Permalink

1

1984 – George Orwell

Cover von 1984

 

Nachdem wir letztes Mal schon ein ziemlich ernstes Buch hatten, machen wir heute mit dem Standardwerk der totalen Überwachung weiter.

1984 beschreibt eine Welt der totalen Überwachung. Es gibt drei Kontinente, von denen sich zwei ständig im Krieg befinden, um immerzu Güter zu vernichten und damit die knappen Konsumgüter und den geringen Lebensstandard zu rechtfertigen.

85% der Bevölkerung sind Arbeiter und werden bewusst dumm und naiv gehalten. Sie dürfen quasi machen, was sie wollen.

Die äußere Partei wird immerzu durch Teleschirme, die gleichzeitig senden und empfangen können, überwacht. Alles, was irgendwie Spaß macht, ist verboten.

Das Buch erzählt die Geschichte von Winston Smith, der im Ministerium für Wahrheit (“Miniwahr”) arbeitet und daher über die Geschichtsfälschung genau Bescheid weiß. Er ist skeptisch und beginnt im Laufe des Buches Indizien über die Zeit vor der Revolution zu sammeln.

Im Verlaufe des Buches trifft er Julia, mit der er eine heimliche Beziehung führen möchte, Julia möchte ihre Beziehung ausleben, Winston der Bruderschaft (eine Untergrundorganisation gegen den Staat) beitreten, beide rebellieren also.

Sie werden bei einem ihrer Treffen, beim Lesen des Manifests der Bruderschafts, festgenommen, Winstons Peiniger im Gefängnis (Ministerium für Liebe) ist der, der ihm dieses Manifest besorgt hat und ihn in die Bruderschaft aufgenommen hat.

Er wird dann einer brutalen und schmerzhaften Gehirnwäsche unterzogen, betritt letzten Endes das Zimmer 101, in welchem sein Widerstand endgültig gebrochen wird.

Nach Zimmer 101 lebt Winston noch einige Zeit weiter, er braucht von nun an nicht mehr zu arbeiten, sitzt den ganzen Tag in einer Kneipe und betrachtet das Programm des Teleschirms. Als er eines Tages bei den Kriegsnachrichten mitfiebert, ist er endlich vollständig bekehrt und wird für seine Verbrechen umgebracht.

Wie schon erwähnt, ist das Buch ein Klassiker. Es wird eindrucksvoll gezeigt, wie die öffentliche Meinung von einem totalitären Überwachungsregime gelenkt werden kann, es gibt ja beispielsweise noch die Neusprache (die diesen Blogpost sprengen würde) und weitere Methoden, die Bewohner der Staates klein zu halten.

Unklar bleibt das ganze Buch lang, welchem höheren Zweck die Sache dient. Auch die Figur des O’Brien bleibt offen. Letzten Endes soll das Buch auch die Doppelmoral und die Sinnlosigkeit einer solchen Überwachung zeigen.

Es ist, wie schon beim Herr der Fliegen, sicherlich kein einfaches Buch und kein Buch für jedermann. Für einige Szenen am Ende braucht man durchaus starke Nerven (oder mangelndes Vorstellungsvermögen), für manche Stellen muss man sich ziemlich stark in die Welt hineinversetzen, einiges bleibt auf den ersten Blick unklar.

Zur Übersetzung von Kurt Wagenseil (die ich auch gleich verlinke) kann ich sagen, dass sie mir grundsätzlich gut gefallen hat. Neusprech war vom Sinn her gut dargestellt und alles war klar erkennbar und doch fremdartig.

Trotz allem: Dieses Buch ist noch mehr als der Herr der Fliegen ein absolutes Muss.  Auch angesichts der Aktualität des Themas, sollte man sich das Buch, für 9,95€ bei Amazon erhältlich ist, unbedingt zu Gemüte führen. Folgerichtig gebe ich 1984 5/5 Sternen.

1 Kommentar

  1. Gute Kritik, aber aus meiner Sicht sagt O’Brien ziemlich genau, was denn das Ziel des Ganzen ist. Ich zitiere aus meiner Ausgabe, Seite 274f:

    „[…] You understand well enough how the Party maintains itself in power. Now tell me why we cling to power. What is our motive? Why should we want power?‘ […] ‚You are ruling over us for our own good,‘ he said feebly. ‚You believe that human beings are not fit to govern themselves, and therefore- ‚ […]
    ‚That was stupid, Winston, stupid!‘, he said. ‚You should know better than to say a thing like that. […]Now I will tell you the answer to the question. It is this. The Party seeks power entirely for its own sake. We are not interested in the good of others; we are interested solely in power. Not wealth or luxury or long life or happiness: only power, pure power. […]“

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.