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Die blaue Geranie – Agatha Christie

Unser alter Klub, in dem die spannenden Geheimnisse der einzelnen Mitglieder besprochen wurden, hat sich vorläufig aufgelöst. Henry Clithering ist auf ein Abendessen bei Familie Bantry und schlägt vor, Miss Marple noch zum Dinner einzuladen, weil er sich an die schöne Zeit im Dienstagabend-Klub erinnert. Und tatsächlich hat Mr. Bantry eine Geschichte zu erzählen.

Es geht um eine Dame mittleren Alters, Mary Pritchard, die einige Leiden mit sich trägt. Sie liegt fast nur in ihrem Bett und muss viel gepflegt werden. Dabei ist sie selten mit einer Pflegerin zufrieden und treibt ihren Mann fast in den Wahnsinn. Nebenher ist sie auch noch etwas esoterisch angehaucht. Schließlich hat die amtierende Schwester eine neue Wahrsagerin ausfindig gemacht, die Mary mal einen Nachmittag beschäftigen soll, dass sowohl der Mann als auch die Schwester eine Weile für sich haben. Die Wahrsagerin beunruhigt die Frau jedoch noch mehr, indem sie sehr düstere Vorahnungen hat. Tags drauf erreicht sie ein Brief voller Prophezeiungen um einige blaue Blumen, die den Tod bedeuten sollen. Tatsächlich findet die Erkrankte an ihrer Blumentapete zum nächsten Vollmond zunächst eine blaue Blume, bis sie zwei Monate später beim Auftauchen einer blauen Geranie über ihrem Bett tot im Bett liegt – scheinbar ohne ersichtlichen Grund.

Alle beginnen zu rätseln, was es mit diesen blauen Blumen und dem Tod der kranken Mary auf sich haben könnte, doch nach kurzer Zeit macht Miss Marple einige kryptische Andeutungen, die nur Mr. Bantry, der die Lösung kennt, versteht und die auf die Lösung des Falls deuten. Sie hat somit den Fall aufdeckt – wie eigentlich ja immer.

Ich mochte diese Geschichte wie schon die vorigen ziemlich gerne. Klar ist es bei diesen erzählten Geschichten immer etwas zu wenig Miss Marple, weil ihr Gesprächsanteil eigentlich nur aus einigen klugen Kommentaren zum Ende hin besteht und die anderen Figuren sich vorher um Kopf und Kragen raten, aber dennoch sind gerade diese Gesprächsteile immer sehr spannend eingewoben. Auch die Geschichte selbst ist spannend erzählt und die zugrundeliegende Idee ist eine durchaus kluge Idee für einen kleinen Krimi. Agatha Christie schafft es hier, eine eigentlich recht simple Idee so geschickt zu verweben, dass es zumindest mir so ging, dass ich keine Anhaltspunkte hatte, was es damit auf sich haben könnte. Aber allein schon für die Idee, die Weissagung von blauen Blumen als eine Veränderung von Blumen auf einer Tapete zu deuten, verdient Agatha Christie gebührenden Respekt. Was ich immer etwas schade finde, ist, dass die Geschichten eigentlich schon gelöst sind und Miss Marple hier nichts wirklich neues herausfindet, sondern nur auf die Lösung kommt, die ein andere schon kennt – und bei denen die Umstände, wie er sie erfahren hat, doch etwas konstruiert wirken.

In diesen Sinne bekommt auch diese Geschichte gute 4,5/5 Sternen darüber. Wer kleine Krimigeschichten, die an einem runden Tisch gelöst werden – bei denen der Ermittler nicht wie Sherlock Holmes häufig – nicht rausgehen und sich die Sachlage vor Ort anschauen, mag, wird hiermit seine Freude haben.

 

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