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Am Abgrund – Wolfgang Hohlbein

Ich habe mal wieder eine Reihe angefangen. Ich weiß, das sollte ich lieber lassen und es tut meinem SuB auch nicht besonders gut, aber da die ersten fünf Bände ohnehin seit einigen Jahren auf meinem SuB liegen, dachte ich, ich könnte genausogut damit anfangen. Ich muss die Reihe ja nicht unbedingt fertiglesen.

Die Rede ist von der Chronik der Unsterblichen, Hohlbeins größter, längster und mutmaßlich auch komplexester Reihe. Während die Hexer-Reihe in gedruckter Form auch fast 6000 Seiten umfasst, liegt die Chronik der Unsterblichen bei aktuell 10 Bänden und 7700 Seiten (plus >700 Seiten Bonusmaterial) noch drüber. Und abgeschlossen ist die Reihe noch lange nicht. Es gibt Zusatzgeschichten, sogar eine Rockopernadaption und ein zweiteiliges Konzeptalbum einer Progessive-Metal Band. Das zufälligerweise auch zu meinen Lieblingsalben zählt. Kurzum: Als Hohlbeinfan war es unvermeidlich, diese Reihe früher oder später anzugehen.

Andrej Delani möchte sein Heimatdorf besuchen, um nach dem Tod von Frau und Tochter wieder nach seinen Verwandten zu sehen. Doch er findet nur Grauen vor. Ein kleiner Junge – der sogar sein Sohn zu sein scheint – erzählt davon, wie Männer ins Dorf kamen, seinen Bruder (?) qualvoll folterten und den Rest des Dorfes töteten. Nur wenige konnten fliehen und sind inzwischen gefangengenommen worden. Drei goldene Reiter waren die schlimmsten von allen. Also macht ich Andrej mit dem Jungen auf den Weg und sie ziehen in die Großstadt. Auf dem Weg dorthin müssen sie ihren ersten Kampf gegen die Reiter austragen und der Junge lernt, was für ein Kämpfer Andrej ist und dass ihm auch schlimme Wunden kaum etwas ausmachen. Im Gasthaus zur Zwischeneinkehr lernen sie eine Diebesbande kennen und wollen sich ihnen anschließen, als das Gasthaus unter großen Verlusten niedergebrannt wird. Schließlich in der Stadt angekommen, hält dort auch der Inquisitor Einzug, der hinter Delani her ist – er ahnt dies nur, weiß aber nicht, wieso. Nach einem Versteckspiel, Frederics Mord am Inquisitor und einigem Scharaden wird Delani erst in die Burg geschmuggelt, dann gefangen genommen, wird aber – warum auch immer – nicht verbrannt, sondern soll einem Menschenhändler verkauft werden. Im Hafen lernt er dann, was eigentlich mit ihm los ist. Er ist einer der Unsterblichen, also eine Art Vampir. Er ernährt sich von anderen Menschen, um sein eigenes Leben zu verlängern. Das ist der Grund, warum er auch nie ernsthaft verletzt wurde – er kann sich enorm schnell regenerieren.

Ich muss sagen, ich habe schon mal einen Vampirroman von Hohlbein gelesen (Dunkel), aber war von dem nicht so begeistert, dass ich viel Motivation für eine lange Vampirreihe hatte. Dennoch hat mich der Band sehr angenehm überrascht. Das Büchlein ist recht überschaubar, sodass in meiner Ausgabe sogar zwei Bände in einem Buch zusammengefasst wurden, Band 1 umfasst kaum 350 Seiten. Für diese 350 Seiten passiert jedoch enorm viel, ihr seht, wie lange ich für die Inhaltsangabe gebraucht habe. Spannend finde ich es, dass man zunächst nicht weiß, was mit Delani los ist, wieso er solche Kräfte hat – das wird erst in den letzten Seiten deutlich, was dazu führt, dass man das ganze Buch über – man weiß ja, was es für eine Reihe ist – eine Ahnung mit sich trägt, die aber erst sehr spät verifiziert wird. Eigentlich eine recht interessante Idee, wobei dann natürlich deutlich wird, dass es nur ein Reihenauftakt ist. Zwar ist die Geschichte in sich abgeschlossen, es bleibt aber noch so viel offen, dass es klar ist, dass es weitergehen muss – und der Band schafft es, Lust auf mehr zu machen.

Meines Erachtens ist Am Abrgund einer der besten Hohlbein-Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Die Geschichte ist spannend erzählt, sie ist überschaubar und dennoch passiert ausreichend viel. Was Hohlbein immer etwas übertreibt, sind meiner Ansicht nach die Actionszenen, die sind mal wieder sehr zahlreich vertreten. Etwas weniger Action und dafür mehr Zeit für die Charakterbildung wäre ganz nett gewesen. Andrej erinnert ein wenig an die Enwor-Saga, auch Andrej möchte eigentlich nicht kämpfen, ist aber gleichzeitig ein exzellenter Krieger. Das Ende des Bandes ist auch gut beschrieben, löst einige Fäden gut auf, lässt andere für die Fortsetzung offen und insgesamt sind die für Hohlbein recht typischen Schwächen in diesem Band so wenig ausgeprägt, dass ich mich gerne zu 4,5/5 Sternen hinreißen lasse – und mich vom zweiten Band erstmal zugunsten eines anderen Hohlbeins losreißen musste.

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Montagsfrage vom 22.01.2018

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage:

Gibt es ein Buch oder eine Reihe, dem/der deiner Meinung nach zu wenig Beachtung geschenkt wurde?

Das ist eine schwierige Frage. Viele Bücher und Reihen, die es meiner Meinung nach weniger verdient hatten, wurden in den letzten Jahren immer mal wieder gehypt, einige Reihen, die es verdient hatten, bekamen ihren Hype und enorm viele Bücher bleiben unter dem Radar der geneigten Leserschaft. Seien es Indie-Romane aus Kleinverlagen (Ich habe hier beispielsweise „Der blutende Planet von Markus L. Stettler“ im Hinterkopf), seien es die B-Titel in den Publikumsverlagen, wie „Der Moloch von Stella Gemmell“ oder die zahlreichen Bücher, die auch ich nicht gelesen habe, weil ich wenig von ihnen weiß – daher der Aufruf an euch – lest häufiger mal ein Buch abseits der Bestenlisten und der Publikumsverlage! Häufig lohnt es sich.

In diesem Sinne, habt eine gute Woche. Da es mit zwei Posts pro Woche in den letzten Wochen immer schwierig war, bin ich erstmal dazu übergegangen, euch zumindest einen Beitrag jede Woche zu präsentieren – der kommt dafür auch sicher, diese Woche am Donnerstag.

Bis dahin!

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Anubis – Wolfgang Hohlbein

Es ist mal wieder Zeit für einen großen Roman von Hohlbein. Da ich das aktuelle Buch noch nicht in meinem Besitz habe, habe ich in meinem SuB gekramt und dort einen Titel aus dem Jahr 2004 gefunden. Veröffentlicht bei Lübbe, zwischenzeitlich in einem Taschenbuch für 6€ herausgegeben, ist das Buch schon einige Zeit nicht mehr im Druck. Ich hatte es mal gebraucht für knapp einen Euro mitgenommen und trotz der eher negativen Bewertungen, habe ich mich rangetraut.

Wir lernen Professor vanAndt kennen, der an einer kleinen, unbedeutenden Uni eine Professor für Archäologie innehat. Eines Tages kommt ein Freund aus seiner Studienzeit, Dr. Graves zu ihm und bittet ihn, ihm bei einem Forschungsprojekt zu helfen. Weil jedoch damals eher unangenehme Sachen vorgefallen sind –  in einem Leichtsinnsprojekt verlor vanAndt seine damalige Freundin durch einen Angriff von seltsamen Ghoulwesen und gibt sich die Schuld für ihren Tod. Er geht daraufhin eben in jenes Exil in einer kleinen Uni und zieht sich aus dem aktiven Leben ansonsten weitestgehend zurück. Doch Dr. Graves kann ihn tatsächlich überreden und er folgt ihm zu einer seltsamen Ausgrabungsstätte, wo er völlig unglaubliches findet: Altägyptische Relikte, ja eine unterirdische Stadt, die voller unbekannter Hieroglyphen ist. vanAndt soll bei der Entzifferung dieser Hieroglyphen helfen, stößt jedoch schnell auf einige Schwierigkeiten – vor allem aber geschehen merkwürdige Ereignisse. Es passieren nächtliche Angriffe, es wird merkwürdigerweise kalt und ein merkwürdiger Eingang taucht auf, der scheinbar nicht zu öffnen ist – und die Schriftzeichen dort gehorchen keiner scheinbaren Logik, nur durch eine übernatürliche Eingebung kann vanAndt ansatzweise Sinn konstruieren. Nebenher ist dort noch ein konkurrierendes Team von Archäologen, die Dr. Graves permanent die Polizei auf den Hals hetzt – vor allem, als die ersten beteiligten Wissenschaftler sich abwenden und es zu einem mysteriösen Vorfall auf dem Friedhof kommt, ist sie alarmiert. Und als dann auch noch vanAndts Haushälterin nicht nur dort ankommt, sondern auch noch von den in der Tiefe lauernden Wesen, Ghoulen genannt, erst entführt und dann, nackt und verletzt, freigelassen wird, schrillen auch bei vanAndt alle Alarmglocken. Doch es ist zu spät, der entscheidende Vollmond naht und das Tor öffnet sich. Gemeinsam mit dem Mädchen für alles, Tom, stellen sich vanAndt, Graves und Ms. Preußler der Gefahr – wenngleich vanAndt und Ms. Preußler sich nur wegen der dort gefangen gehaltenen Frauen anschließen.

Ich mag das Ende nicht so ganz spoilern, aber ich halte es für verschmerzbar, wenn ich euch erzähle, dass Widersprüche mit der ‚euklidschen Geometrie‘ – Hohlbeins Lieblingsformulierung -, Tentakelwesen aus der Tiefsee und der drohende Tod aller Protagonisten eine wichtige Rolle spielt. Ich persönlich fand das Ende so mittelmäßig. Ich habe schon schlechtere Enden bei Hohlbein gelesen, aber so wirklich aufgelöst wird am Ende dann doch eher wenig. Es ist eher so ein Ende durch Wegfall der Handlungsgrundlage, wenn ihr versteht, was ich sagen möchte. Jedoch habe ich bei Hohlbein auch schon bessere Enden gelesen, sodass ich hier nicht so völlig glücklich war.

Ansonsten handelt es sich bei diesem Roman um einen ganz normalen Hohlbein. Meiner Ansicht nach sind die sehr schlechten Bewertungen auf den diversen Plattformen wenig gerechtfertigt, es ist sicherlich nicht Hohlbeins Meisterwerk, aber es ist ein solide geschriebener Fantasyroman, es kommen mal wieder Anlehnungen an Lovecraft vor. Was ganz hübsch ist, ist, dass hier mit der ägyptischen Mythologie gespielt wird und ein bisschen mit dieser Ancient-Alien-Hypothese (bzw. Verschwörungstheorie) gespielt wird. Diese Verknüpfung, vermutlich auch die Ausgangsidee dieses Romans ist eine wirklich gute Idee. Die Umsetzung ist leider nicht immer gelungen. Gerade im ersten Teil kommt doch etwas wenig Spannung auf und auch die ständigen Kämpfe und Spannungsszenen, die etwas erzwungen wirken, sind auf Dauer ermüdend. Es würde dem Roman gut tun, ihn um 200 Seiten zu kürzen, ihn stärker an einem roten Faden auszurichten und die Schlussszenen noch etwas auszugestalten. So ist es doch teilweise mehr ein durchkämpfen als noch vollendeter Lesegenuss, wenngleich das Abschalten bei diesem Roman recht gut gelingt.

Hohlbein ist und bleibt ein Autor für leicht lesbare Fantasy, die auch nicht zu komplex wird – im Prinzip sind gerade mal vier Charaktere von Bedeutung – und die den Leser manchmal zu sehr mit spannenden Szenen am Ball hält. Wem das gefällt, wer einfach leichte ‚Pulp Ficiton‘ für zwischendurch braucht, hat mit diesem Roman einen günstigen Fang gemacht. Hohlbein-Enthusiasten werden diesen Roman sicherlich lesen und über die Schwächen hinwegsehen können, Neuligen und Gelegenheitsleser müssen diesen Titel jedoch nicht unbedingt lesen. In diesem Sinne vergebe ich aber noch immer ganz passable 3/5 Sternen.

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Montagsfrage vom 15.01.2018

Hallo zusammen und Herzlich Willkommen zur heutigen Montagsfrage!

Manchmal schwärmt man ja regelrecht für eine Buchfigur. Welche ist/war euer aktueller/letzter Character Crush?

Hm. Das ist wieder eine für mich schwierig zu beantwortende Frage. Denn so etwas passiert wirklich sehr selten. Manchmal komme ich gut in eine Geschichte rein und fiebere dann auch mit den Charakteren mit, hoffe, dass ihre Beziehung hält, hoffe, dass sie alle Gefahren gut übersteht – aber dass ich wirklich für eine Figur schwärme, passiert mir eigentlich nie. Ich mochte die Figuren aus der Divergent-Reihe, ich fieberte total mit beim Schwert der Wahrheit und ich finde es generell immer positiv, wenn die Hauptfigur nicht der typische Held oder die typische Heldin ist, sondern eher unerwartet in ihre Position kommt. Aber nein, an einen „Character Crush“ kann ich mich in den letzten Jahren nicht erinnen.

In diesem Sinne euch eine gute Woche!

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Gute Zeiten mit Hanni und Nanni (#20)

Während es in den letzten Bänden so war, dass diese von einem deutschen Ghostwriter verfasst wurden, ist dieser Band etwas anders. Er weist im Impressum „Text: Pamela Cox“ aus. Eigentlich heißt das Buch „The Third Form at St Clares“ und wurde im Jahr 2000 geschrieben, um die Lücke, die in den Originalbänden von Enid Blyton entstand, zu füllen. Doch während der Originaltext eben in der dritten Klasse spielt, sind die Zwillinge in der deutschen Fassung magischerweise in der fünften Klasse. Warum das nötig ist, wo die Bücher doch die Schuljahre ohnehin durchwürfeln, braucht man nicht zu verstehen.

Jedenfalls geht es in diesem Band hauptsächlich nicht um Hanni und Nanni, sondern um ein Theaterstück. Denn als die Mädchen nach Lindenhof zurückkehren, gibt es gleich zwei Überraschungen: Carlotta wird Klassensprecherin und die Klasse soll ein Theaterstück einstudieren – was und wie sie es organisiert, bleibt allein ihr überlassen. Zusätzlich gibt es einige Tagesschüler, unter anderem Lissi, die von einem nahegelegenen Pferdehof kommt – was Carlotta dazu verleitet, dort viel Zeit beim Reiten zuzubringen. Neu sind außerdem Astrid und Raphaela, letztere trägt das Geheimnis, dass sie von der Schauspielschule herausflog, weil sie zu schlecht war – blüht aber als Autorin des Klassenstücks auf. Astrid deckt das Geheimnis auf, um ihr zu schaden – und hat einen ziemlichen Hasa auf Carlotta, vor allem, wiel Carlotta ihr ihre Freundin Lissi wegzunehmen droht. Bei einer Mitternachtsparty verrät sie die Klasse und aus Trotz versucht sie, mit einem für sie viel zu anspruchsvollen Pferd zu reiten, was zu einer Rettungsaktion durch Carlotta und einer ordentlichen Verletzung Carlottas führt. Halbwegs geläutert verlässt sie die Schule – und auch Raphaela kehrt in die Autorenklasse der Schauspielschule zurück.

Ich muss sagen, so katastrophal wie die vorigen Bände fand ich diesen Band nicht. Dramatisch sind nur die ganzen, wirklich zahlreichen Inkonsequenzen. Irgendwie passt nichts zusammen, die Mädchen erinnern sich an zahlreiche Ereignisse von früher, an andere, die viel näher liegen, jedoch nicht; Charakterentwicklungen haben nicht stattgefunden und chronologisch passt auch einiges nicht zusammen. Die Geschichte ist noch halbwegs stimmig, die Figuren sind aber mitunter recht eindimensional gezeichnet, gerade die neuen stehen nur für einen gewissen Menschentyp, der Konflikt in eine bestehende Gruppe hereinbringt. Dass Astrid so extrem böse ist – sie zerschneidet sogar die Kostüme für die Theateraufführung – war mir persönlich etwas zu überzogen – warum muss es denn noch immer mehr sein? Es war auch schon so deutlich, was Astrid für ein Charakter ist.

Und die Geschichte um das Theaterstück – mir blieb da vieles zu vage, was man auch gut hätte ausbauen können. Warum sich Carlotta und Jenny streiten mussten, hat sich mir auch nich unbedingt erschlossen – generell fand ich die Zeichnung von Carlotta nicht so angebracht – da haben wir sie in den letzten Bänden anders kennengelernt.

In diesem Sinne bleibt es dennoch bei 2,5/5 Sternen für diesen Band – es ist etwas besser als die letzten Bände, kommt aber bei weitem nicht an den Geist der frühen Bände heran.

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Montagsfrage vom 08.01.2017

Guten Morgen zusammen und Herzlich Willkommen zur ersten Montagsfrage des Jahres

Hast du einen Jahresrückblick 2017 verfasst oder interessiert dich das eher weniger? Wenn ja, was magst du daran?

Ja habe ich:

Romanfresser 2017 & 2018

Warum ich das gemacht habe – nun, es ist eine gewisse Tradition, dass ich zumindest mal meine Lesestatistiken zusammenfasse und ein bisschen über die Blogprojekte des vergangenen und des kommenden Jahres spreche – und es hilft mir auch, mich ein bisschen darauf einzustimmen, was mich auf meinem Blog im kommenden Jahr erwarten wird.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Woche, die ja für viele die erste Arbeits- und für mich nach einem Korrekturmarathon letzte Woche auch wieder die erste Vorlesungswoche ist.

Bis dahin!

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Die Geschichte des Beryll-Kopfschmucks – Arthur Conan Doyle

Mit der heutigen Geschichte geht es auch schon ans Ende der Artikelserie zum Kurzgeschichtenband ‚Die Abenteuer des Sherlock Homes‘, der noch eine weitere Geschichte umfasst. Aber keine Sorge, neue Krimi-Kurzgeschichten sind schon in Planung. Doch zur heutigen Geschichte:

Ein aufgeregter, gut gekleideter Herr kommt in die Baker Street und erzählt eine furchtbare Geschichte: Ein gut gestellter Herr bat in seiner Bank um ein Darlehen, nur ein Wochenende und er ließ als Sicherheit eine Krone mit Beryllsteinen beim Banker. Diese hatte den doppelten Wert des Darlehens und da der Banker seinem Banktresor nicht traute, nahm er das Schmuckstück mit nach Hause. Nun findet er in der Nacht darauf, nach einem vorausgegangenen Streit um die Spielsucht seines Sohnes, ebenjenen mit dem Kopfschmuck, dem eine Goldecke mit drei Steinen fehlt. Doch die Durchsuchung des Sohnes und Hauses bringt keine Ergebnisse. Sherlock Holmes hingegen glaubt die Geschichte nicht und vermutet, dass der Sohn unschuldig ist. So versucht er auch, genau dies nachzuweisen. Aus den Fußspuren des Schnees und einigen logischen Schlüssen – so kann die Krone nicht im Haus zerbrochen werden, da man sonst das Abbrechen als Knall gehört hätte – kann er auch nachweisen, dass tatsächlich seine Nichte, die ihm den Haushalt führt, mit einem Verbrecher anbendelte, der sie den Kopfschmuck ausgehändigt hat. Arthur versuchte nach einem Streit mit ebenjenem, die Krone nur zurechtzubiegen. Zwar konnte die Ecke nicht wiederbeschafft werden, Holmes konnte jedoch mit leichtem Verlust die Steine zurückkaufen.

Hierbei handelt es sich um ein relativ neues Motiv. Es gibt zwar in der Geschichte einige Aspekte, die mir komisch vorkamen, beispielsweise, warum er den Kopfschmuck mit nach Hause nimmt und dann auch noch seiner Familie davon erzählt – vor allem, weil er um den Zustand seines Sohnes weiß, dass aber dann eine unscheinbare Nebenfigur die Täterin wird, ist eine in meinen Augen ziemlich gelungene Wendung der Geschichte. Es entspricht auch dem relativ klassischen Whodunit-Prinzip, der Ort ist relativ abgeschlossen und kaum Außenstehende kommen für die Tat infrage. Ein solches Setting bauen ja die meisten Sherlock-Holmes Geschichten auf und auch hier ist es wieder meisterhaft durchgesetzt. Auch hier bleibt jedoch Watson als Sidekick wieder sehr farblos – was mir gefallen hat, ist, dass Sherlock in diesem Fall nicht nur am Schreibtisch nachgedacht hat, sondern dass er auch rausgefahren ist, um sich die Sache genauer anzusehen und dass er mit klassisch kriminologischen Techniken – der Analyse von Fußspuren – arbeitet, um den Täter zu finden.

Weil mir das Motiv dieser Geschichte relativ gut gefiel und ich die neue Idee recht reizvoll fand – eine Abwechslung zu den normalen Liebesgeschichten, wenngleich die Liebe auch hier eine wichtige Rolle spielt – gibt es von mir gerne 3,5/5 Sternen für diese Geschichte. Aber wer den ganzen Kurzgeschichtenband liest, wird sicherlich auch mit dieser Geschichte seine Freude haben.

 

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Monatsliste vom Dezember 2017

Mal wieder ist ein Monat vergangen und mal wieder wird es Zeit, zurückzublicken auf das Lesepensum des vergangenen Monats. Ich hätte mir gewünscht, dass es – gerade angesichts der Zugfahrten im letzten Monat etwas mehr Seiten werden, aber letztenendes kann ich mit dem Ergebnis relativ zufrieden sein. Natürlich wünsche ich mir da für das nächste Jahr wieder etwas mehr Lesezeit, vor allem aber auch wieder etwas SuB-Abbau – denn das war in diesem Jahr leider viel zu selten der Fall und gerade der Dezember hat durch die Weihnachtsgeschenke auch wieder etwas mehr dazu beigetragen, dass mein SuB nicht gerade schrumpft.

Dennoch, neben einem guten Start ins neue Jahr wünsche ich euch jetzt noch einen schönen Feiertag und versorge euch nun nur noch mit den Zahlen:

Gelesen:

Miss Maples letzte Fälle – Agatha Christie (coming soon, 153 Seiten)
Am Abgrund – Wolfgang Hohlbein (coming soon, 361 Seiten)

Gelesen (Deutsch): 417 Seiten, 0  Seiten pro Tag
Gelesen (Englisch): 0 Seiten, 0 Seiten pro Tag
Gelesen (gesamt): 417 Seiten, 13,9 Seiten pro Tag

Geschenkt:

Academia Obscura – Glen Wirght
Oculus – Im Auge des Sturms – Wolfgang Hohlbein
Oculus – Am Ende der Zeit – Wolfgang Hohlbein

End-Sub-Stand: 111

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Romanfresser 2017 & 2018

Mal wieder ist es der letzte Abend im Jahr und mal wieder wird es Zeit für einen kleinen Jahresrückblick, den ich in guter Tradition mit ein paar Zahlen beginnen möchte – auch wenn dies wohl die traurigsten Zahlen seit Beginn der Aufzeichnungen sind. Stellen wir uns ihnen dennoch:

Januar 2017: 1082 Seiten gelesen, SuB von 112 auf 113 (+1)
Februar 2017: 646 Seiten gelesen, SuB von 113 auf 111 (-2)
März 2017: 1990 Seiten gelesen, SuB von 111 auf 110 (-1)
April 2017: 869 Seiten gelesen, SuB von 110 auf 112(+2)
Mai 2017: 23 Seiten gelesen, SuB konstant bei 112 (0)
Juni 2017: 1040 Seiten gelesen, SuB von 112 auf 109 (-3)
Juli 2017: 472 Seiten gelesen, SuB konstant bei 109 (0)
August 2017: 809 Seiten gelesen, SuB unbekannt
September 2017: 617 Seiten gelesen, SuB von 109 auf 111 (+2)
Oktober 2017: 308 Seiten gelesen, SuB von 111 auf 110 (-1)
November 2017: 417 Seiten gelesen, SuB von 110 auf 109 (-1)
Dezember 2017: 514 Seiten gelesen, SuB von 109 auf 111 (+2)

Gesamt: 8787 Seiten gelesen, SuB von 112 auf 111 (-1)

Dass die Zahlen einen neuen Tiefpunkt markieren, war für mich wenig überraschend. Überraschend war dabei für mich eher, dass es dann dennoch über 700 Seiten im Monat waren, denn gefühlt habe ich in diesem Jahr fast nichts gelesen und habe es auch kaum geschafft, mir Lesezeit freizuräumen – wobei natürlich einerseits zu bedenken, ist, dass ich pro Semester mehrere tausend Seiten an Fachtexten für die Uni lesen muss und dann froh bin, in der Freizeit mal nichts zu lesen – andererseits bin ich durch mittlerweile zwei Nebenjobs auch deutlich eingespannter als in den letzten Jahren, sodass auch hier Lesezeit verloren geht. Für das kommende Jahr kann ich an dieser Stelle noch absolut keine Prognose wagen; gegen Ende des Jahres geht es dann nämlich auch mit großen Schritten auf meinen Abschluss zu und ich bin noch unsicher, ob diese Zeit noch anstrengender oder möglicherweise sogar entspannter wird. Für das erste halbe Jahr nehme ich mir zumindest vor, zumindest diesen Schnitt von gerundeten 750 Seiten im Monat zu halten und gleichzeitig meinen SuB zumindest zu halten – einige Neuerscheinungen hätte ich gerne noch möglichst zeitnah und ich möchte ja den positiven Trend dieses Jahres, den SuB zumindest nicht weiter aufzubauen, gerne weiter fortführen. Zumindest das ist positiv an diesem Jahr, wirklichen SuB-Aufbau gab es quasi nicht. Hier kam mal ein Buch dazu, hier noch eins weg, zu Weinachten wurden es dann wieder etwas mehr, aber insgesamt ist der Trend besser als in den letzten Tagen. Hier wäre es mein Ziel fürs nächste Jahr, endlich mal wieder zweistellig zu werden.

Blogprojekte 2017 & 2018

Im letzten Jahr habe ich überwiegend bestehende Blogprojekte fortgeführt, Lyrikfresser ist wieder etwas eingeschlafen und neben den Heftromanen und der losen Reihe ‚Hanni und Nanni‘ habe ich mich mit Kurzgeschichten von Arthur Conan Doyle beschäftigt, also den ersten Band ‚Die Abenteuer des Sherlock Holmes‘ habe ich gelesen. Nach der zwölften Geschichte, die noch im Januar erscheinen wird, gibt es voraussichtlich erstmal eine Pause mit Sherlock Holmes, dafür habe ich schon im letzten Monat einige Geschichten von Miss Marple gelesen, sodass ich auch daraus ein kleines Blogprojekt machen werde – möglicherweise ein etwas kürzeres mit rund acht Beiträgen, möglicherweise könnte es auch in einer Verlängerung gehen, sodass ich gleich alle Kurzgeschichten mit Miss Marple bespreche, das entscheide ich relativ spontan.

Mit den Heftromanen von heute bin ich zunächst fertig, angekündigt habe ich aber bereits, dass ich mich nun Heftromanen aus der Weimarer Republik zuwenden werde. Auch hier weiß ich noch nicht genau, in welcher Regelmäßigkeit und mit welchem Umfang ich das schaffen werde, ihr könnt aber davon ausgehen, dass solche Projekte, die neben meinem alltäglichen Lesen inzwischen eine wichtige Säule in meinem Blog ausmachen – einfach weil mein Lesepensum mit dem Veröffentlichungspensum nicht standhalten kann und ich euch so mit einem verhältnismäßig geringen Zeitaufwand dennoch mit einigen Beiträgen versorgen kann. Und da kommt auch schon mein wichtigster Vorsatz für 2018: Wieder regelmäßiger bloggen.

Dieses Jahr war es so, dass ich häufig erst Mitte der Woche zur Montagsfrage kam und dann entgegen der Ankündigungen Beiträge verspätet oder auch gar nicht kamen. Das möchte ich 2018 unbedingt verbessern und damit auch die Schlagzahl – in diesem Jahr waren es mit 118 Posts zwar noch immer jeden dritten Tag einer, aber schon deutlich weniger als in den vergangenen Jahren – wieder etwas erhöhen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Start ins neue Jahr und alles Gute für 2018 – die Montagsfrage pausiert diese Woche noch, sodass ich euch morgen direkt mit der Monatsliste versorgen werde.

Bis dahin!

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Die verschwundene Braut – Arthur Conan Doyle

Man wird den Eindruck nicht los, dass sich zu Holmes gar nicht die einfachen Menschen aus dem Alltag melden, die ihre ganz alltäglichen Fälle melden, sondern dass der Londoner Hochadel bei ihm ein- und ausgeht. Deutlich wird das hier in dieser Geschichte, in der sich ein hochrangiger Lord ankündigt und, noch als er auf seinen Stand pocht, zurückgewiesen wird, dass Holmes schon höhere Adlige bei sich hatte.

Lord St. Simon erzählt also von seiner Frau, die er geheiratet hat und bei deren Hochzeit, von einem fallengelassenen Brautstrauß abgesehen, auch gänzlich ohne Komplikationen verlief. Dennoch dauerte es beim Hochzeitsessen kaum einige Minuten, bis sie sich kurz entschuldigte und für immer verschwand. Der Lord wird nicht schlau daraus, was mit seiner Frau passiert sein soll, eine reiche Dame, deren Vater in Amerika zu Geld kam. Eine gewisse Flora Miller wird verdächtigt, etwas damit zu tun haben, kurz darauf kommt ein befreundeter Polizist vorbei und zeigt ihnen noch eine handschriftliche Notiz, die auch auf diese Flora Miller hindeutet. Als Holmes jedoch eine gänzlich andere Idee hat und dem Polizisten einige Andeutungen macht, hält dieser das jedoch nur für Unfug und ermittelt weiter in seine Richtung.

Und hier setzt dann mal wieder der klassische Whodunit ein. Es gibt am Ende einen runden Tisch, Holmes präsentiert die Auflösung, jemand wird sauer und es kommt dann auch zu einem (kleinen) Eklat. So, wie man sich einen guten alten Krimi vorstellt, sorgt Holmes hier für eine astreine Auflösung. Und das gefiel mir außerordentlich gut.

Mal wieder war es so ein Beziehungsfall – wenn ich mich recht erinnere, hatten wir schonmal einen ganz ähnlichen Fall, bei dem eine Braut im Kontext der Hochzeit verschwand – ich hatte beim letzten Mal angedeutet, dass ich mit solchen Fällen nicht so viel anfangen kann. So war es auch hier. Die Spannung, die ich beim letzten Fall so gelobt hatte, fehlt mir hier komplett. Der Fall ist nicht besonders fesselnd erzählt, lediglich die letzten Seiten, in denen es dann aufgelöst wird, fand ich spannend geschrieben. Insgesamt bleibt es eine gute Lösung, bei der mir aber auch die innovativen Elemente fehlten, es ist einfach eine ganz normale Geschichte, in der ein kleiner, merkwürdiger Fall aufgerollt wird. Ein Lehrbuchstück für Holmes deduktive Methode, man kann mit etwas Mitraten sicherlich auf die Lösung kommen.

Ich gebe dieses Mal nur 2,5/5 Sternen, denn diese Geschichte hatte im Gegensatz zur letzten leider ziemlich wenig Höhepunkte, mal von Holmes abgesehen, der aber auch sehr intransparent und sehr schnell auf seine Lösung kam. Es folgt dem Schema Erzählung – Intermezzo – Auflösung. Gerade der spannende Zwischenteil fällt jedoch hier leider etwas hinten runter. Ich freue mich jedoch dann in der nächsten Geschichte wieder auf einen spannenden Fall – und sicherlich muss man auch berücksichtigen, dass zu Conan Doyles Lebzeiten gerade solche Fälle von höchstem öffentlichen Interesse gewesen sein dürften und die Geschichte dementsprechend erfolgreich gewesen sein dürfte.