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Jerry Cotton #577 – Staatsempfang für einen Mörder

Von der bekannten Serie Jerry Cotton werden regelmäßig Sammelbände veröffentlicht. Es gibt dabei einen aktuellen Sammelband, aber es gibt auch inzwischen eine weitere Serie an Bänden: Die „Classic-Ausgabe“, in der Bänder aus den frühen Jahren wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Natürlich nennt der Verlag weder Erscheinungsdatum – immerhin das Jahr ist angegeben – noch Nummer der Originalveröffentlichung. Für meinen vorliegenden Sammelband werde ich das also mal wieder selbst recherchieren müssen. Ich habe übrigens den Sammelband 1109, den ich Anfang 2017 in einer Bahnhofsbuchhandlung erstanden habe

Das erste Band – immer drei Heftromane sind, ihres Umschlags beraubt, mit einer Klebebindung zusammengebunden worden – heißt Staatsempfang für einen Mörder und hatte im Original die Nummer 577 und muss irgendwann im Jahr 1968 erschienen sein, das genaue Datum habe ich leider nicht herausgefunden.

Wie so oft muss Jerry Cotton in einem Mordfall ermitteln. Dieses Mal ist es besonders pikant, weil ein Kollege des FBI getötet wurde und er in dessen Umfeld sehr vorsichtig ermitteln musste. Sie stoßen auf ein Bild, das ein Motiv zu sein scheint und überlegen noch, ob es sich um eine Fälschung handelt. Doch damit kollidieren sie mit einer anderen Entwicklung des Falls, sodass sich der Gesuchte schließlich selbst als Ermittler erweist und am Ende der eigentliche Täter gefasst werden kann.

Verzeiht die etwas undurchsichtige Handlungswidergabe, aber es ist inzwischen einige Zeit her, dass ich das Heftchen gelesen habe. Ihr merkt also, dass die Handlung nicht so sonderlich eingängig ist. Sie wirkte für mich wie eine von Deutschen ausgedachte folge einer x-beliebigen amerikanischen Krimiserie. Die Protagonisten verhalten sich nicht wirklich amerikanisch und – was mich am letzten Jerry-Cotton-Heft, das ich las, schon massiv störte – diese seltsame amerikanische Formulierung „Girl“, für alles, was weiblich und noch nicht der vorletzten Generation zuzuordnen ist. Ich finde das persönlich ziemlich furchtbar.

Davon abgesehen ist der Band eigentlich ganz gelungen. Wenn ich jetzt etwas abschätzig darüber spreche, dass er wie eine Krimiserie wirkt, ist das eigentlich ein Kompliment, denn immerhin will der Band auch eine Krimiserie sein. Sie ist von deutschen Autoren geschrieben und es ist zweifelsohne kein schlechter Band. Die Krimihandlung ist schlüssig erzählt, von der Sprache abgesehen, ist es zweifelsohne ein tauglicher Krimi. Man merkt durchaus, dass es ein wenig in der Vergangenheit spielt, die ganze Technik ist nicht mehr auf dem aktuellen Stand – das ist aber auch schon alles.

Insgesamt gibt es zu dieser Heftreihe weniger zu sagen, als erwartet. Es sind solide Heftromane, die ihren Zweck erfüllen. Ich werde die anderen beiden Romane sicherlich auch noch lesen und werde damit vermutlich eine vergnügliche Stunde in der Bahn verbringen. Es ist auch nicht so, dass ich euch diese Heftchen nicht weiterempfehlen würde. Aber von dem nervigen Girl abgesehen, gibt es nichts weiter zu berichten, als dass der, der auf solide Krimikost steht, mit diesen Heftchen sicherlich seinen Spaß haben wird – das Spannungslevel ist auf konstant anständigem Niveau und heftromantypisch gibt es auch kaum Längen oder Nebenhandlungen. Insgesamt gebe ich aus diesem Grund für das Heftchen gerne 3/5 Sternen – auch wenn ich jetzt nicht so viel dazu schreiben konnte.

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Montagsfrage vom 22.05.2017

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Guten Abend zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Wurdest du schonmal gespoilert? Hast du wegen eines Spoilers ein Buch mal nicht zu Ende gelesen?

Ich muss zugeben, dass ich eigentlich kein Problem mit Spoilern habe, gerade bei Klassikern spoilere ich mich bewusst vorher, damit ich mehr vom Buch mitbekomme, als nur den Inhalt. Und auch bei Romanen habe ich eigentlich kein Problem damit, das Ende ist doch nur in wenigen Fällen wirklich spannend, unerwartet oder wirklich das lange Lesen wert – es geht doch eigentlich um den Weg dahin. Lediglich bei Krimis finde ich es ganz schön, vorher das Ende nicht zu kennen, deshalb versuche ich das auch im Blog entsprechend in meinen Rezensionen so zu halten, wobei es einfacher ist, über ein Buch zu schreiben, wenn man etwas mehr verrät. In diesem Sinne: Spoiler sind voll okay.

Ich wünsche euch eine gute Woche und hoffe, euch pünktlich zwei Beiträge liefern zu können – einen muss ich noch schreiben, ich hoffe, dass ich das dann schaffe.

Bis dahin!

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Neuzugänge #28: Sommer 2016

Es sind mal wieder einige neuen Bücher hier eingezogen – und nachdem ich jetzt schon über ein halbes Jahr keine Neuzugänge vorgestellt habe, wird es mal wieder Zeit, diese ganzen Bücher vorzustellen. Wir fangen heute an mit den Büchern, die sich im vergangenen Sommer, also von Juli bis September 2016 bei mir eingefunden haben – was für drei Monate erfreulich weniger sind. Denkst man jedoch an die parallele Leseflaute, waren es dann doch wieder einige.

Der Name der Rose – Umberto Eco

Einer dieser modernen Klassiker. Umberto Eco war ja so etwas wie ein moderner Universalgelehrter. Ein großartiger Schriftsteller und Journalist, dabei noch Philosoph und schließlich auch eine wichtige Figur der modernen Sprachwissenschaft. Und Der Name der Rose ist so etwas wie sein Hauptwerk. Zufällig fand ich dieses Buch in einem Bücherschrank um die Ecke. Ich habe noch nicht wirklich eine Vorstellung davon, was mich damit erwarten wird, aber ich bin gespannt.

Lasset die Kinder zu mir kommen – Donna Leon

Von Donna Leon hatte ich ja zunächst mal zwei Bände gelesen und war noch nicht so wirklich begeistert. Als ich dann einige englische Bände gelesen hatte, fand ich das durchaus spannender und so kam ich dazu, es jetzt noch einmal zu probieren. Auf einem Stapel mit Mängelexemplaren fand ich einige Bände einer Jubiläumsausgabe mit einem hübschen Leinenanband für sehr geringes Geld – weshalb ich es einfach mal mitnahm und dann auch ziemlich bald las. Tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht – gerade angesichts des Preises.

The Old Man and the Sea – Ernest Hemmingway

Lange war ich hinter diesem Buch her. Schon seit einigen Jahren beobachte ich immer wieder die Preise für die englische Ausgabe dieses Klassikers. Es ist ein weltbekanntes und millionenfach verkauftes Buch – alleine das reicht mir oft schon, um ein Buch zu lesen – aber Hemmingway gilt ach als herausragend guter Schriftsteller. Nun, kurzum: Die knappen 7 oder 8€, die das Buch kosten soll, fand ich für einen englischen Klassiker mit kaum 100 Seiten schon relativ ordentlich, weshalb ich mich immer etwas zurückhielt. Dann kam da ein Bücherschrank – in denen man ohnehin schon recht selten englische Bücher findet – und das Buch war mein. Ich bin sehr gespannt und glaube, das Buch wird nicht mehr lange auf meinem SuB liegen.

Winnetou I & II – Karl May

Seit einigen Monaten lasse ich den Bücherschrank um die Ecke etwas in Ruhe. Der Grund ist, dass ich einige Zeit lang bei nahezu jedem Besuch ein Buch fand. Einmal waren dann auch einige Bände von Karl May enthalten und ich war kurz davor, meinen SuB um ein Dutzend Titel zu erweitern. Glücklicherweise konnte ich mich ein wenig dämpfen und so wurden es nur die zwei Winnetou-Titel. Ich werde ohnehin vermutlich niemals die gesamte Reihe der Karl-May-Reiseerzählungen lesen können (und wollen) und so will ich mich doch ein wenig auf einige Klassiker beschränken. Winnetou ist ohne Zweifel einer davon und so nahm ich schließlich diese beiden Bücher mit. Mal schauen, wann ich dazu komme.

Aussat und Kosmos – Erich von Däniken

Ich hatte ja schon Dänikens Bestseller gelesen und fand es ja relativ interessant, sich damit auseinanderzusetzen, was er da schreibt. Nun frage ich mich, wie es dieser Autor schafft, seit über dreißig Jahren immer wieder neue Bücher zu schreiben. Ich habe schon gehört, dass es immer wieder einen Neuaufguss der alten Theorien sein soll. Und das möchte ich mir jetzt nochmal anschauen, weshalb ich noch zumindest mal ein weiteres Buch von ihm lesen wollte. Und nun – ihr merkt diesem Post schon einen gewissen Trend an – in einem Bücherschrank (diesmal war es ein anderer) fand ich noch eines dieser Bücher. Und ich nahm es mit. Aber ich glaube, ich brauche noch ein wenig, bis ich mich Däniken mal wieder nähern kann.

In diesem Sinne, so viel erstmal für heute. Im nächsten Post soll es dann um den Herbst gehen, um September, Oktober und November, denn auch dort habe ich mich zwar angenehmerweise etwas zurückgehalten, einige Neuzugänge gab es dennoch.

Bis zum nächsten Mal!

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Der schwarze Mond – Gabriele Beyerlein

Ich bin ja immer für hübsch gemachte Kinder- und Jugendbücher zu haben, nicht nur, weil mir das für meinen späteren Beruf gut tut, wenn ich da über einen gewissen Fundus verfüge, sondern auch, weil schöne Kinderbücher auch toll zu lesen sind und eigentlich immer ein paar entspannte Lesestunden garantieren. Das heutige Buch stammt von einer Autorin, von der ich noch nicht viel gehört habe, obwohl sie offenbar in meiner Stadt wohnt. Es wurde seit seinem Erscheinen vor 16 Jahren mehrere Male neu aufgelegt und ist inzwischen wieder als Independent-Veröffentlichung erhältlich.

Unser Protagonist heißt Jens, ist 10 Jahre alt und gerade in eine neue Stadt gezogen, in der er noch niemanden kennt. Er beobachtet schließlich drei Jungs beim Spielen und als diese Jungen dann auf dem Flohmarkt noch seltsame Gegenstände kaufen, folgt er ihnen heimlich in den Wald und gelangt durch einen Brunnen dort in eine andere Welt. Nachdem er zuerst vom Medicus gefangen genommen und vom Elfenkönig befreit wurde, erfährt er, dass in dieser Welt ein Herzog herrscht, der die Macht von der Königin an sich gerissen hat – mit Hilfe des Medicus! Jörg wirkt wie der Erfüller einer alten Prophezeiung, nach der ein Junge von außerhalb, die Zwillinge der Königin aus der Macht des Herzogs befreien und ihr damit wieder die Macht über ihr Reich zurückgeben soll. Wie Jens das anstellen soll, weiß er auch nach einem Besuch der Königin und mit hilfreichen Gegenständen des Elfenkönigs nicht. Auch als er drei mutige Ritter findet, wird das nicht klar. Doch als ihm dann sein Doppelgänger begegnet, er ein kleines Wechselspiel spielt und sich schließlich in einer knallharten Ausbildung zum schwarzen Ritter befindet, wird es brenzlig für Jens – doch so nah war er den Zwillingen noch nie zuvor.

Man spürt es dem Buch mit jeder Seite und man liest es auch meiner Inhaltsangabe unweigerlich an – Beyerleins Roman ist ein Kinder- und Jugendbuch. Es wird ab 11 Jahren empfohlen und liest sich auch genauso. Das ist gar nicht negativ gemeint, aber anders als Kinder- und Jugendbücher, die zu den besonders gelobten gehören und auch häufig von Erwachsenen gelesen werden – Michael Endes Titel mögen dafür als Beispiel herhalten – zielt dieses Buch mehr auf Kinder und auch auf jüngere Kinder ab. Es ist sprachlich recht modern gehalten und es ergibt sich dann ein schöner Kontrast von Jens moderner Jugendsprache mit der altertümelnden Sprechweise in der Parallelwelt.

Recht deutlich – zumindest für den erwachsenen Leser – wird im Buch auch eine gewisse Moral: Ein Mann muss nicht immer gefühlskalt und stark sein, denn wahre Helden dürfen auch mal weinen. Grundsätzlich ist das keine innovative Moral, könnte man meinen, aber es ist doch ein Modell, dass in den Köpfen vieler Jungen verwurzelt ist, dass sie keine Schwäche zeigen dürfen. Und da die Moral dem Buch nicht plump übergestülpt wird, sondern sinnvoll in eine plausible Geschichte eingewoben ist, gefällt mir ausgesprochen gut.

Dabei ist nichts an dem Buch wirklich neu. Der Weltenübergang hat schon etwas vom berühmten Kleiderschrank nach Narnia, die dortige Welt ist eine relativ normale Fantasy-Location, die Moral ist auch nicht unbedingt eine neue Idee und auch das Motiv des Frisch-Zugezogenen, der noch über kein soziales Netz verfügt und sich so in eine andere Welt verirrt, ist auch keine neue Idee, die man noch nirgendwo gelesen hat. Beyerlein spielt mit bekannten Motiven aus der Jugendliteratur und setzt sie in guter, angenehm zu lesender Form um.

Für einen 10-jährigen mag ein 300 Seiten langes Buch vielleicht etwas abschreckend wirken, es liest sich jedoch wirklich schnell und flüssig und es wirkt auch nicht wie eines der klischeehaft auf möglichst jugendlich getrimmten Bücher, die von Kindern und Jugendlichen dann meistens verschmäht werden. Es ist aber auch keines der Bücher, die man als Erwachsener unbedingt lesen muss, weil sie so berührend, so wundervoll oder so magisch sind, dass sie Kinder und Rentner zusammen vor ein Buch bewegen können. Beyerlein hat mit „Der schwarze Mond“ ein Buch geschrieben, das Kinder mit phantastischen Welten in Berührung bringt, ihnen noch ein gewisses Wertesystem mit auf den Weg gibt und das sich sicherlich gut im Bücherregal eines Mittelstufenschülers macht. Alleine, weil es durch die verschiedenen Sprachregister das Sprachbewusstsein und den Wortschatz der Kinder erweitert. Ich gebe 3,5/5 Sternen für ein gelungenes aber nicht umwerfendes Kinderbuch und bin froh, es mal in meinem Kanon mit aufgenommen zu haben.

 

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Montagsfrage vom 15.05.2017

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Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage,

heute geht es um ein Thema, zu dem ich leider mal wieder nicht so viel beizutragen habe:

Gibt es ein Buch, dass du früher richtig gern mochtest, aber inzwischen nicht mehr?

Natürlich muss ich manchmal Meinungen ein bisschen revidieren. Die Harry-Potter-Reihe, deren ersten drei Bände ich als Kind verschlang, habe ich seitdem nicht mehr angefasst (wobei ich sie durchaus mal fertig lesen möchte) und die ganzen Erstleser-Bücher würde ich jetzt heute nicht mehr so zu meinen Favoriten zählen. Aber die prägenden Bücher meiner Kindheit, Ende und Hohlbein, lese ich heute noch mit ähnlichem Genuss wie früher. Klar sieht man das etwas anders und differenzierter, aber dass ich ein Buch gar nicht mehr mag, ist mir noch nicht untergekommen – und ich habe in den letzten Jahren einige Bücher meiner Kindheit neu gelesen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, hier geht es wie letzte Woche angekündigt am Mittwoch und Freitag mit zwei neuen Beiträgen weiter. Bis dahin!

 

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Monatsliste für April 2017

Nachdem der letzte Monat so unglaublich tolle Zahlen vorzuweisen hatte, war es ja klar, dass ich diese Zahlen nicht würde halten können. Dass es dann so mau aussieht, hätte ich mir jedoch nicht träumen lassen. Aber auch meine Blogaktivität spiegelt sich in meinen Lesezahlen wieder. Wenn ich kaum etwas lese, kann ich auch kaum etwas bloggen. Ich hänge derzeit mitten in einem relativ langen Hörbuch, das noch nicht fertig ist und ich hatte zum Anfang des Semesters auch einige nicht-universitäre Sachen zu lesen. Die Klavierspielerin, die in der Liste ziemlich einsam auftaucht, ist auch nur im Kontext der Uni gelesen. Insofern sieht die Liste, was mein privates Lesen angeht, wirklich sehr traurig aus. Aber auch hier habe ich Hoffnung, dass sich das wieder einrenkt, wenn ich auch meinen Alltag wieder besser strukturiert bekomme. Und dann könnt ihr euch auch hier im Blog wieder auf ein wenig mehr Aktivität freuen. Letzten Endes sind es immer noch 800 Seiten geworden, das ist mehr als im Februar und zumindest ist es noch ein privates Buch geworden.

In diesem Sinne, belassen wir es dabei, hier die Zahlen:

Gelesen:
Die Klavierspielerin – Elfriede Jelinek (coming soon, 335 Seiten)
Der schwarze Mond – Gabriele Beyerlein (coming soon 316 Seiten)
Jerry Cotton #577 –  Staatsempfang für einen Mörder (coming soon, 65 Seiten)
Hanni und Nanni retten die Pferde (#19) (coming soon, 153 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 869 Seiten, 28,9 Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 869 Seiten, 28,9 Seiten pro Tag

Gekauft:
Der schwarze Mond – Gabriele Beyerlein

Geschenkt/Aus dem Bücherschrank:
Wolfsherz – Wolfgang Hohlbein
Der Greif – Wolfgang Hohlbein

End-SuB-Stand: 112

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Postdemokratie – Colin Crouch

Manchmal bin ich unsicher, ob ich ein Buch, dass ich primär für die Uni lese, auch hier in meinem Blog besprechen möchte – ich habe dabei meistens ein Kriterium: Wird das Buch bei einem Publikumsverlag veröffentlicht und richtet sich nicht nur an ein wissenschaftliches Publikum, ist nicht von einem Wissenschaftsverlag veröffentlicht worden. Ich würde vermutlich niemals ein Buch von Oxford University Press oder vom Nomos Verlag hier besprechen. Unser heutiger Titel stammt aus dem Suhrkamp-Verlag, der gerade im Bereich der (politischen) Soziologie viele Bücher aus der Wissenschaft veröffentlicht. Und dieses Buch hat auch über die Wissenschaft hinaus einen großen Nimbus ausgelöst – weshalb ich es hier auch gerne besprechen möchte.

Colin Crouch lehrte Governance und Public Management an der Universität Warwick und ist assoziiertes Mitglied des renommierten Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung – das Institut, dem Fritz Scharpf lange Zeit vorstand. Seit 2011 ist er emeritiert, bereits 2004 erschien jedoch sein Buch Post-Democracy, 2008 in deutscher Übersetzung. Seitdem sind zwei Nachfolgebücher erschienen und er ist bis heute präsent in den Medien und gilt gemeinhin als Advokat der Umverteilungspolitik.

In seinem Buch beschreibt er, dass wir seit den 80er Jahren zunehmend in einer postdemokratischen Zeit leben. Postdemokratisch heißt dabei, dass die demokratischen Institutionen weiterhin Bestand haben, wir gehen nach wie vor zu Wahlen – noch nie wurde in so vielen Ländern demokratisch gewählt, wie heute – aber das Regieren findet fernab demokratischer Legitimation statt. Beteiligung von Bürgern gibt es, wenn überhaupt, nur auf lokaler Ebene, Parteien veranstalten PR-Kampagnen statt inhaltlicher Wahlkämpfe und die inhaltlichen Absprachen finden in Arenen statt, die mit demokratischer Legimitation zu tun haben, gemeint ist hierbei Lobbyismus, Politikberatung und Lenkung in Regierungstreffen. Dabei lassen die Bürger das mit sich machen und werden sogar zunehmend uninteressierter an Politik – was für eine stetige Reproduktion des Systems sorgt. Zentraler Auslöser dafür ist die neoliberale Politik; der Abbau des Sozialstaates, die zunehmende Ökonomisierung der Gesellschaft und die Übertragung  von betriebswirtschaftlichen Prinzipien auf Staatshandeln und Gesellschaftsorganisation. In diesem effizienzorientierten Paradigma ist natürlich der Wille der Bürger meistens das ineffizienteste, was es gibt – vereinfacht gesagt.

In sechs Kapiteln wird diese Annahme mit all ihren Befunden ausgebreitet und auch relativ eindeutig dafür Stellung bezogen, Wege aus dieser Falle der Postdemokratie zu finden.

Ich muss sagen, mich hat das Buch ziemlich beeindruckt. Mit unter 200 Seiten ist es relativ kurz und für ein Fachbuch enorm gut und verständlich zu lesen. Wer sich noch nie mit derartigen Fragestellungen beschäftigt hat, wird etwas Mühe haben, aber kann das Buch auch gut verstehen, wer sich schon mit dem Themenkomplex beschäftigt hat, hat ein einfaches Lesevergnügen vor sich. Dabei sind die Befunde aus dem Buch gar keine weltbewegenden Neuheiten. Im Prinzip sind diese Befunde schon in den 90ern von führenden Politologen aufgestellt worden und werden seit mindestens zwanzig Jahren in der Literatur diskutiert. Das Label Postdemokratie als Umbrella Term, also als Sammelbezeichnung für verschiedene Phänomene eines Themenkomplexes erlaubt es jedoch, dies auf einen Nenner zu bringen, um dann als geballtes „Plädoyer für Umverteilung“, wie ich es beschrieb, zu verwenden. Ich würde es nicht so eindimensional lesen, ich denke, in dem Buch steckt noch jede Menge mehr als nur die Forderung nach Umverteilung – aber dass Einkommensgleichheit auch für die oberen Schichten gut ist, ist inzwischen auch wissenschaftlich belegt (siehe dazu beispielsweise den TED von Richard Wilkinson) – und dass Umverteilung für Interesse an Politik und damit gut gegen den Einfluss von Wirtschaftslobbys führt ist übrigens die zentrale Argumentation von Crouchs drittem Buch.

Ich vergebe für das Buch keine Wertung. Ich finde es absolut plausibel, ich kaufe Crouch, der ja auch jahrelang in diesem Bereich geforscht hat, seine Diagnose absolut ab. Ich wage es jetzt nicht, hier zu sagen, dass Crouchs Diagnose absolut richtig sein muss – vor allem weil er auch wenig konkrete Handlungsmöglichkeiten liefert. Lesenswert ist das Buch dennoch für jeden, der sich auch nur annähernd für Probleme unser Gesellschaftsstruktur und unserer gesellschaftlichen Ausrichtung interessiert, sollte sich dieses Buch mal zur Brust nehmen – Schaden kann es niemandem.

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Montagsfrage vom 08.05.2017

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Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage,

ja, ich lebe noch. Nachdem dieser Blog zwei Wochen unfreiwillig pausierte und es davor schon etwas hakte, geht es nun endlich weiter – heute erstmal mit der Montagsfrage:

Besitzt du eine (oder mehrere) Schmuckausgabe/n von bestimmten Büchern?

Nein, nicht, dass ich wüsste. Also keine Ausgaben, die explizit als Schmuckausgaben herausgegeben wurden. Ich mag zwar grundsätzlich solche Schmuckausgaben recht gerne, sie sind mir allerdings in den meisten Fällen deutlich zu teuer – außerdem schränken sie meinen ohnehin schon beschränkten Regalplatz immer weiter ein, sodass ich für mich einfach beschlossen habe, dass ich darauf lieber verzichten möchte – wenngleich ich nicht ausschließen möchte, in der etwas ferneren Zukunft meine Meinung diesbezüglich noch zu ändern.

 

Was war also los in den vergangenen Wochen? Ein neues Semester begann. Und abgesehen davon, dass die Lesezeit dabei immer etwas zu kurz kommt, scheint es bei mir jedes Semester irgendeine Neuerung zu geben. Das führte dazu, dass ich in den letzten Wochen nicht in meinem gewohnten Rhythmus veröffentlichen konnte und diverse Kleinigkeiten immer weiter vor mir hergeschoben habe. Um dem entgegen zu wirken und euch dennoch regelmäßig neue Inhalte bieten zu können, reduziere ich ab sofort die Beitragsanzahl auf drei pro Woche. Neben der Montagsfrage könnt ihr euch demnächst einmal am Mittwoch auf eine Rezension freuen sowie am Freitag oder Samstag auf einen weiteren Post aus den zahlreichen Blogprojekten. Los geht es schon am Mittwoch mit einem sehr spannenden und für diesen Blog reichlich ungewohnten Buch.

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Montagsfrage vom 24.04.2017

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Einen wunderschönen Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage nach einem Ostermontag Pause. Kommen wir direkt zur heutigen Frage:

Das erste Quartal des Jahres ist fast vorüber, wie viel hast du schon gelesen und welche Bücher sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Nun, das erste Quartal des Jahres ist in der Tat schon seit einiger Zeit vorüber, mein Lesepensum hält sich dennoch in Grenzen. Der endlos lange und grandiose Sci-Fi Roman „Der unsichtbare Killer“ hat mein erstes Quartal natürlich geprägt und auch an dem Hörbuch „Sommer 1927“ habe ich viel Zeit verbracht, außerdem erinnere ich mich noch gut an die letzten Klassiker aus dem Bereich der romantischen Erzählungen und an einige Agatha-Christie Hörbücher.

Zählt man nur die reinen Bücher und Hörbücher, stehe ich bei zwölf, dazu kommen Sherlock-Holmes Geschichten, zwei klassische Erzählungen und einige Heftromane für mein Leseprojekt. Das hätte gerne insgesamt deutlich mehr sein können, ist aber in der Summe schon völlig in Ordnung – dass ich im Studium nicht mehr so viel Lesezeit habe, wie zu Schulzeiten, war ja abzusehen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, ich gebe mir Mühe, diesen Blog weiterhin gut zu bestücken und freue mich darauf, euch am Mittwoch eine weitere Rezi präsentieren zu können.

Bis dahin!

 

 

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Ein Fall geschickter Täuschung – Arthur Conan Doyle

Die heutige Sherlock-Holmes Geschichte ist unter verschiedenen Namen bekannt, so findet man diese Geschichte beispielsweise auch unter dem Namen „Eine Frage der Identität“ oder „Der rätselhafte Bräutigam“ – der englische Titel ist mit dem Titel A Case of Identity einheitlicher. Es ist folgerichtig der dritte Band aus der Erzählungssammlung „Die Abenteuer des Sherlock Holms“ – und um euch schon mal zu spoilern: Auch hier tritt nicht eine Leiche auf. Also, es kommt auch keine vor.

Sherlock und Watson sitzen wieder zusammen, als plötzlich eine junge Frau hereinkommt, um sich ihren Rat von Sherlock zu holen. Sie verfügt über ein kleines Einkommen, das derzeit ihr (Stief-) Vater verwaltet, der sie zugleich von gesellschaftlichen Aktivitäten fernhält. Gegen den Willen ihres Vaters zu einem Ball gegangen, lernt sie prompt einen Mann kennen, der sich in sie verliebt und schließlich nach einigen Tagen – der Stiefvater verkehrt derzeit in Frankreich – um ihre Hand anhält. Die Hochzeit soll noch möglichst schnell vollzogen werden, die junge Dame willigt ein und so wird die Hochzeit schnell und heimlich geplant. Doch am Tag der Hochzeit taucht der Bräutigam einfach nicht auf und sie sorgt sich, wo er wohl sein könnte. Holmes sieht recht schnell eine Lösung – die er bereits zwei Briefe später und am Folgetag Watson – und damit dem Leser präsentiert.

Ich verrate die Lösung an dieser Stelle mal wieder nicht, möchte aber dennoch erwähnen, dass die Lösung nicht völlig offensichtlich, aber ahnbar ist. Ich hatte so ungefähr nach der Hälfte der Geschichte, die ja mit weniger als 20 Seiten nochmal kürzer ist als die ersten beiden, eine Ahnung, wer es gewesen sein könnte, dachte mir aber dann bei mir ‚das wird doch wohl nicht…?‘ – es war dann trotzdem so. Es gibt über diese Art von Krimi kaum noch etwas zu sagen, was mir aber bei diesem Titel stark aufgefallen ist, dass die Perspektive ausschließlich die von Watson ist. Das ist natürlich erzählerisch absolut sinnvoll, führt aber dazu, dass man als Leser nicht in der Lage ist, irgendwelche Hinweise auf die Lösung zu bekommen, die Sherlock sieht. Seine zahlreichen Hinweise, die er wahrnimmt, bleiben für uns als Leser nicht nachvollziehbar und dennoch beeindruckend – Sherlock hat dabei auch kein Problem, unseren Erzähler etwas freundschaftlich-herablassend zu behandeln, warum ihm das denn alles nicht auffalle.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Anspielungen auf andere Fälle, die mehr sehr gut gefallen – so wird beispielsweise auf unseren ersten Fall, Ein Skandal in Böhmen, verwiesen, die dem Detektiv eine goldene Tabaksdose einbrachte. Außergewöhnlich finde ich in diesem Fall das Ende des Bandes, das eben nicht die klassische Form von Aufklärung ist, die man erwarten würde, dennoch ist es ein eigentlich ziemlich deduktiv gelöster Whodunit. Und über das in der Erzählung geschilderte Frauenbild möchte ich lieber den Mantel des Schweigens hüllen – denn das macht die Figuren direkt etwas unsympathisch.

Davon abgesehen ist es eine weitere kurze, aber dennoch interessante Geschichte. Ich brauche jetzt nochmal einen Fundus von drei bis vier weiteren Geschichten, dann bin ich bestimmt auch besser in der Lage, die einzelnen Aspekte besser zu beleuchten und Unterschiede darzustellen. In der Zwischenzeit belasse ich es mal bei guten 3,5/5 Sternen – und hoffe eigentlich auch auf etwas längere Geschichten. 17 Seiten sind doch schon sehr wenig.