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Anubis – Wolfgang Hohlbein

Es ist mal wieder Zeit für einen großen Roman von Hohlbein. Da ich das aktuelle Buch noch nicht in meinem Besitz habe, habe ich in meinem SuB gekramt und dort einen Titel aus dem Jahr 2004 gefunden. Veröffentlicht bei Lübbe, zwischenzeitlich in einem Taschenbuch für 6€ herausgegeben, ist das Buch schon einige Zeit nicht mehr im Druck. Ich hatte es mal gebraucht für knapp einen Euro mitgenommen und trotz der eher negativen Bewertungen, habe ich mich rangetraut.

Wir lernen Professor vanAndt kennen, der an einer kleinen, unbedeutenden Uni eine Professor für Archäologie innehat. Eines Tages kommt ein Freund aus seiner Studienzeit, Dr. Graves zu ihm und bittet ihn, ihm bei einem Forschungsprojekt zu helfen. Weil jedoch damals eher unangenehme Sachen vorgefallen sind –  in einem Leichtsinnsprojekt verlor vanAndt seine damalige Freundin durch einen Angriff von seltsamen Ghoulwesen und gibt sich die Schuld für ihren Tod. Er geht daraufhin eben in jenes Exil in einer kleinen Uni und zieht sich aus dem aktiven Leben ansonsten weitestgehend zurück. Doch Dr. Graves kann ihn tatsächlich überreden und er folgt ihm zu einer seltsamen Ausgrabungsstätte, wo er völlig unglaubliches findet: Altägyptische Relikte, ja eine unterirdische Stadt, die voller unbekannter Hieroglyphen ist. vanAndt soll bei der Entzifferung dieser Hieroglyphen helfen, stößt jedoch schnell auf einige Schwierigkeiten – vor allem aber geschehen merkwürdige Ereignisse. Es passieren nächtliche Angriffe, es wird merkwürdigerweise kalt und ein merkwürdiger Eingang taucht auf, der scheinbar nicht zu öffnen ist – und die Schriftzeichen dort gehorchen keiner scheinbaren Logik, nur durch eine übernatürliche Eingebung kann vanAndt ansatzweise Sinn konstruieren. Nebenher ist dort noch ein konkurrierendes Team von Archäologen, die Dr. Graves permanent die Polizei auf den Hals hetzt – vor allem, als die ersten beteiligten Wissenschaftler sich abwenden und es zu einem mysteriösen Vorfall auf dem Friedhof kommt, ist sie alarmiert. Und als dann auch noch vanAndts Haushälterin nicht nur dort ankommt, sondern auch noch von den in der Tiefe lauernden Wesen, Ghoulen genannt, erst entführt und dann, nackt und verletzt, freigelassen wird, schrillen auch bei vanAndt alle Alarmglocken. Doch es ist zu spät, der entscheidende Vollmond naht und das Tor öffnet sich. Gemeinsam mit dem Mädchen für alles, Tom, stellen sich vanAndt, Graves und Ms. Preußler der Gefahr – wenngleich vanAndt und Ms. Preußler sich nur wegen der dort gefangen gehaltenen Frauen anschließen.

Ich mag das Ende nicht so ganz spoilern, aber ich halte es für verschmerzbar, wenn ich euch erzähle, dass Widersprüche mit der ‚euklidschen Geometrie‘ – Hohlbeins Lieblingsformulierung -, Tentakelwesen aus der Tiefsee und der drohende Tod aller Protagonisten eine wichtige Rolle spielt. Ich persönlich fand das Ende so mittelmäßig. Ich habe schon schlechtere Enden bei Hohlbein gelesen, aber so wirklich aufgelöst wird am Ende dann doch eher wenig. Es ist eher so ein Ende durch Wegfall der Handlungsgrundlage, wenn ihr versteht, was ich sagen möchte. Jedoch habe ich bei Hohlbein auch schon bessere Enden gelesen, sodass ich hier nicht so völlig glücklich war.

Ansonsten handelt es sich bei diesem Roman um einen ganz normalen Hohlbein. Meiner Ansicht nach sind die sehr schlechten Bewertungen auf den diversen Plattformen wenig gerechtfertigt, es ist sicherlich nicht Hohlbeins Meisterwerk, aber es ist ein solide geschriebener Fantasyroman, es kommen mal wieder Anlehnungen an Lovecraft vor. Was ganz hübsch ist, ist, dass hier mit der ägyptischen Mythologie gespielt wird und ein bisschen mit dieser Ancient-Alien-Hypothese (bzw. Verschwörungstheorie) gespielt wird. Diese Verknüpfung, vermutlich auch die Ausgangsidee dieses Romans ist eine wirklich gute Idee. Die Umsetzung ist leider nicht immer gelungen. Gerade im ersten Teil kommt doch etwas wenig Spannung auf und auch die ständigen Kämpfe und Spannungsszenen, die etwas erzwungen wirken, sind auf Dauer ermüdend. Es würde dem Roman gut tun, ihn um 200 Seiten zu kürzen, ihn stärker an einem roten Faden auszurichten und die Schlussszenen noch etwas auszugestalten. So ist es doch teilweise mehr ein durchkämpfen als noch vollendeter Lesegenuss, wenngleich das Abschalten bei diesem Roman recht gut gelingt.

Hohlbein ist und bleibt ein Autor für leicht lesbare Fantasy, die auch nicht zu komplex wird – im Prinzip sind gerade mal vier Charaktere von Bedeutung – und die den Leser manchmal zu sehr mit spannenden Szenen am Ball hält. Wem das gefällt, wer einfach leichte ‚Pulp Ficiton‘ für zwischendurch braucht, hat mit diesem Roman einen günstigen Fang gemacht. Hohlbein-Enthusiasten werden diesen Roman sicherlich lesen und über die Schwächen hinwegsehen können, Neuligen und Gelegenheitsleser müssen diesen Titel jedoch nicht unbedingt lesen. In diesem Sinne vergebe ich aber noch immer ganz passable 3/5 Sternen.

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