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Der Aufmacher – Günter Wallraff

Cover von Der Aufmacher

 

1977 war Günter Wallraff für dreieinhalb Monate unter dem Namen “Hans Esser” bei BILD in Hannover und schrieb darüber sein fast schon legendäres Buch “Der Aufmacher”.

In dem Buch beschreibt Wallraff mehr oder weniger chronologisch seine Erfahrungen bei Bild. Man bekommt zuerst das Einstellungsgespräch mit, bei man sieht, wie leicht man sich bei Bild einschleusen kann. In den folgenden Kapiteln erzählt Wallraff dann etwas zu den Themen unsauberer Recherche bzw. frei erfundene Mitteilungen, er erzählt, wie die Themen ausgewählt werden, ohne recherchiert zu sein und dass dann die Recherche irgendwie zum Thema passen muss, er erzählt wie Bild Wahlkampf führt und wie ein “Bild hilft” Projekt eigentlich niemandem hilft – außer Bild.

Dann erzählt er von dem Erwartungsdruck und der fehlenden Gruppendynamik im Großraumbüro, von der Tyrannei des Redaktionsleiters und anderen Geschmacklosigkeiten. Wallraff musste schon nach kurzer Zeit seine Recherchen abbrechen, weil er entdeckt wurde.

Ich muss sagen, mich konnte diese Buch nicht mehr vom Hocker hauen. Die von Wallraff aufgezeigten Recherchemethoden sind natürlich skandalös, aber schlicht und einfach nichts Neues mehr. Solcher Methoden bedienen sich zahlreiche Medien und heutzutage sind die Methoden, sich Nachrichten zu schaffen noch viel perfider.

Außerdem ist der Schreibstil sehr anstrengend und entmutigend. Zensierte Stellen werden teilweise mit klein geschriebenen Artikeln von Fremdautoren gefüllt, teilweise sind die Seiten leer. An einigen Stellen stehen die Artikel von Hans Esser im Original, teilweise sind diese aber zu klein, um gelesen zu werden.

Der Schreibstil an sich ist relativ einfach gehalten, schön fand ich, dass man auch “Innenwelten” präsentiert bekam, also auch mitbekommen hat, was Wallraff bewegt hat und wie er selbst unwillkürlich ins Denken der Bildzeitung eingeführt wurde – und es später ohne es zu merken, selbst übernommen hat. Etwas störend (aber sicherlich notwendig) waren zwischendurch die Beteuerungen, er habe alles wieder gutgemacht – ich denke nicht, dass irgendein Leser ihm seine Recherchearbeit zur Last gelegt hat.

Insgesamt überwiegt hier jedoch der negative Gesamteindruck, dazu kommt, dass sich eigentlich nach einigen Seiten alles wiederholt. Die Recherchemethoden werden eben immer neu angewendet, spätestens nach 100 Seiten weiß man, wie der Hase läuft, danach kommt nicht mehr viel Neues.

Inzwischen gibt es scheinbar eine unzensierte Neuauflage, vielleicht ist die ja lohnenswerter. Wer mag, kann sie für 8,99 bei Amazon bestellen.

Ich gebe dem Buch, das mich leider überhaupt nicht begeistern konnte, nur 2/5 Sternen, ich denke, es hat einfach seine Zeit überschritten, vor 20 Jahren war es bestimmt noch spannender und aufregender aus heutzutage.

2 Kommentare

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