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Sofies Welt–Jostein Gaarder

Cover von Sofies Welt

   


Wer meinen Report zur letzten Lesenacht gelesen hat, weiß schon ungefähr, was jetzt kommt. Ich spreche aber mal eine absolute Spoilerwarnung aus, denn auch, wenn ich versuche, nicht alles zu verraten, ist die unerwartete Wendung für die Bewertung nicht unerheblich.

Sofie ist ein 14-jähriges Mädchen aus Norwegen. Sie bekommt Briefe von einem zunächst unbekannten Philosophen, der ihr einen Philosophiekurs per Brief erteilt. Nachdem sie einige Zeit versucht hat, dem Urheber auf die Spur zu kommen und er daraufhin ein bisschen Katze & Maus mit ihr spielt (und einen Hund, Hermes einsetzt, um die Briefe zu überbringen), treffen die beiden sich zum ersten Mal und er gibt sich als Alberto Knox zu erkennen, was bei Sofies Mutter natürlich einigen Wirbel, sie brennt darauf, diesen komischen Kerl, der ihrer Tochter Philosophie beibringt, kennenzulernen.

Es mehren sich Hinweise auf eine gewisse Hilde und gegen Mitte des Buches kommt dann die Wende. Hilde hat Geburtstag und bekommt von ihrem Vater das Buch “Sofies Welt”, das er für sie geschrieben hat. Sofie und Knox sind also jetzt nur noch Romanfiguren, was sie im Laufe des Philosophiekurses auch herauszufinden scheinen. Getoppt wird das Ganze eigentlich nur noch davon, dass Sofie das Buch “Sofies Welt” in einer Buchhandlung findet. Zum Ende, nach einigem Chaos auf Sofies Geburtstagsfeier, entdecken Sofie und Knox eine ganz seltsame Form der Existenz.

Ich habe es schon geschrieben, das Buch hat mich umgehauen. Was ich in meiner Inhaltsangabe nicht aufgeführt habe, ist die Tatsache, dass der Leser während des Buches einen chronologischen Philosophiekurs von der Antike bis zum 20. Jahrhundert bekommt. Diese Erklärungen sind meines Erachtens nach relativ vollständig, regen zum selbstständigen Denken an, sind aber so einfach verpackt, dass man sie auch ohne intensive Beschäftigungen gut verstehen kann. Mir hat es durchaus sehr geholfen und ich fand diese Form der Präsentation nochmal um einiges ansprechender, als das beispielsweise Richard David Precht das in seinen Büchern tut. Es ist natürlich kein Ersatz für ein “erwachsenes” Handbuch der Philosophie, aber das will es auch nicht sein, sondern orientiert sich ganz klar an die Zielgruppe der Philosophieeinstiger und philosophieorientierten Jugendlichen.

Ich fand die Handlung total stark. Sie wirkte nicht um den Philosophiekurs herumgestrickt, was ich anfangs befürchtet hatte, sondern ergänzt diesen sinnvoll. Gegen Ende steht diese sogar im Mittelpunkt und der Philosophiekurs ist ein Mittel zum Zweck.

Etwas erschlagen könnten jugendliche Leser durch die zahlreichen Metaebenen bzw. durch die starke Metafiktionalität sein, die eine Menge Raum für Interpretationen bietet. Ich will den Rahmen hier nicht sprengen, aber man könnte sich zum Beispiel anschauen, was für ein Selbstbild bzw. Autorenbild der Autor hat, da er mit Alberto Knox und dem Vater von Hilde zwei fiktive Autorenfiguren einbaut. Oder man kann sich verschiedene Gottesbilder erarbeiten.

Es gibt allerdings auch sehr viel her, sich mit der Existenz von Sofie und Knox zu beschäftigen – das ist sicherlich auch so vom Autor gewollt, es bietet sich einfach sehr direkt an.

Einen Punkt möchte ich noch in der (schon jetzt überlangen) Rezension erwähnen) und zwar Sofie. Knox und Hilde mögen tolle Charaktere sein, aber in Sofie habe ich mich total verliebt. Sie ist so ein liebes, aufgeklärtes und tolles Mädchen, sie ist klug, wissbegierig, sieht ihre Welt kritisch und hat doch noch ein wenig kindliche Naivität. Aussagen wie „Ich gehe nie, solange der Lehrer die Stunde nicht für beendet erklärt hat“, „Die meisten lassen sich doch nur noch wegen der Geschenke konfirmieren“ oder Fremdcharakterisierungen wie „Wenn sie sich vor etwas fürchtete, dann vor besoffener Randale“ haben Sofie direkt in mein Herz katapultiert und ich wage zu behaupten, dass sie sich zu einem meiner bücherübergreifenden Lieblingscharaktere gemausert hat. Allein wegen ihr könnte ich das Buch sofort nochmal lesen!

Wahrscheinlich könnt ihr euch diesen Teil schon denken: Sofies Welt kostet im Taschenbuch 9,99€ bei Amazon und bekommt von mir volle 5/5 Sternen.

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