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Charity 01: Die beste Frau der Space Force – Wolfgang Hohlbein

Damals in den späten 80ern und frühen 90er-Jahren war dank (Film)Serien wie Star Trek und Star Wars das Science-Fiction Genre ziemlich beliebt. Auch Wolfgang Hohlbein war in dieser Zeit langsam aber sicher ziemlich beliebt und so entstand wohl die Idee, diese beiden beliebten Aspekte zu verbinden. Charity ist eine Romanreihe mit insgesamt zwölf Bänden, die aber unvollendet geblieben ist. Gelegentlich erwähnt Hohlbein, dass er die Reihe, beispielsweise im Zuge einer eBook-Neuveröffentlichung – mal zu Ende bringen wollen würde, aber das steht in den Sternen (pun intented!). Da aber zumindest im letzten Jahr mal ein Ende zur Thor Garson-Reihe erschien, ist es zumindest denkbar.

Charity Lard ist eine Pilotin bei der US Space Force. Sie wird weltbekannt, weil sie die Kommandantin eines Einsatzes ist, bei dem zum ersten Mal ein außerirdisches Raumschiff betreten wird. Eigentlich passierte dort nicht viel Spannendes, es war ein leerer, riesiger Kasten, dennoch wird das Ereignis als große Sensation gefeiert. Einige Wochen später wird sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von der Regierung einbestellt. Das Schiff ist am Nordpol gelandet, es ist keine Kontaktaufnahme möglich und alle dorthingeschickten Einheiten gehen sämtlich verloren. Man beobachtet aus der Luft irgendwelche seltsamen Kreaturen. Doch als man Notfallmaßnahmen einzuleiten beginnt, ist es schon zu spät. Die Außerirdischen starten Flugkörper mit atomaren Sprengladungen, die ein dichtes Netz über der Erde abbilden. Als sich das Netz vervollständigt, wird es gezündet, paralllel kommen riesige Insektoide in die Städte und töten alles, was sich bewegt. Charity kann sich mit einigen anderen Leuten zunächst retten, sie wird schließlich von der Regierung in einen geheimnen Bunker beordert, wo das weitere Vorgehen besprochen werden soll. Doch auch diese Anlage wird schließlich angegriffen, sodass nur noch die Flucht in die Rettungskapseln bleibt. Stone hingegen hat einen anderen Plan. Er führt sie mit vorgehaltener Waffe in eine geheime Kammer und sperrt Charity in eine Kyrostaste-Vorrichtung ein.

Es ist relativ offensichtlich, dass wir es in diesem Band zunächst mit einer Art Exposition, einem Prolog zu tun hatten. Kern der Charity-Reihe dürfte wohl das, was in der wie auch immer gearteten Zukunft passieren wird, sein. Über diese ist jetzt erstmal noch wenig bekannt, aber die Invasion der Außerirdischen dürfte eine gewisse Rolle spielen und auch Stone wird noch zu einer Hauptfigur werden. Charity selbst ist als Hauptfigur nicht unsympathisch. Hohlbein gelingt es – zumindest aus meiner männlich geprägten Perspektive – Frauen als Protagonisten einzuführen, ohne dass man das Gefühl hat, es sei groß erwähnenswert, dass Charity weiblich ist. Es ist einfach so und weder groß herauszustellen noch die Serie deshalb gar abzuwerten und das gefällt mir recht gut – Frauenfigruen sind in der Sci-Fi doch etwas unterrepräsentiert.

Die Motive sind typisch für Science-Fiction in jeder Form. Es gibt Außerirdische, neue Technollgien, Raumfahrt und natürlich spiel alles ab dem zweiten Band in der Zukunft, eben in einer Zeit nach der Alien-Invasion. Das gefällt mir in der Form natürlich erstmal ziemlich gut, wenngleich noch völlig offen ist, wie es eigentilch weitergeht und worin die Aufgabe der Protagonistin bestehen wird. Zu Hohlbeins Schreibstil brauche ich nicht viel zu sagen, das ist einfach eine Geschmackssache, mir gefällt ist. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass in diesem ersten Band die Geschichte in zwei verschiedenen zeitlichen Ebenen erzählt wird, in einem Strang wird von der ersten Sichtung des außerirdischen Schiffes bis zur Invasion, im zweiten Strang wird vom Geschehen im Bunker erzählt. Das ist eigentlich recht reizvoll, weil es natürlich die Spannung erhöht.

Insgesamt ist der erste Band in meinen Augen ein gelungener Einstieg in eine Buchreihe und mit kaum 200 Seiten auch absolut überschaubar – um ehrlich zu sein passiert für diese Länge ziemlich viel in ziemlich kurzer Abfolge. Es zeigt sich also mal wieder, dass Hohlbein in den mittleren Romanlängen am Stärksten ist, weshalb ich auch gerne 4/5 Sternen gebe und auf die Folgebände gespannt bin – leider ist der Charity-Zyklus derzeit nur noch antiquarisch erhältlich.

1 Kommentar

  1. Charity! Ha!
    Danke für diesen Flashback!

    Es ist ja spannend, dass Charity in einigen Grundzügen (und ja, vor allem die weibliche Protagonistin, aber auch einige Finessen der Schilderung von Konfliktsituationen) schon vieles vorwegnahm, was Weber dann einige Jahre später in den Honor Harrington Büchern umzusetzen begann. Wobei man ja bezweifeln muss, dass Weber Hohlbein kannte.

    Ich muss ich aber zugeben, dass ich skeptisch wäre, wenn jetzt noch eine Fortsetzung oder ein Abschluss auf dem Horizont auftaucht. Hohlbein selbst hat sich weiterentwickelt, verändert, er müsste sich entweder in seinen alten Schreibstil versetzen – oder die Serie in seinem neuen beenden. Ob das funktioniert…

    Zum anderen haben sich die Qualitätsansprüche gerade im deutschen SF Bereich massiv nach oben verlagert, Charity, aus heutiger Sicht gelesen, würde wohl von den meisten ohne Nostalgie-Faktor und Hohlbein-Bonus bestenfalls als „Mittelmaß“ oder „ambitioniert“ angesehen werden.

    Wir haben in den Jahrzehnten seither z.B. die Feuervögel Reihe von Andreas Brandhorst , Nebula von Thariot und nicht zuletzt als jüngstes Beispiel den Onur-Zyklus von Ivan Ertlov serviert bekommen. Weder im Weltenbau, noch sprachlich können da die 80er mithalten, nicht einmal wenn Wolfgang Hohlbein auf dem Cover steht. Kollateralschaden der Genre-Evolution!

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