassen haben, fehlen einfach. Warum Marianne einfach Lindenhof verlässt, bleibt im Dunklen. Warum die Zwillinge dieses Versteckspiel spielen – das nichts zur Handlung beiträgt und kein Ziel der Zwillinge verfolgt – wird auch nicht benannt.

Dafür finde ich die Grundidee der Handlung eigentlich ganz schön. Einen Vertrauensbruch der Älteren darzustellen, die Sprechstunden als neues Element, den älteren Mädchen Verantwortung zukommen zu lassen und schließlich Hanni und Nanni als diejenigen zu berufen, die die Situation retten und ihrer Rolle als Schülersprecherinnen damit auch wirklich gerecht werden, hat mir gut gefallen – zumindest hatten die beiden mal ein wenig zu tun. Die Ideen, wie Hanni und Nanni die Situation retten sind altbewährt, einmal wurde ein Mitternachtsfest vorverlegt, einmal wurden andere Mädchen gebeten, sich Sarah anzunehmen. Insofern kann man nicht behaupten, dass hier wirklich neue Ideen vorhanden sind, sie sind lediglich mit anderem Personal quasi neu kompiliert worden. Dagegen ist auch eigentlich nichts zu sagen, es ist lediglich etwas uninspiriert. Andererseits ist es auch hübsch, dass überhaupt mal Bezug auf andere Bänder genommen wird – schlussendlich: Ich bin unentschlossen, wie ich das finden soll. Ich gebe dem Band mal 2,5/5 Sternen. Zwar eine Spur schwächer als der letzte Band aber nach den Bänden davor bin ich lieber mal ein bisschen großzügiger. Die beiden Bände von Pamela Cox sind nämlich inzwischen gelesen.

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Montagsfrage vom 13.02.2018

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur Montagsfrage (heute erst am Dienstag),

Wenn du Romantik in Büchern magst, was sind für dich absolute No-Gos bei einer Liebesgeschichte?

Ich bin ja generell nicht so der größte Romantik-Fan, verstehe aber, wenn es zu einer Geschichte dazugehört. Was ich dann aber nicht wirklich mag, sind explizite und ausschweifende Sexdarstellungen. Ich finde es einfach unpassend, wenn dann – zumeist in einem Fantasyroman seitenlange der Akt beschrieben wird oder wenn dann im Krimi die Figuren alle drei Seiten im Bett landen. Außerdem mag ich es nicht, wenn es zu vulgär ist – klar, wenn das ganze Buch so geschrieben ist, passt das, aber es macht auch einfach die Sprachkohärenz im Buch kaputt, wenn dann dort sehr vulgär geschrieben wird.

Ansonsten wünsche ich euch eine schöne Woche, in der zwei Beiträge auf euch warten und verbleibe

Bis dahin!

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Oculus: Im Auge des Sturms – Wolfgang Hohlbein

2016 erschient der zweitausendste eigenständige John Sinclair Roman (frühere Bände erschienen beispielsweise in der Gespenster-Krimi Reihe)! Das wurde gebührend gefeiert, es gab eine eigene Convention und für das Jahr 2017 wurden einige Romane mit John Sinclair angekündigt. Unter anderem von und mit Mark Benecke und von Wolfgang Hohlbein. Letzterer schrieb gar einen Zweiteiler, dessen Bände im September und November 2017 erschienen. Im Auge des Sturms ist der erste dieser Bände.

Das komplexe an diesem Roman ist, dass drei Handlungen parallel ablaufen. Die erste Handlung, mit der alles beginnt, spielt in der Zukunft. Ein Mensch ohne Erinnerungen, der sich als John Sinclair offenbart, wird von mysteriösen, alptraumhaften Tentakelwesen angegriffen und von einem riesigen Luftschiff aufgegriffen, schließlich in einen Berg in den Himalaya gebracht, um dort zu erfahren, dass er erweckt wurde, um die Welt zu retten.

Handlung 2 spielt ungefähr jetzt. In einem unterirdischen Labor, das etwas an Resident Evil erinnert, gefangen gehalten, wird Sinclair untersucht, als er jedoch erwacht, will er seine Freunde töten. Er verschwindet und zurück bleiben seine Freunde, verletzt, das Personal und einige Todesengel, die gegen eine schwarze Macht aus der Tiefe kämpfen. Nach oben katapultiert, scheint die ganze Stadt in Schutt und Ascht zu liegen, Tentakelmonster zerstören alles, was sich bewegt. Sinclairs Freunde versuchen zu fliehen.

Handlung 3 spielt um 1830. Einige Jahre, nachdem Robert Craven die Großen Alten besiegt hat, kümmert er sich um seinen Freund Howard, der unter die Schriftsteller gegangen ist. Eines Tages, kurz vor seinem Tod, hat er eine Vision und schickt Robert und Rowlf nach London, um dort das Baby John Sinclair zu retten und um aus Roberts ehemaligen Anwesen den Stockdegen und das Necronomicon zu holen, um damit zu Roberts Grab zu gehen. Wie auch immer das zeitlich zusammenpasst, verrät Rowlf nicht.

Ich fand das Buch aus verschiedensten Gründen großartig. Zunächst mal gibt es einen Auftritt von Robert Craven. Genau der, der Hexer von Salem, tritt hier auf und hat sogar eine ziemlich tragende Rolle! Es war für mich eine tolle Überraschung, ‚wie früher‘ mit Robert durch London zu ziehen und ihn mit seinem Stockdegen gegen die Shoggoten kämpfen zu lassen. Schließlich spielt das alles auch im Universum des Robert Craven. Die Tentakelwesen sind nichts anderes als die Großen Alten, die irgendwie zurückgekehrt sind und ich inzwischen mit wenigen Ausnahmen den ganzen Planeten – beziehungsweise sehr viele Planeten – Untertan gemacht haben, wie wir aus der Zukunft wissen. Und natürlich bin ich als alte Hohlbein-Fan auch Freund dieser seltsamen Welt voller Shoggoten und Großen Alten. Zum Handlungsverlauf selbst kann ich allerdings noch nichts sagen – einfach mangels abgeschlossener Handlung

Ein Problem des Buches ist technischer Natur. Zwar wird es als Einzelband verkauft, de facto ist es aber ein Zweiteiler. Band 1 endet mitten im Nichts, mitten in der Handlung – es ergibt einfach keinen Sinn, das Buch dort zu trennen. Man hätte auch einfach ein Buch draus machen können, das hätte dann zwar 600 Seiten umfasst und vielleicht hätte man es auch für 12 statt für 2×10€ verkaufen können, das wäre auch den Lesern gegenüber nett gewesen. Das Argument, man könne den Heftromanlesern keine 600 Seiten zumuten, lasse ich aber einfach mal nicht gelten, der Benecke-Roman hat auch weit über 400. Vermutlich wollte man dort einfach zwei Bücher statt nur eines verkaufen und es sei ihnen ja auch gegönnt. Wobei ich dann für 20€ eigentlich lieber ein hübsches Hardcover statt zwei Taschenbücher gehabt hätte.

Wie dem auch sei, wer die Hexer-Bücher mochte, wer sich für John Sinclair interessiert und keine allzu große Abneigung gegen Tentakelmonster hat, wird mit diesem Buch jede Menge Freude haben. Ich hatte es und ich glaube, das ist das erste Mal, aber ich vergebe volle 5/5 Sternen für einen zwar wie immer viel zu actionlastigen, aber ansonsten großartigen Hohlbein. Hatte ich das Spiel mit den verschiedenen Zeitlinien erwähnt?

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Montagsfrage vom 05.02.2018

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage

Habt ihr Angewohnheiten oder Vorlieben, die evtl. mit eurer Leidenschaft für Bücher zusammenhängen? Zum Beispiel Papeterie, Lesetagebücher führen, Schreiben etc.?

Nunja, meine Leidenschaft für Bücher umfasst natürlich nicht nur primär das lesen, sondern hat auch viel mit der Materialität von Büchern zu tun. Ich liebe es, in Antiquariaten zu stöbern, ich könnte stundenlang in einer Goethe-Ausgabe von 1840 (bei Cotta veröffentlicht) blättern. Ansonsten finde ich es immer spannend, mir verschiedene Papiersorten anzuschauen, habe ein Auge auf den Satz und finde so den Herstellungsprozess eines Buches total interessant. Dass ich dazu passend blogge, könnte dem ein- oder anderen auch aufgefallen sein – aber dass ich mich jetzt im kreativen Schreiben betätige oder großartig Tagebuch führe (nun, ist ein Blog nicht genau soetwas?) kann ich nicht von mir behaupten. Also bei mir ist es eher alles um das (antiquarische) Buch an sich.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche!

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Monatsliste vom Januar 2018

Eigentlich sollte das Jahr ja mit etwas Ruhe und Lesezeit anfangen – so die Theorie. Unglücklicherweise hat das noch niemand meinem Januar erzählt und so ging es bei mir am zweiten Januar schon mit ordentlichem Stress los und hörte eigentlich auch nicht mehr auf. Dass dabei die Lesezeit wieder außen vor blieb ist leider nur die logische Konsequenz davon. Zwar habe ich immerhin eins meiner Dezemberbücher gelesen – und hatte auch sehr viel Spaß damit, leider sah es ansonsten mit der Lesezeit eher mau aus. Auch mit den Heftromanen aus dem frühen 20. Jahrhundert bin ich noch nicht weitergekommen – da habe ich aber immerhin etwas Spannendes in die Wege geleitet, was ich euch in den nächsten Monaten präsentieren kann. Insofern begnüge ich mich mit den mauen Januarzahlen, hoffe jedoch, dass ich das im Februar deutlich toppen kann. Es stehen jedoch einige schöne Bücher an und es wird denke ich auch wirklich mal wieder bergaufgehen.

Gelesen:

Oculus: im Auge des Sturms – Wolfgang Hohlbein (coming soon, 317 Seiten)
Hanni und Nanni kommen groß raus (coming soon, 153 Seiten)
Easy Money – Wolfgang Hohlbein (coming soon, 37 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 507 Seiten, 16,3 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 507 Seiten, 16,3 Seiten pro Tag

Geschenkt:

 

End-Sub-Stand: 110 (-1)

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Die Blutbuchen – Arthur Conan Doyle

Heute gehen wir die letzte Geschichte aus dem ersten Sherlock-Holmes Band an. Um die Lücke in Krimi-Kurzgeschichten auf diesem Blog zu füllen, habe ich jedoch noch etwas anderes für die nächsten Monate vorbereitet. Bleibt gespannt.

Es geht um Violet Hunter, die einige Zeit lang keine Arbeit als Gouvernante fand. Eines Tages kommt ein älterer Herr zur Arbeitsvermittlung, entdeckt sie und bietet ihr einen seltsamen Job an. Das Gehalt ist enorm – erhöht sich sogar noch in einem Brief nach ihrer ersten Ablehnung – die Arbeit leicht, lediglich ein Junge muss beaufsichtigt werden. Doch angeblich wegen der schwierigen Frau soll sie jeden Morgen ein bestimmtes blaues Kleid tragen und muss ihr braunes Haar abschneiden.

Obwohl Sherlock Holmes auch sehr verwirrt ist, was denn das Geheimnis dahinter sei, rät er ihr, das Angebot anzunehmen. Er bietet ihr an, jederzeit per Telegramm zur Verfügung zu stehen. Und tatsächlich ist die Arbeit leicht. Sie muss morgens einfach nur dort sitzen und sich lustige Geschichten erzählen lassen, doch die Dame des Hauses trägt eine tiefe Trauer in sich. Außerdem gibt es einen Wohnungsflügel, den sie nicht betreten darf – unter dem Vorwand, dort sei ein Entwicklungszimmer für die Filme des Hausherrn. Sie entdeckt außerdem Frauenhaar in einer Schublade, das dem ihren gleicht und bemerkt eines Morgens in ihrem blauen Kleid, dass ein Mann von der Straße aus zu ihr hinblickt. Nach allen Informationen, die nun vorliegen, ist Sherlock Holmes – rasch per Telegramm herbeigerufen – in der Lage, das Rätsel zu lösen. Jedoch kommt es dabei noch zu einigen gefährlichen Situationen und der gut bezahlte Job hat sich dann leider auch erledigt.

Für mich war diese Geschichte ziemlich verwirrend. Ich habe erst sehr spät verstanden, was überhaupt passiert ist, auch die Auflösung war für mich alles andere als transparent. Ich denke, man kann durchaus herausbekommen, worum es im Groben geht, aber gerade das Ende der Geschichte habe ich in der Form überhaupt nicht erwartet – und auch nicht verstanden, wieso es zur Auflösung der Geschichte notwendig war.

Insgesamt war aber die Idee der Geschichte sehr faszinierend. Ohne zu sehr ins Detail der Auflösung gehen zu wollen, handelte es sich hier erneut um eine völlig neue Idee, die nichts damit zu tun hatte, was ich zuerst dachte. Gerade dieser seltsame Mann und der verlassene Teil der Wohnung haben bei mir eine enorme Spannung ausgelöst. Sonst waren die Geschichten zwar manchmal ein bisschen spannend angehaucht – manche waren auch eher beschreiben – aber bei dieser Geschichte hatte ich beim Lesen mehrmals eine Gänsehaut und ich denke, aus der Geschichte hätte man auch einen kleinen Roman bauen können – die Handlung ist prall gefüllt und gibt das auf jeden Fall her.

Ich gebe einen kleinen Abzug für das etwas intransparente Ende – gerade hier hätte ich gerne noch etwas mehr und detailliertere Ausführungen zu gelesen, einfach um diesen tollen Spannungsmoment auszukosten. Aber auch so ist mir die Geschichte noch gut und gerne 4/5 Sternen wert.

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Montagsfrage vom 29.01.2018

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Welche Formen der Geschichtenerzählung bevorzugst du? Liest du nur Bücher oder auch Comics, hörst Hörbücher etc.?

Ich war da lange Zeit relativ konservativ und habe zum echten Buch gehalten. Irgendwann kamen dann noch eBooks dazu, die aber im Prinzip die gleichen Formen der Geschichtenerzählen verwenden. Hörbücher höre ich inzwischen auch ganz gerne, aber die müssen dann auch ungekürzt sein, ich möchte eigentlich nur das Buch vorgelesen bekommen. So, wie es ist. Comics habe ich früher mal Asterix gelesen, zu Graphic Novels und Mangas habe ich recht wenig Zugang. Insgesamt werde ich also bei meinem Buch bleiben, vermute ich.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche!

 

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Am Abgrund – Wolfgang Hohlbein

Ich habe mal wieder eine Reihe angefangen. Ich weiß, das sollte ich lieber lassen und es tut meinem SuB auch nicht besonders gut, aber da die ersten fünf Bände ohnehin seit einigen Jahren auf meinem SuB liegen, dachte ich, ich könnte genausogut damit anfangen. Ich muss die Reihe ja nicht unbedingt fertiglesen.

Die Rede ist von der Chronik der Unsterblichen, Hohlbeins größter, längster und mutmaßlich auch komplexester Reihe. Während die Hexer-Reihe in gedruckter Form auch fast 6000 Seiten umfasst, liegt die Chronik der Unsterblichen bei aktuell 10 Bänden und 7700 Seiten (plus >700 Seiten Bonusmaterial) noch drüber. Und abgeschlossen ist die Reihe noch lange nicht. Es gibt Zusatzgeschichten, sogar eine Rockopernadaption und ein zweiteiliges Konzeptalbum einer Progessive-Metal Band. Das zufälligerweise auch zu meinen Lieblingsalben zählt. Kurzum: Als Hohlbeinfan war es unvermeidlich, diese Reihe früher oder später anzugehen.

Andrej Delani möchte sein Heimatdorf besuchen, um nach dem Tod von Frau und Tochter wieder nach seinen Verwandten zu sehen. Doch er findet nur Grauen vor. Ein kleiner Junge – der sogar sein Sohn zu sein scheint – erzählt davon, wie Männer ins Dorf kamen, seinen Bruder (?) qualvoll folterten und den Rest des Dorfes töteten. Nur wenige konnten fliehen und sind inzwischen gefangengenommen worden. Drei goldene Reiter waren die schlimmsten von allen. Also macht ich Andrej mit dem Jungen auf den Weg und sie ziehen in die Großstadt. Auf dem Weg dorthin müssen sie ihren ersten Kampf gegen die Reiter austragen und der Junge lernt, was für ein Kämpfer Andrej ist und dass ihm auch schlimme Wunden kaum etwas ausmachen. Im Gasthaus zur Zwischeneinkehr lernen sie eine Diebesbande kennen und wollen sich ihnen anschließen, als das Gasthaus unter großen Verlusten niedergebrannt wird. Schließlich in der Stadt angekommen, hält dort auch der Inquisitor Einzug, der hinter Delani her ist – er ahnt dies nur, weiß aber nicht, wieso. Nach einem Versteckspiel, Frederics Mord am Inquisitor und einigem Scharaden wird Delani erst in die Burg geschmuggelt, dann gefangen genommen, wird aber – warum auch immer – nicht verbrannt, sondern soll einem Menschenhändler verkauft werden. Im Hafen lernt er dann, was eigentlich mit ihm los ist. Er ist einer der Unsterblichen, also eine Art Vampir. Er ernährt sich von anderen Menschen, um sein eigenes Leben zu verlängern. Das ist der Grund, warum er auch nie ernsthaft verletzt wurde – er kann sich enorm schnell regenerieren.

Ich muss sagen, ich habe schon mal einen Vampirroman von Hohlbein gelesen (Dunkel), aber war von dem nicht so begeistert, dass ich viel Motivation für eine lange Vampirreihe hatte. Dennoch hat mich der Band sehr angenehm überrascht. Das Büchlein ist recht überschaubar, sodass in meiner Ausgabe sogar zwei Bände in einem Buch zusammengefasst wurden, Band 1 umfasst kaum 350 Seiten. Für diese 350 Seiten passiert jedoch enorm viel, ihr seht, wie lange ich für die Inhaltsangabe gebraucht habe. Spannend finde ich es, dass man zunächst nicht weiß, was mit Delani los ist, wieso er solche Kräfte hat – das wird erst in den letzten Seiten deutlich, was dazu führt, dass man das ganze Buch über – man weiß ja, was es für eine Reihe ist – eine Ahnung mit sich trägt, die aber erst sehr spät verifiziert wird. Eigentlich eine recht interessante Idee, wobei dann natürlich deutlich wird, dass es nur ein Reihenauftakt ist. Zwar ist die Geschichte in sich abgeschlossen, es bleibt aber noch so viel offen, dass es klar ist, dass es weitergehen muss – und der Band schafft es, Lust auf mehr zu machen.

Meines Erachtens ist Am Abrgund einer der besten Hohlbein-Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Die Geschichte ist spannend erzählt, sie ist überschaubar und dennoch passiert ausreichend viel. Was Hohlbein immer etwas übertreibt, sind meiner Ansicht nach die Actionszenen, die sind mal wieder sehr zahlreich vertreten. Etwas weniger Action und dafür mehr Zeit für die Charakterbildung wäre ganz nett gewesen. Andrej erinnert ein wenig an die Enwor-Saga, auch Andrej möchte eigentlich nicht kämpfen, ist aber gleichzeitig ein exzellenter Krieger. Das Ende des Bandes ist auch gut beschrieben, löst einige Fäden gut auf, lässt andere für die Fortsetzung offen und insgesamt sind die für Hohlbein recht typischen Schwächen in diesem Band so wenig ausgeprägt, dass ich mich gerne zu 4,5/5 Sternen hinreißen lasse – und mich vom zweiten Band erstmal zugunsten eines anderen Hohlbeins losreißen musste.

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Montagsfrage vom 22.01.2018

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Gibt es ein Buch oder eine Reihe, dem/der deiner Meinung nach zu wenig Beachtung geschenkt wurde?

Das ist eine schwierige Frage. Viele Bücher und Reihen, die es meiner Meinung nach weniger verdient hatten, wurden in den letzten Jahren immer mal wieder gehypt, einige Reihen, die es verdient hatten, bekamen ihren Hype und enorm viele Bücher bleiben unter dem Radar der geneigten Leserschaft. Seien es Indie-Romane aus Kleinverlagen (Ich habe hier beispielsweise „Der blutende Planet von Markus L. Stettler“ im Hinterkopf), seien es die B-Titel in den Publikumsverlagen, wie „Der Moloch von Stella Gemmell“ oder die zahlreichen Bücher, die auch ich nicht gelesen habe, weil ich wenig von ihnen weiß – daher der Aufruf an euch – lest häufiger mal ein Buch abseits der Bestenlisten und der Publikumsverlage! Häufig lohnt es sich.

In diesem Sinne, habt eine gute Woche. Da es mit zwei Posts pro Woche in den letzten Wochen immer schwierig war, bin ich erstmal dazu übergegangen, euch zumindest einen Beitrag jede Woche zu präsentieren – der kommt dafür auch sicher, diese Woche am Donnerstag.

Bis dahin!

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Anubis – Wolfgang Hohlbein

Es ist mal wieder Zeit für einen großen Roman von Hohlbein. Da ich das aktuelle Buch noch nicht in meinem Besitz habe, habe ich in meinem SuB gekramt und dort einen Titel aus dem Jahr 2004 gefunden. Veröffentlicht bei Lübbe, zwischenzeitlich in einem Taschenbuch für 6€ herausgegeben, ist das Buch schon einige Zeit nicht mehr im Druck. Ich hatte es mal gebraucht für knapp einen Euro mitgenommen und trotz der eher negativen Bewertungen, habe ich mich rangetraut.

Wir lernen Professor vanAndt kennen, der an einer kleinen, unbedeutenden Uni eine Professor für Archäologie innehat. Eines Tages kommt ein Freund aus seiner Studienzeit, Dr. Graves zu ihm und bittet ihn, ihm bei einem Forschungsprojekt zu helfen. Weil jedoch damals eher unangenehme Sachen vorgefallen sind –  in einem Leichtsinnsprojekt verlor vanAndt seine damalige Freundin durch einen Angriff von seltsamen Ghoulwesen und gibt sich die Schuld für ihren Tod. Er geht daraufhin eben in jenes Exil in einer kleinen Uni und zieht sich aus dem aktiven Leben ansonsten weitestgehend zurück. Doch Dr. Graves kann ihn tatsächlich überreden und er folgt ihm zu einer seltsamen Ausgrabungsstätte, wo er völlig unglaubliches findet: Altägyptische Relikte, ja eine unterirdische Stadt, die voller unbekannter Hieroglyphen ist. vanAndt soll bei der Entzifferung dieser Hieroglyphen helfen, stößt jedoch schnell auf einige Schwierigkeiten – vor allem aber geschehen merkwürdige Ereignisse. Es passieren nächtliche Angriffe, es wird merkwürdigerweise kalt und ein merkwürdiger Eingang taucht auf, der scheinbar nicht zu öffnen ist – und die Schriftzeichen dort gehorchen keiner scheinbaren Logik, nur durch eine übernatürliche Eingebung kann vanAndt ansatzweise Sinn konstruieren. Nebenher ist dort noch ein konkurrierendes Team von Archäologen, die Dr. Graves permanent die Polizei auf den Hals hetzt – vor allem, als die ersten beteiligten Wissenschaftler sich abwenden und es zu einem mysteriösen Vorfall auf dem Friedhof kommt, ist sie alarmiert. Und als dann auch noch vanAndts Haushälterin nicht nur dort ankommt, sondern auch noch von den in der Tiefe lauernden Wesen, Ghoulen genannt, erst entführt und dann, nackt und verletzt, freigelassen wird, schrillen auch bei vanAndt alle Alarmglocken. Doch es ist zu spät, der entscheidende Vollmond naht und das Tor öffnet sich. Gemeinsam mit dem Mädchen für alles, Tom, stellen sich vanAndt, Graves und Ms. Preußler der Gefahr – wenngleich vanAndt und Ms. Preußler sich nur wegen der dort gefangen gehaltenen Frauen anschließen.

Ich mag das Ende nicht so ganz spoilern, aber ich halte es für verschmerzbar, wenn ich euch erzähle, dass Widersprüche mit der ‚euklidschen Geometrie‘ – Hohlbeins Lieblingsformulierung -, Tentakelwesen aus der Tiefsee und der drohende Tod aller Protagonisten eine wichtige Rolle spielt. Ich persönlich fand das Ende so mittelmäßig. Ich habe schon schlechtere Enden bei Hohlbein gelesen, aber so wirklich aufgelöst wird am Ende dann doch eher wenig. Es ist eher so ein Ende durch Wegfall der Handlungsgrundlage, wenn ihr versteht, was ich sagen möchte. Jedoch habe ich bei Hohlbein auch schon bessere Enden gelesen, sodass ich hier nicht so völlig glücklich war.

Ansonsten handelt es sich bei diesem Roman um einen ganz normalen Hohlbein. Meiner Ansicht nach sind die sehr schlechten Bewertungen auf den diversen Plattformen wenig gerechtfertigt, es ist sicherlich nicht Hohlbeins Meisterwerk, aber es ist ein solide geschriebener Fantasyroman, es kommen mal wieder Anlehnungen an Lovecraft vor. Was ganz hübsch ist, ist, dass hier mit der ägyptischen Mythologie gespielt wird und ein bisschen mit dieser Ancient-Alien-Hypothese (bzw. Verschwörungstheorie) gespielt wird. Diese Verknüpfung, vermutlich auch die Ausgangsidee dieses Romans ist eine wirklich gute Idee. Die Umsetzung ist leider nicht immer gelungen. Gerade im ersten Teil kommt doch etwas wenig Spannung auf und auch die ständigen Kämpfe und Spannungsszenen, die etwas erzwungen wirken, sind auf Dauer ermüdend. Es würde dem Roman gut tun, ihn um 200 Seiten zu kürzen, ihn stärker an einem roten Faden auszurichten und die Schlussszenen noch etwas auszugestalten. So ist es doch teilweise mehr ein durchkämpfen als noch vollendeter Lesegenuss, wenngleich das Abschalten bei diesem Roman recht gut gelingt.

Hohlbein ist und bleibt ein Autor für leicht lesbare Fantasy, die auch nicht zu komplex wird – im Prinzip sind gerade mal vier Charaktere von Bedeutung – und die den Leser manchmal zu sehr mit spannenden Szenen am Ball hält. Wem das gefällt, wer einfach leichte ‚Pulp Ficiton‘ für zwischendurch braucht, hat mit diesem Roman einen günstigen Fang gemacht. Hohlbein-Enthusiasten werden diesen Roman sicherlich lesen und über die Schwächen hinwegsehen können, Neuligen und Gelegenheitsleser müssen diesen Titel jedoch nicht unbedingt lesen. In diesem Sinne vergebe ich aber noch immer ganz passable 3/5 Sternen.