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Serapionsbrüder #07 – Die Bergwerke zu Falun

k-WP_20151112_003Die heutige Geschichte ist eine kurze Erzählung eines historischen Ereignisses. Denn im Bergwerk von Falun kam es im 17. Jahrhundert tatsächlich – an der Mittsommernacht – zu einem ziemlich fatalen Einsturz, bei dem aber glücklicherweise niemand verletzt wurde. Dennoch gründete sich auf diesem Ereignis eine literarische Tradition, die nicht nur von Hoffmann, sondern später auch von Hoffmannsthal und Trakl aufgegriffen wurde.

Der junge Ellis war in der Ostindien-Kompanie beschäftigt und fuhr zur See. Während einer Seefahrt starb jedoch seine Mutter und er konnte nicht da sein – was ihm das Herz bricht. Einem Bergarbeiter klagt er sein Leid und wird von diesem dazu überredet, selbst in den Bergbau zu gehen und so kommt er in dieses Bergwerk. Schnell fügt er sich dort ein und steigt zum angesehenen Bergarbeiter auf. Insbesondere die Tochter seines Vorgesetzten hat es ihm angetan und so kommt er ihr mit der Zeit näher und plant, sich mit ihr zu vermählen.

Eines Tages begegnet er in der Grube jedoch einem ‚Grubengeist‘, der ihm sagt, er dürfe seine Arbeit nicht auf Basis weltlichen Lohns durchführen, sondern seine Motivation für die Arbeit müsse aus ihm heraus kommen, der Arbeit wegen, seine Motivation dürfe nicht die Ehe sein. Weil Ellis zu seinen Gefühlsgeständnissen durch eine inszenierte Ehe genötigt wurde, ist er zusätzlich verunsichert.

Am Tag, als die Hochzeit stattfinden soll, verschwindet der Bräutigam im Bergwerk und will dort nach einem ganz besonderen Stein graben. Kurz darauf kommt die Meldung, dass das Bergwerk eingestürzt ist und Ellis ward nie wieder gesehen. Die Braut hingegen hat sich nie neu vermählt und erst 50 Jahre später, als seine Leiche geborgen wird, wird sie durch den Anblick der Leiche erlöst.

Ich bin begeistert. Offene und ehrliche Begeisterung über diese Geschichte prägten meinen Leseprozess. Nachdem es die letzten Male immer so ein wenig schwierig war und die Geschichten mich nicht unbedingt mitreißen konnte, klappte das hier zum ersten Mal so wirklich. Die Geschichte ist nicht nur spannend erzählt, sondern auch richtig düster, schauderhaft und fast ein bisschen angsteinflößend. Ähnlich angespannt ist dann die Stimmung der Serapionsbrüder nach dieser Geschichte, auch wenn sie gut aufgenommen wird.

Thema der Geschichte ist nicht nur, wie so oft, die Heirat eines geliebten Mädchens, die, wie so oft nicht klappt, sondern auch die Erscheinung von Geistern. Sind ja Bergwerke geradezu prädestiniert für Spukphänomene, gibt es hier quasi einen Hausgeist, der etwas über die Motivation der Arbeit erzählt und auch noch direkt Prophezeiungen abgibt, die dann natürlich auch eintreffen. Ellis selbst ist nur ein Getriebener. Es wird klar, dass er selbst kaum aktiv handelt, er ist schon an dem Tod seiner Mutter zerbrochen und ist lässt sich nun nur noch treiben. Zunächst von dem Bergarbeiter, dem er sein Leid klagt, später von seinen Vorgesetzten und zuletzt vom Geist des Bergwerkes.

Dass diese Geschichte auch als ‚phantastisch‘ zu bezeichnen ist, ist nach meiner Schilderung wahrscheinlich ziemlich offensichtlich. Das Spukphänomen ist lebhaft und spannend beschrieben und das ist wohl auch die erste Geschichte, die ich euch, wenn ihr euch für Phantastik interessiert, wirklich weiterempfehlen möchte. Es sind nur ein paar Seiten, es lohnt sich hineinzuschauen und diese Konstellation von getriebenem Charakter und übersinnlichem Phänomenen in spätere Werke zu übertragen – mir fiel spontan einiges dazu ein. Vielleicht ist das nicht ihr erstes Auftreten in der deutschen Literatur, aber dieser – für die Romantik sehr typische – Text ist mit der Grund, warum ich mich mit Hoffmann beschäfitgen möchte. Es steckt viel drinne und ist gut und spannend zu lesen.

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