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Das Marmorbild – Joseph von Eichendorff

Habe ich schon mal darüber gesprochen, wie nach sich die romantischen Autoren standen? Die Erzählung von Eichendorff ‚Das Marmorbild‘ erschien zuerst im Frauentaschenbuch für das Jahr 1819. Herausgegeben wurde dieses Buch von einem befreundeten Ehepaar mit dem Namen de la Motte-Fouqué, dessen männliche Hälfte Autor der Undine war, die wir bereits besprochen haben. Und eigentlich kann man das bei jedem Autor, den wir hier besprechen, behaupten, dass er irgendwie mit anderen Autoren vernetzt war – muss ich den Kreis der Serapionsbrüder noch erwähnen?

Egal, kommen wir zu Eichendorff. Das Marmorbild ist eine schöne kleine Liebesgeschichte. Der Dichter Florio ist auf dem Weg in einer Stadt, als er einem Mann begegnet, mit dem er sich angeregt unterhält. In der Stadt entpuppt sich dieser dann als der Sänger Fortunato, einem großen Vorbild vom ihm. Sie lernen ein junges Mädchen kennen, das Florio beim anschließenden Dinner auch besingt. Doch er lernt auch einen anderen Mann kennen, der ihm etwas seltsam vorkommt, der ihn aber dazu bringt, eine Frau zu sehen, wie sie schöner und anmutiger kaum sein könnte. Sie ähnelt der Marmorstatue der Venus, die er zuvor sah – und der fremde Mann, der Ritter Donati verspricht ein Treffen. Auf einem Maskenball trifft er eine Griechin, die ihn anzieht – sie ist ebenjene Statuenfigur. Er kommt in ihr Schloss, ist jedoch so verschreckt von den lebendigen Statuen, dass er die Stadt verlassen will – zufällig mir seinem Freund Fortunato, der ihm dann von einem Zauber der heidnischen Venus berichtet, woraufhin Florio realisiert, dass er Opfer eines Spuks wurde. Er kommt dann mit dem Mädchen des Dinners zusammen.

Ich muss sagen, ich kam relativ schwierig in die Geschichte hinein, weil mir der Stil nicht so wahnsinnig zugänglich erschien. Eichendorff schreibt zwar gut verständlich und sprachlich sehr sauber, aber auch sehr sehr dicht. Die ganze Geschichte, bei der ich oben zahlreiche Details weggelassen habe, umfasst kaum 50 Seiten und es passiert eine ganze Menge, es gibt relativ viele Figuren und nicht immer ist transparent, wen der junge Florio gerade trifft. Aber diese Verwirrung ist ja auch Programm, denn er selbst weiß es oft genug nicht und erfährt erst auf der letzten Seite, dass er von einem Spuk heimgesucht wurde. Unklar bleibt für mich das Ausmaß des Spuks. War nur die lebendige Venus eine Illusion oder auch der Ritter Donati? Wer war die Griechin? All diese Fragen werden im Buch nicht beantwortet.

Mit dem Spukmotiv und dem idealisierten Künstlerdasein mit hohem Stellenwert des Künstlertums ist diese Erzählung eine typisch romantische. Einige Gedichte und Gesänge lockern den Prosatext auf – und die fügen sich auch wirklich schön in den Text ein. Andere Elemente fehlen hier, komplexe Erzählstrukturen gibt es nicht, aber wir könnten darüber diskutieren, wie auktorial, wie allwissend dieser Erzähler hier wirklich ist, denn er wirkt schon sehr nah an Florio. Wieder mal kann man von einer subjektiven Realität, die wir schon einmal hatten, ausgehen.

Auch jetzt in der Nachbetrachtung werde ich mit der Geschichte nicht vollständig warm. Eigentlich mag ich es sehr gerne, wenn romantische Dichter mit Künstlerfiguren spielen – schaut euch dazu nochmal mein Projekt zu den Serapionsbrüdern an – aber hier konnte ich nicht wirklich den Zugang dazu finden. Ich will die Geschichte nicht schlecht reden, sie ist schon sehr dicht und kunstvoll geschrieben und bietet viele Anknüpfungspunkt, um sie sich mal genauer anzuschauen – aber mein persönlicher Favorit wird sie wohl nicht. Ich bin jetzt sehr gespannt, ob ich zur Prosa Eichendorff vielleicht in einer anderen Geschichte noch Zugang finde. Bis dahin bleibe ich mal bei unentschlossenen 3/5 Sternen.

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