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16:50 Uhr ab Paddington – Agatha Christie

Ich höre in den letzten Monaten immer mal wieder Agatha Christie Hörbücher – dieses Mal gab es zum ersten Mal einen Fall für Miss Marple – 16:50 Uhr ab Paddington, einer der vier Bände, die in den 60ern in großartigen Filmen mit Margaret Rutherford als Miss Marple verfilmt wurden.

Eine Freundin von Miss Marple hat einen Mord beobachtet. Sie war im Zug unterwegs und beobachtete, wie im Nebenzug eine Frau erdrosselt und dann aus dem Zug geworfen wurde. Sie erzählt dies Miss Marple und die kann sich auch sicher sein, dass sie auch die Wahrheit erzählt. Sie fragt also bei der Polizei nach, die auch umfassend ermittelt, aber keine Leiche findet. Also versucht sie herauszufinden, wo denn die Leiche aus dem Zug geworfen wurde und stellt fest, dass es in der Gegend um Rutherford Hall bei der Familie Crackenthorpe gewesen sein muss. Also heuert sie eine weitere Bekannte an, Miss Eyelsbarrow, die dort als Haushälterin anfangen und in ihrer Freizeit nach der Leiche suchen soll. Schließlich findet sie nicht nur eine Puderdose, sondern auch die Leiche – versteckt in einem Sarkopharg in einer alten Scheune und schon einige Wochen dort. Und nun entspannt sich eine ziemlich verwirrende Familiengeschichte. Ein Sohn soll wohl im Krieg kurz vor seinem Tod noch geheiratet haben und es könnte dann diese Witwe sein, die jetzt getötet wurde – später spielt dann auch noch Arsen eine Rolle. Vor allem aber der alte Crackenthorpe, der aufgrund gewisser Erbschaftsangelegenheiten ziemlich geizig ist und vor allem glaubt, dass ihn jeder umbringen wolle, um an sein ziemlich wertvolles Grundstück zu kommen. Am Ende kommt dann aber alles doch ganz anders.

Wie, das soll natürlich an dieser Stelle nicht verraten werden. Jedenfalls ist es dann am Ende mal wieder – wie so oft bei Christie – etwas völlig anderes, als man sich ständig denkt. Zumindest hatte ich trotz einiger Gedanken, die ich mir gedacht habe, keine Ahnung, was denn da am Ende passiert ist und ich muss zugeben, innerhalb der letzten Seiten hatte ich dann auch völlig vergessen, dass es ja eigentlich mal um den Mord in einem Zug ging. Besonders gefiel mir, wie galant die Auflösung dann doch war. Miss Marple, die die ganze Zeit als heimliche Tante von Lucy Eyelesbarrow in der Nähe war und als dann Scotland Yard in Gestalt ihres Bekannten Sherriffs eingeschaltet wurde, lädt sich auf dem Anwesen zum Tee ein und kann den Mörder so überführen. Zweifelsfrei und alle Handlungsstränge aufklärend, bleibt am Ende nichts offen.

Mir gefiel auch dieser Krimi mal wieder relativ gut. Es war schon deutlich anders als die Poirot-Krimis, denn während Poirot oft explizit beauftragt wird, kommt Marple einfach so an ihre Fälle, sie ist bei weitem nicht so eingebildet – und der Fokus der Handlung lag auch weit weniger auf Miss Marple, als auf Lucy, die Rutherford Hall erkundigt hat.  Marple tritt also eher im Hintergrund auf und legt sich dort alles zusammen. Auch wenn ich die arrogante Art Poirots ganz gernhatte, hatte ich auch an diesem Krimi viel Spaß und würde mich über weitere (ungekürzte!) Christie-Hörbücher freuen. Neu für mich war hier eine weibliche Sprecherin, was aber auch nur eine Eingewöhnungszeit von einer Viertelstunde erforderte – es war zudem eine sehr passende Stimme.

Normalerweise gibt es in diesem klassischen Krimi-Setting ja eine ermittelnde Figur und einen mehr oder weniger nützlichen Sidekick, die klassische Holmes & Watson Konstellation. Hier allerdings gibt es Marple, die eher im Hintergrund ist, ihr Sidekick ist Lucy, die aber viel mehr Arbeit macht, als nur zu dokumentieren oder sie zu begleiten; dazu kommen noch zwei Jungen, die auch mithelfen und den Scotland Yard Ermittler – Marple ist eher so die weise Dame, die man hin und wieder mal konsultiert und die Tipps liefert, die aber nur am Ende einmal zur Auflösung Hand anlegt.

Ich mochte diese Konstellation, es war jederzeit spannend und man hatte den Drang weiterzulesen, andererseits war es natürlich ein gesitteter Krimi, der kein Thriller war und die Nerven raubte. Ich gebe dafür gerne 4/5 Sternen – ein toller Krimi, den man sich gerne durchlesen, ansehen (Achtung, die Verfilmung weicht deutlich vom Buch ab) oder eben auch anhören kann.

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