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Montagsfrage vom 14.01.2019

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Lyrik: ausgedient oder am aufblühen?

Interessante Formulierung der Frage. Fangen wir mal ganz am Anfang an. Lyrik gehört neben der Epik und dem Drama zu den drei Großgattungen der Literatur. Mein Literaturdozent fasste die simpelste Definition für Lyik mal mit „alles, wo viel Weiß auf der Seite ist“ zusammen. Und vermutlich ergibt es Sinn, angesichts der Vielfalt der Lyrik nicht viel mehr als Minimaldefinition anzulegen.

Der Prototyp der Lyik ist natürlich das Gedicht, das im Schulunterricht zu Tode analysiert wird. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick. Klassiker. Steht eigentlich mitten im Faust, kennt trotzdem jeder als Gedicht. Ich stand damit auch lange Zeit ein bisschen auf Kriegsfuß – nicht wegen der ganzen strukturellen Sachen – Versmaße kann ich im Schlaf bestimmen – aber mich hat das ästhetisch einfach nicht angesprochen. Ich habe mal unter dem Schlagwort Lyrikfresser einige Gedichte betrachtet und mich so ein bisschen mit dem Genre ausgesöhnt.Vor allem aber habe ich in den letzten Jahren meinen Blick auf Lyrik erweitert. Ich bin kein regelmäßiger Besucher, aber gelegentlich gehe ich dennoch gerne mal zu einem Poetry Slam. Moderne Lyriker, die ein großes Publikum erreichen wollen, nutzen entweder diese Form oder verpacken ihre Texte gleich in Musik. Im Deutschrap entwickelt sich eine lyrische Parallelkultur, die technisch ausgefeilter dichtet, als Goethe es jemals konnte („Ein Grund, warum an der Waterkant die Beats fetter war’n | Euer Sound hängt am Vaterland wie Kriegsveteran“, Achtfachreim!), andere, Judith Holofernes beispielsweise, schaffen eine unglaubliche Metaphorik („Ich stapel tausend wirre Worte hoch, die dich am Ärmel zieh’n), verpacken aber alles in Musik.

Ich glaube, Lyrik kann nicht sterben. Sowenig wie Erzählungen oder Theaterstücke sterben können, ist auch Lyrik im Menschen verankert. Klar, niemand kauft Gedichtbände, man kann davon nicht leben. Aber Lyrik als Gattung stirbt nicht.

In diesem Sinne eine gute Woche euch und viel Spaß mit einem neuen Blogprojekt, das diese Woche losgeht.

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