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Märchenmond – Wolfgang Hohlbein

Ich habe ja schon gefühlt die Hälfte aller jemals erschienenen Hohlbein-Bücher gelesen, aber irgendwie fehlte mir immer noch dieser eine Klassiker, dieses erste große Buch, – Hohlbein schrieb schon vorher einige Heftromane – das ihm den Durchbruch brachte: Märchenmond. Er gewann damit 1982 einen Preis des Ueberreuter-Verlags, zwei Jahre später den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar. Inzwischen hat sich das Buch mehrere Millionen Mal verkauft. Und 2010 entstand dann sogar ein Musical auf der Grundlage des Buches.

Kims Schwester ist nach einer Blinddarmoperation ins Koma gefallen, niemand weiß, wieso. Ein alter Mann erzählt Kim, dass sie in Märchenmond gefangen sei und dort vom bösen Herrscher gefangengenommen wurde, Kim solle ihm nach Märchenmond folgen, um sie zu befreien. Kim tut dies dann auch über seinen Weg und landet direkt beim dunklen Herrscher, wo er sofort gefangengenommen wird – er schafft es jedoch zu fliehen, löst jedoch damit den großen Krieg zwischen Gut und Böse aus, der auch mit seinen Helfern und allen Truppen der Guten nicht zu gewinnen ist. Einer alten Prophezeiung eines Drachen, der nun sein Begleiter wird, folgend, sucht er den König der Regenbogen, um seine Hilfe zu erbeten. Nach einem langen Weg dorthin kommt Kim schließlich – unter Verlusten seiner Begleiter – dort an und der König erklärt sich schließlich bereit, ihm zu helfen. Doch die beiden Anführer der dunklen Seite sind niemand anderes, als die bösen Eigenschaften Kims und des Herren der weißen Seite. Als die beiden im Kampf unterliegen, ist das Böse gebannt und Kim findet sich unter totgeglaubten Freunden wieder – und auch seine Schwester liegt bei ihm. Kurze Zeit darauf erwacht er und wird von seinen Eltern gerufen, seine Schwester sei erwacht.

Der Roman spielt ein bisschen mit zwei Ebenen, erstmal die echte Welt und schließlich die Welt Märchenmond, die – und das ist auch erzähltheoretisch ganz interessant, weil es hier eine Interaktion zwischen den Erzählebenen gibt. Ansonsten ist dieses Buch geradezu prototypisch für junge Phantastik. Die jugendlichen Protagonisten erleben etwas in unserer Welt, was irgendwie nicht passt und kommen dann in eine andere Welt, in der sie Abenteuer erleben und somit das Schicksal der diesseitigen Welt selbst beeinflussen können.

Was heutzutage schon ein bisschen gewöhnlich erscheinen mag, war damals noch relativ neu. Phantastik für Kinder erschöpfte sich damals in Michael Ende, während heutzutage die Bücherregale voll davon sind. Auch die Idee, man könnte Kindern einen 400-Seiten starken Band zumuten – was heute durchaus häufiger ist, man schaue nur beispielsweise auf Eragon oder die späteren Harry-Potter-Bände, war zu dieser Zeit noch etwas völlig Ungewöhnliches. Aber dass dieser Roman jetzt schon über 30 Jahre alt ist, ist ihm gar nicht wirklich anzumerken, klar wirkt die Einrichtung von Kims Zimmer etwas antiquiert, aber das stört den Lesefluss überhaupt nicht. Ich würde das Buch genauso noch meinen Kindern umgehen – zumindest, sobald sie es schaffen, mit phantastischen Welten und entsprechender Gewalt darin umzugehen. Die USK sagt, dass das zwölfjährigen Kindern zuzumuten ist (in vergleichbaren Filmen und Computerspielen) – und das ist denke ich auch ein geeignetes Alter für dieses Buch. Für Erstleser ist das aber natürlich noch nichts, das ist logisch.

Ich mochte Märchenmond ziemlich gerne. Für mich persönlich ist es nicht der beste Roman von Hohlbein, aber dennoch ein wunderschöner. Wäre das damals mein erster Hohlbein gewesen (um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht mehr, was mein erstes Hohlbein-Buch war), hätte ich ohne Zweifel ebenso alles gefressen, was er veröffentlicht hat. Es ist nicht so ganz typisch für sein späteres Werk, der Einfluss seiner Frau, die eher die märchenhaften, amüsanten Ideen mit einbringt, sind deutlich zu spüren, seine eigenen Bücher sind oft noch viel dunkler und grausamer, aber gerade für Kinder und Jugendliche ist das in dieser Form vielleicht auch geeigneter – vor allem, da es hier ein Happy End gibt – und das Ende ist auch noch gut ausgearbeitet. Großartig! Märchenmond ist auch für alle, die mit Hohlbein oder den Büchern, die er alleine schreibt, nicht so viel anfangen können, ein gelungenes Buch. Es trifft nicht zu 100% meinen Geschmack, aber ist dennoch ein tolles Buch. Vielleicht als Einstiegsdroge in die Phantastik, die dann vielleicht auch mal zu komplexerer Fantasy (als die von Hohlbein) leiten kann; vielleicht als Erweiterung des eigenen Horizontes, aber in jedem Fall etwas, was man gut und leicht lesen kann. Dafür gebe ich gerne 4,5/5 Sternen und freue mich, endlich mal wieder etwas von Hohlbein gelesen zu haben.

1 Kommentar

  1. Ist das schön, dass du das Buch hier vorstellst! Ich bin gerade gedanklich wieder 15 Jahre alt und lese mein erstes Wolfgang und Heike Hohlbein Buch 🙂 (schmelz) Die sind wirklich alle ziemlich großartig, mein Favorit ist „Unterland“ gewesen 🙂
    Liebe Grüße,
    Anna

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