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Die Marquise von O–Heinrich von Kleist

Cover von Die Marquise von O

 


Und hier der zweite Teil der Schullektüren. Diesmal gibt es Prosa, eine Erzählung von Kleist.

Wir werden mit einer Zeitungsannonce in die Handlung eingeführt, die uns sagt, dass die Marquise nach dem Vater ihres Kindes sucht, den sie heiraten möchte, um die Familienehre wiederherzustellen.

Dann wird die Geschichte erzählt. In einer Schlacht wurde die Marquise von einem Graf für lüsternen Soldaten gerettet, absurderweise aber während ihrer Ohnmacht von dem Selben vergewaltigt. Kurz darauf kommt jener Graf in die Wohnung der Marquise und möchte sie sofort und auf der Stelle heiraten. Die Marquise ist verständlicherweise überrumpelt und lehnt zunächst ab. Der Graf muss dies trotz seiner Beharrlichkeit einsehen.

Als sich die Anzeichen der Schwangerschaft einstellen und eine Hebamme diese bestätigt, wird die Marquise, da sie behauptet, keinen Sex gehabt zu haben, vom Vater aus dem gemeinsamen Haus herausgeworfen. Sie nimmt ihre Kinder mit auf ihren Landsitz und zieht sich dort zurück und weist den Portier an, niemanden hereinzulassen. Wieder erscheint ihr der Graf, er erneuert seinen Antrag, die Marquise lehnt ab, zu geschändet sei sie.

Sie gibt die Annonce in Auftrag, die ihre Eltern lesen – ihre Mutter prüft sie, da der Vater an ein Spiel mit ihrem neuen Lover glaubt, als in der Zeitung die Gegenannonce erscheint, dass sich der Vater am dritten Tage offenbaren wird.

Nun, am dritten Tage, nachdem die Marquise wieder von ihren Eltern akzeptiert wurde, stellt sich der Graf, den wir alle kennen und die Marquise verweigert sich. Die Hochzeit findet trotzdem statt, aber es dauert ein Jahr, bis sie ihn akzeptiert und ihm ein ehrliches Jawort gibt. Auf Nachfragen antwortet sie, wäre er ihr nicht erst als Engel erschienen, wäre er ihr nicht als Teufel vorgekommen.

Ich muss sagen, ich mochte die Erzählung nicht. Es gibt ein paar Sachen, die mich stören:

1. Der Charakter der Marquise. Ich meine, sie hat eine Kombinationsgabe von einem Stück Toastbrot und ist unterwürfig bis zum Abwinken. Sie schafft es nicht mal nach dem Donnerwetter ihrer Eltern, sich zu emanzipieren und kriecht ihnen unterwürfig auf Knien wieder entgegen. Solche Charakterzüge mag ich persönlich gar nicht.

2. Der Erzählstil. Die ganze Geschichte umfasst in meiner Ausgabe keine 35 Seiten, das ist für diese recht komplexe Angelegenheit ziemlich kurz – mit fatalen Folgen. Wesentliche Aspekte der Handlung werden gar nicht angesprochen, vieles muss man sich selbst dazu dichten, bis sich eine komplette Geschichte ergibt.

3. Die Namen. Die Idee, Namen nicht auszuschreiben ist ganz gut und es steckt auch einiges dahinter. Aber es ist unglaublich schwer, dem Erzählstil zu folgen, wenn mehrere Bezeichnungen synonym für den gleichen Charakter verwendet werden, andere Bezeichnungen, die sich aber untereinander ähnlich sind, für den anderen.

Man muss dazu sagen, dass ich grundsätzlich auch hier wieder die Geschichte okay fand. Der Graf ist als Charakter sehr spannend, wie er durch den Krieg verändert wurde, die Gesellschaftskritik, die nett in der Geschichte verpackt  ist, beide Punkte gefielen mir durchaus.

Auch hier hat man bei den Ausgaben wieder die Qual der Wahl. Es gibt das Hamburger Leseheft für 1€, das Reclamheft für 2€ oder eine etwas hochwertigere dtv Taschenbuchausgabe für 4,90€.

Alles in Allem war die Geschichte nichts für mich und auch nichts, was ich weiterempfehlen würde. Eingefleischte Kleistfans wird das natürlich nicht abhalten, aber ich vergebe für die Erzählung nur 2/5 Sternen.

3 Kommentare

  1. Pingback: Ankündigung: Flo liest Schullektüre | Romanfresser.de

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