Permalink

1

Montagsfrage vom 14.10.2019

Es ist schon wieder Dienstag. Dabei ist das doch hier die Montagsfrage. Aber gut, es ist die Buchmessenwoche, da dürfen literaturähnliche Erzeugnisse etwas unregelmäßig ablaufen. Also hier ist sie nun, die Montagsfrage:

Welches Buch, das man – nach allgemeiner Meinung – gelesen haben sollte, hast du noch nicht gelesen? Warum nicht?

Das hat wieder etwas von einer Kanondiskussion. Welches Buch muss man gelesen haben? Mir fielen beim Lesen der Frage sofort hunderte Titel ein, die ich nicht gelesen habe. Seien es die letzten drei Harry-Potter-Bände, die Buddenbrooks, die Bibel oder den Simplicissimus. Sei es Illias, Aeneis, Blechtrommel oder Große Erwartungen.

Es gibt hundertmal mehr Bücher, die man gelesen haben sollte, als man gelesen hat. Oder lesen möchte. Krieg und Frieden liegt seit über 5 Jahren auf meinem SuB, weil mir das Buch zu dick ist und ich Schwierigkeiten habe, mir russische Namen zu merken. Dafür habe ich mich durch Hugos ‚Die Elenden‘ gekämpft und es geliebt. Klar, ich habe die Göttliche Komödie nicht gelesen, dafür kenne ich mich in der mittelhochdeutschen Literatur ganz gut aus. Und ja, man sollte bei jemandem, der Germanistik studiert hat, nicht meinen, dass ich so wenig Goethe gelesen habe, dafür kenne ich Hoffmann sehr genau.

Es ist klar, was ich sagen will, oder? Jeder, der diese Frage beantwortet, rechtfertigt sich ob seiner Lücken dafür, was er denn sonst alles gelesen hat. Und honoriert eigentlich irgendwer, dass ich mich mit Vorkriegsheftromanen und expressionistischen Romanen auseinandergesetzt habe? Die allgemeine Meinung ist immer, was man selbst als diese ansieht. Die Lücken in der Belesenheit sind eigentlich nur im eigenen Kopf. Sicherlich gibt es sowas wie kulturelles Kapital, Zitate aus Faust, Geschichten aus der Bibel und Wissen über kleinasiatische Flußläufe sind noch immer im Teil des Bildungsbürgertums Anzeichen für Belesenheit. Aber davon sollten wir uns unseren Lesestoff nicht bestimmen lassen.

In diesem Sinne: Eine gute Woche, vielen Studierenden einen guten Semesterstart und allen Besuchern eine gute Buchmesse. Bis dahin!

 

1 Kommentar

  1. Moin Florian!

    Bzgl. dieses Themas habe ich mich noch nie gerechtfertigt. Wozu auch? Die Einschätzungen zu „Was man gelesen haben sollte!“ sind so subjektiv und variieren darum von Person zu Person. Ich lese! Das muss reichen! Zudem ziehe ich mein „kulturelles Kapital“ (schöne Formulierung) nicht nur aus dem Lesen,…

    …da gibt es so viele andere kulturelle Angebote, die mich interessieren, amüsieren, inspirieren und zum Nachdenken anregen.

    Gruß
    Andreas

    P.S. Wie schön: Endlich gibt es jemanden (außer mir), der „Die Elenden“ gelesen UND es geliebt hat!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.