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#dbp18: Unter der Drachenwand – Arno Geiger

Arno Geiger ist in dieser Runde sicherlich der Popstar. Er gewann vor mehr als 10 Jahren den ersten deutschen Buchpreis und ist nun wieder mit einem Roman im Rennen. Kann das gut gehen?

Der Autor: Wie gesagt, in der Runde ist er einer der bekanntesten, obwohl ich tatsächlich noch nichts von ihm gelesen habe. Er ist studierter Philologe und schreibt seit mehr als 20 Jahren, inzwischen hat er ein gutes Dutzend Titel auf dem Markt – die Liste seiner Preise ist noch länger.

Das Buch: Schon wieder ein Titel, der irgendwas mit dem Krieg zu tun hat. Es ist eine Erzählung über einen Mann im fünften Kriegsjahr, in Russland verwundet, jetzt auf Urlaub in Österreich, wo er in der Leseprobe gerade ankommt. Es erwartet uns laut Verlag ein Buch über den Einzelnen im Krieg, für einen Kriegsroman geradezu ein klassisches Motiv, spätestens seit „Im Westen nichts Neues“ oder gar dem Epos „Die Wohlgesinnten“.

Die Sprache: Versatzstücke tauchen auf, sie sind mit /-Zeichen im Text markiert, der Roman ist also etwas montiert. Auch hier taucht ein Ich-Erzähler auf, wir erfahren nichts darüber Hinausgehendes, sondern erleben das Geschehen mit. Ich frage mich, wie zuverlässig der Erzähler ist, der immerhin von 5 Jahren im Krieg ziemlich traumatisiert sein muss und wie das sprachlich umgesetzt wird. Gut lesbar und verständlich ist es allemal.

Meine Einschätzung: Ich glaube nicht dran. Einerseits prämiert der Buchpreis selten sehr bekannte Leute, warum sollte man Geiger noch einen Buchpreis geben und zudem finde ich auch den Titel selbst nicht so übermäßig ansprechend. Sicherlich ein großes Kunstwerk, doch fehlt mir hier die Innovation, das Neue. Ich glaube nicht, dass wir den Titel noch auf der Shortlist finden.

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#dbp18: Wie kommt der Krieg ins Kind – Susanne Fritz

Bisher hatten wir noch nicht wirklich etwas, das man als leichte Kost beschreiben kann. Und auch dieser Roman macht da keine Ausnahme:

Die Autorin: Susanne Fritz ist ‚hauptberuflich‘ freie Regisseurin und schreibt seit einigen Jahren. Das hier besprochene Buch ist erst ihr dritter Roman und bis dato hat sich auch noch keine literarischen Auszeichnungen erhalten, schriftstellerisch ist sie also noch nahezu unbekannt.

Das Buch: Das Buch ist mit ‚Roman‘ unterschrieben, dennoch scheint ihm ein gewisser autobiographischer Gehalt innezuwohnen. Die Erzählerin – und sie wird in den diversen Besprechungen mit der Autorin gleichgesetzt – geht auf eine Reise in die Vergangenheit und möchte das Schicksal ihrer Mutter im russischen Arbeitslager nach dem zweiten Weltkrieg ergründen. In der Leseprobe fährt sie dazu ins polnische Staatsarchiv und wird von dem Fingerabdruck auf der Akte überwältigt

Die Sprache: Das Buch – oder zumindest die Leseprobe – ist sehr lebendig geschrieben, eine Ich-Erzählerin berichtet, was sie weiß und man ist sehr nah an der Erzählinstanz dran. Eine feine Ironie, die aber keineswegs höhnisch wirkt, ist eingewoben und macht das Buch so ein klein wenig leichter. Insgesamt ist es aber mehr das Thema als die auffällige Sprache, die das Buch so besonders macht.

Meine Einschätzung: Hier habe ich wirkliche Probleme, eine Prognose abzugeben. Die Idee scheint interessant, man weiß auch, dass sie hier einen Essay erweitert hat, es scheint also wirklich weniger ein Roman als eine Art Sachbuch über ihre Familie zu sein, den sie etwas literarisch niedergeschrieben hat. Obwohl ich das eigentlich recht spannend finde, rechne ich nicht damit, dass Susanne Fritz noch auf der Shortlist zu finden sein wird.

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Montagsfrage vom 03.09.2018

Guten Morgen zusammen,

es geht weiter mit der Montagsfrage! Nachdem Buchfresserchen die Montagsfrage abgegeben hat, hat jetzt Antonia von Lauter und Leise die Regie der Frage übernommen. Und es geht heute los mit einer geradezu klassischen Frage:

Was ist das letzte Buch, das du gelesen hast, was liest du momentan und welches Buch steht dieses Jahr auf jeden Fall noch auf deiner Leseliste? Wieso?

Ich habe als letztes Der Vampyr von Wolfgang Hohlbein beendet, lese gerade an Dan Browns Inferno und möchte dieses Jahr unbedingt noch Carrier of Evil von Robert Galbraith lesen. Und den möchte ich unbedingt lesen, weil in wenigen Wochen der vierte Band der Reihe. Dieser dritte Band liegt immerhin schon seit dem Erscheinungsdatum vor inzwischen fast drei Jahren hier herum. Ich hatte ihn sogar schon für das erste Halbjahr 2018 auf dem Plan, aber das habe ich leider nicht geschafft.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche und noch viel Spaß mit der Longlist!

Bis dahin!

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#dbp18: Sechs Koffer – Maxim Biller

Der Name Maxim Biller sagte mir zumindest entfernt etwas. Und es scheint auch, als sei dies einer der populäreren Autoren auf der Longlist.

Der Autor: Kind russisch-jüdischer Eltern, 1960 in Prag geboren, nach Westdeutschland emigriert. Man kennt Biller eher als Literaturkritiker in seinen Kolumnen und bei der jüngsten Neuauflage des literarischen Quartetts. Über seinen Roman Esra gab es eine Kontroverse, er wurde verboten, nachdem seine Ex-Partnerin ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sah. Auch er gewann schon einige Literaturpreise, sein großer Roman aus dem Jahr 2016, ein 900-Seiten Epos eines jüdisch-deutschen Familienepos, war nur wenig erfolgreich.

Der Inhalt: Wieder ein Familienroman, wieder im russisch-jüdischen Kontext aber wohl im Vergleich zu „Biografie“ etwas gezähmter. Ein Übersetzer holt seinen Onkel ab, nachdem er fünf Jahre wegen versuchter Republikflucht gesessen hat, die Tochter fragt ihn dazu aus. Gerüchteweise ist die Familie in den Tod des Großvaters verwickelt, in der Presse heißt es, der Roman sei ein ‚jüdischer Buddenbrooks‘, es spielt mal wieder im Ostblock.

Die Sprache: Biller schriebt klar und zügig erzählend – muss er auch, wenn er auf knapp 200 Seiten drei Generationen Familiengeschichte nacherzählen möchte. Die Erzählperspektive mäandert schon auf den ersten fünf Seiten zwischen allwissendem- und Ich-Erzähler, die Erzählung ist manchmal sehr überblicksartig, dann wieder sehr nah und dialogisch. Große Themen (Hat der Opa umgebracht?) und kleine Alltagsgegebenheiten (Ich kann dich nicht zur Schule bringen, weil ich meinen Bruder aus dem Gefängnis abholen muss), vermischen sich und machen das Buch für mich ziemlich interessant und dennoch flüssig lesbar.

Meine Einschätzung: Biller gehört zu einem der bekannteren Künstler der Liste. Diese haben ja häufig einen schweren Stand. Geschichten im oder über den Ostblock sind jedoch auch gerne mal sehr beliebt bei der Jury. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Roman den Buchpreis gewinnt, aber ein Kandidat für die Shortlist ist er vermutlich schon.

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#dpb18: Nachtleuchten – María Cecilia Barbetta

Beim zweiten Roman sagt mir insbesondere das Cover zu. Die dunklen Farben und der stilisierte Mond gefallen mir beide ziemlich gut.

Die Autorin: Maria Cecilia Barbetta ist Argentinierin, ihr Vater schickte sie auf die deutsche Schule und im Rahmen ihres Studiums hat sie sich in die deutsche Sprache verliebt. Sie arbeitete lange Jahre als Spanischlehrerin, ist promovierte Germanistin und ist eigentlich erst durch die Arbeitslosigkeit zum Schreiben gekommen. Ihr Output ist mit zwei Romanen in 10 Jahren sehr überschaubar, die Liste der Preise, die sie erhielt, im Verhältnis sehr umfangreich. Selbst der aktuelle Roman wurde bereits in der Manuskriptphase (damals noch unter dem Titel Bloody Mary) mit dem Alfred Döblin Preis ausgezeichnet

Das Buch: Wir befinden uns am Vorabend eines Umsturzes in Argentinien. Im Fokus steht ein junges Mädchen, dass die allabendlichen Streits ihrer Eltern verfolgt, immer hofft, dass sie nicht eingreifen muss und die von der Liebe ihrer Mutter zehrt. Ihre Mutter ist schwanger – und das ist für sie ein Schock, den sie zunächst nicht überwinden kann. So beginnt der Roman zumindest. Weiter soll es gehen mit einem Aufbruch in eine neue Zeit, der aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird.

Die Sprache: Ausufernd beschreibt die Sprache des Buches wohl ziemlich gut. In den gut vier Seiten Leseprobe ist eigentlich nichts passiert, es ist ein scheinbar normaler Morgen, das Mädchen erhält nur die Nachricht, dass sie Schwester werden wird. Es ist sehr umfangreich, sehr detailliert, aber auch kontralinear, mit Abschweifungen, Vorausdeutungen und Rückblenden beschrieben. Sich hierdurch zu lesen könnte eine sehr spannende Reise werden, verworren und etwas überladen auf jeden Fall.

Meine Einschätzung: Ich möchte das Buch sehr gerne lesen. Vielleicht lese ich es auch, wenn es den Buchpreis nicht bekommt. Ich kann mir die Shortlist gut vorstellen, hoffe vielleicht sogar auf den Preis. Mit über 500 Seiten ist das Buch aber recht umfangreich und ich kann mir auch vorstellen, dass es in der Länge nicht ganz überzeugen kann.

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#dbp18: Lebt wohl Ihr Genossen und Geliebten! – Carmen-Francesca Banciu

Unser erstes Buch – wie beschrieben gehen wir bei der Bearbeitung der Longlist alphabetisch vor – stammt von Carmen-Francesca Banciu und ich muss zugeben, ich habe diesen Namen noch nie gehört.

Die Autorin: Mit 62 Jahren zählt sie eher nicht zu den ‚jungen‘ Autoren der Longlist, sie ist Deutsch-Rumänin und schreibt immerhin schon seit fast 35 Jahren. Mit kaum einem Dutzend Werken ist ihr Œuvre recht überschaubar und auch sonst ist sie ein relativ unbeschriebenes Blatt. Sie hat vor über 30 Jahren mal einen Kurzgeschichtenpreis gewonnen und arbeitet viel in den Vereinigten Staaten. Diese Nominierung dürfte das erste Mal sein, dass sie der deutschen Öffentlichkeit bekannt wird.

Das Buch: Es soll um den Tod eines Patrioten gehen, verspricht uns der Untertitel des Buches. Ein gläubiger Sozialist stürzt und ist fortan pflegebedürftig. Das Buch beschreibt den Kampf der Tochter, die nach Rumänien zurückkehrt und nun als weltoffene Frau mit den alten sozialistischen Freunden ihres Vaters konkurriert. Ein Blick auf die Biographie der Autorin suggeriert autobiographischen Gehalt des Buches.

Die Sprache: Mein Literaturprofessor definierte Gedichte mal als ‚die Texte, bei denen so viel Weiß am Rand ist‘. Nach dieser Definition ist dieses Buch kein Roman, sondern ein Gedicht. Es reimt sich zwar nichts, und mit über 300 Seiten ist das Buch auch sehr lang für ein Gedicht, aber es ist in Versen geschrieben. Mich erinnert der Stil ein bisschen an den von Paul Celan, die Leseprobe beschrieb ein Begräbnis, dass von vielen Verswiederholungen geprägt war, manchmal wurden Verse leicht variiert. Das macht es ein wenig schwer, an den Inhalt zu kommen, ich denke insgesamt, ist dieses Buch ziemlich schwer zu lesen, trotz oder gerade wegen der vermeintlich verdichteten Sprache.

Meine Einschätzung: Auf der Shortlist ist ja häufig noch ein Buch vertreten, das völlig aus dem Rahmen herausfällt. Der Gewinner selbst ist dann zwar meistens ein ‚normaler‘ Roman, ich glaube daher nicht an ihren Sieg, aber könnte mir das Buch einfach wegen seines völlig anderen Stils gut auf der Shortlist vorstellen.

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Buchpreis 2018: Die Longlist

—  ACHTUNG ACHTUNG —

Sehr geehrte Besucher von romanfresser.de,

wir unterbrechen das laufende Blogprogramm für eine wichtige Mitteilung:

Wie die meisten von euch sicherlich mitbekommen haben, ist in der vergangenen Woche die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018 bekanntgegeben worden. Wie immer sind es 20 Titel geworden, aus denen werden in den nächsten Wochen sechs Stück ausgewählt, bis dann Mitte Oktober der Gewinner im Kaisersaal des Römers bekanntgegeben wird. Ich werde, so es denn klappt, den Livestream der Verleihung schauen und mir den Gewinnertitel bestellen. Doch in diesem Jahr möchte ich mit euch ein spannendes Projekt wagen:

Es gibt von allen zwanzig Büchern Leseproben, zirka vier Seiten lang. Diese Leseproben gibt es gratis in der Buchhandlung eures Vertrauens als kleines gebundenes Büchlein und ich habe mir ein solches Büchlein besorgt. Mein Ziel ist es nun, bis zur Preisverleihung im Oktober alle Leseproben zu lesen und euch kurz (<200 Wörter) vorzustellen. Mir geht es dabei um Inhalt, Sprache (immerhin ist es nicht nur Unterhaltung, sondern Kunst) und meinen persönlichen Eindruck und die Chancen, die ich mir für den Titel ausrechne. Ich bin sehr gespannt ob das klappt und hoffe, ihr habt etwas Spaß damit. Alle anderen Aktivitäten auf diesem Blog (außer der Montagsfrage) pausieren dabei bis auf weiteres und geplant ist, jeden zweiten Tag ein neues Buch vorzustellen. Ich hoffe, damit kann ich die letzten ruhigeren Monate wieder etwas gutmachen.

Hier also die Liste:

Carmen-Francesca Banciu: Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten!
María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten
Maxim Biller: Sechs Koffer
Susanne Fritz: Wie kommt der Krieg ins Kind
Arno Geiger: Unter der Drachenwand
Nino Haratischwili: Die Katze und der General
Franziska Hauser: Die Gewitterschwimmerin
Helene Hegemann: Bungalow
Anja Kampmann: Wie hoch die Wasser steigen
Angelika Klüssendorf: Jahre später
Gert Loschütz: Ein schönes Paar
Inger-Maria Mahlke: Archipel
Gianna Molinari: Hier ist noch alles möglich
Adolf Muschg: Heimkehr nach Fukushima
Eckhart Nickel: Hysteria
Josef Oberhollenzer: Sültzrather
Susanne Röckel: Der Vogelgott
Matthias Senkel: Dunkle Zahlen
Stephan Thome: Gott der Barbaren
Christina Viragh: Eine dieser Nächte

 

Also dann, ab übermorgen geht es los. Ich bin gespannt!

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Der Vampyr – Wolfgang Hohlbein

Das Bild dieser Rezension kam in diesem Blog schon einmal vor. Das liegt daran, dass ich die ersten vier Bände der Chronik der Unsterblichen in zwei kostengünstigen Doppelbänden besitze. Diese werden zwar aktuell nicht mehr gedruckt, ich habe sie aber recht günstig gebraucht bekommen und wollte diese als Chance nehmen, um zu schauen, ob mir diese Reihe zusagt. Und bisher kann ich sagen: Ja, das tut sie!

Im zweiten Band sind unsere beiden Helden auf dem Schiff des Piraten und Sklavenhändlers Abu Dun, aus dessen Gewalt sie die 100 Sklaven befreien wollen, die aus Frederiks Dorf stammen. Doch gerade als es einen Deal zwischen Abu Dun und Andrej gibt, kommt ein Schiff der Inquisition und versenkt den Piratensegler. Andrej und Abu Dun, die sich retten können, schmieden eine Art Frieden, um nun dem Inquisitor und den schwarzen Männern Herr zu werden. Sie stoßen bald auf den grausamen Fürst Tepesch, der sich den Gegnern aus dem Orient stellt, die gerade in das Land einfallen. Es kommt dann zu einigem Hin und Her, zunächst ist Tepesch eine Art Verbündeter, dann wird er zum Feind und schließlich gibt es einen Pakt mit dem Anführer der Türken, nachdem klar ist, dass Tepesch Andrej und Frederik erst gehen lässt, sobald sie ihm das Geheimnis der Vampire verraten haben – was natürlich nicht möglich ist. Schließlich flieht Andrej nach der Hinrichtung des Inquisitors durch Tepesch – als „Vertrauensbeweis“ – und verbündet sich mehr oder weniger ungewollt, weil er Abu Dun wiedertriftt, mit den Türken, um Tepsch zu besiegen. Das gelingt jedoch nur so halb, zwar stirbt Tepesch, der Draculea, durch die Hand Frederiks, allerdings scheint Tepeschs Geist im Todeskampf mit Frederik diesen besessen zu haben.

Durch den Auftritt von Draculea alias Tepsch sind nun Zeit und Ort der Handlung relativ klar. Wir sind im 15. Jahrhundert in der Walachei, im heutigen Rumänien. Auch was Andrej so alles an Vampirfähigkeiten hat, ist so langsam aber sicher ein wenig abgesteckt. Auch die Episodenstruktur ist relativ gut gelungen. Man hätte die Reihe hier durchaus beenden können, aber es ist auch durchaus genug Raum für eine Fortsetzung da, sodass es auch gerne weitergehen kann – ich freue mich jedenfalls darauf.

Es ist ganz spannend, dass die Hohlbein-Bücher von vor zwanzig Jahren ähnliche Schwachstellen wie die heutigen aufweisen, allerdings fallen diese hier noch nicht so sehr ins Gewicht. Es gehört einfach zu Hohlbein, dass alle paar Seiten eine Kampfszene kommen muss, dass die Helden teilweise enorm heftig verletzt werden und dass die Seiten sich häufig und manchmal durchaus nicht völlig nachvollziehbar wechseln. Es gehört aber auch zu Hohlbein, dass die Geschichte spannend und fast schon etwas atemlos erzählt werden. Und auf der kurzen Strecke von knapp 350 Seiten weist das Buch auch meiner Ansicht nach keine Längen auf, man hätte sich sogar gewünscht, dass es noch ein wenig langsamer geht. Ich hätte mir beispielsweise etwas mehr ‚historischen‘ Anteil gewünscht, wir sind in Südrumänien, aber eigentlich könnte der Schauplatz auch überall sein; ich finde, die Besonderheiten genau dieses Ortes und dieser Zeit kommen nicht so richtig durch.

Das trübte aber meinen Lesespaß nur ein wenig, insgesamt fand ich auch diesen zweiten Band sehr gelungen und finde es sehr angenehm, mal wieder etwas länger in eine etwas komplexere Welt einzutauchen. Worldbuilding, wie es andere High-Fantasy-Autoren machen, sucht man in diesem Band eher vergeblich suchen, es geht wirklich nur um die drei protagonisten, der Rest der Charaktere ist im Prinzip austauschbar – das führt aber auch dazu, dass sich zumindest dieser Band recht gut weglesen lässt, ohne dass zu viel Zurückblättern und ‚Wer war denn das jetzt wieder‘ nötig ist. Für weniger anspruchsvolle Fantasyleser also gefundenes Fressen. Dafür vergebe ich gerne 4/5 Sternen.

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Die vier Verdächtigen – Agatha Christie

Weiter geht es mit dem Dienstagabendklub, sozusagen dem Revival dieses Clubs. Dieses Mal ist Sir Henry Clithering, der ehemalige Polizist an der Reihe und erzählt von einem Fall, der sehr lange unaufgeklärt blieb.

Dr. Rosen war ein Spion in Deutschland und half dort, eine Geheimorganisation zu zerschlagen. Er flieht nach England, um dort unterzutauchen und der sicheren Verfolgung zu entgehen. Doch schon bei der Unterredung mit Clithering, der eingeweiht ist, ist er überzeugt, dass sein Tod nur noch eine Sache von einigen Wochen oder Monate ist. Und tatsächlich stirbt er nach einiger Zeit. Er fällt einfach die Treppe hinunter und stirbt, als ob es ein Unfall wäre. Aber das wäre doch wirklich ein großer Zufall. Es gibt nur vier Verdächtige, die in Betracht kommen könnten: Eine ältere Haushälterin, ein Sekretär, ein Gärtner und seine Nichte. Alle vier haben ein gutes und schlüssiges Alibi und gelten als unverdächtig, alle vier haben jedoch auch theoretisch die Chance zum Mord gehabt. Lediglich der Sekretär, der ein Agent der Polizei war, gilt zumindest für Clithering als unverdächtig.

Die Geschichte wurde ausgewählt, um zu illustrieren, dass es häufig ein Problem ist, wenn die Mörder einer Tat nicht gefunden werden. Denn wäre der Mörder hier eindeutig identifiziert worden, wäre die Unschuld der anderen drei zweifelsfrei nachgewiesen worden. So mussten alle vier mit dem latenten Verdachtsmoment leben, was für alle von ihnen sehr unangenehm war. Schließlich kann aber Miss Marple Licht ins Dunkle bringen und so erraten, was Clithering erst lange Zeit später per Zufall erfuhr.

Nach einigen Miss-Marple-Geschichten, die ich zwar durchweg recht gut, aber nicht völlig gelungen fand, hat mich diese Geschichte wieder völlig in den Bann gezogen. Ein kleines, völlig geschlossenes Setting in dem gar nicht mal viel auf einen Mord deutet – insgesamt also eine verzwickte Sache. Kein Wunder, dass hier nicht richtig ermittelt werden konnte. Und obwohl mir eigentlich relativ schnell klar war, dass es einen Mörder geben muss und dass es irgendwas mit der Tagespost zu tun hat – denn mehr Kommunikation zur Außenwelt gab es nicht und warum hätte sonst vom einen auf den anderen Tag ein Mord passieren sollen – hatte ich mal wieder nicht den blassesten Schimmer. Ich wäre wohl auch kein guter Kriminalkommissar, denn obwohl die Geschichten eigentlich genug Hinweise geben, gelingt es mir nie, etwas damit anzufangen. Die Idee des untergetauchten Spions ist für Christie nicht besonders untypisch, gefiel mir aber dennoch ausgesprochen gut. Insgesamt also eine sehr spannende Geschichte, für die ich gerne auch mal wieder 4/5 Sternen gebe. Ich bin nun gespannt auf das letzte Drittel des Dienstagabend-Klubs.

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Monatsliste vom Juli 2018

Reichlich spät kommt diesen Monat die Monatliste. Denn zumindest blogtechnisch war der letzte Monat relativ mau. Das liegt zum einen daran, dass ich die Bücher dieses Monats parallel gelesen habe und somit erst gegen Ende mit ihnen fertig wurde, zum anderen ist zwar im letzten Monat ein wenig Lesezeit angefallen, zum Bloggen kam ich aber leider nur wenig. Das soll sich diesen Monat auf jeden Fall wieder ändern, ich bin gerade dabei, das ganze gelesene des letzten Monats vorzubereiten und werde das dann im Laufe des Monats verbloggen – und ich hoffe, es kommt noch einiges Neues dazu. Leider war dieser Monat zwar lesetechnisch wieder halbwegs im Rahmen – es sind mal wieder über 800 Seiten geworden – aber mein SuB hat leider nicht weiter abgespeckt. Dafür war der Bücherschrank zu verführerisch. Dort fand ich zwei Terry Pratchett Romane. Ich wollte den Autoren ja schon immer mal lesen, kam aber irgendwie nicht dazu. Und obwohl das jetzt nicht der erste Band der Scheibenwelt-Reihe ist, dachte ich, es ist trotzdem ein ganz guter Start, diese beiden Bücher zu lesen. In diesem Sinne, hier die Zahlen:

Gelesen:

Der Vampyr – Wolfgang Hohlbein (coming soon, 348 Seiten)
Academia Obscura – Glen Wright (coming soon, 266 Seiten)
Hanni und Nanni: Das Rätsel um die Neue (#24) (coming soon, 154 Seiten)
Die vier Verdächtigen – Agatha Christie (coming soon, 17 Seiten)
Eine Weihnachtstragödie – Agatha Christie (coming soon, 20 Seiten)
Das Todeskraut – Agatha Christie (coming soon, 15 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 554 Seiten, 17,9 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 266 Seiten, 8,5 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 820 Seiten, 26,4 Seiten pro Tag

Aus dem Bücherschrank:
Lords und Ladies – Terry Pratchett
Ruhig Blut – Terry Pratchett

End-Sub-Stand: 110 (+-0)