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Reckless: Steinernes Fleisch – Cornelia Funke

Von Cornelia Funke las ich im Laufe meiner Kindheit den Beginn der Tintenwelt-Reihe, schloss diese aber damals nicht ab, weil ich irgendwann im Laufe des zweiten Bandes die Lust verlor. In meiner Adoleszenz habe ich mir dann mal den dritten Band zugelegt und sie schließlich allesamt nochmal gelesen – wie ihr hier im Blog auch nachvollziehen könnt. Einige Zeit danach war ich immer wieder geneigt, auch mal die nächste Buchreihe von ihr, Reckless, zu lesen, kam aber lange Zeit nicht dazu. Als ich kürzlich den ersten Band in einem Bücherschrank fand, konnte ich dann nicht mehr an mich halten und las.

Ich tauchte ein in eine Welt, die sich ad-hoc von der realen Welt nicht unterschied, bis unser Protagonist schon nach einigen Seiten durch einen Spiegel im Büro seines verstorbenen Vaters eine Parallelwelt, die Spiegelwelt betritt. Eines Tages folgt ihm sein jüngerer Bruder, ohne dass er es mitbekommt und wird in der Parallelwelt von einem Goyle angegriffen, ihm beginnt eine Haut aus Jade zu wachsen. Jacob, der Protagonist, versucht alles, um seinem Bruder zu helfen und muss zu diesem Zweck auf die Hilfe der Feen zurückgreifen, denn die Jade, die ihm wächst, lässt ihn nicht zu einem gewöhnlichen Goyle werden, sondern zu genau jenem Jadekönig, der in den Prophezeiungen angelegt ist. Nachdem also der Versuch, ihn mit einem Hexenstrauch von der Jade zu befreien, gescheitert ist, geht es für ihn weiter zu den Feen – und das während gerade ein Krieg der Goyle gegen die Königstruppen im Gange ist – erstere werden von der dunklen Fee unterstützt. Es gelingt ihm abschließend, mit Hilfe der roten Fee die dunkle Fee zu verwandeln und erpresst dann die Rückverwandlung seines Bruders. Was er allerdings nicht bedacht hast, ist der Fluch der dunklen Fee, den er jetzt auf sich lasten hat.

Dass das Ende des Buches eine Fortsetzung geradezu forciert, kann man diskutieren, tatsächlich ist aber immerhin der erste Handlungsbogen abgeschlossen und Will wieder zurückverwandelt – die zentralen Fragen sind damit zwar abgeschlossen, aber natürlich möchte man wissen, ob Jacob es schafft, dem Fluch zu entkommen. Ich hatte in einer Rezension gelesen, dass das Buch schon auf eine künftige Verfilmung hin geschrieben sei – und diesen Eindruck kann ich bestätigen. Die Sätze sind sehr kurz gehalten, auch die Kapitel sind ziemlich kurz und man gewinnt den Eindruck, sie umfassen genau eine Szene – und so gibt es auch etliche Kapitel, was ganz gut ist, um sich das Buch in Häppchen aufzuteilen, aber dann problematisch wird, wenn man alle drei Seiten mit einer Leerseite und einem neuen Kapitelbild aus dem Lesefluss gerissen wird.

Die Spiegelwelt darf nicht unerwähnt bleiben. Es ist eine Welt, in der die klassischen Märchenfiguren real sind. Magische Gegenstände sind mal mehr, mal weniger elegant aus den Märchen der Brüder Grimm adaptiert (Rapunzelhaar…) und spielen tragende Rollen, werden aber eben als Hilfsgegenstände eingesetzt und nicht näher thematisiert. Man muss einräumen, dass diese intertextuellen Anspielungen gelungen sind und sich auch super dafür eignen, Jugendlichen das Motiv der Intertextualität nahezubringen, insgesamt wirkten die Grimmschen Motive für mich allerdings häufig recht plump eingesetzt. Und für junge Kinder ist das Buch eigentlich etwas zu brutal, zu gewalttätig, als dass ich es bedenkenlos meinem Grundschulkind in die Hand geben wollen würde – wenn ich denn ein solches hätte.

Inzwischen habe ich ziemlich viel Negatives über das Buch geschrieben – und restlos überzeugt hat mich Reckless auch nicht – aber dennoch ist das Buch einfach schön. Die Geschichte ist liebevoll und detailreich ausgestaltet, die Figuren haben Farbe und tragen Leben in sich – zumindest die Hauptfiguren – und es ist ein einfach schönes Jugendbuch. Die Rahmen in der echten Welt spielt kaum eine Rolle, viel zu viel Raum nimmt die Spiegelwelt ein. Fuchs, Jacobs Gefährtin ist eine der coolsten Frauenfiguren, die ich in Jugendbüchern bisher gesehen habe und generell ist Jacobs verschlossene, eigenbrötlerische Art für mich absolut sympathisch. Ich konnte mich gut in die Welt hineinversetzen und habe dann die Seiten förmlich verschlungen – daher ja auch die Kritik, aus dem Lesefluss gerissen zu werden.

Ich mochte Reckless gerne. Die Tintentod-Reihe gefiel mir noch einen Ticken besser, vor allem fand ich den Handlungsverlauf dort nicht so plump und ‚jugendbuchig‘ – Reckless merkt man seinen Jugendbuchcharakter schon recht deutlich an – Mut zu längeren Spannungsbögen, Frau Funke! Dennoch hatte ich einige schöne Stunden mit dem Buch und kann euch, gerade wenn es etwas leichtere Kost sein soll, Reckless durchaus empfehlen – und so vergebe ich 4/5 Sternen dafür. Für Jugendliche im Teenageralter definitiv eine Buchreihe, die sich lohnt – und auch für Erwachsene noch gut lesbar.

 

 

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