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Die Zeitmaschine – H.G. Wells

k-WP_20150721_001Man könnte sagen, dass ich dieses Buch noch als Nachbereitung meines Hexer-Durchlaufes lese, immerhin kam die Welt von H.G. Wells dort mal vor – und tatsächlich war das auch der Anlass, der mich dazu gebracht hat, das Buch aus der Bibliothek zu entleihen. Aber es ist eben auch ein Klassiker der Science-Fiction… Und ich glaube, ich weiß nun, warum.

Ein Zeitreisender stellt seine neue Erfindung einem Kreis von Menschen vor. Ein Gerät, mit dem man sich in der Zeit bewegen kann. Doch niemand scheint ihm zu glauben und so macht er sich auf den Weg, das ganze empirisch zu testen – er reist in die Zeit. Er landet an einem Ort ungefähr 800.000 Jahre nach unserer Zeitrechnung. Dort findet er ein oberflächliches Idyll von post-menschlichen Wesen, die scheinbar nie arbeiten und sich vor der Dunkelheit fürchten. Denn in der Dunkelheit kommt die andere Schicht, die Morlocks an die Oberfläche. Zunächst glaubt der Zeitreisende, sie seien so etwas wie die Sklaven der Eloi, die sich verselbstständigt haben – dann stellt er fest, dass die Morlocks die Eloi scheinbar halten, um sich von ihnen zu ernähren. Bei seinem Rückweg stellt er in der weiter entfernten Zukunft fest, dass die menschliche Rasse das Überleben scheinbar nicht geschafft hat und kehrt nach Hause zurück. Wie zu erwarten war, glaubt ihm niemand seine Geschichte. Von einer zweiten Reise, auf der er seine Erlebnisse mit Fotos dokumentieren wollte, kehrt der Zeitreisende nie zurück.

Die Zeitmaschine ist ein sehr ungewöhnlicher Roman, weil in ihm so vieles drinsteckt; man kann ihn nicht klar zuordnen. Klar, es steckt Science-Fiction in ihm, sein Gesellschaftsentwurf ist aber auch ein dystopischer Entwurf, der die Folgen der englischen Klassengesellschaft skizziert. Und es ist zwar Science-Fiction, aber mit dem klassischen Raumschiff-Geballer, das wir gemeinhin unter Science-Fiction verstehen, hat die Zeitmaschine wenig gemein. Es ist zu einem Teil eine Liebesgeschichte, es ist ein Erkunden in einer völlig fremden Welt, aber auch ein Kampf um den Weg nach Hause und über furchtbare Entdeckungen, über Fehleinschätzungen und über die Erkenntnis, dass Entwicklung auch negative Folgen haben kann.

Mir hat die Zeitmaschine sehr gut gefallen. Es ist ein kleiner Roman, den man schnell durchlesen kann, aber es steckt eine ganze Menge in ihm drin. Durch die indirekte Erzählersituation (ein Freund des Zeitreisenden erzählt im Nachhinein, wie der Zeitreisende seine Geschichte den Freunden erzählte) bekommt die Geschichte eine sehr elegante Rahmung, es liest sich wirklich sehr schön und angenehm – auch wenn sich ob der dystopischen Zukunftsvision und der Prophezeiung, die Menschheit werde es nicht schaffen, schon ein wenig Beklemmung einstellt. Ein bisschen schwierig ist es, den Roman heute noch zu sehen. Heutige Science-Fiction ist oftmals viel komplexer und baut größere und weitaus anspruchsvollere Weltenentwürfe – aber viel reizvoller ist eigentlich die Wells’sche Art, den Zeitreisenden nichts über die Gesellschaft, die er besucht wissen zu lassen – einige der Fragen bleiben bis zum Ende ungeklärt, vieles wird nur angedeutet und nicht ausgeführt. Natürlich auch die Möglichkeit, dass es gar keine Zeitreise gab und das alles nur die Fantasie eines wirren alten Mannes ist.

Der Roman ist inzwischen über 100 Jahre alt und legte wohl mit einigen anderen Werken zusammen den Grundstein für die moderne Science-Fiction. Allein aus dieser Perspektive gedacht, wäre es schon spannend, den Roman mal zu lesen. Der Roman selbst ist in seiner Eleganz und Brillianz jedoch bis heute nur schwer zu schlagen und war für mich ein wirklich tiefes und einprägsames Leseerlebnis. Mir bleibt kaum etwas anderes übrig als diesem düsteren Gesellschaftsentwurf volle 5/5 Sternen zu geben. Jeder, der sich auch nur im Entferntesten für Science-Fiction oder ähnliche Genres interessiert, kommt an diesem Roman nicht vorbei.

 

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