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Fünf Apfelsinenkerne – Arthur Conan Doyle

Nachdem wir beim letzten Mal immerhin eine Leiche hatten – zum ersten Mal in diesem Band – geht es diese Woche gleich dreimal heiß her.

Ein junger Mann kommt trotz schweren Unwetters in die Baker Street und präsentiert seine außergewöhnliche Geschichte. Lange Zeit lebte er unbeschwert bei seinem Onkel, der sich stets etwas zurückzog und seinem Neffen den Zugang zu einem bestimmten Raum verbot, der sich aber ansonsten nichts zu Schulden kommen ließ. Eines Tages erhält er einen Brief mit fünf Orangenkernen und der Inschrift KKK und schreibt noch am selben Tag sein Testament; kurz darauf wird er tot im Teich gefunden, alles deutet auf einen Selbstmord hin. Kaum zwei Jahre später jedoch passiert seinem direkten Erben dieselbe Geschichte. Wieder der Brief, diesmal mit Anweisung, „die Papier an die Sonnenuhr“ zu bringen, wieder ein Tod, der Unfall oder Selbstmord gewesen sein könnte. Nun hat der junge Mann, der Neffe des ersten Toten, einen identischen Brief bekommen, wird von der Polizei nicht ernstgenommen und wendet sich nun an Holmes, der ihn – nicht zu Unrecht – in großer Gefahr glaubt. Holmes zögert nicht und ergreift, unmittelbar nachdem die Geschichte erzählt ist, Maßnahmen, um den Tod des Jungen zu verhindern.

Wie immer, ich möchte die Auflösung nicht verraten, aber man kann durchaus behaupten, dass Holmes den Fall mehr oder weniger erfolgreich lösen kann – die Idee, worum es gehen könnte, kommt ihm unmittelbar nachdem Openshaw, der junge Mann, seine Geschichte erzählt hat. Insbesondere aber diese mit dem Tod verbundenen Briefe und die seltsame Inschrift laden zum Raten ein.

Es wird wohl kaum überraschen, wenn ich verrate, dass die Tode der beiden Männer keinesfalls ein Zufall waren. Seltsame Mordfälle aufzuklären ist ja typischerweise das, was man mit Sherlock Holmes verbindet und wenn man durchaus denken könnte, dass die ersten drei Krimigeschichten relativ banal wirkten und jetzt noch nicht so wirklich spannende Sujets aufwiesen, ist spätestens mit dieser Geschichte, jedoch schon mit der Geschichte zuvor, klar, dass Sherlock inzwischen in seinem Element angekommen ist. Gerade dieser Mordfall, dessen Lösung er alleine aus der Erzählung herleitet und kaum noch Nachforschungen braucht, zeigt besonders gut, wie Sherlock Holmes seine deduktive Methode anwendet. Tatsächlich kann man hier in dieser Geschichte ziemlich gut mitraten, man kann auf einige Details kommen, wenngleich man vermutlich auch nicht auf jedes Detail kommt.

Ich muss sagen, nach der letzten Geschichte,  die mir nicht völlig zusagte, hatte ich an dieser Geschichte ziemlich viel Spaß. Man kann sich den Verlauf der Binnenerzählung des jungen Openshaw gut vorstellen, sich sehr gut in die Situationen hineinversetzen und bekommt es dann bei dem dritten Brief schon beim Lesen mit der Angst zu tun. Die Szenerie der Binnenerzählung tut ihr übriges. Der knisternde Kamin in der spärlich beleuchteten Baker Street, draußen das tobende Gewitter, das ist schon sehr beeindruckend beschrieben.

Ich fand diese Erzählung für mich persönlich wieder etwas schöner als die vorige Geschichte, dazu trägt einfach dieser sehr merkwürdige und bizarre Doppelmord, diese Geschichte, um die seltsamen Dokument und den Zusammenhang mit Amerika – wo der Onkel einige Zeit weilte – bei. Ich komme daher gut und gerne wieder zu 4,5/5 Sternen und kann diese Geschichte absolut weiterempfehlen. Zwar sind Holmes und Watson nicht so viel auf Achse – und Watsons Rolle in dieser Geschichte sollten wir besser auch nicht zu sehr thematisieren – aber die Geschichte ist einfach klug und sehr atmosphärisch erzählt, bietet aber noch einige Gelegenheiten zum Mitraten.

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