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Jonathan Livingston Seagull – Richard Bach

Cover von Jonathan Livingston Seagull

 

Jonathan Livingston Seagull oder Die Möwe Jonathan, wie es im Deutschen heißt, ist nur eine kleine Novelle des Schriftstellers Richard Bach, der aber über 40 Millionen Mal verkauft wurde und somit zu den meistverkauften Büchern der Welt zählt und in einer Liga mit Het Achterhuis und Der Alchemist spielt.

Es ist eine Geschichte über eine Möwe, Jonathan, für die das Fliegen nicht nur ein Mittel zum Zweck ist, sondern das Fliegen gerne zur Perfektion bringen möchte. Eine Möwe, die leidenschaftlich gerne fliegt, immer neue Figuren und Geschwindigkeiten ausprobieren möchte und für die das Fliegen der Sinn des Lebens ist. Das stößt bei den anderen Möwen nicht auf Begeisterung und so wird Jonathan aus der Möwengemeinschaft ausgestoßen. Jonathan gibt jedoch nicht auf, scheint eine andere Bewusstseinsebene zu erreichen, in der er begreift, dass dieser Gedanke der Freiheit, für den das Fliegen steht, in jeder Möwe veranlagt ist. So kehrt er zu seinem Schwarm zurück und lehrt sie das Fliegen, anfangs noch etwas schleppend, später dann mit großem Erfolg. Und doch ist er selbst nicht unersetzlich, viel mehr zieht er weiter und lässt den Schwarm mit seiner neuen Freiheit auf sich alleine gestellt, mit neuen Ausbildern, neuen Idolen und neuem Lebenssinn zurück.

Die Novelle greift in ihrer Kürze ganz viele Aspekte des menschlichen Zusammenlebens auf. Es ist eine Ode an die Toleranz von Andersdenkenden, von denen man vielleicht noch viel lernen kann, gleichzeitig ist es ein Plädoyer für das Streben nach Verbesserung, nach Neuen, vielleicht sogar nach Perfektion und nach Mehr. Dazu die Tiermetapher zu bemühen kommt schon sehr stark an den Fabelgedanken heran, wohl deshalb wird diese Geschichte als eine moderne Fabel bezeichnet.

Jetzt kann man das natürlich kritisch sehen. Wir alle wissen, dass es kein endloses Wachstum gibt, dass Perfektion nicht erreicht werden kann und dass diese „Höher, schneller, weiter“ Denken in großem Maße für die aktuellen Probleme dieser Welt verantwortlich ist. Aber darum geht es hier nicht. Zumindest nicht vordergründig. Aus meiner Perspektive zumindest nicht. Vielleicht kann man es so lesen, aber der wichtigste Teil ist für mich der, mit der Toleranz für Andersdenkende und die Motivation, etwas Neues zu tun und dem Alltagstrott zu entweichen.

Die Novelle ist echt kurz. Mit einigen Möwenbildern ist meine Ausgabe aufgepeppt, trotzdem kommt sie nur auf 87 Seiten. Trotz der englischen Sprache, brauchte ich keine Stunde, um sie durchzulesen. Das ist aber nicht schlimm, es ist eben eine Novelle und kein wirklicher Roman. Denn sie ist wunderschön. Welches Bild könnte wohl stärker für Freiheit stehen, als eine fliegende Möwe? Und die Worte, die Richard Bach für Jonathan findet, sind einfach einzigartig. Ich glaube, es ist lange her, dass ich etwas gelesen, was in der Ästhetik der Wortwahl an die Möwe Jonathan herankommt. Und diese Sprachästhetik überträgt sich dabei auch auf die Geschichte. Es ist schwierig zu beschreiben, aber es ist einfach ein wunderschönes Erlebnis, Jonathan auf seinen Höhenflügen zu begleiten, ihn in die anderen Bewusstseinsebenen zu verfolgen und miterleben, wie er von Erfolg zu Erfolg fliegt und am Ende seinen schier endlosen Weg fortsetzt.

Viel mehr muss ich an dieser Stelle auch gar nicht loswerden. Die Novelle ist lesenswert. Definitiv. Vielleicht nicht unbedingt ein Must-Read, aber ein wunderschönes Werk, eine tolle Fabel mit einer schönen Aussage. 4,5/5 Sterne gebe ich dafür und bereue nicht, diese Stunde meines Lebens geopfert zu haben. Für 8,00€ auf Englisch bzw. 10€ auf Deutsch ist das zwar durchaus viel Geld für wenig Material, aber so ein Buch eignet sich super dafür, es zu verschenken oder immer wieder zu lesen.

2 Kommentare

  1. Zum Klassiker „Die Möwe Jonathan“ bzw. „Jonathan Livingston Seagull“ gibt es übrigens auch einen Film sowie einen Grammy-prämierten Soundtrack von Neil Diamond. Den Film kenne ich nicht, der Soundtrack für sich genommen hat mich jetzt aber nicht gerade begeistert (aber das ist ja oft so) 🙂

  2. Pingback: Wer suchet, der findet #1: Nov/Dez 2015 | Romanfresser.de

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