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The Book Thief – Markus Zusask

k-WP_20151204_001Ich bin ja immer jemand, der Bücher immer dann liest, wenn der Hype schon lange vorbei ist. Von der Bücherdiebin habe ich vor Jahren schon mal gehört und wollte es dauernd schon lesen, dann erschien 2014 der Kinofilm und ich dachte schon wieder, dass ich es mal lesen wollen würde. Schließlich bestellte ich mir dann Mitte dieses Jahres die englische Originalausgabe für kleines Geld und nun habe ich es endlich geschafft, das Buch zu lesen.

Über die Handlung brauche ich dann vermutlich kaum noch etwas zu erzählen, vor allem gibt es ja nicht wirklich eine Geschichte, die erzählt wird, vielmehr ist es die Wiedergabe des Tagebuches von Liesel Meminger, die zu Beginn des zweiten Weltkriegs mit ihrem Bruder zu einer Pflegefamilie geschickt wird. Auf dem Weg dorthin stirbt ihr Bruder und sie stiehlt ihr erstes Buch. Der Tod erzählt die Geschichte von ihr, wie sie ihm mehrmals entwischt und wie sie den Krieg und die Bombennächte erlebt. Die Bücher, die sie zu verschiedenen Gelegenheiten stiehlt, helfen ihr dabei, die schwierige Zeit zu verdauen. Sie liest mit Max, einem Juden, die die Familie zeitweise versteckt, sie liest in den Luftschutzkellern und sie liest, wenn sie schlecht träumt. Sie liest, wenn ihr Vater zur Armee muss, sie liest für eine alte Frau, um sich etwas Kaffee dazuzuverdienen. Und die Frau des Bürgermeisters legt der Bücherdiebin zuletzt sogar ein paar Kekse hin, als diese bei ihren Raubzügen mal wieder deren Bibliothek ausraubt. Bis dann die Bombennacht kommt und der Tod ihr Tagebuch findet. Er besucht sie dann Jahrzehnte später in Australien und gibt ihr gegenüber zu, das Tagebuch gelesen zu haben und trägt sie endlich mit sich.

Ich fand das Buch insgesamt ziemlich bedrückend und düster, andererseits aber auch wundervoll und tief bewegend. Den Tod als Erzähler auszuwählen, ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber es erlaubt natürlich eine ganz beeindruckende Perspektive auf das Geschehen des Krieges und in Anbetracht der Rahmensituation ist diese Perspektive auch durchaus naheliegend. An einigen Stellen merkt man es dann auch kaum noch, weil er dem Geschehen viel Raum gibt, aber manchmal kommt es doch durch, dass er eine ganz besondere Sicht der Welt hat.

Stilistisch ist dieser Roman auch total interessant. Der Volltext wird häufig durch Anmerkungen, Aufzählungen von Stichpunkten oder irgendwelchen ‚Randnotizen‘ ergänzt und an einigen Stellen kommt durch die Skizzen von Max, der einige Zeit bei Liesels Pflegefamilie versteckt wird, eine weitere Erzählebene ins Spiel. Und besonders spannend war für mich als deutscher Muttersprachler, der das Buch in der englischen Originalsprache gelesen hat, dass immer wieder deutsche Begriffe und Wendungen übernommen (und dann auch gerne auf Englisch übertragen oder erklärt) wurden.

Die Charaktere – zumindest die handlungstragenden – sind äußert ambivalente Charaktere, von Liesels Pflegemutter, die sehr grob und derbe auftritt, aber eine exzellente Krisenmanagerin ist und hinter ihrer rauen Art gerade gegen Ende doch einen liebevollen Kern versteckt, bis hin zu Liesel Pflegevater, zu dem sie sehr schnell Vertrauen schließt, der ihr das Lesen beibringt und stets bemüht ist, seine Ablehnung gegen die NS-Diktatur zu verbergen.

Generell finde ich die Auseinandersetzung mit dem NS-Regime in dem Buch total interessant. Das Buch erzählt nicht aktiv vom Holocaust, vom Krieg oder von der Diktatur, sondern beschränkt sich darauf, die Folgen für ein einziges Dorf, eine einzige Straße darzustellen. Aber die Märsche von Juden durch das Viertel, die Erzählungen von der Hitlerjugend und dem BdM, die Erzählungen von den Entbehrungen und den Luftschutzkellern sprechen Bände und sind meiner Meinung nach eine absolut jugendgerechte Art, diese Geschichte zu erzählen und ich muss sagen, man kann mit ein bisschen Basiswissen über die Zeit sehr viel von dem, was passiert ist, aus dem Buch herauslesen.

Für mich war die Bücherdiebin jetzt nicht unbedingt ein entspanntes Lesevergnügen, weil einige Stellen doch ziemlich belastend sind. Aber das ändert nichts daran, dass der Tod hier ein unglaublich berührendes und bewegendes Leben eines Mädchens in der NS-Zeit erzählt. Ich fand das Buch wundervoll und gebe daher gerne 5/5 Sternen dafür. Ein tolles Jugendbuch, ein wichtiges Jugendbuch mit einigen gut eingesetzten Besonderheiten.

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